#5G-Netzausbau läuft in Deutschland flott: Schub für die Wirtschaft #DigitalXStudio #Digitaltrends2021

Auf dem Weg zur 5G-Ökonomie? War Thema im #DigitalXStudio

Der 5G-Netzausbau geht in Deutschland schneller voran, als von vielen Skeptikern prognos­ti­ziert. „Das Netz wächst wirk­lich rasant. Noch nie ist in Deutsch­land eine neue Mobil­funk­tech­no­lo­gie so schnell ausge­baut worden“, sagt der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­fach­mann Tors­ten Gerpott von der Univer­si­tät Duis­burg-Essen nach einem Bericht der FAZ. Das habe unter ande­rem damit zu tun, dass Netz­be­trei­ber auf eine Basis­in­fra­struk­tur zurück­grei­fen können.

„Der schnel­le Mobil­funk­stan­dard soll der Wirt­schaft einen regel­rech­ten Schub und der gesam­ten Gesell­schaft kräf­ti­ge Wohl­fahrts­ge­win­ne besche­ren. Nach einer kürz­lich veröf­fent­lich­ten Studie stehen allein in Europa prognos­ti­zier­ten Aufbau­kos­ten von rund 50 Milli­ar­den Euro Erträ­ge von mehr als 200 Milli­ar­den Euro gegen­über. Nicht nur die Spezia­lis­ten sind über­zeugt: Das Inter­net der Dinge, die voll­au­to­ma­ti­sier­te Fabrik, das selbst­fah­ren­de Auto – all das sind Ideen, die auch auf 5G fußen und nicht nur das neue Jahr, sondern das gesam­te Jahr­zehnt prägen dürf­ten“, so die FAZ.

Diese Thematik werden wir bei DigitalX weiter vertiefen.

Etwa 3D-Druck:

Zum Netzausbau:

Was von der digitalen Welt 2021 zu erwarten ist.

Welche #Digitaltrends2021 seht Ihr?

#9vor9 Vom Hotline-Service bis zur eurpäischen Cloud Gaia-X @telekom_hilft @peteraltmaier @axelopp @digitalnaiv

Es war wieder einiges los in der #9vor9 Sendung:

#9vor9 mit den Digitalthemen der Woche

Vom Hotline-Service bis zur eurpäischen Cloud Gaia-X

Gepostet von Gunnar Sohn am Dienstag, 27. August 2019

Wer zweimal in die gleiche Grube fällt, ist …. – Überlegungen zur Versteigerung der UMTS äh 5G-Lizenzen

Im Juli 2002 schrieb ich folgenden Artikel:

Seit der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland ist die Stimmung in der Telefonbranche von Euphorie in Katzenjammer gekippt. Auch den Firmen, die jeweils zwischen 16 und 17 Milliarden DM für ihre Lizenzen bezahlt haben, ist unwohl geworden angesichts der enormen Kostenbelastung, die nicht nur aus dem Lizenzerwerb, sondern auch aus dem Aufbau der Netzinfrastruktur resultiert. So sind seit einiger Zeit ‚Netz-Ehen’ im Gespräch. Aktuell haben E-Plus und Group 3G eine Vereinbarung zur gemeinsamen Nutzung von Antennenstandorten und Netzelementen vereinbart. Eine Absichtserklärung ähnlicher Art existiert zwischen der Deutschen Telekom und Viag Interkom (O2).

Doch mobiles Internet ist auch ohne eine UMTS-Netzinfrastruktur möglich. Das Konzept des Virtual Mobile Network Operator (VMNO) baut meist auf eigener Vermittlungstechnik auf, sowie eigenen Plattformen für Value Added Services. Der Anschluss selbst wird bei den UMTS-Netzbetreibern eingekauft. Seinen Kunden gegenüber tritt der VMNO wie ein eigener Netzbetreiber auf. Der Enhanced Service Provider wiederum geht über den heutigen Service Provider hinaus, in dem er stärker eigene Mehrwertdienste anbietet. Gegenüber der noch existierenden, sehr stark auf Sprachübertragungsminuten fokussierten Mobilfunkwelt bieten derartige Konzepte für mobile Daten- und Internetanwendungen eine vielversprechende Grundlage.

Gelingt es den VMNO’s und ESP’s sich als profiträchtige Mehrwertdienste zu positionieren, können die darüber erzielbaren Umsätze schnell interessanter sein als die Umsätze über die Netztransportdienste der eigentlichen Netzbetreiber. Aktuell heiß diskutierte Anwendungen wie Instant Messaging Systeme oder Location Based Services sind auch ohne eigenen UMTS-Netzbetrieb realisierbar.

„Es sind der Service und die Dienste, die für den Kunden zählen und für die er auch zahlt“, so IT-Experte Marek Wojcicki. „Den Kunden interessieren keine hochkomplexen technischen Infrastrukturen, die er auch gar nicht verstehen kann. Er möchte einen greifbaren, anwenderfreundlichen Service zu fairen Preisen. Dies wird auch im mobilen Internet das Geheimnis des Erfolgs sein“, führt Wojcicki weiter aus.

Noch interessanter werden Alternativ-Szenarien, wenn man hinter die Kulissen von UMTS schaut. Die UMTS-Netze sind auf der IP-Netzseite im Grunde GPRS (Global Packet Radio Service) Netze, die UMTS im wesentlichen als Radio Access einsetzen. GPRS ist längst in der Umsetzung in den heutigen GSM-Netzen. Höhere Bandbreiten für Internet-/Datenanwendungen sowie eine volumenorientierte Abrechnung sind schon durch GPRS möglich. Brechen wir die hohen, theoretisch möglichen Übertragungsbandbreiten von UMTS, im urbanen Stationärbetrieb bis 2 Mbit/s, auf realistische Werte bis 256 kBit/s oder maximal 384 kBit/s herunter, so ist der Unterschied zu GPRS im Access Bereich, wo durchaus gute 100 kBit/s möglich sind, nicht mehr sehr groß. Unter suboptimalen Alltagsbedingungen werden mit UMTS kaum höhere Bandbreiten als durch GPRS erreicht werden können. Hier stellt sich also die Frage, ob der enorme Ersteigerungspreis der UMTS-Lizenzen sich für die UMTS-Lizenznehmer rechnet, ob sie einen entsprechenden Return-on-Invest haben werden. Für Peter Záboji von der TK Firma Tenovis ist die Antwort klar:

„Für das Geld des UMTS-Lizenzpaketes wäre ein Invest in Mehrwertdienst-Plattformen und die Entwicklung von Anwendungen wesentlich sinnvoller und profitabler gewesen. Am Ende haben die Lizenznehmer gerade noch die Lizenzen und die Netzinfrastrukturen finanzieren können und stehen ohne wirklich interessante Anwendungen dar.“

Neben dem Alternativen aus den Mobilfunknetzen selbst treten aber weitere Lösungen in Wettbewerb. Schon existieren Konzepte, Campuslösungen mit mobilen V-LAN Techniken auf Basis 2,4 GHz zu installieren. In Frage kommen hierfür Flughäfen, Bahnhöfe, Messegelände, Business Parks etc. Zwar nicht als Alternative zum eigentlichen Mobilfunk, aber zur mobilen Datenübertragung von Notebooks. Hier stehen dann tatsächlich hohe mobile Bandbreiten zur Verfügung. Die Technik hierfür existiert längst und ist ausgereift und günstig, und sie ist frei von Lizenzauflagen. Zu lösen sind nur Techniken und Standards für Autorisierung, Accounting und Billing. Werden diese Standards überall eingehalten, ist also mit einem Account der Zugang für alle V-LAN Installationen Deutschland- und auch Europaweit möglich, muss nur eine entsprechende kritische Masse erreicht werden.

Die durchaus als Desaster zu bezeichnende Situation von WAP im Mobilfunk hat gezeigt, dass es nicht auf die bloßen technischen Möglichkeiten ankommt. Unzulänglich umgesetzt, ohne greifbaren Mehrwert für den Benutzer, und ohne die notwendige Penetration im Markt, also ohne die kritische Masse zu erreichen, kann auch UMTS für die Netzbetreiber ein Desaster werden. Oder mit den Worten Zábojis:

„Die zentrale Frage hat bislang noch niemand beantwortet: Wer braucht UMTS eigentlich noch?“

Zweifellos werden sich mobile Anwendungen ihren Markt erobern, aber ob davon die UMTS-Netzbetreiber profitieren, ist noch nicht sicher. Über das mobile Internet und die Flexibilität der IP-Adressen wird die Bindung an den Netzbetreiber wesentlich schwächer gegenüber der heutigen Situation, wo noch nicht einmal die Rufnummernportabilität des Festnetzes oder die Call-by-Call Netzauswahl bisher in den Mobilfunknetzen umgesetzt wurde.

Offenkundig ist, dass Erlöse ausschließlich für die Übertragung, also für Minuten oder Übertragungsvolumen, nicht mehr ausreichen. Das Festnetz-Geschäft ist zu einem low margin Geschäft geworden, und der Mobilfunkmarkt wird folgen. Auch die Netzbetreiber stehen daher vor der Aufgabe, andere Erlösquellen neben dem Geschäft mit Bandbreite zu suchen. Diese müssen über Inhalte und Anwendungen gefunden werden, somit im mobilen Datenverkehr/Internet. Mobile Commerce in allen Varianten ist also auch für die Netzbetreiber der Schlüssel zum Erfolg. Ende der Meldung. Bekanntlich hat das bei den Netzbetreibern mit Neugeschäft „fantastisch“ geklappt….

Plattform-Anbieter wie Amazon zerschlagen? @kroker @axelopp @digitalnaiv

Das oberste Gericht in den USA, der Supreme Court, verhandelt einen Fall, der die Grundregeln des Cloud Computing tangiert. Die Richter wollen entscheiden, ob US-Behörden, wie die Oberschnüffler von NSA, künftig auch auf Daten zugreifen können, die im Ausland gespeichert sind. Sollte die Entscheidung für die Schlapphüte positiv ausfallen, dürften wohl einige internationale Großkunden von Amazon nervös werden.

„Womöglich könnten die Juristen damit sogar König Bezos aus seinem Wolkenreich vertreiben“, schreibt Wiwo-Redakteur Michael Kroker.

IT-Analyst Axel Oppermann bestätigt dieses Szenario gegenüber der Wiwo:

„Ein Urteil zugunsten der US-Regierung würde dem weiteren Wachstum der Cloud-Branche, die fest in der Hand amerikanischer Unternehmen liegt, einen enormen Dämpfer verpassen.“

Die #9vor9 Kontroverse

Es würde die gesamte Strategie von Amazon mit AWS als Speerspitze gefährden. Davon ist Stefan Pfeiffer vom CIO-Kuratorium nicht überzeugt:

„Wenn ich sehe, wie europäische und deutsche Unternehmen derzeit mit dem Thema umgehen, glaube ich nicht an den Dämpfer. Seit Jahren ist die NSA-Frage virulent und wird offensichtlich akzeptiert.“

Am Ende geht es auch gar nicht um die NSA oder um die Tatsache jederzeit von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen überwacht zu werden, spekuliert Oppermann in einer Facebook-Diskussion zur Sendung #9vor9:

Es gehe bei dem Verfahren auch um andere Themen – etwa um den Zugriff anderer staatlicher Stellen. Und besonders auch um den Zugriff innerhalb zivilrechtlicher Verfahren.

„Grundsätzlich um exterritorialen Zugriff, sowie Sicherheit und offene Handelsbeziehungen. Wenn der Oberste Gerichtshof entscheiden würde, dass die Daten weitergegeben werden müssen, bestehe Unsicherheit darüber, ob und wann sich das Gesetz ändern würde und wie der tatsächliche Inhalt eines neuen Gesetzes aussehen könnte. Natürlich wäre das neue Gesetz noch immer Gegenstand von mehr Auslegung und Rechtsstreitigkeiten“, sagt Oppermann.

Einige Länder könnten Datenoasen einrichten, die den derzeit existierenden Finanz- und Steueroasen ähnlich sind. Der Dämpfer komme aus der grundsätzlichen Unsicherheit.

Egal wie das Verfahren ausgeht – das Vertrauen vieler Akteure gegenüber den Oligopolen des Netzes sinkt. Immer mehr Unternehmen gehe die Marktmacht von Amazon zu weit, so Kroker. Ähnlich wie bei Google und Facebook, fordern sie politische Schritte, womöglich eine Zerschlagung wie in der Telekommunikation. Ökonom Srnicek hält die Überführung dieser Firmen in einen irgendwie gearteten öffentlichen Besitz für ideal. Aber sobald man das sagt, gerät man in ziemliche Schwierigkeiten, denn Google oder Amazon dem Staat unterordnen?

Wie soll das technisch, ökonomisch und rechtlich funktionieren? Ich denke jedenfalls, wir müssen neue Modelle entwickeln, zum Beispiel wie eine öffentliche und gemeinnützige Kontrolle aussehen könnte. Das Thema drängt, aber die Diskussion hat noch gar nicht richtig begonnen. Vielleicht stolpern die Big Five des Silicon Valley ja über die Daten-Gier von NSA & Co. Wäre ein Treppenwitz. Ausführlich in meiner Netzpiloten-Kolumne nachzulesen.

Auch nicht lustig: Facebook durchleuchtet die geistige Gesundheit seiner Nutzer

Lahmes Internet, fragwürdiger Lobbyismus und bräsige Digitalpolitik #GroKo

„Im Moment haben wir ja das Problem, dass die Telekommunikationsunternehmen auch ihre 100 oder 200 Mbit/s-Anschlüsse nicht loswerden“, erklärte die Internetexpertin der CSU, Dorothee Bär zu den Digitalplänen der kommenden Bundesregierung. Bär sei ohne Zweifel sehr sachkundig, bemerkt Sascha Lobo in seiner Spiegel Online-Kolumne.

„Das aber macht ihre Aussage zugleich erstaunlich, skandalös und unerstaunlich. Erstaunlich ist, dass Bär den angeblich mangelnden Verkaufserfolg als eigentliches Problem hinstellt. Denn bisher kann nur eine Minderheit der deutschen Haushalte das angeblich ungewünschte Produkt überhaupt kaufen, und das fast nur in größeren Städten. In der wichtigsten Breitbandstatistik des zuständigen Ministeriums ist ernsthaft ‚größer 50 Mbit/s‘ die schnellste Internetkategorie. Ironie der Realität: An drei zufällig ausgewählten Standorten von Bärs Geburtsstadt Bamberg (Moosstr. 10, Vogtstr. 2, im Gewerbegebiet Am Börstig 25) beträgt die von der Telekom angebotene Maximalgeschwindigkeit 16 Mbit/s (Stand 13. Februar 2018). Tja, warum nur kaufen so wenig Leute 100 Mbit/s“, fragt sich Lobo.

Skandalös an Bärs Aussage sei, dass sie exakt die Perspektive der Konzerne übernimmt, die neben der Politik eine große Mitschuld an der Breitbandmisere tragen. „Ihre Formulierung verschiebt nämlich die Verantwortung für die schlechte Breitbandversorgung auf die Kunden. So blendet sie aus, dass neben der erwähnten Verfügbarkeit auch Preis, Upload-Geschwindigkeit, Drosselung und Vertragsbedingungen eine erhebliche Rolle beim Verkauf spielen“, so Lobo.

Unerstaunlich an Bärs Aussage sei schließlich ihre Existenz, denn die regierende Politik kommuniziert im Digitalbereich auffällig konzernnah. „Die Politiker tun das oft auch, wenn es den Bevölkerungsinteressen erkennbar entgegensteht. Die Telekom erklärte 2017, dass 100 Mbit/s derzeit ausreichen, was zufällig auch der für sie flächig erreichbaren Maximalgeschwindigkeit entsprach. Dorothee Bär gibt dieser Argumentation politische Rückendeckung, als sei sie Interessenvertreterin der Telekom.“

So kann der Magenta-Laden immer noch genügend Geld aus den Daten-Leitungen quetschen, da andere Geschäftsmodelle nach wie vor nicht funktionieren.
Das ist heute unser Problem und das war in den vergangenen Jahren das Problem in der Digitalpolitik. Erinnert sei an die „Studie“ des Ifo-Instituts, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums konstatierte, dass die Nachfrage für schnelles Internet einfach zu gering sei.

Dabei dürfte selbst den Spitzenökonomen in München klar sein, dass besonders in Fragen der Infrastruktur das Angebot die Nachfrage schafft.

„Ohne Highspeed-Internet können Unternehmen digital nicht aufrüsten und fallen im globalen Wettbewerb zurück. An neue webbasierte Geschäftsmodelle ist in einem solchen Umfeld gar nicht erst zu denken“, so Manager Magazin-Redakteurin Müller.

Die teutonische Breitband-Müdigkeit von Spitzen-Politikern und Top-Managern wirkt sich fatal auf die Volkswirtschaft aus.

„Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll.“

Die „geeigneten“ Maßnahmen der Bundesregierung

Die Inflation der Unverbindlichkeiten im „Vertrag“ der Großen Koalition zur digitalen Agenda vor vier Jahren hatte „zielgerichtet“ mit „geeigneten Maßnahmen“ die Wirkung eines Wackelpuddings, den man an die Wand nagelt. Was Unionsparteien und SPD für die digitale Infrastruktur in Deutschland planten, knüpft nahtlos an die Bund-Online-Projekte der vergangenen Jahre an: Sie wurden zu Tode verwaltet. Fehlgeburten mit Lutschpastillen-Wirkung, die mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck in den verschiedensten Ressorts mit minimaler Sauerstoffzufuhr am Leben erhalten werden. Ab und zu erfährt der Netz-Patient eine Reanimation, bevor er seine letzten Bits und Bytes aushaucht.

Völlig außer Acht bleibt die Korrelation zwischen Digitalisierung, Netzausbau und Arbeitsplätzen – übrigens auch in der von der Großen Koalition so geliebten Industrie: Das Internet der Dinge oder der intelligenten Objekte ist schon lange keine Fiktion mehr. Schon 2013 gab es rund zehn Milliarden Verknüpfungen zwischen Maschinen und Produkten. Diesen anschwellenden Datenstrom können wir nur bewältigen, wenn wir konsequent in den Breitbandausbau investieren.

Die Digitalisierung in Deutschland krankt nach Meinung des Technologieexperten Roman Friedrich an einem Wirrwarr von Einzelmaßnahmen. Es versickere jedwede Initiative in irgendwelchen Gremien.

„Da gibt es hier einen Gipfel und dort einen Gipfel. Dann gibt es eine D21-Initiative, die sich tot gelaufen hat. Das Thema Breitband und Digitalisierung hätte es verdient, zur Chefsache erklärt zu werden“, sagte mir Friedrich vor vier Jahren im Interview.

Selbst die anfänglich eingeplanten vier bis fünf Milliarden Euro würden für den Breitbandausbau nicht ausreichen. Es sei nicht ersichtlich, wie wir den Rückstand in der Digitalisierung mit den Plänen der neuen Bundesregierung aufholen können. „Es sind Lippenbekenntnisse und keine klaren Ziele. Der Breitbandausbau auf 50 Mbit/s ist noch nicht einmal zu tief gegriffen. Im Gegenteil. Diese Geschwindigkeit benötigen wir für einen modernen Standort. Mit einer entsprechenden politischen Unterstützung ist mehr möglich. Das sehen wir in anderen Ländern“, weiß Analyst.

Strukturschwache Gebiete brauchen dezentrale Cloud-Arbeitsplätze

Die digitale Revolution bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf den Konsumenten. Viel entscheidender sei die Anbindung eines jeden Unternehmens an Breitband.

„Um die Wirtschaftskraft vor allem des Mittelstandes zu erhalten, braucht man die digitale Autobahn. Wir können sonst unsere ökonomische Dynamik nicht ausreichend entfalten. Dabei geht es um innovative Geschäftsmodelle, um die richtigen Dienste und um nachfragestimulierende Applikationen. Ohne die entsprechende technologische Grundlage wird das nicht erreichbar sein“, meint Friedrich.

Auch das Märchen von der zu geringen Nachfrage nach schnellem Internet, was von Wirtschaftsforschern im Auftrag der Bundesregierung in die Welt getragen werde, ist nur ein weiterer Beleg für das mangelhafte Verständnis der politischen Akteure für die Relevanz der digitalen Infrastruktur:

„Wir haben schon jetzt Engpässe. Unsere politische Elite und auch viele klassische Wirtschaftsführer verstehen nicht, was zurzeit im Markt passiert. Die digitale Revolution ist mindestens so relevant wie die Energiewende.“

Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete in Deutschland, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren.

Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage.
Besser wäre es, über Cloud-Arbeitsplätze dezentrale Organisationen aufzubauen und die negativen Folgen von Landflucht sowie Überalterung abzumildern.

Die Prioritäten in der Regierungspolitik werden falsch gesetzt, was man an der lärmenden und lächerlichen Maut-Debatte in der vergangenen Legislaturperiode sehr schön ablesen konnte. Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in den Köpfen der politischen Akteure ein Umdenken zu bewirken.

Um 11:45 Uhr wollen wir darüber in einem Live-Talk noch einmal reden.

Siehe auch:

Deutsche Digitalpolitik: Rückwärts gewandt und von Lobbyismus geprägt – Hilft da eine neue Behörde?