Live-Debatte: Neues Arbeiten in digitaler Käfighaltung? #Digitreff

Was die Vernetzung deutscher Firmen- und Konzernlenker in digitalen Medien angeht, sieht die Lage desolat aus, schreibt die PR-Beraterin Kerstin Hoffmann:

„Oft ist buchstäblich kaum jemand bereit, den Kopf hinzuhalten.“

Da bedient man die Öffentlichkeit lieber mit einem Stakkato aus positiven Floskeln. Das wirkt nicht nur extern lächerlich, sondern auch intern:

„Das kann so mit der Realität einer Organisation nicht übereinstimmen. Keine Organisation der Welt ist nur positiv. Deshalb entsteht ein riesiger grauer oder gar schwarzer Bereich an nicht formulierten Negativeindrücken. Und die braucht ein Ventil und das ist der Zynismus“, so der Soziologe Dirk Baecker im ichsagmal.com-Interview.

Zynismus sei eine Form der extrem intelligenten Beobachtung. Der zynische Kommentar ist in der Regel der letzte Kommentar zu einem Sachverhalt. Vorher schaltet man in den Modus „Dienst nach Vorschrift“ oder reagiert mit innerer Kündigung, was nach Analysen von Gallup bei 85 Prozent der Beschäftigten der Fall ist.

Darüber wollen wir am Donnerstag ab 18 Uhr beim Bonner Digitreff debattieren.

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Lob geht runter wie Öl :-) #rp17 #hrfestival #rp18

Alle Livestreams im HRFestival-Blog.

Projektarbeit war klasse. Hoffe, es hat Euch gefallen.

Freu mich schon auf die #rp18 🙂

Man hört, sieht und streamt sich 🙂

Wenn Vorurteile in Daten stecken – KI-Session auf der #rp17 #IBM

Wird eine spannende Session am Mittwoch, den 10. Mai in der Networking Area auf der re:publica

Managergehälter und Allianzen mit Dealmakern #KollaborativeRecherche

Mitmachen bei der kollaborativen Recherche

Man hört, sieht und streamt sich jetzt.

Mehr über Zukunft nachdenken – Mitmachen bei der #D2030 Initiative

So lief der gestrige Netzökonomie-Campus mit der D2030-Initiative (Bericht folgt).

Skizzen aus dem Maschinenraum der Gegenwart. Was dieses Land beschäftigt?
Was will die Initiative D2030?
Warum es sich lohnt im Voraus nachzudenken?
D2030-Szenarien als Diskursangebot.
Zukunft braucht Teilhabe, Perspektiven und Diskurse.
Ausblick auf den Online-Dialog und die Zukunftskonferenz am 6. und 7. Juli in Berlin.

Teilnehmer:

Dr. Kerstin Cuhls, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, D2030 Fachbeirat
Beate Schulz-Montag, D2030 gUG
Klaus Burmeister, D2030 gUG
Dr. Alexander Fink, ScMI AG, D2030-Szenarioteam
Prof. Dr. Dirk Helbing, ETH Zürich, D2030 Fachbeirat
Klaus Janowitz, Soziologe
Moderation: Gunnar Sohn

Website der D2030-Initiative.
Mitmachen beim Online-Dialog.

Im Dickicht möglicher Zukünfte – Illustrer Kreis beim Netzökonomie-Campus #D2030

Hier wird am Donnerstag der netzökonomische Käsekuchen-Diskurs übertragen (also auf YouTube – zum Mitdiskutieren die Chatfunktion benutzen oder Hashtags #D2030 #NEO17x):

Siehe auch:
Dirk Helbing: „Wir müssen die Demokratie digital neu erfinden“

Gewaltenteilung für die Maschinenwelt – Warum wir Utopien brauchen
Anmeldung für jene, die vorbeikommen wollen, über die Facebook-Eventseite. Damit ich weiß, wie ich die Mikrofone aufstellen muss.

Man hört, sieht und streamt sich am Donnerstag, um 17:30 Uhr.

Infos zum Berliner Zukunftskongress im Juli.

Workshops und Open Space Roundtable in der Watson Work Lounge #rp17 #IBM

Auf zur re:publica nach Berlin vom 8. bis 10. Mai 🙂

Hier nun das komplette Programm in Halle 8 in der Watson Work Lounge von IBM auf der re:publica.
Die Roundtable werde ich über Hangout on Air live übertragen (auf YouTube schon vorgeplant) und die Workshops sowie die Einzelinterviews im Format „Auf einen Cappucino“ mit dem Programm Ecamm Live via Facebook.

Workshops/Roundtable in der Watson Work Lounge, Montag, 8. Mai 2017
Moderation: Gunnar Sohn, Wirtschaftsblogger

10:00 Uhr: Reden wir Tacheles – Die traurige Realitätsferne von digitalen ArbeitsweltenOpen Space-Roundtable mit Mike Schnoor von der Agentur Guts & Glory und Gunnar Sohn

Alles bleibt, wie es ist, nur mit Internetanschluss? Die immer noch vorherrschende Fabriklogik zieht mit digitalen Mitteln auch in die Büroarbeit ein, berichtet brandeins in der März-Ausgabe und bezieht sich auf eine Studie des Soziologen Andreas Boes: „Die Arbeit im Büro ähnele immer mehr der Arbeit in der Fabrik: Kleine, standardisierte Arbeitsschritte würden unter Zeitdruck wie an einem ‚digitalen Fließband‘ am Computer abgearbeitet und von Software protokolliert.“ Wie kann man es besser machen?

11:00 Uhr: Design Thinking Workshop auf der re:publica
mit Stéphane Rodet, Marion Brülls & Felix Herrmann, IBM Design Studios

Was ist IBM Design Thinking? IBM Design Thinking umfasst Prinzipien, die helfen Bedürfnisse von Kunden und Nutzern zu erkennen, zu verstehen und auf große Teams und Projekte moderner digitaler Unternehmen zu skalieren. Kundenerlebnisse werden verbessert und Produkte und Dienstleistungen nutzerorientiert entwickelt. In einem interaktiven Workshop erhalten Sie Einblicke in IBM Design Thinking und erleben Methoden, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit praktizieren können.

11:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Sven Semet, HR Thought Leader, IBM
zum Thema: Brauchen wir noch Chefs in Unternehmen?

12:00 Uhr: New Work-Initiativen ohne Wirkung? Über die Arbeitszufriedenheit in Deutschland – Gespräch mit dem Gallup-Studienleiter Marco Nink und Gunnar Sohn

In Zeiten guter Konjunktur und fehlender Fachkräfte unternehmen viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen und dementsprechend mit Hand, Herz und Verstand bei der Arbeit sind, bei 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Das sind die zentralen Ergebnisse des Engagement Index 2016, den das Beratungsunternehmen Gallup vorgestellt hat.

12.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

13:00 Uhr: Sind Bots die besseren Kundenberater?Open Space-Roundtable mit dem Digital-Berater Christian Bartels

Was wäre wohl Sherlock Holmes ohne seinen treuen Freund und Berater Dr. John H. Watson? Nichts. Der Meisterdetektiv empfindet Watsons Pragmatismus als Bereicherung und Ergänzung seines eigenen, etwas exzentrischen Charakters und schätzt ihn als Rezipienten seiner deduktiven Schlüsse. Ein unverzichtbarer Sparringspartner, der die hellsichtigen Einfälle von Holmes beflügelt. Was würde die Service-Branche machen, wenn ein virtueller Assistent ähnliches leistet? Keine skriptgesteuerte Hotline-Fließband-Beratung, Abschied von der Warteschleife und personalisierte Beratung auf Profiniveau mit Gedächtnis. Könnten Bots das leisten?

13:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Michael O. Schmutzer, CEO, Design Offices
zum Thema: Wie New Work und Digitalisierung unsere Art zu Arbeiten verändern

14:00 Uhr: Wie sieht eine agile Organisation aus und kann das funktionieren?
Miriam Kamal-Specht (ms@yellow-frog.de), Dorothee Töreki (toereki@de.ibm.com), Arnd Layer (arnd.layer@de.ibm.com)

Klassische Formen der Unternehmensorganisation werden immer mehr als problematisch angesehen. Sie gelten als zu langsam, kostspielig und unfähig, sich schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Auf der anderen Seite stellen sie ein Korsett dar, das Stabilität und Haltung gibt. Agile Organisationen werden als Alternative gesehen. Ideen wie flache Hierarchien, iterative Ansätze, Design Thinking, DevOps und Holokratie sollen Unternehmen in Schwung bringen. In diesem Workshop wollen wir diesen Ideen auf den Grund gehen und herausfinden, ob und wie sie funktionieren. Gibt es Best Practices und wo liegen die Fallstricke? Beteiligen Sie sich an der Diskussion mit Ihren Fragen, Erfahrungen und Meinungen.

