Büroquote statt Führungskompetenz: Wie die Homeoffice-Debatte regressiv wird – und was die ZP Nachgefragt Week dagegenhält

Die Rückkehr des Präsenz-Diktats

Die Homeoffice-Debatte erlebt eine erstaunliche Regression. Kaum wird der Ton in der Wirtschaft rauer, kaum wächst der Druck auf Produktivität und Kostendisziplin, wird aus einer Frage guter Organisation wieder ein Kulturkampf. Der Rechtspopulist Nigel Farage liefert dafür das passende Drehbuch: harte Arbeit gegen „Work-Life-Balance“, echte Leistung gegen angebliche Bequemlichkeit, Teamwork nur im Büro. Das ist politisch attraktiv, weil es ein sofort sichtbares Ordnungssignal erzeugt. Es ist ökonomisch riskant, weil es die falsche Stellschraube adressiert.

Denn die eigentliche Frage lautet nicht, wie viele Tage Anwesenheit eine Organisation verordnen kann. Die eigentliche Frage lautet, ob sie in der Lage ist, Zusammenarbeit unter hybriden Bedingungen so zu steuern, dass Leistung, Bindung und Innovationsfähigkeit zugleich steigen. Wer diese Steuerungsleistung nicht erbringt, wird mit Präsenzpflicht bestenfalls Symptome behandeln und im Zweifel neue Probleme erzeugen: Friktion, Zynismus, Talentverlust, Pendelkosten, eine Kultur der Sichtbarkeit statt der Ergebnisse.

Was die Daten tatsächlich zeigen

Empirie hilft hier – gerade weil sie beiden Lagern die einfachen Wahrheiten nimmt. Die Fraunhofer-IAO-Untersuchung am Beispiel der Techniker Krankenkasse weist darauf hin, dass Homeoffice in klar abgegrenzten Sachbearbeitungsprozessen messbar produktiv sein kann. In der untersuchten Einheit wurden im Homeoffice im Durchschnitt deutlich mehr Vorgänge in gleicher Zeit bearbeitet. Gleichzeitig macht die Studie ebenso deutlich, warum daraus kein plumper Triumphzug des Homeoffice werden darf. Das Büro erfüllt eine andere produktive Funktion: Es ist häufig der Ort für Abstimmung, spontanen Austausch, soziales Lernen und kreative Verdichtung. Wer ausschließlich auf Outputzahlen schaut, sieht diese Vorleistungen nicht – bis sie fehlen.

Das zweite Signal ist noch wichtiger: Produktivität skaliert nicht linear mit Homeoffice-Anteil. Die Studie beschreibt einen Bereich, ab dem mehr Homeoffice die Gesamtproduktivität nicht mehr steigert und sich sogar gegenläufig auswirken kann. Genau an diesem Punkt entlarvt sich die politische Büroquote als Ersatzhandlung. Eine Quote beantwortet nicht die Frage, ob Teams gut zusammenarbeiten. Sie setzt nur ein Zeichen, dass Kontrolle wieder wichtiger sein soll als Gestaltung.

Koordination ist die Währung der Hybridökonomie

Der arbeitspsychologische Kontrapunkt kommt aus der Forschung von Carsten C. Schermuly und Kollegen. Seine These trifft den Kern der Regression: Die Debatte fixiert sich auf die falsche Leitfrage. Ob zwei oder drei Tage „optimal“ seien, erklärt wenig. Entscheidend ist, wie intensiv Teams ihre hybride Zusammenarbeit koordinieren – also wie bewusst sie Präsenzfenster setzen, Überschneidungen in der Zeit schaffen, Kommunikationskanäle sinnvoll nutzen und unterschiedliche Präferenzen fair integrieren, ohne Teamziele zu opfern. Das Thema Medientechnik spielt dabei eine große Rolle. Wir thematisierten das zur KOMI-Zukunftswerkstatt in Stuttgart.

Ökonomisch ist das eine präzise Diagnose. In hybriden Arbeitsformen wird Koordination zur knappen Ressource: Wer sie beherrscht, hebt Produktivität und Zufriedenheit gleichzeitig. Wer sie nicht beherrscht, erlebt hybride Arbeit als Dauerstörung und zieht daraus den falschen Schluss, der Ort sei das Problem.

Die ZP Nachgefragt Week als Gegenprogramm zum Quotenreflex

Genau hier docken die Themen der ZP Nachgefragt Week an – und zwar nicht als wohlmeinende Debatte, sondern als praktischer Reality-Check für 2026. Unter dem Leitmotiv „Team Human X AI“ wird sichtbar, dass die entscheidenden Fragen nicht „Büro oder Zuhause?“ heißen, sondern „Wie führen wir, wie lernen wir, wie entscheiden wir, wie sichern wir Leistung und Gesundheit in einer beschleunigten Arbeitswelt?“.

Wenn Wolfgang Wahlster über empathische und soziale Intelligenz in KI-Systemen spricht, geht es im Kern um Akzeptanz und Produktivität zugleich: Technologie soll entlasten, nicht entfremden. Die Homeoffice-Regression ist die analoge Variante desselben Konflikts. Bernhard Steimel wird zeigen, warum KI-Projekte an Organisation scheitern – an Akzeptanz, Zuständigkeiten, fehlenden Skills und schlechtem Change-Design. Das ist eins zu eins das Muster gescheiterter Hybridarbeit, nur dass man hier statt „Tool“ eben „Ort“ zum Sündenbock macht.

Thomas Jenewein ordnet ein, was sich im Corporate Learning durchsetzt. Das ist zentral, weil hybride Koordination keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine erlernbare Teamkompetenz. Ali Mahlodji verhandelt Führung, Motivation und Kultur – und damit die Frage, warum der Vorwurf mangelnder Arbeitsmoral oft die falsche Übersetzung eines Systemproblems ist. Rupert Felder bringt die arbeitsrechtliche Realität hinein, in der Mitbestimmung, Arbeitszeit und Fairness nicht als Störfaktoren, sondern als Stabilitätsbedingungen auftauchen. Zander und Scamperle schließlich zeigen am Krankenstand und an mentaler Gesundheit, wie schnell Leistungsfähigkeit erodiert, wenn Arbeitsgestaltung, Führung und Belastungssteuerung nicht zusammenpassen. Wer in so einem Kontext „mehr Büro“ ruft, liefert eine Antwort, bevor er die Frage verstanden hat.

Dr. Josephine Hofmann: Die Studie als Warnung vor dem falschen Hebel

Der Auftritt von Dr. Josephine Charlotte Hofmann in diesem Kontext ist mehr als ein Programmpunkt. Er ist ein Korrektiv gegen die Versuchung, Hybridität als Glaubenskrieg zu führen. Hofmann steht für einen nüchternen Blick, der Zahlen nicht scheut und doch nicht auf Zahlen reduziert. Die Fraunhofer-Perspektive ist gerade deshalb interessant, weil sie beides zusammenführt: messbaren Output als Spätindikator und die „weichen“ Faktoren als Frühindikatoren, die über Wissensfluss, Verbundenheit und Zusammenarbeit entscheiden – also über die produktive Substanz, die Präsenzpflichten vermeintlich retten sollen.

Der eigentliche Impuls lautet damit: Präsenz ist kein Selbstzweck. Sie muss sich organisatorisch lohnen, sonst wird sie zur Reibung. Und Homeoffice ist kein Freibrief. Es braucht Regeln, Routinen, gute Führung und Teamkoordination, sonst wird es zur Vereinzelung. Wer eine Büroquote verordnet, ohne diese Koordinationsarbeit zu leisten, produziert bestenfalls Ruhe im Flur und schlimmstenfalls Stillstand im System.

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerung: Modernisierung heißt Organisationsintelligenz

Die Regression der Homeoffice-Debatte ist wirtschaftspolitisch deshalb relevant, weil sie das falsche Modernisierungsversprechen verkauft. Die Zukunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft entscheidet sich nicht daran, ob mehr Menschen im Büro sitzen, sondern daran, ob Organisationen die Produktivität wissensintensiver Arbeit unter neuen Bedingungen stabilisieren können. Hybridität ist dafür ein Testfall: für Führungsqualität, Lernfähigkeit, Prozessdesign, digitale Reife und Fairness.

Die ZP Nachgefragt Week setzt genau an dieser Stelle an. Sie zeigt, dass „Team Human X AI“ nicht als Slogan taugt, wenn man zugleich versucht, komplexe Zusammenarbeit mit den Steuerungsreflexen von gestern zu beherrschen. Die Alternative zur Büroquote ist nicht „alles remote“, sondern professionelle Koordination. Und die ist – anders als Präsenzmoral – tatsächlich ein Hebel für Produktivität.

Hier die virtuelle Programm-Zeitschrift für die ZP Nachgefragt Week.

Man hört, sieht und streamt sich ab Dienstag, den 24. Februar 2026, um 10 Uhr.

11 Livestream-Sessions in vier Tagen: ZP Nachgefragt Week vom 24. bis 27. Februar

Das virtuelle Programm-Heft – sozusagen eine interaktive TV-Vorschau – zur ZP Nachgefragt Week von Dienstag, 24. Februar bis Freitag, 27. Februar.

Der erste Tag: Dienstag, 24. Februar 2026, um 10 Uhr.

Start der ZP Nachgefragt Week am 24. Februar! 2026 steht auf der Zukunft Personal ganz im Zeichen von Team Human X AI: Im Zusammenspiel von Mensch und Technologie wird HR vom Nice-to-have zum strategischen Hebel. In dieser Session geben Heike Riebe und Martina Hofmann einen kompakten Ausblick auf neue Programmformate, Hallenwechsel, Side Events und erste Speaker-Highlights – und zeigen, welche Themen 2026 auf keiner HR-Agenda fehlen dürfen. Auf keinen Fall verpassen! Inklusive Ausblick auf die Zukunft Personal Nord (März 2026).

12 Uhr:

Auf der Zukunft Personal Nachgefragt Week spricht Professor Wolfgang Wahlster am 24. Februar über den nächsten Entwicklungssprung der Künstlichen Intelligenz: emotionale und soziale Intelligenz in Dialogsystemen, Avataren und Robotik – und darüber, wie sich Technik so gestalten lässt, dass sie Menschen im Alltag, in der Arbeit und in der Bildung spürbar entlastet.

Wahlster zählt zu den prägenden Köpfen der KI in Europa. Als Gründungsdirektor und später CEO baute er das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) bis 2019 zur weltweit größten Forschungseinrichtung auf diesem Gebiet aus; heute ist er dort Chefberater (CEA). Der KI-Pionier ist vielfach ausgezeichnet und international vernetzt – von der Leopoldina bis zur königlich-schwedischen Nobelpreis-Akademie. Zudem prägte er als Impulsgeber zentrale Innovationsplattformen, konzipierte früh die Industrie 4.0 und leitete die Steuerungsgruppe zur nationalen KI-Normungsroadmap der Bundesregierung.

Die öffentliche Debatte fokussiert oft auf „kognitive KI“ (Modelle, die Texte erzeugen und Probleme lösen). Wahlster setzt einen anderen Schwerpunkt: Empathische KI als Schlüssel, damit Systeme Menschen verstehen, ihren Zustand erkennen und angemessen reagieren – multimodal über Sprache, Mimik, Gestik und Kontext. „Ganz schwach im Vergleich zum Menschen war ja lange Zeit die emotionale Intelligenz.“ – genau dort verortet er die nächste große Aufgabe.
Konkret diskutiert Wahlster:
Emotionen erkennen & richtig interpretieren (inkl. Differenzierung von Affekt, Stimmung, „Laune“) – als Voraussetzung für adaptive Interaktion.

Einsatzfelder mit unmittelbarer Relevanz für Arbeit & HR: Training für Bewerbungsgespräche, personalisierte Beratung und Lernsysteme („Losgröße 1“).

Alternde Gesellschaft & Gesundheit: Von „Ambient Assisted Living“ bis zu sinnvollen Avataren im Pflege-/Seniorenkontext.

