Eigentlich müsste ich die Verantwortlichen von Jura ähnlich torten, wie es die Digitalen Konditoren mit Guttenzwerg gemacht haben. Weder wurde meine Presseanfrage bis heute beantwortet (Sehr geehrter Herr Sohn, herzlichen Dank für Ihre Nachricht. Wie telefonisch besprochen habe ich Ihre Anfrage an meine Kollegen von JURA weitergeleitet, die sich in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen werden. Beste Grüße Frauke Beigel), noch hat mich das so genannte Kundenkontaktcenter dieses Unternehmens kontaktiert, wie mir vollmundig auf Facebook versprochen wurde.
Mit ihrer Servicementalität stoßen die Vollautomaten-Macher im Netz nicht gerade auf eine positives Echo:
„Das ist so wie das Fotografier-Verbot bei Saturn und MediaMarkt. Eine reine Abwehrschlacht, um die böse Konkurrenz aus dem Internet zu treffen. Markenunternehmen und Handel müssen endlich aus der Defensivstrategie herauskommen und begreifen, dass der Online-Handel neue Möglichkeiten bietet, den Kunden mit personalisierten Angeboten abzuholen“, so die Reaktion von Bernhard Steimel von der Unternehmensberatung Mind Business. Brian Solis nennt das „die Unfähigkeit, die Chance zu erkennen“ und prophezeit solchen Unternehmen, dass sie dem Digitalen Darwinismus zum Opfer fallen werden. „Meiner Meinung nach liegt es oftmals eher an der mangelnden Fähigkeit der Unternehmen, sich an das veränderten Konsumverhalten anzupassen. In unserer repräsentativen Social Commerce-Studie stellen wir dazu fest, dass die Online-Produktsuche die analoge Welt im Weihnachtsgeschäft abgehängt hat. Mit der Verlagerung der Produktsuche ins Social Web wird das Angebot immer transparenter. Das ist eine Macht, die der Kunde für sich ausnutzt. Es entsteht mehr Transparenz über Preise, Lieferzeiten, Qualität und Bewertungen. Die Steinzeit-Interpretation von Service, die Jura an den Tag legt, ist im Social Web nicht überlebensfähig“, so Steimel im Gespräch mit Service Insiders. Nach Einschätzung von Karl-Heinz Land, Senior Vice President von Microstrategy, wächst der Wettbewerbsdruck auf den stationären Einzelhandel, dessen Angebote in der Informationsphase an Relevanz verlieren und damit Gefahr laufen, nicht berücksichtigt zu werden.
Im Netz verliert man schnell seinen guten Ruf
Ähnlich sieht das der Webexperte Jens Klemann von Strateco:
„Wenn ich bei jedem Amazon-Einkauf erst prüfen müsste, ob eine Autorisierung vom Hersteller vorliegt, dann könnten wir das gesamte Bestellwesen unserer Firma über den Haufen werfen! Verkaufen wollen alle gerne, aber wehe es kommt zum Service-Fall. Warum agieren Hersteller so? Sie verlieren ihren guten Ruf und das spricht sich im Netz schnell herum“, erläutert Klemann.
Ob die Vorgehensweise von Jura juristisch sauber ist oder nicht, klug ist sie auf keinen Fall.
Am Mittwoch und Donnerstag hatte ich ja das Vergnügen, den Kongress der Mailingtage in Nürnberg zu moderieren. Einige Vorträge habe ich aufgezeichnet und bringe sie hier zum Nachhören.
Urchs hält vor allen Dingen die norddeutschen Staatsaufseher im Datenschutz für so unbeleckt von jeglicher Sachkenntnis, dass es schwer sei, mit denen überhaupt sinnvoll über Datenschutz zu diskutieren. Ab der 36. Minute antwortet Ossi auf zwei Fragen, die ich ihm gestellte hatte:
Über Zukunft und Wirklichkeit von Augmented Reality (AR) sprachen Rolf Buchholz von Key Values und Kai Thomas, dessen Firma an der Entwicklung der AR-App junaio mitwirkte. Eine kleine Demo präsentierte Thomas speziell für den Kongress der Mailingtage. So konnte man den Redner am Strand unter Palmen betrachten.
Beide Vorträge habe ich zusammen aufgenommen. Den Anfang machte Buchholz. Nach 45 Minuten kommt dann Thomas.
Über die Vernetzung von Fernsehen und Internet gab es zwei höchst aufschlußreiche Reden von Andreas Karanas, Gründer und Geschäftsführer von teveo interactive, sowie Zeljko Karajica (auf meinem Notizzettel stand Djeko Kareitscha, damit ich dat richtig ausspreche), Geschäftsführer von Sport 1.
Karanas skizzierte dann am Schluss noch einmal einige praktische Beispiele für die Chancen von Hybrid TV für das Direktmarketing. Im ersten Teil machte er deutlich, dass nur eine geräteunabhängige Strategie die Verschmelzung von TV und Internet voranbringen wird. Alle Insellösungen und auch die App-Initiativen von Samsung und Co. würden im Sande verlaufen. Die einzig tragfähigen Säulen seien HBBTV, der Red Button und eine Art PayPal, um personalisierte Abrechnungen am Fernsehgerät zu ermöglichen.
Hier der Einführungsvortrag von Karanas:
Dann die Vorträge von Karajica und Karanas im Doppelpack:
Im Themenblock „Zukunft der sozialen Netzwerke“ trat Sven Bagemihl von den VZ-Netzwerken recht optimistisch auf. So sagte er:
Joachim Graf von iBusiness und Facebook-Marketingexperte Felix Holzapfel von concept bakery bestritten den letzten Teil des Kongresses. Graf reihte sich in die Social Media-Schweigespirale ein, die vor ein paar Monaten Spiegel-Redakteur Konrad Lischka etwas zu alarmistisch herausposaunte. Filter und Nachrichtenselektionen sind doch ein alter Hut. Das funktionierte wunderbar in den Erfolgszeiten der Massenmedien. Das führte dann zur Theorie der Schweigespirale, die Noelle-Neumann aufstellte.
