Mehr Mitsprache bei E-Health-Anwendungen @DtRheumaLiga #rp17 #IBM

Auf zur re:publica nach Berlin und mitmachen bei den Open Space-Debatten

Digitale Kompetenzen sind nach Ansicht von Gerlinde Bendzuck von der Deutschen Rheuma-Liga Berlin vonnöten, um die neuen Digital-Health-Anwendungen und ihr Potenzial für eine bessere Gesundheit verantwortlich nutzen zu können. Sicherheit und Transparenz über Qualitätsstandards und Siegel sind der eine Teil der Diskussion über nötige Informationen.

„Es stellt sich jedoch auch die Frage, wie die Fülle an Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen verlässlich vermittelt werden kann. Gerade jetzt besteht die Notwendigkeit, flächendeckend Gesundheitskompetenz zum Umgang mit Digital-Health-Anwendungen zu vermitteln. Ein starkes Signal böte die Chance, Patientinnen und Patienten zu aktiveren Gestaltern ihrer Gesundheit mit Hilfe von E-Health-Anwendungen und Prozessen zu motivieren. Einzelne Initiativen formieren sich derzeit, sind aber in der allgemeinen Wahrnehmung noch schwach oder nicht unabhängig. Ein nationales, unabhängiges Informationsportal könnte Informationen bündeln, Akteure vernetzen und die digitale Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung systematisch und flächendeckend erhöhen helfen. Eine Einbindung von Selbsthilfe, Verbraucherschutz etc. ist unbedingt wünschenswert“, so Bendzuck.

Digital-Health-Anwendungen seien eine große Chance, für chronische Krankheiten und Behinderungen, mehr Zeit im System für die wichtige „Sprechende Medizin“ durch Übernahme von Routinetätigkeiten wie bei der Dokumentation zu gewinnen. Sie bieten ein großes Potenzial für eine Steigerung der Behandlungsqualität durch eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation.

„Sie können nur dann die Versorgungsqualität nachhaltig verbessern, wenn auch Behandler mit den Daten umgehen können und diese in die Therapie einbinden – etwa bei einer Rheuma-App. Dies passiert in der Praxis bisher viel zu selten, wie man bei Diabetes beobachten kann. Eine angemessene Qualifikation und Honorierung ist hierfür Grundvoraussetzung. Das medizinische Personal braucht darüber hinaus ebenfalls Orientierungshilfen wie Siegel und Qualitätsstandards, um den Patienten die individuell richtigen digitalen Anwendungen empfehlen oder verordnen zu können. Denn wie Umfragen zeigen, wollen die Betroffenen am liebsten von ihren Behandlern Empfehlungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen erhalten“, betont Bendzuck.

Nur die konsequente Nutzerorientierung bei der Entwicklung, bei den Prüfprozessen und der Markteinführung und Weiterentwicklung führe zu nachhaltig genutzten und inklusiven digitalen Anwendungen.

„Die derzeitigen Entwicklungs- und Prüfprozesse sehen im Gegensatz zur Arzneimitteltherapie eine Einbeziehung von Nutzern nur teilweise und nicht systematisch vor. Das führt zu Mängeln in der Barrierefreiheit oder in der Funktionalität, so dass Nutzergruppen ausgeschlossen werden oder die Anwendung nur kurz probiert wird und ihren therapeutischen Zweck nicht erfüllt.“

Systematische Nutzereinbindung müsste Teil der Entwicklung und ihr Nachweis auch wertendes Qualitätskriterium bei Kosten-Übernahmeentscheidungen durch die Krankenkassen sein.

„Digitale Gesundheitsanwendungen, ob Medizinprodukt, Wellness, Lifestyle, digitale Hilfsmittel und digitales Krankheitsmanagement werden sich nicht von selbst und über die Nachfrage in Richtung inklusiver und für viele zugänglicher und nutzbarer Produkte entwickeln. Daher brauchen wir einen neuen Usability-Diskurs“, fordert Bendzuck.

Organisierte Patienten und Verbraucher könnten stärker als bisher Möglichkeiten zur Mitsprache und Gestaltung für eine wirklich nutzeroptimierte digitale Gesundheitsversorgung einfordern. Die Entwicklerseite bräuchte national bessere Unterstützung bei der Umsetzung, beispielsweise angedockt an die lokalen Wirtschaftsförderungen, mit Beratung, Leitfäden/Manuals, Runden Tischen/Fachtagungen. In Zusammenarbeit mit Vertretern der Patienten könnten hier Standards einer guten Praxis der Nutzerorientierung vermittelt werden.

Für die Patientenseite bräuchte man bundesweit und ansprechbar in jedem Bundesland ausreichend in digitalen Prozessen und Anwendungen geschulte Patientenvertreter, die die eingereichten Konzepte kompetent mit prüfen können. Besonders bei Startups werden in einem grauen Markt vergleichsweise unaufgeklärt und unsystematisch Patienten in Entwicklungsprozesse einbezogen.

„In Deutschland machen sich einige Startups wie lumind (Licht-Sensor für Diabetes-Therapie), Selbsthilfe-Organisationen (Deutsche Rheuma-Liga mit der Rheuma-Auszeit) oder Selbsthilfegruppen wie mit dem Projekt meine.WEGA (webbasierte Gesundheitsakte) auf, aus eigener Betroffenheit digitale Anwendungen und Prozesse zu entwickeln. Welche Unterstützungsmöglichkeiten könnte es geben, damit diese Impulse in Ergänzung zu den kommerziellen Modellen für eine noch bessere Performance an digitalen Gesundheitsanwendungen insgesamt sorgen. Welche Bedingungen fördern eine zügige Übernahme digitaler Anwendungen in die Regelversorgung? Und ist es vermessen auf Patientenseite, nicht nur über kostenfreie Anwendungen, sondern auch ausreichenden Support (ist nötig, damit die digitalen Anwendungen auch sachgemäß genutzt werden können) und im Bedarfsfall auch für den Patienten kostenfreie Endgeräte wie Smartphones nachzudenken?“, fragt sich Bendzuck.

Am 8. Mai haben wir das in einem Open Space-Roundtable mit Gerlinde Bendzuck und Bart de Witte, IBM Director Digital Health DACH, in der Watson Work Lounge von IBM – Halle 8 auf der re:publica in Berlin diskutiert.

Zu Gerlinde Bendzuck: Sie ist seit 2004 ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V. Seit 2016 berät sie den Vorstand der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband in Fragen zu Digital Health und war unter anderem an der Entwicklung der App „Rheuma Auszeit“ beteiligt.

Zudem ist sie seit 2014 ehrenamtliche Vorsitzende der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e.V., dem Dachverband der Berliner Selbsthilfeorganisationen. Die LV Selbsthilfe vertritt die Interessen von rund 70 Vereinen der Gesundheits-Selbsthilfe für Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen und ihre Ange-hörigen. Seit zwei Jahren begleitet Gerlinde Bendzuck in Berlin das Thema Digital Health aus der Patientenperspektive, u.a. mit der Veranstaltungsreihe „Selbsthilfe digital“. Sie ist als diplomierte Kulturmanagerin Inhaberin des Instituts für Kultur-Markt-Forschung (IKMF) und berät deutschlandweit seit 1996 Kulturinstitutionen und öffentliche Auftraggeber.

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin.

„Wer Big Data anwendet, kann sich an Open Data nicht vorbeimogeln“ #Siri #Alexa #Cortana

Big Data

Wenn Big Data-Algorithmen und sprachgesteuerte Systeme ohne meine Zustimmung anfangen, mich zu klassifizieren und zu stigmatisieren, automatisch meine Bonität herabstufen, einen Wechsel der Krankenversicherung wegen meines vermeintlich exakt berechneten Gesundheitszustandes verhindern oder Personalberatern die Abweisung meiner Stellenbewerbung empfehlen, wird es zu heftigen Gegenreaktionen der Nutzer kommen.

„Das wird noch eine Weile beobachtet und irgendwann reagiert die Gesellschaft“, meint der Systemtheoretiker Gerhard Wohland.

Es folgen Störungen des Systems, die bis zu Boykott und Ausstieg reichen können.

Im Wettbewerb von personalisierten und vernetzten Angeboten werden deshalb nur jene überleben, die einen Vertrauenspakt mit ihren Kunden eingehen, ist sich der Düsseldorfer Unternehmensberater und Smart Service-Blogger Bernhard Steimel sicher.

„Wer Big Data anwendet, kann sich an Open Data nicht vorbeimogeln. Jedes Tracking zur Auswertung von Datenspuren, jede Lokalisierung und jeder Abgleich mit dem Profil eines Internetnutzers darf nur erfolgen, wenn der Kunde es will.“

Friss-oder-stirb-Geschäftsbedingungen könne sich niemand auf Dauer erlauben. Nicht alles, was technisch machbar sei, ist auch kulturell mehrheitsfähig.

„Das Maß aller Dinge ist meine Bereitschaft, Daten von mir preiszugeben. Hier liegt der Kern von Big Data-Anwendungen. Mein digitales Ich, meine digitale Repräsentanz und mein digitales Beziehungsnetzwerk dürfen nicht fremdgesteuert sein. Sozusagen ein Recht auf virtuelle Selbstbestimmung. Die Nutzung dieser Daten kann ich den Big Data-Systemen zu jeder Zeit wieder wegnehmen. Der Datenschlüssel, den ich zur Verfügung stelle, kann abhängig sein vom Zeitpunkt der Nutzung, er kann abhängig sein von Personen, er kann definiert sein für bestimmte Aktionen oder Nutzungsszenarien. Entscheidend ist nur, dass mir die personalisierten Dienste das Leben einfacher machen“, resümiert Steimel.

Die ersten Anbieter, die zu einem neuen Datenpakt mit den vernetzten Konsumenten bereit sind, werden zu den Gewinnern der Netzwerk-Ökonomie zählen. Ein direkter Vertrag könne auch fernab von Facebook und Google über Apps abgeschlossen werden, so Steimel. Dafür eignet sich aber nicht der anmaßende Begriff „Big Data“, sondern eher „Smart Data“.

Das gilt auch für Systeme wie Siri, Alexa oder Cortana, die Stefan Pfeiffer in seinem Blog thematisiert. Unternehmen sollten nach seiner Ansicht für Transparenz und Vertrauen in den Systemen der künstlichen Intelligenz sorgen. Als Beispiel nennt er die Prinzipien seines Arbeitgebers IBM. Klingt vernünftig. Sollten wir auf der Cebit zum Thema machen.

Da haben allerdings einige Tech-Konzerne noch Nachholbedarf. Sinnvoll sind die Dienste – auch für Journalisten. In der Datenpolitik muss allerdings einiges besser werden.

Gute Frage: Können Algorithmen Falschmeldungen entlarven?

Keine Partei beschäftigt sich mit der drängendsten Frage der Digitalisierung – dabei gibt es so viele Fragen.

Neue Zahnrad-Logik mit Big Data im Personalmanagement? #rpTEN #HRFestival

rpTEN-Debatte über Big Data und Arbeitnehmer
rpTEN-Debatte über Big Data und Arbeitnehmer

Was können Big Data-Systeme im Personalmanagement leisten? Beispielsweise bei der Prognose von Kündigungsabsichten. Nutzt man das, um eine Kündigung zu verhindern oder werden Maßnahmen eingeleitet, um die Kandidaten loszuwerden?

Führt Big Data unternehmensintern zu einem weiteren Controlling-Wahnsinn, der jetzt schon zur Zahnrad-Logik mit digitalen Mitteln genutzt wird?

Im Ideen-Management wären solche Anwendungen höchst nützlich, um in Echtzeit Clusterungen vorzunehmen, Mitarbeiter zu matchen und interdisziplinäre Teams aufzustellen.

Auch Stimmungsbarometer könnte man auf Knopfdruck abrufen.

Auf der re:publica gab es zwei Panel-Diskussionen, die sich mit Big Data im Unternehmen auseinander gesetzt haben. Da gibt es wohl noch eine Menge Klärungsbedarf.

Hier die Podcast-Variante des Interviews für die Badewanne 🙂

Und ohne Open Data – also die Offenlegung aller Algorithmen – geht es nach meiner Meinung überhaupt nicht.

Youtube-Playlist zum HRFestival auf der re:publica in Berlin.

#SocialTV von der IBM BusinessConnect #IBMBCDE – Live, ungeschminkt und ohne Teleprompter

SocialTV ohne Ü-Wagen
SocialTV ohne Ü-Wagen

Mit kleinem Equipment mache ich wieder ein SocialTV-Marathon. Laptop, Smartphone, ConferenceCam von Logitech, Mikrofon und fertig ist das mobile Studio, das am 20. Oktober bei der IBM BusinessConnect in Köln zum Einsatz kommt.

Opening um 10 Uhr mit Stefan Pfeiffer von IBM: Über wunderliche Talente, neue Wege im Arbeitsleben und digitale Revolutionen.

Um 11:30 Uhr sinniere ich mit brandeins-Kolumnist Wolf Lotter über die Ablenkungsgesellschaft.

Dann gibt es ab 12:45 Uhr ein SocialTV-Magazin mit Miriam Specht (Yellow Frog) Cornelia Heinke (Bosch), Harald Schirmer (Continental) und zwei Außenreportagen mit Überraschungsfaktor. 

Um 15:45 Uhr folgt New Work und die Neuerfindung des Personalmanagements – Diskurs mit Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung.

Allianzen, lebendige Unternehmen und Universalmaschinen diskutiere ich ab 17:45 Uhr mit Sascha Pallenberg (Tech-Blogger) und Axel Oppermann (Analyst).

Der Vorhang zu, nicht mit Brecht, sondern Stefan Pfeiffer um 19:15 Uhr.

Es erwarten Euch also kurze, knackige Interviews im Magazinstil, sicher kein Ersatz für die ausführlichen Vorträge und das Dabeisein auf dem Event. Aber Atmo werden wir reichlich einfangen in Kölle.

Prost
Prost

Und danach ein Bier zischen oder zwei oder drei.

Siehe auch: Rund um Arbeiten 4.0 und #NewWayToWork: Social TV auf der IBM BusinessConnect am 20. Oktober in Köln.