Wer zweimal in die gleiche Grube fällt, ist …. – Überlegungen zur Versteigerung der UMTS äh 5G-Lizenzen

Im Juli 2002 schrieb ich folgenden Artikel:

Seit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland ist die Stimmung in der Telefonbranche von Euphorie in Katzenjammer gekippt. Auch den Firmen, die jeweils zwischen 16 und 17 Milliarden DM für ihre Lizenzen bezahlt haben, ist unwohl geworden angesichts der enormen Kostenbelastung, die nicht nur aus dem Lizenzerwerb, sondern auch aus dem Aufbau der Netzinfrastruktur resultiert. So sind seit einiger Zeit ‚Netz-Ehen’ im Gespräch. Aktuell haben E-Plus und Group 3G eine Vereinbarung zur gemeinsamen Nutzung von Antennenstandorten und Netzelementen vereinbart. Eine Absichtserklärung ähnlicher Art existiert zwischen der Deutschen Telekom und Viag Interkom (O2).

Doch mobiles Internet ist auch ohne eine UMTS-Netzinfrastruktur möglich. Das Konzept des Virtual Mobile Network Operator (VMNO) baut meist auf eigener Vermittlungstechnik auf, sowie eigenen Plattformen für Value Added Services. Der Anschluss selbst wird bei den UMTS-Netzbetreibern eingekauft. Seinen Kunden gegenüber tritt der VMNO wie ein eigener Netzbetreiber auf. Der Enhanced Service Provider wiederum geht über den heutigen Service Provider hinaus, in dem er stärker eigene Mehrwertdienste anbietet. Gegenüber der noch existierenden, sehr stark auf Sprachübertragungsminuten fokussierten Mobilfunkwelt bieten derartige Konzepte für mobile Daten- und Internetanwendungen eine vielversprechende Grundlage.

Gelingt es den VMNO’s und ESP’s sich als profiträchtige Mehrwertdienste zu positionieren, können die darüber erzielbaren Umsätze schnell interessanter sein als die Umsätze über die Netztransportdienste der eigentlichen Netzbetreiber. Aktuell heiß diskutierte Anwendungen wie Instant Messaging Systeme oder Location Based Services sind auch ohne eigenen UMTS-Netzbetrieb realisierbar.

„Es sind der Service und die Dienste, die für den Kunden zählen und für die er auch zahlt“, so IT-Experte Marek Wojcicki. „Den Kunden interessieren keine hochkomplexen technischen Infrastrukturen, die er auch gar nicht verstehen kann. Er möchte einen greifbaren, anwenderfreundlichen Service zu fairen Preisen. Dies wird auch im mobilen Internet das Geheimnis des Erfolgs sein“, führt Wojcicki weiter aus.

Noch interessanter werden Alternativ-Szenarien, wenn man hinter die Kulissen von UMTS schaut. Die UMTS-Netze sind auf der IP-Netzseite im Grunde GPRS (Global Packet Radio Service) Netze, die UMTS im wesentlichen als Radio Access einsetzen. GPRS ist längst in der Umsetzung in den heutigen GSM-Netzen. Höhere Bandbreiten für Internet-/Datenanwendungen sowie eine volumenorientierte Abrechnung sind schon durch GPRS möglich. Brechen wir die hohen, theoretisch möglichen Übertragungsbandbreiten von UMTS, im urbanen Stationärbetrieb bis 2 Mbit/s, auf realistische Werte bis 256 kBit/s oder maximal 384 kBit/s herunter, so ist der Unterschied zu GPRS im Access Bereich, wo durchaus gute 100 kBit/s möglich sind, nicht mehr sehr groß. Unter suboptimalen Alltagsbedingungen werden mit UMTS kaum höhere Bandbreiten als durch GPRS erreicht werden können. Hier stellt sich also die Frage, ob der enorme Ersteigerungspreis der UMTS-Lizenzen sich für die UMTS-Lizenznehmer rechnet, ob sie einen entsprechenden Return-on-Invest haben werden. Für Peter Záboji von der TK Firma Tenovis ist die Antwort klar:

„Für das Geld des UMTS-Lizenzpaketes wäre ein Invest in Mehrwertdienst-Plattformen und die Entwicklung von Anwendungen wesentlich sinnvoller und profitabler gewesen. Am Ende haben die Lizenznehmer gerade noch die Lizenzen und die Netzinfrastrukturen finanzieren können und stehen ohne wirklich interessante Anwendungen dar.“

Neben dem Alternativen aus den Mobilfunknetzen selbst treten aber weitere Lösungen in Wettbewerb. Schon existieren Konzepte, Campuslösungen mit mobilen V-LAN Techniken auf Basis 2,4 GHz zu installieren. In Frage kommen hierfür Flughäfen, Bahnhöfe, Messegelände, Business Parks etc. Zwar nicht als Alternative zum eigentlichen Mobilfunk, aber zur mobilen Datenübertragung von Notebooks. Hier stehen dann tatsächlich hohe mobile Bandbreiten zur Verfügung. Die Technik hierfür existiert längst und ist ausgereift und günstig, und sie ist frei von Lizenzauflagen. Zu lösen sind nur Techniken und Standards für Autorisierung, Accounting und Billing. Werden diese Standards überall eingehalten, ist also mit einem Account der Zugang für alle V-LAN Installationen Deutschland- und auch Europaweit möglich, muss nur eine entsprechende kritische Masse erreicht werden.

Die durchaus als Desaster zu bezeichnende Situation von WAP im Mobilfunk hat gezeigt, dass es nicht auf die bloßen technischen Möglichkeiten ankommt. Unzulänglich umgesetzt, ohne greifbaren Mehrwert für den Benutzer, und ohne die notwendige Penetration im Markt, also ohne die kritische Masse zu erreichen, kann auch UMTS für die Netzbetreiber ein Desaster werden. Oder mit den Worten Zábojis:

„Die zentrale Frage hat bislang noch niemand beantwortet: Wer braucht UMTS eigentlich noch?“

Zweifellos werden sich mobile Anwendungen ihren Markt erobern, aber ob davon die UMTS-Netzbetreiber profitieren, ist noch nicht sicher. Über das mobile Internet und die Flexibilität der IP-Adressen wird die Bindung an den Netzbetreiber wesentlich schwächer gegenüber der heutigen Situation, wo noch nicht einmal die Rufnummernportabilität des Festnetzes oder die Call-by-Call Netzauswahl bisher in den Mobilfunknetzen umgesetzt wurde.

Offenkundig ist, dass Erlöse ausschließlich für die Übertragung, also für Minuten oder Übertragungsvolumen, nicht mehr ausreichen. Das Festnetz-Geschäft ist zu einem low margin Geschäft geworden, und der Mobilfunkmarkt wird folgen. Auch die Netzbetreiber stehen daher vor der Aufgabe, andere Erlösquellen neben dem Geschäft mit Bandbreite zu suchen. Diese müssen über Inhalte und Anwendungen gefunden werden, somit im mobilen Datenverkehr/Internet. Mobile Commerce in allen Varianten ist also auch für die Netzbetreiber der Schlüssel zum Erfolg. Ende der Meldung. Bekanntlich hat das bei den Netzbetreibern mit Neugeschäft „fantastisch“ geklappt….

Plattform-Anbieter wie Amazon zerschlagen? @kroker @axelopp @digitalnaiv

Das oberste Gericht in den USA, der Supreme Court, verhandelt einen Fall, der die Grundregeln des Cloud Computing tangiert. Die Richter wollen entscheiden, ob US-Behörden, wie die Oberschnüffler von NSA, künftig auch auf Daten zugreifen können, die im Ausland gespeichert sind. Sollte die Entscheidung für die Schlapphüte positiv ausfallen, dürften wohl einige internationale Großkunden von Amazon nervös werden.

„Womöglich könnten die Juristen damit sogar König Bezos aus seinem Wolkenreich vertreiben“, schreibt Wiwo-Redakteur Michael Kroker.

IT-Analyst Axel Oppermann bestätigt dieses Szenario gegenüber der Wiwo:

„Ein Urteil zugunsten der US-Regierung würde dem weiteren Wachstum der Cloud-Branche, die fest in der Hand amerikanischer Unternehmen liegt, einen enormen Dämpfer verpassen.“

Die #9vor9 Kontroverse

Es würde die gesamte Strategie von Amazon mit AWS als Speerspitze gefährden. Davon ist Stefan Pfeiffer vom CIO-Kuratorium nicht überzeugt:

„Wenn ich sehe, wie europäische und deutsche Unternehmen derzeit mit dem Thema umgehen, glaube ich nicht an den Dämpfer. Seit Jahren ist die NSA-Frage virulent und wird offensichtlich akzeptiert.“

Am Ende geht es auch gar nicht um die NSA oder um die Tatsache jederzeit von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen überwacht zu werden, spekuliert Oppermann in einer Facebook-Diskussion zur Sendung #9vor9:

Es gehe bei dem Verfahren auch um andere Themen – etwa um den Zugriff anderer staatlicher Stellen. Und besonders auch um den Zugriff innerhalb zivilrechtlicher Verfahren.

„Grundsätzlich um exterritorialen Zugriff, sowie Sicherheit und offene Handelsbeziehungen. Wenn der Oberste Gerichtshof entscheiden würde, dass die Daten weitergegeben werden müssen, bestehe Unsicherheit darüber, ob und wann sich das Gesetz ändern würde und wie der tatsächliche Inhalt eines neuen Gesetzes aussehen könnte. Natürlich wäre das neue Gesetz noch immer Gegenstand von mehr Auslegung und Rechtsstreitigkeiten“, sagt Oppermann.

Einige Länder könnten Datenoasen einrichten, die den derzeit existierenden Finanz- und Steueroasen ähnlich sind. Der Dämpfer komme aus der grundsätzlichen Unsicherheit.

Egal wie das Verfahren ausgeht – das Vertrauen vieler Akteure gegenüber den Oligopolen des Netzes sinkt. Immer mehr Unternehmen gehe die Marktmacht von Amazon zu weit, so Kroker. Ähnlich wie bei Google und Facebook, fordern sie politische Schritte, womöglich eine Zerschlagung wie in der Telekommunikation. Ökonom Srnicek hält die Überführung dieser Firmen in einen irgendwie gearteten öffentlichen Besitz für ideal. Aber sobald man das sagt, gerät man in ziemliche Schwierigkeiten, denn Google oder Amazon dem Staat unterordnen?

Wie soll das technisch, ökonomisch und rechtlich funktionieren? Ich denke jedenfalls, wir müssen neue Modelle entwickeln, zum Beispiel wie eine öffentliche und gemeinnützige Kontrolle aussehen könnte. Das Thema drängt, aber die Diskussion hat noch gar nicht richtig begonnen. Vielleicht stolpern die Big Five des Silicon Valley ja über die Daten-Gier von NSA & Co. Wäre ein Treppenwitz. Ausführlich in meiner Netzpiloten-Kolumne nachzulesen.

Auch nicht lustig: Facebook durchleuchtet die geistige Gesundheit seiner Nutzer

Lahmes Internet, fragwürdiger Lobbyismus und bräsige Digitalpolitik #GroKo

„Im Moment haben wir ja das Problem, dass die Telekommunikationsunternehmen auch ihre 100 oder 200 Mbit/s-Anschlüsse nicht loswerden“, erklärte die Internetexpertin der CSU, Dorothee Bär zu den Digitalplänen der kommenden Bundesregierung. Bär sei ohne Zweifel sehr sachkundig, bemerkt Sascha Lobo in seiner Spiegel Online-Kolumne.

„Das aber macht ihre Aussage zugleich erstaunlich, skandalös und unerstaunlich. Erstaunlich ist, dass Bär den angeblich mangelnden Verkaufserfolg als eigentliches Problem hinstellt. Denn bisher kann nur eine Minderheit der deutschen Haushalte das angeblich ungewünschte Produkt überhaupt kaufen, und das fast nur in größeren Städten. In der wichtigsten Breitbandstatistik des zuständigen Ministeriums ist ernsthaft ‚größer 50 Mbit/s‘ die schnellste Internetkategorie. Ironie der Realität: An drei zufällig ausgewählten Standorten von Bärs Geburtsstadt Bamberg (Moosstr. 10, Vogtstr. 2, im Gewerbegebiet Am Börstig 25) beträgt die von der Telekom angebotene Maximalgeschwindigkeit 16 Mbit/s (Stand 13. Februar 2018). Tja, warum nur kaufen so wenig Leute 100 Mbit/s“, fragt sich Lobo.

Skandalös an Bärs Aussage sei, dass sie exakt die Perspektive der Konzerne übernimmt, die neben der Politik eine große Mitschuld an der Breitbandmisere tragen. „Ihre Formulierung verschiebt nämlich die Verantwortung für die schlechte Breitbandversorgung auf die Kunden. So blendet sie aus, dass neben der erwähnten Verfügbarkeit auch Preis, Upload-Geschwindigkeit, Drosselung und Vertragsbedingungen eine erhebliche Rolle beim Verkauf spielen“, so Lobo.

Unerstaunlich an Bärs Aussage sei schließlich ihre Existenz, denn die regierende Politik kommuniziert im Digitalbereich auffällig konzernnah. „Die Politiker tun das oft auch, wenn es den Bevölkerungsinteressen erkennbar entgegensteht. Die Telekom erklärte 2017, dass 100 Mbit/s derzeit ausreichen, was zufällig auch der für sie flächig erreichbaren Maximalgeschwindigkeit entsprach. Dorothee Bär gibt dieser Argumentation politische Rückendeckung, als sei sie Interessenvertreterin der Telekom.“

So kann der Magenta-Laden immer noch genügend Geld aus den Daten-Leitungen quetschen, da andere Geschäftsmodelle nach wie vor nicht funktionieren.
Das ist heute unser Problem und das war in den vergangenen Jahren das Problem in der Digitalpolitik. Erinnert sei an die „Studie“ des Ifo-Instituts, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums konstatierte, dass die Nachfrage für schnelles Internet einfach zu gering sei.

Dabei dürfte selbst den Spitzenökonomen in München klar sein, dass besonders in Fragen der Infrastruktur das Angebot die Nachfrage schafft.

„Ohne Highspeed-Internet können Unternehmen digital nicht aufrüsten und fallen im globalen Wettbewerb zurück. An neue webbasierte Geschäftsmodelle ist in einem solchen Umfeld gar nicht erst zu denken“, so Manager Magazin-Redakteurin Müller.

Die teutonische Breitband-Müdigkeit von Spitzen-Politikern und Top-Managern wirkt sich fatal auf die Volkswirtschaft aus.

„Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll.“

Die „geeigneten“ Maßnahmen der Bundesregierung

Die Inflation der Unverbindlichkeiten im „Vertrag“ der Großen Koalition zur digitalen Agenda vor vier Jahren hatte „zielgerichtet“ mit „geeigneten Maßnahmen“ die Wirkung eines Wackelpuddings, den man an die Wand nagelt. Was Unionsparteien und SPD für die digitale Infrastruktur in Deutschland planten, knüpft nahtlos an die Bund-Online-Projekte der vergangenen Jahre an: Sie wurden zu Tode verwaltet. Fehlgeburten mit Lutschpastillen-Wirkung, die mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck in den verschiedensten Ressorts mit minimaler Sauerstoffzufuhr am Leben erhalten werden. Ab und zu erfährt der Netz-Patient eine Reanimation, bevor er seine letzten Bits und Bytes aushaucht.

Völlig außer Acht bleibt die Korrelation zwischen Digitalisierung, Netzausbau und Arbeitsplätzen – übrigens auch in der von der Großen Koalition so geliebten Industrie: Das Internet der Dinge oder der intelligenten Objekte ist schon lange keine Fiktion mehr. Schon 2013 gab es rund zehn Milliarden Verknüpfungen zwischen Maschinen und Produkten. Diesen anschwellenden Datenstrom können wir nur bewältigen, wenn wir konsequent in den Breitbandausbau investieren.

Die Digitalisierung in Deutschland krankt nach Meinung des Technologieexperten Roman Friedrich an einem Wirrwarr von Einzelmaßnahmen. Es versickere jedwede Initiative in irgendwelchen Gremien.

„Da gibt es hier einen Gipfel und dort einen Gipfel. Dann gibt es eine D21-Initiative, die sich tot gelaufen hat. Das Thema Breitband und Digitalisierung hätte es verdient, zur Chefsache erklärt zu werden“, sagte mir Friedrich vor vier Jahren im Interview.

Selbst die anfänglich eingeplanten vier bis fünf Milliarden Euro würden für den Breitbandausbau nicht ausreichen. Es sei nicht ersichtlich, wie wir den Rückstand in der Digitalisierung mit den Plänen der neuen Bundesregierung aufholen können. „Es sind Lippenbekenntnisse und keine klaren Ziele. Der Breitbandausbau auf 50 Mbit/s ist noch nicht einmal zu tief gegriffen. Im Gegenteil. Diese Geschwindigkeit benötigen wir für einen modernen Standort. Mit einer entsprechenden politischen Unterstützung ist mehr möglich. Das sehen wir in anderen Ländern“, weiß Analyst.

Strukturschwache Gebiete brauchen dezentrale Cloud-Arbeitsplätze

Die digitale Revolution bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf den Konsumenten. Viel entscheidender sei die Anbindung eines jeden Unternehmens an Breitband.

„Um die Wirtschaftskraft vor allem des Mittelstandes zu erhalten, braucht man die digitale Autobahn. Wir können sonst unsere ökonomische Dynamik nicht ausreichend entfalten. Dabei geht es um innovative Geschäftsmodelle, um die richtigen Dienste und um nachfragestimulierende Applikationen. Ohne die entsprechende technologische Grundlage wird das nicht erreichbar sein“, meint Friedrich.

Auch das Märchen von der zu geringen Nachfrage nach schnellem Internet, was von Wirtschaftsforschern im Auftrag der Bundesregierung in die Welt getragen werde, ist nur ein weiterer Beleg für das mangelhafte Verständnis der politischen Akteure für die Relevanz der digitalen Infrastruktur:

„Wir haben schon jetzt Engpässe. Unsere politische Elite und auch viele klassische Wirtschaftsführer verstehen nicht, was zurzeit im Markt passiert. Die digitale Revolution ist mindestens so relevant wie die Energiewende.“

Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete in Deutschland, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren.

Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage.
Besser wäre es, über Cloud-Arbeitsplätze dezentrale Organisationen aufzubauen und die negativen Folgen von Landflucht sowie Überalterung abzumildern.

Die Prioritäten in der Regierungspolitik werden falsch gesetzt, was man an der lärmenden und lächerlichen Maut-Debatte in der vergangenen Legislaturperiode sehr schön ablesen konnte. Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in den Köpfen der politischen Akteure ein Umdenken zu bewirken.

Um 11:45 Uhr wollen wir darüber in einem Live-Talk noch einmal reden.

Siehe auch:

Deutsche Digitalpolitik: Rückwärts gewandt und von Lobbyismus geprägt – Hilft da eine neue Behörde?

Anti-Schumpeter: Über die Telekomisierung der (Netz) Ökonomie #Cebit16 #NEO16

Ein Lob auf die Primärquelle
Ein Lob auf die Primärquelle

Es ist schon erstaunlich, dass bei der inflationären Verwendung des Begriffs „Innovation“, der Ökonom Joseph A. Schumpeter als Vater der Innovationstheorie in betrieblichen und volkswirtschaftlichen Gestaltungsfragen ein Schattendasein führt. Das bemängelt Professor Jochen Röpke von der Philipps-Universität Marburg in der Einführung der Schumpeter-Frühschrift „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“.