Zur reduzierten oder konstruierten Medienwirklichkeit des vergangenen Jahrhunderts gibt es einen kleinen Witz, der in einer amerikanischen Zeitung erschien. „Vater, wenn ein Baum im Wald umstürzt, aber die Massenmedien sind nicht dabei, um zu berichten – ist der Baum dann wirklich umgestürzt?“ Der Soziologe Niklas Luhmann spricht von Aufmerksamkeitsregeln. Er vermutet, dass das politische System, soweit es auf öffentlicher Meinung beruht, gar nicht über Entscheidungsregeln, sondern über Aufmerksamkeitsregeln integriert wird, durch die Regeln also, die bestimmen, was auf den Tisch kommt und was nicht. Die Strukturierung der Aufmerksamkeit erfolge durch die Massenmedien. Thematisierung im Prozess der öffentlichen Meinung vollzog sich nach der Agenda-Setting-Funktion der klassischen Medien.
Die digitale Öffentlichkeit kennt hingegen keine Leser, Hörer oder Zuschauer, die von ihr zu unterscheiden wären – siehe das sehr lesenswerte Büchlein von Stefan Münker: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Hier sind die Medien, dort die Menschen – diese Differenz kann man nicht mehr ziehen. „Die Angebote im Web 2.0 sind digitale Netzmedien, deren gemeinschaftlicher Gebrauch sie als brauchbare Medien erst erzeugt“, so Münker. Die Inhalte werden von vielen Millionen Nutzern in der ganzen Welt zusammengetragen, bewertet und geordnet. Das Internet ist eben das, was seine Nutzer aus ihm machen. Klassische Medien produzieren etwas, ohne die Rezipienten zu fragen. Sie senden und drucken, egal ob wir uns das anschauen oder lesen. Youtube sendet nur, wenn ich klicke und auch nur das, womit Nutzer die Seite bestücken. „Wie im berühmten Schachautomaten des 18. Jahrhunderts (Wolfgang von Kempelen!) ist die Schaltzentrale des Web 2.0 der Mensch“, so Münker. Vox populi bekommt eine ganz andere Entfaltungsmöglichkeit. „Das Internet ändert die Strukturen unserer Öffentlichkeiten, es ändert die Funktionsweisen politischer und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse, es macht es einzelnen einfacher, sich in politische Debatten einzumischen, es macht institutionelle Grenzen durchlässiger und Entscheidungsprozesse transparenter, es ist anders als Massenmedien interaktiv und wird so auch genutzt. Das Internet hat das technische Potenzial für eine demokratische, partizipatorische Mediennutzung“, führt Münker aus und verweist auf Jürgen Habermas, der fest davon überzeugt ist, dass das World Wide Web die Schwächen des anonymen und asymmetrischen Charakters der Massenmedien ausgleiche. Für Michel Foucault waren die Ausschlussmechanismen der Massenmedien nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Diese Spielregeln werden vom Web 2.0 ausgehebelt.
Auch Filtersysteme und Algorithmen können das nicht aushebeln. Denn meine Filter unterscheiden sich von allen anderen im Netz. Ohne reduzierte Wirklichkeit würden wir wohl bald in der Psychiatrie landen. Die „neue“ Social Media-Schweigespirale halte ich für Unfug.
Aber hört selbst die beiden Vorträge von Graf und Holzapfel:
Den Auftritt von Felix Holzapfel habe ich dann noch mit der Kamera eingefangen:
Ich werde diese Veranstaltung moderieren und würde gerne Eure Fragen und Anmerkungen zu den Themen aufnehmen. Entweder hier als Kommentar posten oder mir per Mail zuschicken an: gunnareriksohn@googlemail.com.
Hier die Themen und Vorträge:
Themenschwerpunkt Augmented Reality
Mittwoch 08.06.2011
Wenn sich virtuelle Realität und Realität vermischen – Vielversprechende Zukunftsperspektiven für das Marketing.
10.00 Uhr Begrüßung und Einführung in den Themenschwerpunkt
10.15 – 11.00 Uhr Phänomen Augmented Reality
Unternehmen, die auch morgen noch mit ihrer Zielgruppe im Gespräch bleiben möchten, müssen sich schon heute mit vielen Technologien auseinandersetzen. Zu den anschaulichsten und wohl auch anspruchvollsten Digital-Disziplinen dürfte „Augmented Reality“ (AR) zählen. Der noch sehr jungen Technologie wird prophezeit, dass sie die Art und Weise, wie zukünftig Informationen verfügbar und abrufbar sind, grundlegend verändern wird. Was steckt hinter diesem Hype der so genannten „erweiterten Realität“? Wie steht es um das Potenzial zukünftiger Geschäftsmodelle? Welche Akzeptanz ist bei den Nutzern zu erwarten – unter welchen Bedingungen blicken Sie in diesem Vortrag in eine chancenreiche (Kommunikations-)Zukunft?
Referent: Ossi Urchs
Ossi Urchs gilt als einer der führenden Köpfe im Bereich der Entwicklung von Webstrategien. Seit 1982 betreibt der studierte Philosoph, Theater- und Politikwissenschaftler gemeinsammit Sigi Höhle die F.F.T. MedienAgentur und berät Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Kommunikations- und Internetstrategien.
11.00 – 11.15 Uhr kurze Pause
11.15 – 12.00 Uhr Augmented Reality – Strategische Weichenstellung für die Zukunft
Die Bandbreite der Faktoren, die die zukünftigen Geschäftsmodelle der Unternehmen beeinflussen, ist groß: Gesetzgebung, Zielgruppenverhalten, Technologien… – Wer morgen noch Erfolg haben will, muss sich schon heute mit zahlreichen Zukunftsfragen auseinandersetzen. Einer der jüngsten Trends, der Marketing, Vertrieb und Kommunikation der Zukunft prägen könnte, macht unter dem Begriff Augmented Reality von sich reden. Ob Produkteinführung, Pre-Sales-Unterstützung, Kaufanreiz oder Service – dieser Vortrag demonstriert anschaulich:die denkbaren Einsatzfelder sind so vielfältig wie die dahinterstehenden strategischen Zielsetzungen. Entdecken Sie neue Chancen, für zukunftsorientierte (Marketing-)Strategien.
