Livestudio auf der #DMEXCO19 – Über die Konkurrenz zu LinkedIn und Xing, leere Versprechungen und neue Marketing-Anbieter

Vom Motto „Trust in You“ bis zu Referenten, Ausstellern und Themen gibt es auf der DMEXCO in Kölle eine Menge zu berichten: Wir machen das in diesem Jahr im Livestudio von Acoustic in Halle 8, Stand E029 – am Mittwoch und am Donnerstag werde ich Interviews führen.

Zu den Top-Speakern zählen diesmal Andreas Antrup, Zalando; Torsten Ahlers, Otto Group Media; Lars Bendiks Düysen, Sony Music; Sven Bieber, Spotify; Jannika Bock, Google; Jon Carvill, Intel; Max Conze, Pro Sieben Sat 1; Mark D’Arcy, Facebook; Kai Diekmann, Storymachine; LeFloid, Youtuber; Steven Gätjen, Moderator; Anja Hendel, Porsche Digital Lab; Julia Jäkel, Gruner + Jahr; Thomas Jarzombek, BMWi; Sabina Jeschke, Deutsche Bahn; Philip Missler, Pinterest; Charlotte Roche, Autorin; Jolanda Schwirtz, Nestlé; Joko Winterscheidt, Moderator. 

Unter den rund 1000 Ausstellern sind Adobe, Bertelsmann, Deloitte, Deutsche Post DHL, Ebay, Ernst & Young, Facebook, Gruner + Jahr, Giropay, Google, Linkedin, Netzpiloten, Otto Group, Paypal, Pixelpark, RTL Group, SAP, T-Systems, Xing und Zattoo. 

Diskussionsthemen:

Dominik Matyka, Chief Advisor der DMEXCO spricht davon, das Event noch internationaler zu machen, so dass es „als das größte und wichtigste europäische Tech-Event für das digitale Marketing und das digitale Business wahrgenommen“ werden soll. Im Gegensatz zu den Online Marketing Rockstars (OMR) in Hamburg gehe es nicht „um den Big Bang für die jungen Leute“, sondern darum, „richtig Business“ zu machen. Da werde ich doch mal bei OMR nachfragen 😉

Wichtiger Aspekt – Vertrauen. Der Vorsitzende der Organisation Werbungtreibender im Markenverband (OWM), Uwe Storch, hat vor einigen Wochen klare Worte gefunden: „Die Online-Werbewirtschaft ist die Wirtschaft mit den größten Versprechungen und dem niedrigsten Erfüllungsgrad.“ Fällt mir auch häufig auf. Da sind eine Menge Luftpumpen unterwegs.

Der Verband fordert Transparenz in der digitalen Wertschöpfungskette: Die Kunden sollen Vertrauen zurückgewinnen, dass ihre Daten vereinbarungsgemäß genutzt werden, die Werbetreibenden wollen qualitativ gute Daten benutzen. 

Ein interessantes Experiment ist der Gedanke, die Messe über den eigentlichen Veranstaltungstermin hinaus zu verlängern. Wird von mir ja seit Jahren gefordert. Geschehen soll das über die neue DMEXCO-App, die man vor und nach dem Event mit Inhalten füttern und zu einer Community ausbauen will. „Wenn die DMEXCO auf diesem Wege eine Vernetzung der Branche über 365 Tage hinweg hinbekäme, fände ich das hochspannend„, so Dirk Görtz, Vice President Dialogmarketing Deutsche Post. Will man mit der App gar den bestehenden Netzwerken und Gruppen auf Xing oder LinkedIn Konkurrenz machen?, fragt sich Stefan Pfeiffer, der für Acoustic das Livestudio organisiert.

Welche Fragen interessieren Euch? Habt Ihr Ideen für das Livestudio?

Dann her damit. Schreibt es einfach unten in die Kommentarfunktion oder diskutiert mit uns um 13 Uhr während unseres Livestreams:

Acoustic vermarktet und entwickelt übrigens die ehemaligen IBM Watson Marketing-Produkte weiter. Es ist der erste öffentliche Auftritt des Unternehmens in Deutschland. Bin gespannt.

Werbung einfach wegwischen – Überlegungen zum AdBlocker-Streit

Lesestoff für die Next Economy Open
Lesestoff für die Next Economy Open

Der Anteil von Internet-Nutzern, die sich über Filtersysteme gegen die Cookie-Attacken von öligen Werbe-Anbietern wappnen will, wächst überproportional. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass auch das Geschäftsgebaren der so genannten AdBlocker nicht ganz sauber erscheint. Das Angebot des „Whitelisting“, bei dem sich Publisher von der Werbeblockade freikaufen können, sei aus Sicht des Axel Springer Verlages ein erpresserisches Vorgehen.

Die Nerven liegen blank, wie man an der Anti-AdBlocker-Strategie von Bild.de erkennen kann. Wer AdBlocker einsetzt, wird von den Inhalten des Tratsch-Mediums ausgeschlossen. Ich kann das verkraften. Beim Boulevard-Blatt sieht die Sache anders aus. Meedia geht davon aus, dass Bild.de seine Spitzenposition bei der „Reichweite“ einbüßt. Zur Zeit liege der Anteil der Werbeverweigerer, die Bild.de mit AdBlockern ansteuern, bei 20 bis 23 Prozent.

Der Medienrezipient scheint in diesem Machtkampf wohl nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Tinder-Shopping

In der aktuellen Ausgabe von GDI-Impuls wird eine interessante Alternative ins Spiel gebracht. Das Ganze nennt sich Tinder-Shopping und lehnt sich an dem Auswahlmechanismus der Dating-App Tindr an. Das Prinzip ist simpel: Wisch nach links: gefällt nicht, Wisch nach rechts: gefällt.

„Du magst Sneakers, neonfarbig und nicht geschnürt? Schon poppen die ersten Angebot auf dem Screen aus. Ein kleiner Wisch nach links, und du lässt jedes Produkt fallen, das dir nicht gefällt. Hast du einer Marke zehnmal eine Abfuhr erteilt, verschwindet sie für immer von deinem Screen: ‚Shop until they drop“, schreiben Judith Mair und Bitten Stetter.

Der Kunde entscheidet über den individuellen Zuschnitt der Angebote von Produkten und Diensten. Das setzt die Werbeindustrie kräftig unter Druck, denn sie müssen es in diesem Szenario schaffen, den Nerv des App-Anwenders genau zu treffen – ansonsten droht die Verbannung vom Smartphone-Screen. Publisher und Werber müssen sich vom Spam-artigen Zumüllen aller Kommunikationsplattformen verabschieden, wenn sie Kunden nicht verlieren wollen.

„Matchmaking“ ist das Zauberwort. Anbieter, Mittler und Kunden sollten steuern können, wo und mit welchen Inhalten sie zueinander finden. Jan Steinbach und Uwe Freese von Xengoo schmieden für die Blogosphäre an so einem Projekt:

„Der Schlüssel dazu sind Transparenz der Interessen und klare Strukturen für die Zusammenarbeit“, sagt Steinbach. Erste Ideen werden auf der Next Economy Open am 9. und 10. November in Bonn vorgestellt.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Siehe auch:

BILD.de sperrt Adblock-User aus

Vielleicht sollten wir Projekte im Netz einfach mehr unterstützen – etwa Mobile Geeks.

Online-Werbung als Feind des Kunden: Wie man die Netzwelt verprellt und dabei (noch) Geld verdient

Ob Offline oder Online: Hört auf, uns anzuschreien
Ob Offline oder Online: Hört auf, uns anzuschreien

„Nehmt den Onlinern die Werbung weg“, so lautet die angriffslustige Botschaft von W&V-Blogger Thomas Koch in seiner jüngsten Kolumne. Nahrung bekam der Werbexperte durch ein höchst entlarvendes Streitgespräch zwischen Stephan Noller (Nugg.ad) und Nicolas Clasen, Autor von „Der digitale Tsunami“, in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift brandeins. Besonders die Geisteshaltung von Noller bringt Koch aus nachvollziehbaren Gründen auf die Palme.

Die Aufgabe von Werbung sei es, Bedürfnisse zu wecken – und ja, auch zu nerven.

Hier werde nach Ansicht von Koch offenbar, warum Online als Werbemedium bislang nicht funktioniert.

„Die Onliner haben nicht die geringste Ahnung von Werbung. Offenbar muss man ihnen den ‚Brand bzw. Purchase Funnel‘ erst erklären. Doch, Herr Noller, nach Bekanntheit kommt Sympathie und Vertrautheit, dann erst die Kaufbereitschaft. Nicht einmal der große Online-Gott (wenn es ihn denn gibt) kann diese Reihenfolge umkehren“, schreibt Koch.

Die Aufgabe von Werbung sei es nicht, zu nerven. Werbung müsse verführen, Bedürfnisse wecken und um Sympathie buhlen.

„Neuerdings muss die Werbung sich sogar mit ihren Nutzern auseinandersetzen. Nein, Herr Noller, die Aufgabe von Werbung ist es nicht, zu nerven.“

Das Selbstverständnis von Noller ist anders:

In einer Marktwirtschaft ist Werbung nun einmal kein Freund des Konsumenten (bei dem hackt es wohl, gs)….Es gibt in unserer Branche eine Reihe kluger Köpfe, die sagen: Wir brauchen Formate, die noch stärker unterbrechen.“

Das ist nicht Klugheit, sondern arrogantes und anmaßendes Vertriebsdenken – ohne Rücksicht auf Verluste. Und die Verluste treten ja schon ein, wenn man sieht, mit welchen Gegenmaßnahmen Internetnutzer reagieren, um den Nervpegel der Online-Werber zu reduzieren.

Koch plädiert für eine radikale Umkehr: Online-Werbung müsse sich zum Freund des Konsumenten erklären (eigentlich eine Selbstverständlichkeit) und ihn verstehen: Sie sollte verführerisch, schön und unterhaltsam sein.

Wie die Preisträger der diesjährigen New Media Awards. Dann würde auch das Branding in digitalen Medien endlich funktionieren. Wir müssten nur eins tun: Den Onlinern, die die digitalen Kanäle verschandeln, die Werbung wegnehmen.“

Vielleicht sollten die Werbe-Schreihälse des Netzes noch einmal die Schulbank drücken bei den besten Werbeikonen, die unser Universum zu bieten hat, um den Wert von kreativen Kampagnen zu erkennen. Etwa bei Marty Cooke:

„So wie wir im TV-Land schürften, übersetzen die jungen Copywriter heute die Online Kultur in fesselnde Ideen. Anstatt in Headlines und Skripts formulieren sie viel öfter Ideen, die dann in Pixel oder Events verwandelt werden.“

Nachzulesen in: The Copy Book, Taschen Verlag.

Noller und Co. wird es wohl schwerfallen, der Empfehlung von Malcom Duffy folgen:

„Wenn gute Dinge in ihren Kopf kommen, kommen auch gute Dinge wieder heraus.“

Siehe auch:

Stilvolle Anarchie mit Steve McQueen und Jackass gegen die Marketing-Schreihälse des Netzes.

Über die Sozialingenieure der digitalen Sphäre – Bildungsreisen statt LEAD-SEO-ONE-TO-ONE-Propaganda-Alchemie.

Das wird auch Thema meiner The European-Mittwochskolumne. Anregungen hoch wie immer hoch willkommen 🙂

Gedanken machen könnte sich Noller auch über eine Stellenanzeige von Buzzfeed mit gewünschten Eigenschaften, die Bewerber mitbringen sollten: „Emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen.“

Werbung und die Frage, warum man Vogelgrippe nicht mit der Schweinepest kuriert

Schreihälse in Politik und Wirtschaft 007

Der Werbeexperte Jan Steinbach, Managing Partner von Xengoo Consulting, hat eine herrliche Kritik zum Beitrag „Warum Online-Werbung nicht funktioniert“ des W&V-Kolumnisten Thomas Koch veröffentlicht.

