„Meine Vorgesetzten wollten vor allem Leads, also Inhalte, die zu Umsatz führten: Blogposts, Listicles, Katzen-Content – jeden Scheiß, solange er Leute anlockte, denen sie Hubspots Software verkaufen konnten“, so Techjournalist Dan Lyons im Interview mit Business Punk. Je länger er dabei war, desto klarer wurde ihm, dass es so ein Gruppending ist und ein wenig wie Gehirnwäsche. Es gehe um etwas, das es auch bei anderen Startups gibt, den „cultural fit“. Über deinen Erfolg entscheidet allein, ob du dazwischenpasst und keiner, der anders denkt. Die Leute bei Hubspot waren so unbedarft. „Sie haben alles geglaubt, was man ihnen erzählt hat. Vollkommen egal, was ihr Vorgesetzter ihnen erzählt hat, selbst wenn er am Vortag das komplette Gegenteil behauptet hatte. Sie sagten zum einen wie zum anderen: ‚Awesome, terrific! That’s great.'“ Es sei eine sehr seltsame, homogene Kultur junger, weißer Leute. „Der gleichen Art junger, weißer Leute. In den USA gibt es eine ziemlich große Bandbreite von ‚weißen Leuten‘, aber Hubspot hatte nur eine Sorte.“
„Diese Firmen sind gar keine richtigen Firmen. Sie sind Finanzprodukte. Eine kleine Lore, die man runter in die Salzmine schickt und die gefüllt mit Geld wieder rauskommt. Nur aus diesem Grund gibt es diese Firmen. Das veränderte meine Sicht auf den Ort, an dem ich arbeitete, komplett. Mir wurde klar: Unser Produkt ist nicht die Software. Das Produkt ist die Firma selbst. Am Ende bestand mein Job darin, dazu beizutragen, eine Geschichte zu erfinden, die hilft, der Wall Street Aktien anzudrehen. Eine Geschichte, auf die nicht nur Investoren reinfallen, sondern auch die Angestellten“, erläutert Lyons.
Man holt sich Typen, die am College Lacrosse spielen, steckt sie in einen Raum und sagst Ihnen: Du bekommst 35.000 Dollar, Pizza Bier und fangt an zu verkaufen. In der Startup-Welt gebe es viele solcher Arbeitsplätze, die im Grunde Sweatshop-Jobs sind. Die anderen werden mit Storys von Weltfrieden, besseren Orten und Purpose versorgt. Opium für jene, die etwas Sinnvolles in ihrem Leben erreichen wollen.
Die wahren Gläubigen machen schnell Karriere. Alle anderen sortiert man aus. Wer den ganzen Tamtam mitmacht, hat Erfolg.
Die Erkenntnisse des früheren Newsweek-Redakeurs Dan Lyons sind ein Vademekum zur Überprüfung von digitalen Heizdecken-Verkäufern:
„Im Online-Marketing gibt es eine Reihe von Euphemismen, die beschönigen sollen, dass wir Spam verschicken. Wir bekommen zum Beispiel eingeschärft, dass wir mit unseren E-Mail-Kampagnen die Menschen nicht etwa belästigen oder stören, sondern sie vielmehr ‚pflegen’.“ Das „Lead Nurturing“, die Pflege möglicher Kundenkontakte, sei sehr wichtig. Angesichts dieser Dreistigkeit bleibe einem wirklich der Mund offen stehen. „Es ist Doppelsprech wie bei Orwell: Nacht ist Tag, schwarz ist weiß, schlecht ist gut. Unser Spam ist kein Spam, sondern das Gegenteil von Spam, geradezu Anti-Spam. Er ist ein Abwehrschild gegen Spam, ein Spam-Kondom“, resümiert Lyons.
Bei einem Berliner Startup konnte ich übrigens ähnliche Erfahrungen sammeln. Da ging es um Avatar-Welten im Business. Viele CEOs von DAX-Konzernen gaben sich damals die Klinke in die Hand und fielen auf die hohlen Sprüche und tollen Präsentationen im Partystil herein. Man wollte einfach so cool und so partygeil sein, wie die Firmengründer. Erwin Staudt und Co. können ein Lied davon singen – gelle.
Sehr große Runde beim netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs
In der Blogosphäre gibt es unendlich viele Beiträge, die auch für Unternehmen interessant sein könnten. Und umgekehrt bieten Blogs viele Schnittmengen, die sich für Kooperationen mit der Wirtschaft eignen: Studien, Überlegungen zur Verbesserung des Kundenservice, How-to-Beiträge über Produkte, Hinweise auf Probleme beim Interface, Experten-Diskurse, Empfehlungen für den Einsatz von Technik und, und, und.
„Von Agenturen und Marketingabteilungen werden Blogs häufig nur als Werbeträger gesehen. Es wird über Reichweiten diskutiert. Dabei steckt in Blogger Relations ein ganz anderes Potenzial: Der persönliche Austausch mit digitalen Vorreitern und die dauerhafte Vernetzung mit Innovatoren“, so die Erfahrung Benjamin O’Daniel, Redakteur für Content Marketing-Projekte. Klickraten, Zielgruppen-Segmentierung, „Platzierungen“ von Werbebotschaften, Mediapläne oder gar bescheuerten Key Performance Indikatoren verseuchen das Verhältnis zu Blogs.
Es geht um thematische Anschlussmöglichkeiten, die nach der Matching- und Hashtag-Logik organsiert werden könnte. So bleiben die Conversion-Schwätzer außen vor und es ergeben sich dennoch neue Geschäftsmodelle für Bloggerinnen und Blogger. Es geht nach Ansicht des Soziologen Klaus Janowitz um vernetzten Individualismus und nicht um ferngesteuerte Clickbaiting-Attacken mit Überschriften, die den Vorgaben der Suchmaschinen-Optimierer folgen:
„Kennzeichnend für die Digitalisierung ist die individualisierte Ansprache: von einer Gesellschaft der Massenmedien zu einer der personalisierter Medien; von breitgestreuter Werbung zum personalisierten Marketing. Es ist das, was Michael Seemann als die Organisationsmacht der Query bezeichnet.“
Die Query ist die Abfrage an eine Datenbank, die Übereinstimmungen auswirft. So können Ressourcen verknüpft und koordiniert werden.
AirBnB-Modell für Blogs
„Etliche der neueren Geschäftsmodelle beruhen darauf: So funktionieren Uber und AirBnB, Dating Apps und unzählige andere. Diese Plattformen vermitteln standardisierte Transaktionen von Anbieter zu Abnehmer, jeder kann Sender und Empfänger, Verkäufer und Kunde sein. Ähnlich ist die Verknüpfung über gemeinsame Merkmale, Interessen, Leidenschaften – in der Sprache des Social Web ein gemeinsamer #Hashtag“, erklärt Janowitz.
