Belastung im Arbeitsleben: Millionen Menschen leiden unter rheumatischen Erkrankungen #BTW17

Arbeiten trotz Rheuma ist nicht selbstverständlich. Viele Arbeitgeber scheuen sich davor, chronisch Kranke einzustellen. Was kann die Politik tun, was Unternehmer? Welche Rahmenbedingungen können sie schaffen? Und wie können neue Arbeitszeitmodelle aussehen? Auf Einladung der Deutschen Rheuma-Liga stellten sich beide Seiten der Diskussion in Bonn.

17 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer rheumatischen Erkrankung. Informationskampagnen wie bei Krebs oder Diabetes wären wünschenswert, merkte eine Zuschauerin an, die die Diskussion mit 3000 weiteren Nutzern live über Facebook verfolgte. 40 Prozent der Betroffenen gehen etwa zehn Jahre nach der Diagnose in die Frühverrentung. Dabei würden sie am liebsten weiterarbeiten, wie die Deutsche-Rheuma-Liga-Präsidentin Rotraud Schmale-Grede betont:

„Es braucht mehr Verständnis für die Betroffenen, die an einem Tag Bäume ausreißen, am anderen vor Schmerzen nicht aufstehen können.“

Unter Moderation von Arzt und Fernsehkorrespondent Dr. Christoph Specht diskutierten die Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne), Sozialdemokrat Ulrich Kelber und die Landespolitikerin und selbst an rheumatoider Arthritis erkrankte Franziska Müller-Rech von der FDP. Den Fragen stellen sich auch der CDU-Politiker Alfred Giersberg vom Stadtrat Bonn, Michael Castillo, Gesundheitsmanager bei der Deutschen Telekom und Herbert Schulte, Landesgeschäftsführer NRW des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft. Die Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Rotraud Schmale-Grede und Vizepräsidentin Marion Rink forderten, chronisch Kranken einen langfristigen Arbeitsplatz zu ermöglichen und sie vor Altersarmut zu schützen.

Nötig sei auch eine Sensibilisierung der Unternehmen, dass chronisch Kranke motiviert und leistungsfähig sind, aber andere und vor allem flexiblere Arbeitszeiten benötigen. Morgens später anfangen, zwischendurch einige Bewegungspausen und am Abend länger arbeiten, wären einige Möglichkeiten. Ein Anspruch auf Homeoffice nach niederländischem Modell wurde auch diskutiert. In internationalen Vergleichen wird Deutschland beim Thema flexible Arbeitsmodelle immer noch Entwicklungsland-Status beschieden.

Der Blick in die Zukunft von rheumakranken Menschen sieht häufig nicht rosig aus. Wer bereits mit Mitte 30 oder Ende 40 in die Frührente geschickt wird, dem fehlt oft nicht nur die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, er muss auch mit erheblichen Abschlägen in der Rente rechnen. Altersarmut sei da vorprogrammiert. Die Vizepräsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Marion Rink, verdeutlichte, dass die Erwerbsminderungsrente heute im Schnitt bei 800 Euro liege.

Einig waren sich alle politischen- und Unternehmensvertreter darin, die Abschläge abzuschaffen, wenn nachgewiesen ist, dass eine Arbeitsunfähigkeit der Grund ist. Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, so viel Potenzial brach liegen zu lassen.

Das Livestreaming der Debatte hatte ich bewerkstelligt.

Die Resonanz war gigantisch.

Starre Arbeitszeiten, verspätete Diagnosen, Angst vor Altersarmut: Sorgen der chronisch Kranken #RheumaArbeit

Digital Hub Bonn

Lange Wartezeiten bei Ärzten, Sorge vor Altersarmut, Hoffnung auf flexiblere Arbeitsmodelle: Menschen, die an Rheuma erkrankt sind, kämpfen mit zahlreichen Problemen im privaten und beruflichen Alltag. Das hat eine Online-Umfrage der Deutschen Rheuma-Liga bestätigt. Rund 1.000 Personen haben an der Umfrage teilgenommen und detailliert beschrieben, vor welchen Problemen sie stehen. Mit der Umfrage wollte die Deutsche Rheuma-Liga herausfinden, ob sie mit ihrem „Aktionsplan Rheuma“ auf dem richtigen Weg ist.

Ein zentrales Ergebnis: Es dauert nach wie vor viel zu lange, bis Rheuma diagnostiziert wird. Über die Hälfte der Befragten hat vier Monate oder länger warten müssen, bis ein Rheumatologe die Diagnose gestellt hatte. Nur etwa 10 Prozent haben einen Termin in den ersten sieben Tagen erhalten. Die Konsequenzen können gravierend sein: Je später die rheumatische Erkrankung diagnostiziert wird, desto geringer sind die Chancen auf Remission.

Auch bei einem akuten Schub müssen an Rheuma Erkrankte lange Wartezeiten hinnehmen. Rund 30 Prozent warten länger als einen Monat auf einen Termin. Immerhin erhält jeder Fünfte (19 Prozent) innerhalb von drei Tagen einen Termin beim Rheumatologen. Ähnlich lange Wartezeiten zeichnen sich bei Terminen bei Orthopäden ab. Über 25 Prozent warten dort länger als einen Monat auf einen Termin.

Beim Thema Rente herrschen Enttäuschung und Sorgen unter den Betroffenen. Fast 70 Prozent fühlen sich bei der finanziellen Sicherung im Alter von der Politik im Stich gelassen. Die Teilnehmer waren überwiegend der Meinung, dass chronisch kranke Menschen benachteiligt werden. Die Neuregelungen zur Erwerbsminderungsrente werden das Risiko der Altersarmut für junge Rheumatiker nicht wesentlich verbessern.

Private Altersvorsorge ist schwierig, wenn das Einkommen nicht reicht, um Geld beiseite zu legen, sagt über die Hälfte der Befragten. Zumal viele Betroffene finanzielle Belastungen für nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Fahrtkosten zu Therapien und Ärzten von mehreren hundert Euro pro Jahr tragen müssen.

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Immer mehr Unternehmen und Organisationen bieten mittlerweile flexible Arbeitszeiten an. Trotzdem gibt es noch viele Arbeitgeber mit sehr starren Modellen. Für Rheumaerkrankte führt das zu vielen Problemen, etwa wenn Arzttermine anstehen. Rund 81 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice geben sollte. Mit ihrer Erkrankung geht eine deutliche Mehrheit sehr offen um: Etwa 63 Prozent informieren ihre Kollegen und Vorgesetzten über ihre rheumatische Erkrankung. Es kommt aber auch vor, dass die Krankheit verschwiegen wird, etwa aus Angst den Arbeitsplatz zu verlieren oder benachteiligt zu werden.

Mit den Ergebnissen geht die Deutsche Rheuma-Liga gestärkt in die politische Arbeit. Der Verband will zur anstehenden Bundestagswahl den Abgeordneten deutlich mitteilen, was Menschen mit Rheuma von der Politik erwarten. Dafür wurden die Kernforderungen in einem „Aktionsplan Rheuma“ zusammengefasst.

All diese Themen werden am Dienstag, den 15. August, um 18. Uhr im Digital Hub Bonn diskutiert.

Podium:

Ulrich Kelber (SPD), Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), Franziska Müller-Rech (FDP, MdL NRW), Alfred Giersberg (Stadtrat CDU)

Michael Castillo, Deutsche Telekom Bonn

Herbert Schulte, Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, Geschäftsführer Landesverband NRW

Vorstand der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e.V.: Rotraut Schmale-Grede (Präsidentin), Marion Rink (Vizepräsidentin)

Moderation: Dr. Christoph Specht, Arzt und Medienkorrespondent
Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Anmeldungen auf Facebook.

Sieht man sich am Dienstag in Bonn?

Einladung zur Disputation über Nestlé und die Wasserrechte #fragNestlé

nestle

Meine Fragen an Nestlé – auf Twitter hat man die erste Frage öffentlich nicht beantwortet. Man wollte mich erst in Bonn kennenlernen. Da ich aber schlichtweg nur an der Sache interessiert bin und mir das Kennenlernen von Konzern-Verantwortlichen in einem nicht-öffentlichen Gespräch völlig wurscht ist, einigten wir uns auf schriftliche Fragen. Zu einem Live-Interview war der Konzern nicht bereit. Hier nun die Fragen: Werten Sie Wasser/Wasserrecht als öffentliches oder privates Gut? (Wasser als Menschenrecht hilft hierbei als Antwort nicht weiter). Sehen Sie besonders in unterentwickelten Ländern nicht die Notwendigkeit, die Wasserversorgung als hoheitliche Aufgabe des Staates zu organisieren? Entscheidend für das Gemeinwohl ist der diskriminierungsfreie Zugang zu Ressourcen wie Wasser – Flächendeckung der Infrastruktur für die Ver- und Entsorgung als Beispiel. Warum streben Sie dennoch private Wasserrechte an? Warum sind sie in Ländern wie Pakistan, Algerien und Mexiko bei der Erschließung von Wasser-Ressourcen aktiv? Zu welchen Preisen bieten sie Wasser in den genannten Ländern an? (Liter-Preis).

Hier die Antwort von Achim Drewes, Leiter Public Affairs Nestlé Deutschland:

„Hallo Gunnar,

wie versprochen melden wir uns mit den Antworten zu deinen Fragen zurück. Da das Thema Wasser sehr komplex ist, holen wir etwas weiter aus. Vieles davon wird dir bekannt sein, aber wir möchten die Gelegenheit nutzen und auch deinen Lesern und Followern etwas Hintergrund mitgeben – in der öffentlichen Diskussion kommt so etwas ja häufig zu kurz. Zur Sache:
Wasser hat, je nachdem von welcher Situation man spricht, Merkmale eines öffentlichen Gutes – weil niemand von der Nutzung ausgeschlossen werden kann oder sollte, beispielsweise bei Seen, Flüssen, offenen Quellen auf öffentlichem Land. Und es hat Merkmale eines privaten Gutes – wenn die Verfügbarkeit begrenzt ist, für die Erschließung und Verteilung Kosten entstehen und Gruppen, die sich nicht an diesen Kosten beteiligen, von der Nutzung ausgeschlossen werden können. Es gibt auch Ansätze, die Wasser als Allmende sehen – also als gemeinschaftliches Gut, das aber nicht unbegrenzt zur Verfügung steht und von dessen Nutzung Gruppen ausgeschlossen werden können, die nicht zu der Gemeinschaft gehören.
Konflikte um Wasser entstehen immer dann, wenn eine klare, allgemein akzeptierte und diskriminierungsfreie Regulierung fehlt – oder in einer Region weniger Wasser zur Verfügung steht, als Bedarf herrscht. Daher ist es ja so wichtig, dass der Umgang mit Wasser klar reguliert ist. Diese Regulierung ist eine hoheitliche Aufgabe. Ein Staat oder eine Gebietskörperschaft muss die Regeln für einen diskriminierungsfreien Zugang zu Wasser bestimmen und ist verpflichtet nach der Vorgabe des UN-Menschenrechts auf Wasser eine angemessene Grundversorgung für die Menschen auf seinem Hoheitsgebiet sicherzustellen (https://www.menschenrechtsabkommen.de/menschenrecht-auf…/). Ob er dies in eigener Verantwortung macht oder private Unternehmen hiermit beauftragt, ist letztlich ihm überlassen. Schwierig ist dabei, dass Wassereinzugsgebiete, Flüsse und Seen keine Rücksicht nehmen auf Grenzen oder politische Konflikte. Ein Wassereinzugsgebiet kann aber nur vernünftig verwaltet werden, wenn alle Anrainer und Nutzer zusammenarbeiten und bereit sind, sich für den langfristigen Erhalt der Wasserressourcen einzusetzen und auch selbst Beschränkungen der Nutzung zu akzeptieren.

