Der ehemalige Bonner Generalintendant Weise und das Horror-Vakuum – Einer der Höhepunkte unserer Veranstaltungsreihe #DasLiterarischeSommerinterview

„In ein ‚Horror-Vakuum, von dem ich jetzt noch träume‘, sei er damals gefallen, schildert Klaus Weise während seiner Lesung bei Buchhändler Alfred Böttger. Gemeint ist die Zeit nach Weises Generalintendanz für Oper und Schauspiel in Bonn zwischen 2003 und 2013, in der er auch als Regisseur das Profil mitgestaltete. Jenes ‚Horror-Vakuum‘, das weniger privilegierte Menschen sicher allzu gern mit ihm tauschen würden, fand ein Ende mit der Arbeit an seinem ersten Roman: ‚Sommerleithe – Wortbegehung einer Kindheit'“, schreibt der General Anzeiger.

„Sinnlicher als eine Metzgerei geht’s kaum“, sagt Weise im Laufe seiner Bonner Lesung, betont der GA. Was er in Bonn-Duisdorf sagte, seht Ihr hier:

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Man hört, sieht und streamt sich beim Abschluss der Sommer-Serie am Freitagabend:

Extremer Fachkräftemangel durch demographischen Wandel in den nächsten Jahren #btw21 #ZukunftPersonalReconnect #EconTwitter

Professor Karlheinz Schwuchow auf der Zukunft Personal Reconnect in Köln

Seit Ewigkeiten beschäftige ich mich mit dem demografischen Wandel und die Konsequenzen für die Volkswirtschaft: Einer meiner VWL-Professoren an der FU-Berlin war Winfried Schmähl. Zu meiner Studienzeit war er Vorsitzender des Sozialbeirates der Bundesregierung. Insofern debattierte wir in seinen Vorlesungen und Seminaren kräftig über die Alterspyramide und die  Auswirkungen auf die Rentenversicherung, die ja über das so genannte Umlageverfahren mehr oder weniger finanziert wird. Problem: Das Verhältnis von Erwerbstätigen und Rentenbeziehern wird immer problematischer.

Zur Erinnerung: Für die Dauerkrise der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Reform von 1957 verantwortlich. Damals musste die Politik berücksichtigen, dass die Generation, die in den 50er und 60er Jahren ins Rentenalter kam, kaum Gelegenheit hatte, während ihres Erwerbslebens individuell für ihr Alter vorzusorgen. Zwei Kriege und ihre Nachwirkungen hatten das Vermögen der meisten Privathaushalte vernichtet und neues Vermögen nicht entstehen lassen. Das Geldvermögen aller privaten Haushalte lag nur bei rund 10 Milliarden Euro, was einem Betrag von 500 Euro pro Haushalt entsprach. Ähnlich gering war die Versorgung mit mobilen und immobilen Gütern. Auch die Spartätigkeit stand erst am Anfang. Der Durchschnittshaushalt sparte damals jährlich 80 Euro, das waren drei Prozent des verfügbaren Jahreseinkommens. Das waren die Hauptmotive für die Einführung des Umlageverfahrens und des dynamischen Rentensystems, um auch den Rentenempfänger am wirtschaftlichen Aufschwung zu beteiligen. Statt Rücklagen zu bilden, wurden von den Zwangsmitgliedern der gesetzlichen Rentenversicherung anfangs 15 Prozent des Bruttolohnes abgeführt und sofort für Rentenzahlungen verwendet.

Das führte zu einer drastischen Rentenerhöhung und ermöglichte es, die Rentenhöhe fortan dynamisch an die Bruttolohnentwicklung zu koppeln. Freilich hatte es den Nachteil, dass seither keinerlei Rücklagen mehr gebildet wurden – jede Generation finanziert faktisch mit ihren Beiträgen nicht ihre eigene Altersversorgung, sondern die der eigenen Eltern und Großeltern. Die Reform beruhte maßgeblich auf einer höchst umstrittenen Studie des Kölner Wirtschaftswissenschaftlers Wilfried Schreiber, dessen Konzept allerdings nur unvollständig umgesetzt wurde. Schreiber hatte vorgesehen, die für den Fortbestand des Systems unabdingbare Förderung der Geburtenrate in das System einzubeziehen, unter anderem durch eine Kinderrente und eine Beitragsverdoppelung für Kinderlose. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer entschied sich gegen solche Komponenten und lag damit im Widerspruch zu seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Deshalb sind Rentenreformen seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner und stehen auch Aufgabenliste des Kronberger Kreises, die in einem FAS-Gastbeitrag dargelegt wurde: 

