World Café – Transformation der Systeme #iw7

Terminhinweis

www.ne-na.me

Hashtag Der Fliegende #Hashtag über Köln

Jedes Jahr  im Herbst, in der letzten Oktoberwoche, startet die Internetwoche Köln. Mittlerweile bei Nummer 7 angelangt und diesmal mit dem Untertitel „Das Festival für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft„. Beteiligt sind Akteure der digitalen Szene Köln: StartUps und andere Unternehmen, Hochschulen, öffentliche Einrichtungen, Verbände, Anwaltskanzleien (!) und unabhängige Veranstalter. Insgesamt gibt es unter der Dachmarke Internetwoche Köln >100 Diskussionen, Workshops, Fachvorträge, Netzwerkrunden  und auch ein Frühstück – meist kostenlos, dank Sponsoring und Eigenarbeit der Veranstalter. Auch das Netnocamp im Jahre 2010 fand übrigens im Rahmen der ersten Internetwoche Köln statt.

Am Dienstag, den 25.10. fíndet unter dem Titel Transformation der Systeme – Wie digitaler Wandel Systeme verändert, die unseren Alltag bestimmen“,  eine  „Gemeinschaftsproduktion“ in den Räumen der IHK Köln. „Gemeinschaftsproduktion“ von fünf Experten aus der „Online-Szene“:  Claudia Schleicher (Prozessbegleitung/Facilitating, OpenSpace Methoden), Pirmin Vlaho (Bildung), Gunnar Sohn (Wirtschaftsblogger, Live-Streaming Pionier), Ibo Mazari (Gamification, Digital Signage)…

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Schleimpunkte fürs Denunzieren bringt YouTube 700.000 Dislikes #YouTubeHeroes

denunziant

Das Google-Tochterunternehmen YouTube will mit dem Programm YouTube-Heroes für Sauberkeit und Ordnung auf der Video-Plattform sorgen. Schleimpunkte-Teilnehmer des Vorhabens sollen nach Anmeldung und Freischaltung künftig etwa „unangemessene“ Clips melden, Videos mit Untertiteln versehen und im YouTube-Forum als Ansprechpartner für Fragen bereit stehen. Wer petzt, kann Punkte sammeln, Level erklimmen und wird mit der Teilnahme an besonderen Workshops sowie dem exklusiven Beta-Testing von neuen YouTube-Produkten ausgezeichnet. Gamification fürs Denunziantentum und für die Schaffung eines Zweiklassen-Systems auf YouTube. Ein prima Einfall aus den Niederungen des Google-Imperiums, der von den Nutzern mit rund 700.000 Dislikes (Stand heute) honoriert wurde – die Kommentarfunktion wurde „vorsorglich“ abgeschaltet. Vielleicht wird in den nächsten Wochen sogar Justin Bieber in den Schatten gestellt.

Neben der Belohnung fürs Anschwärzen fehlt eigentlich nur noch ein Strafkatalog, der über das Sperren und Löschen von Accounts hinweggeht – sonst wird es ja im Belohnungssystem irgendwann langweilig.

Dave hat die möglichen Folgen angesprochen:

Man spielt Polizei, Geheimdienst, Sittenwächter, Zensor, Staatsanwalt, Richter und Henker in Personalunion. Initiiert werden dabei mittelalterliche Prangermethoden zur Verbannung von vermeintlichen Querulanten. Geheimdienst-Denunziatoren, Big Data-Analysten, Gaming-Anbieter, Netz-Giganten, Betreiber von Social Networks und semantische Hausmeister mutieren dabei zum Staat im Staate unter Missachtung rechtsstaatlicher Regeln. Sie instrumentalisieren Allgemeine Geschäftsbedingungen für Sanktionen, schließen Nutzer willkürlich aus, löschen Inhalte oder erteilen nach Belieben Ermahnungen, gegen die sich keiner so richtig wehren kann. Wer andere in die Isolation treibt, zur persona non grata stempelt, denunziert, im Social Web blockiert oder mit Stereotypen irgendwelchen Verdächtigungen aussetzt, strebt selbst das Amt des unanfechtbaren Hohepriesters an.

Die Folgen dieser teuflischen Wirkungskette können existenzbedrohend sein: Was macht ein professioneller Video-Blogger, der von den heroischen YouTube-Schleimern von der Plattform verbannt wird, weil er einigen Konkurrenten nicht in den Kram passt? Der Betroffene kann sich nicht wehren, es gibt keine Schiedsgerichte, Mediatoren oder juristisch saubere Verfahren. Am Ende wirkt der Bannspruch wie ein Berufsverbot.

Es sind Schand- und Ehrenstrafen, die die Reputation vernichten. Ab dem 12. Jahrhundert eine beliebte Methode der Herrschenden, um die Fassade der „ehrbaren“ Bürger zu wahren. Wenn der Delinquent nicht geköpft, erhängt oder gevierteilt wurde, sollte er zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Die bigotte Community vertreibt den Außenseiter auf Lebenszeit. Welche Rezeptur könnte man diesem Neo-Jakobinertum entgegen setzen? Dislikes werden nicht reichen.

Siehe auch:
„YOUTUBE HEROES“: WIRD VON GOOGLE NUN EINE DENUNZIANTEN-COMMUNITY GEZÜCHTET?

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#LasstEuchnichtverSCHUFAn – Ideen für paradoxe Interventionen

Das Schufa-Experiment

Was Thomas Knüwer da auf seinem Blog über die Methoden der Schufa schreibt, schreit doch geradezu nach paradoxen Interventionen.

Was jeder von Euch da machen kann, habe ich vor zwei Jahren beschrieben🙂

Lasst Euch nicht verSCHUFAn!

Damals war ich fest entschlossen, die Schufa jedes Jahr mit einer Abfrage über mein Scoring zu nerven. Eine Abfrage pro Jahr ist schließlich kostenlos. Das kann jeder machen😉

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Vom falschen Umgang mit Live-Videos #smcbn

Technik von Steve Paine im Coworking Bonn - da geht mein Herz auf :-)

Technik von Steve Paine im Coworking Bonn – da geht mein Herz auf🙂

Livestreaming in der Praxis: Es wird kaum in Formaten gedacht. Vorankündigung wird vernachlässigt. Netzwerk-Effekte lässt man links liegen. Moderationen verlaufen aseptisch. Der Kontext des Einsatzes von Livestreaming-Diensten wird nicht bedacht. Interaktionen bei mobilen Apps bleiben auf der Strecke. Nachberichte und Dokumentationen bleiben aus.

Die Vorteile beim Verzicht auf Postproduktionen durch Live-Videos werden nicht anständig honoriert. Da regt man sich dann eher auf, dass der Moderator, der zugleich Operator, Social Web-Community-Manager, Kommentar-Kurator und Aufmerksamkeitskatalysator vor, während und nach der Übertragung ist, zum Schluss kein elegantes Ende des Livestreams hinbekommt, weil man halt zum Laptop laufen muss, um die Stopp-Taste zu bedienen. Hab ich alles schon erlebt. Livestreaming wird auf Kamera-aufstellen-und-einfach-übertragen reduziert und Ideen für lebendige Diskurse versanden im Routinebetrieb – da ist der Abstimmungsaufwand zu hoch, Herr Sohn.

Medien, Unternehmen, Verbände und sonstige Institutionen wagen zu selten das Abenteuer der direkten und ungeschminkten Live-Übertragung – zumindest gilt das in Deutschland. Da hat Alexander Görlach, der frühere Chefredakteur und Gründer des The European-Debattenmagazins mit der seiner Einschätzung der Lage schon recht:

„Es gibt wenig Begeisterung für Medien und wenig Begeisterung für Formate. Vor allem nicht, wenn es um neue Ideen geht. Sicherlich gibt es die innerhalb der verschiedenen Redaktionen, aber es gibt keine übergeordnete unternehmerische Lust oder Freude an dem Thema.“

In den USA sei man im Datenjournalismus weiter, außerdem in Sachen Videocontent und Mobile-Technologien. Das US-Onlinemagazin Mic habe zum Beispiel in wenigen Jahren 30 Millionen US-Dollar eingesammelt und heute über 100 Mitarbeiter. Und das alles mit einem einzeiligen Pitch – nämlich, dass Millennials Inhalte anders konsumieren, über Snapchat und Livevideos.

Social Media Chat Bonn mit neuer Konzeption - jedes Mal ein anderer Standort.

Social Media Chat Bonn mit neuer Konzeption – jedes Mal ein anderer Standort.

Insgesamt ein recht flotter und diskussionsfreudiger Abend bei der Neuausrichtung des #smcbn – Operation gelungen🙂

Über meine Erfahrungen in den vergangenen Jahren beim Nutzen von schnellen, ungeschminkten und direkten Live-Formaten habe ich mich ausführlich in meinem E-Book ausgelassen. Gibt es allerdings nur bei amazon.

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Wie wäre es, wenn? Im Oktober startet der Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland

utopiepodcast

Im Oktober starten Lutz Becker und ich den Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland. Der genaue Termin und der erste Gast stehen fest: Dienstag, den 25. Oktober, um 10 Uhr in der VillaMedia in Wuppertal. Unser Interviewpartner ist Jörg Heynkes.

Drei Fragen stehen an, die wir in jeder Folge besprechen wollen:

Was bewegt Dich?

Welche Zukunft siehst Du?

Was würdest Du machen, wenn Du König von Deutschland wärst?

reformideen

Pro Monat wollen wir eine Folge produzieren.

So ein wenig folgen wir den Spuren von Friedrich Nietzsche, die er in seiner fröhlichen Wissenschaft zu Papier gebracht hat und die sich vom Nihilismus des großen Denkers deutlich unterscheiden:

Es geht in dieser Schrift um die Freiheit des Neuanfangs:

Wer vorausblickt, hat das Mögliche als solches vor sich und ist nicht in die Wirklichkeit bestimmter
Erwartungen verstrickt.

Freiheit im Denken erschließen – Freiheit des Blicks und der Transparenz der
Gedanken. Nietzsche fordert zu einem Gedankenexperiment auf. Überlegungen nach dem Muster:

„Wie wäre es, wenn…“

Die Frage provoziert ein ausdrückliches Verhalten zum eigenen Leben allein dadurch, dass sie gestellt wird. Und wer die Frage beantwortet, ändert damit auch schon ein Stückchen die Realität.

Wer auch mal beim Utopie-Podcast dabei sein möchte, möge sich bei Lutz oder bei mir melden.

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Verbrecher-Verlags-Ehre

Wortspiele: Ein literarischer Blog

Jörg Sundermeier erhält den Karl-Heinz Zillmer-Preis für verdienstvolles verlegerisches Handeln

Einige Titel des Verbrecher Verlags Einige Titel des Verbrecher Verlags

In der Stadt, in der ich lebe, gilt es bereits als Beginn einer Tradition, wenn man etwas zum zweiten Mal tut.

Als ich Ende 2013 aus Anlass der Zuerkennung des Kurt-Wolff-Preises  2014 an den Verbrecher Verlag an dieser Stelle ein Interview mit dem Verleger und Programmchef Jörg Sundermeier veröffentlichte, ahnte ich natürlich nicht, dass ich mich bald wieder aus einem vergleichbaren Anlass mit ihm und den von ihm herausgegebenen Büchern beschäftigen  – und somit wohl den Beginn einer neuen Traditionslinie festlegen würde.

Nun aber ist es so: die Hamburger Kulturstiftung hat mitgeteilt, dass Jörg Sundermeier mit dem Karl-Heinz Zillmer-Preis 2016 ausgezeichnet wird, und ich wünsche ihm, dass die besagte Linie sich weiter festigen und lange anhalten möge.

Der Preis (Anmerkung am Rande: Johann P. Tammen, der langjährige Herausgeber der Zeitschrift für Literatur, Kunst und…

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Gründertätigkeit bleibt auch 2016 rückläufig – Es fehlt an digitaler Kompetenz

Mehr Lehrstühle für Unternehmensgründungen vonnöten

Mehr Lehrstühle für Unternehmensgründungen vonnöten

Die Zahl der Existenzgründer ist 2015 um satte 17 Prozent auf 763.000 gefallen. Ein Schwund von 152.000 im Vergleich zum Vorjahr. Das ergeben die Zahlen des aktuellen KfW-Gründungsmonitors.

Durch die anhaltende Stärke des Arbeitsmarkts ist die Zahl an „Notgründern“ überproportional zurückgegangen. Sie fiel um 81.000 (-28 Prozent) auf 207.000 Personen. Da sich Notgründer stärker im Vollerwerb selbstständig machen, schlägt sich ihr Wegfall maßgeblich in der Zahl der Vollerwerbsgründer nieder. Sie fällt auf ihren bisherigen Tiefpunkt von 284.000 Personen.

So genannte „Chancengründer“ können sich der Entwicklung zwar nicht entziehen, ihr Rückgang auf 377.000 (-15 Prozent) ist weniger stark. Die Zahl innovativer Gründer steigt auf 95.000 (+6 Prozent) leicht an. Immerhin ein kleiner Lichtblick. Mit 160.000 Personen entfällt ein Fünftel der Gründungstätigkeit auf „Digitale Gründer“.

In den Prognosen der KfW ist keine Trendumkehr zu erkennen. So weist die Planerquote auf einen weiteren Rückgang für 2016 hin. Der Anteil der Personen, die ernsthaft darüber nachdenken zu gründen, ging 2015 abermals zurück. Weil der Planungsprozess von Idee bis Umsetzung häufig mehrere Monate dauert, ist dieser Rückgang ein Indikator für die Entwicklung der Gründerquote 2016.

Besonders prekär sieht es nach Auffassung von Alexander Görlach auf dem Medienmarkt aus, was ich aus erster Hand bestätigen kann. Investments in Medien-Startups in Deutschland sind mausetot.

„Es gibt wenig Begeisterung für Medien und wenig Begeisterung für Formate. Vor allem nicht, wenn es um neue Ideen geht. Sicherlich gibt es die innerhalb der verschiedenen Redaktionen, aber es gibt keine übergeordnete unternehmerische Lust oder Freude an dem Thema“, so Görlach im Interview mit Gründerszene.

In den USA sei man im Datenjournalismus weiter, außerdem in Sachen Videocontent und Mobile-Technologien. Das US-Onlinemagazin Mic habe zum Beispiel in wenigen Jahren 30 Millionen US-Dollar eingesammelt und heute über 100 Mitarbeiter. Und das alles mit einem einzeiligen Pitch – nämlich, dass Millennials Inhalte anders konsumieren, über Snapchat und Livevideos.

„Die Darreichungsform ist dort schon Teil der journalistischen Praxis. In Deutschland könnte man solche Summen nicht einsammeln. Auch keine drei Millionen“, meint Görlach, der mittlerweile bei The European ausgestiegen ist und vorerst keine weiteren Mediengründungen in Deutschland plant.

Das kann ich gut nachvollziehen. Mit spontanen, direkten und frechen Medienformaten ist hierzulande kein Blumentopf zu gewinnen – das sind zumindest meine Erfahrungen in den vergangenen vier Jahren.

Was generell fehlt, sind Kompetenzen für ein digitales Made in Germany.  Das liegt an der Qualifikation der Manager und an der Ausbildung des Nachwuchses, wie Tobias Kollmann im Vorwort seines Lehrbuchs „E-Entrepreneurship“ konstatiert. Sein Werk, das auf 716 Seiten Grundlagen für die Unternehmensgründung und die Finanzierung von jungen Unternehmen in der digitalen Wirtschaft vermittelt, ist aktueller denn je.

