
Am Anfang räsonierte es nur mit Menschen. Das war schon schlimm genug. Dann aber breitete sich die Sache aus. Heute räsoniert alles mit allem. Ein Gedanke räsoniert mit einer Strategie. Eine Kampagne räsoniert mit einer Zielgruppe. Eine Folie räsoniert mit dem Marktumfeld. Ein halber Satz aus einem Panel räsoniert mit einem Change-Prozess, der seinerseits mit einem Purpose räsoniert, bis schließlich der ganze Besprechungsraum klingt wie ein Besteckkasten im Schleudergang.
Natürlich meint niemand, was er sagt. Niemand will behaupten, dass die Strategie nörgelt, die Zielgruppe lamentiert oder der Sachverhalt im Stehen eine Grundsatzrede hält. Gemeint ist: Es passt. Es berührt sich. Es greift ineinander. Es findet Widerhall. Aber „passt“ klingt nach Schraube, „trifft“ klingt nach Verantwortung, und „hat damit zu tun“ klingt gefährlich überprüfbar. Also sagt man lieber: Es räsoniert.
Das ist praktisch. „Räsonieren mit“ ist der Nebelwerfer für jede halb gedachte Verbindung. Man muss nicht mehr erklären, worin der Zusammenhang besteht. Man stellt zwei Begriffe nebeneinander, gießt etwas Pseudotiefe darüber und wartet, bis alle langsam nicken. Der Markt räsoniert mit der Haltung. Die Haltung räsoniert mit dem Narrativ. Das Narrativ räsoniert mit dem Spannungsfeld. Am Ende räsoniert vor allem der Kopf mit der Tischplatte.
Das Wort tut so, als hätte es Tiefe. In Wahrheit hat es nur einen Umlaut. Und dieser Umlaut ist kein Zeichen von Bildung, er ist das Blaulicht am Unfallort. Aus Resonanz, also Mitschwingen und Widerhall, wird Räsonanz, also wortreiches Herumgrummeln. Aus einem Zusammenhang wird eine Beschwerdeveranstaltung. Aus Sprache wird ein Soundcheck für Menschen, die „genau“ inzwischen selbst peinlich finden.
„Das räsoniert mit unserer Strategie“ heißt, sauber gelesen: Diese Aussage sitzt neben unserer Strategie und redet ihr die Ohren voll. „Das räsoniert mit der aktuellen Debatte“ heißt: Dieser Gedanke hat sich zur Debatte gesetzt und belehrt sie seit einer Viertelstunde. „Das räsoniert mit den Bedürfnissen der Zielgruppe“ heißt: Die Bedürfnisse wollten eigentlich nur kurz etwas kaufen, werden nun aber von einem Workshop-Begriff belästigt.
So klingt Gegenwartssprache, wenn sie Angst vor einfachen Verben hat. Nichts passt mehr, nichts stimmt überein, nichts hallt nach. Alles räsoniert mit allem, bis keiner mehr weiß, ob gerade etwas verstanden wurde oder nur ein gut frisierter Satz vorbeikam.