Referent: Rolf Buchholz
Rolf Buchholz ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger KEY VALUES GmbH, dem Spezialist für Innovations- und Geschäftsentwicklung. Neben seiner Geschäftsführer-Tätigkeit ist Rolf Buchholz u.a. als Lehrbeauftragter für Innovation Management an derHamburg School of Business Administration (HSBA) engagiert.
12.00 – 12.30 Uhr Augmented Reality – Der Wow-Effekt für’s Marketing
Augmented Reality weist den Weg in eine neue Dimension der Kommunikation. Der entscheidende Vorteil: Dank Echtzeit-Interaktion erlebt der AR-Nutzer ganz neue, überraschend faszinierende Präsentationen „zum Anfassen“ und voller Vorteile. Was hier die Zukunft noch bringen mag, lässt sich nur erahnen. Doch die ersten praktischen Schritte sind bereits getan und verdeutlichen das enorme Potenzial dieser innovativen Technologie für das Marketing. Welche Anwendungsmöglichkeiten heute schon realisiert sind, lässt sich ausführlich beschreiben – oder schon jetzt ansehen. Statt vieler Worte setzt dieser Vortrag vor allem auf eines: anfassbare Live-Erlebnisse. Tauchen Sie mit ein in eine neue Form einer vielversprechenden Mensch-Technik-Interaktion, die Ihre Werbebotschaften lebendiger als je zuvor vermitteln kann.
Referent: Kai Thomas
Kai Thomas ist Kopf der Kreativagentur Thomas GmbH. Die strategisch ausgerichtete Fullservice-Werbeagentur ist ‚junaio certified developer‘ und ‚global advanced technology partner’und konzipiert, gestaltet und programmiert Augmented Reality Anwendungen für alle Medien.
hemenschwerpunkt Channel Management
Mittwoch 08.06.2011
Channel-Hopping erhöht die Komplexität bei der Steuerung von Kaufprozessen –Wie Unternehmen die neuen Anforderungen meistern können.
14.00 Uhr Begrüßung und Einführung in den Themenschwerpunkt
14.15 – 15.00 Uhr Sind Sie fit für den Multi-Kanal-Wettbewerb?
„Ja wo laufen Sie denn?“ Wie im berühmten Sketch von Loriot könnte man dies auch in Bezug auf den deutschen Shopper fragen, der sich in unterschiedlichsten Vertriebskanälen bewegt. Ein Verhalten, das Unternehmen vor neue komplexe und anspruchsvolle Aufgaben stellt. Doch was bedeutet dies mit Blick auf die Zukunft? Wie schaffen es Unternehmen, die Steuerungslogik ihres Geschäfts an den unterschiedlichen Verhaltensmustern der Kunden zu orientieren? Weshalb ist ein Perspektivwechsel bei der Bewertung von Kanalaktivitäten angesagt? Und welche Rolle werden hier die verschiedenen Kundentypen spielen? Unternehmen, die sich dem Multi-Kanal-Wettbewerb stellen wollen, erwartet hier ein spannender Vortrag, der Impulse für den Weg zu kundenbasierten Strategien im Multi-Channel-Zeitalter setzt.
Referent: Dr. Gregor Enderle
Dr. Gregor Enderle ist Partner der OC&C Strategy Consultants und Autor sowie Co-Autor vonPublikationen zu Online- und E-Commerce Themen. Spezialisiert auf die Strategie-Entwicklungin den Branchen Handel, Konsumgüter und Medien, liegt sein Schwerpunkt auf den Bereichen Marketing, Distribution und Vertrieb.
15.00 – 15.15 Uhr kurze Pause
15.15 – 16.00 Uhr Die Marketing-Organisation im Umbruch
Angesichts der Vielfalt an Kommunikationskanälen, die Unternehmen heute bedienen müssen, stößt die bisherige Organisation der Zuständigkeiten im Marketing immer häufiger an ihre Grenzen. Zunehmend komplexere Kampagnen erfordern eine besondere Koordination. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die verantwortlichen Mitarbeiter. Doch wie lässt sich die Komplexität in Sachen Kundenkommunikation systematisch managen und synchronisieren? Welche strategisch-organisatorischen Voraussetzungen und Kompetenzen sind notwendig? Antworten auf diese drängenden Fragen und Anregungen für die zukunftsfähige Gestaltung Ihrer Marketing-Organisation erhalten Sie in diesem Strategie-Vortrag.
Referent: Tobias Clairmont
Tobias Clairmont ist Managing Director Tribal DDB. DDB Tribal versteht sich als Wegbereiterklarer Kommunikationslösungen in einer zunehmend komplexen, vernetzten Welt und verzahnt konsequent Medien und Kommunikationsformen u. a. für die Deutsche Telekom oder Volkswagen.
16.00 – 16.30 Uhr Erfolgreich auf allen Kanälen -Effektives Multi-Channel-Management im Modehandel
Verändertes Konsumverhalten stellt den Versandhandel vor enorme Herausforderungen. Wie diese in der Praxis gemeistert werden können und welche Rolle Social Media und Mobile-Commerce spielen, davon berichtet Dr. Rodermann. Web-Exzellenz im Modehandel und erfolgreiches Multi-Channel-Marketing erleben Sie hier.
Referent: Dr. Marcus Rodermann
Dr. Marcus Rodermann ist seit dem 1. Juni 2009 Geschäftsführer der Heinrich Heine GmbH. Zuvor verantwortete er die B2C-Aktivitäten des führenden Bonusprogramms Payback.
Themenschwerpunkt Hybrid TV
Donnerstag 09.06.2011
Was ist dran am Hypethema Hybrid-TV? – Wie Werbung treibende Unternehmen von diesem Zukunftstrend profitieren werden.
10.00 Uhr
Begrüßung und Einführung in den Themenschwerpunkt
10.15 – 11.00 Uhr
Wie der Zuschauer zum Kunden wird
Noch steckt das Thema Hybrid TV in den Kinderschuhen, doch für Sender, Serviceanbieterund Werbungtreibende wird sich hier in naher Zukunft ein ganz neuer Markt eröffnen. Ein Blick in das Jahr 2015 zeigt, wie sich das Fernsehen verändern wird und demonstriert anschaulich die Erfolgsparameter, um den Zuschauer mit auf die Reise zu nehmen und zur Interaktion zu animieren.
Referent: Andreas Karanas
Andreas Karanas, ist Gründer und Geschäftsführer des 2010 gegründeten Techologie-Dienstleistersteveo interactive GmbH. Bereits Ende 2007 gründete er zusammen mit Matthias Wagner die teveo Beteiligungs GmbH mit dem Ziel, tragfähige Geschäftsmodelle für internetbasierte TV-Dienste zu entwickeln und umzusetzen.
11.00 – 11.15 Uhr kurze Pause
11.15 – 12.00 Uhr
TV im Wandel: Vom Konsummedium zur Interaktionsplattform
Seit rund einem Jahr steht die neue Multimedia-Dachmarke SPORT1 sowohl für den Sportsender (zuvor DSF) als auch das Sportportal (zuvor Sport1). Mit der Einmarken-Strategie trägt SPORT1 dem Zusammenwachsen der Plattformen TV, Online und Mobile und dem sich verändernden Mediennutzungsverhalten der Zuschauer bzw. Nutzer Rechnung. Eine Strategie, die nicht zuletzt auch für die Werbungtreibenden spannende Perspektiven bieten kann.
Referent: Zeljko Karajica
Zeljko Karajica ist Geschäftsführer der Sport1 GmbH (ehemals DSF Deutsches Sport Fernsehen GmbH) und der Constantin Sport Medien GmbH. Außerdem gehört er seit Januar 2006 als Chief Operating Officer der Geschäftsführung der PLAZAMEDIA GmbH an, dem führenden Full-Service-Dienstleister im Bereich TV und Neue Medien.
12.00 – 12.30 Uhr
TV morgen: Im Dialog ohne Medienbruch
Wie sich Unternehmen das ganze Potenzial des neuen Fernsehens schon heute erschließen können, zeigen brandaktuelle Praxisbeispiele.
Themenschwerpunkt Soziale Netzwerke
Donnerstag 09.06.2011
Granularer und exklusiver – Wie die Generierung von Zielgruppen in sozialen Netzwerken zukünftig noch interessanter wird.
13.45 – 14.30 Uhr
Soziale Netzwerke: Auf dem Weg zum „Betriebssystem fürs Leben“?
Soziale Netzwerke verändern heute mit enormer Geschwindigkeit das Kommunikationsverhalten der Konsumenten. Zwischenzeitlich bewegen sich in der digitalen Welt Millionen von Menschen, knüpfen Kontakte und tauschen sich aus. Doch das ist erst der Anfang, ist Sven Bagemihl, Vice President Sales VZ-Netzwerke überzeugt. Zukünftig werden vielfältigste Alltags-Anwendungen über diese Plattformen erledigt – die sozialen Netzwerke entwickeln sich zum „Betriebssystem fürs Leben“. Was dies bedeutet und welche Konsequenzen sich für das Zusammenspiel zwischen Kunde und Unternehmen ergeben, erfahren Sie in dieser spannenden Keynote, die sieben Thesen zu Mega-Trends vorstellt und zur Diskussion einlädt.
Referent: Sven Bagemihl
Sven Bagemihl ist seit 2010 Vice President Sales der VZ-Netzwerke. Zuvor war er u.a. alsManaging Director bei Advertising.com neben dem deutschen Markt mit verantwortlich für den Ausbau des Europageschäfts und wechselte 2006 als Geschäftsführer zum Targeting-Spezialisten Wunderloop.
14.30 – 14.45 Uhr kurze Pause
14.45 bis 15.30 Uhr
Droht Unternehmen der kommunikative Machtverlust?
Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden (potenzialen) wird komplizierter und schneller. Klassische Kommunikations-Ansätze stoßen an ihre Grenzen. Soziale Netzwerke spielen eine immer wichtigere Rolle, wenn es um den Dialog mit und unter den Zielgruppen geht. Eine Entwicklung, die nicht ohne Konsequenzen auf die Unternehmensstrategie bleiben wird. Was unterscheidet die Kommunikation in Zukunft von den heutigen Maßnahmen? Welche besonderen Herausforderungen kommen hier auf die Unternehmen zu? Wie kann diese strategische Einbettung sozialer Netzwerke erfolgen? Welche organisatorischen Veränderungen werden notwendig sein? Dies sind Fragestellungen, die im Mittelpunkt dieses Vortrages stehen. Holen Sie sich hier konkrete Impulse für Ihre zukünftige Weichenstellung in Sachen Kommunikation.
Referent: Joachim Graf
Joachim Graf ist Herausgeber des Zukunftsportals iBusiness.de des HighText Verlag (München),Zukunftsforscher und Future Evangelist für Kommunikations- und Medienkonvergenz und analysiert seit 1991 für die deutschsprachige und internationale Interaktiv-Branche alle businessrelevanten Entwicklungen
15.30 – 16.00 Uhr
Völlig vernetzt – Treffpunkt Internet
Soziale Netzwerke sind in aller Munde. Doch so selbstverständlich der Begriff auch über die Lippen gehen mag – die Nutzung entsprechender Plattformen für Unternehmens- und Marketingzwecke ist längst nicht alltäglich. Noch existieren bei vielen Kommunikationsverantwortlichen meist nur vage Vorstellungen über die Möglichkeiten, über notwendige Voraussetzungen und zu konkreten Vorgehensweisen. Daher hat dieser Vortrag vor allem ein Ziel: Vielfältige Facetten aufzuzeigen und zu präsentieren, mit welchen Maßnahmen Unternehmen in sozialen Netzwerken bei Kunden (potenzialen) punkten können. Lassen Sie sich inspirieren.
