Workshops, Roundtable und Interviews in der Watson Work Lounge #rp17 #IBM

Mit Ecamm Live stelle ich Euch das Programm auf der re:publica in der Watson Work Lounge von IBM vor.

Ausführliche Infos zu den Sessions findet Ihr unter: Workshops und Open Space Roundtable in der Watson Work Lounge #rp17 #IBM

Oder auf der Website der re:publica

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Im Dickicht möglicher Zukünfte – Illustrer Kreis beim Netzökonomie-Campus #D2030

Hier wird am Donnerstag der netzökonomische Käsekuchen-Diskurs übertragen (also auf YouTube – zum Mitdiskutieren die Chatfunktion benutzen oder Hashtags #D2030 #NEO17x):

Siehe auch:
Dirk Helbing: „Wir müssen die Demokratie digital neu erfinden“

Gewaltenteilung für die Maschinenwelt – Warum wir Utopien brauchen
Anmeldung für jene, die vorbeikommen wollen, über die Facebook-Eventseite. Damit ich weiß, wie ich die Mikrofone aufstellen muss.

Man hört, sieht und streamt sich am Donnerstag, um 17:30 Uhr.

Infos zum Berliner Zukunftskongress im Juli.

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Workshops und Open Space Roundtable in der Watson Work Lounge #rp17 #IBM

Auf zur re:publica nach Berlin vom 8. bis 10. Mai 🙂

Hier nun das komplette Programm in Halle 8 in der Watson Work Lounge von IBM auf der re:publica.
Die Roundtable werde ich über Hangout on Air live übertragen (auf YouTube schon vorgeplant) und die Workshops sowie die Einzelinterviews im Format „Auf einen Cappucino“ mit dem Programm Ecamm Live via Facebook.

Workshops/Roundtable in der Watson Work Lounge, Montag, 8. Mai 2017
Moderation: Gunnar Sohn, Wirtschaftsblogger

10:00 Uhr: Reden wir Tacheles – Die traurige Realitätsferne von digitalen ArbeitsweltenOpen Space-Roundtable mit Mike Schnoor von der Agentur Guts & Glory und Gunnar Sohn

Alles bleibt, wie es ist, nur mit Internetanschluss? Die immer noch vorherrschende Fabriklogik zieht mit digitalen Mitteln auch in die Büroarbeit ein, berichtet brandeins in der März-Ausgabe und bezieht sich auf eine Studie des Soziologen Andreas Boes: „Die Arbeit im Büro ähnele immer mehr der Arbeit in der Fabrik: Kleine, standardisierte Arbeitsschritte würden unter Zeitdruck wie an einem ‚digitalen Fließband‘ am Computer abgearbeitet und von Software protokolliert.“ Wie kann man es besser machen?

11:00 Uhr: Design Thinking Workshop auf der re:publica
mit Stéphane Rodet, Marion Brülls & Felix Herrmann, IBM Design Studios

Was ist IBM Design Thinking? IBM Design Thinking umfasst Prinzipien, die helfen Bedürfnisse von Kunden und Nutzern zu erkennen, zu verstehen und auf große Teams und Projekte moderner digitaler Unternehmen zu skalieren. Kundenerlebnisse werden verbessert und Produkte und Dienstleistungen nutzerorientiert entwickelt. In einem interaktiven Workshop erhalten Sie Einblicke in IBM Design Thinking und erleben Methoden, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit praktizieren können.

11:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Sven Semet, HR Thought Leader, IBM
zum Thema: Brauchen wir noch Chefs in Unternehmen?

12:00 Uhr: New Work-Initiativen ohne Wirkung? Über die Arbeitszufriedenheit in Deutschland – Gespräch mit dem Gallup-Studienleiter Marco Nink und Gunnar Sohn

In Zeiten guter Konjunktur und fehlender Fachkräfte unternehmen viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen und dementsprechend mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit sind, bei 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Das sind die zentralen Ergebnisse des Engagement Index 2016, den das Beratungsunternehmen Gallup vorgestellt hat.

12.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

13:00 Uhr: Sind Bots die besseren Kundenberater?Open Space-Roundtable mit dem Digital-Berater Christian Bartels

Was wäre wohl Sherlock Holmes ohne seinen treuen Freund und Berater Dr. John H. Watson? Nichts. Der Meisterdetektiv empfindet Watsons Pragmatismus als Bereicherung und Ergänzung seines eigenen, etwas exzentrischen Charakters und schätzt ihn als Rezipienten seiner deduktiven Schlüsse. Ein unverzichtbarer Sparringspartner, der die hellsichtigen Einfälle von Holmes beflügelt. Was würde die Service-Branche machen, wenn ein virtueller Assistent ähnliches leistet? Keine skriptgesteuerte Hotline-Fließband-Beratung, Abschied von der Warteschleife und personalisierte Beratung auf Profiniveau mit Gedächtnis. Könnten Bots das leisten?

13:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Michael O. Schmutzer, CEO, Design Offices
zum Thema: Wie New Work und Digitalisierung unsere Art zu Arbeiten verändern

14:00 Uhr: Wie sieht eine agile Organisation aus und kann das funktionieren?
Miriam Kamal-Specht (ms@yellow-frog.de), Dorothee Töreki (toereki@de.ibm.com), Arnd Layer (arnd.layer@de.ibm.com)

Klassische Formen der Unternehmensorganisation werden immer mehr als problematisch angesehen. Sie gelten als zu langsam, kostspielig und unfähig, sich schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Auf der anderen Seite stellen sie ein Korsett dar, das Stabilität und Haltung gibt. Agile Organisationen werden als Alternative gesehen. Ideen wie flache Hierarchien, iterative Ansätze, Design Thinking, DevOps und Holokratie sollen Unternehmen in Schwung bringen. In diesem Workshop wollen wir diesen Ideen auf den Grund gehen und herausfinden, ob und wie sie funktionieren. Gibt es Best Practices und wo liegen die Fallstricke? Beteiligen Sie sich an der Diskussion mit Ihren Fragen, Erfahrungen und Meinungen.