Soziale Robotik & Team-Robotik: Warum gemischte Teams aus Menschen und Robotern soziale Intelligenz brauchen – nicht nur „smarte Automatisierung“.

Ethik & normative KI: Wie sich Prinzipien, Regeln und Normen technisch belastbar in Systeme übersetzen lassen – jenseits von Feuilleton-Kurzschlüssen.

Warum diese Session „gesetzt“ ist
Empathische KI ist kein „nice to have“, sondern die Brücke zwischen Produktivität und Akzeptanz: Systeme, die Stimmungen, Überforderung, Unsicherheit oder Eskalationen erkennen, können Kommunikation deeskalieren, Lernen individualisieren, Beratung wirksamer machen – und zugleich neue ethische Leitplanken erforderlich machen. Genau dieses Spannungsfeld ordnet Wahlster ein – aus Forschung, Transfer und Politikberatung.

14 Uhr:

Viele KI-Projekte scheitern nicht an der Technologie, sondern an der Organisation: fehlende Akzeptanz, unklare Verantwortlichkeiten, Prozesse „von gestern“, Skills-Lücken.
Genau da setzt die Session „People First – Wie Miele, KUKA & Co. KI in ihre Organisationen bringen“ an. Der Analyst Bernhard Steimel ordnet anhand von Praxisbeispielen ein,
wie KI-Einführung gelingt, wo Unternehmen typischerweise hängen bleiben, und welche konkreten HR-Hebel 2026 zählen: Rollen & Operating Model, Kompetenzaufbau, Governance und Change-Design – menschenzentriert statt toolgetrieben.

Der zweite Tag: Mittwoch, 25. Februar, um 10 Uhr:

Wie geht es mit Corporate Learning nach dem KI-getriebenen Jahr 2025 weiter? In der ZP Nachgefragt Week ordnet Thomas Jenewein (SAP) am Mittwoch, 25. Februar 2026, von 10:00 bis 10:45 Uhr die wichtigsten Entwicklungen für Learning & Development 2026 ein.
Im Mittelpunkt steht die Frage, was sich 2026 tatsächlich durchsetzt – und was trotz großer Erwartungen auf Widerstand stößt oder neue Konzepte braucht. Diskutiert werden unter anderem Peer Learning, Future Skills, Lernökosysteme, Skill-Management sowie VR im Lernen. Ziel ist ein kompakter Realitätscheck: Welche Ansätze sind reif für den Roll-out, wo entstehen neue Reibungen in Organisationen – und welche strategischen Weichen sollten HR und L&D jetzt stellen.

12 Uhr:

In der ZP Nachgefragt Week setzt Ali Mahlodji (CEO futureOne) am Mittwoch, 25. Februar 2026, von 12:00 bis 12:45 Uhr einen Schwerpunkt auf Führung, Motivation und Kultur. Die 45-minütige Session im Barcamp-Format trägt den Titel „Arbeit ohne Bullshit: Warum wir ein neues Narrativ brauchen – jetzt“.
Mahlodji beschreibt die aktuelle Arbeitswelt als Spannungsfeld: Technologie beschleunigt, gleichzeitig wächst bei vielen Beschäftigten der Wunsch nach Sinn, Verbindung und menschlicher Führung.


Sein Fokus: Warum „Null Bock“ selten Faulheit sei, sondern häufig ein System- und Führungsproblem – und warum Empathie nicht „Nice-to-have“, sondern Performance-Kompetenz ist. Im Zentrum stehen Haltung, Selbstverantwortung und emotionale Intelligenz als Grundlagen einer zukunftsfähigen Arbeitskultur – ergänzt um praxistaugliche Modelle wie Break–Learn–Start. Auch die Rolle von KI wird eingeordnet: Produktiv werde sie dort, wo Organisationen das Narrativ von Arbeit verändern und Zusammenarbeit neu gestalten.

13 Uhr:

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen im Arbeitsalltag angekommen – doch ihre Wirkung auf Lernen und Leistung ist nicht eindeutig. In der ZP Nachgefragt Week steht am Mittwoch, 25. Februar 2026, von 13:00 bis 13:45 Uhr die Session „KI im Lernen – Fortschritt mit Nebenwirkungen?!“ auf dem Programm. Warum L&D die Dilemmata der Künstlichen Intelligenz aktiv gestalten muss – Einblicke aus Forschung & Unternehmenspraxis.

Prof. Dr. Anja Schmitz (Hochschule Karlsruhe) zeigt, warum KI Lernprozesse gleichzeitig unterstützen und untergraben kann: Während Automatisierung und Assistenz die Produktivität steigern, können sie – je nach Einsatz – Kompetenzerwerb, Transfer und nachhaltiges Lernen schwächen. Im zweiten Teil bringen Jan Foelsing (New Learning Lab) und Nadine Vöhringer (Festo) die Praxissicht ein: von KI-Adoption über Wissensmanagement bis zur Integration in eine belastbare L&D-Strategie.

14:15 Uhr (nicht 14 Uhr!):

Session mit Prof. Dr. Rupert Felder (Arbeitsrecht / kollektives Arbeitsrecht & Mitbestimmung; Schork Kauffmann Bremenkamp; Think Tank Innovation der ZP). 2026 wird für viele Organisationen ein Stresstest: Transformation unter Kostendruck, neue Erwartungen an Führung und Fairness – und HR soll gleichzeitig stabilisieren und liefern.

Rupert Felder macht den Klartext-Check zu vier Reizthemen: digitale Mitbestimmung (rechtssicher & praktikabel umsetzen), Entgelttransparenz/Equal Pay (als Organisationsprojekt mit Deadline-Charakter), Arbeitszeit-Flexibilisierung (Produktivität vs. Schutzrechte vs. Mitbestimmung) und die Krankheits-/Entgeltfortzahlungsdebatte (rechtliche, kulturelle und organisatorische Folgen). Ergebnis: kompakter Reality-Check für Entscheider:innen – was jetzt stehen muss, wo Fallstricke lauern und welche Schritte Organisationen sofort einleiten sollten.

Der dritte Tag: Donnerstag, 26. Februar 2026, um 12 Uhr:

Der Arbeitsmarkt hat sich zuletzt nicht wirklich erholt – trotzdem wächst bei vielen Beschäftigten der Entscheidungsdruck: Jetzt wechseln oder lieber warten? In der ZP Nachgefragt Week liefert Dr. Tobias Zimmermann einen datenbasierten Blick auf die Jobwechsel-Frage 2026.
Zimmermann zeigt, welche Faktoren Wechsel wirklich erfolgreich machen – von Aufgabenprofil und Kultur über Flexibilität, Hybrid Work und Gehalt bis zu Timing und Marktbedingungen. Außerdem bietet die Session strategische Orientierung: Großunternehmen vs. Mittelstand vs. Start-ups sowie die Branchenfrage „Wohin lohnt sich der Schritt?“.
Ziel ist ein klarer Kriterienrahmen für die persönliche Entscheidung – inklusive Einordnung zentraler Trends und Signale, die 2026 für Wechselbereitschaft, Chancen und Risiken relevant sind.

14 Uhr:

Viele Recruiting-Entscheidungen entstehen noch immer aus Bauchgefühl – oder in Prozessen, die zwar gut gemeint, aber im Alltag nicht skalierbar sind. In der ZP Nachgefragt Week zeigt Robindro Ullah, wie Unternehmen Interview- und Auswahlprozesse strukturierter, fairer und operativ handhabbar machen.
Ullah skizziert, wie strukturierte Leitfäden, klare Kriterien und Eignungsdiagnostik so gestaltet werden, dass sie im Tagesgeschäft funktionieren – ohne im „Excel-Chaos“ zu enden. Ein Schwerpunkt liegt auf Low-Code-Ansätzen und pragmatischen Umsetzungspfaden: MVP, Pilotierung und Feedback-Schleifen sowie der Frage, wie man Akzeptanz bei Führungskräften gewinnt.
Im zweiten Teil richtet sich der Blick nach vorn: KI, Jobboards und neue Recruiting-Ökosysteme verändern Suche, Bewerbung und Auswahl – etwa über Conversational Job Search, Conversion-Optimierung und die steigende Bedeutung von Datenqualität.

Der vierte Tag: Freitag, 27. Februar 2026, um 10 Uhr:

Merz-Debatte um Krankenstand: Guido Zander liefert Faktencheck und betriebliche Hebel
Die Diskussion um Krankenstand, Leistungsfähigkeit und telefonische Krankschreibung ist zurück auf der politischen Agenda. Nach dem Vorstoß von Bundeskanzler Friedrich Merz, hohe Fehlzeiten und die Tele-AU neu zu bewerten, wird erneut über Arbeitsmoral, Arbeitszeitmodelle und Verantwortung in Unternehmen gestritten. In der ZP Nachgefragt Week ordnet Guido Zander die Debatte ein. Länge) geplant.

Zander (Arbeitszeit- & Personalplanungsexperte) setzt auf einen Faktencheck: Was steckt hinter Fehlzeiten – Demografie, Infektwellen, Arbeitsorganisation, Führung und Belastung? Und warum greifen einfache Antworten wie 42-Stunden-Woche oder 4-Tage-Woche als Allheilmittel zu kurz? Im Mittelpunkt stehen Stellschrauben, die Arbeitgeber direkt beeinflussen können: passende Arbeitszeitmodelle, ein wirksames Gesundheits- und Krankheitsmanagement sowie Kultur und Führung, die Bindung und Leistungsfähigkeit stabilisieren. Über Teilzeit-Arbeit werden wir natürlich auch sprechen.

14 Uhr:

Mentale Gesundheit scheitert in Organisationen selten am Wissen – sondern am Alltag: Tempo, Dauerveränderung, Informationsflut und Vereinzelung in hybriden Settings. In der ZP Nachgefragt Week zeigt Pivi Scamperle 💯, wie Führung und Teams aus guten Vorsätzen wirksame Praxis machen. Die Session trägt den Titel „Von Insight zu Impact: Moving Leadership – mentale Gesundheit im Alltag wirklich umsetzen“ und ist als 45-minütiges Online-Format (Barcamp-Länge) angelegt.
Scamperle setzt auf konkrete Routinen statt Strohfeuer-Programme: Micro-Interventionen, Echtzeit-Feedback, Team-Agreements, Priorisierung sowie Gesprächsformate, die Belastung früh sichtbar machen. Im Fokus stehen außerdem Führungs- und HR-Hebel wie Arbeitsgestaltung, Beziehungsqualität, psychologische Sicherheit und KI-Governance – also Transparenz, Kompetenzaufbau und Mitgestaltung bei der Einführung neuer Tools.


Praxisnah wird es über umsetzbare Bausteine, die Teams kurzfristig etablieren können – etwa klare Teamregeln für KI-Werkzeuge, kurze Lern-Check-ins und regelmäßige Reflexionsschleifen zur Frage „Entlastung oder Belastung?“

Die Sessions werden alle im Multistream übertragen. Hauptplattform ist LinkedIn. Die Links unter den Vorschaubildern führen jeweils zu der Übertragung auf LinkedIn. Die Konserve nach der Live-Übertragung findet Ihr natürlich auch dort.

Weitere Übertragungen u.a. via YouTube. Account von Zukunft Personal.

KI und Produktivität: Warum die Skepsis zu bequem ist – Ein FAZ-Gastbeitrag, der trifft – und dann zu weit ausholt

Im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16. Februar hat Robert Obermaier, Professor für Betriebswirtschaftslehre in Passau, in einem Gastbeitrag einen Ton angeschlagen, der in der KI-Debatte dringend gebraucht wird: weniger Heilsversprechen, mehr Kosten-Nutzen-Rechnung. Disruptive Innovationen, so seine These, erhöhten nicht automatisch die Produktivität der Anwender. Ob immer neue Computer die Büroarbeit wirklich produktiver gemacht hätten, sei ebenso fraglich wie die produktive Wirkung „smarter“ Konsumgüter. Bei KI komme das Risiko hinzu, dass sie professionell wirkende, aber inhaltlich schwache Ergebnisse liefert – „Workslop“ –, der von qualifizierten Beschäftigten erst erkannt und dann mühsam korrigiert werden müsse. Das ist kein Pappkamerad, sondern eine reale Gefahr.

Nur liegt aber die Schwäche des Textes genau dort, wo er am überzeugendsten klingt: in der Pauschalität. Obermaier nutzt plausible Analogien und prominente Paradoxa, um einen Grundverdacht zu stabilisieren – und verwischt dabei die entscheidende betriebswirtschaftliche Trennlinie zwischen Technologie und Nutzung. KI wird so behandelt, als sei ihr Produktivitätswert eine Eigenschaft des Werkzeugs. Tatsächlich ist Produktivität in Wissensarbeit fast immer eine Eigenschaft des Systems, in das ein Werkzeug eingebettet wird.

Workslop ist kein Naturgesetz, sondern ein Qualitätsversagen

„Workslop“ ist weniger ein Argument gegen KI als ein Argument gegen unprofessionelle Einführung. Wer generative Systeme ohne Kontext, ohne Quellenbindung, ohne klare Abnahme- und Haftungslogik, ohne Rollen- und Verantwortlichkeitsmodell in operative Prozesse schiebt, produziert zwangsläufig Reibung. Das Ergebnis ist dann nicht „künstliche Intelligenz“, sondern künstliche Belastung: zusätzliche Prüfaufwände, neue Fehlermodi, diffuse Zuständigkeiten. In der Sprache der Betriebswirtschaft sind das Qualitätskosten und Koordinationskosten – und damit grundsätzlich steuerbar.

Der Punkt ist banal und deshalb so oft übersehen: Nicht die Möglichkeit des Fehlers entscheidet über Produktivität, sondern die Gestaltung des Fehlermanagements. Wer KI als Assistenz in überprüfbaren Workflows einsetzt, senkt Nacharbeit. Wer KI als Outputmaschine ohne Qualitätsregime einsetzt, erntet Nacharbeit. Das ist keine technische, sondern eine organisationale Wahrheit – und sie gilt unabhängig davon, ob das System „KI“ heißt oder „Excel“.

Das Solow-Paradox taugt nicht als Kurzschlussdiagnose

Obermaier stützt seine Skepsis auf das historische Motiv des Solow-Paradoxons: Die Revolution sei überall sichtbar, nur nicht in den Produktivitätsstatistiken. Das ist als Erinnerung an Mess- und Diffusionsprobleme legitim, als Schlussfolgerung für KI aber zu grob. Produktivitätseffekte moderner Technologien zeigen sich in Unternehmen zuerst dort, wo gemessen und gesteuert wird: in Durchlaufzeiten, Fehlerquoten, Wiederholarbeit, Angebotsgeschwindigkeit, Service-Levels, Time-to-Market, Vorhersage-Qualität. Der Weg in aggregierte Statistiken ist lang, voller Verzögerungen und Verlagerungen – und damit als unmittelbarer Beleg für „kommt nichts an“ ungeeignet.

Obermaier benennt zudem selbst, warum der Kurzschluss nicht funktioniert: Komplementärinvestitionen in Fähigkeiten, Prozesse, Strukturen und Geschäftsmodelle seien notwendig, dauerten und seien riskant. Genau das ist der Kern. Nur folgt daraus nicht, dass Produktivität im Mittel ausbleibt, sondern dass sie reifegradabhängig ist – mit hoher Streuung, wie bei jeder General-Purpose-Technologie. Streuung ist kein Gegenbeweis, sondern der Normalfall.

Empirie statt Bauchgefühl: Was Unternehmen tatsächlich berichten

Dass die Produktivitätsfrage nicht im Konjunktiv stehen bleiben muss, zeigt die Praxisliteratur, die Obermaiers Grundverdacht direkt kontert. Die „Zukunftsmacher“-Studie (Disclaimer: bin Redakteur der Studie), die den KI-Einsatz in Unternehmen als Reality Check untersucht, berichtet über spürbare Effekte: Unternehmen nennen im Durchschnitt eine Produktivitätssteigerung in der Größenordnung von rund 22 Prozent; eine Mehrheit spricht von messbaren Effizienzgewinnen. Man kann diese Werte methodisch diskutieren, und man sollte es auch. Aber wer sie kennt, kann nicht mehr seriös von „ausbleibender Produktivität“ als Grundtendenz sprechen. Die plausiblere Aussage lautet: KI liefert dort messbare Effekte, wo sie in die Wertschöpfung integriert und mit Fähigkeiten, Daten und Governance unterfüttert wird.

Interessant ist dabei, dass dieselben Praxisbefunde Obermaiers Warnung nicht wegwischen, sondern sauber einordnen: Ja, es gibt Flops, holprige Starts, falsche Interpretationen und Management-Defizite. Aber genau das zeigt, dass „Workslop“ kein technischer Endzustand ist, sondern das Ergebnis schlechter Einbettung. Der Unterschied zwischen Reibung und Rendite liegt in der Organisationskompetenz.

Warum die alte Forschungslinie für die neue Debatte entscheidend ist

Obermaiers Text wirkt, als beginne das Problem „Qualität im Dialog“ erst mit generativer KI. Tatsächlich existiert eine lange Forschungstradition zu Dialogsystemen, Personalisierung und Benutzermodellen, die genau die Frage bearbeitet, die im Workslop-Verdacht steckt: Wie wird KI-Unterstützung im jeweiligen Kontext passend, verlässlich und hilfreich? Deutschland hat diese Linie früh mitgeprägt; in den achtziger Jahren wurden hier internationale Grundlagen zur Benutzermodellierung in natürlichen Dialogsystemen diskutiert – eine Keimzelle dessen, was heute in der Forschung zu Adaptation und Personalization institutionalisiert ist. Wer Qualität ernst meint, sollte diese Tradition nicht als Randnotiz behandeln, sondern als methodische Antwort auf das Problem, das Obermaier beschreibt.

Denn der eigentliche Produktivitätstreiber ist nicht „mehr Text“, sondern weniger Suchkosten, weniger Missverständnisse, weniger Rückfragen, bessere Entscheidungen – also Passung. Und Passung entsteht aus Kontext, Rollen, Zielen und Feedback, nicht aus Eloquenz.

Das Whitepaper des Think Tanks Innovation: Produktivität als Operating Model

Einen konsequenten Gegenentwurf zur Technikfixierung liefert das Whitepaper des ZP Think Tanks Innovation. Es setzt nicht bei der Anschaffung von Tools an, sondern bei der Neuerfindung von HR und Organisationen im Zeitalter von Mensch-und-KI-Zusammenarbeit. Produktivität wird dort nicht als Nebenprodukt von Automatisierung verstanden, sondern als Ergebnis eines „People Operating Systems“: eines organisationalen Betriebssystems, das Fähigkeiten, Prozesse, Verantwortung und Lernschleifen so orchestriert, dass Technologie überhaupt wirksam werden kann. Gerade weil das Whitepaper die Frage nach dem Betriebssystem stellt, passt es als Replik auf Obermaier: Nicht KI ist produktiv oder unproduktiv – produktiv oder unproduktiv ist die Art, wie Unternehmen Arbeit organisieren, Qualität sichern und Kompetenz aufbauen.

Terminhinweis: Wo die Debatte konkret wird

Wer Obermaiers Skepsis nicht als Schlusswort, sondern als Arbeitsauftrag versteht, findet in der ZP Nachgefragt Week vom 24. bis 27. Februar 2026 die passende Fortsetzung.

Am Dienstag, 24. Februar, spricht Prof. Wolfgang Wahlster von 12:00 bis 12:45 Uhr über „Empathische KI“ und die Rolle von Dialogsystemen, Personalisierung und Benutzermodellierung für verlässliche Mensch-KI-Interaktion.

Ebenfalls am Dienstag ordnet Bernhard Steimel von 14:00 bis 14:45 Uhr unter dem Titel „People First – Wie Miele, KUKA & Co. KI in ihre Organisationen bringen“ ein, wie Produktivität in der Praxis entsteht, welche Reifegradeffekte zu erwarten sind und warum die entscheidende Arbeit nicht im Prompt, sondern im Betriebssystem der Organisation liegt.

Man hört, sieht und streamt sich ab Dienstag, den 24. Februar. Über im Multistream von LinkedIn bis Youtube.

Der Traum vom Register: Leibniz und die Erfindung der vernetzten Gesellschaft

Wer die Gegenwart verstehen will, in der Plattformen Begegnungen arrangieren, Märkte synchronisieren und Aufmerksamkeit distribuieren, muss nicht nur ins Silicon Valley blicken. Es genügt, ins 17. Jahrhundert zurückzugehen – in eine Epoche, die von einer ganz anderen Art von Infrastruktur besessen war: dem Register.

Das Zeitalter der wissenschaftlichen Revolution war zugleich das Zeitalter der Listen. In Paris gründete Théophraste Renaudot 1630 sein Bureau d’adresse, eine Einrichtung, die Arbeitslose mit Arbeitgebern, Verkäufer mit Käufern, Kranke mit Ärzten zusammenbringen sollte. In London entwarf Samuel Hartlib wenig später ein „Office of Public Address“, eine Maschine, die alles „in some order“ bringen sollte. Was hier entstand, war mehr als eine Behörde oder ein Anzeigenblatt. Es war der Versuch, gesellschaftliche Zufälligkeit administrativ zu bändigen.

Gottfried Wilhelm Leibniz hat diese Entwicklung mit wachem Blick verfolgt – und sie in ein Projekt von größerer Ambition überführt. Seine Adressbüro- und Notizamtpläne gehören zu den eigentümlichsten Dokumenten der Frühmoderne. Sie zeigen einen Philosophen, der Ordnung nicht nur denken, sondern organisieren wollte.

Paris und London: Die erste Informationsökonomie

Renaudots Pariser Büro verband Register, Vorträge, medizinische Beratung und gedruckte Anzeigen. Seine „Feuille du Bureau d’adresse“ war eine frühe Form öffentlicher Bekanntmachung: Wer Arbeit suchte oder Waren anbot, ließ sich eintragen. Die Vermittlung geschah nicht mehr durch Zufall oder persönliche Beziehungen, sondern durch institutionalisierte Information.

Ähnlich dachte Hartlib in England. Sein „Office of Address“ sollte ein Zentrum sein, in dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Die Idee war schlicht und radikal zugleich: Wenn man weiß, wer was braucht, kann man Armut, Müßiggang und Ineffizienz reduzieren.

Beide Projekte reagieren auf ein Problem, das wir heute als Informationsasymmetrie bezeichnen würden. Sie setzen auf Register als Technik der Sichtbarkeit. Wer registriert ist, existiert im System. Wer nicht erfasst ist, bleibt dem Markt und der Obrigkeit verborgen.

Leibniz’ Drôle de pensée: Das Theater der Erfindungen

Als Leibniz 1675 in seinem „Drôle de pensée“ ein „bureau général d’adresse pour tous les inventeurs“ skizzierte, ging er über seine Vorbilder hinaus. Sein Adressbüro war nicht nur Vermittlungsstelle, sondern ein Theater der Möglichkeiten: Labor, Raritätenkabinett, Menagerie, Akademie, Konferenzraum.

Erfinder sollten ihre Ideen anmelden, öffentlich präsentieren und wirtschaftlich verwerten können. Innovation sollte nicht länger vom Zufall eines Mäzens abhängen, sondern von einer Infrastruktur der Aufmerksamkeit. Das Büro war Bühne und Markt zugleich.

Hier erscheint bereits eine zentrale Intuition Leibniz’: Wissen ist nicht nur wahr oder falsch; es ist sozial distribuiert. Wer Erfindungen fördern will, muss Begegnungen organisieren.

1678: Ökonomie und Policey

In einem Vorschlag von 1678 an Herzog Johann Friedrich entwirft Leibniz die Verbindung von Pfandhaus und Adressbüro. Man solle dort erfahren können, „was zu kaufen, verkaufen, zu lehnen, zu vermiethen, zu verdingen“ sei. Das Register wird zur ökonomischen Schaltstelle.

Doch Leibniz denkt weiter. Er schlägt Werkhäuser, Armenordnungen, Bildungsinstitutionen vor. Sein Adressbüro ist Teil eines umfassenden Reformprogramms. Es soll Handel, Gewerbe, Studien und Künste befördern. Ordnung wird zur Voraussetzung von Wohlstand.

Damit bewegt sich Leibniz im Horizont der frühneuzeitlichen Policey: jener Staatslehre, die das Gemeinwohl durch Regulierung, Aufsicht und statistische Erfassung sichern wollte. Register sind hier nicht nur Dienstleistung, sondern Machtinstrument.

Das Notiz-Amt: Serendipität als Plan

Der vielleicht kühnste Entwurf stammt aus den Jahren 1712/13. Leibniz plant ein „Notiz-Amt“, das Käufer und Verkäufer, Gelehrte und Verleger, Arbeiter und Auftraggeber zusammenführt. Ziel sei es, „auß einem zufälligen etwas gewißes“ zu machen.

Dieser Satz verdient Aufmerksamkeit. Er benennt das Paradox der Moderne: Der Zufall soll nicht verschwinden, sondern produktiv werden. Wer das Register konsultiert, findet „oft was er suchet“ – und zugleich etwas, „darauf er sonst nicht gedacht hätte“.

Leibniz integriert damit das Moment der Serendipität in eine institutionelle Form. Das Register wird nicht nur Kontrollinstrument, sondern Generator von Möglichkeiten. Ordnung erzeugt neue Zufälle.

Zugleich enthält das Notiz-Amt obrigkeitliche Elemente: Beurkundung von Verträgen, Verwaltung von Stiftungen, Annahme anonymer Anzeigen. Selbst diskriminierende Kontrollvorstellungen finden sich in seinen Entwürfen. Das Projekt ist von Ambivalenz durchzogen: Emanzipation durch Information – und zugleich Disziplinierung durch Erfassung.

Berlin: Vom Adressbüro zum Lombard

Die praktische Geschichte der Adresshäuser in Preußen zeigt, wie schnell die Vermittlungsutopie in eine Kreditinstitution kippen konnte. Das 1689 privilegierte Berliner Adress-Haus entwickelte sich bald vor allem zu einem Pfandhaus. Register dienten weniger der Begegnung als der Sicherung von Vorschüssen gegen Zinsen.

Die Informationsgesellschaft der Frühmoderne wurde zur Finanzinfrastruktur. Sichtbarkeit bedeutete Kreditwürdigkeit. Wer registriert war, konnte beleihen; wer nicht erfasst war, blieb ausgeschlossen.

Diese Entwicklung offenbart die strukturelle Spannung der Adressbüros: Zwischen Gemeinwohlrhetorik und ökonomischer Realität setzte sich häufig das Lukrative durch.

Register und Regierung

Die Geschichtswissenschaft hat solche Einrichtungen als Vorformen moderner Informationssysteme beschrieben. Sie reagierten auf das, was Ann Blair den frühneuzeitlichen „information overload“ genannt hat: eine Explosion gedruckten Wissens, die neue Ordnungstechniken erforderte.

Gleichzeitig lassen sie sich im Licht der Gouvernementalität lesen: Register ermöglichen nicht nur Austausch, sondern Steuerung. Wer Daten sammelt, kann Märkte lenken, Verhalten regulieren, Risiken kalkulieren.

Leibniz steht in diesem Spannungsfeld. Sein Notiz-Amt ist keine bloße Verwaltungsphantasie. Es ist der Versuch, eine Gesellschaft der vernetzten Informationen zu denken – lange bevor Elektrizität oder Internet existierten.

Die Gegenwart im Spiegel des 17. Jahrhunderts

Der Gedanke, Begegnungen systematisch zu organisieren, erscheint heute selbstverständlich. Digitale Plattformen tun im Grunde, was Renaudot, Hartlib und Leibniz projektierten: Sie registrieren, matchen, vermitteln. Sie machen aus zufälligen Möglichkeiten kalkulierbare Verbindungen.

Doch wie im 17. Jahrhundert bleibt die Ambivalenz bestehen. Sichtbarkeit erzeugt Chancen – und Kontrolle. Ordnung erleichtert Austausch – und schafft neue Abhängigkeiten.

Leibniz’ Traum vom Register war ein Traum von Vernunft. „Polizey und Ordnung, Handel und Wandel, Studien und Künste“ sollten befördert werden. Doch Vernunft organisiert nicht nur Freiheit, sondern auch Macht.

Vielleicht liegt die eigentliche Aktualität des Notiz-Amts nicht in seiner technischen Vorwegnahme moderner Plattformen. Sondern in seiner Einsicht, dass jede Gesellschaft, die den Zufall produktiv machen will, entscheiden muss, wie viel Ordnung sie erträgt.

Das 17. Jahrhundert hat darauf eine Antwort gegeben: Man baut Register.

Weiterführende Quellen und Archive

Leibniz‑Akademieausgabe/Leibniz‑Archiv Hannover, EEBO‑TCP (Robinson/Hartlib‑Kreis), Gallica/BnF (Renaudot‑Drucke), Geheimes Staatsarchiv PK (preußische Reglements), sowie Tantners Gesamtdarstellung als deutschsprachiger Leitfaden.

Liquid Feedback: Das Tool, das Parteien einfriert und Unternehmen auftaut

Wer heute in Vorstandsetagen, IT-Abteilungen oder Kommunikationsstäben sitzt, blickt gern in Dashboards, als säße er im Cockpit der Wirklichkeit: Messpunkte, Stimmungswerte, Klickzahlen. Man glaubt, die Organisation sei ein steuerbares System, wenn man nur genug Sensorik installiert. Das Problem ist: Das Cockpit ist nicht der Ort, an dem Organisationen abstürzen. Sie stürzen dort ab, wo Hierarchie Nähe verhindert – wo Menschen etwas sehen, aber nicht sagen, weil zwischen Beobachtung und Konsequenz die Angst sitzt. Warum fällt mir da gerade in Autokonzern in Wolfsburg ein?

Ein altes Beispiel aus der Luftfahrt ist so unerquicklich wie lehrreich: Nicht die Technik versagte, sondern die Befehlskette. Ein Co-Pilot, der warnt, und ein Kapitän, der abwinkt – und erst später merkt man, dass „Schnauze halten und nichts berühren“ kein Sicherheitskonzept ist, sondern ein Risiko.

Digitale Partizipation tritt an, dieses Risiko zu bekämpfen. Liquid Feedback war einmal das Versprechen, eine politische Kultur zu modernisieren: Argumente sollen nicht mehr nur in Hinterzimmern und Talkshows zirkulieren, sondern in einem Verfahren, das Vorschläge sortiert, Alternativen sichtbar macht, Delegationen erlaubt, Mehrheiten quantifiziert – und damit die „Intelligenz der Vielen“ in eine Form gießt. Liquid Democracy als Code, nicht als Sonntagsrede.

Und doch ist das Paradox offensichtlich: Gerade dort, wo Legitimität das höchste Gut ist – in Parteien, in Politik –, kann ein Werkzeug wie Liquid Feedback in seiner konkreten Ausgestaltung zur Lähmung beitragen. Nicht weil Menschen plötzlich zu demokratisch wären, sondern weil sie im falschen Aggregatzustand demokratisieren.

Warum die Piraten am eigenen Werkzeug erstarrten

Die Piratenpartei war – jedenfalls in ihrer Hochphase – eine Partei der Verfahren. Sie wollte zeigen, dass Politik anders geht: transparenter, fluider, kompetenzbasiert. Liquid Feedback schien dafür ideal: Nicht die lautesten, sondern die besten Vorschläge sollten gewinnen. Und doch traten drei klassische Bruchstellen digitaler Demokratie zutage.

Die Verwechslung von Meinungsbildung mit Entscheidung.
Liquid Feedback produziert Ergebnisse – Mehrheiten, Rangfolgen, Quoren. Aber Politik besteht nicht nur aus „Was wollen wir?“, sondern aus „Wer trägt es?“, „Wer setzt es um?“, „Wer haftet?“. Wenn ein Tool suggeriert, das Abstimmungsergebnis sei bereits Handlung, entstehen Enttäuschungen und Gegenenttäuschungen: Die Plattform wird zur Bühne permanenten Anspruchs, nicht zur Maschine realer Umsetzung.

Das Vertrauensproblem der Anonymität.
Politische Prozesse verlangen zugleich verdeckte Stimmabgabe und Nachvollziehbarkeit. Im Netz ist diese Gleichzeitigkeit notorisch schwer. Genau daran entzündeten sich frühe Debatten: Die Entwickler von Liquid Feedback selbst betonten die grundsätzliche Spannung zwischen geheimer Abstimmung und überprüfbarem Verfahren; in der Piratenpraxis wurde das zu einer permanenten Legitimationsfrage: Wer stimmt da eigentlich – und kann man Missbrauch ausschließen?

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit.
Liquid Feedback belohnt Aktivität. Wer Zeit hat, formuliert, diskutiert, überarbeitet, vernetzt Delegationen. Wer keine Zeit hat, bleibt Zuschauer – und akzeptiert Ergebnisse nur bedingt. Das Tool kann damit, ausgerechnet im Namen der Basis, neue Oligarchien erzeugen: nicht aus Geld, sondern aus Verfügbarkeit.

Die Folge ist eine eigentümliche politische Starre: Viele Verfahren, viele Abstimmungen, viele Texte – und gleichzeitig das Gefühl, dass nichts „wirklich“ entschieden wird oder dass jede Entscheidung sofort wieder in Frage steht. Das Verfahren wird zum Gegenstand des Verfahrens. Die Partei wird zur Plattformverwaltung ihrer selbst.

Und dann kommt die Wirtschaft – und nutzt es trotzdem

Nun der scheinbare Skandal: Im Management-Alltag kann genau dieselbe Logik, die politisch lähmt, erstaunlich produktiv sein. Nicht, weil Unternehmen moralisch überlegen wären, sondern weil Unternehmen anders gebaut sind.

Ein Unternehmen hat – im Idealfall – eine klare Zweckformel. Bei Synaxon, in der einfachsten Version: Eine Verbundgruppenzentrale bündelt Einkaufsströme und Marketingvolumina selbständiger Partner, damit diese bei Kunden häufiger Abschlüsse machen. Wenn Einkauf gebündelt wird, sollen bessere Preise entstehen; wenn Marketingvolumen gebündelt wird, soll höhere Werbewirkung entstehen. Das ist kein gesellschaftlicher Großentwurf, sondern ein betriebswirtschaftlicher Vektor. Und dieser Vektor wirkt wie ein Filter: Er macht Vorschläge vergleichbar, diskutierbar, entscheidbar.

Entscheidend ist: Im Unternehmen ist Umsetzung nicht optional, sondern Teil der Organisationsmechanik. Es gibt Budgets, Verantwortlichkeiten, Kennzahlen, Liefertermine, Kundenreaktionen. Das heißt nicht, dass Unternehmen automatisch rational handeln – im Gegenteil. Aber sie besitzen einen harten Realitätsanker, der politischen Plattformen oft fehlt: den Markt als unmittelbares Feedbacksystem.

Das Wiki als Vorstufe: radikale Transparenz ohne Romantik

Synaxon hat – so wird es in der Geschichte dieser Kulturwende erzählt – zuerst das Wissen geöffnet: ein internes Wiki als Organisationsgedächtnis, in dem jeder alles ändern darf, Regeln inklusive, ohne Freigabeschleifen. Transparenz ohne horizontale und vertikale Wissensbarrieren, mit einem Vetorecht der Führung als Notbremse – aber als Ausnahme gedacht. Ergebnis laut Darstellung: eine drastisch erhöhte Änderungsaktivität, ohne den befürchteten Missbrauch.

Das ist der erste wichtige Punkt: Offenheit ist hier nicht Wellness, sondern Infrastruktur. Sie ersetzt nicht Führung, sondern zwingt Führung, sich an die Realität der Organisation anzukoppeln.

Und dann folgt der zweite Schritt: nicht nur Wissen öffnen, sondern Konflikt quantifizierbar machen.

Liquid Feedback im Unternehmen: vom Gerücht zur messbaren Spannung

Die Ausgangslage ist typisch: In Meetings hört man Harmonie, in Fluren hört man das Gegenteil. Die „zweite Welt“ neben der offiziellen Organisation lebt – und sie lebt von Informalität, von Angst, von Schweigen. Das Wiki kann Prozesse dokumentieren, aber es misst nicht, wie groß der Druck im System wirklich ist.

Liquid Feedback wird hier als Seismograph eingeführt: anonyme Initiativen, strukturierte Phasen, Quoren, Zeitfenster, Abkühlphasen, Mindestbeteiligung – und die Zusage, erfolgreiche Initiativen grundsätzlich umzusetzen. Genau diese Kopplung ist der Unterschied zur Politik: Bindung plus Umsetzungspfad.

Natürlich beginnt es unerquicklich: Dienstfahrräder, Automaten, Wohlfühlinitiativen. Das ist nicht nur kindisch, es ist ein Test: Meint ihr es ernst? Zieht ihr Veto? Und wenn man diese Phase übersteht, beginnt etwas Interessanteres: Die Plattform verschiebt die Themenagenda. Nicht, weil sie „die Masse“ erleuchtet, sondern weil sie zwei Dinge erzeugt, die in verkrusteten Strukturen selten sind:

Psychologische Sicherheit durch Distanz (Anonymität als Schutz vor Karrierefolgen),

Verbindlichkeit durch Verfahren (Quorum, Fristen, klare Entscheidungspunkte).

    In der politischen Welt wird Anonymität zum Gift, weil Legitimität an Personen, Mandate und überprüfbare Zugehörigkeit gebunden ist. In der Unternehmenswelt kann Anonymität kurzfristig ein Gegengift sein, weil dort oft gerade das Sprechen blockiert ist.

    Die eigentliche Pointe: Es ist keine Demokratie, sondern ein Hybrid

    Wer solche Systeme sieht, ruft schnell: „Demokratisches Unternehmen!“ Das klingt modern, ist aber begrifflich schief. Was hier entsteht, ist eher ein Hybrid aus Meritokratie, partizipativer Agenda-Setting-Maschine und einer Spitze, die im Ausnahmefall eingreifen kann – wie es auch in Open-Source-Projekten oft beschrieben wird (bis hin zur Figur des „benevolent dictator“).

    Gerade dieser Hybrid kann die Piraten-Lähmung vermeiden: Nicht jede Debatte ist automatisch ein Beschluss. Nicht jeder Beschluss ist automatisch Strategie. Und nicht jede Strategie ist automatisch verhandelbar, wenn Haftung und Gesamtverantwortung an wenigen Rollen hängen.

    Synaxon setzt – in der Erzählung – zusätzlich auf eine fast altmodische Ergänzung: Führung als Handwerk, Schulung nach militärisch geprägten Vorschriften, „Lagevortrag“ statt PowerPoint-Rhetorik. Man kann darüber lächeln; aber vielleicht ist genau dieses Lächeln der Punkt. Es erinnert daran, dass Verfahren allein nicht führen. Es braucht Menschen, die entscheiden können, ohne dabei die Organisation zu demütigen.

    Was lässt sich politisch daraus lernen, ohne wieder in Romantik zu flüchten?

    Wenn Liquid Feedback politisch lähmen kann, heißt das nicht, dass digitale Beteiligung scheitern muss. Es heißt nur: Man darf Plattformen nicht mit Institutionen verwechseln.

    Drei nüchterne Lehren drängen sich auf:

    Plattformen eignen sich hervorragend für Agenda-Setting und Textarbeit (Vorschläge präzisieren, Alternativen sichtbar machen, Wissensstände bündeln). Sie sind weniger geeignet, um ohne klare Mandate bindende Entscheidungen zu ersetzen.

    Legitimität braucht Identitäts- und Verfahrenstreue, die über „Login“ hinausgeht. Wo Wahlen, Mandate und innerparteiliche Macht auf dem Spiel stehen, ist das Spannungsfeld zwischen Geheimhaltung und Nachprüfbarkeit nicht nur technisch, sondern politisch explosiv.

    Umsetzung ist der Engpass. Wenn ein System nur Entscheidungen produziert, aber keine robuste, akzeptierte Umsetzungslogik besitzt, entsteht Frust – und Frust ist der Treibstoff für Radikalisierung, Zynismus oder Rückzug.

    In Unternehmen ist der Umsetzungsapparat bereits da; Liquid Feedback kann ihn „entkrusten“, weil es Reibung früh sichtbar macht. In Parteien muss der Umsetzungsapparat erst politisch legitimiert werden – und genau dort kann Liquid Feedback in die endlose Selbstbeobachtung kippen.

    Vielleicht ist Liquid Feedback das, was Technik im besten Fall immer ist: ein Verstärker. Es verstärkt nicht nur Beteiligung, sondern auch Kultur. In einer Partei, die sich über Verfahren definiert und in Identitätsfragen zersplittert, verstärkt es Zentrifugalkräfte. In einem Unternehmen, das einen klaren Zweck, harte Realitätsmarker und die Bereitschaft zur Selbstkorrektur besitzt, kann es ein Katalysator sein: unangenehm, manchmal unerquicklich – aber wirksam gegen jene Bürokratie, die sich als Ordnung tarnt und in Wahrheit Angstverwaltung ist.

    #Globalia goes #Regionalia – Warum uns die Regionen stark machen @Bundeskanzler @HermannSimon @WinfriedFelser

    Manchmal braucht es nur eine saubere Verschiebung der Perspektive, damit ein ganzes Narrativ stimmt: Nicht die nächste Reise ins Silicon Valley ist der Dreh- und Angelpunkt, sondern die Rückbesinnung auf regionale Kompetenzräume, die seit Jahrhunderten Wertschöpfung ermöglichen – und heute DeepTech tragen können.

    Genau darauf zielt das LinkedIn-Posting von Winfried Felser: Es ist an Hermann Simon adressiert – und an das, was Felser als Simons „viertes Lebenswerk“ rahmt. Gemeint ist kein einzelnes Buch, kein einzelnes Institut, sondern eine strategische Idee: Deutschland (und Europa) aus der Logik seiner Hidden Champions und regionalen Industrie-Ökosysteme heraus zu verstehen und zu stärken.

    Wenn man das ernst nimmt, wird aus (Bühne, Buzzwords, Weltvergleiche) etwas sehr Konkretes: als Werkstatt – als Kompetenz-Ökosystem, in dem Talente, Technologien und Kultur in produktiver Nähe zueinander arbeiten.

    Die vierte Welle ist DeepTech – aber der Standort ist regional

    Als EU-Innovationskommissarin Mariya Gabriel nach ihrem Besuch im Silicon Valley im Oktober 2022 die „vierte Welle der Innovation“ ausrief, war die Botschaft klar: DeepTech verbindet die digitale Revolution mit physikalischen und biologischen Technologien. Entscheidend ist jedoch weniger das Schlagwort als die Frage: Wo wird daraus industrielle Realität?

    Gabriels Idee von 100 regionalen Innovation Valleys trifft den Punkt, wenn man sie europäisch liest – nicht als Kopie eines einzigen, mythischen Tals, sondern als Netzwerk vieler starker Knoten. Ihr Bild von der „Fußballmannschaft“ passt: Innovation ist Teamspiel. Und Teams entstehen nicht durch Förderbescheide, sondern durch eingespielte Regionalarchitekturen: Universitäten, Mittelstand, Start-ups, Investoren, Kommunen, Zivilgesellschaft.

    Ronzheimer als Seismograf: Wir starten nicht bei Null

    Der Berliner Journalist Manfred Ronzheimer beschreibt präzise, warum das Thema nicht bei Null beginnt: Regionale Innovationssysteme, Cluster-Politik, Innovations-Ökosysteme – Europa hat diese Wellen bereits durchlaufen, nur unter wechselnden Etiketten. Neu ist (hoffentlich) der Fokus auf Koordination, Transferfähigkeit und reale Demonstrationsräume – also Reallabore, Testbeds, Skills, Anwendung in „realen Umgebungen“.

    Das ist die operative Seite der : weniger Symbolpolitik, mehr fähigkeitsbasierte Regionalentwicklung.

    Kleinstaaterei als Vorteil: Kompetenz ist Pfad, nicht Zufall

    Hier kommt Hermann Simon ins Zentrum – und damit Felser’s Adressat. Simons Hidden-Champion-Perspektive zeigt: Regionale Stärke ist selten Zufall, sondern historisch gewachsene Kompetenz.

    • Schwarzwald: Uhrmacherei als Präzisionskultur → Medizintechnik-Ökosysteme.
    • Schwäbische Alb: Lebensmitteltechnologie (z.B. Bizerba) → industrielles Know-how mit globalen Nischenmärkten.
    • Allgäu: Maschinenbau (z.B. Multivac) → Skalierung von Qualität und Prozessintelligenz.
    • Göttingen: Messtechnikdichte als Echo jahrhundertealter mathematischer Exzellenz (Gauss als geistiger Ursprungsraum).

    Das ist der eigentliche Kern von Simons „viertes Lebenswerk“, wie Felser es setzt: Deutschland nutzt eine Technologiebasis mit langen historischen Wurzeln, um im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähig zu bleiben – nicht trotz, sondern wegen seiner regionalen Vielfalt. Entsprechend sollte die gesamte Logik der Fördermittel-Politik in Deutschland neu justiert werden – auch die so genannten Exzellenz-Cluster.

    Kultur ist kein Beiwerk – sie ist Standortinfrastruktur

    Ingrid Bodsch erinnert am Beispiel der Musiklandschaft des 18. und 19. Jahrhunderts daran, wie eng kulturelle und wirtschaftliche Blüte verwoben sind. Residenzstädte – etwa in Thüringen – erzeugten kulturelle Dichte, die bis heute nachwirkt. Kultur bindet Talente, stiftet Identität, macht Regionen attraktiv und resilient. Wer regionale Ökosysteme baut, baut immer auch Bedeutungsräume.

    Was jetzt fehlt: Kapitalpfade, Transfer-Routinen, thematische Zonen

    In der Next Economy Open brachte Deepa Gautam-Nigge (SAP) „thematische Sonderwirtschaftszonen“ ins Spiel: dort, wo Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Energiewende technologische Sprünge verlangen. Das passt zu Europas Stärken – und zu Simons Logik: Kompetenzen sind regional verankert, also muss Förderung regional anschlussfähig sein.

    Gleichzeitig bleibt die harte Engstelle: Kapital. Rene Schäfer fordert zu Recht, die Kapitalbeschaffung in Deutschland und Europa größer zu denken – denn DeepTech skaliert selten im rein regionalen Maßstab, wenn die Finanzierungsstrecken zu kurz sind.

    Von der Schwäbischen Alb bis Marburg: Kompetenz-Ökosystem als Praxis

    Wenn man in übersetzt, wird daraus keine Romantik, sondern eine Agenda: Exkursionen auf die Schwäbische Alb, ins Allgäu oder nach Ostwestfalen-Lippe sind nicht „Provinzprogramme“, sondern Feldforschung im produktiven Kern Europas.

    Und hier entsteht auch das, was du als Kompetenz-Ökosystem markierst – mit Akteur:innen, die Brücken bauen und Betriebsfähigkeit herstellen (etwa Dr. Lisa Zirbes und Dr. Carsten Rietmann): Menschen, die Transfer nicht als Event, sondern als Routine organisieren.

    ist Europas Wettbewerbsvorteil

    Die Gefahr der Deindustrialisierung ist real, gerade in traditionellen Industriezentren. Umso wichtiger ist eine Regionalpolitik, die nicht nur verteilt, sondern strategisch stärkt, was historisch gewachsen und technologisch anschlussfähig ist.

    Deutschland hat keine alles dominierende Metropole – und genau das ist ein Asset. Die Stärke liegt in der Vielfalt der Regionen und ihrer Kompetenzpfade. Winfried Felsers Hinweis auf Hermann Simons „viertes Lebenswerk“ trifft damit ins Schwarze: Europas Zukunft entscheidet sich nicht nur in globalen Narrativen, sondern in regionalen Ökosystemen, die Können, Kultur und Kapital zusammenführen.

    goes – nicht als Rückzug, sondern als Methode, Weltfähigkeit aus regionaler Substanz zu bauen.

    Zum Mond, um Luft zu holen

    „I am sick of it down here“

    Es gibt Stunden, in denen ich nach außen ganz normal wirke – freundlich, stabil, ansprechbar. Und innen ist es plötzlich zäh. Als hätte sich die Luft verändert. Für diese Stunden gibt es bei Colin Vearncombe, aka Black, eine Sprache, die mich seit Jahren begleitet: Gonna fly up to the moon… Nicht als Science-Fiction, sondern als innerer Reflex. Weg aus dem Gewicht. Raus aus „hier unten“.

    Raising all of my money. Can’t make it too soon.
    Das klingt wie ein Plan, aber es ist eher ein Seufzer mit Richtung: Ich muss irgendwohin, wo der Druck kurz nachlässt. Und manchmal reicht dafür ein Lied.

    Das Ende kommt nicht immer mit Knall

    So this is how the world ends — not with a bang but with a wimpy.
    Black trifft damit etwas, das ich gut kenne: Manche Zusammenbrüche sind unspektakulär. Kein Drama, kein großes Theater. Nur ein leiser Moment, in dem man merkt, dass die Kraft kurz weg ist. Don’t laugh too soon – als Warnung, als Schutzsatz: Unterschätz die leisen Abstürze nicht. Sie sind echt, auch wenn keiner sie sieht.

    „Out of focus“ – wenn das Leben kurz unscharf wird

    Who needs all the troubles of today? What’s the difference anyway?
    Das ist keine Pose, eher Müdigkeit. Dieses Gefühl, als würde man durch den Tag gehen und für einen Moment nicht richtig greifen können, was man da tut. I feel out of focus, what can I do?
    Wie ein Foto, das nicht scharf wird, egal wie sehr man nachstellt.

    Und genau hier passiert bei Black etwas Besonderes: Er lässt diese Unsicherheit stehen, ohne sie zu beschönigen. Er benennt sie – und damit wird sie tragbar.

    „There’s only you“ – ein Satz mit mehreren Schichten

    There’s only you.
    Früher hatte dieser Satz ein Gesicht, eine eindeutige Adresse. Heute hat er mehrere Ebenen – und genau das ist mein Leben geworden.

    Ich habe ein neues Leben. Das ist wahr. Es ist Nähe, die wieder möglich ist. Es ist Zukunft, die nicht laut einzieht, sondern vorsichtig. Und trotzdem gibt es Stunden, die schwer bleiben. Nicht, weil die Gegenwart nicht zählt, sondern weil das Vergangene nicht verschwindet. Weil Liebe nicht austauschbar ist, und Verlust kein Schalter.

    Dieses „you“ kann Erinnerung sein. Es kann Gegenwart sein. Und manchmal muss es auch heißen: Ich selbst. Derjenige, der weitergeht, obwohl es innerlich nicht immer glatt ist.

    Wenn Grenzen aufgehen, wird es manchmal härter

    When they open the borders where will you be?
    Ich höre darin nicht nur Geografie. Ich höre die Grenze zwischen „damals“ und „jetzt“. Sobald die Welt wieder aufmacht, sobald wieder mehr möglich ist, wird der Kontrast sichtbarer: Was man wieder tun kann – und mit wem man es nicht mehr tun kann.

    I’ll climb the highest tree to avoid the stampede.
    Ein starkes Bild: sich hochziehen, Abstand gewinnen, nicht überrannt werden vom Tempo der Normalität. Manchmal braucht es genau das, um nicht unterzugehen: raus aus der Menge, kurz überblicken, atmen, wieder runter.

    „Only you… would say goodbye“

    And if I should fly… only you… there’s only you… that would say goodbye.
    Das ist der schmerzlichste Teil – und zugleich der zärtlichste. Wer würde es wirklich merken, wenn ich innerlich verschwinde? Wer würde mich wirklich verabschieden?

    In dieser Zeile steckt beides: die Angst, übersehen zu werden – und die Gewissheit, dass es mindestens einen Menschen gibt, der bleibt. Damals. Heute vielleicht sogar mehr als einer, auch wenn ich es nicht immer sofort spüre.

    Black bleibt – als Stimme, die nicht lügt

    Der vor zehn Jahren verstorbene Colin Vearncombe begleitet mich nicht, weil er Lösungen anbietet, sondern weil er das Unzeigbare ausspricht, ohne es auszuschlachten. Er erlaubt mir, stark zu wirken und trotzdem zuzugeben: I am sick of it down here. Und er zeigt mir, dass „zum Mond“ manchmal nur heißt: ein paar Minuten Abstand vom Gewicht.

    Und wenn ich danach wieder nach außen trete – mit einem Lächeln, mit Plänen, mit einer Hand, die ich heute wieder halte – dann nehme ich dieses Lied mit wie einen stillen Beweis: Die schweren Stunden sind nicht das Ende. Sie sind nur die Stellen, an denen ich kurz aufsteigen muss, um weitergehen zu können.

    Cees Nooteboom: Die Stimme, die jetzt von draußen kommt

    Donnerstag, 12. Februar: Die Nachricht im Bücherstaub

    Es passierte nicht mit Sirenen, nicht mit Pathos, nicht mit dieser gedruckten Wichtigkeit, die Kulturredaktionen gern wie eine Ehrenwache aufstellen. Es passierte so, wie es zu Cees Nooteboom passt: als leiser Luftzug im Zimmer, irgendwo zwischen Regal und Schreibtisch, dort, wo Papier ohnehin immer ein bisschen lebendig wirkt.

    Am 12. Februar 2026 fiel mir die Nachricht zu wie ein Zettel, der aus einem Buch rutscht: Nooteboom ist tot. Gestorben am Vortag auf Menorca, zweiundneunzig Jahre alt.
    Und sofort war da dieses eigenartige Gefühl, als hätte jemand nicht eine Biografie beendet, sondern die Perspektive gewechselt: Der Mann, der in Gedichten die „anderen Stimmen“ nachts ins Zimmer lässt, ist nun selbst eine Stimme, die anklopft – oder einfach hereinweht, wie eine verstorbene Frau Miliana.

    Bücher, die knurren – und ein Autor, der sie beruhigt

    In solchen Momenten sieht man sein eigenes Regal anders. Nicht als Möbelstück, sondern als eine Art Tiergehege. Da stehen sie, die Bände, diese geduldigen Raubkatzen. Und ich kenne den Blick, den ungelesene Bücher haben können: vorwurfsvoll, beleidigt, fast beleidigt über das eigene Ungelesensein.

    Nooteboom hatte für diese Szene die richtige Temperatur – nicht akademisch, nicht belehrend, eher: lakonisch-menschlich. Er konnte das Regal als lebendigen Ort denken, als eine Gesellschaft, die sich nachts bewegt. Und er hatte diese Formulierung, die einem sofort hängen bleibt: „Schränke voll knurriger, grollender, vorwurfsvoller Bände …“ – Bücher als Wesen, nicht als Dekor.

    An Nooteboom tröstet: kein Heiligenschein, sondern Praxis. Lesen ist bei ihm keine Pose, sondern Aufenthalt.

    Das Kind im Chaos, der Erwachsene mit dem Ordnungsinstinkt

    Man kann Nootebooms Leben in Stationen erzählen – Den Haag, Jahrgang 1933; Krieg, Besatzung, Verlust; Klosterschule, Ausschluss, frühe Reibung mit Institutionen; später Reisen, Sprachen, Journalismus, Romane, Gedichte.

    Aber in Wahrheit ist es eine viel einfachere Linie: Wer als Kind erlebt, wie schnell Ordnung zur Kulisse wird, entwickelt später eine eigene Form von Ordnung. Keine moralische. Keine, mit der man andere maßregelt. Sondern eine, die den Kopf bewohnbar hält.

    Vielleicht kommt daher dieses besondere Nooteboom-Gleichgewicht: Er schreibt nicht gegen das Chaos an – er schreibt so, dass das Chaos nicht das letzte Wort hat.

    Bewegung als Methode: Reisen, um still werden zu können

    Bei Nooteboom ist das Unterwegssein kein Instagram-Motiv, kein „jetzt gönn ich mir mal“ – sondern ein Denkverfahren. Er reist nicht, um zu fliehen, sondern um die Welt auf ihre Textur zu prüfen. Bewegung als Blickschule. Und dann, irgendwann, kippt es: Aus der Bewegung wird Ruhe.

    Er hat das selbst einmal wie eine Arbeitsanweisung formuliert: Bewegung und Ruhe halten sich im Gleichgewicht. Kein Wellness-Satz, eher ein stiller Trick gegen die Überforderung. Du gehst los, damit du wieder sitzen kannst. Du siehst Neues, damit du das Alte schärfer siehst.

    Und während andere aus Reisen Anekdoten machen, macht Nooteboom daraus Zeitformen.

    Menorca: kein Postkartenhintergrund, sondern ein Schreibbiotop

    Dass er auf Menorca lebte und dort starb, wirkt wie die konsequente Schlussszene eines Autors, der immer zugleich im Zimmer und außerhalb des Zimmers war: im Text und auf dem Weg; im Satz und im Wind.

    Menorca ist dabei nicht „schönes Ende“. Menorca ist Konzentration: Stein, Licht, Wasser, diese knappe Insel-Ökonomie, in der jedes Geräusch eine Bedeutung bekommt. Das Haus dort – in der Vorstellung: ein Arbeitsplatz aus Mauerwerk, mit dünnen Wänden zur Erinnerung. Und wenn man den Tod nicht als Drama, sondern als Raumwechsel begreift, dann passt Menorca erschreckend gut: Inseln sind Orte, an denen die Welt kleiner wird, damit das Denken größer werden kann.

    Romane, die nicht brav auf der Zeitachse bleiben

    Nooteboom schreibt Prosa, die sich nicht an die Kalender-Disziplin hält. Seine Texte tun nicht so, als ließe sich Zeit sauber sortieren. Zeit ist bei ihm ein Raum, in dem man plötzlich falsch abbiegt – und gerade dadurch etwas findet.

    Die folgende Geschichte ist so ein Stück: eine Bewegung, die sich schließt wie eine Schleife, ohne dass sie sich wie ein Trick anfühlt. Allerseelen ist ein Roman, der Gegenwart so lange befragt, bis sie Vergangenheit preisgibt – und dabei die Zukunft als Ahnung mitlaufen lässt. Das ist seine Kunst: nicht „handeln“, sondern verschieben. Türen minimal verrücken, und schon steht man in einem anderen Zimmer.

    Und in diesen Zimmern begegnet man sich selbst – oft nicht angenehm, aber präzise.

    Jetzt ist er die „andere Stimme“

    In einem Gedicht lässt Nooteboom nachts die Stimmen anderer Dichter auftauchen: nicht als Museumspersonal, sondern als Besuch. Das ist sein Ton: keine dicke Unsterblichkeitsgeste, eher eine ruhige Behauptung von Anwesenheit.

    Mit seinem Tod hat sich diese Szene umgedreht. Jetzt ist er derjenige, der „reinschneit“. Nicht als Denkmal. Eher als ein Satz, der plötzlich im Kopf steht, ohne dass man ihn herbeigerufen hätte.

    Und das ist vielleicht das Beste, was man über einen Autor sagen kann: Er bleibt nicht „wichtig“. Er bleibt wirksam. Nicht laut. Nicht feierlich. Sondern als leise Korrektur der Welt – jedes Mal, wenn man merkt, dass ein einziger sauber gesetzter Satz mehr Ordnung stiften kann als hundert Erklärungen.

    Abgang ohne Abgang

    Also: Was bleibt?