„Noch ist Deutsch­land mit der Bewäl­ti­gung der Corona-Pande­mie beschäf­tigt. Ange­sichts eines fort­schrei­ten­den Anteils Geimpf­ter und Gene­se­ner an der Bevöl­ke­rung ist aber ein Ende abseh­bar. Umso mehr kann sich die neue Bundes­re­gie­rung jenen Aufga­ben widmen, die Deutsch­land auch nach der Pande­mie beschäf­ti­gen werden: demo­gra­phi­scher Wandel, Klima­schutz und Digi­ta­li­sie­rung. Keines dieser Themen ist neu. Die damit verbun­de­nen Heraus­for­de­run­gen dürf­ten aber schon bald deut­lich spür­ba­rer werden als bisher. Die Zeit, in der die Poli­tik diesen Themen mit mangeln­der Konse­quenz und Konsis­tenz begeg­nen konnte, geht zu Ende.“

Dass die Poli­tik Antwor­ten auf den demo­gra­phi­schen Wandel finden müsse, insbe­son­de­re auf die Alte­rung der Gesell­schaft, ist im Grunde schon seit dem dras­ti­schen Rück­gang der Gebur­ten in den 1970er-Jahren bekannt. Man braucht sich nur die Berichte zur Bevölkerungsentwicklung und die Prognosen zur Entwicklung des Beitrages zur Rentenversicherung seit dieser Zeit anschauen.

„Bislang hat der demo­gra­phi­sche Wandel aber gesamt­ge­sell­schaft­lich und insbe­son­de­re finanz­po­li­tisch eher zu einer Entlas­tung als zu einer Belas­tung geführt. Während die gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge im Erwerbs­le­ben stan­den und zur Finan­zie­rung der öffent­li­chen Haus­hal­te beitru­gen, war die Anzahl der noch nicht oder nicht mehr erwerbs­tä­ti­gen Perso­nen vergleichs­wei­se gering. Mit dem anste­hen­den Eintritt der gebur­ten­star­ken Jahr­gän­ge in den Ruhe­stand und mit dem Nach­rü­cken gebur­ten­schwa­cher Jahr­gän­ge ins Erwerbs­le­ben wird sich diese Rela­ti­on in den nächs­ten Jahren drama­tisch verschie­ben. In Zukunft werden deut­lich weni­ger erwerbs­tä­ti­ge Steuer- und Beitrags­zah­ler einer deut­lich höhe­ren Anzahl von Empfän­gern öffent­li­cher Leis­tun­gen gegen­über­ste­hen. Verstärkt wird diese Entwick­lung durch eine – durch­aus erfreu­li­che – Zunah­me der Lebenserwartung“, so der Kronberger Kreis.

Das ist aber nur ein Teil des Problems. Auch die Unternehmen und der Arbeitsmarkt stehen vor einer immensen Herausforderung. Da die geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren in Rente gehen, verschärft sich der Arbeitskräftemangel und kann zu erheblichen Wohlstandsverlusten beitragen.

Dieser Teil der Überalterung wird im Wahlkampf und von den politischen Parteien überhaupt nicht thematisiert.

Siehe auch das Interview mit Professor Karlheinz Schwuchow auf der Zukunft Personal Reconnect in Köln:

Das hier sind nur die Vorboten:

#DigitalX-Interview mit @profholm: Chipmangel und Lieferketten-Engpässe treiben die Preise nach oben – Nur ein kurzfristiges Phänomen? Wohl nicht!

Bekommen wir eine dauerhafte Inflation? Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, ist Sorgen wegen der aktuell hohen Inflation entgegengetreten. Derzeit gebe es letztlich eine Normalisierung von den gefallenen Preisen in der Corona-Krise im vergangenen Jahr, sagte Fratzscher am Samstag im Deutschlandfunk. Wenn man das über zwei Jahre vergleiche, sei das völlig konsistent mit der Preisstabilität. „Wir sehen also eine willkommene Normalisierung der Preise“, sagte der Ökonom. Es sei zudem relativ wahrscheinlich, dass die Preissteigerung im nächsten Jahr wieder eher unter zwei Prozent liege und damit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Inflation werde nur dann zum Problem, wenn sie sich verstetige. Nun, die Frachtkosten pro Container sind von 1.000 Dollar auf teilweise 14.000 Dollar gestiegen. Ähnliche Preisschübe gibt es an den Rohstoffmärkten, in der Produktion, bei Papier, Holz, Autobau, Nutzfahrzeuge. Ich kann nicht erkennen, dass man hier von einer willkommenen Normalisierung der Preise sprechen kann.

Wir werden das in den nächsten Wochen vertiefen.

Anmerkungen auf Facebook:

Lutz Becker: „In UK wohl alles noch dramatischer. Der Brexit ist auch ein Puzzle-Stein in der Geschichte. Übrigens hatten wir das Thema schonmal Anfang 2020 bei #SohntrifftBecker. Du erinnerst Dich an meine Puzzle-Stein-Theorie?“

Wichtiges Zeichen (nicht nur) für die Eventbranche: #ZukunftPersonalReconnect in der @Koelnmesse @ZP_Universe

Zum Abschlusstag der #ZukunftPersonalReconnect:

Auf LinkedIn, Twitter und Facebook sind die Abrufzahlen besser. Auf YT sind meine Abos zu dürftig. Aber der Webplayer ist einfach besser.