Dieses Verbindungsglied fehlt bislang in der Blogosphäre.
„Der Markt für Blogger, Journalisten und alle die mit Content (auch) Geld verdienen möchten, wäre viel größer, wenn er transparenter und einfacher organisiert wird. Gerade weil die Szene so vielschichtig ist, braucht es, eine Plattform, auf der sich Anbieter und Käufer auf Augenhöhe begegnen. So etwas wie Parship für Blogger“, sagte Jan Steinbach vom Startup-Unternehmen Juptr beim netzökonomischen Käsekuchen-Diskurs in Düsseldorf.
„Das ist natürlich etwas naiv zu glauben, dass das so hundertprozentig eintreffen wird. Aber es sollte wenigstens bei der Gestaltung von Plattformen darauf geachtet werden.“
Eine Zusammenarbeit funktioniert generell nur auf Augenhöhe, meint die Journalistin Sabine Hockling:
„Wer mir als Blogger, Plattformbetreiber oder Journalist die Arbeit abnimmt, ist mir im Zweifel egal. Hauptsache, beide Seiten haben die gleichen Vorstellungen von Professionalität, Qualität und Zuverlässigkeit. Auch ist es für mich eine Frage des Know-hows: Welche Möglichkeiten gibt es? Was ist rechtlich sinnvoll und notwendig? Wie sieht eine Bezahlung aus, die den Markt nicht ruiniert? Zudem ist es aber auch eine Frage der Zeit. Wer mit seinem ‚Geschäft’ gut zu tun hat, dem fehlt doch am Ende die Zeit, sich um die Vermarktung zu kümmern.“
Alles, was unter diesem Wert liegt, ist für die Werbebranche irrelevant. So arbeiten zumindest Agenturen, die ich kennengelernt habe. Flattr und Co. funktionieren in Deutschland nur für eine Handvoll Menschen und das sind primär Podcaster. Für Blogger kenne ich kein funktionierendes Beispiel mit signifikanten Einnahmen. Höchstens in Kombination mit Podcasting.“
Auch Diensten wie LaterPay würde die Masse und Verbreitung fehlen. Und die Sponsored Post-Offerten der Agenturen sind meistens Schrott. Warum sich der Plattform-Gedanke, den man vom Autokauf bis zu Immobilien kennt, nicht auch in der Blogosphäre etabliert hat, ist mir schleierhaft. Ein gutes Feld für Gründer. Ausführlich nachzulesen in meiner Gichtlings-Kolumne für The European.
Käsekuchen-Diskurs über Eco- und Ego-Strategien im Netz
Meine Website, meine Kontrolle über Content, meine Online-Marketing-Strategie, mein Link, meine Wagenburg – mit dieser egozentrischen Sichtweise kann man im Social Web schon lange nicht mehr punkten. Dennoch sprechen Berater, Verleger und Marketingmanager inflationär von Zielgruppen, Segmentierungen und KANÄLEN. Man läuft einer dümmlichen Schimäre der Übersichtlichkeit hinterher, die man angeblich über das Management von „Kanälen“ steuern kann. Diese Klarheit ist im Netz verschwunden. Und das wusste schon der von mir vielfach zitierte Zettelkasten-Soziologe Niklas Luhmann, obwohl er nie mit der digitalen Sphäre in Berührung kam – seine Werke erarbeitete er mit einem Karteikarten-Kombinatorik-System. Es gebe keine klar identifizierbaren Sender und Empfänger mehr, betont Luhmann:
“Mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird.”
Oder in den Worten des Luhmann-Schülers Dirk Baecker:
„Wir bekommen es mit unwahrscheinlichen Clusterbildungen, mit seltsamen Verknotungen von Geschichten, Milieus, Leuten und Organisationen zu tun, mit Possen, die die Gesellschaft durchkreuzen, ohne dass man wüsste, woher sie kommen und wohin sie verschwinden.“
Daran ändern auch die Manipulatoren und Clickbaiter des Netzes nichts, die mit durchsichtigen Tricks die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. User durchschauen recht schnell, wenn man versucht, ihr Handeln in bestimmte Bahnen zu lenken – auch wenn Volkspädagogen ständig das Gegenteil herunterleiern. Es gibt wohl ein elementares menschliches Bedürfnis, mit Gründen überzeugt, statt mit Reizen gesteuert zu werden. Den Faktor Unberechenbarkeit können auch die LEAD-SEO-ONE-TO-ONE-PROPAGANDA-ALCHEMISTEN nicht vom Tisch räumen.
Für die Silo-Strategen ist das eine bittere Erkenntnis. Denn es reicht schon lange nicht mehr aus, Lockmittel im Netz zu verbreiten, um Nutzer auf die eigene Website zu bringen. Buzzfeed-Chef Jonah Peretti hat das kapiert und geht mit seinen Inhalten dort hin, wo sie auch rezipiert werden.
Peretti schaut nicht mehr aufs einzelne Werk, er betrachtet ausschließlich das Netzwerk.
„Und deshalb zählt für ihn auch nicht mehr nur der monetäre Umsatz, den man durch die Vermarktung oder den Verkauf von Werken machen kann. Er will Netzwerk-Effekte erkennen, diagnostizieren und vorhersagen (na sagen wir mal lieber ‚erahnen‘, gs). In diesem mit dem Begriff ‚Daten‘ unzulänglich beschriebenen Bereich liegt das Geschäftsmodell von Buzzfeed“, schreibt Dirk von Gehlen.
Inhalte werden verschenkt, um im Gegenzug Daten zu sammeln.
Buzzfeed wird also verstärkt Inhalte direkt auf den Plattformen einstellen, anstatt Links zu posten.
„Das Unternehmen habe sogar ein eigenes Team namens ‚BFF‘ gegründet, das nur damit experimentiere, wie man Inhalte dort verbreiten könne, wo die Nutzer aktiv sind – sei es Instagram, Pinterest, Facebook oder Twitter –, ohne die Erwartung, dass die Nutzer darüber auf die Buzzfeed-Website gelangten“, so Online Marketing Rockstars.
Wo die Inhalte angezeigt werden, entscheidet das Rezipienten-Verhalten. Da empfiehlt sich keine Einweg-Politik. Auch der Verzicht auf eigene Websites wäre kurzsichtig. Es wird auch irgendwann eine Post-Facebook-Ära geben. Zudem dürfen die Risiken nicht verschwiegen werden, etwa die AGB-Restriktionen der Silicon Valley-Puritaristen. Gebot der Stunde: Plattform-Neutralität.
