#FutureHubs Exzellente Diskurse über die Zukunft #D2030

Ein großes Dankeschön an alle, die bei den FutureHubs mitgemacht haben.

Advertisements

Wie Mainstream-Ökonomen Kritiker abwatschen – Über die Abschottungstaktik der VWL-Formelkonstrukteure #NEO16x

Lektüreempfehlung für Mainstream-Ökonomen
Lektüreempfehlung für Mainstream-Ökonomen

Die Mainstream-Ökonomen markieren eine merkwürdige Kampflinie gegen die pluralen Ökonomen: Für einige Professoren ist es eine Horrorvorstellung, dass die „Pluralen“ in ihr Fach nun Marxismus, Gender-Theorie oder Postwachstums-Ideen einschmuggeln könnten.

„Die Vertreter der sogenannten Pluralen Ökonomen wollen die Wirtschaftswissenschaft sturmreif schießen“, sagt Joachim Weimann von der Universität Magdeburg nach einem Bericht der FAZ.

Viele Pluralismus-Vertreter hätten einfach keine Ahnung.

„Sie beherrschen die Sprache und die Methoden der Ökonomen nicht, obwohl sie diese ständig kritisieren“, sagt Weimann.

Etwas ärmlich die Replik, die sich immer noch in Kategorien der politischen Gesäßgeografie bewegt. Dabei gibt es gute Gründe, dass naturwissenschaftliche Gehabe der neoklassischen Wirtschaftstheorie mit ihrem pseudo-neutralen Habitus in Frage zu stellen: Man braucht sich nur die Kollateralschäden der Deregulierung anschauen, um die Werturteilsfreiheit, die in VWL-Lehrbüchern fast religiös gepredigt wird, werten zu können. Etwa beim Investment-Banking, beim Buchhaltungsrecht oder im Sicherheitssektor. Stichworte wie WorldCom-Pleite, Lehman-Untergang, Savings and Loans-Debakel, Enron-Arthur-Andersen-Skandal mögen da ausreichen. Wir könnten jetzt noch VW, Deutsche Bank, Thyssen, RWE und Co. hinzufügen. Es gibt kein Naturgesetz und keinen Automatismus in der Ökonomik, um für Wohlfahrt zu sorgen. Es sind qualitative Bedingungen, die auch ganz anders gestaltet werden können, meint der Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch in der Philosophie-Sendung von Richard David Precht.

Was kann man ändern jenseits der Erbsenzählerei, die sich in Algorithmen, ceteris paribus-Formeln und sonstigen von Menschen gemachten mathematischen Rechenexempeln verstecken.

Auch in Algorithmen verstecken sich Werturteile

Der Mensch ist viel mehr als die Summe von Daten, die die Wirklichkeit gewichten und somit manipulieren. Es gibt in der Ökonomik keine störungsfreie Laborsituation.

„Die Wirklichkeit wird durch qualitative Entscheidungen bestimmt“, sagt Lesch.

Mit den Methoden der Himmelsphysik, wo im luftleeren Raum alles funktioniert, kommen wir in der Gesellschaft nicht weiter. Jeder ist gefordert, seine Entscheidungen zu begründen und sich nicht hinter Formeln, Kennzahlen, Rankings, aufgeblähten Umsätzen und Renditen zu verstecken.

„Es muss grundsätzlich eine Änderung der Ökonomik herbei geführt werden, die nicht mehr von mechanistischen Paradigmen geprägt ist“, fordert Professor Claus Dierksmeier, Direktor des Weltethos-Instituts in Tübingen.

Auch Formelkonstrukteure müssen sich einem normativen Diskurs stellen

Es geht immer um Wertentscheidungen. Auch jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Wer sich verweigert, Ziele für ein gutes Leben darzulegen, ist nicht in der Lage, einen wissenschaftlichen Diskurs zu pflegen. Ausführlich nachzulesen in meiner Netzpiloten-Kolumne.

Ich sehe die Notwendigkeit für eine Radikalkur an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten. BWL- und VWL-Studiengänge sollten wie Kunstakademien gestaltet werden. Diesen Vorschlag machte der Innovationsexperte Jürgen Stäudtner im #NEO16x Käsekuchen-Diskurs:

„Man hat an den guten Kunstakademien gar keinen richtigen Unterricht mehr. Es gibt ein Orientierungsjahr, in dem versucht man, seinen Weg als Künstler herauszufinden. Es wird erwartet, dass man sich die dafür notwendigen Fähigkeiten selber beibringt. Im Hauptstudien geht es dann rund drei bis vier Jahre nur darum, eigene Projekte durchzuführen, besser zu werden und an der Verbesserung seiner Fähigkeiten zu arbeiten.“

All das ist auch in der Ökonomik möglich – in der BWL und in der VWL.

Wir sollten die nächste netzökonomische Debattenrunde in einer Kunstakademie machen – vielleicht trauen sich ja auch ein paar Mainstream-Ökonomen hin. Ist allerdings ein offenes Format ohne Sprachregelungen mit Liveübertragung – es gilt das gesprochene Wort. Für manche Establishment-Wissenschaftler vielleicht schon zu offen und nicht kalkulierbar. Man könnte zu schnell die heiße Luft spüren, die von den neoklassischen Ökonomen verbreitet wird.

Eure Meinung interessiert mich.

Siehe auch die Diskussion auf Facebook.

Käsekuchen-Diskurs um 16 Uhr: Schnellboote der Netzökonomie #Solopreneure #NEO16 #LiveHangout

Solopreneure auf der Next Economy Open in Bonn: Miliana Romic und Benjamin O'Daniel
Solopreneure auf der Next Economy Open in Bonn: Miliana Romic und Benjamin O’Daniel

Wird über netzökonomische Aspekte in der Öffentlichkeit gesprochen, denkt man automatisch an die großen Kaliber des Silicon Valley und die neuen Zuckerbergs, die sich am Horizont abzeichnen. Es werden nur jene ernstgenommen, die das ganz große Rad drehen oder zumindest prahlerisch behaupten, irgendwann in der ersten Liga der Internet-Giganten mitzuspielen. Traditionell bekommt man als Gründer auch in Deutschland den Rat, ein komplettes Unternehmen zu planen mit Rechnungswesen, Controlling, Fragen des Gesellschaftsrechts, Finanzen, Gebäude und Mitarbeitern. Bei allem soll der Gründer einen Überblick haben. Am besten noch mit BWL-Expertise. Und immer wieder kommt die Empfehlung von schlauen Beratern, wie wichtig doch die Finanzierung sei – entweder mit Bankkrediten oder Risikokapital. Der Sprung in die Selbstständigkeit führt dann ganz schnell in eine neue Abhängigkeit von Kapitalgebern. Man wird zum Angestellten in seiner eigenen Firma.

Auch die Luftblase namens Venture Capital vernebelt die Sinne vieler Startups, die nicht wissen, worauf sie sich in den Verträgen mit hundert Seiten, geschrieben von Anwälten in noblen Kanzleien, einlassen. Zu schnell geraten Enthusiasten für eine neue Geschäftsidee in den Konflikt mit klassischen Aufgaben des Managements: Ordnung halten, Routinen konzipieren und Menschen kontrollieren.

Einzelkämpfer mehr beachten

Konzepte von Einzelkämpfern, die sich als Laptop-Unternehmer im Netz erfolgreich etablieren, finden nur wenig Beachtung. Benjamin O’Daniel, Redakteur für Content Marketing-Projekte, will das ändern. In einem eBook präsentiert er Digitalexperten, die sich nicht mehr von ihren Kunden und Geschäftspartnern antreiben lassen. „Sie wollen nicht mehr ständig im Zug, Auto und Flugzeug sitzen und quer durch Deutschland oder die Welt jetten. Sie wollen ihre Arbeitsprozesse und Einkommensquellen selbst steuern. Sie wollen raus aus dem System ‚Zeit gegen Geld‘. Sie wollen gutes Geld verdienen UND ein angenehmes Privatleben führen. Und das funktioniert mit digitalen Produkten ausgesprochen gut.“