15:00 Uhr: Kollege Watson in der Personalabteilung – Praxisworkshop
Roger Haenggi, Karin Fuhry, Sven Semet (IBM)

Mit Analytics und künstlicher Intelligenz werden HR-Abteilungen zukünftig verstärkt Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen und das Top-Management zielsicher unterstützen. Holen Sie die Zukunft in die Gegenwart und erfahren Sie, welche neuen methodischen und technologischen Möglichkeiten Ihnen mit IBM Watson Talent im HR Alltag offenstehen. Wir befassen uns u.a. mit der Frage wie „ready“ Unternehmen für z.Bsp. People Analytics sind und wie HR Abteilungen in drei bis fünf Jahren aussehen werden.

15.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

Kleiner Eindruck vorab:

16:00 Uhr: Patientenorientierung in Digital HealthOpen Space-Roundtable mit Gerlinde Bendzuck von Deutsche Rheuma-Liga und Bart de Witte, IBM Director Digital Health DACH.

Digitale Gesundheitsanwendungen, ob Medizinprodukt oder Wellness und Lifestyle, digitale Hilfsmittel und digitale Krankheits-Managementprozesse werden sich nicht von selbst und über die Nachfrage in Richtung inklusiver und für viele zugänglicher und nutzbarer Produkte entwickeln. Daher brauchen wir unter systematischer Einbeziehung der Nutzerinnen und Nutzer einen neuen Usability-Diskurs.

Workshops/Roundtable in der Watson Work Lounge, Mittwoch, 10. Mai 2017
Moderation: Gunnar Sohn, Wirtschaftsblogger

11:00 Uhr: Achtsamkeit im digitalen Zeitalter
K. Helena Ernst & Anja Schlenk Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

So etwas wie die „10 Gebote der achtsamen Selbstführung im digitalen Zeitalter“ gibt es nicht! Wie aber lässt sich mit der Digitalisierung umgehen, ohne dass die als sehr individuell empfundene Lebensqualität leidet? Viele Menschen fürchten in der Informationsflut unterzugehen, wenn alle und jeder alles teilen. Es hilft, sich auf sich selbst, seine Stärken, seine Erfolge und nicht zuletzt auf die eigenen Werte zu besinnen, und diese als eine Art Geländer für das tägliche Handeln zu nutzen.

11:45 Uhr: „Auf einen Cappuccino“ mit Sven Semet, HR Thought Leader, IBM
zum Thema: Brauchen wir noch HR im Rahmen der Digitalisierung?

12:00 Uhr: Interaktive Session: Die Big Bang Content Show – Intuition gegen Verstand
Ralf Junge, Lead Content Strategy bei Aperto – An IBM Company & Dominik Multhaupt, Strategy Director bei Aperto – An IBM Company

Früher wollte jeder was mit Medien machen, heute macht jeder was mit Content. Die Praxis zeigt jedoch: nicht jeder ist dabei erfolgreich. Denn nicht jeder versteht Content als Service und damit als einen zentralen Teil der User Experience. Ob automatisiert oder mithilfe künstlicher Intelligenz oder für Plattformen – es braucht als Grundlage immer verlässliche Daten, strukturierte Analysen und einen Service-Design-Ansatz, der sich am Nutzer orientiert. Eben eine gute und fundierte Content Strategie. Man sollte meinen, in Zeiten von Big Data kein Problem, doch scheuen sich viele Unternehmen vor dem Einsatz von Daten – und verlassen sich lieber auf die Intuition. Die Session startet mit einer interaktiven Gameshow mit Beispielen für gute und schlechte strategische Ansätze. Im Anschluss werden Kriterien und Vorgehensweisen für eine Content Strategie – heute und auch in Zukunft – vorgestellt.

Infos zu Ralf Junge.

12.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

13:00 Uhr: Roundtable: Wie Maschinen mit hochentwickelten Kompetenzen die Wissensarbeit verändernOpen Space-Roundtable mit dem KI-Experten Stefan Holtel von Brightone und Gunnar Sohn.

