@Robert_Weber_ @HermannSimon @servicerebell #DigitalX „Die Topnation der Entrepreneure sind nicht die USA, sondern Deutschland“: Wieder eine Replik zu @AndreasBoes

Hat Deutschland die Digitalisierung verschlafen? Diese Frage erörtert Professor Andreas Boes in einem Blogbeitrag. Vielerorts herrsche der Eindruck vor, dass Gesellschaft und Wirtschaft hierzulande sich nach wie vor schwertun im Umgang mit digitalen Innovationen und dem kulturellen Wandel, der damit einhergeht. Dass die Menschen in einer Art „German Angst 2.0“ verharren, wie es manchmal in der Presse heißt. Die Wirklichkeit allerdings sei komplizierter.

„Denn wir haben die Digitalisierung in Deutschland eigentlich nicht verschlafen. Wir haben sie einfach nicht richtig verstanden. Uns ist entgangen, dass die Digitalisierung mit dem Internet ihren Charakter grundlegend geändert hat. Deshalb glaubten wir in den letzten zwanzig Jahren an der Spitze der Bewegung zu stehen und waren in Wirklichkeit auf dem Holzweg. Denn in Deutschland bedeutet Digitalisierung bis heute vor allem eines: Automatisierung, also Ersetzung von Menschen durch Technik, Kontrolle durch Algorithmen. Die Folge ist: Die Menschen reagieren verständlicherweise zurückhaltend bei dem Thema. Sie sind eben nicht scharf darauf, von Maschinen ersetzt und von Algorithmen kontrolliert zu werden. Dabei bietet die Digitalisierung ganz andere Chancen für die Menschen, wenn man sie richtig versteht und anpackt.“

Stimmt diese Wahrnehmung von Boes? Ich weiß nicht auf welche Anwendungen, Wirtschaftsbranchen oder netzökonomischen Trends der Autor schaut. Vielleicht hat er zu stark die Consumer-Brille auf. Binnensichtweisen können Betriebsblind machen.

Die Sicht von außen unterscheidet sich dabei deutlich von der Boes-Standortbestimmung: „Die Topnation der Entrepreneure sind nicht die USA, sondern Deutschland“, so Professor David Reibstein von der Wharton School an der University of Pennsylvania. Man erkennt das schnell an einigen Kennzahlen: Bei den Pro-Kopf-Exporten liegen wir bei rund 170.000 US-Dollar, gefolgt von Südkorea mit 113.000. Die USA liegen bei 48.000, China kommt auf 15.000.

Der Hidden Champions Fund aus Singapur hat dafür Erklärung: „Die Hidden Champions bilden das Fundament der widerstandsfähigen, exportorientierten deutschen Wirtschaft. Sie haben ihre Wurzeln i Unternehmergeist des deutschen Mittelstandes.“

Siehe auch das Interview mit Hermann Simon zu seinem neuen Buch: „Hidden Champions – Die neuen Spielregeln im chinesischen Jahrhundert“.

Und wer sich die digitalen Anwendungen im Handwerk und bei den Hidden Champions genauer anschaut, wird schnell erkennen, dass es eben nicht in erster Linie um Automatisierung geht, um die Ersetzung von Menschen durch Technik oder um die Kontrolle durch Algorithmen, sondern um Innovationen, um neue Geschäftsmodelle, um international erfolgreiche Produkte und Dienste geht.

Etwa bei 5G-Campus-Netze, beim 3-D-Druck in der Industrie (Stichwort Losgröße 1), bei KI im Maschinenbau mit Smart-Data-Konzepten, bei digitalen Dienste im Handwerk vom Gerüstbau bis zur Orthopädie. Bei all diesen Labern wir nicht nur, sondern zeigen, was Sache ist – also in die DigitalX-Formaten.

Hier kommt nur ein winzig kleiner Teil der Beispiele, die ich den Thesen von Andreas Boes entgegen schmettern könnte:

Die erste Boes-Sohn-Kontroverse:

Schwächt sich 2022 die Inflation wieder ab? Globaler Handel in Gefahr @IMFNews @KGeorgieva @ProfHolm #EconTwitter #DigitalX

Viele Ökonomen reden die Inflationsgefahr runter. Es könnte im nächsten Jahr ganz anders kommen. Stichworte #Lieferketten, globaler Handel, #Chipmangel, gestiegene #Energiekosten, gestiegene Container-Kosten bei der Fracht, fehlende LKW-Fahrer und vieles mehr. Thema bewegt wohl viele Menschen, wie man an den Abrufquoten auf LinkedIn erkennt.

Siehe auch:

https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6854325470591279104/

#Notizzettel: Globaler Handel in Gefahr – Livetalk mit @profholm #EconTwitter

Seit Wochen und Monaten steigen die Preise für Vorprodukte und Rohstoffe auf immer neue Höchststände. Ein Grund: Rohstoffkonzerne und Anbieter von Vorprodukten haben in der Pandemie ihre Produktion eingeschränkt. Die reduzierten Kapazitäten treffen nun auf eine hohe Nachfrage vor allem in den USA und Asien. Zudem gibt es massive Störungen der Lieferketten. Explosion der Container-Kosten für den Schifftransport, Halbleiter-Produktion kommt nicht nach, zu wenig LKW-Fahrer und, und, und. Der globale Handel ist in Gefahr.