Die radikale Gegenposition vertritt FAZ-Online-Chef Mathias Müller von Blumencron in seinem Beitrag „Facebook will das Internet für sich allein“. Wer will das nicht 😉 Es wird wohl niemand so blöd sein, Informationen nur noch über das Zuckerberg-Imperium zu platzieren.
Beim Käsekuchen-Diskurs des Netzökonomie-Campus haben wir das in aller Ausführlichkeit behandelt – übrigens wird da in alter Werner-Höfer-Frühschoppen-Tradition auch geraucht.
Weitere Meinungen würde ich gerne in Interviews via Hangout on Air einfangen. Meldet Euch hier über die Kommentarfunktion oder direkt via E-Mail unter gunnareriksohn@gmail.com
Interessant auch der Beitrag von Roman Rackwitz als Nachlese zur Käsekuchen-Runde in Köln, bei der er live aus München zugeschaltet wurde: Return on Attention vs Return on Investment.
Von Professor Rupert Hasenzagl gibt es eine vernichtende Prophezeiung für das Management:
„Wir bedienen uns derzeit eines toxischen Systems und fahren mit 300 Stundenkilometer gegen die Wand.“
Wir könnten uns noch gar nicht vorstellen, wo wir in fünf Jahren stehen würden, weil uns die Dimensionen fehlen. Weil wir uns in einem enormen Umbruch befänden. Weil Unsicherheit und Angst zunähmen. Weil es vielen Managern an der Profession fehlt, um die Komplexität zu erfassen. Stattdessen würden wir die Dosis an Macht und Bürokratie erhöhen. In diesen bürokratischen Organisationen gedeiht eine trügerische Rationalitätsfantasie. Sie verschanzt sich hinter Controlling-Kennzahlen, Erbsenzähler-Monitoring-Systemen, ISO-Normen, Zertifikaten, Testaten und sonstigen Hilfsmitteln der Planungsgläubigkeit.
Der britische Soziologe Michael Power vertritt die These, wir lebten in Audit-Gesellschaften, in denen immer mehr beobachtet und immer weniger gehandelt wird. Sozusagen eine Evaluations- und Buchführungs-Diktatur. Nachzulesen in dem äußerst bemerkenswerten Opus „Leben im Büro“ von Christoph Bartmann – erschienen im Hanser Verlag. Der Autor erkennt im „modernen“ Management von Staat und Wirtschaft eine Tendenz zu einer neureligiösen „Fähigkeitsmystik“. Die Adepten dieser Wunder-Ideologie schwallen in endlosen Monologen von perfekter Prozessoptimierung und Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Ganze Heerscharen von Beratern ernähren sich vom Verkauf von Inspektionen, Audits, Testaten, Analysen, Klassifikationen und Zertifikationen.
Im sogenannten New Public Management gedeiht eine Neo-Bürokratie, die den Bürokratieabbau mit neuer Bürokratie übersät.
„Der flächendeckende Einsatz von NPM lässt eine Audit-Gesellschaft entstehen, in der die Rechenschaftslegung und Evaluation von Tätigkeiten einen solchen Umfang annimmt, dass die Tätigkeiten selbst von dem Zwang zur Berichterstattung und dem Aufwand der Evaluation deformiert und überfrachtet werden und so ihren ursprünglichen Sinn und Zweck verlieren“, schreibt Richard Münch in seinem Buch „Globale Eliten, lokale Autoritäten: Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co.“
Wo das hinführt, dokumentiert „FAZ“-Redakteur Carsten Knop in einer Story über die Kapitulation eines Bankberaters. So werden die Kunden mit einem Protokollwahnsinn überzogen, um vor unsicheren Finanzprodukten geschützt zu werden. Als Ergebnis bleiben frustrierte Angestellte und verwirrte Verbraucher zurück, die tonnenweise Papierstapel entsorgen müssen.
Das Ganze wird von einem Mehltau an Sprachregelungen, Leerformeln, Zielen, Strategien und operativen Handlungsanweisungen überzogen. Wichtigtuerei, gesteuert von einem rhetorischen Autopiloten – programmiert von Consulting-Päpsten, die sich mit Binsenweisheiten über Wasser halten.
Besonders auffällig ist das Regime der Neo-Bürokraten im Online-Marketing. Wer den LEAD-SEO-ONE-TO-ONE-Propaganda-Alchemisten etwas genauer auf die Finger schaut, entdeckt semantische Nebelschwaden und Fata Morgana-Effizienz-Messungen. Es sind seelenlose Technokraten, die uns wie weiße Mäuse im Versuchslabor betrachten und uns mit ihren dümmlichen A/B-Testverfahren dressieren wollen.
Die Heilsversprechen der Marketing-Technokraten
Am Schluss sollen dann „Leads generiert“ werden für Mailingaktionen, um den Auftraggebern und Vorständen irgendeine Conversion-Response-Statistik-Sauce zu präsentieren. Hauptsache die Zahlen klingen optimistisch: Im Bürokraten-Duktus der Software-Anbieter werden umfassende Funktionen wie E-Mail-Marketing, Landing Pages und Formulare, Kampagnen-Management, Lead-Pflege und Lead-Bewertung, Management der Lead-Lebensdauer, CRM-Integration, Social-Marketing-Funktionen sowie Marketing-Analytics als Heilsversprechen an Unternehmen verkauft, die damit effektiv und effizient ihren ROI (hat nichts mit Siegfried zu tun, sondern steht für Return on Investment) berechnen, Umsätze steigern und Gewinne in die Höhe treiben. Alles klar?
Das „individuelle“ Gespräch mit Kunden übernehmen lernende Algorithmen, die das Zielsubjekt automatisiert bewerten und mit Kampagnen bespielen, weil ja alles so schön im System vorhersagbar sei. Entsprechend ändert sich die Marketingdisziplin immer mehr zu einem technischen Beruf, „der den souveränen Umgang mit technologischen Lösungen erfordert“, heißt es in einer Hochglanzbroschüre.
