Zukunftsdiskurse statt lähmender Stillstand in der Politik #D2030 #BTW17

Klaus Burmeister auf der Berliner Pressekonferenz

Ein „Weiter so“ reicht nach Ansicht von D2030-Geschäftsführer Klaus Burmeister nicht aus für die Veränderungen, die Deutschland und den den gesamten Globus betreffen.

„Wir brauchen Experimentierräume, wo wir das, was sich in der Zukunft andeutet, erproben können“, so Burmeister bei der Vorstellung des D2030-Memorandums zur Bundestagswahl.

Was im Bundestagswahlkampf fehlt, machte er an einem Beispiel klar: Es könne nicht sein, wenn Herr Wissmann vom Verband der Automobilindustrie (VDA) sagt, das es „Feinde des Verbrennungsmotor“ gebe. Auf diesem Diesel-Niveau sollte man nicht agieren:

„Es geht nicht um den Diesel. Es geht darum, bis 2030 ein vernetztes Mobilitätssystem zu erfinden, welches intermodal mit allen Verkehrträgern in der Lage ist, weltweit zu konkurrieren. Wie bekommen wir einen Wandel hin“, fragt Burmeister.

Die Gestern-Orientierung von Auto-Lobby und Politik lässt sich auch am Bundesverkehrswegeplan ablesen.

„Da werden bis 2030 fast 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Nur 500 Millionen Euro gehen in die vernetzte Infrastruktur für autonome Mobilität. Da stimmt das Bild nicht“, kritisiert Burmeister in Berlin.

Man müsse Zukunft vernetzt denken. Dafür hat die D2030-Initiative das Memorandum entwickelt. Der lähmende Stillstand in der Politik solle durch Zukunftsdiskurse beendet werden. Das gelinge nur durch die Beteiligung der Gesellschaft.

Hier geht es zum Memorandum. Ihr könnt es mit Eurer Unterschrift unterstützen.

Hier die komplette Aufzeichnung der D2030-Pressekonferenz in Berlin:

Der Wortspiele-Blogger und ehemalige WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer hat dem Memorandum seine Stimme gegeben 🙂

Man hört, sieht und streamt sich übrigens nächste Woche auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal im #StudioZ

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Transformation ohne technokratischen Weihrauch #D2030 #FutureHubs @FuturICT

Führen wir in Deutschland die richtigen Diskussionen, wenn es um Digitalisierung und die Herausforderungen der kommenden Jahre geht? Diese Frage diskutierten rund 150 Teilnehmer auf der Zukunftskonferenz D2030 und in den begleitenden FutureHubs-Diskursen im Vorfeld der Berliner Tagung. Vieles geht an den Menschen vorbei. Ein breit angelegter gesellschaftlicher Austausch findet nicht statt. Entweder ist er wie beim NewWork-Geklingel zu elitär angelegt oder er findet gänzlich hinter verschlossenen Türen statt, wie bei den CETA- und TTIP-Verhandlungen.

Bringschuld für das Neue

Medien, Politik, Wirtschaft und soziale Initiativen haben aber eine Bringschuld des Neuen, sagte Professor Jutta Allmendinger, Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung (WZB). Das müsse mit einer viel größeren Ernsthaftigkeit und mit einem viel größeren Respekt gegenüber den Menschen ablaufen.

„Uns fehlt die Ernsthaftigkeit des ordentlichen Diskurses“, kritisiert Allmendinger. Es fehlt vor allem der Blick auf die Herausforderungen, die in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und im Pariser Klimaabkommen stehen, sagt Professor Dirk Helbing von der ETH Zürich.

Der Planungshorizont von 13 Jahren ist dabei geringer als beim Bau einer neuen Straße. Wenn wir eine kohlenstoffarme Wirtschaft mit einer Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 bis 50 Prozent erreichen wollen, muss die Organisation der Volkswirtschaften neu erfunden werden.

Und das gelingt nur mit der Einbeziehung der Zivilgesellschaft.

„Soll der Staat das alles regeln und Ressourcen als wohlwollender Diktator zuweisen? Das ist ein Szenario, was wir nicht haben wollen. Wenn wir in Zukunft in Freiheit und Demokratie leben wollen, dann müssen wir das Nachhaltigkeitsproblem anders lösen“, betont Helbing in Berlin.

Das gelingt nur mit echten Innovationen und nicht mit dem Wahn der Optimierung. Und Innovationen brauchen Freiheit, sie brauchen einen Strukturwandel und eine Veränderung des Wirtschaftssystems.

Von der Reparaturökonomie zur Orientierungswissenschaft

„Das gelingt nur mit einer gesellschaftlichen Organisation im partizipativen Sinne. Wir können das nur gemeinsam bewältigen“, erläutert Helbing.

Hier ist eine viel größere Transformation zu bewältigen, die über den digital-transformatorischen Weihrauch hinausgeht, der von selbst ernannten technologischen Evangelisten auf Gadget-Niveau verbreitet wird. Die ganze Gesellschaft und nicht nur ein Kreis von Eingeweihten muss befähigt werden, diesen Kraftakt innovativ zu bewältigen. Dafür braucht man Labore für die Zivilgesellschaft, Städteolympiaden, Open Innovation und eine Kompetenzoffensive für den Einsatz von digitalen Werkzeugen. Nicht morgen, sondern heute.

„Dafür ist eine neue Art des Denkens, der Kultur und des Zeitgeistes für die gewünschten Szenarien erforderlich. Sie müssen in Geschichten übersetzt werden, die uns helfen, von dieser Zukunft zu träumen. Das muss sich in unseren Köpfen wie ein gutes Musikstück festsetzen. Etwas, was uns voranträgt. Da müssen auch Kunst und Kultur aktiviert werden, dass das für alle Menschen vorstellbar wird“, fordert Helbing.

Hausaufgaben hat zudem die Wirtschaftswissenschaft zu machen: Vonnöten sei eine transformative Ökonomie, die sich von ihren Rechtfertigungserzählungen löst, erläutert Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts. Sie müsse sich von einer Reparaturökonomie zur Orientierungswissenschaft weiter entwickeln:

„Plötzlich haben wir mit Null-Grenzkosten-Produkten und Produktivitätssprüngen zu tun, die das Maß vorangegangener technologischer Metamorphosen deutlich übertreffen. Jetzt würde man sich eine Ökonomie wünschen, die dazu Antworten entwickelt. Wie organisieren wir unseren Sozialstaat, was passiert mit der Geldwirtschaft im Zeitalter von Bitcoin, wie finanziert sich der Staat? Wo sind die Ökonomen als öffentliche Intellektuelle? Sie verkriechen sich lieber in ihren Boxen und machen tolle Experimente und wundern sich über die zunehmende Kritik an der Visionslosigkeit der Wirtschaftswissenschaften.“

Ethos ganzer Systeme

Reinhard Pfriem spricht im Interview zu recht von der Ökonomie als Möglichkeitswissenschaft, um Szenarien für die Zukunft zu entwerfen.

„Es gibt immer noch zu viele Sandkastenökonomen. Mein akademischer Lehrer Peter Ulrich hat das mal so schön gesagt: Wir brauchen ein Ethos ganzer Systeme. Wir müssen das immer auf einer höheren Ebene beurteilen“, so Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius.

Gleiches gelte auch für die Politik, sagt der Ökopionier und Unternehmer Jörg Heynkes in der FutureHubs-Diskursreihe.

„Es wird zwar von einer vierten industriellen Revolution gesprochen. Man ist ständig darum bemüht, das abzuleiten, was bei den vergangenen Ereignissen passiert ist. Eine ernsthafte Auseinandersetzung über das, was in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf uns zurollt, findet nicht statt.“

Das muss sich ändern. Wir setzen die Dialogreihe fort 🙂

Mehr über Zukunft nachdenken – Mitmachen bei der #D2030 Initiative

So lief der gestrige Netzökonomie-Campus mit der D2030-Initiative (Bericht folgt).

Skizzen aus dem Maschinenraum der Gegenwart. Was dieses Land beschäftigt?
Was will die Initiative D2030?
Warum es sich lohnt im Voraus nachzudenken?
D2030-Szenarien als Diskursangebot.
Zukunft braucht Teilhabe, Perspektiven und Diskurse.
Ausblick auf den Online-Dialog und die Zukunftskonferenz am 6. und 7. Juli in Berlin.

Teilnehmer:

Dr. Kerstin Cuhls, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI, D2030 Fachbeirat
Beate Schulz-Montag, D2030 gUG
Klaus Burmeister, D2030 gUG
Dr. Alexander Fink, ScMI AG, D2030-Szenarioteam
Prof. Dr. Dirk Helbing, ETH Zürich, D2030 Fachbeirat
Klaus Janowitz, Soziologe
Moderation: Gunnar Sohn

Website der D2030-Initiative.
Mitmachen beim Online-Dialog.

Mitdiskutieren bei unserem Zukunftsgespräch #D2030 #NEO17

YouTube glänzt ja nicht gerade bei der Interaktion während der Liveübertragung. Zumindest nicht auf meinem Account. Da ist Facebook definitiv besser.

Es wäre aber toll, wenn Ihr zu unserer Runde um 17:30 Uhr kräftig die Chatfunktion auf meinem YouTube-Kanal nutzen würdet.

Wie das geht, erkläre ich hier:

Und hier geht es zur YouTube-Übertragung.

Man hört, sieht und streamt sich heute um 17:30 Uhr. Bis gleich 🙂