KKR, Corona , Richard Wagner und der Krieg

Ob sich Freise noch gerne an die DSD-Zeiten erinnert?

Lange nichts mehr gehört von Philipp Freise. Mittlerweile ist er Co-Head of European Private Equity bei KKR.

Am Anfang seiner Karriere stieß man auf den Grünen Punkt. Gespickt mit Stichworten wie Metro, Otto Beisheim und einigen anderen bemerkenswerten Vorgängen, die im grauen Finanzmarkt abgelaufen sind und Stoff für Romane bieten.

Nachzulesen hier: https://www.oekosmos.de/artikel/kkr-und-der-milliarden-poker-mit-gruene-punkt-gebuehren/

Hier die ARD-Reportage:

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen äußert sich Freise über die Post-Corona-Phase und vergleicht die Lage mit einem Krieg:

„Ökono­misch sind die Folgen durch­aus vergleich­bar: Covid-19 hat zehn Prozent des Brut­to­so­zi­al­pro­duk­tes in einem Jahr vernich­tet. Regie­run­gen wie Zentral­ban­ken haben aus der Finanz­kri­se 2008/9 gelernt und massiv gegen­ge­steu­ert – histo­risch einzig­ar­tig. Sowohl die Auswei­tung der Geld­men­ge sowie die Milli­ar­den­pa­ke­te der Regie­run­gen sind ohne Beispiel, dazu hat die EU-Kommis­si­on ein riesi­ges Programm aufge­legt. Das alles treibt die Kurse.“ Alles, was dann folgt, ist das übliche Analysten-Geraune. Das er über die neue Enthaltsamkeit und einen Verzicht auf Wachstum befragt wird und was Freise antwortet, ist zumindest erstaunlich:

Laut aktu­el­len Studi­en komme es zu einer neuen Nach­denk­lich­keit: „Die Ergeb­nis­se zeigen, dass die Menschen mehr Wert auf Nach­hal­tig­keit legen und bewuss­te­re Entschei­dun­gen tref­fen, nur eine Minder­heit ist vorran­gig auf Spaß und Party aus. Konsu­miert wird frei­lich trotz­dem. Zudem hat die Pande­mie Verän­de­rungs­pro­zes­se beschleu­nigt, Stich­wort: Digi­ta­li­sie­rung, Gesund­heit, Umwelt­schutz…“, so Freise. Alles wahnsinnig originell. Und zum Heuschrecken-Image der Privat Equity-Branche sagte er:

„Wir müssen erzäh­len und kommu­ni­zie­ren, was wir wirk­lich tun. Über­las­sen wir das ande­ren, dann entste­hen diese Vorur­tei­le. Wie Sie wissen, sitze ich im Vorstand der Gesell­schaft der Freun­de von Bayreuth, deshalb zitie­re ich mal Richard Wagner: ‚Wandel und Wech­sel liebt, wer lebt'“, so der Wagner-Freund.

Die Heuschrecken-Thematik ist also nur ein Kommunikationsproblem. Ich würde mir die Götterdämmerung für den grauen Finanzmarkt wünschen. Zumindest benötigen wir Offenlegungspflichten, die vor Ewigkeiten der ehemalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert ins Spiel brachte. Finanzinvestoren müssten beispielsweise auf den Cayman Islands für eine Registrierung weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Private-Equity-Spezialisten würden sich auf Übernahmekandidaten mit gesundem Cash Flow konzentrieren.

„Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden“, kritisierte Seifert und fand wenig Gehör. Das Mindeste, was man von diesen Anteileignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen. Da würden wir dann sogar in der Rückschau noch einige Überraschungen in der Deutschland AG erleben.