Referent: Felix Holzapfel
Felix Holzapfel ist Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von conceptbakery. Die Agenturist auf die Entwicklung alternativer Marketingstrategien für Unternehmen in Deutschlandund den USA spezialisiert. Holzapfel ist auch Buchautor – z.B. des Bestsellers „Facebook –Marketing unter Freunden – Dialog statt plumper Werbung“.
An einem offenen Umgang mit dem Kunden, auch und insbesondere in Problemsituationen, führt in der Social Media-Welt kein Weg vorbei, so das Plädoyer des After Sales-Spezialisten Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic in Frankfurt am Main. „Die Gespräche des Marktes finden auch ohne Einwirkung der Unternehmen im Internet statt. Jeder muss sich diesem kritischen Diskurs stellen, ob er will oder nicht“, erklärt Weilmuenster.
Sehr viele Konsumenten würden sich vor einer Kaufentscheidung über Suchmaschinen informieren, wo sie vermehrt Gruppendiskussionen aus Foren und sozialen Netzwerken finden, so Björn Behrendt, Geschäftsführer von www.service-community.net: „Insofern rate ich Unternehmen sogar, Kundendialoge auf der eigenen Unternehmenswebsite stattfinden zu lassen, sich der Kritik zu stellen und die durch Nutzer generierten Inhalte für die Suchmaschinenoptimierung und für ein durch Offenheit und Ehrlichkeit gekennzeichnetes Firmenimage zu nutzen“, empfiehlt der Internetexperte, der am 6. Oktober beim Nürnberger Fachkongress Voice Days plus zum Thema „Service für die Facebook-Generation“ seine Positionen vertreten hat (Diskussionsrunde mit Andreas Rebetzky von Bizerba und Thomas Dehler von Value5. Moderation: Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist). Die Audio-Aufzeichnung der Diskussionsrunde kann man hier abrufen.
Zwei Fachveranstaltungen der Messe Nürnberg beschäftigten sich mit dem Kundendialog der Zukunft: die Voice Days plus und die CRM Expo. Einen Weckruf an die Denk-und Innovationsbürokraten (Wolf Lotter hat sie in der November-Ausgabe von brand eins aufs Korn genommen) sendete der Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar am ersten Kongresstag der Voice Days plus aus. Alle Unternehmensbranchen stehen vor einem radikalen Umbruch, da das Social Web den Kunden mehr Macht und Gehör verschafft. Yogeshwar unterstrich, dass die Innovationsgeschwindigkeit dramatisch steigt und die so genannten „Digital Natives“ gerade erst heranwachsen, was hohe Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft stellt. „Mit meinem neuen iPhone habe ich das Rechenzentrum meiner Studienzeit in der Hosentasche. Mit der WDR-Sendung Quarks & Co erreichen wir rund 500.000 Podcast-Downloads im Monat. Hier erreichen wir Größenordnungen, wo wir im normalen TV-Programm als öffentlich-rechtliche Anbieter zwar sehr viele jungen Menschen verlieren, aber durch die Hintertür im Internet wieder zurückgewinnen. Das zeigt sehr deutlich, mit welchem Tempo der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft verläuft. Wenn Sie das Gefühl haben, es ging in den vergangenen Jahren schnell, dann legen Sie den Gurt an: Es wird noch schneller“, so Yogeshwar.
Den Epochenwechsel machte der Wissenschaftsjournalist an zwei Bildern des Malers Vermeer fest, die im Abstand von einem Jahr entstanden. Das Werk mit dem Titel „Der Astronom“ aus dem Jahr 1668 zeigte noch eine Welt, in der Menschen etwas betrachten.
„Der Astronom wagt nicht, etwas zu verändern. Ein Jahr später entsteht ‚Der Geograph‘, der aktiv gestaltet und am Fortschritt arbeitet sowie das Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Es gibt viele Kunsthistoriker, die sagen, dass es sich um ein Scharnierbild handelt. Es dokumentiert den gesellschaftlich-kulturellen Wandel dieser Zeit. Von einer kontemplativen Welt zu einer Epoche, die Dinge tut. Meine These ist, wenn Vermeer noch leben würde, müsste er heute ein drittes Bild malen, denn wir leben in einer Zeit, die wieder einem Scharnier entspricht“, sagte Yogeshwar in Nürnberg.
Fortschritt sei im 17. Jahrhundert noch sehr langsam verlaufen. Das war eine Geschichte, die von einer Menschengeneration zur nächsten übermittelt wurde. Das ist ein großer Unterschied zu heute. Jeden Tag werden weltweit 20.000 wissenschaftliche Abhandlungen publiziert, jede Minute gibt es irgendwo auf der Welt eine neue chemische Substanz, die synthetisiert wird, alle drei Minuten gibt es eine neue physikalische Erkenntnis. Und das Tempo legt zu“, prognostizierte Yogeshwar.
Konsum, Produktion und Dienstleistungen seien mittlerweile weltweit abrufbar und jeder sollte sich fragen, ob das eigene Business in Zukunft woanders besser, schneller und günstiger gemacht werden kann. Mobilität zähle zum Megatrend der nächsten Jahre. „Wir werden zunehmend Kunden haben, die nicht mehr lokal verpflanzt sind, sondern sich permanent neu organisieren. Es sind intelligente Kunden, die sich nicht mehr abspeisen lassen. Sie sind besser informiert, sie sind schneller, kritischer und sie kommunizieren in einer völlig anderen Weise“, erklärte Yogeshwar. Noch nie zuvor sei derart viel erfunden worden. Das Telefon brauchte rund 100 Jahre, bis es sich durchsetzte. Auf ein Ferngespräch nach Indien wartete Yogeshwar früher noch 48 Stunden und wenn die Leitung zustande kam, mussten seine Eltern schreien, um sich verständlich zu machen.
„Das Medium Internet wächst in einer Dynamik, die man nicht mehr verstehen kann. Wer meint, das Internet zu verstehen, liegt falsch. So hat die Distribution in der Musikindustrie einen Einbruch von 30 Prozent erlebt. Und man darf sich fragen, ob der Job des Verlegers ein Auslaufmodell ist. Die letzte Wetten, dass-Sendung hatte gut elf Millionen Zuschauer und zählt zu den Einschaltquoten-Champions. Die Jeff Dunham-Show ist viel bekannter. Sein Internet-Video ‚Ahmed the Dead Terrorist‘ hat über verschiedene Internetkanäle allein in England 96 Millionen Downloads erreicht. Die Musik spielt nicht mehr bei ‚Wetten, dass‘, die Musik spielt im Web“, meint Yogeshwar. Den kompletten Vortrag findet Ihr hier als Audiodatei. Yogeshwar für die Ohren:
Auf dem Nürnberger Fachkongress Voice Days plus stellte Bernhard Schindlholzer von der Universität St. Gallen wirtschaftliche Bedeutung des Service Design-Ansatzes vorstellen. Viele Firmen würden sich nicht wirklich in die Rolle ihrer Kunden begeben. „Wie oft passiert es denn, dass man sich als Mitarbeiter, Vorstandschef oder Bereichsleiter eines Unternehmens anonym in die Rolle des Kunden versetzt und wirklich erlebt, was er macht. So wurden dem Top-Management von General Motors immer nur die besten Fahrzeuge auf einer Teststrecke präsentiert. Die Führungskräfte sahen also immer die besten Produkte und verstanden nicht, warum die Fahrzeuge sich nicht verkaufen ließen. Das geschieht in vielen Unternehmen. Im Top-Management lässt man sich von den Mitarbeitern etwas präsentieren und ist nicht bereit, in die Filialen zu gehen oder einmal in der Warteschleife der eigenen Hotline zu verweilen“, sagt Schindlholzer.
Es würden zwar Unmengen an Daten über den Kunden und sein Verhalten erhoben. Doch niemand beobachte, was wirklich in einer Filiale passiert und wie sich die Verbraucher dort verhalten. Viele Dinge könne man allerdings nicht einfach abfragen. „Die Kunden sind sich oft gar nicht bewusst darüber, warum sie bestimmte Dinge tun oder nicht tun. Durch Befragung allein, kommt man nicht weiter, denn mit den traditionellen Methoden können bestimmte Einsichten nicht generiert werden“, so der Service Design-Experte. Mit qualitativen, ethnographischen Methoden aber könnten neue Einsichten gewonnen und ein neues Kundenverständnis geschaffen werden.
„Die Deutsche Bank beispielsweise hat in Berlin ihre Filiale Q110 – die Deutsche Bank der Zukunft. McDonald’s hat ein Testcenter in München und Metro unterhält ein Retail Center of the Future. Das alles sind Umgebungen, in denen experimentiert und neue Ideen und verbesserte Services getestet werden können“, weiß Schindlholzer. In Firmen sollten Umgebungen mit Freiräumen entstehen für Teams, die sich ausleben und scheitern dürfen – losgelöst vom typischen Hierarchiedenken.
Hier ist der komplette Vortrag von Schindlholzer als Audiodatei!
Über die Voice Days plus habe ich ja schon einiges berichtet. Interessant sind noch die Ausführungen von Professor Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) zu den sprachgesteuerten Diensten. Hier die O-Töne der Pressekonferenz. Am Anfang reden die beiden Vertreter der Nürnberg-Messe, dann Voice Days plus-Sprecher Bernhard Steimel und am Schluss dann Professor Wahlster.
Das aktuelle Marktvolumen für den externen Einkauf von Call Center-Dienstleistungen beträgt jährlich rund zwei Milliarden Euro. Während telefonischer Service für Dienstleister schon seit geraumer Zeit unverzichtbar sind, bieten auch Industrieunternehmen ihren Kunden immer häufiger telefonische Kontaktmöglichkeiten an.
Trotz des hohen Einkaufsvolumens mangelt es nach Auffassung von Experten an Preistransparenz. Auch die jeweils gebotene Servicequalität und die Serviceanforderungen bei der Auftragsvergabe spielen hier eine zentrale Rolle. Sie werden in Deutschland bisher noch in keiner regelmäßigen Erhebung erfasst. Aus diesem Grund führt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit dem internationalen Call Center-Unternehmensverband CCBenchmarks im deutschsprachigen Raum eine detaillierte und umfassende Erhebung zum Einkauf von Call Center- Dienstleistungen durch.
Der neue Preis- und Qualitätsindex ermögliche Einkäufern, Preise und Qualitäten präzise miteinander zu vergleichen. So werden bei den Preisabfragen zu In- und Outbound jeweils 15 unterschiedliche Anruftypologien abgefragt. „Darüber hinaus enthält die Studie viele wertvolle Informationen rund um den Einkauf von Call Center Dienstleistungen. Dies reicht von Bewertungsmethoden für die Servicequalität bis zu den von den Unternehmen primär genutzten Kriterien für die Auswahl von Call Center-Dienstleistern“, teilen BME und CCBenchmarks mit.
Messbare Qualitätsnormen sind nach Auffassung von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus, auch bei der Sprachcomputern vonnöten. „Seit 2007 wird deshalb in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und Experten der deutschsprachigen Fachszene ein industrienaher Standard für Sprachapplikationen erarbeitet“, so Steimel.
Die Ergebnisse der ersten Projektphase wurden in der Studie „Leitfaden – Qualitätskriterien für Sprachapplikationen“ veröffentlicht: „Als Unternehmen, das seit acht Jahren und von Anfang an auf die Nutzung von Spracherkennung und die Verfolgung innovativer natürlichsprachlicher Designansätze gesetzt hat, sehen wir uns in der Verantwortung, einen Beitrag zur Konsolidierung und zur weiteren Entwicklung der Branche insgesamt zu leisten“, erläutert Jörn Kreutel, Chief Technology Officer bei SemanticEdge in Berlin.
Auch wenn die Nutzung von Spracherkennung gegenüber dem Tonwahlverfahren DTMF (Geben Sie die 1 ein, wenn….) klar überlegen sei, müsse man immer noch Vorbehalte in der Öffentlichkeit ausräumen. Dazu seien die Maßstäbe des Fraunhofer Instituts, die sich auch in anderen Technologiefeldern bewährt hätten, ein wichtiger Beitrag: „Für die Branche und auch für uns selbst als Marktteilnehmer“, resümiert Kreutel.
Wer an der BME/CC-Benchmarks-Erhebung teilnehmen möchte, kann sich an Volkmar Klein wenden: volkmar.klein@bme.de. Teilnehmer der Studie erhalten kostenfrei eine Zusammenfassung der Analyse. Die Veröffentlichung der Studie „Einkauf von Call Center-Dienstleistungen“ ist zum 30. September 2009 geplant.
UC-Studie von BerleconLaut einer Berlecon-Studie, die im Auftrag der Firmen Aastra, Cisco und Damovo erstellt wurde, setzt sich der Großteil der Führungskräfte für Informationstechnologie und Telekommunikation (ITK) in deutschen Unternehmen bereits mit „Unified Communications“ (UC) auseinander. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat in Ansätzen eine entsprechende Lösung im Einsatz oder plant es. Bei einem weiteren Viertel wird dies zumindest intensiv diskutiert. Allerdings wurde in der Marktanalyse konkret die Bündelung verschiedener Kommunikationskanäle und ihre Integration in Anwendungen abgefragt. Mit dem Begriff „Unified Communications“ können viele Entscheider immer noch nichts anfangen. Demnach steht UC nur in wenigen Firmen als strategisches Thema auf der Agenda. Zudem wird der Einfluss von Unternehmens- und Kommunikationskultur auf den Erfolg von UC-Projekten unterschätzt. Fundierte Informationen über den tatsächlichen Stand der ITK-Integration und der Umsetzung von UC müssen noch erarbeitet werden. Deutliche Unterschiede gibt es nach wie vor beim Stellenwert von IT und TK. Während die IT die Geschäftsbereiche und ihre Prozesse aktiv unterstützen soll, herrscht mit Blick auf die TK häufig noch eine operative Sichtweise vor. Sie soll in erster Linie kostengünstig sein und reibungslos laufen.
„Die Konvergenz von IT und TK – auf der Anwendungsebene als Unified Communications bezeichnet – ist schon in verschiedenen Bereichen in den Unternehmen zu finden: in der Netzwerktechnik auf Basis universeller Nutzung des Internet Protokolls, in der Server-Architektur in Form Ethernet-IP-vernetzter Server auf offenen Betriebssystemen, beim Einsatz einer einzigen Applikation für alle Kommunikationsmedien sowie in den Endgeräten in Form eines einzigen Clients für den Zugriff auf alle Kommunikationsformen. Dazu zählen Computer, Festnetz und Mobilfunk. Besonders in größeren Unternehmen mit verteilten Standorten finden wir eine Vielzahl verschiedener Ausprägungen der Konvergenz – in aller Regel in technisch heterogenen Umgebungen. Die Potenziale von UC werden allerdings in den meisten Firmen noch nicht ausgeschöpft. Vielmehr handelt es sich häufig um eingeschränkte Tests oder Insellösungen“, so die Erfahrung von Andreas Latzel, Deutschlandchef von Aastra.
Insofern könne es kaum überraschen, dass nach der Berlecon-Studie nicht einmal die Hälfte der Unternehmen eine Integration von UC in Anwendungen wie CRM und ERP plant. „Hier herrscht noch großer Aufklärungsbedarf. Eine Integration in prozessorientierte Anwendungen setzt eine generelle Einführung von UC in Unternehmen voraus. Entsprechend sind Lösungen gefragt, mit denen Systemintegratoren gewachsene heterogene IT- und TK-Umgebungen in Gesamtlösungen überführen können, um sowohl Kosten zu sparen als auch die Prozesse im Unternehmen besser zu unterstützen“, erklärt Latzel. Nur so könne man die Vorteile einer einheitlichen Kommunikationsinfrastruktur für alle Firmenstandorte, Heimarbeitsplätze und mobile Mitarbeiter nutzen. „Der aktuelle wirtschaftliche Druck wird die Einführung von UC im Mittelstand und bei Großunternehmen beschleunigen“, ist sich Latzel sicher.
UC: Fachkongress Voice Days plus will Licht ins Dunkel bringenUnified Communication ist auch nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus, ein wichtiges Leitbild für das Zusammenwachsen von IT und TK, um als Plattform für effizientere Kommunikationsprozesse im Unternehmen zu sorgen. „Allerdings befindet sich der Einsatz noch in einem frühen Marktstadium. Die Verbreitung in deutschen Unternehmen ist allerdings noch auf einem eher bescheidenen Niveau. Insofern verwundert es auch nicht, dass UC für viele Entscheider ein Fremdwort ist. Umso mehr sind Anbieter aufgefordert, mit konkreten Beispielen aus unterschiedlichen Branchen den Nutzen aufzuzeigen. Stattdessen wird in der Kommunikation auf die Darstellung von Funktionalitäten, allgemeiner Anwendungsgebiete und abstrakter Nutzenargumente gesetzt“, moniert Steimel. Kaum ein Unternehmen würde sich auf Seminaren, Konferenzen und Fach-Kongressen als UC-Anwender „outen“. „Das wollen wir auf unserem Nürnberger Fachkongress am 7. Oktober ändern und Licht ins Dunkel bringen. Mit acht Anwenderberichten aus vier Branchen werden wir auf den VDP Programm aufzeigen, wie Firmen bei der Einführung von UC-Lösungen vorgehen, welche Erfolgsfaktoren und Stolpersteine zu beachten sind“, kündigt Steimel an. Voice Days plus-Mitorganisator Jens Klemann warnt zudem vor einer zu technischen Diskussion: „Die größten Potenziale liegen bei einer radikalen Neudefinition der Geschäftsprozesse liegen. Die müssen genau analysiert und aufgebrochen werden, um sie auf Basis der neuen Möglichkeiten mit den Kommunikationsprozessen zu synchronisieren und damit neu zu definieren, lässt sich daraus ein echter Wettbewerbsvorteil im Sinne von Geschwindigkeit und Flexibilität erzielen“, so Klemann, Geschäftsführer des Beratungshauses Strateco.
Die Einführung von Unified Communications werde häufig nur aus dem Blickwinkel der internen Unternehmenskommunikation beleuchtet. Ebenso dramatisch seien aber auch die Veränderungen an der Schnittstelle zum Kunden – denn eine ganzheitliche UC-Strategie bedeutet auch an die Kommunikation mit Kunden kanalübergreifend zu managen. „Zu viele Unternehmen haben noch immer massive Probleme, eine kanalübergreifende Historie zu Kundeninteraktionen abzubilden und alle zur Problemlösung notwendigen Ressourcen einzubeziehen“, resümiert Klemann.
Yogeshwar kommt zu den Voice Days plus nach NürnbergRanga Yogeshwar eröffnet als Hauptredner den Fachkongress der Voice Days plus 2009 am 6. Oktober 2009 in Nürnberg. „Der Umgang mit dem Neuen“ ist das Thema des bekannten Wissenschaftsjournalisten mit Fernsehsendungen wie „Kopfball“ oder „Wissen vor 8“. Die Innovationen der Web 2.0-Welt haben nach Ansicht von Yogeshwar zu einer tiefgreifenden Veränderungen des Kundenservice. Früher setzte das Unternehmen setzte dem Kunden ein Produkt vor und der Kunde hatte keine andere Wahl, als dieses Produkt zu akzeptieren oder eben nicht zu akzeptieren, ganz nach dem Motto: „Friss oder stirb!“
„Mit dem Web 2.0 und vergleichbaren Technologien wurde die ganze Entwicklung quasi auf den Kopf gestellt. Heute ist der Kunde zum besten Entwickler des Unternehmens geworden. Der Kunde selbst hat sehr viel mehr an Einfluss gewonnen, denn er hat viel besseren Zugang zu Informationen“, so Yogeshwar.
Verbraucher haben klare Erwartungen an Dienstleistungen und viel mehr Möglichkeiten zum gnadenlosen Vergleich. „Durch das Web 2.0 ist ein immenser Druck auf die Unternehmen entstanden: Sie erleben ein Dauer-Benchmarking“, erläutert der Wissenschaftsjournalist. Kunden würden sich untereinander dezentral austauschen ohne Rücksicht auf interne hierarchische Positionen. „Bei einem Unternehmen mit starren und hierarchischen Strukturen ist das anders: Sie werden keinen Unternehmenslenker finden, der direktes Feedback von einem seiner Mitarbeiter erhält, der in der Hierarchieleiter ganz unten steht. Er bekommt also nie Feedback von jemandem, der nah am Kunden arbeitet. Und das führt unter Umständen dazu, dass Unternehmen sich schwer tun, ein gutes Gespür für den Kunden zu entwickeln, wenn es um strategische oder längerfristige Entscheidungen geht“, sagt Yogeshwar.
Häufig sei der Kundenservice vom Kunden genervt und möchte sich eigentlich gar nicht mit ihm auseinandersetzen. „Das lässt sich vor allem auf die Art und Weise zurückführen, wie Unternehmen mit ihren Kunden in Kontakt treten. Provokant könnte man sagen: ‚mit der telefonischen Warteschleife’. Nach außen ist die Rede von einer 24/7-Erreichbarkeit und persönlichem Rundumservice, in Wahrheit aber wird der Kunde oft enttäuscht. Und obwohl die technologischen Möglichkeiten vorhanden sind, wird kaum differenziert, ob es sich um einen Erstkunden oder einen Wiederholungstäter handelt. Die Möglichkeiten eines personalisierten Services werden kaum wahrgenommen“, kritisiert der Fernsehmoderator.
Er habe mal einen wunderbaren Tag mit Alan Kay, dem Chefentwickler von Apple, verbracht. „Er hat mir einfach noch mal im Detail erklärt, wie Apples Planung und Entwicklung neuer Produkte aussieht: Im Vordergrund steht nicht, was technologisch möglich ist, sondern was der Kunde wirklich braucht und was nicht. Erst wenn die genauen Bedürfnisse des Kunden, seine Verhaltensmuster aber auch seine Skepsis Neuem gegenüber und seine Verunsicherungen analysiert sind, werden die übrigen Entwicklungsprozesse angestoßen. Das ist etwas, was vielfach extrem verbesserungswürdig ist. Vorausschauend für mich ist: Technologie immer im Hinterkopf zu behalten, aber im Kern wirklich genau auf den Kunden zu schauen“, rät Yogeshwar.
Kollabieren deutsche Firmen?Zu einer ähnlichen Auffassung gelangt der Internet-Experte Sebastian Paulke von der Agentur Wort + Welt. „Im Kundenservice, in der Produktgestaltung oder beim Verkauf benötigt man ‚Open Innovation-Modelle’. Von einer Google- oder Share-Economy sind die deutschen Firmen noch Lichtjahre entfernt. Die großen Konzerne werden nach wie vor geführt wie in den guten alten Zeiten des Industriekapitalismus. Freiräume für kreative Köpfe und smarte Dienstleister bestehen kaum. Man konzentriert sich eher auf die Erfassung von Arbeitszeiten, definiert ständig neue Abteilungsgrenzen, enge Aufgabengebiete und blockiert Netzwerkeffekte. Wo sind denn bei uns im Lande die offenen Plattformen, wo sich Entwickler austoben könnten wie bei Google oder Apple? Da findet man nichts vernünftiges. Deutschen Firmen fehlt das Google-Gen“, kritisiert Paulke, Co-Autor der Studie „Kollaborieren oder Kollabieren“.