    Ein Reisender, der Ruhe gefunden hat, ohne je sesshaft zu werden. Ein Schriftsteller, der Europa nicht als Parole, sondern als Erfahrung gelesen hat. Ein Dichter, der den Toten nicht die Welt entzieht, sondern sie in der Welt der Lebenden weiterreden lässt.

    Am 12. Februar, als die Nachricht bei mir ankam, habe ich das Fenster nicht geöffnet. Es war schon offen.

    Und irgendwo im Regal knurrte ein Buch – nicht vorwurfsvoll, eher wie ein Tier, das endlich wieder erkannt wird.

    Erinnerung ist mehr als drei Buchstaben

    Kein „RIP“. Diese drei Buchstaben bringen mich jedes Mal kurz aus der Fassung – als könne man einen Menschen in ein Kürzel falten und damit wäre es erledigt. Erinnerung ist mehr: Arbeit, Wiederbegegnung, ein Satz, der sich Jahre später erneut meldet und plötzlich passt wie ein Schlüssel.

    Nooteboom bleibt nicht, weil man ihn „nicht vergessen darf“. Er bleibt, weil man ihn benutzen kann: als Blickschule, als Gegenmittel gegen den Krach, als Einladung, die Welt nicht zu vereinfachen, nur weil sie anstrengend ist.

    Und irgendwann, nachts, wenn das Zimmer still genug ist, passiert das, was er beschrieben hat: Eine Stimme kommt rein. Nicht als Denkmal. Als Besuch.

    #SchutzFürBahnBeschäftigte: Ein Text kehrt zurück – weil die Gegenwart ihn bestätigt #ZukunftPersonal

    Dass ein Beitrag aus September 2025 heute wieder zirkuliert, ist weniger ein Algorithmus-Effekt als ein gesellschaftlicher Seismograf: Das Thema „Sicherheit im System Bahn“ hat sich vom Rand in die Mitte geschoben. Nicht, weil plötzlich neue Gefahren erfunden wurden, sondern weil ein einzelnes Ereignis die Routine entblößt hat, in der das Risiko längst mitfährt: Der Zugbegleiter Serkan Çalar wurde Anfang Februar 2026 bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz so schwer verletzt, dass er später starb; die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Totschlags, ein Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft.

    Acht am Tag – die Zahl als moralische Zumutung

    Die Bahn ist ein Ort, an dem Deutschland sich selbst im Miniaturformat begegnet: Zeitdruck, Enge, soziale Spannungen, Alkohol, Überforderung – und dazwischen Beschäftigte, die Ordnung herstellen sollen, ohne je als „Ordnungsmacht“ gelten zu wollen. Dass diese Rolle gefährlicher geworden ist, lässt sich inzwischen nicht mehr in Anekdoten verstecken. Für 2025 bestätigt die Bahn mehr als 3.000 körperliche Angriffe auf Mitarbeitende – im Schnitt rund acht pro Tag; etwa die Hälfte ereigne sich im Regionalverkehr, gut ein Drittel betreffe Sicherheitskräfte, aber auch Service- und Reinigungspersonal werde angegriffen.

    Diese Statistik ist deshalb so unerquicklich, weil sie nicht bloß Kriminalität abbildet, sondern eine Erosion von Normen: Wer jemanden attackiert, der im Auftrag der Allgemeinheit Tickets prüft oder Hausrecht durchsetzt, greift nicht nur eine Person an, sondern die zivilisierende Idee, dass Konflikte in Regeln übersetzt werden können.

    Britta Zurs „unsichtbare Architektur“ – und warum sie plötzlich sichtbar wird

    Der September-Text über Britta Zur traf einen Nerv, weil er die Bahn-Sicherheit nicht als martialisches Gegenstück zur „freundlichen Reise“, sondern als Infrastruktur beschrieb: ein System aus Prävention, Training, Lagebildern, Technik, Kooperationen – und Personalpolitik. Zur sprach von DB Sicherheit als einer Art „Polizei der Deutschen Bahn“; im Interview schildert sie eine Organisation, die deutschlandweit operiert, mit Analyse- und Vorhersagetools arbeitet, Hotspots verlagert, gemeinsam mit Bundespolizei trainiert und auf Deeskalation setzt.

    Das Bemerkenswerte an dieser Perspektive: Sie verschiebt die Frage weg von „mehr Härte“ hin zu „mehr System“. Sicherheit entsteht nicht erst dort, wo Uniformierte eingreifen. Sie entsteht vorher – in Ausbildung, Standards, Meldewegen, Nachsorge. Und sie scheitert, wenn diese Architektur zwar rhetorisch anerkannt, praktisch aber unterfinanziert, unterbesetzt oder bürokratisch zerfasert wird.

    Dass Zur ihr Mandat bei DB Sicherheit Ende Oktober 2025 niederlegte, ändert daran nichts; es macht die Sache eher essayistisch bitter: Die Diagnose stand im Raum, bevor die Gegenwart sie dramatisch illustrierte.

    Der tödliche Moment der Routine

    Der Fall Çalar ist so erschütternd, weil er aus einer Alltagsszene heraus eskalierte: Ticketkontrolle, Ansprache, Widerstand – dann Gewalt. Gerade dieser Übergang, von „kleiner Regelverletzung“ zu „großer Tat“, ist die Zone, in der Sicherheitspersonal lebt. Dass in solchen Lagen „die gefährlichsten Situationen oft unscheinbar beginnen“, ist keine Floskel, sondern Berufsrealismus.

    In dieser Logik steckt auch die politische Brisanz: Wenn ein Staat will, dass Regeln gelten, braucht er Menschen, die sie im Alltag vertreten – und er muss sie so ausstatten, dass sie dabei nicht zu Verschleißmaterial werden.

    Bodycams – Technik als Werkzeug und als Symbol

    Vor diesem Hintergrund wirkt die aktuelle Debatte um Bodycams fast zwangsläufig. Sie sind ein doppeltes Objekt: praktisch (Beweissicherung, Abschreckung, subjektives Sicherheitsgefühl) und symbolisch (das Eingeständnis, dass die Lage nicht mehr „mit Worten“ allein zu halten ist).

    Nach dem Sicherheitsgipfel am 13. Februar 2026 in Berlin kündigt die Bahn an: 2026 sollen alle Beschäftigten mit Kundenkontakt in Nah- und Fernverkehr sowie an Bahnhöfen Bodycams bekommen (freiwillige Nutzung), außerdem 200 zusätzliche Kräfte bei DB Sicherheit, bessere persönliche Schutzausrüstung, mehr Verhaltens- und Deeskalationstrainings sowie der Ausbau/Weiterentwicklung eines Hilferufknopfs („Prio-Ruf“) und regionale Sicherheitswerkstätten mit der Bundespolizei.

    Doch Bodycams sind kein „Schlussstrich“. Eine Bahn-Ausbilderin beschreibt den Kern treffend: einschalten „situationsabhängig“, nicht beliebig – gerade weil die Kamera nicht permanent läuft und in Eskalationen Sekunden zählen. Die Bodycam ist damit weniger die Lösung als ein Test: ob Organisationen es schaffen, Technik in klare Protokolle, Training und rechtssichere Praxis zu übersetzen.

    Föderalismus als Sicherheitsproblem – und als Ausrede

    Im Hintergrund steht ein Strukturkonflikt, den man selten offen ausspricht, der aber fast alles entscheidet: Zuständigkeit und Finanzierung. Im Fernverkehr ist die Lage anders als im Regionalverkehr, wo Aufgabenträger, Länder, Verkehrsverträge und Unternehmen ineinandergreifen. Eine flächendeckende Doppelbesetzung – von Gewerkschaften seit langem gefordert – würde nach dpa-Berichten sehr teuer; die Verantwortlichkeiten seien kompliziert verteilt, und genau daran entzündet sich das politische „Pingpong“.

    Der Satz „Sicherheit hat ihren Preis“ ist banal – und in der Bahn trotzdem der neuralgische Punkt. Denn solange niemand bereit ist, den Preis explizit zu kalkulieren (Personalstunden, Ausbildung, Technik, Strafverfolgung, Prävention), bleibt der Gipfel ein Ritual, das bestenfalls Maßnahmen ankündigt und schlimmstenfalls Verantwortung verdünnt.

    Was jetzt zählt: Umsetzungstiefe statt Gipfelrhetorik

    Ob wir es diesmal mit Symbolpolitik oder mit einer echten Kurskorrektur zu tun haben, entscheidet sich nicht an Pressemeldungen, sondern an drei harten Kriterien:

    1. Operationalisierung: Werden Bodycams, Hilferufsysteme und Teams in verbindliche Abläufe übersetzt – mit Schulung, Wartung, Datenschutz, klarer Meldekette?
    2. Personalrealität: Gelingt es, Präsenz zu erhöhen, ohne das System durch Personalmangel auszudünnen (z. B. indem man zwar Doppelbesetzung fordert, aber faktisch Züge ohne Begleitung fahren lässt)?
    3. Politische Ehrlichkeit: Kommt es zu tragfähigen Finanzierungsentscheidungen zwischen Bund und Ländern – oder bleibt es bei der moralisch bequemen Empörung nach dem nächsten Vorfall?

    Sicherheit als Vertrauenswährung

    Der September-Beitrag über die „unsichtbare Architektur“ ist heute aktuell, weil er eine Wahrheit ausspricht, die man in Deutschland gern verdrängt: Sicherheit ist nicht das Gegenteil von Freiheit, sondern ihre Voraussetzung im Alltag. Züge funktionieren nur, wenn Regeln gelten – und Regeln gelten nur, wenn diejenigen, die sie vertreten, geschützt werden.

    Der Tod von Serkan Çalar hat diese Abhängigkeit in ein einziges, tragisches Bild gepresst. Jetzt wird man sehen, ob das Land bereit ist, Sicherheit wieder als das zu behandeln, was sie in Wahrheit ist: öffentliche Daseinsvorsorge – nicht als Schlagwort, sondern als Budget, Personalplan und konsequent umgesetzte Praxis.

    Die Berichterstattung gegen Zur empfinde ich als nicht sachgerecht. Sie ist in Sicherheitsfragen super kompetent.

    Leibniz’ Notiz-Amt und die Personalabteilung der Zukunft #ZPNachgefragtWeek

    Gottfried Wilhelm Leibniz hat sich Verwaltung nicht als Aktenstapel vorgestellt, sondern als Erkenntnisapparat: ein Notiz-Amt, das Wissen, Menschen und Interessen so miteinander verknüpft, „damit aus einem zufälligen etwas Gewisses werde“ – ohne den Zufall zu verbannen, sondern ihn als produktive Störung im System zu belassen. Wer heute über HR 2026 spricht, landet erstaunlich schnell bei genau dieser Architekturfrage: Wie lässt sich Gewissheit organisieren, ohne Serendipität zu erwürgen? Wie entsteht Handlungsfähigkeit in Organisationen, die Transformation verkünden und doch an Routinen hängen bleiben?

    Band 8 der Sohn@Sohn-Schriftenreihe setzt an dieser Stelle an – ausdrücklich nicht als Rückblick, sondern als Arbeitsinstrument. Dokumentarisch, beobachtend, im Moment der Entstehung: Gespräche, offene Notizen, Denkbewegungen statt fertiger Meinungen. Der Band macht damit eine Verschiebung sichtbar, die viele Organisationen noch unterschätzen: Zukunft wird nicht im nachgereichten Strategie-PDF entschieden, sondern in den kleinen Übergängen – dort, wo Teams „kippen“, wo Mikrokonflikte eskalieren oder sich lösen, wo Tools eingeführt werden, wo Führung ihre Ansprüche an Kontrolle mit der Realität vernetzter Arbeit abgleichen muss. Unter dem Titel „Menschen überzeugen Menschen – HR zwischen Lazarsfeld und KI“ wird diese Gegenwart als Spannungsfeld markiert: soziale Überzeugungsdynamik auf der einen Seite, maschinelle Musterproduktion auf der anderen. HR steht dazwischen – und genau deshalb ist es kein Nebenfach, sondern eine Systemfunktion.