Steuerungslehre statt gute Gespräche
Die Kunst des guten und offenen Gesprächs, die man im Internet ohne Barrieren führen kann, wird durch eine Rückkehr zur alten Denke der kybernetischen Steuerungslehre von Sender-Empfänger-Modellen ersetzt. Während sich draußen alles vernetzt, vertrödeln drinnen in den Unternehmen die Manager mit verbrauchten Ritualen aus dem vergangenen Jahrhundert wertvolle Zeit, kritisiert Anne M. Schüller, Autorin des Buches „Das Touchpoint-Unternehmen“. Auch wenn nun Software und digitale Technologien zum Einsatz kommen, stecken hinter den Marketing-Mauern immer noch Topdown-Formationen, Insellösungen, Hierarchiegehabe, Budgetierungsmarathons, Anweisungskultur, Kontrollitis und Kennzahlen-Manie. Eine fossile Gesinnung mit einem etwas moderneren Anstrich. Mitarbeiter kommen in solchen Abbildungen nicht vor – sie sind Fußvolk und werden in den Schubladen der verschiedenen Abteilungen verwaltet. Und die Kommunikation zu den Kunden läuft über so genannte „Kanäle“ – also was man so früher darunter verstanden hat mit klar identifizierbaren Sendern und Empfängern.
„Mit stolzer Brust wird zwar über Multichannels geredet und mit Crosschannel-Expertise geprotzt, doch aus Sicht der Kunden betrachtet crosst gar nichts”, kritisiert Schüller.
Formalismen, Kommandostrukturen, Kontroll- und kundenfeindlicher Standardisierungswahn seien die größten Bremsklötze. Die Zahlenhörigkeit vieler Führungsgremien ist geradezu abstrus:
„Oft genug wird ganz fanatisch das Falsche getan, Hauptsache, es kann gemessen werden. Und Manipulationen zum eigenen Vorteil sind Normalität. Dem Kennziffernjoch kann niemand entkommen. Selbst die Mitarbeiterperformance wird nun über Dashboards und Cockpits gesteuert, so, als ob Menschen Maschinen wären, bei denen man die Anzahl der Umdrehungen misst.”
Die Dominanz der Sozialanalphabeten
Reportings und Budgetierungsverfahren, durch die ab September die halbe Firma in Lähmung verfällt, fressen noch mehr Ressourcen.
„Bisweilen kommt mir das vor wie ein Beschäftigungsprogramm für Sozialanalphabeten. Denn solange man mit Zahlenklauberei zugange ist, muss man sich nicht mit den Menschen befassen”, führt Schüller weiter aus.
Aber was passiert auf der Kundenseite, die die Sozialingenieure über Maschinen dirigieren wollen? Werden wir als Empfänger dieser technokratischen Botschaften und hoch manipulativen Selektionsverfahren, die Facebook und Co. an uns ausprobieren, zu willenlosen Opfern von Nasenring-Systemen? So blöd sind die Nutzer vielleicht gar nicht, um die Psychotricks der Online-Werber und Marketing-Maschinisten zu durchschauen. Es reicht eine negative Erfahrung und die Lernkurve geht steil nach oben. Irgendwann kommt hinter jeder Kampagne, hinter jeder dümmlichen Lead-Generierung via A/B-Testverfahren die Stunde der Wahrheit, wo man als Konsument die Dienstleistung oder das Produkt beurteilen sowie die technokratischen Kampagnen, Algorithmen und Verfahren zur Suchmaschinen-Optimierung als heiße Luft entlarven kann. Spätestens dann erkennt man die verstümmelten Arme der Datenkraken, die uns im Netz bis zum virtuellen Exitus verfolgen. Heute versandet die Penetranz der Stalking-Systeme schneller als zu Zeiten der heiligen Inquisition, wo Ungläubige, die nicht parierten, gefoltert, gevierteilt oder verbrannt wurden.
Die Steuerung der digitalen Inquisition scheitert schon in dem Moment, wo man ihre Instrumente durchschaut. Das Bekanntwerden von Psycho-Methoden und Automaten-Systemen reicht aus, um ihre Geltung sowie Wirksamkeit außer Kraft zu setzen. Hühner haben es da schon schwerer, den Fangapparaten zu entkommen.
Die Sozialingenieure in der digitalen Sphäre vertreten mit ihren Tricks und Manipulationen ein fragwürdiges Weltbild. Ob bei der Suchmaschinen-Optimierung, der Anzeigen-Berieselung über Cookies, der Lead-Generierung für sinnlose Mailingaktionen, der Klick-mich-Aktionen von Facebook & Co. oder sonstigen Du-bist-eine-weiße-Maus-für-unsere-Zahlenspielchen-Strategie: Für mich sind es Maschinisten, die einem Weltbild nachlaufen, wie es der Engländer Thomas Hobbes vertrat. Siehe auch: Das Internet und die Massenmanipulation – Kann man nicht nicht manipulieren?
Hobbes machte sich eine bereits gängige Vorstellung aus dem 16. Jahrhundert zu eigen, wenn er zu verstehen gab, der Staat, der Zusammenschluss der Menschen zu einer Einheit, eben der „Staatskörper“, sei wie jeder Körper eine Maschine, ein von einem Uhrwerk angetriebener Automat. Die Rechenschieber-Fraktion im Online-Marketing ist von diesem Theoretiker des politischen Absolutismus nicht weit entfernt. Menschliches Verhalten im Kleinen und im Großen zu steuern, ist ein Münchhausen-Projekt:
„Bei Kalkülen, die zukünftige Ereignisse betreffen, handelt es sich nicht, wie bei statistischen Aussagen über gegenwärtige Verteilungen, um empirisch nachprüfbare Tatsachen, sondern um Wetten“, bemerkt der Schriftsteller und Mathematik-Kenner Hans Magnus Enzensberger in seiner Schrift „Fortuna und Kalkül“, erschienen in der edition unseld.
Es wuchert die Ungewissheit hinter einem Schleier von vermeintlicher Eindeutigkeit, die mit unseriöser Empirie unterlegt wird.
Die Ergebnisse der Datenjongleure sind niederschmetternd: Menschliche Interaktionen führen zu einer unabsehbaren Zahl von Rückkopplungen, bei denen die Menge der Variablen exponentiell ansteigt.
„Exakte Gleichungen versagen vor solchen Aufgaben. Bereits für grobe Annäherungen wäre ein utopischer Rechenaufwand nötig, um die Reflexivität von ökonomischen und politischen Systemen zu messen“, erläutert Enzensberger.
Elena Esposito kommt in ihrer Schrift „Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität“ zu einem ähnlichen Urteil. Bei prognostischen Aussagen, die auf Wahrscheinlichkeitskalkülen beruhen, handelt es sich grundsätzlich um Fiktionen. Zukünftige Ereignisse treten nämlich nicht zu neun oder zu 99 Prozent, sondern entweder ganz oder gar nicht ein.
Man könne bestenfalls das voraussehen, von dem man wenigstens weiß, dass man es noch nicht weiß, meint Rudolf Burger in einem Beitrag für den Merkur-Sammelband „Macht und Ohnmacht der Experten“:
„Aber die Masse dessen, was man noch nicht weiß, weiß man derart nicht, dass man nicht einmal weiß, dass man es nicht weiß, wie es in der klassischen Fassung bei Aristoteles heißt.“
Zu dieser Einsicht kam auch der fragwürdige ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, als er in einer Pressekonferenz zum Irak-Debakel von den „unknown unknowns“ sprach.
Um sich diese Peinlichkeiten zu ersparen, könnten die SEO-Targeting-Tracking-Cookie-Bubis einfach in ein Schreibwarengeschäft gehen und Utensilien zum Nachbau der Logik-Maschine von Raimundus Lullus kaufen. Er hatte so um 1300 auf dem mallorquinischen Berg Randa den göttlichen Auftrag empfangen, die Ars Magna zu verfassen. Entstanden ist eine computertaugliche Logiktafel – quasi eine logische Maschine zur Produktion von Aussagen mittels einer permanent sich differenzierenden und fragenden Reflexion. Ein Instrument zum Finden und Erfinden, zum Prüfen und Bestimmen, zum Entwerfen und Erobern neuer Räume des Denkens. Ein steter Kampf gegen das Ungewisse, gegen den Zweifel am Wissen. Nachzulesen in der exzellenten Arbeit von Werner Künzel und Peter Bexte: „Allwissen und Absturz – Der Ursprung des Computers“.
Die Bastelarbeit an dem Lullus-Supercomputer dürfte so für 20 Euro zu haben sein. Am Ende entsteht eine Denkmaschine für Spiel, Assoziation und Erfindungskunst, die übrigens Gottfried Wilhelm Leibniz zur Konzeption des binären Zahlensystems anregte.
Den Bau des Ars-Magna-Apparates könnte man auch mit einem Urlaub auf Mallorca und einer Besichtigung des Lullus-Klosters verbinden, statt sich auf die LEAD-SEO-ONE-TO-ONE–Propaganda-Alchemisten einzulassen. Das Beratungsgeld sollte man lieber für Bildungsreisen ausgeben. Mehr zum Thema erscheint in meiner The European-Mittwochskolumne.
„Die Kunden wollen uns nicht am Telefon, sondern dort, wo soziale Austauschprozesse stattfinden. Sie beobachten, wie wir mit User-Feedback umgehen“, so das Credo von Michael Buck, Director Online Marketing bei Dell.
Der Kunde solle näher an das Unternehmen herangebracht werden. Es müsse mehr Zugangspunkten zu den Entscheidern geben. Dabei gehe es nicht nur um die Ansprechbarkeit des Servicepersonals, sondern auch um die Führungskräfte. Nicht nur die Dienstleistungen werden auf die neuen Anforderungen der digitalen Beteiligungsökonomie trainiert:
„Unsere gesamte Organisation richtet sich darauf aus – vom Ingenieur bis zum Vorstandschef. Jeder wird darauf vorbereitet, mit Kunden in Kontakt treten zu können. Die Öffnung des Unternehmens bedeutete für uns eine Kulturrevolution“, so Buck im Interview mit dem Ich sag mal-Blog.
Das bestätigt auch Medienprofessor Jeff Jarvis in seinem Opus „Was würde Google tun?“: Kunden müssten sich bei Dell nicht mehr als Sisyphus in der Warteschleife herumplagen, sondern werden direkt in die Verbesserung der Produkte und Services einbezogen. Etwa mit der Gründung des Blogs Direct2Dell oder der Website IdeaStorm.
Blogger werden ernst genommen
„Wir haben neue Formen der Kommunikation entwickelt, um kompetent und ohne Zeitverzögerung die Kunden zu beraten. Skriptgesteuerte Pappfiguren, die nur ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ antworten können, haben da nichts zu suchen. Die Dialoge im Social Web-Zeitalter finden in der Öffentlichkeit statt und entsprechend qualifiziert müssen unsere Mitarbeiter sein, um hier nicht unterzugehen. Wir haben einen Chief Listening Officer eingeführt. Das ist eine Führungskraft, die direkt am Vorstand von Dell angesiedelt und extrem gut vernetzt ist. Sie besitzt Führungskompetenzen über das gesamte Unternehmen und kann eine komplett neue Metrik für die komplette Organisation entwerfen, wenn es die Umstände erfordern“, so Michael Buck.
Sozusagen ein Horchposten für die vernetzten Services des Computerherstellers.
Noch heute sei man übrigens mit Jeff Jarvis in einem guten Kontakt.
„Die Pressekommunikation ist nach der Auseinandersetzung mit dem Buzzmachine-Blogger umgestellt worden. Die Blogosphäre ist für Dell enorm wichtig, wenn es um neue Produkte, Services und Anfragen geht. Hier werden Blogger gleichberechtigt gesehen“, erläutert Buck.
Produktverbesserungen: Negative Resonanz besser als gar keine
Der besondere Wert beim Social Media-Monitoring liegt für ihn in der Möglichkeit, schon nach Stunden eines weltweiten Produktstarts festzustellen, wie das Produkt aufgenommen und diskutiert wird.
„Ein Produkt, das nicht über ein Rating von zwei Sternen kommt, nehmen wir aus dem Katalog. Wir messen alles und Kundenbewertungen sind für uns extrem wichtig“, so der Online Marketing-Manager. Es sei nachweislich so, dass Produkte, die über ein soziales Rating verfügen, sich generell besser verkaufen, als Produkte ohne Rating. Er geht sogar so weit zu sagen: „Auch eine schlechte Bewertung ist besser als gar keine.“
Im Social Web werde genau darauf geachtet, wie man auf negative Rezensionen von Kunden reagiert. Wenn gar keine Reaktionen auf neue Produkte folgen, sei das noch viel schlechter als negative Meinungsäußerungen. Ohne Resonanz könne man nicht besser werden.
„Unser Ziel ist es, auf Basis des Kunden-Feedbacks mit den Ingenieuren die Produkte so zu verbessern, dass sie fünf Sterne bekommen“, sagt Buck.
Dass die Social Media-Plattformen und mobile Apps in Deutschland noch so wenig von Unternehmen für den Kundenservice genutzt werden, kann Buck nicht nachvollziehen:
Die Relevanz von Social Media für Unternehmen hat wohl der Mittelstand mittlerweile verstanden, wie eine Bitkom-Studie belegt: Mittelstand setzt auf soziale Medien.
Fragwürdige Interpretationen von unbestimmten Rechtsbegriffen, antizipierte Verwaltungspraxis im Hinterzimmer, Bußgeldandrohungen, selbstherrliches Auftreten, Profilierungsneurosen und Anmaßung: Die Staatsaufseher des Datenschutzes von Bund und Ländern machen sich bei Rechtsexperten, Marketingmanagern, Wirtschaftsverbänden und der digitalen Wirtschaft derzeit unbeliebt. Einen unrühmlichen Höhepunkt dokumentierte kürzlich Spiegel Online: „Keine Google-Anzeigen, weg mit dem Zählpixel: Niedersachsens Datenschützer rüttelt an den Grundfesten der Online-Wirtschaft – und will die Weitergabe von IP-Adressen erschweren. Sollte er sich durchsetzen, wäre es mit Internetwerbung erst mal vorbei.“
Auslöser der Staatseingriffe ist in der Regel die These der Datenschützer, dass IP-Adressen bereits personenbezogene Daten darstellen. Daher müssten den Betroffenen Widerspruchsmöglichkeiten eingeräumt werden. Sollte sich diese Einschätzung auf breiter Front durchsetzen, wären weite Teile der deutschen Web-Landschaft unrechtmäßig, so die Wertung von Spiegel Online.
Das Vorgehen der Datenschützer, vor allem in den norddeutschen Bundesländern, sei nur die Spitze des Eisberges, sagt Dr. Michael Wüllrich von der Bonner Kanzlei Schmitz Knoth Rechtsanwälte im Interview mit dem Düsseldorfer Fachdienst MarketingIT. „Das Ganze hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für Firmen wie Google. Hier ist die Verwertung der IP-Adressen für den Geschäftsbetrieb unverzichtbar.“ Ob die Rechtsauffassung des so genannten Düsseldorfer Kreises, einem informellen Zusammenschluss von Datenschützern aus Bund und Ländern, richtig sei oder nicht, müsste höchstrichterlich entschieden werden. „Die Auslegung der Gesetze ist Sache der Gerichte. Es fehlt allerdings eine einheitliche Linie. Wir haben eine unklare Rechtslage und unterschiedliche Entscheidungen von Gerichten“, moniert Wüllrich, Fachanwalt für gewerblichen Rechtschutz.
Aktuell könne man mit gutem Gewissen die Wertung vornehmen, dass IP-Adressen keine personenbezogenen Daten sind – auch wenn der Düsseldorfer Kreis das Gegenteil behauptet. Dann sollten doch die Datenschützer Wahlbrink oder Kasper mit ihren Bußgeldandrohungen weitermachen. Eine endgültige Klärung bekomme man nur vom BGH oder Bundesverwaltungsgericht. Für die digitale Wirtschaft wäre es ratsam, es auf Klagen ankommen zu lassen. „Gegen die Verfügungen der Datenschützer sollten in jedem Fall Rechtsmittel eingelegt werden. Hier muss die Internet-Branche einheitlich vorgehen und verhindern, dass es zu bestandskräftigen Entscheidungen kommt“, rät Wüllrich. Den ersten richtig guten Fall, wie in Niedersachsen, dürfe die digitale Wirtschaft nicht lapidar begleiten. Hier müssten die Interessen aller Unternehmen gebündelt werden. Die Nutzer der IP-Adressen sollten einen Gegenpol zum Düsseldorf Kreis organisieren.
Die Komplexität der heutigen Medienlandschaft, vor allem der digitalen, erfordert nach Auffassung des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) ein tiefergehendes Verständnis für technische Prozesse und die Mediennutzungsanforderungen der Anwender. „Hier wünschen wir uns einen intensiveren Dialog, so dass ein beiderseitiges Verständnis besser möglich ist. Womit wir aber nicht einverstanden sind, ist, dass ein grundsätzliches Misstrauen gesät und eine staatliche Regelungsbedürftigkeit gegenüber grundlegenden Themen der Entwicklung des Internets gefordert wird. Industrie und Internetnutzer haben ein Recht auf ein innovatives Internet“, sagt Thomas Schauf, Projektleiter Selbstkontrolle Online-Datenschutz beim BVDW, gegenüber MarketingIT.
Link zur kompletten Story liefere ich nach. Danke an die Experten für die Unterstützung 🙂
Faktisch gibt es allerdings eine Bindungswirkung, weil es sich um eine „antizipierte Verwaltungspraxis“ handelt. Antizipierte Verwaltungspraxis ist ein schöner Ausdruck für die Aufweichung der Gewaltenteilung, die wir in Deutschland erleben: Die Parteien fungieren zunehmend als Staatsträger und bauen ihren Einfluss auf die Verwaltungen aus. Die Ministerialbürokratie übernimmt im Gegenzug immer mehr Funktionen der Gesetzgebung. Ja richtig gehört, liebwerteste Gichtlinge des Düsseldorfer Kreises, es gibt auch die eine Gesetzgebung, eine Legislative, die die Grundlage für Verwaltungshandeln schafft. Wohin die Staatsbürokraten-Herrlichkeit hinführt, kann man an den selbstherrlichen Auftritten des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar erkennen. Nur weil zufällig die deutsche Firmenzentrale von Google in Hamburg liegt, inszeniert er sich als Hüter von Hausfassaden und Gartenzäunen im Kampf gegen Street View oder als Bewahrer der Privatsphäre in seiner Kampagne gegen Tracking-Software. Wenn Parlamente die Exekutive unzureichend kontrollieren, sollten das die Bürger in die Hand nehmen. Auch der Düsseldorfer Kreis hat ein Watchblog verdient. Wie nötig das ist, belegt ein Bericht von Spiegel Online: „Keine Google-Anzeigen, weg mit dem Zählpixel: Niedersachsens Datenschützer rüttelt an den Grundfesten der Online-Wirtschaft – und will die Weitergabe von IP-Adressen erschweren. Sollte er sich durchsetzen, wäre es mit Internetwerbung erst mal vorbei.“
Eure Meinung interessiert mich zu diesem Thema. Story wird in der nächsten Woche im Fachdienst MarketingIT erscheinen.
Ich hatte hier bereits verkündet, dass ich in der nächsten Woche am 1. und 2. Juni die AdWords Days moderiere. Ein absoluter Experte bin ich ja nicht. Für die Diskussionsleitung aber keine schlechte Voraussetzung. Dann werden die richtigen Fragen gestellt 😉
Schaut man sich die deutsche Wirtschaft an, so gibt es wohl viele Firmen, die sich noch nicht sehr intensiv mit Google-AdWords beschäftigt haben. Das wird dann wohl auch bei einigen Konferenzteilnehmern so sein, sonst würde sich der Besuch der Tagung ja auch nicht lohnen. Siehe auch den Artikel, der auf NeueNachricht erschienen ist.
