#Notizzettel zu: Braucht Digitalität einen physischen Raum? Vorbereitungen aufs #DigitalXStudio 11 Uhr mit @Das_B

https://www.digital-x.eu/de/events/digital-x-2021/teilnehmen

Christian Bredlow beschäftigt sich auf der DigitalX in Köln mit der Frage, wie und ob wir wieder ins Büro für die Arbeit zurückkehren werden. Durch die pandemische Entwicklung haben die Menschen viele unterschiedliche Workstyles entwickelt, neue Arbeitszeitmodelle für sich adaptiert und digitale Zusammenarbeit in und mit Teams gelernt.

Bredlow diskutiert in diesem Vortrag das Spannungsfeld zwischen Digitalisierung, New Work, Talentrecruiting und Unternehmern, die sich noch nicht sicher sind, ob man die Frage „Braucht Digitalität einen physischen Raum?“ über starre Regelwerke klären kann. Also: (Wie) kommen wir zurück ins Büro? Im Vorfeld der DigitalX am 7. und 8. September in Köln gibt Bredlow einen Einblick in seine Thematik.

Man hört, sieht und streamt sich um 11 Uhr.

#Notizzettel Social Audio versus Live Streaming – Meine Session auf dem #D2Mtalk Summit

Erst einmal Zahlen:

ARD-ZDF-Onlinestudie: „Das Internet ist im Jahr 2020 ganz wesentlich geprägt von Bewegtbildangeboten“.

„Das lineare Fernsehen hat im gesamten Bewegtbildmarkt mit Abstand nach wie vor die höchste Relevanz. Auf hohem Niveau zeigt sich jedoch eine abnehmende Tendenz zugunsten der Online-Videonutzung, die zeitsouverän erfolgt und mittlerweile im Alltag der Bevölkerung einen großen und weiterhin wachsenden Stellenwert hat.“

„Auffällig ist, dass das Wachstum der Nutzung von Onlinevideo in den mittleren Altersgruppen
aktuell größer ist als bei der Onlinenutzung insgesamt. Diese Altersgruppen sind derzeit die Haupttreiber dieser Dynamik. Unter 30-Jährige sind bereits seit Jahren online und bedienen sich ausgiebig am umfangreichen Videoangebot im Netz. Bei den Älteren ab 70 Jahren steigt zwar die Online-Videonutzung etwas langsamer an als ihre Internetnutzung insgesamt, jedoch ist der Anstieg mit einem bislang nie dagewesenen Zuwachs immens. So ist – auch vor dem Hintergrund eines nicht genau quantifizierbaren Corona-Schubs – nicht abzusehen, ob und wann die Dynamik im Bewegtbildmarkt abflauen könnte: Einerseits werden neue, ältere Zielgruppen erschlossen, andererseits intensivieren die jüngeren Zielgruppen unter 50 Jahren Jahr für Jahr ihre Nutzung.“

Internet-Nutzung allgemein:

Facebook wird bei der täglichen Nutzung erstmals von Instagram überholt. 15 Prozent der Bevölkerung nutzen täglich Instagram (2019: 13 Prozent), Facebook hingegen kommt auf 14 Prozent und verliert damit im Vergleich zum Vorjahr (2019: 21 Prozent). Beim Blick auf die Nutzung innerhalb einer Woche kann Facebook (26 Prozent) seine Position vor Instagram (20 Prozent) behaupten, verliert aber auch hier (minus 5 Prozentpunkte). Die anderen Social-Media-Plattformen bleiben auf deutlich niedrigerem Niveau stabil. Auffällig ist die Vorherrschaft des Zuckerberg-Konzerns, wenn man FB und Instagram addiert.

Mein Credo im Herbst 2020: Twitter, LinkedIn, Xing, Twitch und TikTok wirken dagegen wie Zwerge der Netzöffentlichkeit. Gute Gründe für mich, auf FB und Instagram aktiv zu bleiben. Bei meinen Live-Formaten schneide ich auf Facebook immer am besten ab im Vergleich zu YT, Twitter-Periscope, LinkedIn und Twitch.

Bei unserem Content-Hub DigitalX hatte ich vor ein paar Monaten folgendes auf Google Docs gepostet:

Denkt nicht nur in klassischen Text-Kategorien. Diesen Fehler der klassischen Verlage sollten wir nicht machen.  

Digitale Texte verzeichnen nach der ARD-ZDF-Onlinestudie Rückgänge von 25 auf 21 Prozent Tagesreichweite, vor allem bedingt durch die geringere Nutzung von Artikeln im Social Web. Gleiches gilt für die unter 30-Jährigen, bei denen die Reichweite von redaktionell erstellten Social-MediaI-Inhalten von 20 auf 16 Prozent abgenommen hat.

