Wähle die vodafonistische Worthülse einer neuen Zeitrechnung!

GysiIn der Wochenzeitung „Die Zeit“ beklagt der Politiker Gregor Gysi den Niedergang der Redekunst. In der Antike stand die Rhetorik noch in einem hohen Ansehen. Zu den Lehrmeistern zählt Gysi den Platon-Schüler Aristoteles, der mit seiner Rhetorik das bis heute folgenreichste Lehrbuch einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte, „nicht zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist“. Das war einmal, glaubt Gysi. An dem Verfall der Rhetorik sollen wieder einmal die Medien Schuld sein. Besonders das Fernsehen und seine Dramatisierung des optischen Erscheinungsbildes. Wie sitzt die Krawatte, wie sitzt sie nicht, wie sieht der Mann aus? Finden wir nirgendwo athenische Rhetoren?

Für den Bundestag mag das stimmen, Herr Gysi. Aber Sie kennen eben noch nicht die Generation upload, die beides vereinen kann. Eine gut sitzende Krawatte, einen maßgeschneiderten dunklen Anzug und rhetorische Brillanz. Gemeint sind die Meister des vodafonististischen Neo-Dadaismus. Sie sind die Wegbereiter einer neuen Stilkunst der Web 2.0-Prosa. Die schönsten Formulierungen des vodafonistischen Rhetorik-Manifestes stehen zur Auswahl für die Worthülse des Monats Juli. Und da wir am Beginn eines Epochenwandels stehen, halte ich es nicht für untertrieben, von der Worthülse einer neuen Zeitrechnung zu schreiben.

Für die Teilnahme gibt es auch wieder etwas zu gewinnen (bitte bei den Kommentaren eine E-Mail-Adresse eintragen oder mir direkt zuschicken gunnareriksohn@googlemail.com): Leben in Metaphern: Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern.

Vodafonistische Hintergrundinfo.

Erklärung zur kopernikanischen Wende (nicht die Erde ist der Zentralkörper des astronomischen Weltsystems, sondern knallrot angestrichene Zentren der Gesprächskultur)

Erklärung zu Nichtkunden an uns binden (Gesetz der Chemie: Nichtkunden als Oxidationsmitel, nehmen Elektronen auf und sind negativ geladen, Reaktion mit Bestandskunden als Reduktionsmittel, geben Elektronen ab, sind postiv geladen – Ergebnis: Spannung)

Siehe auch: Die Mumpi-Wumpi-Strategie.

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

6 Kommentare zu "Wähle die vodafonistische Worthülse einer neuen Zeitrechnung!"

  1. Ich weiss nicht, was ich da wählen soll? Können Sie mich vielleicht beraten? Die Konkurrenz konnte mir auch nicht weiterhelfen…:)

  2. die rot angestrichenen Zentren der Gesprächskultur in weltweit führenden Fußgängerzonen sind zugleich auch Zentren der Beratungskultur. Dort wird Sie geholfen.

  3. Neo-Dadaistisch wird ja wohl gerade auch die VF-Kampagne im Netz zerlegt oder vielmehr von den Protaganisten dieser merkwürdigen Web 2.0-Anbiederungsschleimerei. Der Wortmüll bei der Präsentation ist das Sahnhäubchen.

  4. @Anke vollkommen richtig. Siehe Spon-Artikel: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,637444,00.html

  5. Sandmann | 21. Juli 2009 um 23:31 |

    Das Tagebuch eines Vodafone-Vorstandes finde herrlich und schon fast visionär. Mal schauen, was von den VF-Worthülsen am Ende übrig bleibt http://www.fixmbr.de/tagebuch-eines-vodafone-vorstandes/

  6. Gut auch Don Alphonso, der lieber mit Brunzkacheln als mit Marken reden würde. Die 1000 schönsten Buzzwords in einer Performance mit Gregor Gründgens feat. ÄFF-ÄMM von Scholzens Frienz?

    http://blogbar.de/archiv/2009/07/14/vodafone-kommunikation-ohne-reissleine/

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