Auszug: „Manager und Unternehmer sollten sich die Chance nicht entgehen lassen, die wichtigsten Experten der AdWords-Beraterszene zu erleben und sich in einem Crashkurs fit zu machen für Direktmarketing-Strategien im Web“, erläutert der Kongressorganisator Ingo vom Hoff. Zu den Top-Referenten zählt Howard Jacobson, Mitglied der Perry Mashalls AdWords-Coaching-Fakultät: „Da ein Klick schon ab einem Cent zu haben ist, und jeder Klick zu einem Umsatz führen kann, haben sogar kleine Unternehmen, deren Finanzdecke klein ist, mit AdWords eine effektive Möglichkeit zu wachsen, ohne dass sie ein Vermögen für Werbemaßnahmen ausgeben müssen. Bislang werde diese Werbemöglichkeit vom Mittelstand nur wenig genutzt.
„Die Bezahlung pro Klick kombiniert mit der ungewöhnlichen Art des Direct-Response-Marketings hat bisher die meisten kleinen Firmen von den möglichen Vorteilen von AdWords ferngehalten. Aber auch die Marketingspezialisten in den großen Unternehmen können sich nur langsam an dieses Modell gewöhnen, sind sie doch im Bewerben von Marken geschult, bei dem es nur wenig Platz für ein Medium wie AdWords gibt, in dem der Erfolg messbar ist“, sagt Jacobson. Unternehmen könnten in fünf Minuten für fünf Euro ein Konto bei bei AdWords eröffnen. „Sie können Ihre Anzeige jederzeit ändern. Sie können unprofitable Anzeigen mit einem einzigen Mausklick löschen. Sie können mehrere Anzeigen gleichzeitig schalten und genau ermitteln, mit welcher Sie das meiste Geld verdienen. Sie können sogar Kunden in einzelne Gänge und Regale Ihres Geschäfts schicken, je nachdem, wonach diese suchen. Und Sie können im Laufe der Zeit immer mehr Erfahrungen sammeln, bessere Anzeigen formulieren, sie unter immer mehr und besser passenden Rubriken platzieren, bestimmte geografische Bereiche auswählen und andere aussparen. Wenn Ihre Anzeigen gut laufen, können Sie sogar Google davon überzeugen, sie als Onlinezeitungs- oder -zeitschriftenanzeige zu platzieren, sie neben bestimmte Orte auf den Google Maps zu setzen oder sie auf Mobiltelefone zu überspielen – ganz automatisch“, führt Jacobson aus.
Es wird auch ein Vertreter von Google anwesend sein – neben den vielen anderen Experten der AdWords-Szene: Habt Ihr noch Anregungen oder Fragen, die ich als Moderator in der nächsten Woche aufnehmen sollte? Dann direkt an mich schicken oder als Blogkommentar posten: gunnareriksohn@googlemail.com.
1. Tag – 01. Juni 2010
Begrüßung durch Gunnar Sohn, Ihren Begleiter durch die AdWords Days 2010
Zeit: 09.00 Uhr | Referent: Gunnar Sohn
Die Bedeutung von Suchmaschinen-Marketing im Marketing Mix
Zeit: 09.15 Uhr | Referent: Harald Fortmann
So wird Ihre AdWords-Kampagne unschlagbar erfolgreich, Teil 1
Zeit: 09.45 Uhr | Referent: Howard Jacobson | Sprache: Englisch
So wird Ihre AdWords-Kampagne unschlagbar erfolgreich, Teil 2
Zeit: 11.30 Uhr | Referent: Howard Jacobson | Sprache: Englisch
Kapagnenoptimierung in der Praxis
Zeit: 14.00 Uhr | Referent: Christian Schlieker
Leadgenerierung über AdWords: Hohe Qualität + niedrige Kosten
Zeit: 15.00 Uhr | Referent: Robin Heintze
Landingpage: Datenschutz und andere Sorgen
Zeit: 16.30 Uhr | Referent: Jens Eckhardt
Effizienz im Online-Marketing – Neues aus der Welt von Google
Zeit: 17.30 Uhr | Referent: Patrick Singer
2. Tag – 02. Juni 2010
Site-Klinik!
Zeit: 09.00 Uhr | Referent: Thomas Bindl, Robin Heintze, Stefan Wolk, Christian Schlieker
Begrüßung durch Gunnar Sohn, Ihren Begleiter durch die AdWords Days 2010
Zeit: 10.00 Uhr | Referent: Gunnar Sohn
So wird Ihre AdWords-Kampagne unschlagbar erfolgreich, Teil 3
Zeit: 10.10 Uhr | Referent: Howie Jacobson | Sprache: Englisch
Optimierungsansätze für Google AdWords in Onlineshops
Zeit: 12.00 Uhr | Referent: Stefan Wolk
Von Werbekosten zu Werbeinvestitionen – und wie Sie Google AdWords zur hochrentablen Neukundengewinnung nutzen.
Zeit: 14.30 Uhr | Referent: Thomas Bindl
Get Social! – Social Media Lösungen für Unternehmen
Zeit: 15.45 Uhr | Referent: Gunnar Sohn, Benedikt Köhler
Verabschiedung durch Gunnar Sohn
Zeit: 16.45 Uhr | Referent: Gunnar Sohn
1. Tag – 01. Juni 2010
08.30 Uhr
Empfang, Kaffee und Tee Ausgabe der Tagungsunterlagen
09.00 Uhr
Begrüßung durch Gunnar Sohn, Ihren Begleiter durch die AdWords Days 2010
09.15 Uhr
Harald Fortmann, Vizepräsident Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. und Geschäftsführender Gesellschafter Yellow Tomato GmbH
Die Bedeutung von Suchmaschinen-Marketing im Marketing Mix
Suchmaschinen-Marketing gewinnt immer mehr Bedeutung im Marketing Mix, insbesondere mit Offline Werbemaßnahmen.
09.45 Uhr
Howard Jacobson
So wird Ihre AdWords-Kampagne unschlagbar erfolgreich, Teil 1
Ihr Markt
Wie Sie für IHREN MARKT die richtige AdWords-Strategie finden
So erkennen Sie, was Ihrem Markt WIRKLICH möglich ist
Konkurrenzbeobachtung und -analyse: So schlagen Sie den Wettbewerb
Ihre Zielgruppe
Die besten Keywords für Ihre Zielgruppe finden
Wonach Ihre Zielgruppe sucht und wie sie Sie findet
Vom Suchen zum Gefunden werden
Ausgefeilte Profitechniken für hart umkämpfte Märkte
Festlegen, wo und wann Ihre Anzeigen erscheinen
11.00 Uhr
Kaffeepause
11.30 Uhr
Howard Jacobson
So wird Ihre AdWords-Kampagne unschlagbar erfolgreich, Teil 2
Kampagnen erfolgreich steuern
Sie können die Einstellungen für eine AdWords-Kampagne so festlegen, dass sie sich auf die Suchfunktion richtet (ausschließlich auf die Ergebnisse der Suchmaschine), auf das Content-Werbenetzwerk von Google oder auf eine Kombination aus Such- und Content-Websites. Doch was ist wann am besten?