Was die kommerzielle Nutzung von Wasser angeht – also in der Landwirtschaft, Industrie, für die Abfüllung von Quell- oder Mineralwasser, im Bergbau oder für welchen Zweck auch immer: Jeder, der aus der Nutzung von Wasser einen wirtschaftlichen Vorteil zieht, sollte nach unserer Auffassung einen angemessenen Preis hierfür entrichten, der der Knappheit (und den Kosten der Bereitstellung) Rechnung trägt. Und diesen Preis muss der Staat oder die Gebietskörperschaft bestimmen, auf Grundlage einer klaren und diskriminierungsfreien Regulierung. Die wirtschaftliche Nutzung darf nicht dazu führen, dass der Zugang von Menschen zu einer angemessenen Grundversorgung hierdurch beeinträchtigt wird – auch hierzu macht das UN Recht auf Wasser recht klare Vorgaben. Dabei gibt es in der Realität durchaus Nutzungskonflikte: übermäßige Nutzung z.B. durch bewässerungsintensive Landwirtschaft, Verunreinigungen durch Landwirtschaft, Industrie oder Bergbau führen in zahlreichen Regionen zu einer Beeinträchtigung der Wasserversorgung für die Bevölkerung (siehe z.B. http://wwf.panda.org/what_we_do/how_we_work/our_global_goals/water/, und dies erfordert gemeinsames Handeln.

Was heißt das mit konkretem Bezug auf Nestlé? Nestlé ist nicht in der öffentlichen Wasserversorgung tätig und wir haben auch nicht vor, in diesem Bereich tätig zu werden. Nestlé setzt sich auch nicht für eine „Privatisierung“ von Wasser ein. Solche Behauptungen geistern zwar durch das Netz, treffen aber deswegen noch immer nicht zu. Richtig ist, dass Nestlé für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser wirbt – also für klare Regulierungen und auch für Anreize, sparsam mit Wasser umzugehen. Wir setzen uns auch dafür ein, dem Menschenrecht auf Wasser Geltung zu verschaffen. Dazu tragen wir auch in unserem eigenen Einflussbereich bei – durch Programme für Wasser- und Sanitärversorgung, Wassereinsparung in unseren Werken und Community-Programme in unseren Lieferketten. In zahlreichen Regionen helfen wir auch Landwirten, die uns mit Rohstoffen beliefern, wassersparende Bewässerungsmethoden einzuführen und wir stellen trockenheitsresistentere Pflanzen zur Verfügung, um den Bauern zu helfen, sich besser auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. Ein Beispiel, wie dies in der Praxis aussehen kann: http://www.nestle.com/…/saving-water-in-vietnam-coffee….

Abfüllbetriebe von Nestlé, die mit einer entsprechenden Genehmigung (also einer Lizenz, einem mengenmäßig und zeitlich beschränkten Nutzungsrecht oder aufgrund einer anderen Regulierung) Wasser abfüllen, müssen auch gewährleisten, dass von ihnen keine negativen Auswirkungen auf den Zugang zu Wasser oder auf die Umwelt ausgehen. Unsere Standorte in Regionen, wo die öffentliche Grundversorgung nicht gewährleistet ist, müssen sich hierzu aufgrund unserer eigenen Verpflichtungen einer Due Diligence Überprüfung unterziehen (http://storage.nestle.com/nestle-society…/index.html…). Keiner unserer Standorte, an denen Wasser abgefüllt wird, darf die öffentliche Versorgung oder den Zugang von Menschen zu Wasser beeinträchtigen. Und keine der von uns (mit-)genutzten Quellen wird von uns so übermäßig genutzt, dass hierdurch Grundwasserspiegel sinken oder Brunnen austrocknen. Dies wird auch streng überwacht: durch uns und die Behörden, die die Genehmigung für die Erschließung und Nutzung erteilen. Jeder Abfüller von Quell- oder Mineralwasser wird übrigens ein Interesse daran haben, Quellen nachhaltig zu nutzen – wenn er eine Quelle mehr Wasser entnimmt, als ihr natürlich zufließt, entzieht er sich selber die Geschäftsgrundlage.

