Systemingenieur und Bloggercamp-Kollege Bernd Stahl und Hangout on Air-Operator Hannes Schleeh machen sich in der netzpolitischen Debatte Gedanken über dezentrale Strukturen im Netz, die für mehr Konkurrenzdruck sorgen könnten.
„Immer mehr Leute denken über sogenannte Mesh-Networks nach. Es wäre eine Renaissance des ursprünglichen Internet Spirits“, so Stahl von Nash Technologies.
Personalisierte Cloud-Dienste unterliegen dann keinem Diktat mehr von Algorithmen oder moralinsauren Web-Konzernen. Ähnlich sieht das Felix Stadler von der Zürcher Hochschule der Künste. Anstatt auf eine zentrale und zentralisierte Infrastruktur zu vertrauen, die Vernetzung organisiert, werde eine neue Generation von Plattformen entwickelt, die auf dem Prinzip der Maschen (engl.: mesh) beruht. Eine gemeinsame Infrastruktur soll durch die Vernetzung vieler einzelner lokaler Netze entstehen, die Daten untereinander weiterreichen. Damit würden die zentralen Kontrollpunkte des Netzes entfallen und man stärkt das emanzipatorische Potenzial des Netzes.
Virtuelle Assistenzsysteme wirken dann als Stützpfeiler und nicht als Heilige Inquisition. Sie befreien mich von ärgerlichen Routinearbeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Der Rest wird bestimmt durch die eigene Intuition und die kann man auch künftig nicht perfekt vorhersagen.
„Mein Traum ist ein Social Media Dial Tone. Darüber ist noch nicht viel gesprochen worden. Einen Dial Tone kennt jeder von uns aus dem Telefon – es geht um den Wähl-Ton. Er garantiert den ständigen Zugriff auf Dienste, unabhängig vom Operator und vom Aufenthaltsort meines Kommunikationspartners sowie ohne Ausfälle, die bei Skype, Twitter, Facebook oder Apps an der Tagesordnung sind. Beim Social Media Dial Tone stürzt nichts ab. Keine Mehrfachkonten. Keine separaten Social Media-Inseln. Ein Access. Ein View. In alle Netze. Semantisch angereichert. Sozusagen unter einer Haube. Wieso muss der Wildwuchs-Spaghetti der Entwickler dem Internet-Nutzer eins zu eins zugemutet werden? Es geht darum, aus sozialen Netzwerken echte Services zu generieren: vernetzt, hochverfügbar, flexibel und unabhängig vom Endgerät“, erklärt Stahl.
Gleiches gelte für die Vernetzung von Cloud-Diensten, die bislang nur als Silos angeboten werden. Die netzpolitische Exkursion wird fortgesetzt.
Im Bloggercamp-Gespräch mit Matthias Schwenk haben wir darüber sinniert, wie die netzpolitische Agenda erweitert werden könnte – also Themen, die über Datenschutz, Staatstrojaner, Netzneutralität oder Urheberrecht hinaus gehen. Wie steht es mit Netzökonomie? Kommt wenig in den Debatten vor.
Schnelles Internet. Bundes CIO mit Ministerrang. Öffentliche WLANs in den Kommunen. Digitale Heimvernetzung. Netzintelligenz für die Energiewende. Dezentrale Netzstrukturen. Vernetzungsgrad der Unternehmen (die meisten Branchen sind unter-digitalisiert). Krankenakte digitale Wirtschaft – internationale Wettbewerbsfähigkeit. Netzkompetenz des Nachwuchses. Schule – Uni.
Das sind nur die ersten Stichworte, die mir dazu einfallen. Wie kann man das mit Leben füllen? Was sollte konkret verhandelt werden? Am Ende soll ein Internet-Masterplan herausspringen, der Anfang Mai in Berlin dann weiterdiskutiert werden soll – am Rande der republica.
Dazu möchte ich heute und morgen ein paar Interviews via Hangout on Air (Videointerviews, die live über den Google Dienst übertragen werden) machen. Nicht länger als 10 bis 15 Minuten. Wer hat Lust? (einiges davon kommt verwende ich für meine The European-Mittwochskolumne – Abgabetermin morgen um 18 Uhr – am Dienstag kann ich also nur bis 14 Uhr Interviews führen). Das Thema will ich bis Ende April weiterführen. Wer also jetzt keine Zeit hat, könnte in den nächsten Wochen mit mir etwas vereinbaren. Telefoninterviews mache ich zu diesem Themenkomplex n i c h t.
