Eine #DigitalX Hitliste 2021: @DFKI @Habbel @almucra @Breitseiten @schuellerstats @a_jesch @Schimmelfeder @Leopom @JAlthaller @GuidoZander @BCG_Germany

Ein paar Themen, die nach wie vor gut laufen:

Warum nutzen wir den durch die Corona-Krise entstanden Aufbruch nicht für mehr und treiben die europäische Digitalisierung voran beim Wechsel von der Dienstleistungs- zur Algorithmen-Gesellschaft? Wie muss sich die Wirtschaftsförderung neu ausrichten? Welchen Nutzen hat Open Data für die digitale Souveränität? Diese Fragen erörterten wir im DigitalXStudio mit Franz-Reinhard Habbel. Sein Credo: „Nutzen wir den Innovationsschwung als positive Lehre aus der Corona-Pandemie.“ Habbel arbeitete bis 2017 als Sprecher und Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Heute ist er als Publizist und Autor tätig und Gründer des KOMMUNAL.HUB. 

Wie sieht eine zukunftsfähige Wirtschaft aus? Welche Strategien und Geschäftsmodelle sind auch in fünf, zehn oder mehr Jahren erfolgreich? Antworten von Almut Rademacher. Sie leitet den Verein „owl maschinenbau“, das Netzwerk des Maschinenbauclusters in Ostwestfalen-Lippe. Über 220 Unternehmen, Startups und große Konzerne arbeiten seit 18 Jahren vertrauensvoll im Netzwerk zusammen.

Die Zahl an Förderprogrammen für Unternehmen ist kaum zu übersehen. KMUs sollten sich damit mehr beschäftigen. Jede Förderung ist eine Investition in die Zukunft.

Aber: Die Beantragung von Fördergeldern geht nicht ohne einen gewissen Zeitaufwand über die Bühne – bei offenem Ergebnis. Zunächst wirken kommunizierte einstellige Erfolgsquoten abschreckend. Andererseits liest man von Fördermaßnahmen, bei denen 80 bis 90 Prozent der Anträge erfolgreich waren. Natürlich wären Angaben über die Ablehnungen in der Breite der Förderprogramme wünschenswert, sie liegen aber derzeit nicht vor:

„Daher bleibt nur die Empfehlung, nachhaltig und genau zu arbeiten, um die wirklich passenden Programme zu identifizieren. Eine vorteilhafte Kosten-Nutzen-Relation sollte letztlich dem Existenzgründer, Unternehmer oder CFO beschieden sein, der die Fördergeldbeantragung als Marathon betrachtet – auf Basis eines stetig zu aktualisierenden Grundschemas“, Dr. Thomas Jesch, Autor des Buches „Die Fördergeld-Strategie 2021“.

Ein Punkt ist dabei sehr wichtig: Fördergelder weisen leider keine Statik auf. Sie werden ständig angepasst, gestrichen, ersetzt oder neu erfunden. 70 bis 80 Prozent der entsprechenden Programme dürften zeitlich befristet sein. Der erste Schritt der Skizzierung einer individuellen Fördergeld-Strategie bringt das Thema auf den Radar. Irgendwann stellt sich aber die Frage, auf welcher Hierarchiestufe das Thema weiterbearbeitet werden soll, wenn eine interne Lösung angestrebt wird. Externer Rat kann für KMUs wichtig sein, um maßgeschneiderte Konzepte zu bekommen.

Was man dabei beachten muss, schilderten Dr. Thomas Jesch (Jurist und Fördergeldexperte) und Benjamin Springub (Head of Operating Office & Internal Communication Deutsche Telekom) im Livetalk von DigitalXAdhoc. 

Über das Buch “Aufbruch in die digitale Dimension: Wie zehn Jahre Social Media die Businesskommunikation verändert haben” sprach Gunnar mit den beiden Autorinnen Jacqueline Althaller und Meike Leopold. Zu Beginn ihrer Existenz wurden soziale Medien in vielen Ländern, aber vor allem in Deutschland, belächelt. Mit der Zeit entwickelten sich diese Kanäle aber zu den wichtigsten digitalen Kommunikationskanälen, über die wir uns heute weltweit mit anderen Menschen, Marken und Unternehmen austauschen. 

