Schirrmacher, Akazien und die Daten-Savanne

Die von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher angezettelte Debatte mit der Blogger-Szene sollte nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher des Nürnberger Fachkongresses Voice Days plus und der Smart Service-Initiative, weniger emotional geführt werden. Selbst Schirrmacher weiß, dass es keine Möglichkeiten für einen Ausstieg aus der digitalen Welt gibt. Das Gegenteil sei der Fall: „Mit den Diensten für die Echtzeit-Kommunikation wird es möglich sein, unser zukünftiges Handel in der realen Welt prognostizierbar zu machen“, so Steimel.

Laut Schirmmacher arbeiten Google & Co. an Suchmaschinen, die unsere Fragen vorweg nehmen: „Werde ich meine Freunde in meiner Stammkneipe treffen? Lohnt es sich, das Konzert meiner Lieblingsband zu besuchen? Oder wo kündigt sich ein Stau auf meiner Route im Feierabendverkehr an? Die Vernetzung von Echtzeitinformationen ermögliche es, die Psychologie der Masse sinnvoll zu interpretieren. Das sei die verlockende Perspektive des Internet-Zeitalters und nicht die Schreckensvision eines Big Brother-Staates, wie ihn George Orwell in seinem Roman „1984“ beschrieben hat.

„Man sollte sich allerdings nicht naiv auf Prognose-Systeme verlassen. Ein warnendes Beispiel ist das Zitat des früheren Fed-Chefs Alan Greenspan zur Finanzkrise: ‚Wir haben auf Nobelpreisträger und Computersysteme vertraut‘“, erläutert Service-Ökonom Steimel. Um diesem Dilemma zu entkommen, sei es sinnvoll, die digitale Intelligenz mit menschlicher Intuition zu kombinieren. Ein Weg, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Informationsmüll auszusortieren, könnten Codes darstellen, die unsere Intuition ansprechen, ähnlich wie der Frühzeitmensch in der Savanne Wasserquellen anhand von Akazien entdecken konnte. Aus der Sicht von Schirrmacher werden Marken und die Empfehlung von Freunden die Rolle der Akazien in der digitalen Welt spielen.

Die ausführliche Meldung erscheint im Onlinemagazin NeueNachricht.

Hier die komplette Story.

Sascha Lobo, das Echtzeitweb und die Weisheit der Freunde

Bei einer recht interessanten Expertenrunde der Cebit-Webciety skizzierte Sascha Lobo in einem kurzen Statement die wichtigsten Trends des Echtzeitwebs, die Rolle von Freunden, Bekannten, Interessenten als Filter für Informationen im Internet. Im Gegensatz zu Google setzt ja Facebook nicht auf die zügellose Sammelwut, um an eine Cyber-Weltformel hervorzuzaubern, sondern auf die Weisheit der Freunde. Immerhin tauschen die Facebook-Mitglieder rund 14 Milliarden Informationen in jedem Monat aus.

Mit rund 500 Millionen Menschen, die Ende 2010 ein Facebook-Konto haben werden,entwickelt sich das Zuckerberg-Imperium zum mächtigen Internet im Internet mit Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ob das so bleibt und ob wir in ein paar Jahren über Begriffe wie Social Media oder die Ökonomie der Aufmerksamkeit noch reden werden, ist wohl keinem Experten nicht klar. Ob Google dann zu den Verlierern zählen wird, darf bezweifelt werden. Vielleicht setzt sich wieder ein ganz anderes Konzept durch, um ein personalisiertes Web auf allen Kanälen durchzusetzen. So schreibt es ja auch das Manager Magazin: Selbst die größten Web-Projekte können binnen kürzester Zeit dem Verderben anheimzufallen. „AOL, vor zehn Jahren eine der mächtigsten Firmen der Welt, ist, vom Fortschritt fast vertilgt, nur noch ein Haufen Elend. MySpace, der entthronte Marktführer unter den Sozialnetzen, befindet sich, lallend und gurgelnd, in einer Periode des Erlahmens, des Stillstands, des Zurückweichens und womöglich gar des Abbröckelns und der Zersetzung“. Mal schauen.

Hier das Statement von Sascha Lobo.

Das komplette Programm der Webciety.