Die Karriere des Don Alphonso und der Nutzen von Schelmexperten

Um zu verstehen, wie die „Beratungswirtschaft der Internetspezialisten ohne echte wirtschaftliche Erfolge jenseits der eigenen Einnahmen funktioniert, sollte man keine Untersuchungen bemühen, sondern ins Bücherregal greifen: Dort findet man den ‚Gil Blas‘ des französischen Autors Alain René Lesage von 1715, der die Gattung des Schelmenromans zu einem ersten Höhepunkt brachte. In diesem Werk erzählt die Hauptfigur, wie sie sich in einem korrupten und gefallsüchtigen Spanien durchzuschlagen versteht. Gil Blas ist ein Nichtskönner, mittellos und tölpelhaft, und arbeitet sich durch alle Berufe und Schichten langsam empor. Seine einzigen Qualitäten sind Flexibilität und Auffassungsgabe. Es findet sich immer ein Dummer, der Gil Blas durchfüttert, hilft, fördert und schließlich ganz nach oben bringt“, schreibt Don Alphonso, der in dem pikaresken Opus von Lesage eine recht angriffslustige Rolle spielt. So rebellisch gab er sich allerdings nur am Anfang seines Schaffens. Eine spätere berufliche Karriere machte ihn nachsichtig und gönnerhaft.

„Sollen wir dulden, dass die Briganten sie zu Opfern ihrer Barbarei und ihrer Brutalität machen? Stimmt mir zu und lasst uns diese Banditen angreifen! Sie sollen unter unsern Streichen fallen“, so Alphonso, der nicht darüber klagt, ein aus der zivilisierten Gesellschaft Verbannter zu sein. Immerhin gelingt es Alphonso, Statthalter des Königreichs Valencia und später sogar Vizekönig von Aragonien zu werden. Das er als nützlicher Idiot für die höfischen Winkelzüge von Gil Blas diente, sei nur am Rande erwähnt. Schelmexperten werden aus seinem Dasein nicht viel lehrreiches ableiten können.

Da sollte man eher zum Werk von Adam Soboczynski greifen. Der Buchtitel „Die schonende Abwehr verliebter Frauen“ würde wohl auch das Interesse von Alphonso wecken. Das Inhaltsverzeichnis könnte den Vizekönig vollends überzeugen: „Niemals perfekt scheinen“, „Auszuteilen verstehen“, „Einzustecken wissen“, „Witz zeigen“, „Vertrauen erzeugen“, „Mit Bildung glänzen“, „Einen Kompromiss vortäuschen“, „Höflichkeiten austauschen“, „Peinlichkeiten verkraften“, „Sich selbst belügen“, „Dünn sein“, „Über Bande spielen“, „Seine Meinung ändern“. Es ist sogar möglich, dass Alphonso von dem Berater-Latein wusste, wandelt doch Soboczynski auf den Spuren von Baltasar Gracián. Der spanische Jesuit lebte in der „Goldenen Zeit“. Er leitete das Jesuitenkolleg von Tarragona, predigte in Valencia und diente als Feldkaplan in der Schlacht von Lérida. Den Stoff seiner aphoristischen Schreibkünste lieferte die Grunderfahrung, dass die Wahrheit nicht ohne Waffnung durchdringt. Da das Leben seinen Kampfcharakter vollständig entfaltet, reduziert sich die ganze Moral auf die taktischen Regeln zur Behauptung inmitten einer allgemeinen Bedrohtheit. Don Alphonso wird eine Klugheitslehre von Gracián mit Sicherheit unterschreiben: „Man muss sich selbst zum Regisseur seines Mythos machen und sich durch Unfaßbarkeit und Unnahbarkeit der indiskreten Einschätzung entziehen, die alles sofort herabwürdigt und einebnet.“

Soboczynski hat aus den listenreichen Zeilen von Gracián ein Handbuch der Inszenierung, der Maskerade, der Täuschung und des strategischen Handelns komponiert. „Nie sind wir bei uns selbst“, heißt es da, „die Schöpfung, seit wir den Sündenfall erlitten, ist reines Welttheater.“

„Es mag Menschen geben – Soboczynski nennt sie Anhänger des ‚alten Wahrhaftigkeitskults‘ –, die derlei als Propaganda für die Falschheit missbilligen. Doch folgt man dem Autor, so verkennen diese vermeintlich Aufrechten nicht nur das Wesen des Menschen, sondern auch eine ehrwürdige philosophisch-literarische Tradition: die alteuropäische Moralistik. Baldassare Castiglione und Niccolò Machiavelli, die im 16. Jahrhundert kanonisch festschrieben, wie sich ‚Hofmann‘ und ‚Fürst‘ am klügsten zu verhalten haben, werden zitiert; wir begegnen Montaigne, La Rochefoucauld und vor allem dem spanischen Jesuiten Baltasar Gracián (1601–1658)“, so René Aguigah in der Zeitschrift Literaturen.

„Ein Krieg ist das Leben des Menschen gegen die Bosheit des Menschen“, heißt es in dessen ‚Hand-Orakel‘, das Arthur Schopenhauer 1832 übersetzte. „Die Klugheit führt ihn, indem sie sich der Kriegslisten hinsichtlich ihres Vorhabens bedient. Nie tut sie das, was sie vorgibt, sondern zielt nur, um zu täuschen.“ Adam Soboczynski schreibt dazu: „Was ist das Leben? Es ist ein Minenfeld. Was die Verstellung? Bedingung unseres Aufstiegs. Was ist die Liebe? Die schönste aller Täuschungen.“ Und das Kapitel 12 wird Don Alphonso runtergehen wie Öl. Es heißt „AUSZUTEILEN VERSTEHEN“. Man sollte die Schwächen anderer erkennen. „Wie irritiert reagieren eitle Menschen, wenn ihre Schönheit angezweifelt wird! Wie empfindlich berührt sind die sich intelligent Wähnenden, werden sie ihrer gedanklichen Beschränktheit überführt! Und die Stolzen, wenn sie ungeschickt sich zu verhalten genötigt sehen! Jeder Mensch hat eine Stelle, die besonders angreifbar ist, sie zu erspähen zeugt von Klugheit“, führt Soboczynski aus. Agieren sollte man dabei als Einzelkämpfer, denn es gibt kaum mehr den Komplott, der von mehreren, durch eine gemeinsame Absicht vereinte Komplizen ausgeführt wird. Die Netzwerke seien heute weitaus labiler und wechseln beständig ihre Mitglieder, als dass sich mit ihrer Hilfe ein Plan schmieden ließe.

Eine wichtige Lebensweisheit steht in Kapitel 23: „ANDERE IN RAGE BRINGEN“. Das liegt auf der Hand und braucht nicht näher erläutert werden, denn so gut wie jeder ist hässlich, der sich aufregt. Essentiell ist auch das Kapitel 19: „MIT BILDUNG GLÄNZEN“.
Hapert es mit der Bildung, sollte man sich zumindest einen kleinen Katalog kluger Sätze erstellen, damit man in Gesellschaft glänzen kann. Da hilft der Band von Pierre Bayard: „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“. Oder beherzigt doch wieder den Rat von Gracián: „Nicht aus Besorgnis, trivial zu sein, paradox werden.“

Wie der Rezensent von Literaturen finde ich es betrüblich, dass von all den Facetten des Buches es nur eine aufs Cover geschafft hat. Dort ist nur die erste Hälfte des fabulösen Titels „Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung“. abgedruckt. „Ein eher unbeholfener Verpackungszauber: Liebesratgeber, so wird sich der Verlag gedacht haben, finden mehr Käufer als Gracián-Adaptionen“, so Aguigah. Doch authentisch zu wirken, lerne man in diesem Buch (Maxime 5), ist auch im Marketing nicht falsch und gilt für Berater sowie für die Kritiker der Beraterzunft: „Einen Zauberer, dessen doppelte Böden wir erspähen, belächeln wir mitleidig“.

Das Vermächtnis von Peter Drucker: Was die Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten vom Managementvordenker lenern können

BuchempfehlungZum 100. Geburtstag stelle ich wichtige Gedanken von Peter Drucker, der heute 100. Jahre alt geworden wäre. Der vor vier Jahren verstorbene Managementvordenker hat sich schon frühzeitig mit den Exzessen von Managern beschäftigt, die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Wandels zur Wissensgesellschaft formuliert und die Transformation zur Serviceökonomie gefordert. Für lesenswert halte ich das von Drucker herausgegebene Buch „Kardinaltugenden effektiver Führung“. Hellseherisch ist sein Werk von 1969 „Die Zukunft bewältigen“.

Hier geht es zum Filmbeitrag:

flat lay with blank writing sheet pen and crumpled paper balls on top of wooden office desk writer s block or creativity crisis concept top down view

Wähle die vodafonistische Worthülse einer neuen Zeitrechnung!

black microphone
Photo by freestocks.org on Pexels.com

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ beklagt der Politiker Gregor Gysi den Niedergang der Redekunst. In der Antike stand die Rhetorik noch in einem hohen Ansehen. Zu den Lehrmeistern zählt Gysi den Platon-Schüler Aristoteles, der mit seiner Rhetorik das bis heute folgenreichste Lehrbuch einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte, „nicht zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist“. Das war einmal, glaubt Gysi. An dem Verfall der Rhetorik sollen wieder einmal die Medien Schuld sein. Besonders das Fernsehen und seine Dramatisierung des optischen Erscheinungsbildes. Wie sitzt die Krawatte, wie sitzt sie nicht, wie sieht der Mann aus? Finden wir nirgendwo athenische Rhetoren?

Für den Bundestag mag das stimmen, Herr Gysi. Aber Sie kennen eben noch nicht die Generation upload, die beides vereinen kann. Eine gut sitzende Krawatte, einen maßgeschneiderten dunklen Anzug und rhetorische Brillanz. Gemeint sind die Meister des vodafonististischen Neo-Dadaismus. Sie sind die Wegbereiter einer neuen Stilkunst der Web 2.0-Prosa. Die schönsten Formulierungen des vodafonistischen Rhetorik-Manifestes stehen zur Auswahl für die Worthülse des Monats Juli. Und da wir am Beginn eines Epochenwandels stehen, halte ich es nicht für untertrieben, von der Worthülse einer neuen Zeitrechnung zu schreiben.

Für die Teilnahme gibt es auch wieder etwas zu gewinnen (bitte bei den Kommentaren eine E-Mail-Adresse eintragen oder mir direkt zuschicken gunnareriksohn@googlemail.com): Leben in Metaphern: Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern.

Vodafonistische Hintergrundinfo.

Erklärung zur kopernikanischen Wende (nicht die Erde ist der Zentralkörper des astronomischen Weltsystems, sondern knallrot angestrichene Zentren der Gesprächskultur)

Erklärung zu Nichtkunden an uns binden (Gesetz der Chemie: Nichtkunden als Oxidationsmitel, nehmen Elektronen auf und sind negativ geladen, Reaktion mit Bestandskunden als Reduktionsmittel, geben Elektronen ab, sind postiv geladen – Ergebnis: Spannung)

Wenn die Birne leuchtet, lernen wir nicht besser – Ein Profihirn zeigt wenig Aktivität

Vertrauen ist ein Hirnzustand. Das ist die Grundthese von Professor Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. „Vertrauen hat etwas mit Lernprozessen zu tun. Es geht dabei nicht nur um positive Einstellungen zu Dingen oder Personen, sondern es ist ein Verlass-Aspekt auf Personen oder Dinge und Verlass impliziert bereits, dass man multiple Erfahrungen machen muss, um sich auf etwas zu verlassen“, erläutert Scheich. Lernprozesse, die dabei eine Rolle spielen, seien im Wesentlichen alte Bekannte. Es gibt die Pawlowsche und die instrumentelle Konditionierung. Das sind Lernprozesse, wo man in der Auseinandersetzung mit Reizen zu neuen Verhaltensweisen kommt. Bei der Pawlowschen Konditionierung kommt es eigentlich nur darauf an, dass man irgendeine positive Überzeugung hat von irgendetwas, klassisch gesehen. Futter ist immer gut. Es können aber auch andere Dinge sein. Man lernt, mit einem solchen positiven Objekt oder einer positiven Person irgendetwas zu assoziieren, was die Sache ankündigt oder umreißt. Diese Art von Lernprozess ist überhaupt nicht geeignet, Vertrauen zu schaffen“, weiß der Wissenschaftler. Dabei könne sich nichts als Erfahrung bewähren im Sinne einer Rückkoppelung, also einer positiven Erfahrung. Das könne man in der Werbung beobachten: „Vieles wird hochkarätig angekündigt und verpufft dann als Luftblase“, sagt Scheich.

Anders sehe es mit der instrumentellen Konditionierung aus. Hier würde man Verhaltensweisen und Erfahrungen auf nachhaltige Vorteile überprüfen. Es handele sich um Rückkopplungs-Lernprozesse. „Man kann mit einem Bestrafungsparadigma sehr schnell einen Lernprozess in Gang bringen und auch zu einem asymptotischen Niveau bringen, also einem hohen Niveau, wo diese Aufgabe gelöst wird. Das ist jedem geläufig: Gebranntes Kind scheut das Feuer. Das geht wahnsinnig schnell. Nur will man mit dieser Erkenntnis nichts mehr zu tun haben, weil man unangenehme Erfahrung damit verbindet. Macht man das Ganze aber mit Belohnungslernen, geht die Sache zwar viel langsamer und führt aber auch zu demselben Niveau“, führt Scheich aus.

Mit einseitiger Belohnung oder Bestrafung könnten die Ergebnisse nie hundertprozentig werden. „Das heißt also, Sie können noch so sehr belohnen, es bleibt immer eine Differenz zu einer optimalen Performanz übrig. Eine Restdifferenz von Nichtvertrauen, die das Ganze immer gefährdet. Sie können diese Belohnungen weglassen, und das Hirn merkt sich wahnsinnig schnell, dass kein Vorteil mehr bei der Sache besteht, das könnte beispielsweise passieren, wenn irgendwas mit mehr Vorteilen kommt oder wenn Zweifel daran aufkommen lässt, dass die Belohnung überhaupt eine Belohnung war. Dann gibt es eine Extinktion, das heißt also das Verhalten fällt sofort wieder in kurzer Zeit auf Null zurück. Interessant ist bei der ganzen Betrachtungsweise, dass die Mischung von Belohnung und Bestrafung, das heißt Vorteile und Nachteile nicht etwa dazu führt, dass die Sache auf Null fällt, sondern zu einem Superlernen führt. Wenn Sie jeden positiven Umgang belohnen und jeden negativen Umgang bestrafen, dann gibt es hundert Prozent Performanz in ganz kurzer Zeit. Man vergisst das praktisch nie mehr. Das ist das perfekte System, um irgendetwas anzutrainieren“, empfiehlt der Neurobiologe. Allerdings müsse es eine positive Bilanz von Belohnungen geben. Wenn diese Art von Dynamik auftritt, dann könne man das Superlernen erreichen.

Wichtig sei auch das interne Belohnungssystem des Gehirns. Es werde der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet. „Das Dopamin hat eine zweifache Wirkung: Es gibt ein gutes Gefühl, wenn Sie Erfolge haben. Der zweite Effekt ist noch viel wichtiger: die Erinnerung. Wir erleben enorm viele Dinge, die wir in unseren Kopf schnüren und nicht alles bleibt im Langzeitgedächtnis haften. Die Umsetzung vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis wird über das Dopamin gesteuert“, so Scheich. Erfolg mache Spaß, da unterscheiden sich Menschen und Mäuse nicht. Dabei könne sich ein Überflieger, der beim ersten Versuch auf die Lösung kommt, genauso freuen wie ein minder Begabter, der mehr Anläufe benötigt. Es komme darauf an, sich die richtigen Ziele zu setzen. „Die Stimmungsaufheller wirken direkt auf die Gedächtnisbildung. Das hilft uns, eine Erfolgsstrategie automatisch abzuspeichern. Der Zusammenhang gilt auch umgekehrt: Wir behalten emotional gefärbte Erlebnisse besser als neutrale. Der erste Schultag, die große Liebe oder der Tod eines Freundes prägen sich uns tiefer ein als jede Mathe-Formel. Wem es auf der anderen Seite gelingt, trockenen Lernstoff mit Emotionen oder Sinn zu verknüpfen, wird ihn besser memorieren. Die Telefonnummer 14921960 etwa setzt sich aus dem Jahr der Entdeckung Amerikas und der Olympischen Spiele in Rom zusammen“, berichtet die Zeitschrift Focus.

Auch ausreichende Ruhepausen zwischen den Lektionen seien für das Funktionieren des Langzeitgedächtnisses unerlässlich. „Inhalte, die dauerhaft in unserem Gehirn verankert werden sollen, erfordern einen grundlegenden Umbauprozess an den Nervenzellen, der mindestens 24 Stunden in Anspruch nimmt. Kommen neue Informationen zu schnell hintereinander, konkurrieren ihre Inhalte und löschen sich aus“, so Focus. „Ohne Pausen“, erklärt Scheich, „wissen die Neuronen nicht mehr, was sie speichern sollen.“ Visueller Müll aus Fernseher und Computerspiel oder aufwühlende Erlebnisse würden das Langzeitgedächtnis blockieren. Was als Ablenkung gedacht sei, kommt im Speicher als Störsignal an.

Warnungen spricht Professor Scheich beim Modethema Neuroökonomie aus: „Man sollte sehr misstrauisch sein gegenüber den Weisheiten, die aus diesem Bereich kommen und zwar insbesondere wenn sie über die Macht der Bilder erzielt werden. Fast alle Medien würden zur Zeit Bilder der Kernspintomographie veröffentlichen. Da taucht ein Fleck im Gehirn auf, also muss das irgendwas bedeuten“, so Scheich. Da gebe es sehr viel Rattenfängerei. Es sei einfach nicht richtig zu glauben, wenn die Birne aufleuchtet und die Aktivierung im Gehirn größer wird, ein besserer Zustand des Gehirns erreicht werde. Im Gegenteil: „Große Aktivierung im Gehirn bedeutet Unsicherheit des Gehirns. Wenn Sie Aufgaben untersuchen, wie sie gelöst werden, von unsicherem Status bis zum Profi, dann finden Sie eine negative Korrelation mit der Größe der Hirnaktivierung. Der Profi setzt eigentlich nur noch seine spezifischen Mechanismen für etwas ein“, so der Hinweis von Scheich. Gehirnjogging mit riesiger Hinaktivierung nachzuweisen, sei Unfug. Die kleine Aktivierung, die beim scharfen Nachdenken von einem Profi produziert werde, das ist die eigentliche Aktivierung, die richtig ist.

Chemie-Lernworkshop – Sommerbeschäftigung

Themen der Nachprüfung meines Sohnes im Fach Chemie

1. Ionen

Voraussetzungen:
Ionenbindung, Kationen und Anionen, Ableitung der Verhältnisformeln für Salze, Redoxreaktionen, Elektronegativität;

Themen:
Die galvanische Zelle (Aufbau, Vorgänge), Redoxreihe der Metalle (edel/unedel),
Zink-Kohle Batterie und Alkali-Mangan-Batterie, Blei-Akkumulator.

2. Kohlenstoffatom

Voraussetzungen:
Elektronenpaarbindung, Vierbindigkeit des Kohlenstoffs, Bindungswinkel am C-Atom;

Themen:
Benennung und Bau der Kohlenwasserstoffe, Löslichkeitseigenschaften der Kohlenwasserstoffe im Vergleich zum Wasser; Benennung von Isomeren der Alkane, Alkene und Alkine.

Hat jemand Anregungen für den Workshop, Übungsaufgaben, Literatur, didaktisches Vorgehen etc.?

Rüttgers, Kaiser Wilhelm und die Fabrik im Kopf – Der Staat als Museumswächter

Worum es heute geht....hat Rüttgers wohl nicht verstanden
Worum es heute geht....hat Rüttgers wohl nicht verstanden
Staatsknete für Versandhauskataloge, Rettungspakete für marode Industriekonzerne, die schon vor der Finanzkrise kurz vor der Pleite standen, Bürgschaften und Finanzhilfen für Warenhaus-Dinosaurier, Fusionserleichterungen für angeschlagene Zeitungsverlage: Was Spitzenpolitiker wie Seehofer, Merkel oder Rüttgers derzeit wirtschaftspolitisch bieten, hat nach Ansicht von Experten überhaupt nichts mit der Zukunft des postindustriellen Zeitalters zu tun.
Technikvisionär
Technikvisionär

„Wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers der gebeutelten Medienbranche mit Megafusionen die Rettung vor dem nahenden Untergang verspricht und ein Leben ohne Zeitungen für ‚unvorstellbar’ hält, wird er wohl als Politiker in die legendäre Ahnengalerie von Persönlichkeiten aufgenommen, die sich über die Wirkungen technologischer Zeitenwenden derb verschätzt haben. Wer Millionen von Zeitungsseiten konservieren will, die täglich das Gestern zitieren, mutiert zum Kaiser Wilhelm II, der an das Pferd glaubte und das Automobil nur als vorübergehende Erscheinung abtat“, so Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Harvey Nash in Düsseldorf.

Deutsche Meinungsführer haben immer noch die Fabrik im Kopf
Deutsche Meinungsführer haben immer noch die Fabrik im Kopf

Zu diesem Befund kommt auch brand eins-Redakteur Wolf Lotter in seinem Buch „Die kreative Revolution – Was kommt nach dem Industriekapitalismus?“ (Murmann-Verlag): Wirtschaft werde immer noch mit dem Kopf der Fabrik gedacht. „Alle zeitlichen und materiellen Erscheinungen von Ökonomie sind nach wie vor voll am Ablauf des reinen Produktionsbetriebes orientiert, in dem Veränderungsprozesse nachrangig sind“, schreibt Lotter. Man müsste erst einmal den Irrgarten industriekapitalistischer Terminologie und Lehre verlassen, um sich überhaupt ein halbwegs geordnetes Bild dessen zu machen, was seit mehreren Jahrzehnten im Alltag bereits deutlich wird: Wissen schlägt Produkt. „Die großen Gewinne, die weltweiten Erfolge ökonomischer Prozesse und Innovationen sind nahezu alle wissensbasiert, seit dem Siegeszug des Computers und des Internets ist das deutlich“, erläutert Lotter, der aber darauf verweist, dass die meisten Akteure von Wirtschaft und Politik getaktet sind wie in den Zeiten des Fordismus. Harmonisch werde der Machtkampf zwischen industriekapitalistischen und wissensbasierten Organisationen nicht ablaufen.

Pflichtlektüre für Industriepolitiker
Pflichtlektüre für Industriepolitiker

Die antiquierten Eliten und Paten sollten abdanken: „Besser herrscht transparente Unübersichtlichkeit als jene vornehme Verschwiegenheit der diskreten Gesellschaft“, proklamiert der Schriftsteller Beat Wyss. Die Promotoren des Systemsturzes sind schon in den Startblöcken: Es sind Außenseiter, die schon mitten unter uns als kreative Zerstörer wirken und die alten Monopole torpedieren. „Kleine Spinner werden über Nacht zu Superstars. Absurde Geschäftsideen entpuppen sich und der größte ökonomische Schwachsinn wird zum Megaerfolg“, so der Publizist Peter Felixberger. Es würden sich schon jetzt fundamentale Veränderungen abzeichnen bei der Form und Funktion von Computern, Handys, Zeitungen oder Autos, meint der Wirtschaftswoche-Autor Konrad Buck: „Was sich an partizipatorischen Verhaltens- und Arbeitsmustern derzeit im Internet entwickelt, Stichwort: Social Web, wird entscheidenden Einfluss auf die Produkte und Services von morgen haben. In derzeit laufenden Projekten wie eEnergy (smart metering von Strom, Gas plus Zusatzservices), Elektromobilität (batteriegetriebene Autos mit einer Strom-ID überall aufladen), Genivi Alliance (In-Vehicle Infotainment) spielt sich das Verschmelzen von IT und Anwendung und von IT und Produkt bereits ab“. Hardware werde verdrängt. Experten sagen einen Rückgang um bis zu 95 Prozent bis 2030 voraus. „Gewinner sind Unternehmen mit Expertise im Aufsetzen neuer Geschäftsprozesse, IT- und Netzwerkfachleute mit Gespür für Prozessmodellierung und Verständnis von Wandel als einzig verbleibender Kontinuität oder Spezialisten mit Branchen- und Integrationswissen bekommen das Sagen. Und Verbraucher können sich auf eine Fülle ebenso nützlicher wie spannender neuer Services einstellen“, prognostiziert Buck.

Mobile Zukunft
Mobile Zukunft

Die Integration ehemals getrennter Anwendungen in mobile Endgeräte werde sich nach Einschätzung des Mobilfunkexperten Karl-Heinz Gabler fortsetzen. „Zählen heute Notebooks mit integriertem WLAN zum Standard, so werden die Netbooks der Zukunft HSPA+ und LTE-Modems integrieren, die es erlauben, immer und überall das Netz zu nutzen. Dank integriertem GPS werden auch Navigationsanwendungen Teil des Funktionsumfanges werden. Dem Nutzer werden unabhängig von seinem Ort all seine gewohnten Dienste zur Verfügung gestellt. Ortsgebundene Teilnehmergeräte verschwinden“, sagt Gabler von der Firma Nash Technologies in Nürnberg. Nutzer müssten nur noch angeben, wie viel Leistung sie benötigen – mehr nicht, bestätigt Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Bonner Reiseportals Triptivity. „Wo die Applikation wirklich läuft, ist sekundär. Viele Anwender steigen von ‚traditionellen’ Computern auf Notebooks oder Netbooks um und Unternehmen setzen verstärkt auf Thin Clients. Mobiltelefone entwickeln sich zur universellen Kommunikationszentrale“, führt Schmidt aus. Der Dienstleistungsexperte Harald Henn erwartet radikale Veränderungen bei den Geschäftsmodellen. „Wir erleben eine Abkehr vom Gedanken, dass sich Menschen für Kommunikation und Informationsaustausch an festen Orten befinden müssen. Dass man Hardware in Form von PCs oder Handys benötigt, um zu arbeiten, Daten und Informationen zu erstellen und auszutauschen“, bemerkt Henn.

Industriemuseum Deutschland
Industriemuseum Deutschland

Das Land der Maschinenbauer, Mechaniker und Laboranten verliere seine industrielle Basis, so die Kulturwissenschaftlerin Heike Grimm. Faktisch macht die industrielle Wertschöpfung heute weniger als 20 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes aus. Daran ändern auch die Lügen von Interessenvertretern der Industrie nichts mehr, das angeblich jeder siebte Arbeitsplatz am Auto hängt. Das Zahlenwerk stammt aus dem Jahr 1980, wie die Zeitschrift Capital eindrucksvoll nachgewiesen hat.

Wähle die Worthülse des Monats! Hitliste der Phrasendrescher und Powerpoint-Rhetoriker

Es gibt so viele Ranglisten, Hitparaden, Statistiken über Twitter-Weltmeister, Bücher, Anwälte oder Ärzte. Es fehlt noch ein Votum über die Worthülse des Monats. Eine Liste des Grauens, der rhetorischen Leerformeln, semantischen Umweltverschmutzer, Powerpoint-Schaumschläger, Phrasendrescher und Wichtigtuer.

51Rv0GCDujL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA240_SH20_OU03_Wer bei der Umfrage mitmacht und in der Kommentarspalte seine E-Mail-Adresse hinterlässt, nimmt an einer Verlosung teil unter nicht-notarieller Aufsicht meiner Kinder: Der Gewinner bekommt das Buch „Best of Bullshit“ von Hans Rudolf Jost (Orell Füssli Verlag). Der Jahressieger erhält Ende Dezember die Kurt-Tucholsky-Ehrenurkunde.

Bitte schickt mir Vorschläge, welche Worthülsen im nächsten Monat aufgenommen werden sollen!

Die letzte Schlacht der analogen Welt

Mit dem „Heidelberger Appell“ und dem „Fair Syndication Consortium“ formieren sich Federkiel-Intellektuelle und Verleger, um das OpenAccess-Prinzip des Internets zurückzudrehen. Im Zentrum der Empörungswelle steht vor allem Google. Die Revolte erinnert ein wenig an die hilflosen Versuche der Musikindustrie, Tauschbörsen und mp3-Download-Piraterie mit, Kopierschutztechniken, strafrechtlichen Abschreckungsmaßnahmen und Abmahnterror in den Griff zu bekommen. Wenn die Musikbranche ihre Energie und Kreativität statt in Juristen eher in Marketing und Innovationen gesteckt hätte, dann wäre es ihr selbst gelungen, sich neu zu erfinden und nicht Apple. Denn mit der Plattform iTunes und den coolen Endgeräten ist es Steve Jobs gelungen, gigantische Umsätze zu machen.

Statt über Urheberrechts-Attacken gegen die Google-Ökonomie zu sinnieren, sollten Verleger, Wissenschaftler und Schriftsteller sich lieber Gedanken machen, wie man im Internet attraktive Geschäftsmodelle kreieren kann. Darauf hat der Billing-Experte Omar Khorshed von der Düsseldorfer Firma acoreus schon vor Jahren hingewiesen. „Viele Firmen sind nicht in der Lage, massenfähige Produkte mit attraktiven, einfachen und kostengünstigen Billingangeboten zu etablieren“, mahnte Khorshed. Hier werden die meisten Fehler gemacht. Wenn Verlage in Bezahldatenbanken pro Artikel zwei bis sechs Euro verlangen, haben sie den Schuss eben noch nicht gehört.

Medienprofessor Jeff Jarvis hat das in seinem Buch „Was würde Google tun“ treffend beschrieben. Das Knappheitsmodell der Wirtschaft und damit die Kontrolle über Inhalte haben ausgedient. Google hatte eben frühzeitig den Instinkt, Plattformen und Netzwerke zu schaffen, statt Inhalte zu kaufen oder zu produzieren.

Warum sollte es nicht möglich sein, auch Bücher über Anzeigen zu finanzieren? Jarvis verweist in seinem Buch auf den googeligsten Autor, denn er kennt: Paulo Coelho. Er glaubt, dass die Raubdrucke seiner Bücher in russischer, japanischer, norwegischer oder serbischer Sprache ihn zum meist übersetzten lebenden Autor gemacht hat. Die Raubdrucke waren derart hilfreich, dass Coelho auf seiner eigenen Homepage Links dazu einrichtete.

Kluge Buchvermarktung im Internet
Kluge Buchvermarktung im Internet

Wenn ein Coelho-Buch in Druck geht, wird mit dem Verlag auch über zahlreiche digitale Alternativen gesprochen. Beispielsweise sein Werk in voller Länge einige Wochen vor seiner Veröffentlichung ins Internet zu stellen, Auszüge in Serie für eine gewisse Zeit online zu veröffentlichen, kostenlose Videoausgaben herzugeben und vieles mehr. Seinen Blog nutzt der Schriftsteller, um seine Leser in seinen Schaffensprozess einzubeziehen und für Recherchen zu befragen – etwa zum Thema Mode und die Anziehungskraft von Markennamen. Coelho twitter sogar. „Er benutzt einen ausklappbaren Camcorder, um Fragen für sein Publikum aufzuzeichnen und sie über Seesmic.com, eine Video-Gesprächsplattform, online zu stellen“, so Jarvis. Coelho bat seine Leser sogar, einen seiner Romane zu verfilmen und Sponsoren zu suchen, um das Projekt zu finanzieren. Online verfolgt er sehr erfolgreich die Absicht, Beziehungen zu mehr Lesern aufzubauen und mehr Bücher zu verkaufen. Daran sollten sich die Unterzeichner des Heidelberger Appells ein Beispiel nehmen. Sie sollten Google nicht wie einen Feind behandeln, sondern als Verbündeten einsetzen. Denn über Google entdecken immer mehr Leser über Suchanfragen und Links neue Autoren. „Autoren erreichen hier einen immens großen Teil des Publikums, der niemals einen Buchladen betreten würde. Für Verleger und Autoren eröffnen sich neue Wege, Bücher ins Gespräch zu bringen“, resümiert Jarvis. So wie es Beispiel der Bonner Bernstein Verlag auf Facebook praktiziert.

Schickt die MBA-Absolventen in Rente: Unternehmer braucht das Land

white wooden rectangular table
Photo by Pixabay on Pexels.com

Business-Schools sind überteuert, der Unterricht weltfremd, die Absolventen versagen in Serie. Jetzt bricht der Arbeitsmarkt für MBAs weg – völlig zu Recht, meint der Management-Experte und Buchautor Alexander Ross in einem Beitrag für die Zeitschrift GDI Impuls.

Nach der Blase an den Finanzmärkten werde auch die an den Business-Schools platzen. Von 2010 an werden massenhaft MBA-Absolventen auf einen Arbeitsmarkt treffen, auf dem sie praktisch nicht mehr nachgefragt werden. „Die Business-Schools sind überteuert, der Unterricht weltfremd, die Forschung schmalbandig, und die MBA-Absolventen versagen in Serie“, so Ross. Ein MBA verwalte, würde aber nichts unternehmen. So weisen die Business-School-Experten Stuart Crainer und Des Dearlove darauf hin, dass MBA-Absolventen bei erfolgreichen Unternehmensgründungen auffallend unterrepräsentiert sind. Wenn sie selbstständig seien, dann meist mit einem Beratungsunternehmen. „Wir dürfen die Welt der Ökonomie nicht den Business-Administratoren, nicht den Verwaltern überlassen“, sagt denn auch Günter Faltin, Professor für Wirtschaftspädagogik an der FU-Berlin. Er weiß, wovon er spricht, denn seit 20 Jahren ist er erfolgreicher Unternehmer, beispielsweise mit der Teekampagne. „Für Faltin ist die MBA-Vorherrschaft ein Unding. In seinem neuen Buch ‚Kopf schlägt Kapital‘ – Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen‘ zeigt er, was in Krisenzeiten immer benötigt wird, damit es wieder vorwärtsgeht: Unternehmer, nicht Verwalter“, schreibt Ross.

Die Business-Schools sind mit ihrer Ideologie, mit ihrer Geisteshaltung und ihren Werkzeugen gescheitert. Sie sollten sich zur Verantwortung an der Wirtschaftskrise bekennen. Wer eine Schlacht verliert, hat unrecht mit seiner Strategie, Operation oder Taktik. Beim MBA-Studium mangelt es an dieser Einsicht noch heute, resümiert Ross.

Wissensmagazin GDI Impuls, Heft 1/2009

Weitere Themen von GDI Impuls u.a.:

KLASSE-BEWUSSTSEIN FÜR MANAGER (von Dagmar Deckstein)
Nur mit einer Rückkehr zu alten kaufmännischen Werten können Manager ihre Welt, und unsere Wirtschaft, noch retten.

Die angestellten Manager an den Spitzen der Konzerne ruinieren gerade ihren Ruf und laufen Gefahr, nicht mehr ernst genommen zu werden. Neues Vertrauen kann durch die Rückkehr zu alten Werten aufgebaut werden – etwa dem jahrhundertealten Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Auch eine kollektive Verpflichtung könnte Abhilfe schaffen, etwa ein Gelöbnis, ähnlich dem hippokratischen Eid der Ärzte.

BÜROS IN BEWEGUNG (von Detlef Gürtler)
Bei der Telekom-Forschungseinrichtung T-Labs wird nicht der Mensch, sondern der Arbeitsplatz mobil. Und das Büro steckt in der Hosentasche.

Statt der Menschen kann auch der Arbeitsplatz mobil gemacht werden. Mit dem Konzept des Büros in der Hosentasche kann das komplette Arbeitsumfeld auf einem USB-Stick deponiert und überall, jederzeit und sicher aufgebaut werden. Das erfordert allerdings den gedanklichen Abschied von der Festplatte: Wer überall auf seine vertraute Umgebung zugreifen will, darf nichts mehr lokal speichern. In Konzernen wird der Arbeitsplatz nicht so sehr über Sticks mobil als über Identitätsnachweise wie Karten, die nicht nur Software und Speichermedien individuell zuweisen, sondern auch individuelle Konfigurationen wie gewünschte Beleuchtung oder persönliche Kurzwahltasten beinhalten.

„WARUM BAUEN AUTOBAUER KEINE FAHRRÄDER?“ (Gespräch mit Tim Renner)
Welche Parallelen es zwischen den Strukturkrisen von Auto- und Musikindustrie gibt und was die Auto-Hersteller daraus lernen können.

Die Autoindustrie arbeitete bislang nach einem ähnlichen Modell wie früher die Musikindustrie. Beide Branchen kombinieren Bedarf mit Status – und bei beiden war der Status traditionell an die Hardware gebunden. Mit teureren Produkten kann der Kunde höheren Status erwerben und der Anbieter bessere Wertschöpfung erzielen. Bis der Markt kippt: in der Musikindustrie vor zehn Jahren, in der Autoindustrie jetzt. Die Musikbranche wandelt sich von einer hardwaregetriebenen Branche zum Anbieter von Entertainment-Leistungen, die Autobranche muss dazu übergehen, statt Hardware zu verkaufen, den Bedarf nach Individualmobilität zu befriedigen. Gleichzeitig das alte Geschäftsmodell herunterzufahren und ein neues aufzubauen, kann nur finanzieren, wer im alten System stark genug ist.

VWL-Mechaniker und Ex-post-Prognostiker in der Sinnkrise

In einigen Blog-Beiträgen habe ich mich nun mit dem Niedergang der Ökonometriker, Zahlendreher, Makroklempner und VWL-Mechaniker auseinandergesetzt. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat nun eine Typologie der Wirtschaftswissenschaftler nach dem Finanzcrash erstellt. „Anfang 2008 war die Welt nämlich noch in Ordnung. Die Ökonomen sprachen von einer Abkühlung im Jahr 2009. Ein Wachstum von 1,2 Prozent, 1,5 Prozent, 1,8 Prozent sei zu erwarten, hieß es damals, aber weiß Gott keine Rezession, nicht einmal Stagnation. Ach ja. Dann kam die Krise – und mit ihr wurde offenbar, wie sehr die professionellen Prognostiker in Deutschland danebengelegen haben“, so die FAS.

Die Ökonomen würden verschreckt reagieren: „Die einen geben sich zerknirscht, die anderen behaupten, alles immer schon gewusst zu haben. Letztere nerven besonders. Denn wenn sie tatsächlich schon in ihrer Doktorarbeit vor fehlender Bankenregulierung gewarnt haben, so fragt man sich, wieso sie nicht all ihre Macht und Prominenz eingesetzt haben, die Öffentlichkeit zu warnen“. Nach meinem Eindruck sind die Zerknirschten zumindest in der Öffentlichkeit nicht sehr dominant. Die meisten wollen doch so schnell wie möglich zur Tagesordnung übergehen und jetzt analysieren, was sowieso schon bekannt ist. Es sind halt Ex-post-Prognostiker, die sich mit den Analysten zusammentun können. Letztere können auch erst ihre schlauen Reden führen, wenn ein Unheil eingetreten ist. Tun aber so, schon immer alles vorher gewusst zu haben.

Wirtschaftsforscher Snower ist einer der wenigen, die zu einem radikalen Umdenken auffordern. Ein Richtungswechsel in einer bislang hochnäsigen Wissenschaft, die gern den „Siegeszug des ökonomischen Paradigmas in alle Wissenschaften“ verkündete. Jetzt sollten die Ökonomen von ihren einst geschmähten Kollegen lernen, findet er. „Erkenntnisse vor allem aus den Neurowissenschaften, aber auch aus Psychologie und Anthropologie müssen herangezogen werden, um die Annahmen über menschliches Verhalten realitätsnäher zu machen.“ Mathematische Formeln und Ceteris-paribus-Modellrechnungen sind schon immer Rationalitätsmythen gewesen. Der heute in Ungnade gefallene Begründer der marktwirtschaftlichen Idee, Adam Smith, war davon weit entfernt: Er war Moralphilosoph, politischer Ökonom, Wirtschafts- und Sozialhistoriker, Rechtstheoretiker, Geschichtsphilosoph, Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Kunsttheoretiker. Also alles andere als ein Fachidiot, der sich hinter irgendwelchen Rechenmodellen versteckt, die niemals die komplexe und widersprüchliche Welt abbilden oder politische Krisen, bahnbrechende Erfindungen, Meinungstrends oder Katastrophen vorhersagen können. Besonders fragwürdig sind jene Wirtschaftswissenschaftler, die ihre Profession mit der Naturwissenschaft auf eine Stufe stellen. Diese Gruppe soll zur Zeit dominieren. Für mich sind es VWL-Mechaniker, die einem Weltbild nachlaufen, wie es der Engländer Thomas Hobbes vertrat. Er machte sich eine bereits gängige Vorstellung aus dem 16. Jahrhundert zu eigen, wenn er zu verstehen gab, der Staat, der Zusammenschluss der Menschen zu einer Einheit, eben der „Staatskörper“, sei wie jeder Körper eine Maschine, ein von einem Uhrwerk angetriebener Automat. Die Rechenschieber-Fraktion in der Wirtschaftswissenschaft ist von diesem Theoretiker des politischen Absolutismus nicht weit entfernt.

Siehe auch: Narren, Krise, Konjunktur und Schwarz Löcher, Enzensberger, Kontrollfreaks,, Prognosemist, Weltuntergangsstimmung, Krisenmanager