#Notizzettel Green Deal: Livetalk um 15 Uhr mit @GrimmVeronika @SVR_Wirtschaft

Investieren für den Green Deal

„Das Corona-Konjunkturpaket und der europäische Wiederaufbaufonds ermöglichen es, umfangreiche öffentliche Investitionen zu tätigen. Diese müssen in Infrastrukturen und Technologien fließen, die für ein klimaneutrales Land und Europa gebraucht werden“, fordert Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

„In der Krise brauch(t)en wir einen starken Staat, um die Lasten abzufedern und den Zusammenbruch von Existenzen und funktionsfähigen Strukturen zu verhindern. Im Frühjahr 2020 hat die Politik schnell, konsequent und zielgerichtet agiert.“

„Neben den kurzfristig wirksamen Maßnahmen sind das Zukunftspaket im Rahmen des Konjunkturprogramms aus dem Juli 2020 sowie die Einigung auf den europäischen Wiederaufbaufonds im Juli 2020 besonders bemerkenswert. Aus diesen Programmen stehen nun hohe Summen für öffentliche Investitionen zur Verfügung, um Wachstumsimpulse zu setzen und die Resilienz der europäischen Wirtschaft nach der Krise zu stärken.“

„Es gilt, die Digitalisierung voranzutreiben, das Bildungssystem zu stärken und vor allem die grüne Transformation zu beschleunigen. Schon zu Beginn der Krise gab es Befürchtungen, der Klimaschutz würde von der Coronakrise überrollt und der Zusammenhalt in Europa gefährdet. Beides hat sich nicht bestätigt.“ 

Siehe auch die Meldung auf DigitalX.

„Zentral für den Klimaschutz ist der rasche Ausbau der Energienetze sowie der Infrastruktur für die klimaneutrale Mobilität. Batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sollen in Zukunft unsere Straßen befahren. Kaufen werden sie die Menschen nur dann, wenn man sie auch laden oder betanken kann – und zwar überall in Europa.“

„Die Einrichtung rechtlich eigenständiger Investitionsfördergesellschaften könnte mittelfristig dazu beitragen, Planungs- und Verwaltungshemmnisse zu überwinden.“

„Eine umfassende Reformagenda muss die CO2-Bepreisung stärken und zum Leitinstrument der Klimapolitik machen, konsequent Abgaben und Umlagen in der Strombepreisung reduzieren, direkte und indirekte Subventionen fossiler Energien beseitigen, das Finanzierungsökosystem neu ausrichten – und vor allem globale Allianzen im Klimaschutz voranbringen.“

„Die intensiven Diskussionen um öffentliche Investitionen oder Förderung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Privatwirtschaftliche Investitionen müssen die tragende Säule der Transformation sein.“

Läuft es jetzt wie in den USA ab?

„Die Stützung der Konjunktur, die Komplettsanierung der Infrastruktur, der Kampf gegen den Klimawandel – und vor allem der Ausbau von Sozialleistungen kosten zunächst einmal sechs Billionen Dollar. Das sind fast 30 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Der Staat rückt in den USA wieder ins Zentrum von Gesellschaft und Wirtschaft. Statt der Ökonomisierung des Politischen, die Amerika in den vergangenen 40 Jahren erlebte, strebt Biden nun die Politisierung des Ökonomischen an. Setzt sich der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama durch, könnte er Amerika stärker verändern als der erste schwarze Präsident. Bidens disruptive Kraft ließe sich dann durchaus mit der seines Vorbilds Franklin D. Roosevelt vergleichen“, schreibt das Handelsblatt.

Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt im Handelsblatt-Interview vor mehr Staat:

Frage: „Mazzucato schlägt auch vor, der Staat solle wie bei der Mondlandung 1969 „Missionen“ ausrufen, um so die Privatwirtschaft zu Höchstleistungen und damit zu Innovationen zu treiben. Eine berechtigte Forderung?“

Antwort von Schnitzer: „Solch ein Missions-Ansatz hat funktioniert, wenn es darum ging, einen Rückstand aufzuholen. Japan und Südkorea haben so ihre Autoindustrie vorangebracht. Auch bei großen Herausforderungen wie dem Klimawandel macht eine Mission Sinn, um Kräfte zu bündeln. Schwierig wird es aber, wenn der Staat Neues entwickeln und darüber entscheiden will, welche Firmen welche Aufgaben übernehmen sollen. Ein deutsches Google wird realistischerweise aus keinem der Unternehmen erwachsen, die es schon 100 Jahre gibt.“

Habt Ihr Fragen für das Livegespräch um 15 Uhr? Wir übertragen via YouTube, Facebook, Twitter und LinkedIn. Die Comments & Reactions Funktion von Ecamm Live fängt alle Postings auf den unterschiedlichen Plattformen im Multistream ein. Man hört, sieht und streamt sich am Nachmittag. Bis gleich.