Das Abfüllen von Heil-, Quell- oder Mineralwasser in Flaschen ist übrigens seit jeher ein Geschäft, das privatwirtschaftlich betrieben wird, und das normalerweise auch nicht mit dem Menschenrecht auf Wasser in Konflikt steht. Allerdings kann man mit Wasser in Flaschen auch keine öffentliche Grundversorgung mit Wasser sicherstellen – aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten und begrenzten Mengen.

Wasser in Flaschen ist eher eine (gesündere) Alternative zu zucker- und kohlesäurehaltigen Erfrischungsgetränken, und steht unabhängig von einer leitungsgebundenen Wasserversorgung in einer zuverlässigen Qualität zur Verfügung. Auch die Verkaufspreise orientieren sich eher an anderen Erfrischungsgetränken, und die Kosten für Abfüllung, Verpackung und Transport etc. sind ähnlich. In Ländern mit niedrigeren Einkommen streben wir eine Preisstellung deutlich unterhalb zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke an – die Preise machen aber üblicherweise die Händler.

Wir sind der Auffassung, dass für die Gemeinschaften im Umfeld unserer Standorte ein Vorteil aus unserer Tätigkeit entstehen muss, der im Zweifel über das Zahlen von Steuern und das Schaffen von Arbeitsplätzen hinausgehen sollte. Daher unterstützen wir an zahlreichen Standorten umliegende Gemeinschaften z.B. bei der Trinkwassergewinnung, Förderung der sozialen Infrastruktur oder durch ähnliche Aktivitäten. Das können Sie sich ja gerne gelegentlich einmal selber anschauen – schöne Beispiele für solche Community-Programme gibt es z.B. in Pakistan, in Côte d’Ivoire, in Indien, Mexiko und vielen weiteren Ländern (siehe z.B. http://www.nestle.com/…/clean-drinking-water-for-30000… oder http://www.nestle-cwa.com/…/international-federation-of…).

Sie werden aber kein Land finden, wo Nestlé sich für eine Privatisierung von Wasser einsetzt oder dafür verantwortlich wäre, dass Menschen keinen Zugang zu Wasser haben – da müssen wir Sie leider enttäuschen. Unter www.nestle.de/verantwortung/wasser finden Sie auch noch einiges an Informationen und Positionen zum Thema. Wir hoffen, dies beantwortet Ihre Fragen.

Beste Grüße, Achim Drewes, Leiter Public Affairs Nestlé Deutschland“

Soweit die Antwort.

Aber was kostet denn nun ein Liter Wasser in Pakistan, Algerien und Mexiko?

Südafrika könnte man noch hinzufügen.

Der Nestlé-Check

Bottled Life

Viel Text, der zum Fakten-Check einlädt. Vielleicht helft Ihr mir bei der Gegen-Recherche, der dann zu einem Beitrag über dieses Thema führt.

Lesenswert: Zum Glück gibt es Compliance

Gromnica-Ihle: „Ärzte sollten mehr den Patienten als den Verwaltungsdirektoren verpflichtet sein“

Professorin Erika Gromnica-Ihle
Professorin Erika Gromnica-Ihle

„Abschiedsworte müssen kurz sein wie eine Liebeserklärung“, sagte Professorin Erika Gromnica-Ihle bei ihrer Verabschiedung als Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Rheuma-Liga in Berlin. Und so kurz die Ansprache auch war, sie beinhaltete das Vermächtnis ihrer achtjährigen Amtszeit. Mit Verweis auf Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut fordert sie bessere Patienten, bessere Ärzte, bessere Medizin und bessere Selbsthilfe:

„Bessere Patienten: das heißt für mich ganz allgemein, Menschen mit mehr Gesundheitskompetenz.“

Sie müsse bereits früh, vermittelt werden und ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

„Eine Ursache vieler chronischer Krankheiten ist Bewegungsmangel, somit ist in einer immer älter werdenden Gesellschaft höhere Bewegungskompetenz unabdingbar. Und noch etwas: Noch immer ist unser Leitbild der stets leistungsfähige und absolut funktionierende Mensch. Aber Krankwerden gehört, und das besonders in einer alternden Gesellschaft, zum Menschen unweigerlich dazu“, so Gromnica-Ihle.