Wer in der Nähe von Bonn-Duisdorf ist, kann gerne auch zu mir vorbeikommen.
Ich sehe den Erfolg der Gestern-Medien bei der Durchsetzung des Leistungsschutzrechtes (LSR) nicht als Niederlage der „Netzgemeinde“, wenn es diesen Einheitsbegriff überhaupt gibt.
Das „Ja“ der Hinterzimmer-Politfunktionäre zu einem Regelwerk, das die Alt-Verleger mit lebenserhaltendem Viagra versorgt, ist die Fortsetzung des Lamento über massive Veränderungen, die mit der Vernetzung von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zusammenhängen.
Es befördert noch einige Jahre die Selbstzerfleischungs-Rituale, Abmahnorgien und Konservierung von überkommenen Geschäftsmodellen. Im digitalen Wettbewerb verlieren wir international immer mehr den Anschluss. Was soll man denn mit Spitzenpolitikern wie Plaudertasche Peer Steinbrück anfangen, denen man die Informatik-Aversionen in jeder Sekunde anmerkt, auch wenn sie rhetorische Attacken gegen die Netzwelt nach einer halben Minute wieder löschen?
Wann hat sich ein Kanzlerkandidat irgeneiner Partei schon mal für Netzpolitik interessiert! Wann? cc @pottbloghttp://t.co/uI3Oar40Ea
Oder mit jovialen Altherren-Weisheiten des Ministerpräsidenten von BaWü, der sich einfach nicht vorstellen kann, über Twitter mit Menschen zu kommunizieren. Winfried Kretschmann sträuben sich die Haare bei dem Gedanken, seine Politik in 140 Zeichen erklären zu müssen. Eher sinniert er über die Epoche, als es noch keine Faxgeräte gab. Das war eine phantastische Zeit.
Von asynchroner Netzkommunikation, die man nach seinen Interessen auswählen und gestalten kann, hat der Mann noch nichts gehört. Die neuen Medien promovieren ja nur das allgemeine Geschwätz. O-Ton eines grünen Politikers, der Partizipation und Basisdemokratie scheinbar aus seinem Vokabular gestrichen hat.
Gleiches gilt für den parlamentarischen Staatssekretär von Wirtschaftsminister Rösler, der im Bloggercamp-Gespräch noch den großen Otto spielt und vor den negativen Folgen des Leistungsschutzrechts für die digitale Wirtschaft in Deutschland warnt und dann bei der Abstimmung im Bundestag brav sein Händchen zur Zustimmung des Springer-Burda-Lobbyisten-Gesetzes hebt.
Die Rechtfertigungssuada von Steinbrück zum Abstimmungsverhalten der SPD im Bundesrat, die er gegenüber der Zeit losgelassen hat, sollte man übrigens in Stein meißeln für künftige Gesetzesberatungen in der Länderkammer:
„Es wäre sinnlos, im Vermittlungsverfahren auf der Grundlage dieses schlechten Gesetzes deutlich zu machen, was wir alles ändern wollen, wenn wir ein vollständig neues Gesetz fordern.“ Es sei zwar möglicherweise nicht leicht zu vermitteln, aber wenn man im Ausschuss nur verzögern, nicht aber aufhalten könne, „dann ist es doch vernünftig, nicht weiter auf der Grundlage eines Gesetzentwurfes zu debattieren, den man ablehnt“.
Das eröffnet der Regierungskoalition in Berlin ganz neue Perspektiven. Die Gesetze müssen richtig scheiße sein, dann passieren sie auch den Bundesrat.
Die Piraten sollten für diese neo-dadaistischen Kapriolen der Alt-Politiker nicht in Sippenhaft genommen werden. Ihr selbstverschuldeter Niedergang durch die Lust an der personellen Selbstzerfleischung ist nicht verantwortlich für das Abstimmungsverhalten der Altparteien. Es war schlichtweg Blödheit, nicht zu 100 Prozent auf Netzthemen zu setzen, die von den Etablierten nicht verstanden oder nur unzureichend thematisiert werden. Siehe auch: Plädoyer für Laienhaftigkeit.
Es gab bei der Zustimmung zum Leistungsschutzgesetz schlichtweg eine machtpolitische Abwägung: Der Mehrheit der Bevölkerung geht diese Netzdebatte am Arsch vorbei. Und den Verlegern gibt man ein kleines Zuckerle, um im Jahr der Bundestagswahl von den Hütern der Massenmedien nicht abgestraft zu werden.
So bleibt die alte Machtelite noch ein Weilchen unter sich. Man kann Wunden lecken, über alte Zeiten reden und sich gegenseitig auf die Schenkel klopfen, weil die fetten Pensionsansprüche ein Leben ohne digitale Technik möglich machen. Warum sollte man sich da noch mit den Zumutungen der Netzgesellschaft herumschlagen.
Aber wir wollen ja konstruktiv bleiben. Deshalb möchte ich in meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin The European darüber schreiben, was denn nun auf die Tagesordnung der Netzpolitik gehört? Im Bloggercamp-Gespräch mit Matthias Schwenk haben wir dazu ja ein paar Takte gesagt. Die netzpolitische Agenda sollte erweitert werden und sich nicht nur auf Datenschutz, Staatstrojaner, Netzneutralität oder Urheberrecht kaprizieren.
Netzpolitik werde noch sehr medienlastig gesehen, so Schwenk. Es gehe aber auch um vernetzte Ökonomie, neue Arbeitsformen, schnelles Internet, Digitalisierung von Unternehmen, personalisierter Service, digitale Geschäftsmodelle und, und, und. Es geht also um einen Internet-Masterplan. Da möchte ich am Mittwoch ein paar Denkanstöße geben.
Ein erster Vorschlag von mir. Wir brauchen einen Bundes-CIO mit Ministerrang. Dem Innenministerium sollte die Zuständigkeit für den Bundes-CIO entzogen werden.
Vorschläge erwünscht. Auch Interviews, die ich ganz gerne am Montag führen möchte. Am Dienstag, um 18 Uhr muss das Opus fertig sein.
eBooks sind in Deutschland noch nicht der absolute Renner. Und wenn ich mir die Preispolitik für digitale Bücher hierzulande anschaue, verwundert mich das überhaupt nicht. In der Regel liegt der eBook-Preis im Vergleich mit der gedruckten Variante viel zu hoch. Das ist eine echte Barriere. Kleines Beispiel: „Meßmers Momente“ von Martin Walser. Die Gebundene Ausgabe kostet 14,95 Euro und für die Kindle Edition muss ich 12,99 Euro berappen.
In den USA sind die Differenzen sehr viel größer. Etwa bei dem von mir erworbenen Werk „Spreadable Media: Creating Value and Meaning in a Networked Culture“ von den Autoren Henry Jenkins, Sam Ford und Joshua Green. Die Kindle Edition liegt bei 12,13 Euro, die gebundene Ausgabe bei 21,80 Euro. Da entscheidet man sich gerne für die virtuelle Version.
Zudem überschlagen sich die Verlegerinnen und Verleger nicht gerade in der innovativen Gestaltung von entmaterialisierter Literatur. Es dominieren eher Defensivargumente wie in der Musik- oder Filmindustrie.
„Der Hype, der jetzt um eBooks gemacht wird, ist sicherlich ein bisschen einzudampfen. Es muss alles mit Augenmaß geschehen. Es darf auf keinen Fall natürlich als Alternative zum gedruckten Buch verstanden werden. Es kann in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung sein, vor allen Dingen bei Fachbüchern. In anderen Buchbereichen wird es eher schwierig werden. Wir im Peter Hammer Verlag mache ja auch beispielsweise Bilderbücher. Das ist schwer vorstellbar, dass die nun ersetzt werden sollten durch Apps und eBooks. Aber ein sinnvolles Miteinander kann durchaus auch in kleinen und unabhängigen Verlagen nützlich sein“, so Bilstein.
Das wiederum erinnert mich an die Haltung der Zeitungsverleger als Gralshüter des Printjournalismus oder an die Handbremsen-Politik der Telekom-Manager bei Telefonie über das Internet Protokoll.
Warum denken kleine und ambitionierte Verlage nicht radikaler? Was passiert, wenn man Literatur von dem physikalischen Träger völlig abtrennt und das Geschriebene ausschließlich als Software präsentiert wird? Natürlich muss man in Alternativen denken, wenn man nicht alternativlos argumentieren will wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Politfunktionäre können wohl nicht anders daherreden. Aber Verlegerinnen und Verleger?
Für das fließende Buch oder Un-Buch über die Streaming Revolution „Hangout on Air“ haben wir uns bewusst gegen eine gedruckte Variante entschieden. Bei Werken über ein so schnelllebiges Technologiethema ist ein Band mit dem Datum des Erscheinens schon wieder überholt. Als App, Website und/oder eBook passiert das nicht – jedenfalls nicht in der Art und Weise, wie wir an das Projekt herangehen. Es gibt einen Startpunkt aber kein Ende des Werkes. Wir halten unser Opus bewusst in der Schwebe, um Neuheiten, die sich bei Streaming-Technologien ereignen, sofort aufzunehmen. Und da haben wir nicht nur Google+ im Blickfeld.