KI-Wettkampf mit China und den USA – Wie gut schneiden wir ab? @dfki

Künstliche Intelligenz – wie gut sind wir in Deutschland? Antworten von Professor Wolfgang Wahlster, DFKI-Chefberater, im #DigitalXStudio​. Themen: Wie sieht sie aus, die bessere und sinnvollere Mensch-Maschine-Kooperation ohne Angst vor Kontrollverlust? Gibt es neue Arbeitsplätze durch Nearshoring? Die Konnek­ti­vi­tät zwischen Maschi­nen, Werk­zeu­gen, Werk­stü­cken und Fach­ar­bei­tern hat auch in Bestands­fa­bri­ken große Fort­schrit­te gemacht – Beispiele wären nicht schlecht. In 5G-Campus­net­zen können Edge-Devices mit der hohen Band­brei­te und garan­tiert gerin­ger Latenz­zeit von 5G zu einer loka­len Edge-Cloud zusam­men­ge­schal­tet werden, die dann den Echt­zeit­an­for­de­run­gen in der Fabrik genügt. Hybri­de Teams von Werkern und kolla­bo­ra­ti­ven Robo­tern mit verschie­de­nen Fähig­kei­ten führen zu einer neuen Form der Team-Robo­tik, in der Mensch-Maschi­ne-Inter­ak­ti­on unter Führung des mensch­li­chen Fach­per­so­nals im Mittel­punkt steht, welches Hand in Hand mit Robo­tern zusam­men­ar­bei­tet, um im Team komple­xe Ferti­gungs­auf­ga­ben zu lösen. Bei den Daten­in­fra­struk­tu­ren müssen die Anfor­de­run­gen der jewei­li­gen Bran­che bezüg­lich Daten­ho­heit, Dezen­tra­li­tät in hete­ro­ge­nen Multicloud-Syste­men und Edge-Support berück­sich­tigt werden. Wie gut sind wir da in Deutschland? Sind die USA und China enteilt?

USA und Deutschland: Wer hat wirtschaftlich die besseren Karten?

Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Wer sind die Profiteure der wirtschaftlichen Gemengelage in den USA?

  • Besitzer von geistigen Eigentumsrechten (Tech Companies, Google, Amazon, Facebook, Apple)
  • Und die, die vom Export von Schuldtiteln profitieren

Politische Konsequenzen:

  • USA hat zu wenig getan, um Güterexporte zu stärken.
  • Folglich haben auch die Arbeitnehmer in diesen Bereichen nicht profitiert, sondern nur die, die in Steueroasen „investiert“ haben – also die Superreichen.
  • Über diese Verwerfungen müsste eigentlich die innenpolitische Debatte gehen – das hatte Trump nicht auf seiner politischen Agenda und bei Biden sieht es nicht anders aus.

Einseitige Shareholfer Value-Ideologie. Ungerechte Besteuerung.

Remotefahigkeit der Arbeit:

„Ich bin kein Fan von diesem Fokus auf den Einhornstatus. Einhörner werden durch Finanzierungsrunden kreiert, in denen Start-ups höher und höher bewertet werden. Aber im Idealfall brauchen die Firmen gar nicht so viel Kapital“, sagt Harry Nelis vom Investor Accel im Handelsblatt-Interview.

Die fundamentalen Kennzahlen für Investoren seien Umsatz, Wachstum und Profitabilität. „Und dann muss man schauen: Wie gut lässt sich die Geschäftsentwicklung vorhersagen? Wie einfach wird es sein, das Geschäft zu verteidigen? Wie leicht ist es, das Angebot zu replizieren?“

Es gibt ein neues Interesse amerikanischer Wagniskapitalgeber an deutschen Firmen. Der Grund: „Deutschland hat ein großartiges Bildungssystem. Neben Berlin ist zum Beispiel München mit seinen hervorragenden Universitäten ein fantastischer Ort für Start-ups. Und was wirklich beeindruckend ist: Als ich 2004 zu Accel kam, gab es neben SAP fast keine spannende Softwarefirma in Deutschland. Jetzt hat Deutschland plötzlich sehr viele interessante Tech-Start-ups – vielleicht mehr als jedes andere Land in Europa“, resümiert Nelis.

Einhörner:

„Seit 2015 arbeitet das Lilium-Team in Weßling bei München an der Idee eines elektrisch betriebenen, senkrecht startenden Jets. Die Gründer um CEO Daniel Wiegand haben sich einer besonderen Herausforderung gestellt. Anders als Wettbewerber, die sich auf den Verkehr in Metropolen konzentrieren, will Lilium größere Distanzen (bis zu 300 Kilometer) überwinden. Dazu hat das Gerät Flügel für den Gleitflug. Die 36 elektrisch betriebenen Propeller werden für den Start nach unten geklappt und gehen danach in die Horizontale für den Vortrieb“, schreibt das Handelsblatt.

Weitere Kandidaten in der Handelsblatt-Analyse:

André Christ baut mit seinem Softwareunternehmen LeanIX ein „Google Maps“ für die IT-Architektur eines Unternehmens. 

Contentful aus Berlin konkurriert im Markt für Content-Management-Systeme mit etablierten Anbietern wie Adobe. 

Weltkonzerne wie Siemens und Lufthansa gestalten mit Celonis ihre Geschäft effizienter. Die Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk haben eine Process-Mining-Technologie entwickelt, die Prozesse in Daten abbildet und aufzeigt, wo es hakt – etwa, wenn Kunden im Zahlungsrückstand sind, aber immer wieder neue Bestellungen erhalten. 

Verweis auf die aktuellen mRNA-Impfstoffe. Denen liegen 30 Jahre Grundlagenforschung zugrunde mit erheblichen Rückschlägen. Da diese Impfstoffe zudem sehr teuer sind, haben sich die großen Pharmakonzerne 2015 aus der Entwicklung ausgeklinkt. Drei Start-ups haben weiter gemacht: BioNtech, Curevac und Moderna. Schöner Beitrag dazu in Nature: https://www.nature.com/articles/d41586-021-00019-w

Das von der Max-Planck-Gesellschaft initiierte Cyber Valley mit dem in Tübingen und Stuttgart ansässigen Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme als Aggregationskern_ Es entwickelt sich gerade zu einem kreativen Hotspot für wissenschaftliche Fortschritte und ökonomisch erfolgreiche Innovationen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz – und lockt große wie kleine Unternehmen an. Mit einem jüngst gegründeten Start-up-Netzwerk will das Cyber Valley eine Gemeinschaft von Gründern schaffen. Und auch die Technologiekonzerne Bosch und Amazon investieren hier kräftig. So hat Bosch angekündigt, in Tübingen einen neuen Campus zu errichten, an dem zukünftig etwa 700 KI-Experten forschen sollen, und Amazon plant den Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums innerhalb der nächsten fünf Jahre mit rund 100 Mitarbeitern.

Start-ups sollen mit weitestgehend einheitlichen und pauschalierten Beteiligungs- und gründungsfreundlichen Lizenzbedingungen, mit der Bereitstellung von Industrieexperten, eigenen „CompanyBuilding“-Aktivitäten mit externem erfahrenem Management („Gründen ohne Gründer“) und einer verbesserten Entrepreneurship-Ausbildung unterstützt werden. Im Bereich IT ist eine enge Kooperation mit dem Cyber Valley geplant.

Futter für das Streitgespräch um 19 Uhr:

Ratschläge für die Wirtschaftspolitik, Homeoffice, Coworking auf dem Land und 5G-Ökonomie – Themen im #DigitalXStudio mit @D_Langenmayr @AchimTruger @arbeitXpunkt0 @Isarmatrose @servicerebell @HermannSimon @winfriedfelser @constantinsohn @holzgespuer

So kann es weitergehen mit den DigitalX-Themen, Gästen und Netzdebatten.

Homeoffice und Coworking:

5G-Ökonomie, Handelskriege und miserable US-Infrastruktur:

Ratschläge für die Wirtschaftspolitik:

Weitere Nachberichte folgen.

Eure Vorschläge für 2021?

Siehe auch: