Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen: Das sollte auch für Patientendaten gelten, Herr Spahn @jensspahn

Das „Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk – Kollegennetzwerk Psychotherapie“ hat binnen kurzer Zeit über 1.300 Mitglieder und über 12.000 Abonnenten seines Freitags-Newsletters gewonnen. Der Verband wurde im vergangenen Jahr am 2. Mai in Bonn gegründet. 1. Vorsitzender: Dipl.-Psych. Dieter Adler, der in meiner Bibliothek zu Gast war.

Die brennendsten Themen des Kollegennetzwerkes Psychotherapie:

Durch das E-Health-Gesetz sind Psychotherapeuten (auch Ärzte + Zahnärzte) mit Kassenzulassung ab dem 1. Juli 2019 verpflichtet, sich an die sogenannte Telematik-Infrastruktur anschließen zu lassen. Die Patientendaten werden auf externen Servern der Krankenkassen gespeichert. Dagegen laufen die Psychotherapeuten Sturm.

Die Anbindung kann nur über professionelle IT-Leute eingerichtet werden (Konnektor), für die es noch keinen einheitlichen Standard gibt. Hier muss man den Technikern vertrauen, meistens haben die Ärzte/Psychotherapeuten keine Ahnung von der IT und sind unsicher, ob das alles sicher ist. Der Chaos Computer Club hat das System Ende 2019 gehackt und Schwachstellen aufgezeigt (auch schon passiert in England und Norwegen). „Schön“ ist auch, das Betriebsärzte Zugang zu den Daten haben sollen. Öffnet Tür und Tor für Arbeitgeber. Stichwort: Windows-Rechner ;-). Ihr kennt das ja mit den Schwachstellen, die im Dark Web gehandelt werden.

Die komplette Verantwortung wälzt der Gesetzgeber auf die Ärzteschaft ab. Die gematik, die Betreiberorganisation der Telematik-Infrastruktur, übernimmt keine Haftung dafür, was hinter dem Konnektor passiert. Damit sind die ganzen Nicht-IT-Profis – Sprechstundenhilfen/Ärzte/Psychotherapeuten haftbar für alle „Datenschutz-Schäden“. Die DSGVO kommt auch noch ins Spiel. Größere Praxen müssen eine Gefahreneinschätzung vornehmen.

Grundsätzlich fragen sich Psychotherapeuten, ob es notwendig ist, die sensiblen Daten Ihrer Patienten – beispielsweise Hypochondrie, Somatisierungsstörungen oder Panikattacken – an Ärzte zu geben. Häufig haben diese Informationen für organische Krankheiten keinen Mehrwert. Es gibt leider auch Ärzte, die Patienten nicht mehr ernst nehmen, wenn sie von deren psychologischen Erkrankungen hören.

Aus Sicht der Psychotherapeuten überwiegen die Nachteile deutlich. Kollegen, die sich der Telematik verweigern, erhalten ab März 2020 2,5 Prozent weniger Honorar von den Krankenkassen.

Psychotherapeuten und Patientendaten: Live-Diskussion 16:30 auf Twitter – Account @gsohn – Einschalten und mitdiskutieren @jensspahn @WernerBartens @saskiahoedl @MarkusJantzer @marburger_bund @aerztezeitung @HB_Sprecher @Teta_Na

Ausblick auf die Diskussion um 16:30 Uhr via Periscope/Twitter:

Hier die Fachdiskussion:

Kurt Biedenkopf und die Projektgruppe Semantik in der #CDU

Als CDU-Generalsekretär hatte Kurt Biedenkopf schon 1973 seiner Partei den guten Rat erteilt, die „Sprache als ein wichtiges Mittel der Strategie“ einzusetzen. Ähnlich formulierte es damals sein Parteifreund Gerhard Mahler als baden-württembergischer Wahlkampfleiter. Die Sprache der CDU sei zu langweilig und pomadig. Man müsse sich um die semantische Qualität der Aussagen kümmern.

„Unter dem anspruchsvollen Namen ‚Projektgruppe Semantik‘ sammelte der gelernte Wirtschaftswissenschaftler Mahler Philologen, Marketing-Fachleute und Journalisten, um prominenten CDU-Politikern Formulierungshilfen für bessere Reden an das Wählervolk zu leisten. Bei der Lektüre von John F. Kennedys Reden und einer Roosevelt-Analyse des Politologen Waldemar Besson war Mahler die Bedeutung griffiger Kurzformeln für den Erfolg von Politikern aufgegangen“, schreibt der Spiegel.

Auch in der CDU-Bundesgeschäftsstelle beherzigten junge Parteifunktionäre die Aufforderung von Biedenkopf, sich an der „Revolution der Gesellschaft durch die Sprache“ zu beteiligen. Um den Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Peter Radunski, und den Planungsreferenten des Konrad-Adenauer-Hauses, Warnfried Dettling, formierte sich ein Arbeitskreis, der das Sprachdefizit der Christdemokraten beseitigen wollte. Dettlings Devise: „Wir müssen fragen. wie bestimmte Begriffe, Zeichen überhaupt ankommen und bewertet werden.“ Biedenkopf und Radunski waren für die Aufgabe wissenschaftlich vor geprägt. Der eine als Gründungsdirektor der Ruhr-Universität und der andere im RCDS. Im Einstellungsgespräch von Radunski sagte Biedenkopf: Man müsse sich im Rahmen der Trias Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in seinen Lebensplänen bewegen. Radunski wiederum betonte die Verbindung von wissenschaftlicher Betrachtung und praktischer Politik. Als Heiner Geißler 1977 CDU-Generalsekretär wurde, intensivierte sich der methodische Stil der Kommunikation durch den asketischen Arbeitsstil des Jesuiten Geißler. Um ihn bildete sich ein Kreis mit verschiedenen Temperamenten und Kompetenzen: Der Pressesprecher Jürgen Merschmeier, die politischen Denker Wulf Schönbohm und Warnfried Dettling (Nachfolger war Wilhelm Staudacher) als Hauptabteilungsleiter Politik und natürlich der Berliner Dynamo Peter Radunksi. Letzterer hatte übrigens eine Vorliebe für Niccolò Machiavelli, Geißler für den revolutionären Kämpfer Girolamo Savonarola. Sine ira et studio (lat. ohne Zorn und Eifer) lautete die Maxime, mit der die Polit-Strategen Entwürfe für Reden und Kampagnen konzipierte: Neues und Zugespitztes entstand, Konter wurden überlegt. Davon ist unter AKK und dem Generalsekretär Paul Ziemiak nichts mehr übrig geblieben. 

Nachzulesen im prmagazin. Ausgabe November 2019.

Mit Tools mehr Demokratie wagen


„Der Erfolg der digitalen Transformation hängt nicht vom Einsatz neuer Technologien ab“, proklamiert die Zeitschrift brandeins auf dem Titel eines Themen-Heftes. Entscheidend sei, dass wir willens und in der Lage sind, die Welt mit diesen Werkzeugen neu zu denken.

Ich halte diese Aussage nur für halb richtig. Schon der Einsatz von digitalen Werkzeugen kann eine Änderung bewirken. Das habe ich auf Twitter mit einigen Protagonisten debattiert. Tools sind sogar in der Lage, Demokratisierungseffekte im Unternehmen auszulösen. Zu dick aufgetragen? Dann ersetzen wir das Wort Demokratie mit Autarkie oder Autonomie. Gabriel Rath, im vergangenen Jahr noch bei der OstseeSparkasse Rostock tätig, diskutierte dieses Thema auf dem IOM Summit in Köln mit Fabian Schütz (Otto), Harald Schirmer (Continental), Julia Wieland (SMA) und Alexander Kluge (Kluge Konsorten) über die Entwicklung des Digital Workplace. Seine These dabei war, dass man durch den konsequenten Einsatz von digitalen Collaboration-Tools eine Demokratisierung in Unternehmen anstoßen könnte. Das Credo von Rath: Durch Social Tools erlebe man einen deutlichen Shift in der Kommunikationskultur. „Früher liefen Informationen gefiltert von oben
nach unten und der Mitarbeiter war nur Empfänger. Heute sind Mitarbeiter auch Sender, können Ideen einbringe, Feedback geben und Initiativen starten. Wir erleben das bei der OstseeSparkasse Rostock auch in unserem Enterprise Social Network ‚OSPA Connect‘. Seit gut vier Jahren gibt es die Möglichkeit für jeden Mitarbeiter, Communitys, Blogs und Wikis zu starten, zu kommentieren und zu empfehlen. Diese neue Freiheit, sichtbar zu werden und eigene Impulse zu setzen, möchten die Kollegen nicht mehr missen. Leider ist dieser Fall in der Sparkassenwelt noch eine Seltenheit“, so Rath im Interview mit dem prmagazin.

Den Demokratisierungseffekt über Tools hatte ich in meiner Angestelltenzeit bei o.tel.o als Leiter der Unternehmenskommunikation getestet. Das war 1997/98. So glaubte der Vorstand von o.tel.o, mit dem Intranet könne man nur die Informationen streuen, die von der Kommunikationsabteilung zugelassen werden. Dabei hatten wir ein wenig anarchisch mit dem Produkt „Backweb“ elektronische Agenten eingeführt, mit denen jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eigene Informationsmenüs festlegen konnte. Vom Betriebsrat bis zu Spiegel Online wurden die Inhalte automatisch zur Verfügung gestellt, wie auf einer Menükarte. Dazu gehörten auch Meldungen von Presseagenturen. Trotzdem wollte der Vorstand Agenturmeldungen über Verkaufsgerüchte nicht ins Intranet stellen. Begründung: „Das könnte die Mitarbeiter verunsichern.“

Die o.tel.o-Belegschaft war dann aber verunsichert, weil die Meldungen nicht direkt von der internen Kommunikation verbreitet wurden. Spätestens auf der Rückfahrt ins eigene Heim trällerten die Hiobsbotschaften über WDR 2 oder waren am Frühstückstisch in den Lokalzeitungen nachzulesen. Der Vorstandschef hätte das direkt über Backweb kommentieren können, dann wäre die Belegeschaft etwas weniger zornig gewesen.

In einem Arbeitskreis für Unternehmenskommunikation, in dem ich das Programm Backweb vorstellte, gab es einen heftigen Streit über die Möglichkeiten der Belegschaft, ohne Filter und Weichzeichner direkt externe und interne Informationen zu erhalten. Einige witterten bei dieser Tagung in den Räumen der Deutschen Bank Anarchie und Revolution. Andere sahen den eigenen Arbeitsplatz gefährdet, weil sie ihrer Funktion als Schönredner nicht mehr nachkommen konnten und pochten auf die Bewahrung ihres Informationsmonopols. Mich hat nicht gewundert, dass in der Mitarbeiter-Zeitschrift der Deutschen Bank der damalige Vorstandschef Breuer grinsend mit Taktstock abgebildet wurde mit der sinnigen Unterzeile:

„Breuer gibt den Takt an“.

Der Einsatz von neuen Technologien verändert nicht nur die Unternehmenskultur, sondern führt autoritäre Führungskräfte ad absurdum.

Der damalige o.tel.o-Boss konnte übrigens Backweb gar nicht bedienen, weil er es nicht freigeschaltet hatte……

Diese Entwicklung halte ich dann doch für erstaunlich, weil sie nicht im Dialogmodus funktioniert: „E-Mail ist die neue Homepage“ – über bessere Newsletter

Diese Entwicklung finde ich sehr sympathisch: BÜHNE FREI FÜR…DIE WISSENSCHAFT!

Digitalministerium statt Digitalkabinett #9vor9 @eskensaskia #Laschet #Spahn @digitalnaiv

Noch erklären ja Laschet und Spahn, warum sie in der CDU mehr Verantwortung übernehmen wollen. Zur Digitalpolitik erklären sie sehr wenig.

Wir erklären, warum die Digitalpolitik der Bundesregierung unzureichend ist: