Zukunftschancen nicht verspielen – #D2030 Diskurse

Wenn wir allein auf die Politik setzen, um die Chancen der Zukunft zu nutzen und ihre Risiken rechtzeitig zu erkennen, könnte es eng werden. Das hat D2030-Co-Initiator Klaus Burmeister kürzlich in einem Interview mit dem Titel „Die Politik verspielt Zukunftschancen“ auf den Punkt gebracht.

„Und daher führen wir den transformativen Diskurs über die Zukunft munter und unermüdlich weiter. So etwa auf der CEBIT, wo Klaus Burmeister und Prof. Dirk Helbing aus dem D2030 Fachbeirat gemeinsam mit dem D2030-Partner Senat der Wirtschaft das Gespräch über Künstliche Intelligenz suchten und dabei mit Experten vom Fraunhofer IAO aus Stuttgart, dem Deutschen Ethikrat, der Organisation Algorithm Watch sowie IBM diskutierten (mehr Infos zu den Beteiligten auf dem Blog von Gunnar Sohn, der die Diskussion moderierte). Im Mittelpunkt des Gesprächs stand ein interdiziplinärer Austausch über das Zukunftsthema Künstliche Intelligenz, zu dem D2030 und der Senat der Wirtschaft sich für die baldige Einrichtung einer Enquete-Kommission im Bundestag stark machten.“

Na dann. Hier sind die Diskussionsrunden:

Diskussion zum Thema Künstliche Intelligenz: Der Mensch steht im Mittelpunkt!?
mit Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Bauer, Geschäftsführender Institutsleiter Fraunhofer IAO und Stellv. Institutsleiter IAT Universität Stuttgart, Prof. Dr. em. Reinhard Merkel, Mitglied im Deutschen Ethikrat, Matthias Spielkamp, Journalist und Mitgründer der Plattform AlgorithmWatch, Dirk Wittkop, Geschäftsführer IBM Deutschland Research & Development GmbH und Vice President IBM Development. Moderation: Klaus Burmeister, D2030 und Senat der Wirtschaft und Gunnar Sohn.

Wie organisieren wir Datenautonomie und Datenhoheit?
Prof. Dr. Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich sowie Andrea Martin, IBM. Moderation: Klaus Burmeister, D2030 und Senat der Wirtschaft und Gunnar Sohn.

Jede Art von Politik kann zur Währungspolitik werden – Gott wird da nicht helfen, Herr Erdogan

Als die Lira Ende vergangener Woche weiter abstürzte, sprach Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen Landsleuten Mut zu. „Sie haben den Dollar, wir haben Gott“, sagte er mit Verweis auf seine derzeit ärgsten Widersacher, die USA. Heute nun sollen keine iPhone mehr gekauft werden, sondern Produkte von Samsung oder vom türkischen Hersteller Venus Vestel – beide laufen mit dem Android-Betriebssystem von Google. Das wird jetzt durchschlagende Wirkung haben.

Zudem will das autokratische Regime mit drastischen Maßnahmen gegen Menschen vorgehen, die im Social Web negative Kommentare zur wirtschaftlichen Lage und zum Absturz der Lira posten. Regierung zu drastischen Maßnahmen. Sie will nun Menschen für negative Kommentare über die wirtschaftliche Lage und den Absturz der Lira bestrafen.

Staatsanwälte in Ankara und Istanbul gehen gegen Personen und Konten in sozialen Medien vor, die die wirtschaftliche Sicherheit des Landes gefährden, indem sie falsche Berichte oder Spekulationen unter anderem über den Zustand öffentlicher Unternehmen oder Banken verbreiten. Nun will ich keine falschen Berichte über die Lage der Türkei verbreiten. Aber Spekulationen könnten es schon sein. Etwa der Tatbestand, dass die Investoren schon seit einiger Zeit Kapital aus der Türkei abziehen – unabhängig von dem derzeitigen Streit mit den USA. Die Rechnung ist ganz einfach. Hohe Inflation, niedrige Zinsen, die Demontage der Zentralbank und die politischen Eskapaden von Erdogan führen zu einer Schwächung der türkischen Lira. Der türkische Präsident sollte Schumpeter lesen:

„Das oft leidenschaftliche, stets große Interesse, das den praktischen Fragen des Geldwesens und des Geldwerts gilt, erklärt sich ja nur daraus, dass sich im Geldwesen eines Volkes alles spiegelt, was dieses Volk will, tut, erleidet, ist, und dass zugleich vom Geldwesen eines Volkes ein wesentlicher Einluss auf sein Wirtschaften und sein Schicksal überhaupt ausgeht.“

Jede Art von Politik könne so zur Währungspolitik werden, jede Art von Ereignis zum währungspolitischen Ereignis.

