@katjadoerner neue Oberbürgermeisterin in Bonn: Ein Wahlsieg für die Geschichtsbücher

Wahlkampf auf dem Bonner Münsterplatz

So überraschend der Wahlsieg von Katja Dörner in der Stichwahl um das OB-Amt in Bonn auch ist, so überschaubar überraschend ist der Kommentar von Andreas Baumann im General Anzeiger: „Die Sensation ist perfekt. Katja Dörner wird die erste grüne Oberbürgermeisterin der ehemaligen Bundeshauptstadt, und Bonn rückt kommunalpolitisch nach links. Mit überraschend großem Vorsprung hat die Noch-Bundestagsabgeordnete trotz fehlender Verwaltungserfahrung den CDU-Mann Ashok Sridharan geschlagen, der die Wähler mit seiner Amtsführung seit 2015 nicht überzeugen konnte. Im Stichwahlkampf auf eine Angst-Kampagne gegen ein Linksbündnis im Stadtrat zu setzen, hat sich für Sridharan nicht ausgezahlt.“ Und dann schreibt Baumann am Schluss seines Beitrags: „Autofahrer müssen sich in Bonn auf schwierige Zeiten einstellen.“

Oh je, Meister Baumann. Ist wirklich links gewählt worden und müssen sich Autofahrer jetzt auf schwierige Zeiten einstellen? Die Bonner Stadtgesellschaft hat einfach die Nase voll von der autozentrierten Politik und den wenig ambitionierten Zielen in der Verkehrswende, in der Klimapolitik und bei der Schaffung eines vorbildlichen Radwegenetzes.

Baumann braucht nur mit dem Rad oder der Bahn nach Maastricht oder Flandern fahren, um zu erkennen, wie man Ökonomie und Ökologie verbinden kann. Auf meiner 3000 Kilometer langen Europatour mit dem E-Bike habe ich ja einige positive Beispiele in meinen Tagebuch-Notizen aufgezeigt.

Knapp 70 Prozent der Berufspendler fahren mit dem Auto zur Arbeit, versauern im Stau, belasten die Umwelt und ärgern sich über den Verlust an Lebensqualität. Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW und ist damit der niedrigste aller Fahrtzwecke. Jeder nicht gefahrene Kilometer, lieber Herr Baumann, entlastet den Verkehr, senkt die Emissionen von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier.

Ich selbst habe 2019 mein Auto abgeschafft und kaufe mir auch kein E-Auto, das im gleichen Stau wie die Verbrenner steht. Im Schnitt legen wir in Deutschland 16 Kilometer zum Arbeitsplatz zurück. 20 bis 32 Kilometer pro Tag können wir auch mit dem E-Bike bewältigen – ohne ins Schwitzen zu kommen. In einer Stadt wie Bonn sollten wir in der Lage sein, Arbeit und Verkehr intelligenter zu organisieren. Ich selbst fahre mit dem E-Bike auch nach Köln, um dort meine Vorlesungen zu absolvieren (also in Vor-Corona-Zeiten).

Die autofreie Innenstadt in Bonn ist machbar und würde die Urbanität beflügeln wie in Kopenhagen, Houten oder Madrid. Etwa am Hauptbahnhof oder am Bertha-von-Suttner-Platz.

Zudem sollten wir als Sitz des UN-Klimasekretariats zur Avantgarde einer modernen Öko-Metropole aufsteigen, die diesen Namen auch verdient. Katja Dörner hat in ihren Wahlkampfreden diese Aspekte betont. Etwa beim Ausbau der Photovoltaik. Nur 2,2 Prozent der Dächer in Bonn werden für diesen Zweck genutzt. Damit rangieren wir auf Platz 253 von rund 280 Kommunen in NRW. Das ist mehr als peinlich.

Interessant ist auch das Klima-Investitionspaket von Katja Dörner, das Aufträge für klein- und mittelständische Unternehmen in Gang setzen soll.

Insgesamt ist der Wahlsieg von Dörner ein Ereignis für die Geschichtsbücher: Bislang waren nur männliche Kandidaten der Grünen bei OB-Wahlen erfolgreich. Zudem konnten die Grünen das erste Mal die CDU als stärkste Fraktion im Stadtrat ablösen. „Seit Gründung der Bundesrepublik ist es das erste Mal, dass eine andere Farbe die Mehrheit im Stadtrat bildet“, so Dörner auf dem Bonner Münsterplatz.

Wir können also gespannt sein, wie Bonn sich in den nächsten fünf Jahren entwickelt. Auch Autofahrer sollten da nicht allzu ängstlich sein. Die Verkehrswende tut gar nicht weh und stärkt gar das Immunsystem bei jeder Radtour.

Hier übrigens das Ergebnis in dem Wahllokal, in dem ich abgestimmt habe:

DEFA-Film über den revolutionären Beethoven #BTHVN2020 #Filmfest

Die Episoden aus dem Leben und Schaffen des auf der Höhe seines Ruhmes stehenden Komponisten umfassen die Jahre 1813 bis 1819 in Wien. Beethovens sinfonisches Werk „Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria“ wird vom Publikum begeistert aufgenommen. Seine Lebensverhältnisse aber sind eher bescheiden und bedrückend. Ständiger Geldmangel, Streit mit der Haushälterin , Bevormundung durch die beiden Brüder Johann und Karl, Bespitzelung wegen seiner demokratischen Gesinnung, zunehmende Taubheit. 

„Die Kritik am Kaisertum Österreich als Überwachungsstaat ist eine interessante Facette dieser Filmproduktion der Deutschen Demokratischen Republik, in der das Tun und Lassen jeder Person unter staatlicher Bewachung stand“, so die Filmfest-Kuratorin Dr. Ingrid Bodsch.

Es könnte natürlich auch eine ironische Spiegelung der Verhältnisse im Arbeiter-und-Bauer-Staat sein, da der Schriftsteller Günter Kunert am Drehbuch mitarbeitete. Die tragische Ironie dieses Vorhabens
offenbarte sich wenige Wochen nach der Uraufführung des Films mit der Ausweisung Wolf Biermanns.
Und der Drehbuchautor Kunert wiederum zählte 1976 zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung von Biermann. „Daraufhin wurde ihm 1977 die SED-Mitgliedschaft entzogen. 1979 ermöglichte Kunert ein mehrjähriges Visum das Verlassen der DDR.“

Insgesamt ist der Beethoven-Film eine moderne und schauspielerisch glänzend besetzte Produktion. Etwa Renate Richter als Josephine Brunswiek oder Rolf Hoppe als Schuppanzig.

Die Szene am Schluss ist übrigens höchst amüsant – auf der Karl-Marx-Allee in Berlin schreitet Beethoven hinter einem Kutschwagen inmitten des normalen Stadtverkehrs mit knatternden Autos der Marken Trabant und Wartburg.  

Siehe auch:

Fritz Kortner im Stummfilm „Beethoven“ – Gefeiertes Werk mit einem großartigen Schauspieler: Beethoven-Filmfest im Bonner Rex-Kino #BTHVN2020

Beethoven-Filmfest startet mit „Eroica. The Day that changed music forever“: Gänsehaut-Momente und Tränen #BTHVN2020

Fritz Kortner im Stummfilm „Beethoven“ – Gefeiertes Werk mit einem großartigen Schauspieler: Beethoven-Filmfest im Bonner Rex-Kino #BTHVN2020

Fritz Kortner spielt Ludwig van Beethoven in der großen Filmbiografie, die zum 100. Todestag Beethovens erschien und sein Leben von der Geburt in Bonn bis zu seinem Tod in Wien nachzeichnet.

„Ein Beethoven-Film, wie ihn der Wiener Schriftsteller Emil Kolberg erzählt und ein künstlerischer Leiter von, wie es scheint, nicht gewöhnlichen Fähigkeiten, Hans Otto (Löwenstein), ausgeführt hat, konnte sich selbstverständlich nicht die Aufgabe stellen, dem Volke erschöpfend vorzuführen, was Beethoven für das Geistes- und Gemütsleben aller Zeiten bedeutet. In sehr geschickter Weise beschränkten sich beide Verfasser darauf, dem Volke den Menschen Beethoven nahezubringen. Von seiner Kindheit in Bonn am Rhein bis zu dem erschütterndsten aller Trauerspiele, dem Taubwerden des Schöpfers der göttlichen Tonwerke, Prometheus am Felsen der körperlichen Unzulänglichkeit. Dazwischen liegen einige seiner reizendsten Erlebnisse: wie der alte Haydn ihn beim Orgelspiel in Bonn belauscht und die Größe des jungen Menschen erkennt und neidlos fördert; seine Liebe zu der schönen Gräfin Guicciardi, die seine Größe nicht versteht“, schreibt der Wiener Abend im Jahr 1927.

Das cineastische Meisterwerk wurde im Rex-Kino (mit einer fantastischen Akustik) live am Klavier von Markus Kreul begleitet, der speziell für die Aufführung des Films beim Bonner Beethoven-Filmfest eine eigene musikalische Fassung erstellt hat. Eine kleine Kostprobe ist nach den einleitenden Worten von Dieter Hertel und der Kuratorin Dr. Ingrid Bodsch auf meinem Video-Mitschnitt hören. Auch das ein kompositorisches Glanzstück.

Wer die Stimme von Kortner hören möchte, sollte sich die Gesamtaufnahme des „König Lear“ besorgen, die der WDR 1958 unter der Regie von Wilhelm Semmelroth produzierte. In ihr sprach Kortner die Titelrolle.

Diese Aufnahme ist ein großer Schatz der deutschen Theatergeschichte, zeigt er das Sprechtheater von seiner allerbesten Seite. Die CD ist in der Edition vertriebene deutsch-jüdische Schauspielerinnen und Schaupieler bei Mnemosyne erschienen.

Siehe auch:

Beethoven-Filmfest startet mit „Eroica. The Day that changed music forever“: Gänsehaut-Momente und Tränen

Weitere Vorstellungen im Rex-Kino in Bonn-Endenich:

Sa, 26.9., 14 Uhr „Beethoven – Tage aus einem Leben“ (1976)

Sa, 26.9, 18 Uhr: „The Magnificent Rebel“ (1961)

So, 27.9., 11 Uhr: „Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte“ (1994)

So, 27.9, 14 Uhr: „Ludwig van Beethoven. Eine deutsche Legende“ (1949)

Mo, 28.9., 18 Uhr: „Beethoven – Die ganze Wahrheit“ (1984)

Di, 29.9., 18 Uhr: „Ludwig van“. Ein Film von Mauricio Kagel (1970)

Mi, 30.9., 20 Uhr: „Un Grand Amour de Beethoven“ (1936/37)

Man sieht sich im Rex-Kino (das Lieblingskino von Miliana).



Beethoven-Filmfest startet mit „Eroica. The Day that changed music forever“: Gänsehaut-Momente und Tränen #BTHVN2020

Rex-Kinosaal

Im Rex-Kino in Bonn-Endenich hätte das Beethoven-Filmfest nicht besser starten können.

Den Anfang der Filmreihe machte „Eroica. The Day that changed music forever“. Als 1805 die erste öffentliche Aufführung von Beethovens dritter Sinfonie (Eroica) in Wien stattfand, hatten einige wenige Privilegierte das Werk bereits im Juni 1804 bei einer privaten Uraufführung im Schloss Lobkowitz gehört. Das preisgekröntes Epochendrama mit Ian Hart in der Hauptrolle als Beethoven erweckt den bedeutsamen Tag zum Leben. Joseph Haydn, der ehemalige Lehrer von Beethoven, trifft zu Beginn des letztes Satzes der Sinfonie ein und soll danach die titelgebende Bemerkung gemacht haben: „Der Tag, der die Musik für immer verändert“. Sir John Eliot Gardiners herausragende Produktion der Eroica, die mit dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique exklusiv für diesen Film im Eroicasaal in Wien gemacht wurde, ist fesselnd und wirkt im Kinosaal wie ein Erdbeben. Jedenfalls war es bei mir so: Tränen und Gänsehaut. 

Ihr solltet Kopfhörer aufsetzen, sonst wird das nichts mit der Wirkung des Films

Pressestimmen „Auf eine stärkere Besetzung konnte man nicht hoffen“. (The Times) „Eine kluge und schön gemachte Dramatisierung“. (The Sunday Times) „Das war aufregend, sowohl visuell als auch klanglich.“ (The Sunday Telegraph) „Ian Hart ist brillant wie Beethoven, eine sprunghafte, magnetische Figur von Genie und ungehobeltem Charme.“ (The Daily Mail) „Sie benutzen das, was wir von den betroffenen Menschen und Orten wissen, um eine plausible Erzählung über Politik, Liebe und Wut zu erfinden, in deren Mittelpunkt vor allem die Musik steht. Die häusliche Dimension des Schauplatzes erinnert eindringlich an die große Reichweite und die Fähigkeit des Werkes zu schockieren“ (The Daily Mail). 

Weitere Vorstellungen im Rex-Kino in Bonn-Endenich:

Do, 24.9., 18 Uhr „Märtyrer seines Herzens“, Stummfilm (1917/18)

Fr, 25.9., 18 Uhr: „Beethoven“, Stummfilm 1927 (mit Livebegleitung am Klavier, Markus Kreul)

Sa, 26.9., 14 Uhr „Beethoven – Tage aus einem Leben“ (1976)

Sa, 26.9, 18 Uhr: „The Magnificent Rebel“ (1961)

So, 27.9., 11 Uhr: „Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte“ (1994)

So, 27.9, 14 Uhr: „Ludwig van Beethoven. Eine deutsche Legende“ (1949)

Mo, 28.9., 18 Uhr: „Beethoven – Die ganze Wahrheit“ (1984)

Di, 29.9., 18 Uhr: „Ludwig van“. Ein Film von Mauricio Kagel (1970)

Mi, 30.9., 20 Uhr: „Un Grand Amour de Beethoven“ (1936/37)