Europa am Kipppunkt der KI-Ära – Sam Altman und Mathias Döpfner eröffnen die politische Debatte über Souveränität, Freiheit und die Zukunft des Menschen

Mit der Premiere seines neuen Gesprächsformats „MD MEETS“ legt Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner die Latte hoch: Kein Politiker, kein Showgast – sondern Sam Altman, der mächtigste KI-Architekt der Gegenwart, CEO von OpenAI. In 45 Minuten sprechen die beiden über nichts Geringeres als das Schicksal Europas, den Sinn des Fortschritts und die Frage, ob der Mensch in der Ära künstlicher Intelligenz überlebt – moralisch, ökonomisch und kulturell.

Dieser Podcast ist mehr als Medienunterhaltung. Es ist eine politische Zäsur. Döpfner, einer der wichtigsten publizistischen Köpfe Europas, trifft den Entwickler jener Technologie, die unsere Demokratien, Arbeitsmärkte und Wahrheitsbegriffe zugleich beflügelt und bedroht. Der Springer-Chef fragt, Altman antwortet – und im Subtext steht die neue Weltordnung der Intelligenzsysteme.

Europas letzte Chance

„Europa darf nicht Weltmeister der Regulierung werden“, warnt Altman. Der Satz klingt technokratisch, ist aber Sprengstoff. In Wahrheit sagt er: Wenn Europa weiter bremst, wird es von der Landkarte der Innovation verschwinden. Altman kündigt den Aufbau einer „OpenAI-Souverän-Cloud für Deutschland“ an – gemeinsam mit SAP und Microsoft. Eine strategische Kampfansage an die digitale Abhängigkeit vom Silicon Valley und zugleich ein Testfall für Europas Selbstbehauptung im Zeitalter der KI.

Döpfner legt den Finger auf die Wunde: Europas Regierungen verteidigen Datenschutz, aber verlieren den Anschluss. Altman kontert höflich, aber bestimmt – KI sei längst weiter, als die meisten wüssten. „Wir haben Systeme, die unsere klügsten Menschen in den schwersten intellektuellen Disziplinen schlagen“, sagt er. Der Satz ist so beiläufig wie beunruhigend. Er beschreibt das Ende des kognitiven Monopols des Menschen – und den Beginn eines Wettlaufs zwischen technologischer Geschwindigkeit und politischer Trägheit.

Arbeit, Würde, Kontrolle

Döpfner fragt nach den Jobs der Zukunft. Altman antwortet, als sähe er in Zeitlupe zu, wie sich eine Zivilisation neu ordnet: „Kurzfristig wird KI viele Jobs zerstören. Langfristig werden völlig neue entstehen.“ Es ist die klassische Fortschrittsformel – und doch schwingt Skepsis mit. Die Frage, was bleibt, wenn Maschinen denken, berühren, komponieren, ist keine ökonomische mehr, sondern eine anthropologische. Altman glaubt an das „unerschöpfliche Bedürfnis des Menschen, gebraucht zu werden“. Eine tröstliche These, die aber zur Nagelprobe wird, wenn ganze Branchen automatisiert werden – von der Anwaltschaft bis zur Redaktion.

Gerade letzteres führt zum Kern des Gesprächs: der Zukunft des Journalismus. Altman erkennt die Paradoxie seiner eigenen Schöpfung: ChatGPT ist zugleich Werkzeug und Risiko für die Öffentlichkeit. „Ich wäre traurig, wenn KI den Journalismus zerstört“, sagt er. Aber er weiß auch, dass sie ihn verwandeln wird. Döpfner bringt das Prinzip auf den Punkt: „Ohne Vergütung für Inhalte trocknet das System aus – dann gibt es nichts mehr, was sich ‚scrapen‘ lässt.“ Eine präzise Beschreibung des neuen Urheberkriegs zwischen Maschine und Medium.

Der neue Prometheus

Philosophisch wird es, als Döpfner Harari und Oscar Wilde zitiert: Wird der Mensch zum Gott? Will Sam Altman ewig leben? Seine Antwort ist überraschend nüchtern: Nein. Ewigkeit sei kein Ziel, sagt er, sondern ein Irrtum. Fortschritt brauche Erneuerung, Sterblichkeit, Übergang. Altman träumt vom Leben als Landwirt, wenn die KI seine Arbeit übernimmt – der Schöpfer, der sich selbst abschafft. Das ist mehr als Anekdote. Es ist ein modernes Gleichnis: Der neue Prometheus will nach der Erleuchtung zurück in den Ackerboden.

Doch zwischen Technikglaube und Natursehnsucht bleibt die offene Frage: Wer kontrolliert die Schöpfung? Altman denkt in geopolitischen Kategorien. KI, sagt er, werde Kriegsführung, Propaganda und Machtbalance grundlegend verändern. Wenn „ein böser Akteur“ Zugang zu Superintelligenz habe, könne er ganze Systeme destabilisieren. Die Konsequenz: globale Governance, ähnlich der nuklearen Rüstungskontrolle. Der Vergleich ist nicht zufällig. KI ist längst eine strategische Waffe – unsichtbar, allgegenwärtig, unkontrolliert.

Freiheit im Zeitalter der Antwortmaschinen

Döpfner und Altman verhandeln schließlich, was auf dem Spiel steht: die Freiheit des Wortes. Für Altman ist sie „einer der schwierigsten, aber zentralsten Werte der westlichen Zivilisation“. Für Döpfner ist sie Geschäftsgrundlage und Überzeugung zugleich. Beide wissen: Wenn Wahrheit von Algorithmen berechnet wird, wird Journalismus zur Gegenmacht – oder verschwindet.

Altman plädiert für neue ökonomische Modelle: Mikropayments für Inhalte, faire Vergütung für journalistische Recherche, eine Rückkopplung von digitalem Nutzen und menschlicher Arbeit. Eine Idee, die Döpfner offen aufnimmt. Der Verleger und der Entwickler eint die Einsicht, dass Information eine Ressource ist, die sich nur dann erneuert, wenn sie einen Wert behält.

Der wahre Inhalt

Die Premiere von „MD MEETS“ ist deshalb mehr als ein Medienereignis. Sie markiert den Moment, in dem KI, Medien und Politik ihre gemeinsamen Bruchstellen öffentlich verhandeln. Altman und Döpfner sprechen über Technologie – und meinen Zivilisation.

Für Europa ist das Gespräch eine Einladung, die eigene Zukunft nicht länger als Beobachter, sondern als Akteur zu gestalten. Wenn Döpfner Altman fragt, was er Europa rät, antwortet der nüchtern: „Reguliert die großen Risiken, aber lasst die kleinen zu.“ In diesem Satz steckt eine Doktrin für die neue Epoche – und vielleicht das letzte Zeitfenster, um nicht endgültig Zuschauer im Theater der Superintelligenz zu werden. Für Sohn@Sohn wäre es wichtig, auf eine granulare Regulierung zu verzichten. Die trifft in der Regel die Kleinen und nicht die Großen, gell Herr Voss…..

Digitale Transformation und Kollaboration – Abschied vom großen Tool-Durcheinander: Christoph Kappes und Thomas Jenewein im Gespräch

Beim Sohn@Sohn-Roundtable stand die Nutzung von Kollaborationstools im Zentrum einer tiefgründigen Diskussion. Unter den Teilnehmenden befanden sich Christoph Kappes, der Gründer von Together.biz, und Thomas Jenewein von SAP, die ihre Expertise und Visionen zur Zukunft der digitalen Arbeitsumgebung teilten.

Christoph Kappes, der bereits seit Jahrzehnten in der digitalen Szene aktiv ist, erläuterte die Wichtigkeit einer integrierten Nutzungskultur bei der Implementierung von Kollaborationstools. „In vielen Unternehmen gibt es eine Vielzahl von Tools, aber keine gelebte Kultur, wie diese sinnvoll genutzt werden sollten“, erklärte Kappes. Er kritisierte die oft isolierte Nutzung verschiedener Systeme innerhalb derselben Organisation:

„Es gibt ein großes Tool-Durcheinander und vor allem eine mangelhafte Kultur, wann, wer, auf welchem Wege spricht und Probleme löst.“

Auf die Bedeutung von Schriftlichkeit in digitalen Werkzeugen eingehend, führte Kappes aus: „Wir brauchen Schriftlichkeit, weil sie den höchsten Abstraktionsgrad bietet und am nachhaltigsten ist. Unsere Plattform fördert bewusst die schriftliche Auseinandersetzung, um tiefere und bleibende Diskussionen zu ermöglichen.“

Thomas Jenewein, zuständig für Business Development und Training bei SAP, sprach über die Herausforderungen und Lösungen im Bereich der Technologieakzeptanz:

„Es ist entscheidend, dass die Tools nicht nur eingeführt, sondern auch akzeptiert und sinnvoll genutzt werden. Hierbei spielt das Technologieakzeptanzmodell eine große Rolle, welches die wahrgenommene Nützlichkeit und einfache Nutzung betont.“

Jenewein wies auch auf das bevorstehende SAP Training and Adoption Forum hin, das am 19. Juni in Walldorf und virtuell unter dem Motto „Future Learning, Leading Change“ stattfindet. „Wir freuen uns darauf, in inspirierenden Impulsvorträgen und interaktiven Knowledge Cafés tiefergehend zu diskutieren, wie wir Lernen und Wandel in Unternehmen führen können.“

Die Veranstaltung ist ein Treffpunkt für Fachleute, die sich mit den neuesten Trends in der digitalen Bildung und Transformation auseinandersetzen möchten. Jenewein fügte hinzu: „Die Anmeldung ist bereits möglich, und angesichts der begrenzten Plätze vor Ort empfehle ich eine frühzeitige Registrierung, um sicherzustellen, dass man teilnehmen kann.“

Insgesamt unterstreicht der Sohn@Sohn-Roundtable die Notwendigkeit, bei der Einführung neuer Technologien sowohl die kulturellen als auch technischen Aspekte zu berücksichtigen, um eine erfolgreiche digitale Transformation in Organisationen zu gewährleisten.

Meine Sicht: Es geht mir wirklich auf den Geist, wenn in Kollaborationsumfeldern jeder etwas anderes macht. Medienbrüche stören den Workflow erheblich, und das führt oft zu Frustration. Ich thematisierte auch das Problem der Überflutung mit digitalen Informationen und das Fehlen einer klaren Struktur in der Dokumentenverwaltung. Es ist essentiell, dass Arbeitsräume so organisiert sind, dass man schnell auf die neueste und relevante Version eines Dokuments zugreifen kann – jenseits von digitalen oder analogen Ordner-Logiken.

Constantin Sohn fokussierte sich auf die Anforderungen an moderne Kollaborationstools aus der Sicht eines Mediengestalters. Er betonte die Bedeutung von Schnelligkeit und einfacher Bedienbarkeit beim Austausch von Mediendateien zwischen verschiedenen Plattformen. „In meinem Arbeitsalltag ist es entscheidend, dass ich Videos und Bilder schnell zwischen Diensten teilen kann. Tools wie Canva und Photoshop sind dabei unerlässlich, weil sie die Zusammenarbeit und das Teilen von Inhalten erleichtern.“

Die größten Hindernisse für dezentrales Arbeiten waren laut Thomas Dehler technische und IT-Sicherheitsbedenken: Aber in Wirklichkeit war es oft die nackte Angst der Führungskräfte, nicht zu wissen, wie sie die Arbeit aus der Ferne kontrollieren können #ZPSüd2024

Thomas Dehler, ein Experte für Homeoffice und dezentrales Arbeiten, steht kurz vor seinem Auftritt bei der Thesen-Theke der Fachmesse Zukunft Personal Süd in Stuttgart. Er spricht über die Rolle von Vorgesetzten in der Homeoffice-Kultur.

„Die Führungskraft ist oft ein hervorragender Ingenieur, Controller oder Techniker, aber nicht unbedingt ein guter Menschenführer“, sagt Dehler. „Das zeigt sich besonders, wenn es um das Thema Homeoffice geht. Das Misstrauen des Vorgesetzten, dass ich meine Arbeit vernachlässige und stattdessen private Dinge in den Vordergrund schiebe, ist oft eine Folge des schlechten Verhaltens des Vorgesetzten.“

Dehler hat 20 Jahre Erfahrung mit Homeoffice und remote Arbeiten. Er hat mit mittelständischen Unternehmen gearbeitet und Workshops für Führungskräfte durchgeführt. „Vor Covid-19 fanden viele Führungskräfte die Vorstellung unvorstellbar, dass die Arbeit auch ohne physische Anwesenheit der Mitarbeiter erledigt wird. Dann kam Covid-19.“

Die größten Hindernisse für dezentrales Arbeiten waren laut Dehler technische und IT-Sicherheitsbedenken. Aber in Wirklichkeit war es oft die nackte Angst der Führungskräfte, nicht zu wissen, wie sie die Arbeit aus der Ferne kontrollieren können.

„Die Frage ist, ob ich auf das Talent eines Mitarbeiters verzichten kann, wenn ich ihm das Homeoffice verweigere“, sagt Dehler. „Oder wie sieht meine begleitende Führungsarbeit aus, damit dieser Mitarbeiter im Homeoffice sein kann, ohne Leistungsverlust?“

Dehler betont, dass die Möglichkeit, remote zu arbeiten, auch ein Rekrutierungsthema ist. „Wenn ein potenzieller Arbeitgeber sehr restriktiv bei der Organisation von Homeoffice ist oder es gar nicht zulässt, fällt er sofort aus der Auswahl.“

Die Herausforderung besteht darin, das Onboarding und die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter ebenfalls dezentral zu denken. „Jeder Bewerber, der an diese Marke angedockt werden möchte, wird einen Kompromiss schaffen, auch wenn er völlig remote-minded ist“, sagt Dehler.

Zum Schluss spricht Dehler über die politische Dimension des Themas. „Die dezentrale Arbeit kann einen großen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Jeder nicht gefahrene Arbeitsweg-Kilometer spart Tonnen von CO2. Aber wir haben ein Infrastrukturproblem. Wir brauchen ein Grundversorgungsrecht auf verfügbares Internet und Breitbandigkeit. Das wäre der größte Hebel, um die Digitalisierung und das ortsflexible Arbeiten voranzutreiben und einen Beitrag zur CO2-neutralen Arbeitswelt zu leisten.“

Man hört, sieht und streamt sich um 12 Uhr.

Hier geht es zur Thesen-Theke der Zukunft Personal Süd.

Top-Blogbeiträge im Februar auf ichsagmal.com

Spitzenreiter:

Freut mich besonders:

Die unendliche Geschichte auf ichsagmal.com – braucht nur im Suchfeld Digitaler Staat, Bund Online oder Bundes CIO eingeben:

Gegen Extremisten im Netz helfen nur Analyse, Selbstbeherrschung, Augenmaß und Beharrlichkeit

Beitrag, der 2019 im prmagazin erschien, ist aktueller denn je. Halte die Vorschläge auch für praktikabel – jenseits der Empörungsrituale. Im Jubiläumsjahr des Grundgesetzes sollten wir zudem mehr Verfassungspatriotismus im Sinne von Dolf Sternberger wagen.

Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth hat das gut auf den Punkt gebracht:

Versorgungssicherheit und technologische Souveränität: Dr. Christian Growitsch über die Notwendigkeit einer ökonomischen Sicherheitspolitik #MSC2024 Sohn@Sohn-Adhoc-Talk @FraunhoferIMWL

In einem erkenntnisreichen Gespräch mit Dr. Christian Growitsch, Institutsleiter des Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW in Leipzig und Halle (Saale), dem sozio- und technoökonomischen Institut der Fraunhofer-Gesellschaft, beleuchtet der Ökonom die drängenden Fragen der europäischen Versorgungssicherheit und technologischen Souveränität. Angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen unterstreicht Growitsch die Bedeutung einer umfassenden ökonomischen Sicherheitspolitik für Europa. Seine Einsichten reichen von der Notwendigkeit, sichere Handelsrouten zu gewährleisten und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zu minimieren, bis hin zur Förderung innovativer Lösungen und einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten.

Übertragung auf LinkedIn.

Growitsch, der die vielfältigen Dimensionen ökonomischer Sicherheit – von der Rohstoffversorgung über technologische Souveränität bis hin zur Bedeutung der Kreislaufwirtschaft – diskutiert, betont insbesondere die Rolle des Staates in der Sicherung und Förderung dieser Bereiche. Er plädiert für eine Investitionspolitik, die sich auf Zukunftstechnologien, Infrastruktur und Bildung konzentriert, um so die Grundlagen für eine resiliente und nachhaltige ökonomische Sicherheit in Europa zu schaffen.

Darüber hinaus hebt das Interview die strategische Bedeutung von Deep Tech und die Notwendigkeit hervor, bestehende Stärken im Bereich der Forschung und Entwicklung zu nutzen, um Europas Position in der globalen Technologielandschaft zu stärken. Growitsch sieht insbesondere in der Zusammenarbeit und im Wissenstransfer zwischen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft einen Schlüssel zur Beschleunigung der Technologie-Kommerzialisierung und zur Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft Europas.

Das Gespräch liefert wertvolle Einblicke in die komplexen Herausforderungen und Chancen, die sich im Kontext der ökonomischen Sicherheitspolitik ergeben, und unterstreicht die Notwendigkeit eines proaktiven und kooperativen Ansatzes, um Europas ökonomische Resilienz und technologische Souveränität in einer sich schnell verändernden Welt zu sichern.

green and blue computer ram stick

Mehr staatliches Engagement gefragt bei Energie, Chips und Klima @rafbuff

Der Sparkurs der Bundesregierung weckt bei vielen Experten Zweifel an der Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Auch bei Rafael Laguna de la Vera, Gründungschef der Bundesagentur für Sprunginnovationen. Energie, Chips oder Klima sind gigantische Herausforderungen. „Um den Innovationsstandort Deutschland mache ich mir ganz große Sorgen – und das werden wir schon bald erleben“, so Laguna im Interview mit der FAZ. 

„Wir befinden uns in einem globalen Subventionsrennen mit dem Rest der Welt um bestimmte Innovationen und Industrien. In Amerika und Asien scheint man da keine Probleme zu haben, quasi unendlich viele Schulden zu machen“, erläutert Laguna. 

Man müsse aufpassen, sich bei neuen Themen nicht gänzlich zu verabschieden. „Ich bin weit davon entfernt, ein Subventionsfan zu sein. Aber wenn die Beihilfen nicht kommen, kommen auch die Chipfabriken nicht – das ist ganz einfach. Und da würde ich schon sehr weinen, wenn das so einträte“, bemerkt der Sprind-Chef. 

Microsoft habe gerade bekannt gegeben, einen eigenen KI-Chip zu entwickeln. „Amazon und Google arbeiten schon lange daran, auch Tesla ist seit Längerem am Ball. Deren Chips sind wichtig für die vertikale Integration der Industrien. Wenn man die nicht macht oder die nicht hinbekommt, brennt vom kleinsten und wichtigsten Teil ausgehend, dem Chip also, von unten das Geschäft weg und damit der Industriestandort aus. Das trifft auf Autohersteller genauso zu wie etwa auf Telekommunikationsunternehmen, Medizingerätehersteller und nahezu alle anderen Industrien.“

Deutschland habe immer noch tolle Forschung und tolle Unternehmen. „Wir müssen nur aufpassen, dass wir jetzt auch eine neue Gründerzeit anbrechen lassen. Von der letzten, die 1871 begann, leben wir heute noch. Aber so langsam wird es Zeit, wieder neue Industrien aufzubauen“, fordert Laguna.

Und das gilt auch für die Ernährungswende.  Das betont der Lebensmittel-Experte Friedrich Büse im Sohn@Sohn-Adhoc-Interview. Hier sei von der Produktion bis zur Logistik modernste Technik gefragt. 

„Romantische Vorstellungen allein reichen nicht aus, um eine nachhaltige Lebensmittelproduktion zu gewährleisten.“ Büse vergleicht pflanzenbasierte und alternative Proteine mit der etablierten Fleischindustrie und unterstreicht die Herausforderungen in der Wertschöpfungskette und im Futtermittelprozess.

In vier Teilen erörtern wir das mit Friedrich Büse. Die erste Folge ist bereits erschienen.

Es geht weiter am Dienstag, den 9. Januar, um 12 Uhr.

Liveinterview mit Rafael Laguna de la Vera: Insights zur Bedeutung von Sprunginnovationen im Mittelstand #SchubkraftTV

Direkt aus der Station Berlin, während des Zukunftstages des BVMW, spricht Rafael Laguna de la Vera von der Bundesagentur für Sprunginnovationen über die Bedeutung von Innovationen und Digitalisierung. „Sprunginnovationen sind genauso wichtig für den Mittelstand wie für die Großindustrie.“

Er warnt vor der Gefahr der Disruption, die durch neue KI-Sprachmodelle wie Chat GPT und Co. droht. „Jeder sollte sich damit beschäftigen, denn diese Technologie wird in vielen Bereichen Sprunginnovationen auslösen. Sie birgt große Chancen, aber auch Risiken. Wer sich nicht damit auseinandersetzt, wird überrascht sein, und das ist nicht gut.“

Laguna de la Vera erzählt von seiner kürzlichen Reise nach Ostwestfalen-Lippe, wo er „Champions“ traf, die bereits intensiv an Modellen für TBT in der Kundenkommunikation arbeiten. Er betont die Bedeutung von Open Source Modellen, die kostenlos sind und von jedem erweitert werden können. „Das Tolle an Open Source ist, dass man auf dem bisher Entwickelten aufbauen und seine Innovation vorantreiben kann, ohne sich in Abhängigkeiten zu begeben.“

Er spricht auch über die Wichtigkeit von Partnerschaften zwischen großen und kleinen Unternehmen. „Große Unternehmen sollten mit diesen innovativen kleinen Unternehmen zusammenarbeiten. Das kann eine Motivation sein, aber auch eine Möglichkeit, Innovation ins Haus zu bringen.“

Zum Schluss äußert er sich zur Kritik der Expertenkommission Forschung und Innovation. „Wir müssen neue Wege in der Umsetzung von öffentlichen Mitteln gehen. Wir müssen Zuwendungen anders machen. Wir müssen die Verwaltung innovieren und leichtere Instrumente schaffen, die den Mittelstand mitnehmen.“

Er schließt mit der Hoffnung, dass die Bundesagentur für Sprunginnovationen ein Vorbild für andere sein kann. „Wir reden nicht nur, wir tun auch. Und beim Tun entwickeln wir die Werkzeuge selbst. Wir sind ein Flugzeug, das im Flug gebaut wird. Das macht es spannend und interessant. Und ich glaube, dadurch werden wir auch als Innovator in der Verwaltung wahrgenommen.“

Klimaschutz braucht Ernährungswende: Sohn@Sohn-Adhoc-Sendung am 12.12., um 12 Uhr

Nirgendwo ist die Stellschraube für Klimaschutz gigantischer als bei unserem täglichen Konsum von Lebensmitteln: 70 Prozent der weltweiten Agrarfläche werden direkt oder indirekt für die Tierhaltung verwendet. Dabei liefern Tiere nur magere 20 Prozent der Nahrungsenergie.

Für 1 Kilogramm Rindfleisch entstehen 100 Kilogramm CO2, werden 130 Kilogramm an pflanzlicher Nahrung eingesetzt und 260 Liter Wasser verbraucht. In Deutschland verzehren wir rund 4,3 Milliarden Kilogramm Rindfleisch pro Jahr. Für Geflügel und Schweinefleisch sieht die Ökobilanz nicht viel besser aus. Klimaschutz ohne eine Ernährungswende wird nicht gelingen. Darüber sprechen wir 12.12.2023, um 12 Uhr mit Friedrich Büse.

Das Ganze wird im Multistream übertragen: LinkedIn, YouTube und Co.

Hier schon mal die Eventseite auf LinkedIn.

Chatbots, Rechenknechte und personalisierte Services: Droht das Ende der Experten? Ausblick auf die Next Economy #NEO23 am 7. und 8. Dezember – Autorengespräch mit Stefan Holtel zu seinem neuen Buch

Gespräche mit virtuellen und intelligenten Computerprogrammen sind kaum noch von Dialogen mit Menschen zu unterscheiden.

Diesen Satz schrieb ich wann? Am 21. September 2005. Es geht um die Voice Days, die sich damals mit Spracherkennungstechnologie beschäftigte. Die Konferenz mit Professor Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz als Schirmherr war ein echter Trendsetter.

Der Artikel geht so weiter:

Der britische Mathematiker Alan Turing hatte in den 50er Jahren postuliert, dass eine Maschine dann intelligent sei, wenn sich ein Gespräch mit ihr nicht mehr von einem Gespräch mit einem Menschen unterscheiden ließe. Beim Loebner-Preis, den der US-Soziologe Hugh Gene Loebner gestiftet hat und der mit 100 000 US-Dollar dotiert ist, führen seit 1991 Tester Dialoge mit sogenannten „Chatbots“ – „Chat“ steht für plaudern und „bot“ für Roboter. „Die Tester wissen dabei nicht, ob ihr Gegenpart aus Fleisch und Blut oder aus Silizium ist. Insgesamt gilt es, drei von zehn Juroren glauben zu lassen, sie hätten sich tatsächlich mit einem Menschen unterhalten“, berichtet die Welt. Mehr als eine Million verschiedene Antworten habe mancher der Chatbots parat. „Sie analysieren Sätze nach ihrem Aufbau, suchen nach Schlüsselwörtern und Wortmustern. Sie können sich merken, ob ein Tester ein Thema schon einmal behandelt hat und verweisen darauf zurück, stellen Verbindungen zu neuen Komplexen her“, führt die Welt aus.

Sie können beleidigt oder erfreut reagieren und die besten haben eine eigene Persönlichkeit mit Herkunft und Lebenslauf. „So gibt es einen Chatbot, der sich als Barkeeper ausgibt und alles über Hamster weiß, oder einen Außerirdischen, der auf der Erde gestrandet ist und die Wunder des Universums kennt“, so die Welt. Schnell entzaubern könnten Tester Chatbots, indem sie ihnen Wissensfragen stellen, zum Beispiel „Wie hoch ist der Kilimandscharo?“ Komme die Antwort prompt und exakt, ist es wahrscheinlich ein Chatbot. „Der Euphorie über Künstliche Intelligenz bei den Chatbots folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass diese nur so gut sind, wie der Fundus an Frage- und Antwortenpaaren, mit dem Sie gefüttert wurden“, betont Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business.

Ob der Traum von der humanoiden Maschine überhaupt realistisch oder erstrebenswert sei, bezweifelt Peter Krieg, Dokumentarfilmregisseur und Autor des Buches „Die paranoide Maschine“ http://www.heise-medien.de: „Was wir keinesfalls erwarten oder gar wünschen sollten, sind intelligente Computer, die uns das Denken und alle Entscheidungen abnehmen“. Selbst die radikalsten Protagonisten der „Künstlichen Intelligenz“ müssten zugeben, dass man in der Forschung noch weit von intelligenten Maschinen entfernt sei. „Noch fehlt der ‚Saft‘, der den intelligenten Computer vom heutigen Schnellrechner trennt“, so Krieg. Das Problem liege nicht an der Rechnerleistung, sondern an der Dialogfähigkeit. „Jemanden, der stumm und folgsam seine Anweisungen zu befolgen hat, ohne eigene Entscheidungen zu fällen, nannte man früher einen ‚Knecht‘. In diesem Sinn sind unsere Computer dumme, aber fleißige und überaus pedantische Rechenknechte“, bemängelt Krieg.

Der Einsatz von Chatbots und Sprachcomputern weise nach Analysen von Steimel eine interessante Reihe von Parallelen auf: „Beide Technologien haben nach dem Auszug aus dem Labors nicht immer in der Praxis eine glückliche Figur gemacht. Überzogene Erwartungen haben so manche Applikation im Praxistest der Lächerlichkeit preisgegeben“, so Steimel. Die Illusion, den Maschinen ein natürliches Sprachverständnis einzuimpfen, erwecke den Anspruch „Alles“ sagen zu können. „Tatsächlich ist das ‚Verständnis’ der Sprachcomputer auf Grammatiken und Wortschatz beschränkt, den man ihnen vorher beigebracht hat. Nutzerbefragungen am lebenden Objekt stellen immer wieder unter Beweis, dass es ein tödlicher Fehler ist, wenn sich die Maschine als solche nicht zu erkennen gibt. Deshalb ist der Turing-Test für den Praxiseinsatz völlig ungeeignet“, kritisiert Steimel.

Im übrigen weisen Dialog-Designer darauf hin, dass der Benutzer beim Sprechen mit Computern automatisch sein Sprachregister, seine eingesetzten Sprachbefehle reduziere, wie beispielsweise beim Sprechen mit Tieren.  “Eine Parallele zum Menschen gibt es jedoch bei Chatbots und automatischen Sprachsystemen: Sie lernen ständig durch die Interaktion mit dem Nutzer hinzu. Das tun sie allerdings nicht selbst, sondern ähnlich wie beim Wizard-Oz müssen auch hier Menschen im Hintergrund die Maschine schlauer machen“, weiß Steimel. Das Beispiel der Chatbots zeige eine interessante Perspektive für den kombinierten Einsatz mit Sprachcomputern etwa in Infotainment-Diensten auf. Initiativen wie das Skype Voice Service Programm von Skype könnten dazu führen, dass man demnächst auch per Telefonie über das Internet Protokoll mit einem Chatbot nicht nur per Maus und Tastatur plaudern könne. „Es wird interessant sein zu hören, welchen ‚Stimm-Charakter’ die künstlichen Agenten erhalten und damit mehr Persönlichkeit und Taktgefühl gewinnen, als sich mit Icons ausdrücken lässt“, so der Ausblick von Steimel.

Soweit meine Agenturmeldung vor rund 18 Jahren. Was hat sich verändert? Was können wir erwarten?

Einige der wesentlichen Entwicklungen und Trends sind:

  1. Verbesserte Natürliche Sprachverarbeitung (NLP): Die Fähigkeit von Chatbots, menschliche Sprache zu verstehen und darauf zu reagieren, hat sich erheblich verbessert. Moderne Chatbots nutzen fortschrittliche NLP-Algorithmen, die es ihnen ermöglichen, die Absicht hinter den Worten eines Benutzers besser zu erkennen und relevantere, kontextbezogene Antworten zu geben.
  2. Integration in Alltagsgeräte: Chatbots und virtuelle Assistenten sind nun in alltäglichen Geräten wie Smartphones, Lautsprechern und sogar Haushaltsgeräten integriert. Beispiele hierfür sind Siri von Apple, Alexa von Amazon und der Google Assistant.
  3. Emotionale Intelligenz und Personalisierung: Moderne Chatbots sind zunehmend in der Lage, emotionale Nuancen in menschlichen Gesprächen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Sie können personalisierte Erfahrungen bieten, indem sie lernen und sich an die Vorlieben und das Verhalten der Benutzer anpassen.
  4. Einsatz in der Kundenbetreuung: Chatbots werden zunehmend in der Kundenbetreuung eingesetzt, um Anfragen zu bearbeiten, Unterstützung zu bieten und die Effizienz zu steigern. Sie können rund um die Uhr verfügbar sein, was den Kundenservice erheblich verbessert.
  5. Ethische und soziale Fragen: Mit der zunehmenden Verbreitung von Chatbots treten auch ethische und soziale Fragen in den Vordergrund, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, Transparenz und die mögliche Ersetzung menschlicher Arbeitskräfte.
  6. Weiterhin begrenztes Verständnis: Trotz großer Fortschritte bleibt das Verständnis der Chatbots für natürliche Sprache und Kontexte im Vergleich zu menschlichen Fähigkeiten begrenzt. Die meisten Systeme sind immer noch auf spezifische Aufgabenbereiche beschränkt und können in unvorhergesehenen oder komplexen Situationen Schwierigkeiten haben.
  7. Zukünftige Entwicklungen: In der Zukunft können wir erwarten, dass Chatbots und KI-Systeme noch weiter in unser tägliches Leben integriert werden, mit Verbesserungen in der Personalisierung und der Fähigkeit, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Fortschritte in der KI könnten auch zu neuen Anwendungsbereichen führen, die derzeit noch nicht absehbar sind.

Wir werden das auf der Next Economy Open vertiefen am Donnerstag, den 7. Dezember, um 13. Uhr. Session mit Stefan Holtel. Autorengespräch zu seinem neuen Buch: Droht das Ende der Experten? ChatGPT und die Zukunft der Wissensarbeit.

Ihr könnt Euch beteiligen über die Chat- und Kommentarfunktionen von YouTube und Co. im Multistream oder direkt reingehen in den Zoom-Raum. Spielregeln dort sind klar: Kamera und Mic deaktivieren. Zu Wort melden und dann alles wieder aktivieren.

Virtuelle Programmzeitschrift für die Next Economy Open 2023 am Donnerstag, den 7. Dezember und am Freitag, den 8. Dezember.

Man hört, sieht und streamt sich auf der .

Apropos Experten und Wissensökonomie: Was schrieb noch der Soziologe Niklas Luhmann zur Computerkommunikation nach der Logik seines Zettelkastens?

Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht. 

Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch Unbekanntheit der Quelle. Logik des Netzes. 

Die Art und Weise, wie Wissen in den Computer kommt, lässt sich schwer überprüfen. Sie lässt sich aber jedenfalls nicht mehr in Autorität ummünzen. Und genau das treibt einige Debatten-Dompteure an die Decke.