Live-Hangout mit dem Hashtag-Soziologen @KlausMJan über die Kölner Internetwoche #iw7

Hashtag-Soziologie
Hashtag-Soziologie

Wir sind der Überzeugung, dass die Digitalisierung genauso eine gesellschaftliche Transformation bedeutet – und damit ein neues Denken, eine andere Haltung erfordert. Der Prozess der Digitalisierung verläuft nicht monokausal. Es bilden sich neue Strukturen von Systemen heraus und das wollen wir thematisieren.

Vernetzte Sozialität/Networked Sociality ist ein neues Organisationsprinzip, manche Autoren sprechen von einem Neuen Sozialen Betriebssystem. All das wollen wir am Dienstag, den 25. Oktober von 14 bis 18,30 Uhr mit Euch auf der Kölner Internetwoche diskutieren. Der Hashtag-Soziologe Klaus Janowitz und ich geben einen Einblick in die Veranstaltung.

Seid dabei und meldet Euch für das Event am 25. Oktober an. Teilnahme ist kostenfrei.

20:15 Uhr: #Bloggercamp.tv spricht über die Götterdämmerung beim Debattenportal Carta

Gast in der Sendung ist der ehemalige Carta-Herausgeber Wolfgang Michal. Wir haben versucht, auch die „Gegenseite“ einzuladen. Das wurde leider verweigert. Wenn Ihr mitdiskutieren wollt, könnt Ihr das über die Eventseite von Google Plus – also über die Frage-und-Antwort-Funktion.

„Das Online-Magazin und Autoren-Blog Carta wurde schon mit dem Grimme Online Award und einem Lead Award ausgezeichnet. Namhafte Autoren haben dort veröffentlicht. Nun gibt es massig Ärger. Teile der Redaktion sehen die Unabhängigkeit von Carta in Gefahr, ein neuer Herausgeber wurde berufen, man zofft sich auf Twitter“, so beschreibt Meedia die Lage bei Carta Anfang September.

Carta werde seit März 2012 von der Unternehmergesellschaft Carta UG herausgegeben, an der Brode und Michal Anteile halten.

„Tatjana Brode ist die Mehrheits-Gesellschafterin. Außerdem gibt es den Förderverein Carta e.V., der sich u.a. um Fördermittel kümmern soll. So wird Carta über den Verein zum Beispiel von der Rudolf Augstein Stiftung gefördert. Die Redaktion wurde bis vor kurzem von Vera Bunse gemacht. Brode, Michal und Leonard Novy fungierten als Herausgeber. Laut Auskunft von Wolfgang Michal seien auf einer Sitzung Anfang Mai neue Verträge vorgelegt worden, die vorgesehen hätten, dass redaktionelle Beiträge mit dem Verein abzustimmen seien“, so Meedia.

Mittlerweile liegen Stellungnahmen von Michal und Brode vor. Ein kleines und ambitioniertes Projekt, ein großer Eklat am Schluss und wohl wenig Perspektiven für das Debattenportal Carta. Das werden wir heute Abend ausführlich mit Wolfgang Michal besprechen.

Sind wir nicht alle Idioten, Herr Spreng? Kleine Anmerkung zur Piraten-Jagd

„Der eine tobt mit Schaum vorm Mund, er könne den ‚Schnickschnack‘ nicht mehr hören, der andere sieht keine Inhalte und wirft ihnen vor, ‚eine Antwort, wie man verantwortungsvolle Politik macht, haben sie nicht‘. Die Piraten lassen etablierte Politiker wie Kurt Beck ausrasten und Jürgen Trittin verzweifeln. Diese Vorwürfe, so richtig und berechtigt sie sind, laufen ins Leere. Denn gerade die Inhalts- und Ahnungslosigkeit ist die Stärke der Piratenpartei. ‚Mut zur Lücke‘ nennen sie das. Wer nichts weiß und auch nicht viel wissen will, schon gar nicht Belehrungen von den anderen, ist kaum angreifbar. Und die Wähler der Piraten lieben geradezu diese Ahnungslosigkeit.“ Das schreibt der Berater Michael Spreng in seinem Beitrag „Die Gummiwand-Partei“.