Kein Personal, keine Gewerbemiete, keine hohen Betriebskosten, Steuern und Sozialabgaben. Es sind Solopreneure, weil diese Akteure sich alleine etwas aufbauen. „Sie setzen auf digitale, skalierbare Vertriebsformen. Es bedeutet keinen Mehraufwand, ob man ein eBook oder tausend eBooks verkauft“, so O’Daniel. Das Fachwissen der Solopreneure ist im Netz abrufbar und kann mit einfachen Mitteln vermarktet werden. Sie befreien sich aus dem Hamsterrad der klassischen Projektarbeit. Zu den Vorreitern zählt Ehrenfried Conta Gromberg http://www.contagromberg.de, der im Opus von Benjamin O’Daniel zu Wort kommt. Während viele Unternehmensberater sich auf Konzerne und mittelständische Unternehmen konzentrieren, interessiert sich Gromberg für die digitalen Vorreiter. Ausführlich nachzulesen in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten.

Darüber wollen wir heute in unserem netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs reden. Live-Hangout beginnt um 16 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich daher zum Thema: „Vom Blogger zum Solopreneur: Geschäftsmodelle für die Blogosphäre“.

Hashtag zum Mitdiskutieren #NEO16

Oder den Fragebutton auf dem Webplayer von Youtube auf der Google Plus-Seite verwenden.

Die digitale Szene im Bonner General Anzeiger @gabonn – Mehr Vernetzung wagen

Schön puristisch
Schön puristisch

Der General Anzeiger hat nicht nur eine neue, sehr aufgeräumte und gute gemachte Website, er will auch das bunte Treiben in der Blogger-Szene stärker abbilden. Den Impuls gaben die nimmermüden Netz-Protagonisten Johannes Mirus und Sascha Förster, die mit Bonn.Digital zur stärkeren Vernetzung in der Bundesstadt beitragen wollen.

Sascha hat mit dem Aggregator BonnerBlogs.de einen Meilenstein auf die Beine gestellt, um zu dokumentieren, was die Bloggerinnen und Blogger unserer Stadt so alles treiben. Mittlerweile sind rund 800 Blogs registriert. Es geht um Essen, Amateurfußball, Reisen, Cafés, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Gaming, Tanzen, Kneipen, Literatur und, und, und.

All das ist eine unendlich wertvolle Ressource für die Lokalberichterstattung, die der General Anzeiger mit seinen freien und festen Redakteuren niemals vollständig aufgreifen kann. Da liegt es auf der Hand, in der Printausgabe und im Online-Auftritt des GA diese vielfältigen Informationen zu bündeln und für die eigene Berichterstattung zu nutzen. Etwa in der Rubrik GA-BONN.DE.

Im Dienst der Vernetzung
Im Dienst der Vernetzung

Da kann man heute ein interessantes Interview mit Sascha und Johannes lesen:

„In Bonn gibt es prinzipiell zu jedem Thema ein Blog“, so Johannes gegenüber dem GA.

Es gebe eine aktive Szene, aber es mangelt immer noch an der Vernetzung. Beide Blogger sind angetreten, das zu ändern. Sie wollen auch Unternehmen stärker ins Social Web heben, fordern von der Stadt mehr Initiativen beim Ausbau der digitalen Infrastruktur und raten der Wirtschaftsförderung, ihren Fokus mehr auf kleine Startups aus der digitalen Community zu richten.

ichsagmal im GA
ichsagmal im GA

Ich selbst komme in der heutigen Ausgabe auch vor. Es geht nicht nur um die Next Economy Open, die Anfang Dezember wieder stattfinden wird (Datum und Ort kommunizieren wir in Kürze), sondern auch um die Forderung nach einer coolen Location für Digitalistas, um sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen. Also so eine Art St. Oberholz am Rhein 🙂

Das alles sind doch gute Gründe, um heute die Printausgabe zu kaufen. Oder halt via GA-App, die übrigens ebenfalls renoviert werden müsste.

GA-Redakteur Christoph Meurer, mit dem ich in der Bäckerei Penkert ein sehr nettes Gespräch führte, wird vielleicht demnächst ein eigenes Blogprojekt starten: Über den öffentlichen Nahverkehr in Bonn. Gute Idee. Da gibt es eine Menge Stoff für Postings.

Vernetzte Welt ohne Kennzahlen-Wahn: absatzwirtschaft zur #NEO15

NEO-Werkstatt

In Zukunft werden vor allem solche Unternehmen erfolgreich sein, die neue Netze knüpfen und nationale Grenzen überschreiten. Die NEO15 versteht sich als Dialogplattform, die notwendige Qualifikationen thematisiert. Hab ich so der absatzwirtschaft gesagt:

Wenn sich die Digitalisierung vornehmlich in Reports und Kennzahlen zeigt, ist das Ausdruck der Hilflosigkeit einer durchorganisierten Gesellschaft in einer vernetzten Welt, meint Gunnar Sohn. Der Wirtschaftspublizist veranstaltet am 9. und 10. November die erste Next Economy Open (NEO). Dort treffen Entscheider und Praktiker aus Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft auf Macher und „Bessermacher“ der Netzszene – und diskutieren den vernetzten Individualismus

NEO_Programm erster Tag

Das Motto der ersten Next Economy Open lautet „Matchen, Moderieren und Managen“. Ziel ist es, das „Digitale“ und „Analoge“ zusammen zu bringen und in einem offenen Format lösungsorientiert über Herausforderungen und Chancen der vernetzten Wirtschaft zu sprechen.

Gerade Mittelständler seien stark von ihrer Leistung geprägt sowie von Innovationen und Patenten, erläutert Sohn weiter. Viele Unternehmen hätten Schwierigkeiten, das zu kommunizieren, was sie ausmacht. Digitale Projekte leben jedoch von Dialog und dem Austausch von Wissen. Entsprechend sieht das Programm der NEO15 Keynotes, Sessions und Workshops zu den Themen „Kundendialog“, „New Work“, „Digitales Unternehmen“ und „Growth Hacking“ vor. Etabliert werden soll der „Next Economy Dialog“ als nachhaltiges Format, so dass es ein ständiges Forum geben soll für Treffen, Expertendiskussionen, Studien und Gesprächsformate.

Impulse für ein neues Netzwerkdenken

Die Session von Patrick Breitenbach beispielsweise, er lehrt Internationales Medienmanagement an der Karlshochschule, thematisiert Markenführung im digitalen Zeitalter. Breitenbach nimmt den „anspruchsvollen und undankbaren Prosumenten“ in den Blick, der sich mit anderen Kunden über Produkte, Preise und Marken kritisch austauscht und zu allem Überfluss auch noch nervige Werbeanzeigen blockiert und langweilige Advertorials ignoriert. Dieser neue Konsument sei nicht mehr abhängig von dem Informationsstand eines überschaubaren Zirkels aus Marketingmanagern, PR-Leuten, Journalisten und sonstigen Medienmachern.

NEO_Programm zweiter Tag erster Teil

Der Marken- und Medienexperte wird erläutern, an welchen Stellen in Unternehmen ein radikales Umdenken in Richtung Netzwerkdenken dringend gefragt ist und an welchen Stellen man das zig1000jährige Rad aus Sicht der Markenführung nicht gleich komplett neu erfinden muss.

Eine Keynote gibt es auf der NEO15 außerdem vom Politik-Berater und ehemaligen Top-Manager Thomas Sattelberger. Er spricht über „Unternehmensbürger, digitale APO und Offline-Rebellen“, denn er beklagt, dass abhängig Beschäftigte auch heute nicht offen ihre Meinung äußern könnten.

NEO_Programm zweiter Tag zweiter Teil

Um eine Demokratisierung in Unternehmen zu erreichen, müsse im Grundgesetz das Recht eines mitarbeitenden Menschen auf Meinungsäußerung verankert werden. „Wir erleben geradezu eine Explosion an neuen Möglichkeiten der Beteiligung durch die Digitalisierung, da kann die Wirtschaftswelt nicht hinterherhinken“, sagt Sattelberger. Letztlich sei mehr Pluralismus und Unterschiedlichkeit in jeder Organisation gefragt, um auf das Konto der Wetterfestigkeit einzuzahlen. Der aktive Ruheständler sieht seine Aufgabe darin, „die geschlossenen Systeme der Deutschland AG aufzubrechen und zu transformieren“.

Dazu passt auch der heutige Live-Hangout zum Thema Unternehmensdemokraten mit Andreas Zeuch, Matthias Wendorf und Bastian Wilkat.

Siehe auch:

Digitale Innovationen brauchen Freiheit in Unternehmen.

Zur Next Economy Open.