James Watt erfand die Dampfmaschine im 17. Jahrhundert. Sie übertraf die menschliche Muskelkraft um ein Vielfaches. Niemand stellte sich vor, dass diese Erfindung massive Konsequenzen bringen würde: Die Dampfmaschine erhöhte die industrielle Produktion, führte zu gesellschaftlichen Umwälzungen und veränderte die politische Landschaft. Es gab keine historische Parallele über die Wirkung einer speziellen technischen Erfindung auf die Menschheit in so kurzer Zeit. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts könnten wir mit der Künstlichen Intelligenz eine ähnliche Dynamik erleben.

14:00 Uhr: Design Thinking Workshop auf der re:publica
Stéphane Rodet, Marion Brülls & Felix Herrmann, IBM

Was ist IBM Design Thinking? IBM Design Thinking umfasst Prinzipien, die helfen Bedürfnisse von Kunden und Nutzern zu erkennen, zu verstehen und auf große Teams und Projekte moderner digitaler Unternehmen zu skalieren. Kundenerlebnisse werden verbessert und Produkte und Dienstleistungen nutzerorientiert entwickelt. In einem interaktiven Workshop erhalten Sie Einblicke in IBM Design Thinking und erleben Methoden, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit praktizieren können.

14.45 Uhr: Das Kleid, das Stimmungen erkennt – das Cognitve Dress auf der re:publica

15:00 Uhr: Roundtable: KI, Big Data, Nudging und Verhaltenssteuerung durch Algorithmen: Brauchen wir eine Maschinen-Ethik? Netzökonomischer DiskursOpen Space-Roundtable mit dem Wirtschaftsblogger Gunnar Sohn

Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, ruft dazu auf, dem Credo des Philosophen Kant zu folgen: Aufklärung ist der Ausweg des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und die Unmündigkeit besteht bei vielen Menschen darin, sich nicht seines eigenen Verstandes und Wollens zu bedienen. Gefordert sei eine aufklärerische Algorithmen-Kompetenz.

Komplette Programm IBM HR Festival 2017 auf der re:publica am Dienstag, den 9. Mai (kostenlose Anmeldung).

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin 🙂

Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten

Virus, Frame oder Mem – hier geht es nicht um lustige Geschichten oder Anekdoten, es geht um die Orientierung der Menschen, die zu massiven Veränderungen der Volkswirtschaften führen können. Etwa die Story vom anarchischen Sillicon Valley, die in Wahrheit nur ein lauwarmer Hipster-Scheiß zur Rechtfertigung von unentgeltlich geleisteter Arbeit ist. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Philip Mirowski sei das eine der wirksamsten Erzählungen zur Simulation von Rebellion. Man erzeugt eine blumige Fata Morgana, um den Menschen das Gefühl eines vollständigen Ausstiegs aus dem Marktsystem zu geben, um dieses Gefühl dann für Marktprozesse in Dienst zu nehmen.

Das Aufbegehren gegen das kapitalistische Establishment mit einer frechen Hacker-Kultur ist ein gigantisches Täuschungsmanöver. Dieses eigentümliche Hybrid aus freiwilliger unbezahlter Arbeit, hierarchischer Kontrolle und Kennzahlen-Orientierung in den Silicon Valley-Konzernen sowie kapitalistischer Aneignung sei in der gegenwärtigen Ära der Netzökonomie so vorherrschend geworden, dass manche darin eine neuartige Wirtschaftsordnung sehen. Der freiwillige Verzicht auf die Vergütung wertvoller Leistungen sorgt für satte Renditen bei den kalifornischen Technologie-Champions. Man bekommt als Gegenleistung das vage Versprechen, „Reichweite“ zu ernten und Netzwerke knüpfen zu können.

„Für weniger als einen Hungerlohn erfüllen überqualifizierte Bittsteller die niedrigsten Aufgaben“, moniert Mirowski.

Drei Tage Personalchef im Rendite-Imperium der Samwer-Brüder

Das färbt auch auf die traditionelle Wirtschaft ab. Man baut auf die Freelancer-Ökonomie und lässt die Freiberufler im Geist der Selbstbestimmung und Freiheit mit mickrigen Honoraren vor die Wand laufen. Hauptsache, alle haben ein gutes Gefühl im Duz-Modus.

In meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten empfehle ich, diesen Teil der Geschichte neu zu erzählen. Etwa über den Haudrauf-Unternehmer Oliver Samwer, der sogar sterben würde, um zu gewinnen. Think big hat er seinen Leuten als Losung aufgegeben. Execution now, lautet einer seiner Lieblingsbefehle. Da hilft nur weglaufen und den Mittelfinger zeigen:

„Mir widerfuhr die traurige Ehre, dass ich nur drei Tage Personalchef von Groupon war und mit den Samwer-Brüdern zusammen gearbeitet habe, bis ich mich mit einem dieser Typen so anlegte, dass ich in der Mittagspause gegangen bin“, erläutert Heiko Fischer von Resourceful Humans.

Jungunternehmer-Pornohefte feiern Vulgärkapitalisten

Den Führungsstil solcher Karrieristen müsse man aufbrechen. Nicht nur das. Man muss ihnen in der Öffentlichkeit die Leviten lesen und sie entlarven. Etwa die Geschichten im Jungunternehmer-Pornoheft Business Punk, in dem die neue Unanständigkeit gefeiert und Arschlöcher wie Uber-Gründer Travis Kalanick abgejubelt werden. Es ist ja auch abgefahren, wenn jemand Gesetze für sinnlos hält, Steuerhinterziehung predigt und staatliche Regeln mit exterritorialen Insel-Pseudostaaten aushebeln will.

Öffentliche Kontrolle, anstrengende und zeitraubende Gesetzgebungsverfahren stören die Business Punker. Als Ergebnis bekommen wir repressive Toleranz, wie es Herbert Marcuse formulierte. Repräsentiert von Vulgär-Kapitalisten wie Donald Trump. Antidemokratische Systemzersetzung im Geiste egozentrischer Machtspiele á la Peter Thiel.

Auch das ist Teil der narrativen Ökonomie, die man endlich öffentlich und ohne Schongang debattieren sollte.

Wäre wünschenswert: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – mehr als Buzzwords

Über den Modell-Platonismus von Beratern und Wissenschaftlern #NewWork ##NewWork17 #Dorfcamp

Winfried Felser startet eine Blogparade unter dem Hashtag #NewWork17

Im Gefolge des Werturteilstreits Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Mehrheit der Ökonomen der Ansicht angeschlossen, die Wirtschaftswissenschaften hätten nicht über die Ziele des Wirtschaftens zu befinden, sondern dienten allein einer Aufklärung über den intelligentesten Gebrauch knapper Mittel. Aber schon diese Reduktion ist ein Werturteil. Etwa die Anwendung des Ökonomismus auf alle Lebensbereiche, von Schule bis Medizin. Wir werden ausschließlich als Kunden betrachtet, als Objekt der Begierden. Man merkt es an der Unternehmenskommunikation, die darauf ausgelegt ist, uns mit weltweit führenden Wortblähungen an der Nase herumzuführen. Wir werden mit wohlklingenden Versprechungen umworben, also mit Angeberei und haltlosen Behauptungen. Und das führt zu einer fatalen Schieflage:

„In einer Gesellschaft, in der alle öffentlichen Räume von Botschaften überflutet werden, die im Konsumieren die Antwort auf alle Lebensfragen versprechen, hat es ein an Wahrhaftigkeit ausgerichteter Diskurs um das gute Leben schwer. Dies untergräbt die kulturellen Voraussetzungen moralischer und politischer Autonomie“, kritisiert Professor Claus Dierksmeier vom Weltethos-Institut.

Dierksmeier plädiert für einen qualitativen Liberalismus in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen. Pseudo-Liberale, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheiten ausbreiten, demontieren die Freiheit- und Bürgerrechte. Wer anderen vorschreibt, Freiheit sei allein quantitativ zu verstehen, also als Maximierung von Erträgen, Nutzen, Profiten und Einkommen, der verstößt selber gegen jene von Liberalen hochgehaltene Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung.

Das Bekenntnis zu einer normativ und qualitativ ausgerichteten Ökonomik bedeutet allerdings nicht, sich von einer empirischen Sozialforschung zu verabschieden. Wir sollten Indikatoren in den Blick nehmen, die als belastbarer Maßstab für das gute Leben in Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert werden können. Ohne Empirie ersticken wir in einem Meinungsbrei.

Das gilt für Wissenschaftler, für Politiker, Organisationsberater und auch für jene, die sich als New Work-Vordenker verdingen. Im „Traktat über kritische Vernunft“ beschreibt der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert die Grundlagen für eine empirisch begründete Wissenschaft. Aussagen über eine noch so komplexe Ökonomik – ob nun auf dem Niveau einer einzelnen Organisation oder einer ganzen Volkswirtschaft – dürfen sich nicht einer Prüfung durch die Wirklichkeit entziehen. Alles andere sei Modell-Platonismus. Es werden schlichtweg logische Strukturen konstruiert. Theorien, Modelle oder Gesetze, die weder vorläufig noch endgültig an der Erfahrung scheitern können, haben keinen Erklärungswert und damit auch keine prognostische Bedeutung.

„Es sind hypothesenlose Theorien, auch wenn ihre Formulierung geeignet ist, ihre empirische Gehaltlosigkeit zu verschleiern“, schreibt Albert.

Ob es nun um eine eindeutige Widerlegung geht oder die Wahrscheinlichkeit als Kriterium für die Gültigkeit einer These herangezogen wird, ist dabei zweitrangig. Wichtig im kritischen Diskurs ist es, sich von der Immunisierungsstrategie gegen empirische Einsichten nicht in die Irre führen zu lassen. Das gilt für die Ökonomik und auch für politische Debatten über New Work, Digitalisierung und sonstige Mode-Themen, die uns auf Kongressen, Seminaren, Workshops und Facebook-Seiten präsentiert werden. Am Beispiel der New Work-Bewegung habe ich das in meiner aktuellen Netzpiloten-Kolumne durchleuchtet.

So unternehmen angeblich viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen bei mageren 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Rechnet man die 85 Prozent Unzufriedenen auf die erwerbstätige Bevölkerung hoch, sind das rund 30 Millionen Menschen. Und dieser Wert hat sich seit dem Start des Index vor 17 Jahren kaum verändert. Der Anteil der Zufriedenen lag damals bei 16 Prozent.

Beim deutschlandweit ersten Dorfcamp ist das intensiv mit Ute Schulze, Mike Schnoor, Tim Ebner und Christian Bartels in einer Session unter dem Thema „New Work – Mehr Schein als Sein“ diskutiert worden.

Resümee: Menschen müssen sich in der Dienstleistungs- und Netzökonomie besser organisieren. In der industriellen Revolution ist das durch Arbeitervereine und Gewerkschaften geschehen. Und durch Unternehmer wie Ernst Abbé (1840-1905), die sich als mutige Reformer in Szene setzten. Abbé brachte Ende des 19. Jahrhunderts (!) betriebliche Sozialleistungen auf den Weg, die der staatlichen Sozialgesetzgebung um Jahrzehnte voraus waren: darunter feste Mindesteinkommen, Neunstundentag, Urlaubsanspruch, Krankengeld, Invaliditäts- und Altersversorgung, Arbeitervertretungen und Beteiligung der Belegschaft am Unternehmenserfolg (nachzulesen im Opus „Heranführung an die Betriebswirtschaftslehre“ von Professor Reinhard Pfriem).

Die zersplitterte und hoch moderne Arbeitswelt unserer Tage hat den Organisationsgrad der Beschäftigten dramatisch reduziert. An die Stelle von wirklichen Reformen in der Arbeitswelt treten Placebo-Maßnahmen wie kollektives Duzen im Unternehmen, krawattenlose CEOs, Obstkörbe, Kicker-Tische und Carrera-Bahnen. Mike Schnoor verwies auf die schlechten Bedingungen in der Startup-Szene und in Agenturen. Als Indikator für diese These könnte die Zahl der Betriebsräte in solchen Unternehmen herangezogen werden. Sie wird wohl erschütternd niedrig ausfallen. Bei den sogenannten Leiharbeitern und den Beschäftigten auf Abruf werden die Ergebnisse auch nicht besser abschneiden. Über diese Indikatoren sollten wir reden und nicht über nette Absichten, Kuschel-Wuschel-Postings im Social Web und nicht überprüfbare Behauptungen.

Dieser Beitrag ist doch vielleicht ein geeigneter Start zur Blogparade #NewWork17, die von Winfried Felser angeregt wurde mit Blick auf seine Veröffentlichung in der Huffington Post.

Siehe auch:

Noch 50 Jahre Macho-Management #SowjetischesControlling