Aber der schlaue Herr Spreng, dieser Polit-Checker vom Dienst hat natürlich schon ein probates Gegenmittel parat:

„Erst dann, wenn die Piraten im Bundestag sitzen, gibt es eine Chance auf ihre Entzauberung. Länderbühnen sind dafür zu klein, die Themen überregional uninteressant. Erst dann, wenn die Piraten auf der großen Bühne nationaler Politik agieren und abstimmen müssen, wird ihre politische Ahnungslosigkeit, ihre Kulturfeindlichkeit, ihre eigene mangelnde Transparenz, ihre Arroganz zum nationalen Thema. Bis dahin aber treibt jeder Kurt Beck, jeder Jürgen Trittin ihnen neue Wähler zu.“

An was macht man die Ahnungslosigkeit eigentlich fest? Rettungsanker für Schlecker-Mitarbeiterinnen? Darauf haben die Hasardeure der Weltmeere nicht sofort eine Antwort parat. Rente, Steuern, Mindestlohn, Afghanistan, Finanzkrise, Euro, Zebrastreifen, Verkehrsberuhigung in Pimpelhausen, Spontanvegetation an Straßenkreuzungen, Schwarzfahren beim Verpackungsrecycling, Sonnenfinsternis, Klimawandel, Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren, Ausbreitung von gefährlichen Viren in Krankenhäusern: Zu all diesen Themen kommen von der Enterhaken-Partei keine Aussagen.

Ein programmatisches Nirwana.

Da lob ich mir die erfahrenen und mit allen Wassern gewaschenen Politprofis, die zu jeder nicht gestellten Frage (siehe Spreng) sofort auswendig gelernte und alternativlose Plattitüden ins Mikrofon labern. Kluge und analytisch fundierte Sätze frei nach dem Motto: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist (Credo auch von Polit-Analysten). Man verkündet Weisheiten und Gewissheiten mit der Halbwertszeit von Radon.

In der Realität sind die Vertreter des Establishments genauso unwissend und laienhaft wie du und ich. Deswegen wirkt die Laienhaftigkeit der Piraten doch so sympathisch.

Man sollte viel häufiger darauf verzichten, Illusionen der Gewissheit und Regelbarkeit in die Welt zu blasen:

„Die Menschheitsgeschichte ist voll mit Illusionen der Gewissheit. Astrologie, Religion oder heute auch Versicherungen. Wir versuchen immer gerne, aus der Unsicherheit etwas Sicheres zu machen“, erläutert Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, in der Fernsehsendung „Sternstunde Philosophie“.

Viel wichtiger ist es, den Menschen zu sagen, was man nicht kann. Beispielsweise mit nobelpreisgekrönten mathematischen Modellen Vorhersagen über Risiken auf den Finanzmärkten zu treffen. Das sei nur geeignet für eine Welt mit bekannten Risiken, so Gigerenzer. Analysten und Finanzpolitiker stochern genauso im Nebel, wie Tante Erna mit ihrem Konto auf der Sparkasse.

Es gibt auch keine Gewissheiten für perfekten Datenschutz im Internet.

„Im Netz herrscht, ob wir wollen oder nicht, die totale Transparenz. Die Handlungsempfehlung ist fast so alt wie das Internet. Schreibe nichts in eine Mail, was Du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Das haben wir schon in den 90er Jahren gesagt, als das Internet aus der Kindergrippe kam. Der Satz war vielleicht nicht radikal genug formuliert. Heute müsste man es anders sagen. Gehe davon aus, dass alles, was Du sagst, schreibst oder sogar denkst, im Internet auftauchen wird“, mahnt der Publizist Tim Cole.

Mit dieser Aussage kann eigentlich jeder etwas anfangen. Wenn das so ist, sollten wir uns eher auf unsere Intuition verlassen als auf die Besserwisser-Semantiker in der Datenschutz-Debatte.

Insofern ist der gegen die Piraten gerichtete Vorwurf mangelhafter Professionalität eher eine Auszeichnung. Sind wir nicht alle Idioten, Herr Spreng?

In meiner The European-Kolumne kann man morgen den vollständigen Beitrag lesen, da gehe ich allerdings nicht auf Spreng ein. Seinen Beitrag habe ich eben erst gelesen.

Siehe auch:

Piratenpartei liegt bundesweit schon bei neun Prozent.

Update: Hier nun die Montagskolumne.

Call Center-Totenmesse abgesagt: Frankfurter Messegesellschaft beerdigt Be Connected

„Die Be Connected wird ab 2012 nicht mehr stattfinden. Die Plattform für das Themenfeld Kundenkontakt-Management hat zweimal stattgefunden, aber nicht die erhofften Resultate gebracht. „Aufgrund der enormen Veränderungen in der schnelllebigen Contactcenter- Branche macht die aktuelle Marktsituation ein eigenständiges, auf Wachstum ausgerichtetes Veranstaltungsformat kaum möglich““, sagt Klaus Reinke von der Messe Frankfurt.

Die Be Connected gehörte zu einer Gruppe von Veranstaltungen, mit denen Deutschlands führende Messegesellschaft das Thema der „Digitalisierung des Geschäftslebens“ adressiert. Dieses neue Themenfeld sei im Bereich „New Business“ verortet, der den Auftrag hat, neue Themen mit Wachstumspotenzial für die Unternehmensgruppe zu entwickeln.

Unberührt von der Absage sind die Kongressmessen Digital Touch und Voice + IP, die am 30. und 31. Oktober stattfinden. Im vergangenen Jahr versuchten die Veranstalter, das Ganze im Dreierpack zu verkaufen – mit wenig Erfolg. Selbst die in den vergangenen Jahren gut besuchte Fachveranstaltung Voice + IP litt unter dem unklaren Konzept, von Call Center über Kommunikationstechnologie bis zu Social Media alles unter einem Hut zu bringen. Im Herbst gibt es für die Call Center-Branche jetzt keinen größeren Kongress mehr, da auch die Konkurrenz mit der Contact Center Trends die Segel gestrichen hat. Und auch die Voice Days in Nürnberg konnten nicht am Leben gehalten werden. Darüber hatte ich ja schon Anfang 2011 berichtet.

Einzig die Call Center World, die Ende Februar über die Bühne geht, erfreut sich eines ungetrübten Zuspruchs.

Nach meinem Dafürhalten ist die Branche einfach zu klein, um mehrere Großereignisse im Jahr zu verkraften. Man sollte jetzt einfach die Finger von weiteren Experimenten lassen. Dabei hatte ich mir bei der Moderation einer Expertenrunde auf der Be Connected so viel Mühe gegeben….

Übrigens wird sich das Schlagwort „Contact Center“ in Deutschland nie durchsetzen. Da denkt man eher an die Reeperbahn in Hamburg oder so….

Die Mashup-Kommunikation der Staatstrojaner äh Unionspolitiker: „Sie war einfach weg!“ (die Website von Uhl)

Schöner Hinweis von netzpolitik.org auf die fabulöse Filmproduktion von Farlion. Er hat Ausschnitte der Reden von Innenstaatssekretär Ole Schröder und dem Unionspolitiker Hans-Peter Uhl aus der Staatstrojaner-Debatte zusammen geschnitten, was streckenweise sehr lustig ist.

Das Filmchen beweist, wie sich die Regierungskoaliton in Widersprüche verstickt, nur die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke.

Noch lustiger ist das FAZ-Interview mit dem CSU-Starker-Staat-Politiker Uhl: Befragt zu den digitalen Erfahrungen, die er so persönlich gemacht hat, antwortet der Uhl:

„Gerade ist meine Homepage gehackt worden.“ Nachfrage der FAZ: „Und – was ist passiert?“ Uhl: „Sie war einfach weg!“

Darüber hinaus wies er die „Chaoten-Piraten-Vorwürfe“ zurück, dass die Behörden nicht wissen könnten, was man ihnen da an Software unterschiebt. Komisch, der BKA-Präsident sagte doch im Innenausschuss, dass seine Behörde keine Einsicht in den Quellecode hatte.

Ich glaube ja, der Uhl liegt richtig. Natürlich wussten die Sicherheitsbehörden und die Innenministerien, welche Leistungen sie bei der Firma DigiTask eingekauft haben, auch wenn sie nicht in der Lage waren, den Quellcode einzusehen. Den Leistungsumfang der Programmierarbeiten von DigiTask haben sie mit Sicherheit vorgegeben.

Und wenn das nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes geschehen ist, liegt ein Verfassungsbruch vor.

Denn es besagt doch der gesunde Menschenverstand, dass der Staat seine Etats nicht verwendet wie beim Kauf von Überraschungseiern, wo man nie weiß, was drinsteckt. Wer etwas bestellt, will es auch im vollen Umfang nutzen.

Aber selbst wenn sich die Schlapphut-Beamten auf die Quellen-TKÜ-Funktion beschränkt hätten, fehlt dafür die gesetzliche Grundlage, wie der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichtes Hans-Jürgen Papier im Interview mit der FAS klarstellte. „Ich halte es für sinnvoll, dass der Bundesgesetzgeber dies in der Strafprozessordnung regelt.“

Denn der Einsatz von Trojanern gehe „weit über eine herkömmliche Telefonüberwachung hinaus.“ Papier, der an dem Urteil zur Online-Durchsuchung im Februar 2008 beteiligt war, widerprach damit Bundesinnenminister Friedrich. „Unsere Vorbehalte von damals wurden meines Erachtens in der Öffentlichkeit bislang nicht gebührend wahrgenommen“, so Papier.