15:00 Uhr: Kollege Watson in der Personalabteilung – Praxisworkshop
Roger Haenggi, Karin Fuhry, Sven Semet (IBM)

Mit Analytics und künstlicher Intelligenz werden HR-Abteilungen zukünftig verstärkt Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen und das Top-Management zielsicher unterstützen. Holen Sie die Zukunft in die Gegenwart und erfahren Sie, welche neuen methodischen und technologischen Möglichkeiten Ihnen mit IBM Watson Talent im HR Alltag offenstehen. Wir befassen uns u.a. mit der Frage wie „ready“ Unternehmen für z.Bsp. People Analytics sind und wie HR Abteilungen in drei bis fünf Jahren aussehen werden.

15.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

Kleiner Eindruck vorab:

16:00 Uhr: Patientenorientierung in Digital HealthOpen Space-Roundtable mit Gerlinde Bendzuck von Deutsche Rheuma-Liga und Bart de Witte, IBM Director Digital Health DACH.

Digitale Gesundheitsanwendungen, ob Medizinprodukt oder Wellness und Lifestyle, digitale Hilfsmittel und digitale Krankheits-Managementprozesse werden sich nicht von selbst und über die Nachfrage in Richtung inklusiver und für viele zugänglicher und nutzbarer Produkte entwickeln. Daher brauchen wir unter systematischer Einbeziehung der Nutzerinnen und Nutzer einen neuen Usability-Diskurs.

Workshops/Roundtable in der Watson Work Lounge, Mittwoch, 10. Mai 2017
Moderation: Gunnar Sohn, Wirtschaftsblogger

11:00 Uhr: Achtsamkeit im digitalen Zeitalter
K. Helena Ernst & Anja Schlenk Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

So etwas wie die „10 Gebote der achtsamen Selbstführung im digitalen Zeitalter“ gibt es nicht! Wie aber lässt sich mit der Digitalisierung umgehen, ohne dass die als sehr individuell empfundene Lebensqualität leidet? Viele Menschen fürchten in der Informationsflut unterzugehen, wenn alle und jeder alles teilen. Es hilft, sich auf sich selbst, seine Stärken, seine Erfolge und nicht zuletzt auf die eigenen Werte zu besinnen, und diese als eine Art Geländer für das tägliche Handeln zu nutzen.

11:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Sven Semet, HR Thought Leader, IBM
zum Thema: Brauchen wir noch HR im Rahmen der Digitalisierung?

12:00 Uhr: Interaktive Session: Die Big Bang Content Show – Intuition gegen Verstand
Ralf Junge, Lead Content Strategy bei Aperto – An IBM Company & Dominik Multhaupt, Strategy Director bei Aperto – An IBM Company

Früher wollte jeder was mit Medien machen, heute macht jeder was mit Content. Die Praxis zeigt jedoch: nicht jeder ist dabei erfolgreich. Denn nicht jeder versteht Content als Service und damit als einen zentralen Teil der User Experience. Ob automatisiert oder mithilfe künstlicher Intelligenz oder für Plattformen – es braucht als Grundlage immer verlässliche Daten, strukturierte Analysen und einen Service-Design-Ansatz, der sich am Nutzer orientiert. Eben eine gute und fundierte Content Strategie. Man sollte meinen, in Zeiten von Big Data kein Problem, doch scheuen sich viele Unternehmen vor dem Einsatz von Daten – und verlassen sich lieber auf die Intuition. Die Session startet mit einer interaktiven Gameshow mit Beispielen für gute und schlechte strategische Ansätze. Im Anschluss werden Kriterien und Vorgehensweisen für eine Content Strategie – heute und auch in Zukunft – vorgestellt.

Infos zu Ralf Junge.

12.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

13:00 Uhr: Roundtable: Wie Maschinen mit hochentwickelten Kompetenzen die Wissensarbeit verändernOpen Space-Roundtable mit dem KI-Experten Stefan Holtel von Brightone und Gunnar Sohn.

James Watt erfand die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert. Sie übertraf die menschliche Muskelkraft um ein Vielfaches. Niemand stellte sich vor, dass diese Erfindung massive Konsequenzen bringen würde: Die Dampfmaschine erhöhte die industrielle Produktion, führte zu gesellschaftlichen Umwälzungen und veränderte die politische Landschaft. Es gab keine historische Parallele über die Wirkung einer speziellen technischen Erfindung auf die Menschheit in so kurzer Zeit. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts könnten wir mit der Künstlichen Intelligenz eine ähnliche Dynamik erleben.

13:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Michael O. Schmutzer, CEO, Design Offices
zum Thema: Wie New Work und Digitalisierung unsere Art zu Arbeiten verändern

14:00 Uhr: Design Thinking Workshop auf der re:publica
Stéphane Rodet, Marion Brülls & Felix Herrmann, IBM

Was ist IBM Design Thinking? IBM Design Thinking umfasst Prinzipien, die helfen Bedürfnisse von Kunden und Nutzern zu erkennen, zu verstehen und auf große Teams und Projekte moderner digitaler Unternehmen zu skalieren. Kundenerlebnisse werden verbessert und Produkte und Dienstleistungen nutzerorientiert entwickelt. In einem interaktiven Workshop erhalten Sie Einblicke in IBM Design Thinking und erleben Methoden, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit praktizieren können.

14.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

15:00 Uhr: Roundtable: KI, Big Data, Nudging und Verhaltenssteuerung durch Algorithmen: Brauchen wir eine Maschinen-Ethik? Netzökonomischer DiskursOpen Space-Roundtable mit dem Wirtschaftsblogger Gunnar Sohn

Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, ruft dazu auf, dem Credo des Philosophen Kant zu folgen: Aufklärung ist der Ausweg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und die Unmündigkeit besteht bei vielen Menschen darin, sich nicht seines eigenen Verstandes und Wollens zu bedienen. Gefordert sei eine aufklärerische Algorithmen-Kompetenz.

Komplette Programm IBM HR Festival 2017 auf der re:publica am Dienstag, den 9. Mai (kostenlose Anmeldung).

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin 🙂

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@mgoldmann – Facebook Live via #Ecamm und Vorbericht zur #rp17 #IBM #D2030 #Bierothek

Erster Einsatz der App Ecamm Live und Vorbericht zu den Livestreaming-Sessions in den nächsten Wochen.

Fabelhafter Anwenderbericht von Martin Goldmann über Ecamm Live.

Zu den Sessions in der Watson Work Lounge von IBM auf der re:publica.

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Mehr Mitsprache bei E-Health-Anwendungen @DtRheumaLiga #rp17 #IBM

Auf zur re:publica nach Berlin und mitmachen bei den Open Space-Debatten

Digitale Kompetenzen sind nach Ansicht von Gerlinde Bendzuck von der Deutschen Rheuma-Liga Berlin vonnöten, um die neuen Digital-Health-Anwendungen und ihr Potenzial für eine bessere Gesundheit verantwortlich nutzen zu können. Sicherheit und Transparenz über Qualitätsstandards und Siegel sind der eine Teil der Diskussion über nötige Informationen.

„Es stellt sich jedoch auch die Frage, wie die Fülle an Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen verlässlich vermittelt werden kann. „Gerade jetzt besteht die Notwendigkeit, flächendeckend Gesundheitskompetenz zum Umgang mit Digital-Health-Anwendungen zu vermitteln. Ein starkes Signal böte die Chance, Patientinnen und Patienten zu aktiveren Gestaltern ihrer Gesundheit mit Hilfe von E-Health-Anwendungen und Prozessen zu motivieren. Einzelne Initiativen formieren sich derzeit, sind aber in der allgemeinen Wahrnehmung noch schwach oder nicht unabhängig. Ein nationales, unabhängiges Informationsportal könnte Informationen bündeln, Akteure vernetzen und die digitale Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung systematisch und flächendeckend erhöhen helfen. Eine Einbindung von Selbsthilfe, Verbraucherschutz etc. ist unbedingt wünschenswert“, so Bendzuck.

Digital-Health-Anwendungen seien eine große Chance, für chronische Krankheiten und Behinderungen, mehr Zeit im System für die wichtige „Sprechende Medizin“ durch Übernahme von Routinetätigkeiten wie bei der Dokumentation zu gewinnen. Sie bieten ein großes Potenzial für eine Steigerung der Behandlungsqualität durch eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation.

„Sie können nur dann die Versorgungsqualität nachhaltig verbessern, wenn auch Behandler mit den Daten umgehen können und diese in die Therapie einbinden – etwa bei einer Rheuma-App. Dies passiert in der Praxis bisher viel zu selten, wie man bei Diabetes beobachten kann. Eine angemessene Qualifikation und Honorierung ist hierfür Grundvoraussetzung. Das medizinische Personal braucht darüber hinaus ebenfalls Orientierungshilfen wie Siegel und Qualitätsstandards, um den Patienten die individuell richtigen digitalen Anwendungen empfehlen oder verordnen zu können. Denn wie Umfragen zeigen, wollen die Betroffenen am liebsten von ihren Behandlern Empfehlungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen erhalten“, betont Bendzuck.

Nur die konsequente Nutzerorientierung bei der Entwicklung, bei den Prüfprozessen und der Markteinführung und Weiterentwicklung führe zu nachhaltig genutzten und inklusiven digitalen Anwendungen.

„Die derzeitigen Entwicklungs- und Prüfprozesse sehen im Gegensatz zur Arzneimitteltherapie eine Einbeziehung von Nutzern nur teilweise und nicht systematisch vor. Das führt zu Mängeln in der Barrierefreiheit oder in der Funktionalität, so dass Nutzergruppen ausgeschlossen werden oder die Anwendung nur kurz probiert wird und ihren therapeutischen Zweck nicht erfüllt.“

Systematische Nutzereinbindung müsste Teil der Entwicklung und ihr Nachweis auch wertendes Qualitätskriterium bei Kosten-Übernahmeentscheidungen durch die Krankenkassen sein.

„Digitale Gesundheitsanwendungen, ob Medizinprodukt, Wellness, Lifestyle, digitale Hilfsmittel und digitales Krankheitsmanagement werden sich nicht von selbst und über die Nachfrage in Richtung inklusiver und für viele zugänglicher und nutzbarer Produkte entwickeln. Daher brauchen wir einen neuen Usability-Diskurs“, fordert Bendzuck.

Organisierte Patienten und Verbraucher könnten stärker als bisher Möglichkeiten zur Mitsprache und Gestaltung für eine wirklich nutzeroptimierte digitale Gesundheitsversorgung einfordern. Die Entwicklerseite bräuchte national bessere Unterstützung bei der Umsetzung, beispielsweise angedockt an die lokalen Wirtschaftsförderungen, mit Beratung, Leitfäden/Manuals, Runden Tischen/Fachtagungen. In Zusammenarbeit mit Vertretern der Patienten könnten hier Standards einer guten Praxis der Nutzerorientierung vermittelt werden.

Für die Patientenseite bräuchte man bundesweit und ansprechbar in jedem Bundesland ausreichend in digitalen Prozessen und Anwendungen geschulte Patientenvertreter, die die eingereichten Konzepte kompetent mit prüfen können. Besonders bei Startups werden in einem grauen Markt vergleichsweise unaufgeklärt und unsystematisch Patienten in Entwicklungsprozesse einbezogen.