Zudem regen wir in unseren Werkstattgesprächen neue Streaming-Formate an, die dann wieder Bestandteil des Un-Buchs werden. So etwas nennt man Interaktion mit der Leserschaft. Auch die Form des digitalen Erscheinens stimmen wir intensiv mit unseren Unterstützern ab. Es läuft auf eine Melange von Website und eBook hinaus, kombiniert mit Erklärvideos, gestreamten Lesungen, Fotos und Audio. Wir sind halt keine Verleger, die sich fürchten, das eigene Kerngeschäft zu kannibalisieren. Aber besteht das Kerngeschäft von Literaturverlagen darin, die Druckmaschinen am Laufen zu halten? Oder sucht man nach neuen Erzählformen für Literatur?
„Es geht nicht mehr einzig um das Werkstück, das früher auf analoge Datenträger gebannt wurde. Ein Film, ein Song, ein Text (und alle digitalisierten Werkstücke) werden ihren besonderen Zauber künftig immer mehr aus dem Prozess ihres Entstehens ziehen, denn einzig aus dessen Resultat“, so Dirk von Gehlen in seinem Werk „Eine neue Version ist verfügbar“, das im Frühjahr erscheint und über die Crowdfunding-Plattform Startnext finanziert wurde (ich zähle übrigens auch zu den Unterstützen).
Gehlen sieht die Analogie zum Fußball: Die Fans im Stadion wollen mitfiebern, reinrufen, teilnehmen, jubeln und sich ärgern.
„Und das tun sie nicht nur wegen der Resultate. Das tun sie, weil Fans, Spieler und Öffentlichkeit gemeinsam ein Erlebnis schaffen können, das mindestens ebenso wichtig sein kann wie das Ergebnis. In einer Welt, in der die Ergebnisse kopierbar und kaum zu halten sind, könnte der Blick auf das Erlebnis neue Perspektiven öffnen.“
Übrigens auch oder gerade bei Bilderbüchern, Frau Bilstein.
Das Thema werden wir in unseren Bloggercamp-Werkstatt-Gesprächen fortführen. Auch Verlegerinnen und Verleger sind herzlich dazu eingeladen.
Und vielleicht sind wir ja alle in Deutschland ein wenig zu deppert, vernünftige digitale Strategien zu entwickeln, wie Sascha Lobo heute in seinem Blog darlegt. Wunden lecken nach dem gescheiterten Widerstand gegen das Leistungsschutzrecht. Ein sympathischer Akt der Selbstverstümmelung. Hier nur die Passage zur Blog-Landschaft:
„Weder wirtschaftlich, noch technisch, noch inhaltlich, noch von der Reichweite oder der medialen Wirkung her. Niemand hatte den Mut, groß zu spielen, alles ist Hobby geblieben. Wir bloggen halt so vor uns hin und hoffen heimlich, dass Schirrmacher anruft oder wenigstens die taz, um des Gefühls willen, auch außerhalb der Bloglandschaft eine Wirkung erzielt zu haben. Man bloggt und bloggt und keiner dankt’s einem.“
Korrelation sollte man nicht mit Kausalität verwechseln, eine Landkarte hat nicht direkt etwas mit der Landschaft zu tun und eine Speisekarte kann nicht mit der Speise gleichgesetzt werden.
Bei Big Data handelt es ich immer noch um die gute alte Wahrscheinlichkeitsrechnung, die vielleicht schneller Daten verarbeiten kann und deswegen aber noch nicht eineindeutig die Welt erklären kann. Das diskutierten wir mit Joachim Graf von iBusiness für unser Un-Buch-Kapitel „Die Vermessenheit der Big Data-Weltvermesser“. Hier recherchieren wir in Hangout on Air-Runden ein Thema für das Opus „Die Streaming Revolution“.
Auswertung des Werkstattgespräches folgt dann in einem größeren Zusammenhang in einer Version für das Un-Buch.
Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz sorgt für Unruhe in der Abfallbranche. So können die Kommunen gewerbliche Sammlungen von Abfall untersagen, wenn sie nicht wesentlich leistungsfähiger seien als kommunale Dienstleistungen. Und das ist auslegungsfähig. Unter dem Strich können Gebietskörperschaften ziemlich willkürlich langjährig gewachsene Entsorgungsstrukturen zerschlagen – zu Lasten des Mittelstandes.
Was während der Gesetzesberatung noch von kommunalen Spitzenverbänden in Abrede gestellt wurde, wird nun bittere Realität, wie der Fernsehbericht des NDR-Niedersachsen belegt (festgehalten in einem Bloggercamp-Mashup).
„Kleine und mittelständische Firmen sind jetzt vom Gutdünken der öffenlich-rechtlichen Entsorgungsträger abhängig. Es gilt der Grundsatz ‘friss und stirb’, insbesondere dann, wenn ein privates Unternehmen als störend empfunden wird. Aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem europäischen Recht sowie der grundgesetzlich geschützten Freiheit der Berufsausübung ist das Gesetz daher auch hinsichtlich der Zulässigkeit gewerblicher Sammlungen zu korrigieren und zwischenzeitlich durch den Gesetzgeber verbindlich klarzustellen, dass grundsätzlich auch der Privatmann seine werthaltigen Abfälle an gewerbliche Sammler, die ihre Sammeltätigkeit angezeigt haben, abgeben darf“, fordert die Rechtsexpertin Birgit Stede.
Mancher Politiker gehe geradezu selbstverständlichst davon aus, dass das Einsammeln und Verwerten von Abfällen Recht und Pflicht der Kommunen sei.
„Ganz egal, ob die hierfür erforderliche Infrastruktur besteht und ganz egal, ob die tatsächlich noch bestehende Infrastruktur vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen aufgebaut wurde”, kritisiert Stede.
Und das teilweise über Jahrzehnte. Das Vorgehen der Kommunen wirkt wie eine doppelte Enteignung – es trifft die privaten Haushalte und den Mittelstand.
“Die Bürger sind Marktteilnehmer und als solche zunehmend in eigener Verantwortung gefordert; gleichzeitig wird ihnen aber verwehrt, eigenständig die in ihren Haushalten anfallenden Abfälle – beispielsweise Altmetall oder Altpapier – an Privatfirmen zu übergeben oder zu verkaufen“, bemängelt Stede.
„Einen akuten Bedarf zur Korrektur des Gesetzes selbst erkennen wir nicht“, schreibt wenig überraschend der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) in einer Stellungnahme an das Bundesumweltministerium. Dabei wird es wohl nicht bleiben. Massive Rechtsstreitigkeiten sind vorprogrammiert.
Im gestrigen Werkstattgespräch über unser Un-Buch (es erscheint als Website und als eBook) zur Streaming Revolution mit und über Hangout on Air – also Videokommunikation, die live ins Netz übertragen wird – wurde uns empfohlen, die Projektidee etwas kürzer und verständlicher zu vermitteln. Hier ein Versuch:
Es gibt Textstrecken, Youtube-Videos mit Demos, Experteninterviews in Hangouts on Air, Lesungen von fertigen Texten in Hangouts on Air mit Unterstützern und Interessenten (um direkt die Verständlichkeit der Texte mit den Lesern zu überprüfen), Vorstellung von neuen HOA-Projekten und, und, und. Ist halt ein fließendes Buch oder Un-Buch mit einem Starttermin aber keinem Endpunkt. Es soll ein Projekt des Teilens und Zusammenarbeitens sein sowie neue Entwicklungen der Videokommunikation immer wieder aufgreifen. Das ist mit einem gedruckten Buch nicht möglich – vielleicht mit Zeitverzögerung in weiteren Auflagen – aber das passiert ja nur mit Bestsellern ;-)
Alles weitere kann man sich in der Aufzeichnung unserer gestrigen Live-Diskussion anschauen. Da braucht man allerdings mehr Zeit. Etwas für die Abendstunden:
Und hier ein Erklärvideo von Hannes Schleeh für die ersten Schritte zum Livestream:
Begleitet werde das Ganze mit einem Blog, der in Kürze startet und sich nicht auf das Ausspeien von Nachrichten im Stile eine Aggregators reduzieren soll.
„Crowdfunding ist eine Methode, um Projekte zu finanzieren. Aber nicht durch einen einzigen Geldgeber, wie es Startups in der Regel machen über Risikokapitalgeber, sondern durch viele Investoren. Man sucht sich eine breite Masse, die bereit ist, eine Idee zu unterstützen. Das müssen nicht 1000 Euro pro Person sein. Es sind vielleicht nur fünf Euro. Entsprechend geringer ist die Hemmschwelle bei den Geldgebern. Entscheidend sind die Internet-Plattformen, die das organisieren“, erläutert Schenkel.
Es könne ein soziales Anliegen sein, etwa der Bau eines Kindergartens, oder technische Produkte, Musik, Literatur sowie Kunst.
„Man bekommt also eine Gegenleistung. Das können auch Anteile an einer Firma sein. Bei Spendenaktionen ist es eher ein gutes Gefühl. Bei Wahlkämpfen kann es die Unterstützung eines Kandidaten oder einer Partei sein.“
So wurde Rally vom Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney genutzt, um Spenden online einzusammeln – rund 300 Millionen Dollar.
Das alles klingt einfach, sollte aber in der Umsetzung nicht unterschätzt werden. Etwa bei der Auswahl der richtigen Plattform, bei der Kommunikation der Idee, bei der richtigen und verständlichen Präsentation über Videos und Projektblogs, bei der Ansprache von Communities sowie bei viralen Kampagnen im Netz.
„Das ist ein zeitaufwändiges Unterfangen. Es geht um die nötige Aufmerksamkeit, die ich meinen Unterstützern entgegenbringen muss – egal, ob sie mir fünf oder fünftausend Euro geben. Man muss zuvorkommen und ehrlich sein. Aufkommende Fragen müssen direkt beantwortet werden. Wer etwas verschweigt, muss mit dem Scheitern seiner Kampagne rechnen. Also sollte man offen mit Problemen umgehen“, rät Schenkel.
Auch nach der Finanzierung müsse man mitteilen, was mit dem Geld gemacht wurde. Das könnte sich sonst auf Folgeprojekte negativ auswirken.
„Networking ist alles. Man geht zu Events, man redet mit den Leuten, man redet über die eigene Kampagne und animiert andere, die Crowdfunding-Idee weiterzutragen. Wenn meine Kampagne nicht bekannt wird und auf einer Plattform herumdümpelt, kommt auch kein Geld rein“, sagt Schenkel.
Wie schön wäre es gewesen, den Auftritt von Roger Willemsen, Claudia Michelsen und Christian Brückner auf dem Literaturschiff der Litcologne live ins Netz zu streamen und zu erleben, wie Willemsen in der ersten Sekunde seiner Moderation das Publikum in seinen Bann zieht:
„Wir sind beisammen, es ist eine miese Dienstagnacht in Köln und wir können heilfroh sein, dass wir das Ufer gleich hinter uns lassen und hinaus in die Welt schippern. Machen Sie sich klar, dass wir die Welt verlassen. Denn wir werden Kontinente kennenlernen, Jahrhunderte kennenlernen. Wir werden in Wirklichkeiten geführt, von denen Sie keine Ahnung hatten, dass Sie heute Abend mit ihnen in Berührung kommen würden. Sie wollen bestimmt nicht mit allen diesen Wirklichkeiten in Berührung kommen, aber Sie werden! Die Reportage ist eine Gattung, die ansteckend wirken kann….“
Wer keine Karte für die Schiffstour ergattern konnte, muss sich bis zum Sommer gedulden, wenn der WDR 5 den Exkurs über die Reportage als Literaturgattung am 4. August in der Sendereihe „Literatursommer“ ausstrahlt.
Um das hautnah zu erleben, muss man dabei gewesen sein – real oder virtuell. Mit einem Format wie Hangout on Air könnte man diese Atmosphäre hautnah einfangen und eine neue Gesprächsform für Abwesende etablieren. Das wollen wir mit unserem fließenden Un-Buch über die Streaming Revolution unter Beweis stellen. In der gestrigen Sendung des Bloggercamps habe ich die Sprachästhetik von Roger Willemsen in den höchsten Tönen gelobt.
Sie würde sich auch im direkten Austausch mit der Netzöffentlichkeit bewähren und die Interaktion im Social Web beflügeln.
Vielleicht sind es zwei Phänomene, die sich auch in der Videokommunikation ausdrücken werden. Sie wurden vom Medientheoretiker Douglas Rushkoff auf der Digitalkonferenz South by Southwest (SXSW) in Austin/Texas vorgestellt. Siehe den Bericht von ausführlichen Bericht von Ulrike Langer:
Narrative collapse: Dramaturgisches Erzählen weicht non-linearen, offenen Erzählmustern. Wie in einem Videospiel hat der Nutzer jederzeit eine Fülle von Optionen.
Digiphrenia: Digitale Plattformen und Werkzeuge lassen uns an vielen Orten zur gleichen Zeit sein.