#acoustic Launch in Stuttgart, VfB-Geheimtraining und Tech-Trends im Markting @digitalnaiv @GoAcoustic #StudioZ

Es war wieder ein großes Vergnügen, mit Stefan, Lars und Ann Kristin im Einsatz zu sein:

DAS Geheimtraining des VfB:

Die Drei von der Tankstelle:

Nasenring-Systeme in der Netzwerkgesellschaft #NEO19x

Seit Jahrzehnten wird uns von Beratern sowie selbst ernannten Vordenkern aus Politik und Wirtschaft eingehämmert, dass wir in einer „nachindustriellen Gesellschaft“ leben – ich tue das ja auch. In den achtziger Jahren kam die „Informationsgesellschaft“ auf und seit den neunziger Jahren sprechen wir von der „Netzwerkgesellschaft“. So weit, so gut. Aber was steckt ideologisch dahinter? „Gerade in England und den USA wurde die ökonomische Transformation in den achtziger Jahren nachdrücklich und mit politischem Kalkül (Schwächung der Gewerkschaften) forciert“, so der Schweizer Kultur- und Medienwissenschaftler Felix Stalder.

Was als emanzipative Bewegung begann, endet bei der Zerschlagung des Wohlfahrtsstaates

Was dann als Kritik am Wertesystem der bürokratisch-bürgerlichen Gesellschaft in den späten siebziger Jahren über die Neuen Sozialen Bewegungen forciert wurde, reduzierten neoliberale Strömungen auf eine Demontage des Wohlfahrtsstaates. „Mit völlig verschiedenen Motiven priesen beide Autonomie und Spontanität und lehnten die Disziplin in der hierarchischen Organisation ab. Anstatt Anpassung an vorgegebene Rollen verlangten sie Individualität und Diversität. Experimente, Offenheit für Neues, Flexibilität und Veränderung wurden nun als positiv besetzte Grundwerte etabliert. Beide Bewegungen operierten mit dem attraktiven Begriff der persönlichen Freiheit, wobei die Neuen Sozialen Bewegungen diesen in einem sozialen Sinn als Freiheit der Persönlichkeitsentfaltung und des Zusammenlebens verstanden, die neoliberale Politik ihn hingegen in einem ökonomischen Sinn als Freiheit des Marktes begriff“, so Stalder.

Flache Hierarchien ohne Freiheitsgewinn

Ein Heer von Managementberatern, Umstrukturierungsexperten und neuen Unternehmern plädiert zwar für flache Hierarchien, Eigenverantwortlichkeit, Innovation und Flexibilität – ohne die Machtstatik auch nur in Ansätzen anzutasten. „Größere Unternehmen wurden restrukturiert, so dass sich ganze Abteilungen als eigenständige ‚profit centers‘ wiederfanden. Dies geschah unter der Maßgabe, mehr Spielraum zu ermöglichen und den Unternehmergeist auf allen Ebenen zur Entfaltung zu bringen mit dem Ziel, die Wertschöpfung zu erhöhen und dem Management bessere Durchgriffsmöglichkeiten an die Hand zu geben“, so Stalder (hab ich bei o.tel.o erlebt, befördert nur den Machtkampf zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen). Sozialstaatliche Absicherung Einzelner hält man für überholt. Kollektive Institutionen, die für eine gewisse Stabilität in der Lebensführung sorgen können, gelten als bürokratische Hindernisse. Um politische Freiheit, soziale Verantwortung und Autonomie geht es den Flexibilisierungsideologen ganz und gar nicht. Sie wollen mehr Spielraum für ihre Nasenring-Systeme bekommen. Wohin die Reise dabei geht, ist noch nicht klar. Auch nicht in der Bildungspolitik – wir sprachen auf der Next Economy Open #NEO19x mit Christoph Schmitt über diesen Punkt.

Indirekte Steuerung

Sie wollen frei und anarchisch ihren Geschäften nachgehen, ohne von öffentlich dokumentierten Regeln, Gesetzen und demokratisch legitimierten Institutionen gestört zu werden. Sie wollen ihren kybernetischen Steuerungsobsessionen freien Lauf geben. Also das, was als digitaler Darwinismus durchs Netz wabert. Man konzipiert den Menschen – analog zu Tieren, Pflanzen und Maschinen – als einen Organismus, der auf Reize aus seiner Umwelt reagiert. Der Verstand spielt in diesem Modell keine Rolle, relevant ist einzig das Verhalten. „Und dieses Verhalten, so die kybernetische Hypothese, kann programmiert werden. Nicht durch direkten Zugriff auf den Menschen (der wird als undruchdringbare Black Box konzipiert), sondern indirekt, durch die Veränderung der Umwelt, mit der Organismen und Maschinen via Feedback gekoppelt sind. Diese Eingriffe sind meist so subtil, dass sie für den Einzelnen nicht wahrnehmbar sind, weil es nirgends eine Grundlinie gibt, gegen die man die Neigung des ‚Bodens der Tatsachen‘ feststellen könnte“, erläutert Stalder.

Libertär ohne Liberalität

Für den Einzelnen und im Einzelfall seien die Effekte oft minimal. Aber aggregiert und über längere Zeiträume können die Effekte substantiell sein, ohne dass sie deswegen für den Einzelnen feststellbar wären. Es sind kaum bemerbare Anstubsverfahren, mit denen die Planungsfetischisten vorgehen. Dahinter steht ein libertärer Paternalismus, der die scheinbare individuelle Wahlfreiheit mit einer nicht sichtbaren Autoritätsfigur verbindet. Das Ideal ist die „freiheitliche Bevormundung“, die man im Arbeitsleben jeden Tag erlebt. „Ganz im Geiste der Kybernetik und kompatibel mit den Strukturen der Postdemokratie sollen die Menschen über die Veränderung der Umgebung in die von Experten festgelegte Richtung bewegt werden, während sie gleichzeitig den Eindruck erhalten, frei und eigenverantwortlich zu handeln“, bemerkt Stalder.

Wohin das führt, kann man beim Modehändler Zalando beobachten: Letztlich befördert so etwas das betriebsinterne Denunziantentum.

Professor Benedikt Hackl sprach beim HR-Festival auf der re:publica von einer verhängnisvollen Zahnradlogik, die in vielen Organisationen das Tagesgeschäft dominiert. Es werden mit analogen und digitalen Instrumenten Regel-Befolgungs-Automaten herangezüchtet: „Fast überwunden geglaubte Herrschaftsformen leben wieder auf und verschärfen sich teilweise in Form von Benchmarking- und anderer Evaluationspraktiken. Im Grunde hat der Taylorismus nur eine andere Form angenommen und sich vertieft“, mahnt Reinhard K. Sprenger in seinem Opus mit dem vielsagenden Titel „Das anständige Unternehmen“, erschienen im DVA-Verlag.

Betreutes Arbeiten

Freiräume werden immer mehr eingeengt, die letztlich in massiven Freiheitsbeschränkungen münden. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am meisten runterzieht, sei nach Auffassung von Sprenger nicht das offene Misstrauen der Vorgesetzten: „Es ist das Pseudovertrauen, das knitterfreie, korrekt-opportune Verbalvertrauen, das mit der Forderung nach Transparenz einhergeht und sich dadurch ad absurdum führt.“ Man sagt seinem Gegenüber nicht mehr offen die Meinung, sondern versteckt die Giftpfeil-Attacken gegen Untergebene hinter Reporting- und Monitoring-Systemen. Denn Zahlen können ja nicht lügen – kleiner Scherz.

Mit den Tabula rasa-Steuerungsmethoden zerschlägt man das individuelle Anderssein. Jede Abweichung von einer Norm wird pathologisiert. „Dahinter steckt eine weit verbreitete Optimierungsideologie“, so Sprenger, der von einer Pädagogisierung der Unternehmensführung spricht. Unterschiede werden über das Personalmanagement wegtherapiert. Übrig bleibt eine geschmeidige Formmasse, die einer Sekte sehr nahe kommt. Dazu zählt Sprenger auch Mitarbeiterbefragungen, Ethik-Seminare oder ganzheitlich-idiotische Feedback-Rituale, die zur Entmündigung des Menschen beitragen. Übrig bleibt „betreutes Arbeiten“.

„Was ‚oberflächlich nach Emanzipation aussieht, ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln, wie es die englische Philosophin Nina Power zur Neuen Arbeit ausrückt“, so Inga Ketels.  

Weiteres Beispiel gefällig? Die Überwachungssoftware Workday:„Algorithmen zeichnen nicht nur auf und zeigen an, wer wann und wo etwas tut oder es lässt, sondern auch, was Arbeiter in Zukunft vielleicht tun werden. Mit Hilfe von maschinellem Lernen kann die Software aus Personaldaten erkennen, welche Talente darüber nachdenken, den Arbeitgeber zu wechseln und daraufhin Empfehlungen geben, wie das Unternehmen Mitarbeiter halten kann. Das müssen nicht immer Gehaltserhöhungen oder Boni sein; in die Analyse fließen ganz unterschiedliche Daten ein: Die Leistungen der Mitarbeiter werden bewertet, wie und ob sie ihre Ziele erreichen, wie Vorgesetzte sie bewerten oder wie in der Vergangenheit Talente gehalten werden konnten“, schreibt die FAZ.

Politischer Journalismus setzt beim neuen SPD-Führungsduo auf Krawall #9vor9 #Esken #Nowabo

#Huawei wurde als Netzwerkausrüster unterschätzt

Vor einigen Jahren (vor mindestens sieben Jahren) habe ich in einem Hintergrundgespräch vor dem Mobile World Congress in Barcelona mit dem Analysten Roman Friedrich (da war er noch bei Booz & Company) die Dominanz von Huawei thematisiert. Damals überraschten mich seine Warnungen. Die wurden wohl in Politik und Wirtschaft nicht so richtig ernst genommen. Hier noch einmal ein paar Auszüge aus dem Interview.

GS: Wenn wir uns die Netzwerkausrüster anschauen gibt es auf dem Technologiesektor starke Verschiebungen. Es dominieren chinesische Ausrüster wie Huawei, es gibt nur noch einen westlichen Konkurrenten und das ist Ericsson. Ist das ein Indikator dafür, dass sich China langsam zur Innovationsmacht im High-Tech-Sektor entwickelt?

Friedrich: In der Tat kann man die chinesischen Ausrüster nicht übersehen. Huawei und ZTE sind sehr stark. Sie haben früh angefangen und sich eine relevante und signifikante Position erarbeitet. In einigen Bereichen haben sie durchaus Technologieprodukte geliefert, die mit den westlichen Anbietern Schritt halten können….

GS: Ist die Dominanz von einer Firma wie Huawei eher über einen Preiskampf auf den europäischen Markt reingedrückt worden oder ist es auch technologische Kompetenz?

Friedrich: Der Preiskampf war mit Sicherheit der große Hebel den Huawei angesetzt hat. Das hat sich aber geändert. Dahinter steckt auch eine Technologie- und Innovationsstrategie. Man verkauft nicht über den Preis. 

GS: Huawei reduziert sich nicht nur auf das Thema Netzwerkausrüstung, sondern sie haben die Digitalisierung der Wirtschaft als Ganzes auf der Agenda. Was ist von solchen Angreifern in nächster Zeit zu erwarten? 

Friedrich: Sie beziehen sich auf die Enterprise-Strategie, die Huawei jetzt erwähnt hat? Wie allerdings auch alle anderen Ausrüster. Das ist eine richtige Erkenntnis. Alle Ausrüster erkennen, dass ihr TK-Equipment auch Relevanz für ihre Geschäftskunden haben kann, die diese Firmennetzwerke betreiben und immer stärker IT-Dienste in Anspruch nehmen. Wir halten das für sehr relevant, es entspricht dem Trend der Digitalisierung. Wir erleben in allen Industrien und Unternehmensbereichen, das stärker IT-Technologien eingesetzt werden….

GS: Muss sich der Westen wärmer anziehen? 

Friedrich: Das auf alle Fälle, man muss die Dinge ernst nehmen. Vor 10 Jahren waren die chinesischen Anbieter im europäischen Markt keine Größe, jetzt sind es Größen. Ich will es als positiv bezeichnen, denn dadurch ist der Innovationsdruck hoch. Das bietet der Industrie und am Ende dem Verbraucher Chancen und es führt dazu, dass europäische Anbieter, allen voran Ericsson sehr gefordert werden, sich besser aufzustellen….

GS: Welche Empfehlung würden Sie westlichen Firmen an die Hand geben im Umgang mit chinesischen Wettbewerbern? Was wären Ihre Ratschläge?

Friedrich: In der Tat sind chinesische Unternehmen anders aufgebaut als europäische Unternehmen. Gar keine Frage, die ticken anders, ihre Entscheidungsstrukturen sind anders, die Art und Weise wie Prozesse ablaufen sind anders. Verständnis ist eine Sache, aber kopieren wäre eine andere. Ich Empfehle immer sehr stark zu Verstehen, was ein Unternehmen auszeichnet und wo Huawei und ZTE punkten, wo ihre Stärken liegen. Aber das an der Stelle von Ericsson einfach zu kopieren, würde ich für einen großen Fehler halten. Unsere Perspektive besagt viel mehr, dass man verstehen muss, wo die eigenen Kernfähigkeiten liegen und die Wettbewerbsvorteile in den eigenen Kompetenzen liegen und das entsprechend aufzubauen. Eine Ericsson wird nie in der Lage sein, ein chinesisches Unternehmen in seinen Strukturen nachzuahmen. Es gibt so viele strukturelle Unterschiede in China, die man nicht nachbauen kann. Es fängt bei der Ausbildung der Mitarbeiter an, in der Art und Weise wie eine Kultur aufgebaut und gepflegt wird, wie Entscheidungsprozesse sind. Ein Unternehmen zu kopieren, ist unmöglich. Die Konsequenz für die westeuropäischen Hersteller ist, dass man versteht, wo die Stärken einer Huawei und ZTE liegen und man dann überlegt wo die eigenen Stärken liegen können….

Soweit der Ausschnitt des Interviews.

Jetzt über Verbote oder einen Marktausschluss von Huawei zu sprechen, ist wohl eher ein Akt der Verzweiflung. Man hat es schlicht verpennt, auf den Innovationsdruck der Chinesen rechtzeitig zu reagieren.