Zahlreiche Unternehmen wissen mittlerweile, wie Kanäle wie LinkedIn, Instagram oder Facebook mithilfe einer Social-Media-Strategie erfolgreich bespielt werden. Genauso viele Firmen tun sich aber damit schwer, neue Social-Media-Kanäle wie TikTok oder Snapchat für sich zu nutzen und auf diesen Plattformen mit Inhalten zu experimentieren.

Ist den wirtschaftspolitischen Protagonisten, den Fachbeamten, Wirtschaftsweisen und generell der Ökonomenzunft eigentlich bekannt, das die wichtigsten Regeln zum Arbeitsmarkt bereits 1924 festgelegt wurden und seit dieser Zeit immer noch Gültigkeit besitzen. Nachzulesen bei Guido Zander und Burkhard Scherf in ihrem neuen Opus „NEW WORKforce Management: Arbeitszeit und Personaleinsatzplanung human, wirtschaftlich und kundenorientiert“. Wichtigste Punkte: Die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten, eine ungleichmäßige Verteilung der Arbeitszeit über die Arbeitstage ist möglich (damit werden Zeitkonten ermöglicht), die bis heute geltende Obergrenze von zehn Arbeitsstunden pro Tag wird festgelegt, ebenso die Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen. Für Mehrarbeit wurde ein Zuschlag von 25 Prozent als angemessen definiert, wenn an mehr als 30 Tagen Mehrarbeit eingefordert wurde. Die Acht-Stunden-Regelung von 1918 wird hier also etwas aufgeweicht. Den Ansprüchen an eine netzökonomische Entwicklung der Volkswirtschaft kann die Arbeitszeitordnung aus der Weimarer Republik nicht mehr gerecht werden. Das gilt nicht nur für die Arbeitsmarktpolitik, wie Guido Zander bemerkt:

In der „Initiative Digitale Bildung“ von der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der KI-Campus die Anwendungen, Stadt-Land-Datenfluss ins Leben gerufen. Ziel: Datenkompetenzen in der Gesellschaft etablieren.

„Daten gelten als eine der wichtigsten Ressourcen und wir brauchen Data Literacy, damit aus ihnen etwas Gutes entsteht“, so Katharina Schüller (STAT-UP) im DigitalXStudio. „Es war eine große Herausforderung, ein so komplexes Konstrukt wie die Schlüsselkompetenz Data Literacy möglichst umfassend abzubilden, ohne damit die Nutzerinnen und Nutzer zu überfordern.“

Wichtig seien dabei die Leitfragen: „Wie lernt man aus Daten?“ oder „Was bedeuten Informationen im Kontext?“. Zudem gehe es um ein kritisches Bewusstsein im Umgang mit Daten. Zudem gehe das Curriculum auf verschiedene Treiber und Technologien der Digitalisierung ein, wie Künstliche Intelligenz oder Big Data, und Lektionen auf einer Grundstufe für Protagonisten mit oder ohne Vorkenntnisse. Siehe dazu das Interview mit Katharina Schüller:

Welche Branchen sind förderfähig? Welche Investitionen von Unternehmen werden gefördert? Sollte man gerade jetzt, also in der Corona-Krise Fördermittel beantragen? In welchen Unternehmensphasen sollte man Fördermittel reinholen? Was macht Fördermittel für KMUs attraktiv? Bekommen eher Großunternehmen Fördermittel?

Wir kennen den Fall, dass ein Unternehmen Zuschüsse für eine Maschine beantragt hat. Bis diese bewilligt wurden, war die Maschine, für das die Fördermittel beantragt wurden, schon nicht mehr lieferfähig. Wie kann man solche Probleme umgehen? Was hätte man besser machen können?

Wo liegen die Fördermittelschwerpunkte in Deutschland? Wie wird das Thema Digitalisierung für Unternehmen gefördert? Wie wird das Thema „Nachhaltigkeit“ mit Fördermitteln berücksichtigt? Gibt es Zuschüsse für Unternehmen, die neue Produkte entwickeln? Was können Unternehmen mit den Zuschüssen umsetzen? Welche Projekte? Woher kommt das Geld, wer ist Hauptgeber?

All das beantwortete Kai Schimmelfeder „Mr. Fördermittel“.

Die veralteten, bürokratischen Strukturen in den IT Referaten der Städte, die sich für die IT technische Ausstattung von Schulen verantwortlich zeichnen, sind nur unzureichend in der Lage, das Thema Digitalunterricht nach vorne zu bringen: „Es werden Formblätter zur Beantragung von WLAN in Schulen erstellt, komplexe Systemlandschaften aus pädagogischen- und Verwaltungsnetzwerken aufgebaut und monatelange Evaluierungsprozesse zur Anschaffung von Software durchgeführt. Im Anschluss sollen die Lösungen durch städtische IT Dienstleister in der Breite ausgerollt werden. Dieser Ansatz skaliert jedoch nicht bei über 30.000 Schulen in Deutschland“, kritisiert Tilman Buchner von der Boston Consulting Group.

Parallel wächst der Druck aus der Elternschaft und bei den Schülern, die neue Lösungen und Konzepte einfordern, da der aktuelle Zustand für viele Familien und insbesondere Alleinerziehende nicht haltbar ist.

„Die Schulleitungen sind oft sehr bemüht, allerdings sind ihnen die Hände gebunden, da ihr Dienstherr ihnen nicht einmal Administrationsrechte am Schulinventar einräumt. So kann die digitale Transformation von Schule nicht funktionieren. Wir brauchen ein alternatives Vorgehen“, fordert Buchner.

Die Lösung liege in der Cloud: Die notwendigen Technologien zur Digitalisierung von Schule seien grundsätzlich vorhanden. Die Politik müsse jetzt endlich umdenken. „Alle Herausforderungen können mittels moderner Cloud Services gelöst werden. Microsoft Office365 ist ein gutes Beispiel, um den Wandel in der IT nachzuvollziehen. Mussten früher auf jedem Arbeitsplatzrechner Office Anwendungen durch Systemadministratoren installiert und ein komplexes Rechte-Management für Benutzer, Geräte und Dienste auf einem lokalen Server konfiguriert werden, so läuft die neueste Version von Office365 dank moderner Web Technologien vollständig in der Cloud“, erläutert Buchner. 

„Europa braucht im Wettbewerb mit China und den USA ein eigenes Innovationsökosystem. Gründer wollen spannende Kontakte, nicht nur Geld. Kluge Talente brauchen Alliierte in der Sache, nicht nur Personal. Geld braucht Visionen. Europa hat dabei einen Vorteil: ökonomische Diversität. Und einen Nachteil: regionale Streuung und nationale Egoismen. Wir werden so ein Ökosystem physisch niemals hinbekommen. So etwas funktioniert nur digital, mit einem europäischen Curriculum für Talente und wenige, eng verwobene Leuchttürme.“:

Wie ein europäisches Innovationsökosystem gelingen kann, diskutierten wir mit Marco-Alexander Breit, Leiter Stabstelle Künstliche Intelligenz im Bundeswirtschaftsministerium. 

Das ist nur eine kleine Auswahl an Top-Storys 2021.

Diese Geschichte liegt mir sehr am Herzen:

https://www.digital-x.eu/de/magazin/artikel/dx-redaktion/spracherkennung-ki

Selbst für kurze Arbeitswege nutzen Berufstätige das Auto: So wird das nichts mit der Verkehrswende

Berufspendlerinnen und -pendler setzen auch für kurze Arbeitswege vor allem auf das Auto. Das dokumentiert das Statistische Bundesamt. 2020 gaben 40 Prozent von ihnen an, für Strecken unter 5 Kilometern normalerweise das Auto zu nutzen. Für Strecken von 5 bis unter 10 Kilometern lag der Anteil der Pkw-Fahrenden mit 69 Prozent noch deutlich höher.

Auch der öffentliche Personennahverkehr wird für kurze Arbeitswege vergleichsweise selten genutzt: Mit Bus, Bahn oder Tram waren auf Strecken unter 5 Kilometern lediglich 8 Prozent der Pendlerinnen und -pendler unterwegs; auf Arbeitswegen von 5 bis unter 10 Kilometern waren es 18 Prozent.

Fast die Hälfte aller Berufspendlerinnen und -pendler (48 Prozent) hat nach eigenen Angaben weniger als 10 Kilometer zum Arbeitsplatz zurückzulegen. Für 27 Prozent ist der Arbeitsplatz sogar weniger als 5 Kilometer entfernt.

Methodischer Hinweis:

Bei den Daten zum Pendlerverhalten handelt es sich um Erstergebnisse des Mikrozensus 2020. Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neugestaltet. Ausführliche Informationen zu den Änderungen sowie den Auswirkungen der Neugestaltung und der Corona-Krise auf den Mikrozensus 2020 sind auf einer eigens eingerichteten Themenseite verfügbar.

3000 Kilometer durch Europa

Insgesamt fahren 70 Prozent der Berufspendler mit dem Auto zur Arbeit, versauern selbst auf kurze Strecken im Stau (versucht mal von Bonn-Duisdorf nach Godesberg mit dem Auto über die Reuterstraße zu fahren) , belasten die Umwelt und ärgern sich über den Verlust an Lebensqualität. Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW. Jeder nicht mit dem PKW gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier. Und kommt mir hier jetzt nicht mit Elektroautos.

Fünf Kilometer schaffe ich sogar mit dem Bobby Car.

Dieses Verkehrsverhalten ist übrigens ein weiterer Indikator für die ökologischen Lippenbekenntnisse ohne Veränderungen der Realität.

Siehe auch:

Die Belegschaft ist der Chef? #ZPSpätschicht @ZP_Universe @EWE_AG @DrLutzBecker1 @luebbermann

Keine Verträge, keine Hierarchie, Einheitslohn, kein Streben nach Gewinn. In der demokratisch geführten Firma von Uwe Lübbermann (Geschäftsführer Premium Cola) werden die Grundprinzipien von Unternehmensstrategien einfach auf den Kopf gestellt. Ob das eine Lösung ist, die auch in der Energiebranche und großen Unternehmen umsetzbar ist, diskutierten wir mit Marion Rövekamp (Vorständin Personal & Recht, EWE AG), Professor Lutz Becker (Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership) und Uwe Lübbermann (Geschäftsführer, Premium Cola). Die #ZPSpätschicht erfreut sich großer Aufmerksamkeit 🙂

Snippets der Runde:

Utopien als Spielwiese für unser Denken: Buchneuerscheinung #KönigVonDeutschland

Was würdest du machen, wenn du König von Deutschland wärst? Buchneuerscheinung mit utopischen Gesprächen Bonn/Solingen “Das alles, und noch viel mehr, würd’ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär’” räsonierte einst der „Ton Steine Scherben”-Frontmann Rio Reiser (1959-1996). „Uns reizt der anarchistische Unterton dieser Zeile und das im Liedtext vermittelte Gefühl, dass alles doch ganz anders sein könnte, wenn man nur wollte. Es ist dieser Spiegel, den uns Rio Reiser immer wieder vor die Nase gehalten hat. Deshalb wurde diese Zeile Initialzündung des Projektes #KönigVonDeutschland, das zuerst in Form eines Podcast erschien, nun aber aktualisiert und überarbeitet als Buch vorliegt“, so die Herausgeber Lutz Becker und Gunnar Sohn.

Die Utopie beschreibt, um mit Reinhard Pfriem zu sprechen, „kein Land nirgendwo“. „Wir warnen auf unserem Beipackzettel ausdrücklich davor, Utopien als etwas zu betrachten, das man mit allen Mitteln auch umsetzen muss. Im Gegenteil: Eine Utopie soll bleiben, wo sie hingehört, an einem Ort im Nirgendwo. Die Geschichte der Futuristen und anderer ideologischer Gemeinschaften hat gezeigt, dass eine Utopie, die zur Maxime wird, in der bitteren Konsequenz allzu leicht zu Faschismus, Unterdrückung und Gewalt führt. Der Weg in die Hölle ist nicht selten mit guten Absichten gepflastert. Deshalb sollten wir Utopien ausschließlich als Spielwiese für unser Denken betrachten. Nicht mehr und nicht weniger. Wir finden es jedenfalls wie Harald Welzer einfach cool, Utopien zu entwickeln, denn wir brauchen etwas, worauf wir uns freuen können“, so Becker und Sohn.

Die Beiträge des Bandes reichen vom Neoliberalismus im Weltall bis zur Schwarm-Mobilität im Verkehr mit autonom gesteuerten Fahrzeugen. Szenarien für die Zukunft kommen vom Höhlenforscher und Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke, vom Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, von der Netzaktivistin Marina Weisband und der Slow-Media-Expertin Sabria David, vom Öko-Unternehmer Jörg Heynkes, von Zukunftsforschern wie Sven Gábor Jánszky und Klaus Burmeister, kritischen Ökonomen und Soziologen wie Reinhard Pfriem, André Reichel, Frank H. Witt und Dirk Helbing, vom kanadischen Techno-Utopisten Chris Smedley, von der Dramaturgin und Autorin Uta Atzpodien und Utopiestadt-Mitgründer Christian Hampe, vom Historiker Torsten Kathke und vom Germanisten Hans Esselborn.