Hilfsbedürftigkeit, wie auch das Hilfe-Leisten, seien entscheidende Merkmale des Menschseins.

„Bessere Ärzte heißt für mich: Heraus aus der Ökonomisierung. Auf dem gerade statt gefundenen Orthopäden- und Unfallmediziner Kongress sagte Professor Reichel, einer der Kongresspräsidenten: ‚Patienten sind keine Kunden, Ärzte keine Dienstleister und Kliniken keine Schraubenfabriken’. Ärzte sollten mehr den Patienten als den Verwaltungsdirektoren verpflichtet sein. Hier bestehen noch viel zu oft falsche finanzielle Anreize, Beispiel Durchführung nicht notwendiger Diagnostik oder Therapie. Das ist die tiefe Identitätskrise der heutigen Medizin.“

Medizin könne nicht nach den Leitkategorien der Industrie organisiert werden, die Gesetze des Marktes sind hier fehl am Platze. Es müssten die Gesetze der Heilkunde gelten, was das Prinzip der Wirtschaftlichkeit nicht ausschließt.

„Bessere Medizin bedeutet somit, der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht die Gewinne von Klinikkonzernen, Pharmaunternehmen oder der Medizinindustrie. Medizin ist authentische Sorge um den ganzen Menschen. Weiterhin – heute ist die Behandlung oft noch angebotszentriert. Die Forderung der Zukunft ist: Patienten-orientierte Behandlung“, erklärt Grominica-Ihle.

Wandeln müsse sich auch die Selbsthilfe. Früher war sie ein Stachel im schlecht funktionierenden Versorgungssystem. Heute komme es auf die Mitgestaltung an. Experte aus Betroffenheit zu sein, reiche nicht aus.

„Es ist mehr Professionalisierung notwendig. Dabei ist aber die richtige Balance zwischen Ehrenamt und ‚Professionellen’ in der Selbsthilfe unabdingbar und wird aber auch eine echte Herausforderung werden. Und es bedarf dabei zukünftig einer Fokussierung der Mitsprache durch die Selbsthilfe auf ausgewählte Aufgaben. Das heißt es wird mehr Systematisierung der Aufgaben der Selbsthilfe notwendig und schließlich auch mehr Solidarität zwischen den einzelnen Gruppierungen der Selbsthilfe.“

Die aktive Beteiligung der Selbsthilfe werde das Gesundheitssystem und die Selbsthilfe verändern.

Deutsche Rheuma-Liga auf Facebook.

Digitaler Revierstress am Arbeitsplatz #msw14

Wünsche fürs Arbeitsleben
Wünsche fürs Arbeitsleben

Viele Menschen brauchen die Onlineverbindung zur Welt und zur Nachrichtenlage mittlerweile als tägliches Rüstzeug.

„Bei nicht wenigen Menschen läuft während des gesamten Arbeitstages das Internet im Hintergrund – jederzeit bereit, auf Wissen zuzugreifen, Auskunft zu geben, Zerstreuung zu bieten und Kontakte herzustellen. Das Internet ist ein beruflicher und sozialer Interaktionsraum“, schreibt Sabria David im Fehlzeiten-Report 2013.

Das Ganze eineindeutig mit Internet-Sucht gleichzusetzen, wie es der liebwerteste Neuro-Gichtling Manfred Spitzer bei jeder sich bietenden Gelegenheit zelebriert, greift dabei zu kurz.

Der digitale Alarmismus schadet dem Verständnis für digitales Leben und digitale Arbeit. Den Hauptimpuls des Netzgeschehens sieht David in der Möglichkeit, Distanzen zu überwinden. Der Medientheoretiker Marshall McLuhan prägte mit einem Ausflug zum Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Karl Popper den Begriff der Retribalisierung. Nach dem Gutenberg-Zeitalter der distanzierten Schriftkultur erleben wir nun die tribalen Elemente einer oralen Kultur, die das unmittelbare Miteinandersein wiederbelebt. Also unser berühmtes Netz-Lagerfeuer, was wir etwa in Bloggercamp.tv kultivieren. Es gibt aber auch Schattenseiten. David spricht vom Revierstress und der Revier-Verteidigung. Das spielt sich vor allem im beruflichen Umfeld und in Unternehmen ab, die noch eine ausgeprägte Präsenzkultur von ihren Mitarbeitern verlangen.