Siehe auch:

Jetzt reicht’s! Jan Ullrich lässt sich mit Erdogan fotografieren 🙂

Duale Systeme in der Krise? Was bei Gelben Tonnen und Säcken so alles schief läuft

Als Anfang des Jahres mit ELS zum ersten Mal ein Duales System Insolvenz anmeldete, sollte es der Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß retten:

„Was macht ihr? Wie läuft es? Wie verdient ihr Geld? Am ersten Tag bei einem neuen Unternehmen stellt Weiß immer dieselben drei Fragen. Normalerweise hat er dann einen Überblick. Nicht bei ELS. Am Abend sitzt er zu Hause und grübelt, wie die Dualen Systeme Gewinne erwirtschaften“, schreibt die Wirtschaftswoche.

Und da geht wohl einiges schief. Jedenfalls seien es teilweise hochdefizitäre Verträge, so Weiß.

„Der Anteil an den Kosten berechnet sich nach den Marktanteilen. Bei insgesamt 800 Millionen Euro Kosten im Jahr fällt jeder Prozentpunkt ins Gewicht. Einige Duale Systeme rechneten deshalb absichtlich ihren Marktanteil klein“, so die Wiwo.

Und das Spektakel wiederholt sich nun seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit. Gleiches gilt für die Problematik der Trittbrettfahrer – also Firmen, die sich nicht an den Kosten der Sammlung, Sortierung und Verwertung der Verpackungen beteiligen. Weiteres Problem: Die Kalkulation der Entsorgungskosten nach Materialien – von Alu bis Plastik – entfaltet keine Anreize zur Reduktion von Verpackungsmaterial. Auch dieses Lied trällert die Branche seit den 1990er Jahren.

Nach dem ab dem 1. Januar 2019 geltenden neuen Verpackungsgesetz sollen die Systeme die Händler belohnen, deren Verpackungen besonders gut recycelbar sind. „Doch wie die finanziellen Anreize für solche Bemühungen genau aussehen, das ist bisher unklar“, schreibt die Wirtschaftswoche und zitiert Gunda Rachut von der Zentralen Stelle:

„Es soll einen Bonus für gut verwertbare Verpackungen geben.“

Aber wo landet dieser Bonus? Wer sich den aktuellen Streit zwischen Herstellern und Handelskonzernen anschaut, zweifelt an der Aussagekraft der Lizenzentgelte für das System der Gelben Tonnen und Säcke. Das Verpackungsgesetz würde sich zur Goldgrube für die Händler entwickeln. Mit diesen Worten zitiert die FAZ Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes.

„Immer wieder werden Vorwürfe laut, dass große Handelsunternehmen Lieferanten dazu zwingen, ihre Mengen zu überhöhten Preisen bei einem vom Handel vorgegebenen dualen System anzumelden. Angeblich winken den Handelsunternehmen dafür Rückzahlungen und Rabatte für ihre Eigenmarken und andere Mengen, die sie selbst anmelden“, so die FAZ. Daraus könnte sich ein Fall für das Bundeskartellamt entwickeln, vermutet Bünder.

Der Markenverband erwäge, die Wettbewerbsaufsicht einzuschalten. In dem Schreiben heißt es konkret:

„In diesem Kontext liegen dem Markenverband Informationen über neuerliche Handelsanforderungen zur Lizenzierung über benannte duale Systeme vor, die fragwürdig erscheinen. Um uns ein besseres Bild über Umfang und Stoßrichtung derartiger Anforderungen machen und dies gegebenenfalls gegenüber den Betroffenen und/oder dem Bundeskartellamt aufgreifen zu können, bitten wir Sie, den beigefügten Fragebogen ausgefüllt bis zum 27.07.2018 zurückzusenden.“

Auch das wirft einen langen Schatten auf die Recyclingwirtschaft. Anschreiben und Fragebogen des Markenverbandes liegen mir übrigens vor. Ich werde Euch informieren, wenn Ergebnisse der Umfrage im „Umlauf“ sind.

Siehe auch:

Aufbegehren gegen die Recyclingpolitik der Handelskonzerne