Das Buch können wir gerne in gedruckter Form und/oder als pdf zuschicken. Die Autoren stehen auch gerne für Interviews zur Verfügung.Kontakt: Gunnar Sohn, 0177-6204474; gunnareriksohn@gmail.comVerlag: https://klingen-verlag.de/produkt/koenig-von-deutschland/

Das alles, und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär

Nun gehet hin und bestellet das königliche Opus im Klingen-Verlag 🙂 https://klingen-verlag.de/produkt/koenig-von-deutschland/

“Das alles, und noch viel mehr | würd’ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär’” räsonierte einst der „Ton Steine Scherben”-Frontmann Rio Reiser (1959- 1996). Uns reizt der anarchische Unterton dieser Zeile und das im Liedtext vermittelte Gefühl, dass alles doch ganz anders sein könnte, wenn man nur wollte. Es ist dieser Spiegel, den uns Rio Reiser immer wieder vor die Nase gehalten hat: Warum eigentlich? Deshalb wurde diese Zeile Initialzündung des Projektes #KönigVonDeutschland, das zuerst in Form eines Podcast erschien, nun aber aktualisiert und überarbeitet als Buch vorliegt.

Die Utopie beschreibt, um mit Reinhard Pfriem zu sprechen, „kein Land nirgendwo“. Und um es vorweg zu nehmen: Wir warnen auf unserem Beipackzettel ausdrücklich davor, Utopien als etwas zu betrachten, das man mit allen Mitteln auch umsetzen muss. Im Gegenteil: Eine Utopie soll bleiben, wo sie hingehört, an einem Ort im Nirgendwo. Die Geschichte der Futuristen und anderer ideologischer Kollateralschäden haben gezeigt, dass eine Utopie, die zur Maxime wird, in der bitteren Konsequenz allzu leicht zu Faschismus, Unterdrückung und Gewalt führt. Der Weg in die Hölle ist nicht selten mit guten Absichten gepflastert. Deshalb sollten wir Utopien ausschließlich als Spielwiese für unser Denken betrachten. Nicht mehr und nicht weniger. Wir finden es jedenfalls wie Harald Welzer einfach cool, Utopien zu entwickeln, „denn wir brauchen etwas, worauf wir uns freuen können.”

1526 war es der Staatsmann Thomas Morus (1478-1535), der den Begriff der Utopie (griech: oú + tópos, Nicht-Ort) prägte. In seinem Roman „De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia“ (Vom besten Zustand des Staates oder von der neuen Insel Utopia) skizzierte er nicht nur ein vermeintlich ideales Staatsgebilde, sondern es ging ihm vor allem darum, seinen Zeitgenossen ein kritisches Spiegelbild vorzuhalten. Eine Kritik, die ihm nicht nur Freunde bescherte.

Eine Utopie ist Blaupause eines positiven Zustandes in der Zukunft. Sie pointiert den Unterschied zum Hier und Jetzt. Sie stellt die entscheidende Frage, ob nicht alles ganz anders sein kann. So werden Utopien im Idealfall zu Verhandlungsräumen, in der normative, politische und strategische Fragen unabhängig von unmittelbaren Betroffenheiten ausgehandelt werden können.

In der Praxis schlägt die Utopie die Brücke zur Innovation. Sie kann als Projektionsfläche für zukunftsorientierte Politikgestaltung oder als Framework für strategische Entscheidungen im Management dienen, indem sie zu verstehen hilft, welche Entscheidungen getroffen werden müssen, um wünschenswerte Zukünfte zu erreichen.

Leider wird vielfach nicht weitergedacht im Sinne von Reiser: Es gibt eine gute Analyse von Oliver Nachtwey in seinem Buch „Die Abstiegsgesellschaft“. Dort stellt er sich zum Schluss selbst eine rhetorische Frage: Wie kann man die Idee des guten Lebens mit einer Wirtschaft verbinden, die demokratisch gesellschaftlich gesteuert wird, ohne alles autoritär zu steuern oder zu bevormunden – ohne in den Hausmeister-Modus zu fallen. Eine super-spannende Frage.

Folgende Interviews haben wir geführt:

Wer ein Exemplar zur Rezension erhalten möchte, kann mich einfach via E-Mail kontaktieren: gunnareriksohn@gmail.com oder 0177-6204474.

Auf der Next Economy Open am Donnerstag, den 2. Dezember gibt es eine erste Präsentation des Werkes: