Schwächt sich 2022 die Inflation wieder ab? Globaler Handel in Gefahr @IMFNews @KGeorgieva @ProfHolm #EconTwitter #DigitalX

Viele Ökonomen reden die Inflationsgefahr runter. Es könnte im nächsten Jahr ganz anders kommen. Stichworte #Lieferketten, globaler Handel, #Chipmangel, gestiegene #Energiekosten, gestiegene Container-Kosten bei der Fracht, fehlende LKW-Fahrer und vieles mehr. Thema bewegt wohl viele Menschen, wie man an den Abrufquoten auf LinkedIn erkennt.

Siehe auch:

https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6854325470591279104/

#Notizzettel: Globaler Handel in Gefahr – Livetalk mit @profholm #EconTwitter

Seit Wochen und Monaten steigen die Preise für Vorprodukte und Rohstoffe auf immer neue Höchststände. Ein Grund: Rohstoffkonzerne und Anbieter von Vorprodukten haben in der Pandemie ihre Produktion eingeschränkt. Die reduzierten Kapazitäten treffen nun auf eine hohe Nachfrage vor allem in den USA und Asien. Zudem gibt es massive Störungen der Lieferketten. Explosion der Container-Kosten für den Schifftransport, Halbleiter-Produktion kommt nicht nach, zu wenig LKW-Fahrer und, und, und. Der globale Handel ist in Gefahr.

„Die Kombination aus Lieferengpässen und steigenden Preisen hat auch den Mittelstand alar-
miert. Laut einer neuen KfW-Umfrage kämpft knapp jedes zweite der 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mit Lieferengpässen. „Das nimmt der gerade wieder an-
gesprungenen Konjunktur ihren Schwung“, so KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Die Ent-
wicklung führt zu einer Preisspirale: 26 Prozent. der befragten Mittelständler sehen sich gezwungen, infolge höherer Kosten die Preise für eigene Produkte anzupassen. Nur fünf Prozent erwarten eine Entspannung bis zum Jahresende.

Alles nur temporär?

Laut VDMA werden sogar schon Liefertermine erst für 2023 genannt. In der Politik gibt es Pläne, mit Fördermitteln eine Rückverlagerung der Produktion von Asien nach Europa in Gang zu setzen – beispielsweise die Chipproduktion. Der Ökonom Jens Südekum setzt auf solche Förderprogramme: Wenn Deutschland das führende Autoland der Welt bleiben wolle, könne es nicht Herzstück des Antriebsstranges aus Asien importieren, argumentiert er nach einem Bericht der FAZ.

Wir debattieren das um 11 Uhr.

Direktinvestionen statt Renationalisierung – Wie man die Lieferketten-Problematik löst @profholm @ifo_Institut @jsuedekum @HermannSimon @VDMAonline #DigitalXStudio #EconTwitter

Zur Zeit kann nicht jede Bestellung erfüllt werden. 74 Prozent der Einzelhändler klagten im September über entsprechende Probleme. Das geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. „Die Beschaffungsprobleme aus der Industrie sind nun auch hier angekommen“, sagt der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden.“

Im Fahrradeinzelhandel berichteten 100 Prozent aller befragten Unternehmen von Problemen bei ihren Bestellungen. „Gegenwärtig ist Sand im Getriebe der weltweiten Logistik. Zudem sind Frachtraten in der Schifffahrt deutlich erhöht worden“, so Wohlrabe. Bei den Baumärkten (99 Prozent) und Möbelhäusern zeigen sich die Nachwirkungen der Holzpreis-Rallye im ersten Halbjahr. Durch die Knappheit bei Chips und Halbleitern führt bei Händlern mit elektronischen Produkten aller Art dazu, dass nicht jedes Produkt sofort verfügbar ist. Das melden 97 Prozent der Einzelhändler von Unterhaltungselektronik. Im Kfz-Handel (88 Prozent) zeigen sich die Lieferprobleme insbesondere bei Elektroautos. Aber nicht nur da. So sind beispielsweise Nutzfahrzeuge nur noch schwer zu bekommen.

Als Konsequenz nehmen jetzt auch die Einzelhändler Preiserhöhungen ins Visier. „Die Industrie hat Preiserhöhungen angekündigt und diese kommt jetzt zwangsläufig im Einzelhandel an“, sagt Wohlrabe.

Von Spielekonsolen bis zum Druck von Zeitschriften und Büchern. Überall gibt Lieferengpässe und eine neue Mangelwirtschaft, wie es die FAZ ausgedrückt hat: „Das dürfte sich auch in der Konjunkturprognose niederschlagen, die am kommenden Donnerstag die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vorstellen werden.“

3,5 Prozent Wachstum sind in diesem Jahr wohl nicht mehr zu erzielen. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Engpässe bald der Vergangenheit angehören – vergleichbar mit 2020. Sind das empirische belegbare Prognosen oder eher Hoffnungen? Befürchte Letzteres.

Viele Produktionsstätten laufen nur mit geringer Kapazität. Laut VDMA werden sogar schon Liefertermine erst für 2023 genannt. In der Politik gibt es Pläne, mit Fördermitteln eine Rückverlagerung der Produktion von Asien nach Europa in Gang zu setzen – beispielsweise die Chipproduktion. Der Ökonom Jens Südekum setzt auf solche Förderprogramme: Wenn Deutschland das führende Autoland der Welt bleiben wolle, könne es nicht Herzstück des Antriebsstranges aus Asien importieren, argumentiert er nach einem Bericht der FAZ.

Geht diese Rechnung auf? Setzt die Wirtschaftspolitik auf ein falsches Pferd?

Was ist von einer Re-Industrialisierung in Europa zu halten? Blütenträume. Am Ende sind sogar massive Wohlstandsverluste hinzunehmen. Die Unternehmen werden Vorprodukte weiterhin in Asien einkaufen. Man braucht sich nur die Fertigungstiefe in Deutschland anschauen.

Besser wäre es, in wichtigen Exportmärkten Direktinvestitionen vorzunehmen, so der Ratschlag von Hermann Simon. Für Deutschland wären das vor allem China und die USA.

Nachzulesen im neuen Opus von Professor Hermann Simon:

Mehr dazu am Mittwoch im #DigitalXStudio, um 11 Uhr:

Siehe auch das komplette Interview mit Hermann Simon:

Wie kommt der Mittelstand durch die Corona-Krise? Interview mit KfW-Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib @KfW_Research #Doku

Hier das komplette Interview auf verschiedenen Plattformen.

Bestform wieder auf LinkedIn mit einigen tausend Abrufen:

Weit über 5000 10.000 Aufrufe – Tabellenspitze LinkedIn.

Holistisches Labern in der Netzökonomie

Berater des digitalen Wandels sind merkwürdige Gestalten. Sie hämmern Begriffe, PowerPoint-Folien, Best Practice-Beispiele, Benchmarks, Empfehlungen für das Prozessmanagement und technokratisch-ganzheitliche Werkzeuge in den Raum und bleiben dabei Diener des alten Systems. In ihren Habitus-Inszenierungen vermitteln sie Gewissheiten und goldene Erfolgsregeln mit der Halbwertzeit von Hustinetten-Lutschpastillen. Egal, ob es um New Work, Industrie 4.0, Content Marketing, Unternehmensgründungen oder Transformationstools für Mittelständler oder Konzerne geht, sind die Consultants eher Agenten des Stillstands. Die Angst der Mächtigen in Organisationen korreliert mit der Angst und dem Opportunismus der Berater um ihre Pfründe.

„Wilde“ Ideen mit Prozess-Management

Beide Seiten – also Berater und Klient – agieren im Steuermann-Modus. Sie geben vor, mit der richtigen Navigationstechnik den Kurs auch in rauer See zu halten. Da reden Gartner, McKinsey und Co. von der Notwendigkeit des bimodalen oder trimodalen Managements. In unterschiedlichen Ausprägungen geht es dabei um das normale Tagesgeschäft, um wilde Ideen und um neue Geschäftsprozesse. Wer alle Disziplinen beherrscht, bleibt zukunftsfähig. Blöd nur, wenn das von Top-Managern orchestriert wird, die die Welt nur unimodal betrachten. 

Die unimodalen Führungskräfte suchen in den Herausforderungen der Netzökonomie nach einer neuen Normalform, „die dann wieder durch neue einheitliche Prozesse beschrieben werden kann“, erläutert Günter Dueck und sagt weiter:  „Change Management beschäftigt sich mit dem aktiven Wandel von einer Normalform in die andere. Dann – so stellt sich das ein MBA und vielleicht ein Fertigungsingenieur vor – geht alles seinen neuen gemächlichen Trott weiter.“

Man spendiert den geplagten Mitarbeitenden „einen halben Tag gute Ratschläge, wie Design Thinking geht“, bemerkt Dueck. Am Nachmittag geht es dann wieder um das Brot-und-Butter-Geschäft. So sieht bimodal oder trimodal in der Praxis aus. 

Daran wird sich nichts ändern, wenn die digital-transformatischen Berater in Teutonien auf ihren Keynote-Präsentationsfolien die immer gleichen disruptiven Schreckbeben-Beispiele ins Auditorium senden und nach ihrer  Bühnenshow Visitenkarten, gesponserte Büchlein und Workshop-Angebote für das digitalisierte und holistische Management feil bieten. 

Handel durch Nicht-Handeln – Beratung durch Nicht-Beratung

Aus Beratern sollten wieder Konsultanten werden, die nicht im Best Practice-Gewand irgendwelche Gewissheiten verkaufen. Sie sollten eher Ungewissheiten vermitteln, wie sie der Philosoph Peter Sloterdijk ivor einigen Jahren in der „Revue für postheroisches Management“ beschrieben hat. 

Beispielsweise die Diskontinuität als Element der Beratung. So versucht man in den chinesischen Klugheitslehren den Faktor der Entscheidung auszuschalten, um sich beim Handeln ganz von der Macht der Umstände und ihrer Neigungen tragen zu lassen. Handeln durch Nichthandeln. Damit würde man sich schon mal von einem prozessgetriebenen Aktionismus abkoppeln. 

In den Ideenlaboren der Renaissance verbündeten sich die Konsultanten mit der Unberechenbarkeit. Unternehmerische Menschen gelangen nicht durch Prinzipientreue zum Erfolg, sondern dank ihrer Geistesgegenwart und ihres Sinns für das Glücksangebot. Es zählen nicht Prozesse, sondern das Erkennen von Gelegenheiten. Der Hofnarr ist immer noch der beste Berater. In seinem Zentrum stehen die Störung von Abläufen und der Anstoß zur Selbsterkennung jenseits von pseudo-rationalen Steuerungslehren.