Die Ursachen nach Auffassung der Studienautoren?

Neben den Anpassungen bei Facebook zugunsten nicht-nachrichtlicher Inhalte dürfte auch eine Rolle spielen, dass redaktionelle Inhalte häufig nicht mehr als reine Text-, Bild- oder Video-Formate angeboten und rezipiert werden, sondern vielmehr in einer Kombination dieser Darstellungsformen – deshalb sind Cross-Over-Konzepte so wichtig!

Das ist ja auch der Reiz des Projektes von Media Pioneer. Im Zentrum: Newsletter, Videos und Podcasts. Michael Bröcker, der als Chefredakteur von der Rheinischen Post zu Media Pioneer an die Berliner Spree wechselte, hat das sehr gut im Interview mit dem djv-Verbandsorgan Journalist beschrieben:

Aufbruch heiße für ihn, neue Formate und Ideen einfach innerhalb von wenigen Wochen, manchmal Tagen umzusetzen. „Sich abends Veranstaltungen auszudenken, die eine Woche später stattfinden. Eine ressort- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, die ich so aus den Strukturen eines großen Verlags nicht kenne. Über den Tisch werfen sich hier buchstäblich die Kolleginnen und Kollegen von Marketing, Event, Business etwas zu. Wir arbeiten, wie ein Start-up arbeitet. Ein bisschen chaotisch, aber eben auch dynamisch und flexibel.“

Digitaler Live-Journalismus ist wohl eine treffliche Formulierung, um das Pionier-Unternehmen einzuordnen. „Mein Arbeitsumfeld hat sich einfach verändert, die Darreichungsform der Inhalte. Das kann ein Podcast-Gespräch im Morning-Briefing sein, das ist unser geschriebener Newsletter, das ist aber auch ein Live-Format. Und trotzdem bleibe ich im Kern ein politischer Journalist, der Politik transparent, möglichst exklusiv und verständlich für unsere Pioneers aufbereitet“, so Bröcker im Journalist-Gespräch.

Es geht auch um Community-Management und um eine gelebte Feedback-Kultur. Und um Experten, denen eine redaktionelle Plattform geboten wird. Mehr oder weniger in Echzeit, ohne Schnörkel und Goldrahmen.

Social Audio sehe ich dabei gar nicht als Gegensatz zum VIDEO-Livestreaming. Es könnte sogar eine prima Möglichkeit sein zur Kombination beider Welten. Beispielsweise einen Dienst wie Clubhouse als Audio-Diskussions-Tool einbingen. Turi2 hat es ja schon demonstriert.

Wie aktivistisch darf Wissenschaft sein?

Obwohl vielen Vertretern der Wirtschaftswissenschaften klar ist, dass man politisch nicht im luftleeren Raum operiert und es in sozialwissenschaftlichen Themen fast immer um normative Fragen geht, sehen sich die viele Ökonomen dennoch als politisch neutral. Dazu führte ich vor einiger Zeit mit Rüdiger Bachmann, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, ein längeres Interview.

Man würde das komplette parteipolitische Spektrum auch bei den Ökonomie-Professoren finden. „Der akademische Mainstream ist bei normativen Fragen zurückhaltender. Man kann Modelle oder Daten erst einmal sprechen lassen ohne direkt abzutesten, welche politischen Implikationen das nach sich zieht“, so Bachmann in einem Streitgespräch mit dem Autor der Notiz-Amt-Kolumne.

Auf meine Intervention, ob das nicht pharisäerhaft sei, sich hinter Modellen zu verstecken, antwortete Bachmann, das habe mit Pharisäertum nichts zu tun, das ist wissenschaftlich. „Ich habe da keine politische Agenda.“ Man könne Ökonomik betreiben mit einem Minimum an normativer Ausrichtung. Protagonisten, die sich von der herrschenden Lehre abwenden, werden aber nicht als Methoden-Kritiker gewertet, sondern vom Mainstream abgewatscht. Bachmann sprach von politischer Agitation. Der frühere Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Professor Achim Wambach, sieht das ähnlich. „Der pluralen Ökonomenbewegung geht es vielfach mehr um Politik als um Wissenschaft, da schwingt oft eine markt- und kapitalismuskritische Agenda mit.“

Sind dann die Mainstream-Ökonomen rechts und reaktionär, wenn das andere Lager doch angeblich links ist? Diese Stigmatisierungen führen zu nichts. So wertet Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius in Köln, die Disputation mit Bachmann:

„Da wird, wenn es um die Pluralen geht, in politischen Kategorien wie rechts und links argumentiert, die in meinen Augen – trotz einer aktuellen Renaissance – historisch obsolet sind.“ Dann gehe es in den Antworten des Mainstream-Ökonomen direkt wieder auf eine empiristische Argumentationslinie. Das sei auch nicht schlüssig, weil beispielsweise mit der Gewichtung von Faktoren riesige Hintertüren offen bleiben. „Oder anders: Man beruft sich auf Daten, verfolgt aber de facto und durch die Hintertür interpretative Zugänge, die aber dann ausgeblendet oder gar scharf zurückgewiesen werden.“

Becker fehlen in den Aussagen von Bachmann sowohl die Verortung der Mainstream-Ökonomik als auch der schlüssige rote Faden in der Argumentation. Bleibt das Argument von Wambach und Co. übrig, dass es ja mit der Verhaltensökonomie in Kombination mit neurowissenschaftlicher Kleckskunde, mit Institutionenlehre, Spieltheorie und finanzwissenschaftlichen Modellen genügend Ansatzpunkte für Methodenvielfalt im Mainstream gibt.

Rechtfertigungserzählungen der herrschenden Lehre

Aber auch das ist eine dürftige Replik. Es sind Rechtfertigungserzählungen. Bei den verhaltensökonomischen Laborexperimenten denkt man, den homo oeconomicus besser zu verstehen. Man hat ein wichtiges Defizit im klassischen Ansatz gekittet und alles ist wieder in bester Ordnung.

„Die Ökonomie hat ihr Standardmodell, dann wirft man ihr irgendetwas vor: Kein Problem, das kriegen wir gefixt. Jetzt machen wir Experimente, jetzt haben wir doch einen sehr viel differenzierteren homo oeconomicus. Aber was sie eben nicht leistet in einer Zeit des massiven Umbruchs, ist Orientierung.  Diese Welt, in der wir heute leben, ist ja in einer ganz massiven Form durch die Ökonomie geprägt. Jetzt merken wir, dass ganz viele Dinge auf uns zukommen, die eine gewaltige neue Herausforderung darstellen“, so Professor Uwe Schneidewind in einer Diskursreihe der D2030-Initiative. 

„Die ökonomischen Dynamiken treiben die ökologische Sache immer noch in die falsche Richtung. Aber auch Fragen wie die Digitalisierung. Plötzlich haben wir mit Null-Grenzkosten-Produkten zu tun, wir haben mit Produktivitätssprüngen zu tun, die vermutlich das Maß vorangegangener technologischer Wenden noch mal überwinden. Jetzt würde man sich ja eine Ökonomie wünschen, die vor denkt. Was heißt das? Auch so etwas wie Grundeinkommen, wie organisieren wir unseren Sozialstaat? Das sind ganz neue Formen. Was ist denn eigentlich mit der Geldwirtschaft in einem Zeitalter von Bitcoin? Also wenn es vielleicht gar keine Zentralbanken mehr gibt und braucht. Also ganz viele Fragen.“

Experimente in Boxen

Mainstream-Ökonomen wirken nicht als öffentliche Intellektuelle. Sie versagen als Orientierungskompass und verkriechen sich mit ihren teilweise irrelevanten Experimenten in Boxen und kanzeln Kritiker als linke Spinner ab, die mit statistischen Verfahren und Mathematik auf Kriegsfuß stehen. Wenn man tradierte Ökonomen mit empirischen Methoden in ihrem Modellplatonismus zerlegt, reden sie sich mit Rechenfehlern heraus oder verweisen auf notwendige Vereinfachungen in den Berechnungen.

Dahinter stecken Immunisierungsstrategien, um sich einer  wissenschaftstheoretisch sauberen Überprüfung zu entziehen. Hans Albert hat das in seiner Schrift „Nationalökonomie als Soziologie der kommerziellen Beziehungen“ ausführlich dargelegt: 

„Eines der beliebtesten Mittel, ökonomische Aussagen zu tautologisieren und sie damit empirischer Überprüfung zu entziehen, ist die Verwendung der so genannten ceteris-paribus-Klausel. Wenn ein ökonomisches ‚Gesetz‘ unter Anwendung dieser Klausel formuliert wird, dann ist der mehr oder weniger offenkundige Zweck dieser Einschränkung der, dieses Gesetz vor Falsifikation zu schützen. Wenn ein dem ‚Gesetz‘ widersprechender Fall aufgezeigt werden kann, dient die Klausel sozusagen seiner ‚Rettung‘ durch Aufweis eines Faktors, der nicht konstant geblieben ist.“ Beim so genannten Vorsorge-Paradoxon muss ma auch aufpassen, nicht in eine beliebige Teflon-Strategie abzurutschen. In der profanen Variante wird häufig behauptet, dass das Ausbleiben einer Katastrophe der Beweis für den Erfolg von Schutzmaßnahmen ist, niemals ein Beleg für deren Überflüssigkeit. Das hat schon eine theologische Dimension: Wenn ich die Nichtexistenz von Gott nicht belegen kann, ist es der Beweis für die Existenz Gottes. Dieser Gipfel der Unlogik hat sehr viele Vorteile: Man kann damit alles beweisen: Ufos, die heilende Kraft von Schlümpfen, Stimmen aus dem Jenseits oder Engel. Ihr könnt diese Reihe nach Eurem Gusto fortschreiben.

Wann stellt die Wirtschaftswissenschaft wieder spannende Fragen?

Kommen wir zur Ökonomik zurück: Man kann normativ, plural oder heterodox unterwegs sein und gleichzeitig etwa in der Bewertung von Szenarien mit statistischen Verfahren arbeiten. Was generell fehlt, ist nach Meinung von Schneidewind eine Ökonomie, die spannende Fragen stellt: „Das ist der Grund, warum ich gerne an die Uni gehe, weil ich merke: Wow, die behandeln da genau die richtigen Themen, die gesellschaftlich relevant sind. Von dorther wird man dann sehen, dass die Ökonomie automatisch pluraler und sehr viel interdisziplinärer sein muss. Etwa beim digitalen Wandel. Das bekommt man nur in den Griff, wenn ich auch ein technologisches Verständnis habe, wenn ich mich mit den sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen Dynamiken auseinandersetze. Dadurch wird das also sehr viel multidisziplinärer und es findet idealerweise auch ein ganz intensiver Austausch mit Leuten statt, die diese Prozesse gestalten. Plötzlich kommen auch Unternehmen und Unternehmer gerne in Unis, um mitzudiskutieren, weil sie merken: Das hilft ihnen.“ Das sei heute alles nicht gegeben, weil sich das Fach nur über seine Methode definiert.

„Du kannst heute Karriere in dem Fach machen, wenn du die irrelevantesten Fragen ökonomisch sauber behandelst“, kritisiert der ehemalige Präsident des Wuppertal-Instituts und heutige Oberbürgermeister von Wuppertal. Da gebe es keine Inspiration – beispielsweise für die Politik. „Wenn die Merkel den Sachverständigenrat weglächelt, weil sie sagt: Hey, das kann ich sowieso gleich in die Kiste schmeißen, weil es mir für meine Wirtschaftspolitik keine Orientierung gibt. Und wenn du einen Management-Praktiker fragst, wann er zum letzten Mal aus der Management-Lehre der BWL-Fakultäten einen Impuls bekommen hat, dann muss der ganz lange überlegen, wenn ihm überhaupt irgendetwas einfällt. Diese komplette Inspirationslosigkeit des Faches kann ich nur dadurch drehen, indem ich wieder die richtigen Fragen stelle. Dann ergibt sich der Rest von selbst“sagt Schneidewind.

Die Ursache sieht Schneidewind im Reproduktionsmodus des akademischen Systems. Nach den Reformwellen in den 60er und 70er Jahren, die sehr stark sozialwissenschaftlich und kritisch geprägt waren, kam eine Gegenbewegung mit einem naturwissenschaftlichen Paradigma. Am Ende verödet halt die Ökonomik an Monotonie.

Bei all den Unmöglichkeiten, wirklich neutrale und werturteilsfreie Positionen zu beziehen, finde ich es dennoch wichtig, möglichst ohne Agitation oder Ideologie sozialwissenschaftlich zu arbeiten. Da bin ich zu sehr geprägt worden von Karl Popper und Hans Albert.

Bekenntnis zum kritischen Rationalismus

Was ich darzulegen versuchte ist die Unmöglichkeit, aus einer wertenden Sicht des Weltgeschehens herauszukommen. Jeder Mensch trägt sozusagen einen wertenden Rucksack mit sich herum via Erziehung, Prägung, Konditionierung, Lebenslauf, Begegnungen mit Menschen, Lektüre, Gespräche, Rituale, Ausblendungen, Verzerrungen, Rückschaufehler, Reduktion der Wirklichkeit, konstruierte Realitäten, Zufälle, falsche Gewichtung von Ursache und Wirkung, Verwechslung von Kausalitäten und Korrelationen, Unkenntnis, beschränkte Aufnahmefähigkeiten und dergleichen mehr. All das trübt unseren Blick und führt zu Werturteilen – manchmal bewusst, manchmal unbewusst.

Dennoch bekenne ich mich zum kritischen Rationalismus und zum antidogmatischen Wissenschaftsbegriff, den Hans Albert geprägt hat:

„Jegliche Geschlossenheit in Ideologien, jede Abschirmung des Denkens gegen systematische Prüfung, relevante Kritik, empirische Evidenz rationale Analyse und Dogmen wie Deutungsmonopole behauptete Erkenntnisprivilegien und absolute Wahrheitsansprüche, die Enge ideologischer Korridore, Letztbegründungen sowie jegliche ‚Konsensus-Euphorie‘ lehnt Albert ab“, schreibt Arpad-Andreas Sölter in seinem Beitrag „Philosophie ohne archimedischen Punkt“ im Band „Begegnungen mit Hans Albert“. Was folgt daraus nach Ansicht von Albert?

Ein Plä­doyer für präzise Begriffe (keine Phrasen), Thesen und Theorien (ökonomische Theoriear­beit), um Wissen immer wieder kritisch prüfen zu können (Falsifikations­prinzip).

„Bis heute finden diese Grundregeln des Kritischen Rationalismus in der sozialwissenschaftlichen Arbeit Verwendung: 1. Aufstellen von ab­strakten, präzisen Modellen, 2. Aufsuchen allgemeiner Kausalzusammen­hänge, 3. Verwendung möglichst realistischer Annahmen und präziser Be­griffe und Theorien, 4. Prüfung und Systematisierung von Theorien und 5. Unmöglichkeit letzter normative Aussagen in der wissenschaftlichen Arbeit (Albert 1956; 1957; 1965)“, erläutert Andrea Maurer zum 100. Geburtstag von Hans Albert.

In diesen fünf Schritten geht es eben nicht um die Suche nach Bestätigungen der eigenen Sichtweise, sondern um Widerlegungen. Das ist ein hehres Ziel: Sollte aber auch in wichtigen politischen Fragen wie Klimaschutz, Digitalisierung, Armut und vielen weiteren Punkten der Maßstab für wissenschaftliches Arbeiten und der Kompass für Politikberatung sein.

Mit Aktivismus und Gesinnungen hab ich meine Probleme. Da stecken zu viele Basta-Urteile drin und wenig Verständnis für die Komplexität unserer Welt.

Siehe auch:

Darf Wissenschaft aktivistisch sein?

Wer hat Interesse daran, aus dieser Thematik eine Diskursreihe zu machen? Einfach bei mir melden. Hier in der Kommentarfunktion, via E-Mail unter gunnareriksohn@gmail.com oder über Mobilfunk 0177 – 620 44 74.

Die Frau, mit deren Anblick sich alles verändert: #DasLiterarischeSommerinterview in Bonn mit Frank Baake

Der Band „Café Meridian“ von Frank Baake versammelt vier Erzählungen über Sehnsucht in einer Welt fragmentierter Existenzen. Da ist der Mann, dessen Kopf nur seinem Hut zusammengehalten wird, und der sich nichts mehr wünscht, als. wenigstens den Hutmacher zu treffen, der einst seiner verloren gegangenen, großen Liebe jenen Hut verkauft hat, der nun seinen Kopf zusammenhält. Was das Ganze mit einem Taxifahrer und einem Mord in der Badewanne zu tun hat, mit zwei toten Teanagern, Staubsaugern, einer Frau mit Hasenzähne und verunglückten Mopefahrern zu tun hat, wird an dieser Stelle nicht verrate. Es gibt zersplitterte Biografien, unerfüllte Träume und einen sehnsüchtigen Banker. Letzterer versucht mit aller Konsequenz, seine Obsessionen nach der Frau, die am Dichter Baudelaire vorüberging, zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Die titelgebende Erzählung „Café Meridian“ schildert die Begegnung von vier Personen in einem Café – das sich fremdgewordene Besitzer-Ehepaar, eine von weither geflüchtete Kellnerin und ein Mann in den Vierzigern, der seinen Job bei einer Werbeagentur wegen eines rechtspopulistischen Kunden kündigt.

Am Freitag sprechen wir mit Frank Baake über sein Opus: #DasLiterarischeSommerinterview in Bonn-Duisdorf. Start 19 Uhr.

Über Publikum im Garten würden wir uns freuen. Bitte anmelden, damit ich genügend Stühle auf die Terrasse stelle und ausreichend Weißwein vorhalte. Die Teilnahme ist kostenlos.

Für Abwesende gibt es einen Livestream.

Der Erzählband ist im Bernstein-Verlag erschienen.