Anregungen gibt es auch von Thomas Sattelberger. Schulen und Hochschulen müssen Orte der Kreativität sowie Kreation sein und keine Turbo-Pauk-Anstalten. Zudem braucht man mehr Lehrstühle für Netzökonomie (das fordere ich) und Unternehmensgründungen.

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Von homoöstatischen Lötkolben-Propheten zur Kunst des kybernetischen Wortschmiedens

Kybernetik im Krieg

Kybernetik im Krieg

Egal, wie man es dreht und wendet, alle Protagonisten, die sich um den Begriff der Kybernetik versammelten, sind als Techniker, Ingenieure, Mathematiker und Physiker von militärischen Aufträgen geprägt sowie angetrieben worden. Die „Kybernetik“ ging aus dem Krieg hervor und endete bei Heilsversprechen für die Maschinenwelt. „Oft finanzierte der amerikanische Verteidigungsapparat diese grandiosen Visionen mit großzügigen Summen“, schreibt Thomas Rid in seinem sehr lesenswerten Opus „Maschinendämmerung – Eine kurze Geschichte der Kybernetik“, erschienen im Propyläen-Verlag.

Maschinendämmerung

Im Zweiten Weltkrieg und in der frühen Phase des Kalten Krieges waren Computer und Steuerungssysteme noch primitiv. Entsprechend euphorisch wurden die Versprechungen der Kybernetiker aufgenommen. Es war eher ein Aufstieg von Mythen. Die kybernetischen Geschichtenerzähler fesselten in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Ingenieure, sondern auch ein breites Spektrum an Wissenschaftlern, Gelehrten, Künstlern, Science Ficton-Autoren, Scharlatanen und Selbsthilfe-Gurus. Was als Steuerungstechnik startete, mutierte zu Werkzeugen der Befreiung und Selbstverwirklichung. Einer der umtriebigsten Schöpfer war Ross Ashby mit seinem niedlichen Homoöostaten, der sanft vor sich hin klickte, um zu entscheiden, wie er Störungen in seiner Umwelt am besten überwinden und zu einem eleganten Gleichgewicht zurückfinden konnte.

„Seine Maschine, glaubte Ashby, sei auf dem englischen Land wirklich zum Leben erwacht“, so Rid.

Irgendwann schlug die Logik von der Vermenschlichung von Maschinen um:

„Wenn es möglich war, Maschinen in menschlichen Begriffen zu denken, dann war es auch möglich, den Menschen in mechanischen Begriffen zu denken“, führt Rid aus.

Das Leben sollte durch Mechanik nicht nur reproduziert, sondern durch Mechanik verbessert werden. Was von Ashby mit Bombensteuerungs-Schaltersätzen der Royal Air Force zusammen gelötet wurde, deutete die Hippie-Bewegung zu Maschinen voller Liebe und Güte um zur Aufrechterhaltung des gegenkulturellen Gleichgewichts der ganzen Erde. Bekannteste Beispiele sind der Whole Earth Catalog von Stewart Brands und die esoterische Semantik-Brühe von Gregory Bateson, der von den Ashby-Schalttürmen in der Ästhetik der legendären Fernsehserie Raumpatrouille Orion förmlich elektrisiert wurde.

In den vergangenen 70 Jahren entstand durch die homoöstatischen Lötkolben-Propheten eine neue Disziplin: Die Kunst des kybernetischen Wortschmiedens. Die Initialjargon-Sprecher findet man in Sekten, Beratungshäusern und sogar in der NSA. Allesamt sind beseelt von der Idee der energiegeladenen Rückkopplungsschleifen. Aber selbst die kybernetische Kunstsprache kann nicht den Blick auf die peinliche Dürftigkeit des Inhalts verstellen. Selbst in ihren Rollen als Maschinisten sind Kybernetiker wie Norbert Wiener nicht ganz so erfolgreich gewesen. So versuchte Wiener vorherzusagen, wie sich das von Pilot und Fluggerät gebildete kybernetische System in den nächsten zwanzig Sekunden unter Stress verhalten würde – er scheiterte.

Ist ja nicht schlimm.

Siehe auch: Wenn aus Camouflage Wissenschaft wird – Nachbetrachtungen zur Kybernetik

Zur Kunst des kybernetischen Wortschmiedens passt auch: KybernEthik.

Oder auch: Kybernetisch-bionisch-fraktale Reflexe

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YouTube als Zensor für gute Gespräche mit dem Präsidenten der EU-Kommission?

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Was ein YouTube-Mitarbeiter einer Video-Bloggerin ins Ohr geflüstert hat bei der „Vorbereitung“ eines Interviews mit dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, mag auf den ersten Blick nur wie eine übereifrige und ängstliche Vorgehensweise eines Mitarbeiters des Google-Alphaebet-Imperiums erscheinen. Wahrscheinlich wird das auch die Sprachregelung bei Medienanfragen sein. Aber es wirft doch wieder die Frage nach der politischen Plattform-Neutralität auf, die wir seit Jahren in der Netzszene diskutieren:

„Du stellst Mr. Juncker schon sehr schwierige Fragen, du sprichst über Lobbying von Unternehmen. Du möchtest nicht auf der falschen Seite von YouTube, der Europäischen Kommission oder den Leuten, die dir vertrauen, stehen … außer dir ist eine lange Karriere auf YouTube egal.“

Würde ein Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Senders in Deutschland so einen Spruch landen, käme es wohl zu einem medienpolitischen Erdbeben. Aus guten Gründen.

Bei YouTube und Co. kommt dann regelmäßig der Einwand, dass ja niemand gezwungen sei, die sittenwidrigen Geschäftsbedingungen und Praktiken der Plattform-Betreiber zu akzeptieren. Es ist wie bei einer Hausordnung. Wer das Hausrecht besitzt, könne auch sanktionieren. Bei einem Music-Club oder einer Bar nehmen wir das leider allzu oft hin, weil es genügend Alternativen gibt. Der Türsteher mokiert sich über meine krumme Nase, Hautfarbe oder mein schlampiges Outfit und lässt mich nicht rein.

Aber der Vergleich mit der Hausordnung hinkt etwas. Die Plattformen sind unverzichtbar bei der Herstellung von Netzöffentlichkeit. Das hat Sascha Lobo schon vor einigen Jahren betont. Man muss zu einer neuen Definition von Öffentlichkeit gelangen. Dass YouTube, Twitter, Facebook und Google öffentlich sind, dürfte wohl unbestritten sein. Aber sind sie auch Öffentlichkeit? Hier gebe es große Unterschiede zwischen den USA und Europa, so Lobo:

„Es gibt in Europa das Gefühl der Öffentlichkeit auf einem Platz. Das ist historisch entstanden. Da wurde dieser alte Marktplatz irgendwie zusammengemorpht. Bei der Dorf-Metapher schwingt die Allmende mit. Das ist ja etwas, was alle benutzen können und allen gehört. Und der Marktplatz ist etwas, wo eine Öffentlichkeit stattfindet. Der Besitz ist dabei zweitrangig – ob nun staatlich oder privat. Genau so eine Definition der Öffentlichkeit brauchen wir für die digitale Welt.“

Das ist eine Frage der politischen Plattform-Neutralität – also eine ordnungspolitische und normative Herausforderung, die man mit politischen Mitteln beantworten muss. Ansonsten züchten wir einen Staat im Staate der sich irgendwann von der Beachtung demokratischer Grundsätze verabschiedet. Man hat ja Hausrecht und kann daher als Hausmeister agieren.

Siehe auch: Interviews mit Juncker – YouTube übte massiven Druck auf Video-Bloggerin aus

Kleine Debatte auf Facebook.

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Bonner Sendezentrum und Kino zur #NEO16x

Erläuterungen zum Ablauf der Next Economy Open #NEO16x.

Stand der Planungen findet Ihr auch auf dem Projekt-Blog.

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