Such-Kampagnen: Wie auch nur diejenigen klicken, die bei Ihnen klicken sollen
Content-Kampagnen: So pushen Sie Ihren Traffic nach vorne
Geomarketing mit Goggle AdWords: Wie Sie sich in regional begrenzten Märkten erfolgreich bewegen
Die Aufteilung Ihrer geografischen Märkte in AdWords-Kampagnen erleichtert die Ermittlung des Return on Investment (ROI) jeder Region in Google Analytics. Nutzen Sie diesen Weg zur Optimierung
Keyword Strategien
Die optimale Keyword-Strategie für Ihre Produkte und Angebote
Wie Sie mit Negativ-Keywords bessere Conversion-Rates erzielen
Anzeigengestaltung für Google AdWords
Mit zahlreichen Best-Practice-Beispielen
Anzeigenpositionierung
So tickt Google – und so bekommen Sie einen Spitzenplatz
13.00 Uhr
Mittagspause
14.00 Uhr
Christian Schlieker, construktiv GmbH
Kapagnenoptimierung in der Praxis
Vorstellung von Wegen wie Sie Ihr Budget besser ausschöpfen und die Kampagnenleistung verbessern können
Optimierung von Keywords und Schaltungsoptionen
Zusammenspiel zwischen Google AdWords und Webcontrolling
Testszenarien in der Praxis
Grundlagen des Testens
A/B Tests
Multivariate Tests
15.00 Uhr
Robin Heintze, More-Fire Media
Leadgenerierung über AdWords: Hohe Qualität + niedrige Kosten
AdWords als Motor für Ihre Leadgenerierung
So holen Sie nur die richtigen Clicks für Leads
Lead & Brand: Nutzen Sie Ihre Marke zur Leadgenerierung
B2B Leads: So holen Sie gezielt Business-Leads
16.00 Uhr
Kaffeepause
16.30 Uhr
Jens Eckhardt, Yuconomy
Landingpage: Datenschutz und andere Sorgen
Landingpage – Was darauf sein muss und was nicht darauf sein darf.
Datenschutz – Hindernis bei der Gestaltung von Landingpages?
Privacy Policy und Impressum – Inhalt und Erreichbarkeit über die Landingpage
Disclaimer – sinnvoll oder sinnlos?
Werbe-Opt-In – erforderlich und beweisbar?
17.30 Uhr
Patrick Singer, Google Deutschland
Effizienz im Online-Marketing – Neues aus der Welt von Google
neue Funktionen von Google AdWords
Tools für die Kampagnen-Planung
Tools zur Analyse von Kampagnen
Was hat Google noch zu bieten? Ein kurzer Blick über den Werbe-Tellerrand.
2. Tag – 02. Juni 2010
09.00 Uhr
Thomas Bindl, Refined Labs GmbH
Robin Heintze, More-Fire Media
Stefan Wolk, Smatch.com
Christian Schlieker, construktiv GmbH
Site-Klinik!
Nutzen Sie die Experten und lassen Sie sich Tipps für die Optimierung Ihrer Kampagnen und Landingpages geben
Die AdWords-Spezialisten Thomas Bindl, Robin Heintze, Stefan Wolk, Christian Schlieker schauen sich Ihre Landingpages an und liefern Ihnen wichtige Tipps, Hinweise und Empfehlungen zur Optimierung.
09.30 Uhr
Kaffee und Tee
10.00 Uhr
Begrüßung durch Gunnar Sohn, Ihren Begleiter durch die AdWords Days 2010
10.10 Uhr
Howie Jacobson
So wird Ihre AdWords-Kampagne unschlagbar erfolgreich, Teil 3
11.30 Uhr
Kaffeepause
12.00 Uhr
Stefan Wolk, Smatch.com
Optimierungsansätze für Google AdWords in Onlineshops
Keyword Advertising – und im speziellen Google AdWords – stellen heute für fast alle Online Shops einen wichtigen Teil ihrs Online Marketing Mixes dar.
Wie muss eine optimale Kampagne aufgebaut sein, welche Anforderungen haben Landingpages und welche Erkenntnisse lassen sich auf andere Kanäle im Online Marketing übertragen?
Wie finde ich die richtigen Keywords für meine AdWords Kampagne?
Wie muss meine Kampagne aufgebaut sein?
Was sind meine Steuerungsgrößen?
Welche Landingpages brauche ich?
Wie kombiniere ich SEM und SEO miteinander?
Was können andere Online Marketing Kanäle von AdWords Kampagnen lernen?
Was gibt es an neuen Entwicklungen aus Shopsicht rund um das Thema „Google“
13.30 Uhr
Mittagspausse
14.30 Uhr
Thomas Bindl, Refined Labs GmbH
Von Werbekosten zu Werbeinvestitionen – und wie Sie Google AdWords zur hochrentablen Neukundengewinnung nutzen.
Die Abwicklung von Suchmaschinen-Werbekampagnen ist nicht immer einfach: Positionen müssen geprüft und optimiert, neue Keywords gefunden, Click-Preise angepasst und der Erfolg in Conversion- und ROI-Grössen gemessen werden. Je größer und internationaler die Kampagne, je mehr Keywords online sind und je zahlreicher der Wettbewerb ist, desto komplexer und aufwändiger wird das Suchmaschinen-Kampagnen-Management. Da geht es nicht mehr ohne BID-Management!
„Bid Management“ – Fluch oder Segen?
„Bid Management“ – So machen Sie es zum Tool für Erfolgssteigerung
Die Vorteile eines Bid Managements anhand konkreter Beispiele erläutert
Die Grenzen beim Einsatz eines Bid Managements kennen
Case Studie zum Einsatz eines Bid Management Systems – und konkret Tipps, wie Sie mit BD Management – Systemen den Profit steigern und die Kosten senken
15.45 Uhr
Gunnar Sohn
Benedikt Köhler
Get Social! – Social Media Lösungen für Unternehmen
Einführung: Social Media is changing the rules of business
Das Ende der Zielgruppen (Long Tail, Netnography)
Social Media Measurement – Reichweite, Relevanz und ROI?
Kampagnen und Präsenzen – Best Practice-Beispiele
10 Trends im Social Media Marketing
16.45 Uhr
Verabschiedung durch Gunnar Sohn