
Deutschland erzeugt weiterhin enorme Abfallmengen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fielen 2023 rund 380 Millionen Tonnen Abfälle an. Mehr als die Hälfte davon stammte aus Bau- und Abbruchabfällen. Die Zahlen zeigen, wie stark Wirtschaft und Infrastruktur noch immer auf lineare Stoffströme ausgerichtet sind: Rohstoffe werden gewonnen, verarbeitet, genutzt und am Ende entsorgt oder aufwendig verwertet.
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung setzt an diesem Punkt an. Ihr Ziel ist es, den Verbrauch primärer Rohstoffe zu senken, Materialien länger im Umlauf zu halten und Wertschöpfung stärker an Ressourceneffizienz zu koppeln. Damit verschiebt sich der Fokus von der klassischen Entsorgung hin zu einer vorausschauenden Ressourcenwirtschaft.
Prof. Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, beschreibt diesen Wandel als Systemaufgabe. Eine Wirtschaft, die auf immer neue Materialmengen angewiesen ist, lässt sich nicht allein durch bessere Recyclingtechnik nachhaltig machen. Auch Recycling benötigt Energie, Wasser, Chemikalien und Infrastruktur. Entscheidend ist daher, Abfälle früher zu vermeiden und Produkte, Anlagen sowie Gebäude so zu planen, dass Wiederverwendung, Rückgewinnung und lange Nutzungsdauer von Beginn an möglich werden.
Wasseraufbereitung als Teil der Kreislaufwirtschaft
Dieser Perspektivwechsel betrifft auch die Wasseraufbereitung. Kläranlagen, industrielle Prozesswasseranlagen und kommunale Infrastrukturen übernehmen künftig eine breitere Rolle. Sie reinigen Abwasser, sichern Wasserqualität, gewinnen Nährstoffe zurück, reduzieren Schadstoffeinträge und tragen zur Ressourceneffizienz bei.
Die europäische Regulierung verstärkt diese Entwicklung. Die überarbeitete Kommunalabwasserrichtlinie stellt höhere Anforderungen an die Entfernung von Nährstoffen, Mikroschadstoffen und an die Energieeffizienz von Kläranlagen. Parallel gewinnt die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser an Bedeutung, vor allem in Regionen mit zunehmendem Trockenstress.
Damit wird Wasseraufbereitung zu einem zentralen Handlungsfeld der Kreislaufwirtschaft. Abwasser ist ein Stoffstrom mit Risiken und Potenzialen: Es enthält Schadstoffe, Nährstoffe, Wärme, Energie und verwertbare Ressourcen. Der technische Anspruch steigt entsprechend. Prozesse müssen stabil, präzise und überwacht ablaufen.
IFAT 2026: Technik für stabile Wasserprozesse
Die IFAT 2026 in München greift diesen Zusammenhang auf. Die Leitmesse für Umwelttechnologien bringt vom 4. bis 7. Mai 2026 Anbieter und Betreiber aus Wasserwirtschaft, Recycling, Abfallbehandlung und Circular Economy zusammen.
Lutz-Jesco zeigt dort die Schlauchpumpenserie PERIDOS FXM für die Förderung aggressiver Chemikalien in der industriellen Wasseraufbereitung. Die Pumpen sind für Medien ausgelegt, die in Aufbereitungsprozessen regelmäßig eingesetzt werden: Salzsäure zur pH-Wert-Absenkung, Natriumhypochlorit zur Desinfektion sowie Eisen(III)-Chlorid zur Entfernung von Phosphaten und Trübstoffen. Präsentiert wird die Serie in Halle 3A, Stand 222.
Die Technologie steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in der Wasserwirtschaft an Bedeutung gewinnt: Ressourceneffizienz hängt nicht allein von großen Infrastrukturentscheidungen ab. Sie entscheidet sich auch in der Genauigkeit, Verfügbarkeit und Überwachbarkeit einzelner Prozessschritte. Chemikalien müssen sicher gefördert, exakt dosiert und bedarfsgerecht eingesetzt werden. Überdosierungen, Leckagen und ungeplante Stillstände erhöhen Kosten, belasten Prozesse und können die Wasserqualität beeinträchtigen.
Präzise Dosierung aggressiver Medien
Die PERIDOS-FXM-Pumpen arbeiten nach dem Schlauchpumpenprinzip. Rotierende Rollen drücken von außen auf einen flexiblen Schlauch und bewegen das Medium pulsationsarm in Förderrichtung. Die Flüssigkeit kommt ausschließlich mit dem Schlauch in Kontakt. Dadurch bleibt der übrige Pumpenmechanismus vom Medium getrennt. Das erhöht die Beständigkeit beim Umgang mit aggressiven Chemikalien.
Lutz-Jesco bietet die Serie in drei Leistungsklassen an. Die PERIDOS FXM 1 erreicht ein Fördervolumen von bis zu 2,8 Litern pro Stunde. Die FXM 2 fördert bis zu 176 Liter pro Stunde. Die FXM 3 ist auf bis zu 840 Liter pro Stunde ausgelegt.
Ein wesentliches Merkmal ist die große Regelspanne. Das Turndown-Verhältnis liegt nach Unternehmensangaben bei 5000:1. Die PERIDOS FXM 2 deckt damit einen Förderbereich von 176 Litern pro Stunde bis 0,035 Litern pro Stunde ab. Diese Spannweite ist in der Wasseraufbereitung relevant, da Dosiermengen je nach Durchfluss, pH-Wert, Belastung, Phosphatfracht oder Desinfektionsanforderung stark variieren können.
Die kompakte Bauweise unterstützt den Einsatz in bestehenden Anlagen. Antrieb, Getriebe, Elektronik und Pumpenkopf sind in einem Gehäuse integriert. Separate externe Antriebe oder Steuergeräte werden nicht benötigt.
Überwachung reduziert Ausfallrisiken
Für Betreiber zählt neben der Dosiergenauigkeit die Verfügbarkeit der Anlage. Die Schlauchpumpen verfügen über ein Leckage-Erkennungssystem, das frühzeitig Alarm auslöst, wenn ein Schlauch beschädigt ist. Instandhalter können dadurch eingreifen, bevor Störungen den laufenden Prozess beeinträchtigen.
Die Modelle PERIDOS FXM 2 und PERIDOS FXM 3 lassen sich zusätzlich mit einem Flow Verification Sensor kombinieren. Der Sensor überwacht die Fördermenge und macht Abweichungen im Dosierprozess erkennbar. Das unterstützt eine gleichbleibende Prozessqualität und erleichtert die Dokumentation im Betrieb.
Damit fügt sich die Pumpentechnik in den größeren Trend der Wasserwirtschaft ein: Anlagen werden stärker überwacht, Prozesse datenbasiert geführt, Wartung planbarer organisiert. Für die Kreislaufwirtschaft ist das relevant, weil stabile Wasserprozesse den Einsatz von Chemikalien begrenzen, Ressourcen schonen und die Rückgewinnung von Wertstoffen verlässlicher machen.
Qualität der Kreisläufe entscheidet
Die Zukunft der Kreislaufwirtschaft liegt nicht in immer höheren Mengen behandelter Abfälle. Entscheidend ist die Qualität der Kreisläufe. Materialien, Wasser, Nährstoffe und Energie müssen so geführt werden, dass möglichst wenig verloren geht und möglichst wenig neue Primärressourcen benötigt werden.
Der Gebäudesektor bleibt dabei der größte Stoffstrom. Bau- und Abbruchabfälle machen weiterhin den größten Anteil am deutschen Abfallaufkommen aus. Die Wasseraufbereitung zeigt jedoch, dass Kreislaufwirtschaft auch in technischen Prozessketten entsteht: bei der Messung, Dosierung, Überwachung, Rückgewinnung und sicheren Behandlung kritischer Stoffe.
Systemwechsel statt Entsorgungsoptimierung
Kreislaufwirtschaft ist keine Erweiterung der Abfallwirtschaft. Sie verändert Planung, Produktion, Betrieb und Instandhaltung. Sie betrifft Bauwirtschaft, Industrie, Wasserwirtschaft, Kommunen, Landwirtschaft und Energieversorgung.
Abfall verweist auf unvollständig geschlossene Stoffkreisläufe. Abwasser ist ein Träger von Wasser, Nährstoffen, Energie und Schadstoffen. Kläranlagen entwickeln sich zu Ressourcenstandorten. Dosier- und Fördertechnik wird relevant, wenn sie Chemikalien präziser, sicherer und sparsamer einsetzt.
Der Wandel zur Kreislaufwirtschaft verlangt daher neue Geschäftsmodelle, bessere Daten, angepasste Regulierung und verlässliche Technik. Entscheidend ist, ob Produkte, Gebäude und Infrastrukturen von Anfang an so geplant und betrieben werden, dass Ressourcen im Umlauf bleiben. Die Wasseraufbereitung ist dafür ein Schlüsselbereich.
Am Montag berichten Sohn@Sohn von der IFAT. Man hört, sieht und streamt sich in München.