Die Wortwendung „schöpferische Zerstörung“ fehlt in kaum einem Vortrag eines digital-transformatischen Keynote-Sprechers unserer Tage. Doch niemand scheint sich die Mühe zu machen, die Werke von Schumpeter zu lesen. Das gilt auch für die Wirtschaftswissenschaften. So kommt die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, in der ersten Auflage 1911 erschienen, auf rund zwanzig Besprechungen. Eine magere Bilanz.

Die Rezeption dieses unterschätzten Bandes wäre aber wichtig, um den digital-schöpferisch-zerstörten Debatten-Dompteuren ordentlich in die Parade zu fahren. Die Gründe für diese Ignoranz des ersten Hauptwerkes von Schumpeter in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik liefert Röpke. In der Schrift von 1911 werde der grundlegende und theoretisch nicht überbrückbare Gegensatz zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und dem „normalen“ Wirtschaftsleben herausgearbeitet:

„Dies erfolgt in einer für moderne Leser schockierenden Brutalität, Klarsichtigkeit und poetischen Formulierungsgabe.“

Niemand – auch heute nicht – der so argumentiere wie Schumpeter 1911, hätte nur im entferntesten die Chance, einen Professorenruf zu erlangen, einen Beratungsauftrag zu ergattern, Drittmittel zu internalisieren, geschweige denn, in eines der Gremien berufen zu werden, welche das ökonomische Schicksal postmoderner Ökonomien zu gestalten hoffen.

Die herrschende ökonomische Lehre bietet nichts an, um Entwicklungsprozesse zu erklären oder anzustoßen: „Sie ist leer und nichtssagend, soweit sie richtig ist, und falsch, soweit sie etwas sagt“, schreibt Schumpeter in der Entwicklungstheorie (Seite 471 in der Neuauflage aus dem Jahr 2005).

Ob in der Euro-Krise, in der Flüchtlingsdebatte oder in Fragen der Arbeitslosigkeit: Wissenschaft und Wirtschaftspolitik setzen auf exogene Faktoren bei der Steuerung des Wirtschaftslebens. Aktuell zu bewundern bei der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Betrachtet wird der Wald – ignoriert werden einzelne Bäume. In der schumpeterschen Theorielogik existieren zwei theoretische und empirische Parallelwelten: der statische Kreislauf und das Innovationssystem.

Während im statischen System Änderungen von außen angestoßen werden – beispielsweise über die Politik des billigen Geldes, über Subventionen oder Steuersenkungen – ist dies im sich entwickelnden System völlig anders: „Entwicklung entsteht im System selbst, aus der Wirtschaft selbst heraus, endogen, sich selbst herstellend, ist ein autopoietischer Prozess, sich unaufhörlich reproduzierend“, so Röpke.

Die Außenwelt interessiert dabei nicht – siehe die Erfolglosigkeit der EZB-Geldpolitik. Die Ursachen der Entwicklung müssen „aus der Wirtschaft selbst erklärbar sein“, erläutert Schumpeter auf Seite 168.

Der technische Fortschritt fließt in der Mainstream-Ökonomie als reine „Datenänderung“ in die Analyse ein. Sozusagen ein unternehmerloser Automatismus.

Zur Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung von Schumpeter
Zur Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung von Schumpeter

In diesem statischen Modell gibt es keine relevanten Unterschiede im wirtschaftlichen Handeln verschiedener Mitglieder einer Volkswirtschaft. In dieser Sichtweise dominiert das Routineunternehmen:

„Es ist das Anwenden dessen, was man gelernt hat, das Arbeiten auf den überkommenden Grundlagen, das Tun dessen, was alle tun. Auf diese Art wird nie ‚Neues‘ geschaffen, kommt es zu keiner eigenen Entwicklung jedes Gebietes, gibt es nur passives Anpassen und Konsequenzenziehen aus Daten“, bemerkt Schumpeter auf Seite 125.

Man könnte es auch als Telekomisierung von Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik bezeichnen. Es dominieren Routinen, die Führungskräfte wie Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom, zum Besten geben:

„Manchmal reicht schon eine Webseite mit Onlineshop. [Dramatische Pause]“

Die Telekom ist sozusagen der Gipfel der Nichtigkeit in einer vernetzten Wirtschaft, die die Notwendigkeit der Neuerfindung auf Onlineshop-Niveau abhandelt.

Telekomisch
Telekomisch

Telekomiker zählen zur Avantgarde einer statischen Wirtschaft, die nicht in der Lage ist, mit Neuem zu experimentieren.

Als zweite Gruppe definiert Schumpeter Menschen, die zwar mit einer scharfen und beweglichen Intelligenz ausgestattet sind, zahllose Kombinationen und neue Ideen entdecken, dieses Wissen am Markt aber nicht durchsetzen. Ich bezeichne das als Fraunhofersches mp3-Syndrom.

Dann gibt es eine dritte, minoritäre Gruppe, die selbst- oder fremdproduziertes Wissen in neuen Kombinationen durchsetzt. Dieser dynamische Typus orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern erzeugt neue Märkte und neue Nachfrage. Also Steve-Jobs-Unternehmer.

Die meisten Wirtschaftsakteure beschränken sich auf die Aufrechterhaltung von Routinen, kritisiert der ehemalige Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger.

Es sind in der Mehrheit eher Schafe im Wolfspelz. Umgekehrt wäre es besser, da nur Wölfe in neuen Territorien streunen. Die reale Welt funktioniere anders als das gesprochene Wort des Top-Managements suggeriert, betont Sattelberger.

„Was macht die deutsche Telekom angesichts des hochprofitablen Siechtums im Mobilfunk und Festnetz? Was macht die deutsche Automobilindustrie mit der Einsicht, dass ihr Profit weitgehend von den Launen der ‚neuen Reichen‘ in Südamerika oder Asien abhängt? Da versagen die Firmen auf ganzer Linie.“

Insofern braucht das satte und arrivierte System viele kleine Störenfriede, die den alten Säcken auf die Nerven gehen und sie herausfordern.

Wir brauchen also mehr Schumpeter-Unternehmer, die das Neue organisieren und DURCHSETZEN. Ein Innovator zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus:

„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“

Die Neukombination beruht nur wenig auf Faktoren, die von außen einwirken. Das Ganze ist primär auch kein Preisproblem. Es liegt am unternehmerischen Können und Wollen. Das Problem liegt in der klassischen Sichtweise von Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftspolitik und Managementdenken: Ohne Neuerungen erzeugt man auch in der vorherrschenden Ökonomie-Lehre kurzfristig Wachstum und Beschäftigung. Die Konsequenzen sind nach der Logik von Schumpeter für eine Volkswirtschaft fatal:

INNOVATIONSARMUT ERZEUGT EINKOMMENSARMUT.

„Kein Unternehmen kann dauerhaft existieren und keine Volkswirtschaft den Lebensstandard ihrer Bürger erhalten, geschweige denn erhöhen, wenn nur die Kosten verringert, aber keine neuen Märkte mit neuen Güter erschlossen werden“, warnt Röpke.

Also die Telekomiker-Falle. Organisationen werden auf Effizienz getrimmt und zehren von Substanz.

Röpke fordert die theoretische Konstruktion einer Alternative: eine Ökonomie der Entwicklung, eines sich selbst reproduzierenden Systems von Neukombinationen.

Das wollen wir morgen auf der Cebit im netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs ab 16 Uhr vertiefen.

Wir sollten es auch als ein weiteres Schwerpunkt-Thema auf der Next Economy Open am 1. und 2. Dezember im Uniclub Bonn aufgreifen. Schließlich gibt es da einen Schumpeter-Saal 🙂

Siehe auch:

Was ist wirklich disruptiv? #NEO16 #Cebit16

Es gibt immer noch ein Service-Debakel, wertes Team von @telekom_hilft

Telekom-Router-Stress
Telekom-Router-Stress

Das Telekom-Service-Desaster bei der Umstellung auf VDSL am 17. Dezember des vergangenen Jahres wird Euch noch geläufig sein, wertes Team von telekom_hilft. Noch einmal zur Erinnerung (@telekom_hilft es gibt immer noch ein Problem mit Anschluss 0228-622243: Vom VDSL-Aufschaltungsdesaster):

Das Problem des defekten Routers konnte der Agent für den “normalen” Kundenservice nicht bearbeiten, so wurde ich zum technischen Service weiter verbunden. Der Mitarbeiter bot mir an, ein Austauschgerät per Post zu schicken, was allerdings einige Tage dauern könne. Daraufhin bekam ich den ersten Adrenalin-Schub. Ich sagte dem Telekom-Mitarbeiter, dass ich am Donnerstag und Freitag wichtige Livestreaming-Projekte realisieren muss und sofort eine Lösung benötige. Antwort: Das sei gar kein Problem. “Gehen Sie zum nächstgelegenen T-Shop und kaufen sich den erforderlichen Router. Wenn das Austauschgerät eintrifft, tauschen Sie das gekauft Gerät im T-Shop um. Als Verbraucher steht Ihnen ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu.”

Gesagt, getan. Also marschierte ich zur Telekom-Filiale 9949207 in der Rochusstraße 198 – Fußweg ungefähr fünf Minuten – und erwarb den Speedport für schlappe 149,99 Euro.

Der neue Router funktionierte. Das Power-Lämpchen ging an. Stromversorgung in Ordnung. Weitere Lämpchen, die die Funktionen für Internet, WLAN und Telefonie anzeigen, waren allerdings noch inaktiv. Der technische Service hat es dann am 19. Dezember gerichtet. An diesem Tag schickte der technische Service auch das Austauschgerät.

Meine Frau brachte bekanntlich am Samstag den zwischenzeitlich gekauften Router zum T-Shop zurück, um die 149,99 Euro in Empfang zu nehmen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne den T-Shop-Mitarbeiter in der Rochusstraße 198 gemacht. Herr A. kanzelte meine Frau im rüden Ton ab. Ihm sei es egal, welche Absprachen mit dem technischen Service gemacht wurden. Er werde den Router nicht zurücknehmen. Nach einem längeren Disput verweigerte Herr A. eine konstruktive Lösung des Falls und wandte sich demonstrativ dem Kunden zu, der hinter meiner Frau stand.

Im Ergebnis hatten wir drei Router und einen überflüssigen ISDN-Adapter. Retourenscheine kamen für den defekten Router und für den Adapter, so wie mit Sandra (oder so ähnlich) vom telekom_hilft-Team abgesprochen. Sie entschuldigte sich telefonisch sehr höflich und sagte, auch der im T-Shop gekaufte Router würde via Retourenschein auf Kulanzbasis zurückgenommen und mir gutgeschrieben. Zudem bekäme ich ein Jahreslos von Aktion Mensch oder etwas vergleichbares. Das war Ende 2014!!!! Weder der Retourenschein ist gekommen noch das Jahreslos. Auch hat sich der Filialleiter aus Bonn-Duisdorf bei uns bislang nicht für das Macho-Verhalten seines Mitarbeiters A. bei uns entschuldigt.

Ihr seid Service-Bürokraten. Ohne Öffentlichkeit bewegt sich bei Euch so gut wie nichts. Bitte regelt jetzt die zwei offen stehenden Punkte. Sofort!!!!!

Update:

Für den Router ist wohl eine Gutschrift erteilt worden ohne Zusendung eines Retourenscheins – wird von mir noch überprüft. Jahreslos soll am 2. Januar rausgeschickt worden sein, ist bei uns aber nicht angekommen. Der Filialleiter hat sich bei uns nicht gemeldet.