#Artikel13 #Uploadfilter Proteste mit Auswirkungen auf die Europawahlen im Mai? Was denkt Ihr?

Eine (nicht nur) demoskopische Recherche:

Tja:

@caspary @AxelVossMdEP Hört auf, die Netzszene und die @Netzpiloten zu verscheißern – Setzt die Abstimmung über die Urheberrechtsreform aus #Uploadfilter #Axelsurft

Für ein offenes Europa, Herr Voss

In der Debatte über die Urheberrechtsreform ist sehr viel Porzellan zerschlagen worden. Jüngst durch Daniel Caspary, Europaabgeordneter der Union, der behauptet, dass es Versuche gebe, Gegner der Richtlinie für die Teilnahme an Demos mit bis zu 450 Euro zu bezahlen.

Und nun schreibt er: „Um eines klarzustellen: nie habe ich gesagt, alle Demonstranten seien gekauft. Meine Aussage findet man hier…“

Caspary verweist auf einen Bericht der Bild und da wird er folgendermaßen zitiert:

„Casparys Verdacht: ‚Nun wird offensichtlich versucht, auch mit gekauften Demonstranten die Verabschiedung des Urheberrechts zu verhindern. Bis zu 450 Euro werden von einer sogenannten NGO für die Demoteilnahme geboten. Das Geld scheint zumindest teilweise von großen amerikanischen Internetkonzernen zu stammen. Wenn amerikanische Konzerne mit massivem Einsatz von Desinformationen und gekauften Demonstranten versuchen, Gesetze zu verhindern, ist unsere Demokratie bedroht.'“

Den „Beweis“ für diese schwerwiegende Verdächtigung konstruiert man mit einer Meldung der Netzpiloten, für die ich ja bekanntlich als Kolumnist arbeite. So schreibt Bild:
„Wie das Magazin ‚Netzpiloten‘ berichtete
, soll Google etwa die freie Enzyklopädie Wikipedia mit Zahlungen in Höhe von bislang 7,5 Millionen Dollar unterstützt haben. Wikipedia hatte sich am 21. März in Deutschland öffentlichkeitswirksam ‚abgestellt‘, um gegen die Reform zu protestieren. Kurios: Wikipedia ist selbst von der Reform gar nicht betroffen und darf weiter Inhalte hochladen.“

Aber was steht denn in der Netzpiloten-Meldung, die am 24. Januar erschien?

„Schon in der Vergangenheit gab es auch größere Spenden von Google. Nun spendet Google erneut eine große Summe und bietet darüber hinaus kostenlose Cloud- und Machine-Learning-APIs für die freie Enzyklopädie. Google erweitert sein Engagement für Wikipedia gleich um zwei Millionen US-Dollar. Die gesamte Unterstützung durch Google beläuft sich mittlerweile auf 7,5 Millionen Dollar. Neben der monetären Unterstützung bietet Google jedoch auch noch kostenlosen Zugriff auf einige seiner Cloud- und Machine-Learning-Werkzeuge.“

Was für eine konstruierte Skandalisierung von Bild und Co. Die Ursprungsmeldung stammt aus dem Jahr 2010.

In einem Blogbeitrag hat Google dann noch am 22. Januar 2019 mitgeteilt, dass die Unterstützung erweitert wird.

So sollen den Wikipedia-Autoren einige Tools zur Verfügung gestellt werden, die die redaktionelle Arbeit erleichtern: Eine Google Cloud Custom Search API könnte beispielsweise sicherstellen, dass Beiträge korrekt aus anderen Quellen zitiert werden. Dürfte ja Voss und Co. begeistern. Zudem werden weitere zwei Millionen Dollar für langfristige Nachhaltigkeit gespendet. Das teilte Google vor gut zwei Monaten mit.

Wo bitte ist der Zusammenhang mit den Demos im März? Ob es um Bots geht, um die Google Memes-Rubrik, um vermeintliches Handgeld für Demonstranten: Die Unionspolitiker verstehen die Probleme der Netzszene nicht. Und noch schlimmer: Die liebwertesten Gichtlinge der Union reagieren auch noch beleidigt und trotzig.