Arbeitnehmer überwachen ihr Interaktionsfeld

Arbeitnehmer sind konditioniert, ihr Interaktionsfeld zu bewachen, die Kollegen im Auge zu behalten, die Nähe zu Vorgesetzten zu suchen und möglichst spät das Büro zu verlassen. Anwesenheit wird gleichgesetzt mit Engagement und Einsatzbereitschaft. Überträgt man eine solche Präsenzkultur in das digitale Zeitalter, steigt nach Erkenntnissen von David der Druck exponentiell.

„Während bisher selbe nach langen Überstunden irgendwann einmal das Revier bestellt war, hat sich das berufliche Revier nun mittels digitaler Möglichkeiten in ungeahntem Maße ausgedehnt: zeitlich auf 24 Stunden an sieben Tage der Woche. Diese Kombination aus Präsenzkultur und digitaler Verfügbarkeit ist eine für Arbeitnehmer höchst riskante und belastende Konstellation“, erläutert David.

Es fehlen im Büro-Alltag die natürlichen Rückzugsräume und Filter, um Beruf und Privatleben voneinander zu trennen. Sich entziehen zu können und verpassen zu lernen sind nach Ansicht von David die zentralen Lektionen, die es im Umgang mit digitalen Medien zu erlernen gilt. Aber das reicht bei weitem nicht aus. Gefordert ist vor allem das Personalmanagement, den digitalen Revierstress zu minimieren und die Personalentwicklung an die technologischen Entwicklungen anzupassen. Mitarbeiter dürfen sich medial nicht verausgaben und müssen in der Lage sein, fokussiert zu arbeiten.

Keine Konzepte gegen digitalen Stress am Arbeitsplatz

In der Arbeitsorganisation von Unternehmen und Behörden passiert bislang allerdings wenig: In Deutschland kann man die Rückständigkeit als vernetzte Ökonomie an der Kompetenz von Personalmanagern festmacht. relativ simpel überprüfen. Alle großen Institutionen sind in irgendeiner Weise im Netz aktiv.

„Aber 64 Prozent der deutschen Mitarbeiter in Personalabteilungen schauen nicht ins Internet“, sagt Professor Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro. Den Lippenbekenntnissen nach außen folgen keine Taten nach innen. Ein Befund, den ich in meinen Kontakten zur Wirtschaft fast täglich erlebe. Technisch sei die Reise relativ klar vorgezeichnet, sagt Wippermann. Es gebe in den Organisationen große Widerstände, die allerdings öffentlich nicht zugegeben werden: „Man verteidigt ein System der arbeitsteiligen Industriekultur mit einer Kommunikation, die Top-Down verteilt wird und nicht interaktiv ist. So lange wir noch von Neuen Medien und den Herausforderungen des Internets sprechen, wird es noch weitere 20 Jahre dauern, bis sich unsere Kultur umgestellt hat.”

Zwei Jahrzehnte darf es allerdings nicht mehr dauern, um den Revierstress im digitalen Arbeitsleben abzubauen. Schon in den vergangenen zehn Jahren verzeichnete die AOK einen Anstieg der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um zwei Drittel.

Slow Media-Ausstellung auf der MS-Wissenschaft
Slow Media-Ausstellung auf der MS-Wissenschaft

Slow Media-TÜV

Umso löblicher ist eine Initiative von TÜV-Rheinland und dem Bonner Slow Media-Institut, die neue Bewertungsverfahren für digitalen Arbeitsschutz entwickelt haben und die ich in meiner The European-Mittwochskolumne ausführlich darstelle.

Wer das Slow Media-Konzept selbst in Augenschein nehmen möchte, sollte an Bord der MS-Wissenschaft gehen.