Eine Formulierung von Steinbach hat mir dabei besonders gefallen:

„Jetzt aber das Heil wieder in den klassischen Werbekanälen zu suchen, ist ja so, als wollte man die Vogelgrippe mit der Schweinepest kurieren.“

Koch kann ja an Werbung herummäkeln wie er möchte. Das ist völlig in Ordnung. Mir gehen die digitalen Nervensägen des Marketings mit ihrem SEO-Targeting-Personalisierungs-Tracking-Geklingel auch auf den Geist. Siehe auch: Flach, flacher, dmexco.

Nun aber eine Rückkehr zur klassischen Werbung zu fordern, ist genauso idiotisch. Besonders die Begründung von Koch unterstreicht, dass er wohl seine volks- und betriebswirtschaftlichen Lektionen und die Unterscheidung von Ursache und Wirkung nicht gelernt hat:

„Je mehr die Werber jedoch Geld aus Print abziehen und in Online investieren, desto mehr schwächen sie die Marken und bauen immer kurzfristiger auf reinen Abverkauf. Sie tauschen die langfristige Markenpflege gegen kurzfristige Vertriebserfolge. Das rächt sich bereits jetzt, denn 40 Prozent aller Marken in Deutschland verlieren derzeit Stammkäufer. Man investiert zwar Millionen in Werbung – verliert aber Kunden. Diesen ‚Media-GAU‘ muss man den Marketing-Experten erst mal nachmachen.“

Vielleicht, werter Herr Koch, haben die Konsumenten generell keinen Bock mehr auf die Werbeschreihälse der Unternehmen – unter welchem Markennamen sie auch in Erscheinung treten, ob sie ihre Massenberieselung nun online oder analog organisieren.

Diese Lektion haben die Ziegelstein-Diktatoren, Brüller und Schreihälse in den Führungsetagen von Wirtschaft und Politik immer noch nicht gelernt. Mitarbeiter, Wähler oder Konsumenten kann man nicht mehr für dumm verkaufen und zentralistisch von oben nach unten steuern. Selbstorganisation steht auf der Web-Agenda an erster Stelle und nicht mehr der Taktstock von Positionseliten.

Was Meister Koch der digitalen Werbung vorwirft, ist nichts anderes als das Grundprinzip von Werbung von je her, so Jan Steinbach:

„Sie basiert nun mal auf ‚Störung‘. Auch – und gerade – in den klassischen Kanälen. Der TV-Spot stört beim Spielfilm, die Anzeige beim Lesen des Artikels und die Werbemail bei der Arbeit.“

In den vergangenen 70 Jahren hat das funktioniert. Heute funktioniert es eben nicht mehr. Der vernetzte Kunde ist schlauer geworden:

„Dieses Ich-Medium und die Vernetzung mit anderen Ich-Medien führte plötzlich dazu, dass Botschaften viel stärker zirkulieren statt einfach nur von A nach B herab zu regnen. ‚Zirkulieren‘ heißt, es findet ein dauerhafter und sichtbarer Multilog statt, permanente Feedbackschleifen und -schleifchen, die Möglichkeit alles zu kommentieren, alles zu diskutieren, alles zu bewerten, weiterempfehlen oder davon abzuraten – große Empörung inklusive. Soziologen nennen das wohl ‚Teilhaben am (Marken)Diskurs'“, schreibt Patrick Breitenbach im Blog der Karlshochschule.

Dieser mediale Umbruch sägt an dem Standbein der klassischen Werbung und Mediaplanung, deren Geschäftsmodell ja gerade auf dem Top-Down-Modell beruhte, so Breitenbach. Aus und vorbei, Herr Koch.

Wir sollten das mal in Bloggercamp.tv diskutieren, Herr Koch. Vielleicht mit Jan Steinbach und Patrick Breitenbach als weitere Gäste. Wie wär’s?