„In Deutschland machen sich einige Startups wie lumind (Licht-Sensor für Diabetes-Therapie), Selbsthilfe-Organisationen (Deutsche Rheuma-Liga mit der Rheuma-Auszeit) oder Selbsthilfegruppen wie mit dem Projekt meine.WEGA (webbasierte Gesundheitsakte) auf, aus eigener Betroffenheit digitale Anwendungen und Prozesse zu entwickeln. Welche Unterstützungsmöglichkeiten könnte es geben, damit diese Impulse in Ergänzung zu den kommerziellen Modellen für eine noch bessere Performance an digitalen Gesundheitsanwendungen insgesamt sorgen. Welche Bedingungen fördern eine zügige Übernahme digitaler Anwendungen in die Regelversorgung? Und ist es vermessen auf Patientenseite, nicht nur über kostenfreie Anwendungen, sondern auch ausreichenden Support (ist nötig, damit die digitalen Anwendungen auch sachgemäß genutzt werden können) und im Bedarfsfall auch für den Patienten kostenfreie Endgeräte wie Smartphones nachzudenken?“, fragt sich Bendzuck.

Am 8. Mai werden wir das in einem Open Space-Roundtable mit Gerlinde Bendzuck und Bart de Witte, IBM Director Digital Health DACH, in der Watson Work Lounge von IBM – Halle 8 auf der re:publica in Berlin diskutieren. Start 16 Uhr.

Ihr könnt Euch an dem Gespräch beteiligen – auch Abwesende über die Chat-Funktion von YouTube oder über die Hashtags #IBM #rp17.

Zu Gerlinde Bendzuck: Sie ist seit 2004 ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V. Seit 2016 berät sie den Vorstand der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband in Fragen zu Digital Health und war unter anderem an der Entwicklung der App „Rheuma Auszeit“ beteiligt.
Zudem ist sie seit 2014 ehrenamtliche Vorsitzende der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e.V., dem Dachverband der Berliner Selbsthilfeorganisationen. Die LV Selbsthilfe vertritt die Interessen von rund 70 Vereinen der Gesundheits-Selbsthilfe für Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen und ihre Ange-hörigen. Seit zwei Jahren begleitet Gerlinde Bendzuck in Berlin das Thema Digital Health aus der Patientenperspektive, u.a. mit der Veranstaltungsreihe „Selbsthilfe digital“. Sie ist als diplomierte Kulturmanagerin Inhaberin des Instituts für Kultur-Markt-Forschung (IKMF) und berät deutschlandweit seit 1996 Kulturinstitutionen und öffentliche Auftraggeber.

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin.

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Neureicher Vulgär-Kapitalist schafft Dienst nur für Reiche? #UninstallSnapchat

„Die App ist nur etwas für reiche Leute“, soll Snapchat-Gründer Evan Spiegel während eines Meetings gesagt haben und fügt hinzu: „Ich will nicht in arme Länder wie Indien oder Spanien expandieren.“

Vor allem in dem Schwellenland regen sich viele Menschen in den sozialen Netzwerken darüber auf, berichtet Gründerszene.

„Unter dem Hashtag #UninstallSnapchat wird zu einem Boykott der Fotoapp aufgerufen. Im App Store und Googles Play Store sind zudem vermehrt Berwertungen mit nur einem Stern zu finden.“

Spiegels Aussagen stammen aus Dokumenten eines Gerichtsstreits zwischen Snapchat und dem ehemaligen Mitarbeiter Anthony Pompliano, die seit vergangener Woche öffentlich sind.

„Für die Snapchat-Mutterfirma Snap Inc. kommt der Shitstorm in den sozialen Netzwerken zur Unzeit, hat das Unternehmen derzeit doch weitaus größere Probleme. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der Konkurrent Instagram die Nutzerzahlen mit seiner Storyfunktion kräftig steigern konnte. Snapchat hingegen kann kaum neue Nutzer gewinnen. Ärgerlich für Snapchat, hatte Instagram die App doch einfach kopiert, nachdem Spiegel sich geweigert hatte, sein Unternehmen an Facebook zu verkaufen“, führt Gründerszene aus.

Haben solche Shitstorms nun keine negativen Auswirkungen auf Unternehmen wie Snap oder United?

Zu dieser Schlussfolgerung gelangt jedenfalls Frank Zimmer von w&v.

Darüber sollten wir disputieren.

Siehe auch: Trump-Ideologie hinter der Bubblegum-Hippie-Fassade im Silicon Valley (Snapchat zählt dazu, auch wenn der Firmensitz gar nicht im Silicon Valley liegt)
Passt ja gut zu Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten.

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Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten

Virus, Frame oder Mem – hier geht es nicht um lustige Geschichten oder Anekdoten, es geht um die Orientierung der Menschen, die zu massiven Veränderungen der Volkswirtschaften führen können. Etwa die Story vom anarchischen Sillicon Valley, die in Wahrheit nur ein lauwarmer Hipster-Scheiß zur Rechtfertigung von unentgeltlich geleisteter Arbeit ist. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Philip Mirowski sei das eine der wirksamsten Erzählungen zur Simulation von Rebellion. Man erzeugt eine blumige Fata Morgana, um den Menschen das Gefühl eines vollständigen Ausstiegs aus dem Marktsystem zu geben, um dieses Gefühl dann für Marktprozesse in Dienst zu nehmen.

Das Aufbegehren gegen das kapitalistische Establishment mit einer frechen Hacker-Kultur ist ein gigantisches Täuschungsmanöver. Dieses eigentümliche Hybrid aus freiwilliger unbezahlter Arbeit, hierarchischer Kontrolle und Kennzahlen-Orientierung in den Silicon Valley-Konzernen sowie kapitalistischer Aneignung sei in der gegenwärtigen Ära der Netzökonomie so vorherrschend geworden, dass manche darin eine neuartige Wirtschaftsordnung sehen. Der freiwillige Verzicht auf die Vergütung wertvoller Leistungen sorgt für satte Renditen bei den kalifornischen Technologie-Champions. Man bekommt als Gegenleistung das vage Versprechen, „Reichweite“ zu ernten und Netzwerke knüpfen zu können.

„Für weniger als einen Hungerlohn erfüllen überqualifizierte Bittsteller die niedrigsten Aufgaben“, moniert Mirowski.

Drei Tage Personalchef im Rendite-Imperium der Samwer-Brüder

Das färbt auch auf die traditionelle Wirtschaft ab. Man baut auf die Freelancer-Ökonomie und lässt die Freiberufler im Geist der Selbstbestimmung und Freiheit mit mickrigen Honoraren vor die Wand laufen. Hauptsache, alle haben ein gutes Gefühl im Duz-Modus.

In meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten empfehle ich, diesen Teil der Geschichte neu zu erzählen. Etwa über den Haudrauf-Unternehmer Oliver Samwer, der sogar sterben würde, um zu gewinnen. Think big hat er seinen Leuten als Losung aufgegeben. Execution now, lautet einer seiner Lieblingsbefehle. Da hilft nur weglaufen und den Mittelfinger zeigen:

„Mir widerfuhr die traurige Ehre, dass ich nur drei Tage Personalchef von Groupon war und mit den Samwer-Brüdern zusammen gearbeitet habe, bis ich mich mit einem dieser Typen so anlegte, dass ich in der Mittagspause gegangen bin“, erläutert Heiko Fischer von Resourceful Humans.

Jungunternehmer-Pornohefte feiern Vulgärkapitalisten

Den Führungsstil solcher Karrieristen müsse man aufbrechen. Nicht nur das. Man muss ihnen in der Öffentlichkeit die Leviten lesen und sie entlarven. Etwa die Geschichten im Jungunternehmer-Pornoheft Business Punk, in dem die neue Unanständigkeit gefeiert und Arschlöcher wie Uber-Gründer Travis Kalanick abgejubelt werden. Es ist ja auch abgefahren, wenn jemand Gesetze für sinnlos hält, Steuerhinterziehung predigt und staatliche Regeln mit exterritorialen Insel-Pseudostaaten aushebeln will.

Öffentliche Kontrolle, anstrengende und zeitraubende Gesetzgebungsverfahren stören die Business Punker. Als Ergebnis bekommen wir repressive Toleranz, wie es Herbert Marcuse formulierte. Repräsentiert von Vulgär-Kapitalisten wie Donald Trump. Antidemokratische Systemzersetzung im Geiste egozentrischer Machtspiele á la Peter Thiel.

Auch das ist Teil der narrativen Ökonomie, die man endlich öffentlich und ohne Schongang debattieren sollte.

Wäre wünschenswert: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – mehr als Buzzwords

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Neues aufspüren, Gegenläufiges kombinieren – Open Space-Diskussionen auf der #rp17 #IBM

Making of ... IBM HR Festival

Jacob Taubes Suhrkamp

Das Gespräch stand im Mittelpunkt der intellektuellen Persönlichkeit von Jacob Taubes. Er war ein Gelehrter des gesprochenen Wortes. Im Dialog entwickelte der Ordinarius für Judaistik und Hermeneutik (FU Berlin) seine Gedanken. Die Auseinandersetzung mit einem realen Gegenüber wurde zum Katalysator seines Denkens. Ein Kurator, der Neues nicht nur aufspürt, sondern Gegenläufiges kombiniert. Das gelingt uns vielleicht auch bei den Open Space-Diskussionen in der Watson Work Lounge von IBM auf der re:publica (Halle 8).

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin 🙂

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Trends werden beschworen und verkauft – und das ist das Geheimnis der Trend­-Forschung! In Erinnerung an Harald Korten

Was ist und was leistet die Trend-Forschung?
Oder: Über den Menschen und sein Glück

Von Harald Korten

Trends sind trendy – und die Trend-Forschung ein Mega-Trend! Kaum eine einschlägige Pub­li­kation, ein halbwegs seriöser Fernsehbericht, eine (politische) Talkshow, die ohne Trend-Entdeckung und -Be­schwörung auszukommen glaubte. Und wer bei Google unter „Trend“ sucht, wird erwar­tungsgemäß von Fundstellen erschlagen.

Was aber sind Trends, wie kommen sie auf? „Ent­stehen Trends mehr oder weniger zufällig oder werden Trends gemacht?“ Sind Trends also emergente, zufällige Resultate eines „ge­stimmten“ Marktumfeldes sowie bestimmter (vor allem ökonomischer) Randbedingungen oder wer­den Trends intentional, das heißt zweckgerichtet und zielorientiert am Markt produziert? So ge­fasst, unterläuft beziehungsweise verfehlt die Frage ihren Gegenstand! Trends entstehen nicht – und Trends werden auch nicht produziert! Trends werden beschworen und verkauft – und das ist das Geheimnis der Trend­-Forschung!

Denn nicht klassische Marktforschung, Statistiken, Analyse von Märkten und Markt­prog­nosen sind ihr Medium und Metier – das alles sind allenfalls (zum Teil beliebig) aufgreifbare Elemente oder Instrumentarien, sie bilden aber nicht ihren Kern und begründen auch nicht ihren Erfolg. Eher noch erinnert Trend-Forschung an die Tätigkeit von Auguren, Schamanen, an Messianismus, Erlösungslehren und Heilsversprechen. Näherhin wird beansprucht, „strate­gi­sches Wissen“ für Entscheidungen zu vermitteln beziehungsweise zu verkaufen. Man könnte erwarten, dass für komplexe Situationen Orientierungshilfen durch Komplexitätsreduktion, für Veränderungen Interpretationen geliefert werden: „Noch nie hat sich die Welt so schnell gedreht wie derzeit. Ob in Politik, Wissen­schaft oder Gesellschaft – morgen ist alles wieder anders.“ (Zukunftsletter 7/2005) Sicher! Aber diese Binsenweisheit verdeutlicht auch, dass es der Trend-Forschung besonders ange­le­gen sein muss, selbst fleißig und „lustvoll“ mit am Räd­chen zu drehen, denn das allein ist ihre Chance. Nicht Reduktion, sondern Diversi­fi­ka­tion, beliebige Vermehrung möglichst zahlreicher Trends auf einmal, muss die Strategie sein – also neben „Geiz ist geil“ sofort auch „Hyper-Consuming“. Trends unterscheiden sich von Prognosen, das heißt Aus­sagen über den wahr­schein­li­chen Eintritt von Ereignissen zu einem mehr oder weniger abseh­baren zukünftigen Zeit­punkt, dadurch, dass sie ihre eigene Zukünf­tigkeit als bereits in die­sem jeweiligen gegenwärtigen Augenblick wirksam präsent behaup­ten. Und damit vollzieht sich das Unter­nehmen Trend-Forschung als self-fulfilling prophecy, wird zum wirtschaftlichen Antreiber und „Entdecker“ neuer Märkte.

Den Begriff des „Wissens“ wird man hier und zumal im Zeit­alter der Informationsgesell­schaft keineswegs zu hoch hängen. Was diesbezüglich „Wissen“ genannt wird, umfasst alles Mög­liche, was die „große Info-Box“ so ventiliert, von der kurz gefassten Betriebswirtschafts­lehre für Anfänger bis zur heruntergekommensten Alltagspsychologie und überlebten Ergüs­sen der Ratgeberliteratur. Das spielt letztlich keine Rolle, wundert aber auch nicht, denn eine ihrer wichtigsten Standsäulen hat die Trend-Forschung in der virtuellen Welt des Internets, die die Trend-Forschung als wesentliches Moment unserer Lebenswirklichkeit aufgreift, ja geradezu mit dieser verschmelzen sieht. Eine Kritik, dass dieses Medium als virtuelles Paral­leluniversum zu Realitätsverlusten führe, griffe hier zu kurz.

Denn Realität, das ist Sachhal­tig­keit, haben Entitäten in unserer Lebens­wirk­lichkeit genauso wie in der virtuellen Welt. Man muss sich nur Kants Kritik am ontologischen Gottesbeweis, einem Schluss aus dem Begriff Gottes auf seine Existenz, vergegenwärtigen: Dasein ist keine reales, sprich sachhaltiges Prä­di­kat, das also eine weitere Eigenschaft hin­zufügen würde. Und so konnte Kant behaupten, dass es keinen sachhaltigen Unterschied zwi­schen 100 möglichen und 100 wirklichen Talern gebe. Aber spätestens wenn es ums Kas­sie­ren geht, ist die fundamentale Diskriminierungs-, das heißt Unterscheidungsfähigkeit hellwach und weiß natürlich zwischen 100 virtuellen und 100 wirklichen Talern zu unterscheiden. Und dem, der Pech hat und in eine wirkliche Spielbank nicht mehr hereinkommt, dem bleibt zum Trost dann Online-Pokern. Die Gelddruckmaschine Internet ist diesbezüglich keineswegs zu verteufeln – Er­fah­rungs­armut und Kommunika­tions­unfähigkeit wird aber auch keine noch so bunte virtuelle Welt irgendwie kompensieren, geschweige denn beseitigen kön­nen.

Bleibt die Frage nach dem konsequent auf Konsum heruntergebrochenen Menschen: „Wie hält es die Trend-Forschung mit der Bedürfnisnatur beziehungsweise -struktur des Menschen?“ Dort, wo in entwickelten, sozialstaatlich organisierten Ge­sell­schaften die so genannten natürlichen Grund­be­dürf­nisse in aller Regel hinreichend befriedigt sind, bleiben soziale Bedürfnisse als Bearbeitungs­masse, der sich die Trend-Forschung hinge­bungs­voll zuwendet. Nun wird man nicht mehr wie Rousseau einer Bedürfnissteigerung kultur- und gesellschaftszerstörende Kraft zusprechen wollen; aber auch das „System der Bedürfnisse“ (der bürgerlichen Tauschgesellschaft), das Hegel dem Bereich des Sittlichen zurechnete, weil in ihm und durch es der subjektive Ego­ismus „in den Beitrag zur Befriedigung der Bedürfnisse aller Andern umschlägt“, taugt nicht, um die einschlägige Bedürfnisproduktion zu verstehen. Sie gründet eigentümlich auf einem Mangel an Mangel­zuständen, als welche Bedürfnisse doch gedacht werden. Am ehesten kann man es vielleicht mit Arnold Gehlen als Verschiebung von der Bedürfnis- auf die Antriebs­orientierung ver­ste­hen: ein System der Belohnung, das fetischisierten Gegenständen eine ent­sprechende An­triebs- und Motivationskraft zuspricht.

Allein an der Sprache sollt ihr sie erkennen – und die hat nun gewiss anästhetische Züge, Betäubungsvalenzen. Beispiele gefällig? Vom Neuromarketing über die Schlüsselstrategien der Innovation Economy, viralem Szene-Marketing, Öko-Fashion, Consumer Trends, Beauty Boom, Down-Aging, Wohlfühlmärkten, den Health-Hedonists, Generation 50+ bis hin zum Selfness-Mann und seiner „authentischen Maskulinität“ sowie dem Female Financing reicht das Spektrum. Und mit diesem Sprachgebräu erreicht die Trend-Forschung wohl ihre eigent­liche Klientel in der „Kreativen Klasse“, der sie sich selbst zurechnet, diesem „Heer der Ent­wickler, Designer, Werber, Coaches, Berater, Texter und Grafiker“ (Zukunftsletter 7/2005) und was sich sonst noch an geschwätzigem Völkchen an den Türen zu Kaffeeküchen herum­treiben mag.

Aus den angeführten Formulierungen ist nicht nur ein Schwerpunkt auf Gesundheit, Wellness, Alter etc. zu entnehmen; Trends bergen generell und unablösbar immer so etwas wie ein Glücksversprechen in sich (dass es bereits einen „World Happiness Index“ gibt, verwundert da nicht). Negative Trends, Abwärtstrends, selbst Flops etc. sind der Trend-Forschung unbekannt – was sollte sie damit auch anfangen? Interessiert doch keinen wirklich! Um­ge­kehrt – man rufe doch gleich die Glücksforschung zur großen Neuentdeckung des 21. Jh. aus: „Während sich die Psychologie einhundert Jahre lang, seit Freud, immer nur mit den Defiziten der menschlichen Existenz auseinander gesetzt hat – Neurosen, Traumata, Ängste, Schiziophrenie, Depression – beginnt sie nun endlich die entscheidende Zukunfts­frage zu stellen: Unter welchen Bedingungen entfalten Menschen ihr Glückspotenzial?“ (Zukunfts­letter 9/2006) Kein Gedanke daran, dass bereits antike Denker wie etwa Aristoteles, Epikur oder Seneca Glück nicht selten zum zentralen Thema ihrer Theorien machten, aber da ging es um Einsichten, Haltungen und Lebensführung – und das ist etwas anderes als Lifestyle, in dem sich multiple Persönlichkeiten (mit der Identität von Kleiderständern) mit entsprechen­den sozialen Statusprodukten ihr Dasein aufhübschen. Auch kein Gedanke daran, dass Glück einmal großes Thema im literarischen Diskurs war: Goethes Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre, geradezu ein Traktat vom Menschen und seinem Glück (J. Hörisch), expliziert den Facettenreichtum eines Ausdrucks, den jeder gebraucht und bei dem doch jeder immer wieder etwas anderes damit verbindet, der also selten intersubjektiv geteilt wird – von der Vor­stellung eines unverfügt und ohne eigentliches Verdienst Zufallendem, das den Le­bensgang entscheidend wendet und ihm neue Struktur und Sinn verleiht, bis hin zur klein­bürgerlichen Vorstellung des im Schweiße des eigenen An­gesichts geschmiedeten Glücks. Letzteres kommt wohl dem am nächsten, was die Glücks­verkäufer sich darunter vorstellen oder suggerieren, was Bedürfnis von Kunden sei: Glücklich macht, wenn man sich was leisten kann! Und wenn dann doch die „Sozioökonomie des Glücks“ über „das Fort­schritts­paradox: Glücksdepression und Wohlstandsmelancholie“ nicht hinweg­sehen kann, dann ruft man einfach flugs das Glück als „neues Leitbild für Politik und Wirt­schaft“ aus – „die wichtigste Variable des Menschen. Seine Fähigkeit, das Leben als schön zu empfinden und zu genießen, wird in der Wissensgesellschaft von morgen der wichtigste Antriebsmotor sein.“ (Zukunfts­letter 10/2005) Hätten Sie das gedacht? Nein? Dann räumen Sie doch mal wieder auf in Ihrem Leben, putzen ein bisschen drin herum und nach getaner Arbeit: Gönnen Sie sich mal wieder was, nicht zuletzt, um ihre Fähigkeit, das Leben als schön zu empfinden, unter Beweis zu stellen.

Irgendwie trivial – und doch ist es wohl einfach dieser großartig naive, eindimensionale Posi­ti­vismus einer „Fröhlichen Wis­senschaft“ (Nietzsche), der offensichtlich in Bann zu schla­gen vermag! Die unternehmerische Klientel allerdings – „Entscheider in Management und Marke­ting“ – wandert derart geführt auf dünnem Eis und handelt nicht selten mit ungedeckten Schecks.

Was noch von ernst zu nehmender „Forschung“ bleibt, das ist keine „Arbeit des Begriffs“ (Hegel); auch Platons Bild von der „zweitbesten Fahrt“ in seinem Dialog Phaidon, das im Grunde dasselbe meinte: dass dort, wo kein göttlicher Hauch die Segel zur Erkenntnisfahrt bläht, eben die eigene Anstrengung in der Tätigkeit des „Ruderns“ verlangt wird, verweist auf den eigentlichen Sachverhalt: das „intellektuelle Wellenreiten“ von „Begriffs-Designern“. Man verwechsle deren Produktion nicht mit Lyrik. Dieser wie anderen Künsten, etwa der Malerei oder der Musik, liegt ein Handwerk zugrunde, Trend-Forschung ist Mundwerk und der Begriffs-Designer gleichsam der Maulheld im Reich des Geistes. Das ist nun aber keines­falls eine exklusive Charakterisierung – zumal auch Philosophen von Profession, die sich heute exponiert, etwa im „Philosophischen Quartett“, in die Öffentlichkeit wagen, nicht davor gefeit sind, Sachverhalte, bei denen Verdeutlichung wünschenswert wäre, in Sprach­nebeln zum Verschwinden zu bringen oder Trivialitäten zu babelschen Sprechblasen aufzu­pumpen.

Das „Geheimnis“ der Trend-Forschung – so war gesagt – sei es, Trends zu verkaufen. Und ihr Erfolg bemisst sich daran, Trends zu verkaufen, die wiederum Verkäufe und Verkaufserlöse generieren. Das allein ist ihre Form der Verifizierung. Insofern ist diese „Art“ der Forschung – im Kern ein anspruchsvoll-verblasenes „Trend-Briefing“ – das derzeit geglückteste Beispiel einer unmittelbar mit ihrer produktiven Umsetzung und marktkonformen Realisierung verknüpften Forschung. In Zeiten, in denen Bildungsplanung und Wissenschaftsreformen diesem (technisch-industriellen) Leitbild der einschlägigen Technokraten bewusstlos hinterher hecheln, – doch gewiss kein schlechtes Omen!

Kommen wir noch einmal auf den ontologischen Status und die eigentümliche zeitliche Flüchtigkeit der in der Gegenwart bereits Zukunft realisierenden Trends zu sprechen. Trends haben einen immanenten Zeitkern, eine eigentümliche innere Zeit­bestimmung. Natürlich haben sie auch ein Dasein in der äußeren, physikalischen Zeit; vermittelst dieser „kommu­nizieren“ sie mit anderen Trends. Aber die Rede von einer „Ablösung“ und damit (Ab-)Folge von Trends ist ein erzählerisches Konstrukt von Historikern. Trends „überleben“ sich auch eigentlich nicht, denn was überlebt, ist ja noch da. Trends zeigen hingegen – durchaus in Analogie zu lebendigen Naturwesen – Zustände der Mortalität, der Erschöpfung – Trends erschöpfen sich. Und wo sich nicht mehr profitabel verkaufen lässt, da ist der Drops bekanntlich gelutscht! Darüber wird nun aber kein Aufhebens gemacht, die Produktion und der Verkauf von Trends, die Show, müssen weitergehen.

Legt man seiner Einbildungskraft keine Zügel an und lässt der Assoziation freien Lauf, dann könnte man Trend-Forschung als neues Modell von Geschichtsschreibung ausrufen: Da nach Friedrich Schlegel der Historiker bekanntlich der rückwärts gewandte Prophet ist, ließe sich die Menschheitsgeschichte – nicht mehr als „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ (Hegel) oder als „Geschichte von Klassenkämpfen“ (Marx) – als „Geschichte von Trends“ deuten! 1789 lag damals voll im Trend, 1848 war in Deutschland nicht wirklich sexy, aber ab 1933 war das Tausendjährige für 12 Jahre „Mastertrend“ (i.e.: „wird unser Leben grundlegend verändern“, so die kriteriale Bestimmung des Ausdrucks!), um kurz anzudeuten, wie das gehen könnte. Und die Endlichkeit von Trends steht ja nun auch in einer bemerkenswerten Übereinstimmung zu neuesten kosmologischen Erkenntnissen. Wenn selbst das Universum (in the long run) endlich ist, dann lassen sich Trends doch als Monaden, als Spiegel der absoluten (nun freilich endlichen) Substanz denken – Leibniz als Hintergrundmetaphysik der Trend-Forschung. Lässt sich doch fix designen! Und am Ende sind Trends genau dies: emergente Strukturen des bioevolutionären Prozesses unserer Erde. Oh Gott – das wäre ja gleich ein ganzes Weltbild. Aber die Hoffnung soll nicht sinken – auf die nächsten Trends.

Soweit der Text meines Freundes Harald Korten, der vor elf Jahren erschien. Mit Harald verbrachte ich unzählige Abende und Nächte bei Rotwein sowie gutem Essen. Er war nicht nur ein begnadeter Rhetor, sondern auch ein exzellenter Koch – geschult durch Reisen in die Gourmet-Tempel in Baiersbronn. Er war mein Nachbar, der mich in einigen Nächten mit den bombastischen Klängen von Richard Wagner aus dem Bett katapultierte. Er wählte zwar Kopfhörer, um sich um drei Uhr noch den Walkürenritt ins Gehör zu hämmern, vergass dabei aber das kleine Knöpfchen zur Deaktivierung der Lautsprecher zu drücken. Das hatte den Vorteil, dass Harald das bedrängende Klopfen und Klingeln der Nachbarschaft schlichtweg überhörte. Als kleine Rache wählte ich dann am nächsten Morgen eine mächtige Variante von „Land of Hope and Glory“ mit einem epochalen Finale (Coronation Ode, Op. 44: VI., mit der Sopranistin Anne Collins und dem Royal Scottish National Orchestra, dirigiert von Sir Alexander Gibson), die die Wände meines geschätzten Philosophen-Freundes zum Erzittern brachten. Legendär waren die abendlichen Rundgänge mit Harald, seinem Mentor und Schelling-Forscher Hans Michael Baumgartner und weiteren Philosophie-Professoren nach inspirierenden Kolloquien, die im Sovjetlokal GUM endeten. Wer mit Philosophen unterwegs ist, muss trinkfest sein.

Mit dem Text von Harald über die geistige Leere der Trendforschung wollte ich ein neues Kolumnen-Format unter dem Titel „Der Wirtschaftsphilosoph“ begründen. Wir waren doch Brüder im Geiste und seine spitze Feder hätte sich wohltuend von den technokratischen Hohlköpfen in Beratung, Wirtschaftswissenschaft und Management abgehoben. Dazu ist es leider nicht gekommen. Dieser Beitrag ist ein Unikat. Wir verloren uns aus den Augen. Vergangene Woche ist Harald gestorben. Seine philosophischen, musikalischen und kulinarischen Anregungen werde ich in guter Erinnerung behalten.

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Fliegende Hunde, Abkürzung ins Irgendwann, Morx & Angel #EineMillionMinuten

Wolf Küper-Lesung in Bonn

Wolf Küper-Benefizlesung, die von der Lebenshilfe Bonn, Initiative Torus und Bonn Lighthouse (Verein für Hospizarbeit) organisiert wurde.

Da musste man mich nicht zweimal fragen, ob ich den Abend live ins Netz streamen könnte. War ein großes Vergnügen. Die drei Vereine leisten fantastische Arbeit und der Autor Wolf Küper ist ein anregender und nachdenklich stimmender Geist.

Fotos zum gestrigen Abend auf Facebook.

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