    Das Notiz-Amt 2.0: Warum HR weniger „Programm“ braucht und mehr Betriebssystem

    Das Leibniz’sche Notiz-Amt ist, modern gelesen, eine frühe Skizze dessen, was heute unter „Operating Model“ verhandelt wird: Standards und Spielräume, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten, Informationsflüsse und Legitimität. Es ist kein Sammelalbum, sondern eine Maschine zur Herstellung von Verlässlichkeit. Und es ist zugleich eine Einladung, Irritation nicht als Fehler, sondern als Input zu behandeln.

    Genau hier trifft Band 8 den Nerv der Zeit: Zukunft entsteht im Gespräch, manchmal in Sekundenbruchteilen – dort, wo Menschen entscheiden, ob sie einem Vorschlag vertrauen, ob sie ein Tool akzeptieren, ob sie Widerspruch zulassen, ob sie Lernen als Produktivitätsverlust oder als Produktivitätsvoraussetzung begreifen. Für HR folgt daraus eine unbequeme Konsequenz: Wer das Betriebssystem der Organisation nicht mitgestaltet, wird zum nachträglichen Kommentator. Wer es mitgestaltet, muss bereit sein, Macht, Verantwortung und Qualität als Kernthemen zu führen.

    Zwischen Lazarsfeld und KI: Überzeugung als letzte knappe Ressource

    Die verbreitete Vorstellung, KI werde vor allem Prozesse beschleunigen, greift zu kurz. Sie beschleunigt auch Narrative, Urteile, Entscheidungen – und damit die sozialen Mechaniken, die Lazarsfeld und die Kommunikationsforschung beschrieben haben: Einflusswege, Anschlussfähigkeit, Glaubwürdigkeit. In einer Organisation, in der generative Systeme Texte, Zusammenfassungen und Vorschläge im Sekundentakt ausspucken, wird nicht Information knapp, sondern Vertrauen.

    Band 8 formuliert das zugespitzt als „letzte Währung“. Ökonomisch ist das nüchtern: Wo Vertrauen fehlt, steigen Transaktionskosten – mehr Abstimmung, mehr Kontrolle, mehr Eskalation. Wo Vertrauen vorhanden ist, sinken sie. KI kann diese Bilanz verbessern, wenn sie Qualität erhöht und Entscheidungen nachvollziehbar macht. Sie kann sie ruinieren, wenn sie Verlässlichkeit verdünnt und Verantwortlichkeit verwischt. HR ist in dieser Logik nicht die Abteilung für „People Topics“, sondern die Instanz, die Delegation organisiert: Was darf Maschine – und was muss Mensch verantworten?

    Die ZP Nachgefragt Week als öffentliches Notiz-Amt in Echtzeit

    Die Zukunft Personal Nachgefragt Week (24.–27. Februar 2026) wirkt, in diesem Rahmen, weniger wie ein Programmkatalog als wie ein temporäres Notiz-Amt: Perspektiven koppeln, Widersprüche sichtbar machen, Praxis gegen Theorie reiben – und aus dem Reiben nicht nur Erkenntnis, sondern Handlungsoptionen gewinnen.

    Dienstag: Fragen statt Buzzwords, Kontext statt Tool-Fetisch

    Zum Auftakt sammeln Martina Hofmann und Heike Riebe in einer interaktiven Session die drängendsten Fragen für HR 2026 „jenseits von Buzzwords“. Methodisch ist das konsequent: Wer mit Antworten beginnt, importiert die alten Kategorien. Wer mit Fragen beginnt, schafft Anschlussfähigkeit.

    Prof. Wolfgang Wahlster setzt mit „empathischer KI“ einen zweiten Akzent, der das Thema aus der Technikfolie in die Organisationsrealität zieht: Kontext und Interaktion, individualisierte Unterstützung in Lernen, Assistenz und Service – samt ethischer Spannungsfelder. Empathie als Systemeigenschaft ist kein netter Zusatz, sondern ein Risiko- und Verantwortungsfeld: zwischen Unterstützung und Manipulationspotenzial, zwischen Personalisierung und Übergriffigkeit.

    Bernhard Steimel wiederum ordnet KI als Verankerungsaufgabe ein: Nicht das Tool ist der Engpass, sondern die Fähigkeit, Arbeitssysteme neu zu designen – Rollen, Routinen, Governance, Lernformen. Das ist Band 8 in einem Satz: Transformation scheitert selten am Versprechen, häufig an der Routine.

    Mittwoch: Skills und Lernen – der Preis der Entlastung

    Der Mittwoch bündelt, was in vielen Unternehmen getrennt behandelt wird, aber zusammengehört: Skills, Lernarchitektur, Organisationsdesign. Thomas Jenewein beschreibt Adoption als Dreiklang Können, Dürfen, Wollen – eine nüchterne Formel, die zeigt, warum die Einführung von KI weder mit einem Training noch mit einer Richtlinie erledigt ist. Ohne Lernarchitektur wird „Wollen“ zur Frustration, ohne Governance wird „Dürfen“ zur Attrappe, ohne Kompetenz wird „Können“ zur Show.

    Ali Mahlodji lenkt den Blick auf Menschlichkeit, Selbstverantwortung und Führung als Alltagspraxis. Prof. Dr. Rupert Felder erdet das Ganze juristisch: Mitbestimmung, Entgelttransparenz/Equal Pay, Konfliktfelder rund um Arbeitszeit und Krankheit – also jene Legitimitätsfragen, an denen „Innovationsprogramme“ in der Wirklichkeit gerne zerschellen.

    Die Schlüsselstunde: „KI im Lernen – Fortschritt mit Nebenwirkungen?!“ (Mi, 25.02. | 13:00–13:45)

    Die Session von Prof. Dr. Anja Schmitz, Jan Foelsing und Nadine Vöhringer (Festo) nimmt einen Widerspruch zum Ausgangspunkt, den Organisationen gern übersehen, weil er sich nicht in PowerPoint auflösen lässt: Produktivität gewinnt – Lernen verliert? Oder genauer: Wie steuert L&D KI so, dass Produktivität nicht gegen Kompetenzaufbau getauscht wird?

    Schmitz skizziert die Ambivalenz der Forschung: Auf der Leistungsseite lassen sich Produktivitäts- und Qualitätsgewinne nachweisen; auf der Lernseite existieren Potenziale – Feedback wird akzeptabler, Inhalte lassen sich „im Moment of Need“ zuspielen, Lernprozesse adaptiv begleiten. Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, der in der Debatte oft unterschätzt wird: Wer im Dialog bleibt, bleibt länger am Inhalt. Zeit am Inhalt ist eine harte Währung.

    Genau diese Währung kann jedoch falsch etikettiert werden. Die Entlastung durch KI führt zum Cognitive Offloading: weniger Anstrengung, oft weniger Verarbeitungstiefe. Der Mechanismus ist verführerisch, weil er sich wie Fortschritt anfühlt – und gefährlich, weil er Lernen am Output misst. Daraus folgt der schleichende Prozess des Skill Decay: Kompetenzen, die nicht mehr gebraucht werden, verschwinden. Was in der Historie normal wirkt, wird im Wissens- und Dienstleistungskontext brisant: Wenn Kernkompetenzen erodieren, lässt sich die nächste Krise nicht „wegprompten“.

    Noch subtiler ist, was Schmitz als Illusion of Mastery oder Ghost Learning beschreibt: Weil Ergebnisse plausibel klingen, entsteht der Eindruck, man habe die Fähigkeit erworben – während tatsächlich die Technologie den Hauptteil geleistet hat. Das Paradox lautet: Performance ohne Kompetenz wird möglich. Für Unternehmen im Transformationsdruck ist das kein Komfortproblem, sondern ein strategisches Risiko.

    Die zweite Nebenwirkung betrifft das Vertrauen in organisational zirkulierende Inhalte. Ein relevanter Anteil überprüft KI-Ergebnisse nicht, sondern reicht sie durch. So entsteht, was im Netz längst einen Namen hat: „AI-Slop“ – Textmasse, die appetitlich wirkt, aber wenig Substanz hat. Die Kosten erscheinen später: Korrekturen, Reputationsschäden, Entscheidungsfehler. Wer die „letzte Währung“ Vertrauen ernst nimmt, muss Qualität als Governance-Thema behandeln.

    Jan Foelsing räumt an dieser Stelle mit der Illusion auf, KI lasse sich über ein „Zwei-Tage-Training“ einführen. Das Bild vom Schweizer Taschenmesser trifft den Punkt: Upskilling ist Prozess, nicht Kurs. Foundation (Single Point of Truth), Explorationsräume, Trusted Guides, Integration in Routinen – das ist weniger didaktische Mode als Organisationsökonomie. Adoption ist erst der Einstieg; der Mehrwert entsteht, wenn KI nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern hilft, sie neu zu denken. Sonst beschleunigt man kaputte Prozesse – und produziert schneller kaputte Ergebnisse.

    Nadine Vöhringer zeigt mit Festo, wie diese Brücke gebaut werden kann: Skill-Frameworks, Personas, kurze Lernformate, Communities, Digital Champs als Multiplikatoren, Lab-Formate bis hin zum Hackathon mit MVP-Logik. Am Horizont steht ein Learning Agent dort, wo Arbeit passiert (M365/Teams): Lernen als Companion statt Kurskatalog. Die Linie ist klar: Wenn KI die Arbeit durchdringt, muss Lernen in die Arbeit hineinwandern – sonst verliert es gegen den Output.

    Donnerstag: People Analytics und Recruiting – Verantwortung in der Black Box

    Der Donnerstag macht sichtbar, dass Daten nicht nur Messmaterial sind, sondern Macht und Verantwortung. Dr. Tobias Zimmermann adressiert die Frage nach Jobwechseln 2026 entlang von Aufgaben, Kultur, Flexibilität und Gehalt – also den Kriterien, an denen sich Arbeitsmärkte real bewegen. Robindro Ullah rückt strukturierte Recruiting-Prozesse, Low-Code-Ansätze und KI in den Blick – vom Interview bis zu datenbasierten Chancenchecks.

    Band 8 liefert dazu die entscheidende Unterscheidung: RPA ist berechenbar, KI ist häufig Black Box. Entscheidungen entstehen aus Mustern, nicht aus transparenten Regeln. Daraus folgt nicht „Ablösung“, sondern Delegationspflicht: Wer nicht definiert, was Maschine darf und was Mensch prüfen muss, bekommt am Ende beides – Automatisierung und Haftung.

    Freitag: Gesundheit und Umsetzung – der Realitätscheck der Zukunftsfähigkeit

    Der Abschluss mit Guido Zander und der Krankenstandsdebatte sowie Pivi Scamperle („Moving Leadership“) zwingt die Diskussion zurück auf die Realität der Umsetzung. Gesundheit ist kein begleitendes Kulturthema, sondern ein Produktivitäts- und Zukunftskosten-Thema. Organisationen, die Kompetenzaufbau, Verlässlichkeit und psychische Belastbarkeit nicht zusammendenken, zahlen später – mit Fluktuation, Fehlerkosten, Erschöpfung und einer wachsenden Lücke zwischen Anspruch und Alltag.

    Das Notiz-Amt beginnt beim Zugang – neue, barrierearme Buchfunktion auf ichsagmal.com

    Ein Instrument entfaltet seine Wirkung erst, wenn es erreichbar ist. Deshalb testen wir auf ichsagmal.com eine neue, möglichst niedrigschwellige Funktion: E-Mail als „Preis“, das Buch sofort im Browser sichtbar, danach optionaler Download. Weniger Formular, mehr Autonomie; weniger Hürde, mehr Entscheidungsspielraum. Für Kundenprojekte ist das nicht nur Marketingmechanik, sondern Organisationsdesign im Kleinen: Adoption beginnt selten beim Argument – meist beim ersten reibungsarmen Kontakt. Leibniz hätte es vermutlich schlicht genannt: ein Notiz-Amt, das Verbindungen herstellt, bevor es Ergebnisse verlangt.

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