Generation X-Y-Z und das bequeme Schubladendenken von „Forschern“

Zähle ich jetzt zur Generation Corgi Toys?
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Auf Facebook und anderswo wird wieder heftig über „die“ Generation Blablabla fabuliert.

Diese ganzen Clusterungen sind empirischer Unsinn, unseriös mit lächerlichen Fallzahlen zusammen gestrickt. Sie sind wohl eher Ausfluss eines mechanistischen Denkens oder bequemes Schubladendenken, wie es Patrick Breitenbach in der Facebook-Disputation zum Ausdruck bringt.

Da sondert Tim Urban etwas über die so genannte Generation Y ab, was vielleicht viel mit der Sichtweise des Autors aber wenig mit der Realität zu tun hat:

„Das Leben ist eben keine Blumenwiese, schon gar nicht für die Generation Y. Die hält sich nämlich für etwas Besseres, ohne zu wissen, warum eigentlich. Und viel zu hohe Ansprüche hat sie auch.“

Wen hat Urban denn beobachtet? Seine Neffen und Nichten? Die Kinder der Nachbarschaft? Hat er seinen feuchten Zeigefinger in die Luft gehoben, um irgendeinen Trend wahrzunehmen? Alles großer Schwachsinn.

Der „Jugendforscher“ Klaus Hurrelmann sieht die Gemengelage genau umgedreht: Die junge Generation sei geprägt von unsicheren Zeiten vor dem Hintergrund der Terroranschläge in New York, Umweltkatastrophen wie in Fukushima und der Finanzkrise. Deshalb habe sie gelernt:

„Alles ist im Fluss, nichts ist mehr sicher, am allerwenigsten ein Arbeitsplatz. Deshalb passen sie sich dem System an, optimieren ihre Ausgangslage.“

Dennoch würde die junge Generation vieles verändern, aber eben zu ihren Gunsten und Bedingungen, nicht unbedingt nur aus idealistischen Gründen wie manche Generation vor ihnen.

„Ich würde sagen, sie sind pragmatische Idealisten. Sie scheinen zu spüren, wenn ich das System von außen angreife, werden sich die Fronten verhärten, und es wird viel schwieriger, etwas zu verändern. Sie versuchen, das System von innen heraus zu unterwandern. Und das ist das eigentlich Revolutionäre an dieser Generation“, so das Glaubensbekenntnis von Hurrelmann im Interview mit der FAZ.

Die Jugendlichen waren früher also in weniger bewegten Zeiten groß geworden? Zu nennen wäre die Aufrüstungsspirale, der kalte Krieg, NATO-Doppelbeschluss, Umweltkatastrophen wie Tschernobyl, Massenarbeitslosigkeit in den 1970er Jahren, Inflation und, und, und. Gab es in dieser Zeit mehr Sicherheiten? Wohl nicht. Dennoch sind die Jugendlichen wohl mehr oder weniger politisiert gewesen. Jeder hat zudem andere Erfahrungswelten. Es gibt die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Die konstruierten Realitäten der Generations-Generalisierer sind wohl eher Projektionen des eigenen Denkens. Not more.

Was Hurrelmann und Co. betreiben, kann man mit dem Geschwurbel von Börsen-Analysten und Trendforschern vergleichen, die sich relativ schnell an veränderte Situationen anpassen und daraus sofort Gesetzmäßigkeiten ableiten. Mit den primitivsten Mitteln werde nach Ansicht von FAZ-Redakteur Jürgen Kaube versucht, Rätsel zu bewirtschaften.

Vor gut zehn Jahren schon diagnostizierte Hurrelmann in typischer Manier die Ego-Taktik einer Generation, die sich politisch allenfalls für Fragen interessiere, die ihr eigenes Fortkommen angingen.

„Als kurz darauf unter Beteiligung derselben Jugend europaweit riesige Demonstrationen gegen den zweiten Irak-Krieg stattfanden, wurde er gefragt, wie sich das zu seinen Befunden verhalte. Der Forscher fand sich bestätigt: Das sei ja gerade ein Bestandteil dieses egotaktischen Verhaltens, dieser Mentalität, auch bei politischen Themen von ganz ursprünglichen Bedürfnissen und Wünschen auszugehen, hier dem nach Frieden. Man tauscht also einfach den Gegenbegriff aus. Zuerst lautet die Unterscheidung Egoismus/Altruismus, dann emotionales Engagement/etablierte Politik. Und schon ist die These wieder intakt“, so Kaube.

Der französische Philosoph Michel Serres sieht eine Verwechslung von Identität und Zugehörigkeit, die diesen zwanghaften Kategorisierungen zugrunde liegt. Ich gehöre zur Gruppe der Volleyball-Vereinsspieler. Ich gehöre zur Gruppe, die das StreamCamp organisieren. Ich gehöre zur Gruppe, die jeden Mittwoch die Web-Sendung Bloggercamp.tv veranstaltet. Ich gehöre zur Gruppe, die gerne Himbeer-Marmelade mag. Ich gehöre zur Gruppe, die in Berlin vor dem Bau der Mauer geboren wurde.

An dieser Aufzählung merkt man sehr schnell, wie wenig die Zugehörigkeit über meine Identität aussagt. Ich bin ich. Das ist es.

Siehe auch:

„New Generations“ und „New Work“ – Management zwischen Mythen, Irrwegen und realistischen Hoffnungen.

Für Übungen zu mehr Bescheidenheit in seinen Clusterungen empfehle ich das Interview mit dem großartigen Wissenschaftstheoretiker Paul K. Feyerabend: Lieber Himmel, was ist ein Mensch?

Wider den Generation X,Y,Z-Wahnsinn.

Wie die Generation Y die Kommunikationswelt verändern wird und warum Call Center darunter leiden werden

Acht Studenten der Hochschule Furtwangen wagten ein Experiment: Sie verzichteten eine Woche komplett auf Internet und Handy. Ihre Erfahrungen sind nach Auffassung von Armin Trost, Professor für Human Resource Management, sehr spannend – und auch für Manager interessant. Denn der Kommunikationsstil der Generation Y wird die Arbeitswelt verändern.

„Eltern sollten verstehen, wie ihre Kinder in diesem Alter kommunizieren. Dasselbe gilt für Manager. Auch sie sollten das Kommunikationsverhalten ihrer jüngeren Mitarbeiter kennen. Das ist für die künftige Gestaltung der Arbeitswelt enorm wichtig – auch unabhängig davon, was das am Ende konkret bedeuten mag. Die Generation Y ist anders als Ältere enorm geschickt, schnell und beweglich beim Umgang mit dem Web 2.0. Die meisten der jüngeren Menschen, Studenten und Mitarbeiter nutzen das Internet anders und effektiver. Dahinter stecken ungeahnte Potenziale – aber auch Gefahren“, so Trost.

Das Experiment habe allen Beteiligten klargemacht, wie anders die jüngere Generation mit modernen Medien umgeht. Doch was bedeutet dies für die Arbeitswelt? Was sind Ihre Erfahrungen? Wie sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen auf diese Entwicklungen reagieren?

Auch Spezialisten der Technologiebranche rechnen mit Veränderungen der Kommunikationswelt in Unternehmen durch die Generation Y. Das äußerte beispielsweise Christian Fron, Geschäftsführer der Aastra-Tochterfirma DeTeWe, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Fron geht davon aus, dass die Kommunikation noch mobiler wird: „Was meine ich damit? Wenn wir heute schon in die Zimmer unserer Jugend schauen, dann ist ein klassischer Festnetzapparat kaum zu finden. Wir reden über mobile Devices, bereits schon im Jugendalter auch von Smartphones oder PDAs. Wir reden über weltweites Videochatten im Internet, telefoniert wird über Skype, Instant Messaging ist Gewohnheit für unsere Jugend. Das sind alles Themen, die selbstverständlich sind in dieser Generation, die aber bei Weitem noch nicht in dem Geschäftsleben integriert sind.“

Negativ wird sich das Kommunikationsverhalten der jungen Generation auf Call Center auswirken – was man nur begrüßen kann! Untersuchungen zeigen, dass die Generation Y automatisierte Dienste favorisiert, seien es Sprach- oder Webapplikationen. Sie will mobilen Zugang und das 24 Stunden an jedem Tag der Woche. Sie kommuniziert lieber mit Technologie, statt in der Warteschlange zu stecken. Der steigende Anteil der Automatisierung und die immer intelligenter werdenden Self Service-Angebote werden sich nach Ansicht des amerikanischen Marketingexperten Don Peppers auf die gesamte Wirtschaft auswirken – jüngere Leute wirken dabei als Taktgeber: „Jedes Mal, wenn ein Kunde online geht und großartigen Kundenservice von Amazon, eBay oder Google bekommt, wächst auch sein Service-Anspruch beim Kiosk an der Ecke“, sagt Peppers.

Eure Meinung, Eure Erfahrungen????