Weise und kluge politische Entscheider versuchen nicht, ihre fragwürdigen Positionen mit der Brechstange durchzusetzen, sie setzen auf offene Verfahren. Voss und Co. agieren hingegen wohl lieber in geschlossenen Zirkeln. Sie kungeln auf den Spuren von Klemens Wenzel von Metternich in Geheimrunden als sich auf nicht kontrollierbare Disputationen mit der Zivilgesellschaft einzulassen. Wie es anders geht, erläutert Internet-Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter im Netzpiloten-Interview.


Mehr Merve-Kultur im Netz wagen – Über den Überschuss an Meinungen und Urteilen

Lust am Diskurs

Es gibt doch sehr viele Protagonisten, die ihre eigene Meinung, ihr eigenes (Vor)-Urteil in eine Wir-Form kleiden und aus dieser Schlaumeier-Perspektive über andere Menschen Haltungsnoten abgeben. In Netzdiskussionen ist das besonders ausgeprägt. Seit der Gründung von Social Media sei ein Überschuss an Meinung da. Das sagte Christoph Kappes zum Medientag der Hochschule Fresenius in Köln, in der ich in einem Workshop die Entwicklungslinien des Journalismus bis zum Jahr 2030 skizzierte. Und da präsentierte ich einen Leitspruch, den Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, vor einigen Jahren bei einem Kongresse des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) sagte: Durchwursteln statt bedeutungsschwere Masterpläne zu schmieden sei das probateste Mittel, um in der digitalen Sphäre zu überleben.

In seiner DJV-Rede sieht er das Merkel-Prinzip als den besten Ansatz, wie heute Medien entwickelt werden müssen. Man könne vielleicht ein halbes Jahr weit sehen, aber bestimmt nicht zehn Jahre. „Alle Masterpläne scheitern permanent“, so Wegner. Wo die Zukunft der Medien liegen werde, kann er nicht beantworten. „Ich weiß es nicht. Es passieren gerade so viele Dinge bei der Veränderung des Verhaltens der Nutzer und Leser, dass ich froh wäre, wenn ich wüsste, was wir nächstes Jahr machen“, so Wegner. Er gab den Teilnehmern die Empfehlung auf den Weg, mehr zu spielen, zu experimentieren und die Dinge, die nicht funktionieren, wieder einzustellen.

Dass Journalismus sich „gar nicht“ ändern müsse, weil Journalismus Journalismus sei, hält Kappes für eine Falle. „In allen Berufen steigen die Ansprüche inhaltlich und methodisch – bei Juristen, Soziologen und Informatikern könnte ich es wohl belegen.“ Inhalte werden spezieller und breiter zugleich.

Welche Konsequenzen leiten sich darauf ab, wenn man auf Sicht fahren und dennoch vieles verändern muss: Kappes bringt den Ausbau von fachlichen Rollen im General-Interest-Spektrum ins Spiel, beispielsweise Tandems mit Experten oder formalisierte Reviews. Da sei noch viel möglich.

Eine veränderte Haltung: „Journalisten beobachten und beschreiben die Gesellschaft, sie unterscheiden sich von Soziologen nur darin, dass sie weder Theorie formulieren noch Fachsprache formulieren, aber Haltung und Denkweise müssen meiner Meinung nach auf den Prüfstand. Empirie und Beschreibung sind der Königsweg, gefolgt von der Suche nach Mustern. Erst dann kommt Herummeinen.“

Da die Gesellschaft sich zunehmend ohne Massenmedien mit Meinung versorgt, müsse auch hier der Journalismus mit der Zeit besser werden: Einordnung und Bewertung werde immer wichtiger – begleitet von der Einspeisung von historischem, politischem und soziologischem Fachwissen. So könnte man empirisch nachweisen, warum Stereotypisierungen so fragwürdig sind – also beispielsweise das Generation X-Y-Z-Gequatsche.

Zudem muss man an der Vielfalt der Formate arbeiten, da sich die Öffentlichkeiten immer mehr zergliedern. Aus Mikro werde Nano. Hier muss man die Theorie der öffentlichen Meinung neu schreiben.

„Daher müssen Journalisten Brücken in andere Bereiche von Öffentlichkeit bauen. Wo man sich heute heraushält, muss man hinein. Das ist eine politische Forderung“, so Kappes. Das gilt auch für den Überschuss an Meinungen, der in sozialen Netzwerken produziert wird. Mit all seinen negativen Begleiterscheinungen. Von Fake News bis zu Hassbotschaften. Auch hier könne der Journalismus mit Kuration und Verdichtung vorgehen. „Warum nicht mal auf Meinungen im Netz beziehen und diese gegeneinander halten, nach Argumenten suchen und einen Vorschlag machen?“.

Das Problem liege nicht bei den Meinungen, so Professor Volker Banholzer von der TH Nürnberg. Problematisch sei der Überschuss an Aburteilungen in der Social Web-Kommunikation. Der schnelle Aufreger, die Ausschaltung der Kontextinformationen und die reflexhaften Boshaftigkeiten, die sich massiv im Netz ausbreiten.

Wie kann man das anders machen? Schaut Euch doch mal den Merve-Verlag an. Vor allem die Geschichte dieses Unternehmens. Zur Merve-Kultur zählte immer die Lust am Diskurs und nicht die Volkserziehung. Das brachte Michel de Certeau, Autor des Berliner Verlags, trefflich zum Ausdruck: Wer die Masse zu repräsentieren vorgebe, kämpfe in Wirklichkeit darum, sie zu erziehen, zu disziplinieren und zu gruppieren.

Peter Gente und Heidi Paris kultivierten ihre gute Laune: „Wir wollen ein kleiner Verlag, unscheinbar und daneben sein, und das macht irre Spaß.“

Sie nutzten das Kontrollvakuum und erfreuten sich an der Partisanenexistenz ihrer Leser. Das lebt auch nach dem Tod von Gente und Paris weiter. Zeitlose Bände mit hoher Diskurs-Dynamik auf billigem Papier. Paperbacks, bei denen man Sätze gegen den Strich lesen kann. Schlüsse aus den Texten ziehen, von denen die Texte nichts wissen und einer Kunst des Lesens aus dem Geist der Respektlosigkeit frönen.

Joseph Schumpeter, David und Gottfried Eisermann – Eine Lesung in Bonn

Was Joseph Schumpeter mit David und Gottfried Eisermann zu tun hat, dürfte den Lesern des Schumpeter-Bandes, an dem ich mitgewirkt habe, bekannt sein. Noch einmal zur Erinnerung:

Schumpeter hat in seiner Bonner Zeit von 1925 bis 1932 eine beachtliche soziologische Lehr- und Vortragstätigkeit entfaltet. All das erforscht übrigens seit den 1990er Jahre der Berliner (!) Sozialwissenschaftler Ulrich Hedtke. Vielleicht lag es an seiner Schrift „Stalin oder Kondratieff. Endspiel oder Innovation? (Sowie:) Nikolai Kondratieff: Strittige Fragen der Weltwirtschaft und der Krise“, die Hedtke auf die Spur von Schumpeter gebracht hat. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen über ein Live-Interview mit dem Schumpeter-Forscher in Berlin. In Bonn war es jedenfalls Gottfried Eisermann, der sich intensiv mit Schumpeter beschäftigte. Darauf machte mich dessen Sohn David Eisermann auf Facebook aufmerksam:

„Im Nachhinein darf man ihn (also Schumpeter, gs) als Bonns ersten Soziologen bezeichnen. Einen Lehrstuhl für Soziologie hat es an der Bonner Universität damals nicht gegeben. Der wurde erst 1962 eingerichtet – zwölf Jahre, nachdem Schumpeter in den USA gestorben war. Mein Vater hatte ihm 1962 seine Bonner Antrittsvorlesung gewidmet. Aber die Zeit war damals für eine Wiederentdeckung oder Neubewertung Schumpeters noch nicht reif.“

Gottfried Eisermann bezeichnet Schumpeter als sozialwissenschaftlichen Spiritus rector der Bonner Alma Mater. Sein ganzes Werk sei von soziologischen Denkmitteln durchsetzt und unerlässlich von soziologischen Stützpfeilern getragen. 

„Diese Eigenschaften seines Werkes und seiner Person waren daher bereits unverkennbar ausgebildet, als er zum Wintersemester 1925/26 dem Ruf auf den Lehrstuhl von Dietzel an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität folgte, an der er während der Dauer seiner Zugehörigkeit regelmäßig Kollegs über ‚Gesellschaftslehre‘ hielt und dadurch zu seinem Teil der in jener Zeit umstrittenen Soziologie als Wissenschaft den Weg bahnte.“

Die Soziologie taucht also nicht zufällig so häufig in den Bonner Vorlesungen von Schumpeter auf. Das verstärkte sich, als er 1927 seinen ersten Aufenthalt als Gastprofessor an der Harvard Universität antrat. So hatten sich die dortigen Soziologen noch nicht vom wirtschaftswissenschaftlichen Institut abgespalten, um eine selbständige „Gruppe für Sozialbeziehungen“ zu bilden. Das erwies sich für Schumpeter als glücklicher Umstand, denn seine eigene Betrachtungsweise der Nationalökonomie orientierte sich immer stärker an der Soziologie. In Harvard hatte er die Möglichkeit, sich mit den besten Köpfen auf diesem Gebiet auszutauschen und diese Erkenntnisse mit seinen eigenen wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten zu kombinieren. Und die Lust an der Kombination spielt ja im Werk von Schumpeter eine nicht unwesentlich Rolle. Im November des vergangenen Jahres hat nun David Eisermann einige Daten zum wissenschaftlichen Wirken seines Vater veröffentlicht, die ich hier noch einmal wiedergeben möchte. Schließlich werden wir das in der Schumpeter-Lesung am Dienstag, den 26. März, um 20 Uhr im Buchladen46 ausführlich erörtern – also David und ich.

„Am 6. November 2018 wäre mein Vater Gottfried Eisermann 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß habe ich für das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn einen kurzen Abriß seiner Laufbahn zusammengestellt. Vorweg ein Kuriosum: nachdem mein Vater in den Ruhestand getreten war, wurde seine Stelle an der Fakultät umgewidmet. Auf die umgewidmete Stelle ist dann Reinhard Selten berufen worden. Der Nobelpreisträger von 1994 bezog die Arbeitsräume des vormaligen ‚Instituts für Soziologie‘, das seit Ende der 60er Jahre fortgeführt worden war als eine Abteilung des ‚Instituts für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften‘. Gottfried Eisermanns Berliner Doktorvater war Friedrich Bülow; 1946-48 war er Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität zu Berlin, gleichzeitig Mitarbeiter der ‚Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung‘, des späteren Ministeriums für Volksbildung der DDR; in seiner freiberuflichen Zeit 1948-50 legte er mit seiner Festschrift für den Soziologen Alfred Vierkandt (1867-1953) den Grundstein für seine Hochschullaufbahn im Westen. Einer der Beiträger war der Emigrant Alexander Rüstow (1885-1963; ‚Ortsbestimmung der Gegenwart‘), der nach Heidelberg berufen wurde und dort Gottfried Eisermann zu seinem engen Mitarbeiter machte. Rüstow – Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft – betreute auch Eisermanns Habilitationsverfahren, abgeschlossen 1957 mit der Lehrbefähigung für ‚Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften‘. Im Dekanat der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in Bonn ist bis heute eine Handakte erhalten, die Einblick in die Planungen gibt, hier (und nicht an der Philosophischen Fakultät) den ersten Bonner Lehrstuhl für Soziologie einzurichten. Bereits Joseph Schumpeter war ja an die Bonner Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät berufen worden (allerdings nicht auf eine Professur für Soziologie). Nach Gottfried Eisermanns Berufung im Mai 1962 wurde sein Lehrstuhl (mit einer venia legendi für ‚Soziologie‘) zwar als ‚Institut für Soziologie‘ organisiert – mit mehreren Mitarbeiterstellen. Spätestens nach dem Tod Erwin von Beckeraths wurde aber seitens der Fakultät der ursprüngliche Plan für einen eigenen Studiengang Soziologie nicht weiter verfolgt. Erwin von Beckerath war an der Berufung Eisermanns maßgeblich beteiligt gewesen. Ein Studium der Soziologie war dann zunächst nur für Studenten der Volkswirtschaftslehre möglich, die zuerst den Grad eines Diplom-Volkswirts erwerben mußten (was bei Eisermann möglich war), bevor sie eine Dissertation zu einem soziologischen Thema anfertigen konnten. Eisermanns erster Habilitand war Martinus Emge, der später auf die erste Professur für Soziologie an der Philosophischen Fakultät berufen werden sollte. Anfang 1984 ist Gottfried Eisermann nach altem Hochschulrecht emeritiert worden; d. h. er blieb weiter prüfungsberechtigt und war (technisch gesehen) bis zu seinem Tod 2014 Mitglied seiner Fakultät. Über einen Zeitraum von etwa zwanzig Jahren ist er nach seiner Emeritierung noch mit zahlreichen Publikationen und Vorträgen hervorgetreten. Ein Arbeitsgebiet, das ihm besonders am Herzen lag, war die Geschichte der Soziologie als akademisches Fach – mit zahlreichen Arbeiten über Klassiker der Soziologie. Gottfried Eisermann war unter anderem Ehrendoktor der Universität Padua sowie der Ruhr-Universität Bochum.“

Soweit die Ausführungen von David Eisermann. Genügend Stoff für unsere Gesprächsrunde am Dienstag. Es wird ein unterhaltsamer und spannender Abend. Das Vorgespräch mit David war schon sehr amüsant. Man hört und sieht sich 🙂

Einen Livestream gibt es diesmal nicht. Werde das Ganze aufzeichnen.

Krahl, Luhmann und das theoretische Rüstzeug im Wettbewerb mit dem Silicon Valley #Pluriversum21

Ich sortiere gerade meine Notizen in Form von Zetteln und Einträgen im Netz. Und da ist mir wieder die Rede von Alexander Kluge zur Eröffnung der Ausstellung Pluriversum21 über den den Weg gelaufen, mit einer überraschenden Aussage über den digitalen Wettbewerb mit dem Silicon Valley:

„Hans-Jürgen Krahl ist der intelligenteste mir bekannte Studentenführer gewesen – ein Theoretiker der Spitzenklasse. Dessen Schrift über die reelle Subsumtion der Intelligenz und des Kapitals ist die einzige Theorie, die mit Silicon Valley fertig wird. Der andere ist Niklas Luhmann.“

Auf LinkedIn gab es dann eine sehr interessante Reaktion von Frank H. Witt:

„Krahl und Luhmann lagen und liegen theoretisch oder ideologisch, wie man das auch sehen will, weit auseinander, aber Kluges Einschätzung ist zutreffend, sowohl Systemtheorie (physikalische, biologische, psychische und soziale Systeme, die sich wechselseitig ermöglichen, irritieren und gegeneinander abgrenzen lassen), als auch die eiskalte Interpretation der Hegelschen Phänomenologie lassen keinen Raum für allzu viel Vertrauen in das individuelle Bewusstsein (auch von Revolutionären): ‚Genosse Krahl, du bist objektiv ein Konterrevolutionär und ein Agent des Klassenfeindes dazu!‘ So wurd Krahl kritisiert, als er auf der SDS Delegiertenkonferenz vom 13. Oktober 1969, darin mit Luhmann übereinstimmend, das Scheitern der Studentenrevolte konstatierte, weil diese die Mechanismen der Systembildung nicht verstehen konnte ….diese Delegiertentagung und der Auftritt Krahls beeindruckten manche in der späteren Professorengeneration so nachhaltig, dass diese das Bedürfnis hatten, mit ihren Studenten noch in den 80ern darüber zu diskutieren … technische Revolutionen sind einfacher als soziale, ,… Evgeny Morozov oder Jaron Lanier mögen dann den Studierenden von heute Diskussionsstoff bieten. Who owns the future?“

Soweit Witt. Das Arkanum von Krahl als Silicon Valley-Gegenrezept würde ich gerne lüften auf dem #KölnerKolloquium am 29. Mai.