Mein Gott, fast jeden Tag lässt der FAZ-Neuro-Feuilletonist Frank Schirrmacher irgendeinen so genannten Experten zu Wort kommen lässt, der seine manischen Web-Ängste, Multitasking-Phobien und Hirntheorien bestätigt. Diesmal ist es ein Professor für Medizinische Psychologie mit dem Namen Ernst Pöppel. Facebook, Twitter, SMS und E-Mails würden uns in eine extreme Form der Überforderung stürzen – Schirrmacher-Theorem Nummer eins. Multitasking sei streng genommen grober Unfug und unmöglich – Schirrmacher-Theorem Nummer zwo. Man müsse lernen, davon Abstand zu nehmen. Diese Fähigkeit sei in den letzten Jahren leider sehr verlorengegangen. Viele Studenten seien in 45-Minuten-Vorlesungen schon nach zehn Minuten nicht mehr aufnahmefähig und schalten ab – Schirrmacher-Theorem Nummer drei.
Es würde helfen, wenn in Deutschland eine Stunde am Tag gar nicht telefoniert würde – schwachsinniger Vorschlag, der ein wenig an eine Forderung von Helmut Schmidt erinnert. Wie wäre es denn mal mit einem Tag ohne FAZ? Könnte man wesentlich schneller in die Tat umsetzen.
Es gebe die Angst, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe von Personen zu verlieren, ausgeschlossen zu sein. Allerdings spiele die Selbstinszenierung in solchen Netzwerken oft eine größere Rolle als die Kommunikation – ist das ein neues Phänomen, Herr Pöppel? Auch die Selbstinszenierung ist eine Form der Kommunikation. Studieren Sie mal die höfische Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts. Jeder setzt sich mit bestimmten Methoden in Szene. Das sind schlichtweg Maßnahmen der Selbsterhaltung und können überaus amüsant sein: Vox, vultus und gestus galten im Barockzeitalter als essentiell, um in der Öffentlichkeit Wirkung zu erzielen und zu überzeugen. Gleiches praktizieren Sie doch auch, Herr Pöppel, mit folgender nett formulierten Polemik: „Facebook beispielsweise ist eine Art Selbstprostitution, eine Offenlegung von Intimität ohne Verpflichtungen. Man öffnet sich nicht wirklich, will sich aber zeigen. Es ist gewissermaßen Selbstkommunikation – ein öffentliches Tagebuch, das nur so tut, als wäre es Kommunikation.“
Gut gebrüllt, Pöppel. Wie viele Facebook-Profile oder Fan-Seiten haben Sie denn gesichtet? Wie lange haben Sie die Kommunikation auf Facebook beobachtet? Sie finden höchst eloquente Konversationen und zugleich dussligen Tratsch. Ein Querschnitt des Lebens. Sie finden zudem eine neue Öffentlichkeit, die es im 18. Jahrhundert in englischen Kaffeehäusern, in französischen Salons und deutschen Tischgesellschaften gab. Allerdings ohne snobistisch-elitären Anstrich und ohne hierarchische, räumliche, zeitliche oder finanzielle Barrieren. Da wird über Kunst, Literatur, Geschichte, Politik, Wirtschaft oder Musik diskutiert. Da gibt es Initiativen, um Persönlichkeiten wie Diane Budisavljević, die in der Nazi-Zeit vielen jüdischen Kindern das Leben rettete, wieder ins Gedächtnis zu bringen (in Serbien laufen Vorbereitungen auf Hochtouren, um das Leben dieser tapferen Frau zu verfilmen, kleiner Exkurs. Habe in Belgrad mit dem Filmproduzenten über dieses Projekt gesprochen – werde demnächst darüber berichten).
Bevor Sie die Schirrmacher-Thesen bestätigen, sollten Sie sich etwas genauer mit der Thematik beschäftigen, Herr Pöppel!
Programme und Videospiele, die angeblich das Gehirn trainieren, machen nicht klüger. Zu diesem Ergebnis ist eine von der BBC initiierte Studie gekommen. Die größte bisher durchgeführte Untersuchung begleitete 11.430 Menschen sechs Wochen lang, um herauszufinden, welche Auswirkungen – wenn überhaupt – das Spielen von Trainingsprogrammen am Computer haben kann.
Das um sich greifende Blogger-Bashing von FAZ und Co. hat den Autor Marc Reichwein motiviert, ein herrliches Stück über die Empörungsspirale im 19. Jahrhundert zu schreiben. Auch damals gab es Verdächtige, die im öffentlichen Diskurs im Fadenkreuz der Publizistik standen: Zeitungsleser! Das sind ähnliche Dunkelmänner, wie „die Leute mit den Laptops“ (Jauer, FAZ), die in Kaffeehäusern herumsitzen und angeblich nicht wissen, wie sie ihre Tagesrationen an Latte Macchiato finanzieren können. Blogger werden heute ähnlich inspiziert, wie die „liberalen Zeitungsphilister: „Bevor derselbe Morgens seine Zeitung gelesen hat, ist er nur ein halber Mensch; über dem Lesen aber geht ihm ein Licht nach dem andern auf, so daß er abends beim Schoppen über alle Tagesfragen mit zu Gericht sitzen kann und nicht begreift, wie es möglich ist, anderer Meinung zu sein.“
„Willkommen in den Jahren nach 1848, die liberale Revolution ist noch so jung wie die digitale heute. Pressefreiheit schien zwar einerseits schon legal und irgendwie fortschrittlich, andererseits aber auch ähnlich unbequem wie die Bloggerfreiheit heute. Und mindestens so verdächtig wie stundenlanges WLAN im St. Oberholz muss man sich die ausufernde Zeitungslektüre vorstellen“, schreibt Reichwein und er zitiert: „Eine Art von Hochschulen für das Zeitungsphilistertum sind die Casino-Lesezimmer. In feierlichster Stille, die Denkerstirne bald auf den einen bald auf den anderen Ellenbogen gestützt, sitzen sie hier und machen den Eindruck, als ob auf ihnen zunächst der schwere Beruf lastete, die Welt in ihren Fugen zu halten.“ Diese Zeilen stammen aus der Feder des Ultramontanisten August Reichensperger, den man bis heute als Außendeko des Kölner Doms besichtigen kann.
„Er hat ein so genanntes ‚Rath- und Hülfsbüchlein für Zeitungsleser‘ geschrieben, das in den 1860ern und ’70ern in rasch aufeinanderfolgenden Auflagen verlegt wird. Das Werk mit dem Titel ‚Phrasen und Schlagwörter‘ kommt als getarnte Handreichung für Zeitungsleser daher, ist in Wahrheit aber eine Art Kulturkampf gegen die liberale Presse mit sprachkritischen Mitteln. Polemisch vorgeführt wird, von welch miesen Journalisten-Tricks sich der empfängliche, leider allzu empfängliche Zeitungsphilister immer wieder beeindrucken lässt“, führt Reichwein weiter aus.
Was der Zeitungsphilister gestern gelesen habe, moniert der konservative Moralprediger Reichensperger, weiß er ohnehin meist heute schon nicht mehr (klingt ein wenig nach „das Internet überfordert mein Hirn“-Lamento von Frankieboy Schirrmacher); er glaubt aber jedes Mal, wenn seine Zeitungsstunde vorüber ist, wunders, was er gelernt habe, wenn nicht gar gethan habe. Am Ende, so Reichensperger, setze sich der Zeitungsfan noch „in den Kopf, er habe ein gutes Theil an allen Erfindungen der Neuzeit, von der Dampfmaschine an bis zum atlantischen Telegraphenkabel, und sieht mit stolzem Hochgefühle auf alle seine Nebenmenschen herab, welche solchen Anspruch nicht erheben zu können glauben.“ Bei zvab.com habe ich mir dieses Opus direkt bestellt. Und bei den bibliografischen Angaben zur zweiten Auflage von „Phrasen und Schlagwörter“ ist folgendes zu lesen.
Angebunden: Schmitz, J. R., De Moralität der Bekanntschaften beleuchtet an dem Charakter der Ehe. Auch: Inwiefern Bekanntschaften für eine nächste Gelegenheit (occasio proxima) zur Unzucht anzusehen sind. Als Zugabe: Dieselbe Frage in Betreff der heutigen Tanzlustbarkeiten. 2 Vorträge. Köln, Schwann, 1864. Das müsste doch ein treffliches Vademekum für FAZ-Redakteure sein. Wenn Schirrmacher einen ordentlichen Preis bietet, verkaufe ich ihm das Büchlein 😉
Die Social Media-Aktion gegen den DSDS-Siegersong „Don’t believe“ beginnt zu wirken. Blümchen hat es mit Boomerang schon auf den sechsten Platz bei iTunes geschafft. Also weiter kräftig herunterladen, dann ist die diesjährige Dieter Bohlen-Produktion sehr schnell Vergangenheit.
Der digitale Medienfluss verwandelt sich in eine Umweltbedingung, so der Journalist und Blogger Peter Glaser in seinem Eröffnungsvortrag auf der re:publica in Berlin. Er sei überall und immer da: „Früher öffnete sich einmal pro Abend das Nachrichtenfenster in die Welt. Heute fließen die Ströme an Meldungen, Unterhaltung, Information unausgesetzt. Sonderbare Dinge wie ‚Testbild‘ und ‚Sendeschluss‘ kennen junge Medienkonsumenten nicht mehr. Das Netz ist zum Inbegriff der Permanenz geworden. Ständig geht es vor sich, es aktualisiert sich, es vibriert vor Mitteilsamkeit. Früher gab es einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand. Früher hat der Große den Kleinen gefressen, dann fraß der Schnelle den Langsamen. Nun wird das Manchmal vom Immer verschluckt“, sagte Glaser.
Maschinen würden in Zukunft nicht mehr mit einem Ein- und Aus-Knopf bekommen, sondern nur noch mit einer Reißleine, die zum Start gezogen wird, dann läuft der Apparat bis in alle Ewigkeit. „Ich bin der Auffassung, dass der Ausschaltknopf als ein bedeutendes Menschenrecht gewahrt bleiben muss. Wie sehr uns dieser Knopf bereits ausgetrieben worden ist, zeigt das Mobiltelefon. Zwar verfügt es noch über einen regulären Ausschaltknopf. Aber die psychische Belastung, die das Ausschalten mit sich bringt angesichts der Möglichkeiten, was man alles versäumen könnte, ist immens. Das Nichtrangehen zu lernen, ist so schwierig wie ein Morphiumentzug“, befürchtet Glaser. Er verweist auf das Opus „Mythos der Maschine“ von Lewis Mumford. Die Welt wäre besser, wenn man es als Schulbuch einsetzen würde.
Nur im menschlichen Geist habe die Fortschrittsidee Substanz. Nur hier biete sie die Aussicht auf eine bessere Zukunft. „Mumford skizziert auch die Möglichkeiten, wie der technische Fortschritt nicht in eine Technokratie mündet. Jedes System, jeder Automat, jede Maschine ist ein Produkt des menschlichen Geistes. Maschinen dürfen nicht zu Vollstreckern von Zwangsmaßnahmen gedrillt werden, sonst mutiert anfänglich hilfreiche Technik zum repressiven Oberlehrer“, warnt Bernhard Steimel, Sprecher des Nürnberger Fachkongresses Voice Days plus, der sich mit Technologien für die Kundeninteraktion beschäftigt.
Systeme, Geräte oder Suchmaschinen dürften nicht darüber entscheiden, was richtig und was falsch für uns sei und unser Verhalten einschränken oder sogar sanktionieren. Sonst würde der Mensch zum Sklaven der Technik. Eine Automaten-Diktatur könnte sich nachhaltiger auswirken als das paternalistische Verhalten unter Menschen, warnen die Wissenschaftler Sarah Spiekermann und Frank Pallas in einem Beitrag für das Fachbuch „Die Informatisierung des Alltags“ (Hrsg. Friedemann Mattern, Springer-Verlag): „Zum einen reagieren Maschinen automatisch und autonom und lassen den Betroffenen damit nur wenig Möglichkeit zur Antizipation oder Reaktion. Zum anderen ist Technik absolut. Hat beispielsweise ein Fahrer Alkohol in der Atemluft, so ist es ihm gänzlich unmöglich, das entsprechende Auto zu starten – auch in Notfällen, in denen das Fahren unter Alkoholeinfluss üblicherweise akzeptiert würde“.
Der Paternalismus der gutmeinenden Kontrolleure sei bei Technologien nicht nur mit Gehorsam oder Obrigkeitshörigkeit verbunden, sondern erzeuge einen Zwang zu absoluter Konformität. Autonom agierende Maschinen werden zu absoluten Kräften, deren Entscheidungen und Handlungen nicht umgangen oder missachtet werden können. „In Anlehnung an Francis Bacon, der auch von Lewis Mumford zitiert wird, sind wir daher gefordert, aus dem Schatz aller Dinge das zusammenzutragen, was im Leben am meisten von Nutzen ist“, resümiert Steimel.
Überaus positive Konjunktursignale vernimmt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zum Frühjahrsbeginn aus der Dienstleistungsbranche. Das berichtet die FAZ. Von dort seien ganz andere Töne zu vernehmen als aus der Industrie, die sich eher schleppend aus dem Konjunkturtal nach oben arbeitet. Die Serviceanbieter befänden sich schon wieder im Aufschwung. Das schlage sich auch in den Beschäftigungsplänen der Unternehmen nieder, heißt es in dem noch unveröffentlichten Dienstleistungsreport der Kammerorganisation.
Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der FAZ.: „Auf Basis der positiven Beschäftigungspläne der Unternehmen rechnen wir mit einem Plus von rund 300.000 Arbeitsplätzen allein im Dienstleistungssektor bis zum Jahresende 2010.“ Damit könne die Branche 2010 „einen Großteil der drohenden Beschäftigungsverluste in anderen Wirtschaftszweigen kompensieren“, so Wansleben. Die Dienstleistungskonjunktur werde im Frühjahr „einen weiteren Schritt nach vorne“ machen. Bereits zu Beginn des Jahres seien die Serviceunternehmen der einzige Wirtschaftszweig gewesen, der eine positive Geschäftslage gemeldet habe. Damit lägen sie vor der Bauwirtschaft und dem Handel und vor allem deutlich vor der Industrie. Die volkswirtschaftlich bedeutende Branche der Gesundheitsdienstleister berichte ungeachtet der Krise sogar über die beste Geschäftslage seit Beginn der Befragung. Positive Resonanz habe der DIHK auch von Konzertveranstaltern, Theatern, Fitnessclubs sowie von den Medien und aus der Filmwirtschaft vernommen. Die Dienstleister erwarteten zudem eine weitere Verbesserung ihrer Lage. Die Hoffnungen auf eine Besserung der wirtschaftlichen Aussichten schlügen sich auch in den Investitionsplänen nieder, die besser ausfielen als in allen andern Wirtschaftszweigen, berichtet der DIHK weiter. Einen größeren Personalbedarf meldeten vor allem wissensintensive Dienstleistungsbranchen wie Anbieter von Informationstechnik, Versicherungen, Unternehmensberatungen sowie Werbung und Marktforschung. Auch Gesundheits- und Sozialdienste, die Sicherheitswirtschaft und die als konjunktureller Vorläufer geltende Zeitarbeit schafften neue Stellen.
„So langsam sollten sich die Meinungsführer, die immer noch Weltbilder aus den Zeiten der florierenden Massenproduktion verbreiten, in ein stilles Kämmerlein zurückziehen und sich eines Besseren besinnen. Schaut man sich die vielen Servicebranchen an, die sich jetzt als Konjunkturlokomotive erweisen, erkennt man, wie hirnverbrannt die wirtschaftspolitischen Akzente in Deutschland immer noch sind. Wenn Industrie-Nostalgiker davor warnen, dass man nicht alleine vom Haare schneiden leben könne, haben sie nicht begriffen, was eine Dienstleistungsökonomie wirklich auszeichnet“, kritisiert Bernhard Steimel, Sprecher des Nürnberger Fachkongresses Voice Days plus. Kein Service-Experte würde von einer Ökonomie ohne Produktion und Produkte träumen. Nur mit den alten Methoden des Fordismus sei kein Blumentopf mehr zu gewinnen.
„Selbst Maschinenbauer wandeln sich immer mehr zu Service-Providern. Hier liegen Trendforscher und Publizisten wie Matthias Horx oder Wolf Lotter vollkommen richtig. Stichworte wie Kreativwirtschaft, Wissensgesellschaft, Support oder App Economy beschreiben sehr treffend die Zukunftsfelder, die für Deutschland über Sieg oder Niederlage im globalen Wettbewerb entscheiden werden. Der Soziologe Holger Rust hatte noch im Oktober 2008 die Trendaussagen von Horx und Co. durch den Kakao gezogen, die den Wandel der klassischen Industriebranche in eine weitgehend auf Dienstleistung und Wissen basierende neue Form der Gesellschaft vorhersagen“, erläutert Steimel. Volks- und betriebswirtschaftlich seien solche Szenarien jedoch schlichter Unsinn tönte Rust gegenüber der Bild der Wissenschaft. Einem Wirtschaftswissenschaftler oder Soziologen käme es nicht in den Sinn, einen solchen Unfug zu prognostizieren, sagte Rust – nicht nur aufgrund der in sich widersprüchlichen Logik, sondern schon durch den Blick auf die Zahlen. Die liefere etwa der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Der VDMA habe errechnet, dass die Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe in Deutschland seit Jahren weitaus schneller wachsen würde als in den Dienstleistungsbranchen – die Industrie boomt also, während die Serviceunternehmen nur langsam an Umsatz zulegen. Für 2008 rechnete der Branchenverband mit fünf Prozent Umsatzwachstum gegenüber 2007 bei den deutschen Maschinenbauunternehmen, die – wie man beim VDMA stolz betonte – hinter den USA den zweiten Platz unter den weltweit größten Produzenten von Maschinen und Anlagen belegen. Den produzierenden Unternehmen in Deutschland gehe es prächtig – trotz der seit dem Sommer nachlassenden Konjunktur. „So schnell kann man sich irren. Solche einseitigen industriepolitischen Gesänge können wir uns nicht mehr erlauben. Wir sollten alles daran setzen, eine Gesellschaft mit Service-Exzellenz zu werden“, fordert der After Sales-Experte Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic. In seinem Unternehmen für Wartungs- und Reparaturservice könne man sehr gut erkennen, wie vielschichtig Dienstleistungsberufe seien, welche Möglichkeiten für produktbegleitende Services es gibt und wie viel das Ganze mit Technologie zu tun habe. „Der Friseurberuf ist ja sehr ehrenwert. Er steht aber nicht im Zentrum der Serviceökonomie“, resümiert Weilmuenster.
Debattendompteur Frank Schirrmacher fürchtet sich vor den geheimnisvollen Algorithmen des Netzes: „Wir werden das selbstständige Denken verlernen und wir werden uns in fast allen Bereichen der autoritären Herrschaft der Maschinen unterwerfen.“ Der Grund ist die schiere Menge der im Netz verfügbaren Daten, die unsere Aufmerksamkeitsressourcen heillos überfordern – weswegen wir uns auf die Softwareagenten und digitalen Roboter der Ordnungsprogramme des Internets verlassen müssen. Damit aber erleben wir eine Externalisierung des Denkens, dass sich fortan außerhalb unseres Gehirns als algorithmengesteuerter Prozess in der Cloud abspielt. Diese Thesen leiert der FAZ-Herausgeber in seiner Reden-Tournee durch Deutschland als semantische Endlosschleife herunter. Al-Khwarizmi hätte wohl nie gedacht, dass seine algebraischen Denkanstöße zu so weitreichenden Folgen führen könnten. Meint Schirrmacher eigentlich Algorithmen mit polynomialer oder mit exponentieller Laufzeit? Kann der Feuilletonist eine Lösung für das Boole’sche Erfüllbarkeitsproblem präsentieren?
Höre ich mit dem Denken auf, wenn meine schlauen kleinen elektronischen Assistenten mir jeden Tag Informationen über Themen abliefern, die ich über smarte Softwareprogramme abrufe? Schrumpft mein Hirn, wenn mir Amazon automatisch Buchempfehlungen zuschickt, die sich an meinen bisherigen Suchanfragen und Online-Einkäufen orientieren? Auch meine sehr freundliche Kioskverkäuferin kennt meine bevorzugte Zigarettenmarke und weiß, welche Zeitungen und Zeitschriften ich ab und zu kaufe, damit die Printindustrie nicht völlig zusammenbricht. Die Personalisierung im guten, alten Tante Emma-Laden empfinden die meisten Menschen als sympathisch. In meinem Lieblingskiosk bin ich namentlich bekannt, werde freundlich begrüßt und vieles läuft automatisch ab.
Sind es Empfehlungen, hinter denen Algorithmen stecken, wird das Ganze zur monströsen Datenkrake. Das mag in Ansätzen stimmen und es gibt wohl jeden Tag üble Verstöße gegen den Datenschutz. Von staatlichen und privaten Institutionen. Unser Gehirn verändert sich dadurch nicht. Mein freigeistiges Köpfchen erreichen die Algorithmen auch nicht. Denken, reflektieren, lesen, schreiben und disputieren muss ich immer noch selber. Das können meine elektronischen Assistenten nicht – dafür sind die viel zu blöd. Sie können die Komplexität der Datenflut, die es nicht erst seit der Erfindung des Internets gibt, reduzieren und für mich etwas erträglicher machen. Bewältigen kann man die weltweit kursierenden Informationen nie.
Ein wenig erinnert mich Schirrmacher mit seinen Komplexitätsklagen an die Hampelmänner in dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Und hier besonders an General Stumm, der auf der Suche nach dem erlösenden Gedanken ist: „‚Du erinnerst Dich‘, sagte er, ‚dass ich mir in den Kopf gesetzt habe, den erlösenden Gedanken, den Diotima sucht, ihr zu Füßen zu legen. Es gibt, wie sich zeigt, sehr viele bedeutende Gedanken, aber einer muss schließlich der bedeutendste sein; das ist doch nur logisch? Es handelt sich also bloß darum, Ordnung in sie zu bringen.'“
Wenig vertraut mit Gedanken und ihrer Handhabung, noch weniger mit der Technik, neue zu entwickeln, beschließt General Stumm, sich in die Hofbibliothek zu begeben, ein grundsätzlich idealer Ort, um sich mit ungewöhnlichen Gedanken auszustatten, wo er sich „über die Stärke des Gegners Klarheit zu verschaffen“ und auf eine möglichst organisierte Weise zu der originellen Idee zu gelangen hofft, nach der er sucht. Der Besuch in der Bibliothek versetzt den General allerdings in große Angst (lieber Herr Schirrmacher), da er mit einem Wissen konfrontiert wird, das ihm keinerlei Orientierung bietet und über das er nicht die vollständige Befehlsgewalt hat, die er als Militär oder Zeitungsherausgeber gewohnt ist:
„Wir sind den kolossalen Bücherschatz abgeschritten, und ich kann sagen, es hat mich weiter nicht erschüttert, diese Bücherreihen sind nicht schlimmer als eine Garnisonsparade. Nur habe ich nach einer Weile anfangen müssen, im Kopf zu rechnen, und das hatte ein unerwartetes Ergebnis. Siehst du, ich hatte mir vorher gedacht, wenn ich jeden Tag da ein Buch lese, so müsste das zwar sehr anstrengend sein, aber irgendwann müsste ich damit zu Ende kommen und dürfte dann eine gewisse Position im Geistesleben beanspruchen, selbst wenn ich das ein oder das andere auslasse. Aber was glaubst du, antwortet mir der Bibliothekar, wie unser Spaziergang kein Ende nimmt und ich ihn frage, wieviel Bände denn eigentlich diese verrückte Bibliothek enthält? Dreieinhalb Millionen Bände, antwortet er! Wir sind da, wie er das sagte, ungefähr beim siebenhunderttausendsten Buch gewesen, aber ich habe von dem Augenblick an ununterbrochen gerechnet (Google oder Wolfram Alpha könnten das in einer Nanosekunde ausspucken); ich will es dir ersparen, ich habe es im Ministerium noch einmal mit Bleistift und Papier nachgerechnet: Zehntausend Jahre würde ich auf diese Weise gebraucht haben, um mich mit meinem Vorsatz durchzusetzen!“
Die Unendlichkeit der Lektüremöglichkeit ist also kein Problem der Internetzeit. Jeder Leser ist eben auch ein Nicht-Leser. Es ist das alte Problem von Kultur und Unendlichkeit, die auch mit Boole’scher Mathematik nicht in den Griff zu kriegen ist. Das wäre auch anmaßend.
Gegen die mathematischen Angstzustände empfehle ich Schirrmacher den Zahlenteufel von Enzensberger. Siehe Buchcover.
Professor Fritz B. Simon stellte einmal die provokative Frage, ob wir gemeinsam nur blöd sein können. Da niemand die Zukunft kennt, ist auch nicht zu sagen, wer über das in Zukunft relevante Wissen verfügt. Der systemische Organisationsexperte Simon schlägt vor, das individuelle Wissen, die Fantasie, die Kreativität und Kompetenz in die Kommunikation einzubringen und intelligent zu organisieren. Das geschieht spontan nicht zuverlässig, da Kommunikationsmuster dazu neigen, das zu reproduzieren, was sowieso schon immer gedacht wurde. Je geschlossener die Organisation, je mehr Hierarchien existieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einseitig selektierte Informationen zu erhalten. Um diese Einbahnstraße zu verlassen, nutzt der Wissenschaftler Richard Feynman das Web. Bruce Sterling hat die Methodik erwähnt. Siehe auch den FAZ-Artikel
„Denken im Internet-Zeitalter – Unser quälendes Unbehagen“:
„Ich will Ihnen sagen, wie der zeitlose Richard Feynman an diese Aufgabe herangeht. Er ist kein großer Papierfreund, weil er in einer Netzkultur lebt.
Ihm geht also auf, dass er vielleicht ein Problem hat, vielleicht aber auch nicht.
1. Ich gebe das Problem in eine Suchmaschine ein, vielleicht hat es irgendjemand ja schon gelöst.
2. Ich beschreibe das Problem in meinem Blog und studiere die Kommentare mitsamt ihren Links.
3. Ich formuliere mein Problem mit nicht mehr als 140 Zeichen in Twitter – mal sehen, ob ich es so knapp zusammenfassen kann. Und ob es weitergetweetet wird.
4. Ich mache ein quelloffenes Problem daraus und füge einige Instruktionen hinzu, die zeigen, wie weit ich gekommen bin, und schaue dann, ob die Gemeinschaft es ein Stück weiter schafft.
5. Mit Hilfe von Ning starte ich ein soziales Netzwerk über mein Problem, benenne es nach ihm und warte ab, ob sich eine Gruppe um mein Problem bildet.
6. Ich mache ein Video über mein Problem, lade es bei Youtube hoch und warte ab, ob es sich viral verbreitet und ob sich eine Medienkonzentration um es bildet.
7. Ich mache einen Entwurf, der so tut, als wäre mein Problem schon gelöst, designe also irgendeinen Apparat, eine Anwendung, ein Produkt, das etwas mit meinem Problem zu tun hat, und schaue dann, ob jemand es wirklich baut.
8. Ich verschärfe oder vergrößere mein Problem mit einer interventionistischen taktischen Medienaktion.
9. und letztens: Ich suche im ‚Looking into the Past‘-Pool der Online-Fotoplattform Flickr (bei dem jeweils ein historisches Foto mit einer passenden aktuellen Aufnahme kontrastiert wird) nach ein paar hübschen Illustrationen.“
Ob dann etwas sinnvolles herauskommt, ist noch eine andere Frage. Aber Charme hat das Vorgehen schon.
Literatur und Philosophie waren für Philip Dormer Stanhope, dem vierten Earl of Chesterfield (1694 – 1773), eine Einheit. Ihm schwebte eine Verbindung von französischer Geistigkeit und englischer Formenfreiheit vor, eine Literatur, die Erfahrungen vermittelte und ihren bildend-erzieherischen Zweck nie aus dem Auge verlor. Dementsprechend empfahl er seinem Sohn in erster Linie Memoirenwerke von Politikern wie dem Kardinal Retz und die Schriften der französischen Moralisten, allen voran La Rochefoucauld und La Bruyère. Legten die Maximen Rochefoucaulds das theoretische Fundament zum Verstehen der menschlichen Natur, so vermittelten die „Charaktere“ Bruyères ein Kaleidoskop der Menschenkenntnis. Und „Menschenkenntnis“ war das wichtigste Stichwort in Chesterfields Erziehungsprogramm: „Die Menschen recht zu kennen, das erfordert ebensoviel Aufmerksamkeit und Fleiss, vielleicht mehr Scharfsinn und Urteilskraft, als Bücher zu kennen. Ich kenne viel ältliche Leute, die ihr ganzes Leben in der grossen Welt zugebracht haben, aber mit solchem Leichtsinn und Mangel an Aufmerksamkeit, dass sie von ihr nicht mehr wissen, als sie im Alter von fünfzehn Jahren wussten. Schmeichle dir daher nicht mit dem Gedanken, du könntest diese Kenntnis bei dem albernen Geschwätz müssiger Gesellschaften erlangen! Nein, du musst tiefer eindringen. Du musst ebenso wohl der Leute Charaktere als auch ihre Gesichter sehen“, schreibt er in seinem legendären Opus „Lord Chesterfield: Briefe an seinen Sohn“ (u.a. beim Georg Müller Verlag 1912 erschienen).
Mit dieser skeptischen Weltsicht wäre so manchem Investor oder Anleger ein Reinfall auf die leeren Versprechen halbseidener Finanzberater erspart geblieben. Besonders Maulhelden im Wirtschaftsleben sollte man meiden. Einige Führer grosser Konzerne neigen zur Prahlerei und Herrschsucht. Keine Fernsehkamera lassen sie aus, keine Talkshow ist vor ihnen sicher. Ihre Inkompetenz kompensieren sie mit egozentrischer Polterei. Kluge Top-Manager sollten sich in Zurückhaltung und Bescheidenheit üben. Der Earl: „Je mehr du weisst, desto bescheidner solltest du sein; und, im Vorbeigehn gesagt, diese Bescheidenheit ist der sicherste Weg, deine Eitelkeit zu befriedigen. Auch wo du deiner Meinung sicher bist, da scheine lieber zweifelnd: tue Vorstellungen, aber keine Aussprüche; und wenn du andre überzeugen willst, da stelle dich selbst bereit, überzeugt zu werden…Gib dir niemals das Ansehen, als wärst du weiser oder gelehrter als die Anwesenden.“
Nichts ist anstössiger als Vermessenheit und Unverschämtheit. Man liebt keinen, der sich immer zeigen will, immer von sich selbst redet und stets der Held seines eigenen Roman ist. Neunmalkluge Phrasendrescher sind unter den Führungskräften leider keine Seltenheit – sie machen langatmige Abteilungsbesprechungen zur Qual. Dabei ist nach wie vor eine alte Weisheit gültig, die auch Stanhope bevorzugte: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Manager lernen dadurch, dass sie geschickt zuhören sollen – nachdem sie ihr Gegenüber zum Reden gebracht haben. Dafür empfiehlt der Lord einen simplen Schachzug: „Sich unwissend stellen, ist sehr oft ein höchst notwendiges Mittel, um Kenntnisse in der Welt zu erwerben…Es ist die beste Methode, sich gründliche und vertrauliche Informationen zu verschaffen. Denn die meisten Leute sind zu eitel, um anderen nicht ihre Überlegenheit zu zeigen. Obwohl nur für einen Augenblick und bei reinsten Lappalien werden sie dir Dinge mitteilen, die sie nicht erzählen sollten.“
Wer es seinem unfähigen Vorgesetzten einmal so richtig zeigen will, sollte auf keinen Fall den Frontalangriff wagen. Viel besser ist es, ihn mit unverdientem Lob zu überschütten. Das ist, so Stanhope, „die bitterste Satire und der sicherste Weg, der Leute Laster und Torheiten blosszustellen. Es ist eine Redefigur, die Ironie heisst, wenn man gerade das Gegenteil von dem sagt, was man meint. Dem ungeachtet ist es keine Lügerei, weil man deutlich zeigt, dass man gerade das Widerspiel von dem Gesagten meint und also niemanden betrügt.“
Auch zur Hörigkeit von entscheidungsschwachen Managern gegenüber Managementgurus und Beratern bietet der Earl of Chesterfield eine gesunde Rezeptur: „Alles, was du lernst und lesen kannst, wird wenig fruchten, wenn du nicht selbst darüber vernünftig nachdenkst…Allein, andrer Gedanken nur zu wiederholen, ohne zu erwägen, ob sie richtig sind oder nicht, das ist bloss die Gabe eines Papageien oder höchstens eines Komödianten.“ Für den Lord bedeutet es nichts, eine Sache einmal zu lesen, wenn man sie nicht behält. „Es ist ein sicheres Zeichen eines kleinen Geistes, während man etwas vorhat, zugleich an etwas anderes oder gar nichts zu denken. Man sollte allezeit an das denken, was man tut.“ Und man sollte sein Wissen richtig organisieren.
So etwas tituliert man im feinsten Denglisch als „Knowlegde Management“. Wissensmanagement ist ein zentraler Punkt für Stanhope: „Ich wünsche mir von Herzen, dass du sofort damit beginnen mögest, ein systematisch denkender Mensch zu sein. Nichts trägt mehr dazu bei, eine geschäftliche Angelegenheit zu erleichtern und zu erledigen als Systematik und Ordnung. Halte Ordnung und Systematik in deinen Berichten, beim Lesen, in deiner Zeiteinteilung, kurz gesagt in allem…Lass es dir zur Lebensmaxime werden, alles zu wissen, was du selbst wissen kannst. Und vertraue nie blind den Informationen andrer. Diese Regel war mir Zeit meines Lebens von unendlichem Nutzen.“ Durch die Verfeinerung der Selbstorganisation erledigt man viel Arbeit in kürzester Zeit und gewinnt Freiräume, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. So vermindern Manager das Infarktrisiko und fallen mit fünfzig Jahren nicht in eine Sinnkrise. „Geschäftliche Tätigkeit verbietet keineswegs das Vergnügen. Im Gegenteil, sie bringen einander zur Reife“, so Stanhope.
Aber auch hier gelten Regeln. „Vergnügen ist die Klippe, an der die meisten jungen Leute scheitern. Sie laufen mit vollen Segeln aus, um es aufzusuchen; aber ohne Kompass, um ihren Lauf danach zu richten, und ohne hinlänglichen Verstand um das Schiff zu steuern…Wähle deine Vergnügungen für dich selbst und lass sie dir nicht von anderen aufdrängen! Folge der Natur und nicht der Mode. Wäge den gegenwärtigen Genuss deiner Ergötzlichkeiten gegen ihre notwendigen Folgen ab und lass alsdann deinen eignen gesunden Verstand deine Wahl entscheiden!“
Die Lebensweisheiten von Lord Chesterfield eignen sich als vortreffliches Vademekum für eine Erneuerung der Marktwirtschaft – in Zeiten der Börsenabzocker, Jobkiller, Bilanzfälscher und Bankrotteure. Wahrheitsliebe und Wohltätigkeit sind für den alten Stanhope die Voraussetzungen für persönliche Glückserfahrung. Selbstverwirklichung vollzieht sich für ihn nicht in der Anpassung an fragwürdige Normen, sondern im Bestreben, über die Norm hinauszugehen. Mit der Identität und Integrität von individuellem und öffentlichem Charakter nähert man sich dem ästhetischen Ideal eines aufgeklärten Menschen.
Das Chesterfield-Buch gibt es in einer sehr hübschen Ausgabe im Georg Müller Verlag, erschienen 1912 als achter Band der Abteil Thelem – über http://www.zvab.com kann man es sicherlich erwerben.
Dotcomtod-Alphonso mag die Cebit nicht. Ich mag Hannover nicht und auch die Computermesse geht mir seit Jahren auf den Zeiger. So richtig prickelnd war es auch in diesem Jahr nicht. Wer interessiert sich denn noch für Computer? Es geht um Apps, um Software, um die Wissensgesellschaft, um neue Arbeitsformen, um bürgerfreundliche Dienste des Staates, um – ja Don Alphonso – es geht auch um Social Media.
Aber nicht um Berater oder schlecht angezogene Männer mittleren Alters mit Bauchansatz, die sich auf dem Messegelände ihre Plastikschuhe ruinieren. Ich habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass es um irgendwelchen technischen Schnickschnack geht. Um den berühmten Kühlschrank, der selbständig Eier nachbestellen kann und um Roboter, die meine Haushaltsaufgaben erledigen.
Gut, Reinhard Karger, Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, sprach über Marmelade, die im Supermarkt mit mir kommunizieren kann. Das ist aber sicherlich eher metaphorisch gemeint, Don. Es geht um das Internet der Dinge und Dienste, um das jederzeit verfügbare Web, um Produktinformationen, die weit über das Haltbarkeitsdatum hinaus gehen. Siehe auch die dreiteiligen Youtube-Mitschnitte, die ich semiprofessionell (stümperhaft) angefertigt habe:
Übrigens entschied ich mich vor meiner Abreise zu den ollen IT-Managern kurzfristig gegen Plastikschuhe und wählte stattdessen braune Lederschuhe aus der Pionierzeit der amerikanischen Siedler (siehe Foto oben). Meinen Rennschlitten konnte ich nicht mitnehmen, da die Schneedecke in Hannover doch etwas dünn war. Gleiches gilt für meine Langlaufski von Fischer und für meine Carving-Ski von Völkl. Halbleere Messehallenestrichböden konnte man in Hannover ausgiebig bewundern, da muss ich dem FAZ-Buffetblogger recht geben.
Aber wo es richtig brummte, wo es gut angezogene Frauen und Männer zu bewundern gab, war die Webciety, die von Dunkelmännern der Social Media-Szene zum zweiten Mal organisiert wurde. Da gab es Lederschuhe zu bewundern, Stiefel, farbenfrohe Haarpracht, ab und zu richtig gute Vorträge. Die Halle 6 wirkte wie ein Magnet. Empfehlung an die Messeverantwortlichen: Macht doch aus der ganzen Cebit eine Webciety oder fusioniert einfach mit der IFA-Berlin.
Für die bildungsbürgerliche Modeberatung könnte man ja Don Alphonso gewinnen, der zudem die Messehallen im Stil der Renaissance (natürlich in der spanischen Variante) oder des Barocks (darauf fahren Katholiken ab) gestalten sollte. Auf alle Fälle sollte es eine Teststrecke für Rennschlitten geben, damit man mal sehen kann, was der eine oder andere Blogger wirklich drauf hat. Soweit die sportliche Kampfansage eines Bloggers mittleren Alters. Tischtennis, Kickern, Volleyball, Squash, Fußball oder Hallenslalom gingen natürlich auch.