„Die Kombination aus Lieferengpässen und steigenden Preisen hat auch den Mittelstand alar-
miert. Laut einer neuen KfW-Umfrage kämpft knapp jedes zweite der 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mit Lieferengpässen. „Das nimmt der gerade wieder an-
gesprungenen Konjunktur ihren Schwung“, so KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Die Ent-
wicklung führt zu einer Preisspirale: 26 Prozent. der befragten Mittelständler sehen sich gezwungen, infolge höherer Kosten die Preise für eigene Produkte anzupassen. Nur fünf Prozent erwarten eine Entspannung bis zum Jahresende.

Alles nur temporär?

Laut VDMA werden sogar schon Liefertermine erst für 2023 genannt. In der Politik gibt es Pläne, mit Fördermitteln eine Rückverlagerung der Produktion von Asien nach Europa in Gang zu setzen – beispielsweise die Chipproduktion. Der Ökonom Jens Südekum setzt auf solche Förderprogramme: Wenn Deutschland das führende Autoland der Welt bleiben wolle, könne es nicht Herzstück des Antriebsstranges aus Asien importieren, argumentiert er nach einem Bericht der FAZ.

Wir debattieren das um 11 Uhr.

Direktinvestionen statt Renationalisierung – Wie man die Lieferketten-Problematik löst @profholm @ifo_Institut @jsuedekum @HermannSimon @VDMAonline #DigitalXStudio #EconTwitter

Zur Zeit kann nicht jede Bestellung erfüllt werden. 74 Prozent der Einzelhändler klagten im September über entsprechende Probleme. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. „Die Beschaffungsprobleme aus der Industrie sind nun auch hier angekommen“, sagt der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden.“

Im Fahrradeinzelhandel berichteten 100 Prozent aller befragten Unternehmen von Problemen bei ihren Bestellungen. „Gegenwärtig ist Sand im Getriebe der weltweiten Logistik. Zudem sind Frachtraten in der Schifffahrt deutlich erhöht worden“, so Wohlrabe. Bei den Baumärkten (99 Prozent) und Möbelhäusern zeigen sich die Nachwirkungen der Holzpreis-Rallye im ersten Halbjahr. Durch die Knappheit bei Chips und Halbleitern führt bei Händlern mit elektronischen Produkten aller Art dazu, dass nicht jedes Produkt sofort verfügbar ist. Das melden 97 Prozent der Einzelhändler von Unterhaltungselektronik. Im Kfz-Handel (88 Prozent) zeigen sich die Lieferprobleme insbesondere bei Elektroautos. Aber nicht nur da. So sind beispielsweise Nutzfahrzeuge nur noch schwer zu bekommen.

Als Konsequenz nehmen jetzt auch die Einzelhändler Preiserhöhungen ins Visier. „Die Industrie hat Preiserhöhungen angekündigt und diese kommt jetzt zwangsläufig im Einzelhandel an“, sagt Wohlrabe.

Von Spielekonsolen bis zum Druck von Zeitschriften und Büchern. Überall gibt Lieferengpässe und eine neue Mangelwirtschaft, wie es die FAZ ausgedrückt hat: „Das dürfte sich auch in der Konjunkturprognose niederschlagen, die am kommenden Donnerstag die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vorstellen werden.“

3,5 Prozent Wachstum sind in diesem Jahr wohl nicht mehr zu erzielen. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Engpässe bald der Vergangenheit angehören – vergleichbar mit 2020. Sind das empirische belegbare Prognosen oder eher Hoffnungen? Befürchte Letzteres.

Viele Produktionsstätten laufen nur mit geringer Kapazität. Laut VDMA werden sogar schon Liefertermine erst für 2023 genannt. In der Politik gibt es Pläne, mit Fördermitteln eine Rückverlagerung der Produktion von Asien nach Europa in Gang zu setzen – beispielsweise die Chipproduktion. Der Ökonom Jens Südekum setzt auf solche Förderprogramme: Wenn Deutschland das führende Autoland der Welt bleiben wolle, könne es nicht Herzstück des Antriebsstranges aus Asien importieren, argumentiert er nach einem Bericht der FAZ.

Geht diese Rechnung auf? Setzt die Wirtschaftspolitik auf ein falsches Pferd?

Was ist von einer Re-Industrialisierung in Europa zu halten? Blütenträume. Am Ende sind sogar massive Wohlstandsverluste hinzunehmen. Die Unternehmen werden Vorprodukte weiterhin in Asien einkaufen. Man braucht sich nur die Fertigungstiefe in Deutschland anschauen.

Besser wäre es, in wichtigen Exportmärkten Direktinvestitionen vorzunehmen, so der Ratschlag von Hermann Simon. Für Deutschland wären das vor allem China und die USA.

Nachzulesen im neuen Opus von Professor Hermann Simon:

Mehr dazu am Mittwoch im #DigitalXStudio, um 11 Uhr:

Siehe auch das komplette Interview mit Hermann Simon: