Mastodon, berauschte Fürsten, Meta und die Netzöffentlichkeit @hwieduwilt @Digitalnaiv

Stefan Pfeiffer hat ein sehr nüchternes Zwischenfazit zu Mastodon gezogen: „Mastodon und das Fediverse sind noch eine Nerd-Plattform und es ist sowohl bei der Zahl der Anwenderinnen und Anwender wie auch bei der Aktivität noch ein langer Weg zu gehen. Wobei man natürlich diskutieren muss, was denn ‚das Ziel‘ sein sollte. Status derzeit: „Die Jungen“ sind auf Tiktok, weil dort so unterhaltsame Inhalte eingespielt werden. Der Algorithmus und die Videos sind einfach cool. Datenschutz hin, Datenschutz her. ‚Die Älteren‘ treiben sich auf Facebook herum, weil dort die Special-Interest.Gruppen so interessant sind. Datenschutz hin, Datenschutz her. Und was mit Mastodon wird, wissen wir noch nicht…“.

Nur die Älteren treiben sich auf Facebook herum. Die Zahlen der ARD-ZDF-Onlinestudie sprechen eine klare Sprache:

Facebook ist mit 35 Prozent mindestens wöchentlicher Nutzung allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin auf Platz 1, gefolgt von Instagram, das von 31 Prozent regelmäßig genutzt wird. Mit 14 Prozent kommt TikTok auf weniger als die Hälfte der regelmäßigen Nutzung von Instagram, gefolgt von Snapchat mit 13 Prozent. Twitter und Pinterest erreichen jeweils 10 Prozent. Fünf weitere Plattformen, darunter die beruflichen Netzwerke und der Neuling in der Abfrage – ‚reddit‘ – rangieren deutlich unter 10 Prozent. 

Bei unter 30-Jährigen liegt Instagram (also auch Facebook) mit 74 Prozent deutlich vor Snapchat (47 Prozent), TikTok (44 Prozent) und Facebook (42 Prozent). In der mittleren Altersgruppe (30-49 Jahre) behält Facebook seine führende Position vor Instagram, TikTok, Twitter, Pinterest und Snapchat. Ab 50 Jahre wird Social Media signifikant weniger genutzt.

72 Prozent nutzen täglich Messenger-Dienste, bei den Jüngeren sind es 90 Prozent. Zu WhatsApp (also auch Facebook oder Meta) gibt es weiterhin keine quantitativ relevante Konkurrenz (68 Prozent tägliche Nutzung).

Fast alles spielt sich im Universum von Mark Zuckerberg ab. Und da habe ich eine klare Position: Wer in der Netzöffentlichkeit irgendetwas bewirken will – in der Unternehmenskommunikation, in der politischen Bildung, bei der politischen Willensbildung, bei der Herausbildung der öffentlichen Meinung – kommt an Facebook und Instagram nicht vorbei, ob einen das passt oder nicht. Es sind privatisierte Öffentlichkeiten, die wie ein Supermarkt funktionieren. Es gelten die AGBs und algorithmischen Regeln der Plattform-Anbieter. Wer sich dort zurückzieht, ist dann halt nicht mehr Teil der relevanten Netzöffentlichkeit und prägt die öffentliche Meinung nicht mit. Ich bin übrigens noch nie bei meinen publizistischen Aktivitäten vom Mark-Zuckerberg-Konzern behindert worden, obwohl ich nun einige harte Stücke über Zuck und Co. fabriziert habe.

Und dann noch ein Aspekt, auf den Hendrik Wieduwilt in einem FAZ-Gastbeitrag aufmerksam macht: Wollten Staaten illegale Inhalte bekämpfen, hatten sie bei Konzernen immerhin einen Ansatzpunkt, so sehr sie sich sträubten.

„Die EU und Deutschland haben ihre Regulierung auf diese Flaschenhälse der Kommunikation ausgerichtet – und nicht auf ein Meer von Mini-Plattformen. Das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das global erste Gesetz zur Moderation von Inhalten, greift bei Mastodon nicht: Es trifft nur Plattformen mit ‚Gewinnerzielungsabsicht‘. Die europäische und deutlich reifere Version dieses Gesetzes ist das Digitale-Dienste-Gesetz. Aber auch dieses Mammutwerk ist zu grobmaschig: Die erforderlichen Mindestgrößen an Nutzerzahlen oder Mitarbeitern erreicht bisher keine der Mastodon-Instanzen. Selbst wenn sich das änderte, müsste jeweils ein Ansprechpartner gefunden werden. Und gegen ausländische Instanzen hülfe das ganze Regelwerk ohnehin nicht weiter.“

Viele Mastodon-Server würden durch ihren aktivistischen Grundton gar nicht erst den Eindruck erwecken, als ginge es ihnen um möglichst freie, auch kontroverse Kommunikation, wie sie die Verfassungen freiheitlicher Staaten gebieten.

„Mastodon ist eben kein Neutralität vorgebender Gigant, sondern eine Schar von Fürsten – der eine ist libertär, der nächste rechts und ein anderer ‚ein Panda‘. Die Aversion gegen Musk gehört in vielen Instanzen zum Gründungsmythos“, erklärt Wieduwilt.

„Manche Fürsten lassen sich offenbar von ihrer Macht berauschen wie Elon Musk. Das ‚Columbia Journalism Review‘ beobachtete mit Sorge eine Art Mobbing im Fediverse: 44 Server sollen eine Instanz für etwa 1300 Journalisten blockiert haben (‚defederation‘). Der Grund: Auf der Journalisteninsel sollen sich auch Boulevardjournalisten getummelt haben und solche Kollegen, die mit reißerischen Überschriften Klicks abräumen wollen“, führt der FAZ-Gastautor aus.

Da waren die Fürstentümer in Deutschland sehr viel konstruktiver, was Ingrid Bodsch schilderte, die frühere Leiterin des Bonner Stadtmuseums:

Die Zerstörung der #NextAct und jeglicher Cargo Kulte @WinfriedFelser

In der Hauptrolle die kafkaeske, dystopische und clusterhafte Heldenfigur Winfried Felser bei seinem Job-to-be-done. Er ist immer für Wunder gut. Wir sollten mal die Seligsprechung in Rom anstoßen.

Um was es geht und ging:

Und dann gab es Aktionskunst in Bonn-Duisdorf. Die kurze Version:

Und legendär: #CutTheBullshit

#TwitterFiles und die Rolle von Plattformen als Staat im Staate

Twitter-Prosa für Fortgeschrittene

Ist die Veröffentlichung der Twitter Files nur ein laues Lüftchen, mit dem der Vulgärkapitalist Elon Musk ein wenig zurückschießt, um wieder etwas mehr Luft zu bekommen im Netz-Diskurs nach seinen fürchterlichen Eskapaden in den vergangenen Wochen und Monaten, die zum Reputationsverlust des Tesla-Mannes führten? Mit Sicherheit versucht Musk damit wieder Boden gut zu machen. Aber ein laues Lüftchen oder kalter Kaffee sind die Files mitnichten.

Was Matt Taibbi und Co. im Auftrag von Elon Musk ans Tageslicht befördern, leider völlig unzureichend und bruchstückhaft, dokumentiert dennoch in Ansätzen die Hilflosigkeit, Naivität und die Überforderung von Social-Web-Plattform-Verantwortlichen, mit Fake News, Hetze, Desinformation, Denunziantentum, Beleidigungen, Hass, Drohungen und rechtswidrigen Inhalten umzugehen.

Letztlich agieren Twitter und Co. wie Lemminge oder aufgeregte Hühner, die die Einflüsterungen von amerikanischen Behörden, vom FBI über die Homeland Security Agency bis zur CIA, dem Finanzministerium oder auch Eingaben von Kongressabgeordneten folgen.

Kapitel neun der „Twitter Files“ ist zu entnehmen, dass es im Sommer 2020 eine Konferenz von Mitarbeitern der CIA und Twitter gegeben habe, Twitter und Facebook erhielten regelmäßig Sicherheitsbriefings. Das FBI und dessen für Spionageabwehr zuständige Einheit „Foreign Influence Task Force“ hätten sich nicht nur regelmäßig mit Twitter-Leuten getroffen, sondern auch mit Yahoo, Twitch, Cloudflare, LinkedIn und sogar Wikimedia. Zudem habe Twitter vom FBI bis 2019 rund 3,4 Millionen Dollar erhalten. Was würde in Deutschland lossein, wenn so viel Kohle vom BKA in die Kassen von Business Insider oder dergleichen fließen würde? Alles nur ein laues Lüftchen, keine neuen Erkenntnisse?

Auch das sogenannte Shadow-Banning (engl. für Schattensperre), hat wohl stattgefunden. Bestimmte Nutzer oder Tweets werden in ihrer Sichtbarkeit und somit ihrer Reichweite eingeschränkt, ohne dass sie darüber informiert werden. Für manche Zeitgenossen ist das ein normales Vorgehen, wenn Nutzer gegen Richtlinien verstoßen. Nachzulesen in einer Meldung von tagesschau.de.

Die Aufregung über so etwas würde vor allem die Unkenntnis vieler Menschen über die Mechanismen Sozialer Netzwerke erklären? Nee. Es erklärt die AGB-Willkür von Twitter und Co. und die hat mich schon in der Vergangenheit auf die Palme gebracht.

So schrieb ich vor ein paar Jahren: Sie spielen Polizei, Geheimdienst, Sittenwächter, Zensor, Staatsanwalt, Richter und initiieren mittelalterliche Prangermethoden zur Verbannung von vermeintlichen Querulanten. Gaming-Anbieter, Netz-Giganten und Betreiber von Social Networks mutieren immer mehr zum Staat im Staate unter Missachtung rechtsstaatlicher Regeln. Sie instrumentalisieren Allgemeine Geschäftsbedingungen für Sanktionen, schließen Nutzer willkürlich aus und erteilen nach Belieben Ermahnungen, gegen die sich keiner so richtig wehren kann. Was macht ein professioneller Computerspieler, der von der Gaming-Community unter Duldung des Betreibers in einem „Tribunal“ wie zu Zeiten der Jakobiner-Herrschaft lebenslänglich von der Plattform verbannt wird, weil er als unhöfliche Nervensäge einigen Konkurrenten auf den Keks gegangen ist? Der Betroffene ist hilflos, es gibt keine Schiedsgerichte, Mediatoren oder juristisch saubere Verfahren.

Am Ende wirkt der Bannspruch wie ein Berufsverbot. Es sind Schand- und Ehrenstrafen, die die Reputation vernichten. Ab dem 12. Jahrhundert eine beliebte Methode der Herrschenden, um die Fassade der „ehrbaren“ Bürger zu wahren. Wenn der Delinquent nicht geköpft, erhängt oder gevierteilt wurde, sollte er zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Die bigotte Community vertrieb den Außenseiter. An dieser Stelle folgt meistens der Einwand, dass ja niemand gezwungen sei, die sittenwidrigen Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Es ist wie bei einer Hausordnung. Wer das Hausrecht besitzt, könne auch sanktionieren. Bei einem Music-Club oder einer Bar nehmen wir das leider allzu oft hin, weil es genügend Alternativen gibt. Der Türsteher mokiert sich über meine krumme Nase, Hautfarbe oder mein schlampiges Outfit und lässt mich nicht rein.

Wenn Plattformbetreiber meine virtuellen Accounts wegen angeblicher Regelverstöße löschen oder sperren, kann das meine komplette Arbeitsfähigkeit gefährden. Werden Applikationen inhaltlich zensiert, bleiben die Grundrechte auf der Strecke. Selbst wenn man sich die Mühe macht, die wenig erfrischende AGB-Prosa der Anbieter zu studieren, müsste danach noch die Konsultation bei einem Anwalt folgen, um am Ende auf den Button zu klicken, der besagt: „Ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sorgfältig gelesen und akzeptiere sie.“ Wie muss ich denn folgende Formulierung interpretieren: „Die vorgenannten Haftungsbeschränkungen gelten nicht in den Fällen zwingender gesetzlicher Haftung (insbesondere nach dem Produkthaftungsgesetz) sowie bei Übernahme einer Garantie oder schuldhaft verursachten Körperschäden.“? Hä? So geht es in der Regel noch 500.000 Zeichen weiter. Ohne Jura-Studium mit jahrelangem Besuch von überteuerten Repetitorien kommt man wohl nicht weiter. Und selbst Juristen legen sich bei diesem verschachtelten Gemurmel die Karten. Es sind Gummi-Paragrafen, die den Firmen maximale Bewegungsfreiheit gewähren, um gegen Anwender irgendwelche Knüppel zu schwingen oder sich bei Rechtsstreitigkeiten aus der Affäre zu ziehen.

Wer meine Reichweite einschränkt, ohne mir das mitzuteilen, ist ein Ober-Manipulator. Internet Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter fordert transparente Verfahren zur Streitschlichtung. Er verweist auf die Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy von Icann. Leider zählt das nicht zum Standard in Netz. „Hier sehe ich eine große Lücke für Internet Governance“. Jeder Betroffene muss die Möglichkeit bekommen, gegen Sanktionen Widerspruch einzulegen.

Meine Kritik an der AGB-Willkür macht das Vorgehen von Elon Musk nicht besser, um das noch einmal zu betonen.

Meist gesehene Kurzvideos 2022: Soja, Viehtröge, Labels und Nachhaltigkeit #MyYearOnYouTube

Schön, dass so etwas automatisch erstellt wird. Spart man Zeit.

Die Langfassungen der Kurzvideos gibt es übrigens auch als Podcast:

#ChatGPT, Schumpeter und der telautophonische Alltagsberater @Kroker

Schon vor über 100 Jahren war klar, dass die Menschen der drahtlosen Zeit überall mit ihrem Empfänger herumgehen werden, der irgendwo, im Hut oder anderswo angebracht und auf eine der Myriaden von Vibrationen eingestellt sein wird, mit der er gerade Verbindung sucht, so die Prognose des Wissenschaftsautors Robert Stoss, die er 1910 zu Papier brachte: „Einerlei, wo er auch sein wird, er wird bloß den Stimm-Zeiger auf die betreffende Nummer einzustellen brauchen, die er zu sprechen wünscht, und der Gerufene wird sofort seinen Hörer vibrieren oder das Signal geben können, wobei es in seinem Belieben stehen wird, ob er hören oder die Verbindung abbrechen will.“ 

Wenn aber dieser Apparat erst so vervollkommnet sein werde, dass auch der gewöhnliche Sterbliche sich seiner wird bedienen können, dann werden dessen Lebensgewohnheiten dadurch noch weit mehr beeinflusst werden, als sie dies schon jetzt durch die Einführung des gewöhnlichen Telephones geworden sind. Stoss sprach von der Aufhebung von Raum und Zeit, von den Möglichkeiten der drahtlosen Verbrechensbekämpfung, einer fabelhaften Umgestaltung von Urlaubsreisen und der telautophonischen Modeberatung. 

Staufrei durch SIRI und Co. 

Mit dem Spracherkenner SIRI war bereits ein Hype ausgelöst worden, so die Smart Service-Bloggerin Manja Baudis : „Der persönliche Assistent auf dem Smartphone – bedienbar auch per gesprochener Sprache – ist wohl einer der mobilen Trends der letzten Monate.“ Mittlerweile gibt es zahlreiche sprachgesteuerte Dienste, die immer leistungsfähiger werden.

Es ist die Vision eines virtuellen Concierge, möglichst in Verbindung mit einer personalisierten Computerwolke, der uns auf Schritt und Tritt begleitet, rund um die Uhr unterstützt, unsere Bedürfnisse kennt, uns informiert, an Termine erinnert, rechtzeitig aus den Betten scheucht und gekonnt an einem Stau vorbei manövriert. Es muss ein vertrauenswürdiges und lernfähiges Assistenzsystem sein, sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren und mich von Alltagsaufgaben entlasten. Erst dann kann man von einem Concierge in der Westentasche sprechen.

Entscheidend ist die Verfügbarkeit und Güte der virtuellen Concierge-Dienste. Bei einem Gesundheits-Assistenten darf es keine Abstürze geben, die heute noch an der Tagesordnung sind. Was Chatbots leisten, wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine genießt nach einem Bericht von Michael Kroker besondere Aufmerksamkeit: „Das hat sich auch in der vergangenen Woche gezeigt, als das amerikanische Start-up OpenAI seinen neuartigen Chatbot ChatGPT auf seiner Webseite frei zugänglich schaltete – und einen weltweiten Hype auslöste.“

Die Verbindung von leistungsfähigem Sprachmodell mit gigantischen Datenmengen sorge dafür, dass ChatGPT so gut in der Breite funktioniert.

Individuelle oder personalisierte Anwendungen wären dann der nächste Schritt. So ein System muss dann mein persönlicher Concierge werden, der mich auf gute Himbeermarmelade, Neuerscheinungen zu Roland Barthes, Innovationstheorien, Konzerte und dergleichen hinweist sowie das Management komplett übernimmt – von der Buchung von Konzertkarten bis zu blöden Behördengängen oder das Versendungen von Dokumenten.

Bei meinen ersten Gehversuchen mit ChatGPT sind die Ergebnisse bei der Kontexterfassung schon erstaunlich gut: Folgender Dialog zu Schumpeter hat sich entwickelt. Bei der letzten Frage sieht man dann Grenzen der Anwendbarkeit.

Was beinhaltet die Innovationstheorie von Schumpeter?

Die Innovationstheorie von Schumpeter ist ein wichtiger Teil der Wirtschaftstheorie, der sich mit der Rolle von Innovationen in der wirtschaftlichen Entwicklung befasst. Schumpeter betrachtet Innovationen als die treibende Kraft hinter wirtschaftlichem Wandel und Wachstum. Er argumentiert, dass Unternehmer und Unternehmen, die in der Lage sind, neue Produkte, Verfahren und Märkte zu schaffen, einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten. Durch ihre Innovationsbemühungen können sie Wettbewerbsvorteile erzielen und die Wirtschaft voranbringen. Schumpeters Theorie geht davon aus, dass Innovationen immer von Unternehmern getrieben werden und nicht durch staatliche Planung oder Regulierung erfolgen.

Welche Rolle spielt dabei der Staat?

Schumpeters Innovationstheorie geht davon aus, dass Innovationen immer von Unternehmern getrieben werden und nicht durch staatliche Planung oder Regulierung erfolgen. Der Staat spielt demnach keine aktive Rolle bei der Förderung von Innovationen. Stattdessen sieht Schumpeter die Hauptaufgabe des Staates darin, einen Rahmen zu schaffen, in dem Unternehmen ungehindert neue Ideen entwickeln und umsetzen können. Dazu gehört beispielsweise die Schaffung von günstigen Rechts- und Marktbedingungen, die es Unternehmern ermöglichen, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Insgesamt betrachtet Schumpeter den Staat also eher als passiven Teilnehmer im Innovationsprozess.

Wie relevant ist die Theorie von Schumpeter heute?

Obwohl die Innovationstheorie von Schumpeter vor über 70 Jahren entwickelt wurde, ist sie auch heute noch von großer Relevanz. Schumpeters Betrachtung der Rolle von Unternehmern und Innovationen in der wirtschaftlichen Entwicklung gilt als eine der grundlegenden Theorien der Wirtschaftswissenschaften und wird in vielen Bereichen der Wirtschaftsforschung und -praxis herangezogen. Auch heute noch spielen Innovationen eine entscheidende Rolle beim wirtschaftlichen Wachstum und Wandel, und Schumpeters Theorie bietet einen wichtigen Rahmen, um die dahinterstehenden Prozesse zu verstehen und zu analysieren.

Welche Forscher beschäftigen sich zur Zeit mit Schumpeter?

Ich bin kein Einzelner, sondern eine künstliche Intelligenz, die nicht in der Lage ist, Informationen über aktuelle Forschungstätigkeiten zu liefern, da ich keinen Zugang zu aktuellen Forschungsarbeiten und -ergebnissen habe. Mein Wissen basiert auf Informationen, die bis zum Jahr 2021 reichen, und ich kann daher keine aktuellen Entwicklungen oder Trends in der Forschung zu Schumpeters Theorie beschreiben.

Siehe auch:

Zählt zu den Lieblingsstorys: Ohne Hofrat von Kempelen kein #Alexa – Über Wundermaschinen im Wien des 18. Jahrhunderts

Wenn der Chat wirklich schummelt, sind es wohl die Maschinisten.

Was kann das Sprachmodell?

Schreibt doch Facebook nicht ab: ARD/ZDF-Onlinestudie 2022 – Wenn die koreanische Schildkröte wichtiger als die eigene Community wird

Social Media und Messenger: Facebook nach wie vor mit hoher Nutzung – das sind Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2022: Jede oder jeder Zweite nutzt in einer normalen Woche Social Media. In der jüngsten Altersgruppe greifen neun von zehn Personen mindestens einmal in der Woche auf Social-Media-Angebote zurück, ab 70 Jahren nur eine von zehn.

Bei mindestens wöchentlicher Nutzung liegt Facebook mit 35 Prozent vor Instagram mit 31 Prozent. Mit Abstand folgen TikTok (14 Prozent) und Snapchat (13 Prozent). Bei unter 30-Jährigen liegt Instagram (also auch Facebook) mit 74 Prozent deutlich vor Snapchat (47 Prozent), TikTok (44 Prozent) und Facebook (42 Prozent). In der mittleren Altersgruppe (30-49 Jahre) behält Facebook seine führende Position vor Instagram, TikTok, Twitter, Pinterest und Snapchat. Ab 50 Jahre wird Social Media signifikant weniger genutzt.

72 Prozent nutzen täglich Messenger-Dienste, bei den Jüngeren sind es 90 Prozent. Zu WhatsApp (also auch Facebook oder Meta) gibt es weiterhin keine quantitativ relevante Konkurrenz (68 Prozent tägliche Nutzung).

Mehr als 75 Prozent greifen auf Internet-Suchmaschinen zurück. Fast genauso viele schreiben und lesen mindestens einmal pro Woche private E-Mails. Die jüngste Altersgruppe interessanterweise mehr als die Zielgruppen ab 50 Jahren. Ein Drittel liest Newsletter und knapp vier von zehn Personen nutzen Online-Nachschlagewerke wie zum Beispiel Wikipedia.

Interessant, was hr-Medienforscher Wolfgang Koch schreibt:

„Aktuell gehen Analysten wie der amerikanische Digitalexperte Scott Rosenberg (3) vom Beginn einer neuen Entwicklungsphase von Social Media aus, in der es den Plattformen wichtiger wird, den Menschen attraktive Inhalte aus der ganzen Welt in die Timeline zu spielen und die Bedeutung des sogenannten Social Graph, sprich die Netzwerke zwischen den Usern, zurückzufahren. Etwas überspitzt formuliert bekommt man auf seiner Timeline so eher zu sehen, was eine Schildkröte in Korea macht als was der Nachbar zu einem lokalpolitischen Thema denkt. Wenn dies die Zukunft sein sollte, sind die Implikationen für Medienhäuser nachhaltig, weil die Massentauglichkeit einzelner Beiträge noch viel wichtiger wird als etablierte Communitys, die sich mit vertrauenswürdigen Marken verbinden.“

Die Herausforderung für Medienhäuser bestehe dann darin, dass jeden Tag von Neuem nur der Content und sein virales Potenzial über den Publikumserfolg entscheiden und nicht – wie bisher – die Interaktionen der Nutzerinnen und Nutzer und die etablierten Beziehungen zu den Angeboten.

Facebook sei mit 35 Prozent mindestens wöchentlicher Nutzung allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin auf Platz 1, gefolgt von Instagram, das von 31 Prozent regelmäßig genutzt wird. „Beide erzielen, wie auch viele andere Plattformen, im Jahr 2022 starke Reichweitengewinne, die primär auf die Methodenoptimierung beim Stichproben-Setup zurückgeführt werden müssen: Die Festnetz- und Mobilfunkstichprobe wurde 2022 durch einen Onlinepanel-Anteil ergänzt, was insbesondere bei Jüngeren zu einer besseren Abbildung der Nutzungsrealität führt“, schreibt Koch (siehe auch den Methodenhinweis am Ende des Blogbeitrages).

Mit 14 Prozent komme TikTok auf weniger als die Hälfte der regelmäßigen Nutzung von Instagram, gefolgt von Snapchat mit 13 Prozent. Twitter und Pinterest erreichen jeweils 10 Prozent. Fünf weitere Plattformen, darunter die beruflichen Netzwerke und der Neuling in der Abfrage – ‚reddit‘ – rangieren deutlich unter 10 Prozent. Die Soziodemografie zeigt, dass Pinterest in ungefähr gleichem Maße einen Nutzungsschwerpunkt bei Frauen hat wie Twitter bei Männern. Auch Twitch und reddit scheinen mehrheitlich männliche Nutzer zu haben. Außerdem ist augenfällig, dass bei ab 50-Jährigen nur Facebook hohe Reichweiten erzielt“, erläutert Koch. Meine Rede.

Wer in der Netzöffentlichkeit irgendetwas bewirken will – in der Unternehmenskommunikation, in der politischen Bildung, bei der politischen Willensbildung, bei der Herausbildung der öffentlichen Meinung – kommt an Facebook und Instagram nicht vorbei, ob einen das passt oder nicht. Es sind privatisierte Öffentlichkeiten, die wie ein Supermarkt funktionieren. Es gelten die AGBs und algorithmischen Regeln der Plattform-Anbieter. Wer sich dort zurückzieht, ist dann halt nicht mehr Teil der relevanten Netzöffentlichkeit. Ich bin übrigens noch nie bei meinen publizistischen Aktivitäten vom Mark-Zuckerberg-Konzern behindert worden, obwohl ich nun einige harte Stücke über Zuck und Co. fabriziert habe.

Da ist auch diese Passage des Koch-Beitrags relevant:

„Aus dem Alltagsgebrauch ist die Frage bekannt, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Die Metapher der Inselfrage steht auch in der Markt- und Medienforschung für den Stellenwert bzw. die Unverzichtbarkeit von Dingen. Im Rahmen der ARD/ ZDF-Onlinestudie 2022 wurde die Frage – im Ablauf der Befragung hinter den Reichweitenfragen – folgendermaßen umgesetzt: ‚Wenn Sie sich nun für ein einziges dieser Social-Media-Angebote entscheiden müssten: Welches dieser Angebote würden Sie weiterhin nutzen?‘ Befragt wurden alle Personen, die mindestens zwei der sieben Plattformen im Fragenkatalog mindestens einmal im Monat nutzen. Während die Präferenzen in der Gesamtbevölkerung scheinbar ausgewogen sind, 35 Prozent würden sich für Facebook und 37 Prozent für Instagram entscheiden, zeigt die Differenzierung nach Altersgruppen ein ganz anderes Bild (vgl. Abbildung 3): Junge Menschen (14-29 Jahre) würden sich zu 48 Prozent für Instagram entscheiden (jeweils 14 % für Snapchat und Facebook), dagegen 69 Prozent der ab 50-Jährigen für Facebook sowie 11 Prozent für Instagram und 9 Prozent für Twitter. Die 30- bis 49-Jährigen spiegeln die gleichwertige Präferenz für Instagram und Facebook der Gesamtbevölkerung wider.

In einer Nachfrage wurde dann noch ermittelt, warum sich die User jeweils für diese eine Plattform entscheiden würden, wenn sie nur noch eine nutzen könnten. Dafür konnten sie bis zu neun vorgegebene Gründe auswählen. Für Facebook sind mit Zustimmungswerten von 75 Prozent und mehr diese drei Dimensionen die relevantesten: „weil es Spaß macht“, „weil Familie und Freunde dort sind“ und weil die Beiträge gut gefunden werden. Es folgen mit 62 bis 55 Prozent Zustimmung: „weil ich auf Facebook gut informiert werde“, „weil mir die Videos gut gefallen“, „weil mir die Stimmung bzw. Atmosphäre gut gefällt“ und „weil ich die Kommentare auf Facebook gut finde“. Ein gutes Drittel gibt als Grund an, auf Facebook regelmäßig etwas zu posten und nur 22 Prozent wählen den Grund „wegen der Promis, Stars und Influencer, denen ich folge“.

Instagram-Fans nutzen die Plattform besonders gerne, um Promis, Stars und Influencern zu folgen. Sie schätzen gute Beiträge, Videos und die gute Stimmung. Auf Facebook sind die persönlichen Kontakte deutlich wichtiger als die zu Influencern.

Interessant der methodische Hinweis – ich hatte dazu schon des öfteren Stellung bezogen:

Bei der Interpretation der diesjährigen Ergebnisse sind die methodischen Anpassungen der Studie zu beachten. Vor allem jüngere Menschen sind immer schwerer über Telefonbefragungen zu erreichen. Um weiterhin repräsentative Daten für die gesamte Bevölkerung erheben zu können, wurde daher ein Teil der Studienteilnehmer über ein repräsentatives Onlinepanel rekrutiert und befragt. Durch diesen sogenannten „Mixed Mode“-Ansatz wird die Validität der Daten weiter verbessert – beim Vergleich mit den Daten der Vorjahre ist dieser Methodenwechsel zu beachten.

Siehe auch:

Kommt jetzt Tiktok SEO? So läuft der Ranking-Kampf in der Suche der App schon jetzt

Von den „Grenzen des Wachstums“ zu Transformationspfaden der Zukunft – Man hört, sieht und streamt sich am Donnerstag in Berlin #D2030 #ZukunftimDiskurs

18:00 – 19:00 Uhr
Moderiertes Gespräch

Anlässlich des 50. Jahrestages der Club of Rome-Studie „Grenzen des Wachstums“ blicken wir im ersten Teil der Veranstaltung zurück auf die Wirkung der Studie in den letzten 50 Jahre und ihre Aktualität heute. Wir tun dies mit einem profunden Zeitzeugen, dem Ökonomen und Systemwissenschaftler Prof. Dr. Erich Zahn, der damals zum Team von Dennis Meadows am MIT gehörte.

ModerationHanna Jürgensmeier und Klaus Burmeister

19:00 – 19:30 Uhr Pause

Part 02
19:30 – 21.00 Uhr
Podiumsdiskussion

Im zweiten Teil der Veranstaltung richten wir unseren Blick auf die nächsten 50 Jahre. Im Gespräch mit drei renommierten Expert*innen wollen wir der Frage nachgehen: Was können wir heute schon wissen, um nötige Transformationspfade für die nächsten 50 Jahre zu beschreiten?

Wir tun dies für drei ausgewählte Handlungsfelder: Innovation, Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit.
Mit Statements von

Moderation: Dr. Alexander Fink und Klaus Burmeister

21:00 – 22:00 Uhr Networking

Gesamtmoderation: Beate Schulz-Montag

Die Veranstaltung wird im Hybridformat durchgeführt und ist kostenlos.

Ort: DB Digital Base, Stresemannstr. 123 / Nähe Potsdamer Platz, 10963 Berlin, Anfahrt am besten mit dem ÖPNV
Für die Präsenzanmeldung (Plätze begrenzt) bitten wir um vorherige Anmeldung hier:
https://www.eventbrite.de/e/von-den-grenzen-des-wachstums-zu-transformationspfaden-der-zukunft-tickets-451941508217

Online wird die Veranstaltung auf YouTube, Twitter, LinkedIn, Facebook und Twitch übertragen.

Hier schon mal YouTube:

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin.

Sohn@Sohn und das Schweizer Taschenmesser der Live-Kommunikation

Wir werden häufig gefragt, was Sohn@Sohn und die Agentur für Kommunikation & Politik eigentlich so alles machen. Nun, seit über zehn Jahren entwickeln wir redaktionelle Konzepte für die Live-Kommunikation in allen Facetten. Weit entfernt von den ersten Gehversuchen mit Logitech und Co. sind wir nun mit einer technischen Ausstattung unterwegs, um Bewegtbild und Audio professionell zu produzieren, zu moderieren und zu kuratieren. Wir sehen uns nicht als reiner technischer Dienstleister, sondern als redaktionell-technisch-digitaler-Social-Web-Dienstleister. Also so eine Art Schweizer Taschenmesser der Live-Kommunikation. Remote, hybrid, im Reportagestil, schnell und präzise (durch Constantin Sohn, dem Meister der Regie), antizipierend, orientiert am Agenda Setting. Uns gelingt es häufig, gute Statements in Interviews heraus zu kitzeln, die Atmosphäre des Live-Geschehens einzufangen und die Basis zu leisten für gelungene Formate: Für staatliche Organisationen, Wissenschaft, Verbände, Initiativen, Unternehmen, Autoren, Beraterinnen und Berater, Literatur und dergleichen mehr.

In unseren Intros wird das gut sichtbar. Hier nur eine kleine Auswahl.

Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei meinen Kunden, bei den vielen Lebensratgebern und bei meinem Sohn Constantin bedanken für die Zusammenarbeit und Unterstützung. Seit 1998 bin ich nun selbständig tätig. Und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben. Mit Eurer Hilfe.

Braucht Twitter mehr #Redefreiheit? Gespräch um 12:30 Uhr im Twitter-Space @elonmusk

Elon Musk reduziert seine Motivation zum Kauf von twitter gerne auf das Narrativ der notwendigen Redefreiheit, die er wohl bedroht sieht.

An der völlig sinnlosen Kategorisierung der Antwortvorgaben für seine Twitter-Umfrage erkennt man das recht gut.

Insgesamt gilt, was der Social Media Watchblog geschrieben hat: „Man muss Musk an seinen Taten messen, nicht an seinen Worten“. Insbesondere seine Tweets sollte man nicht allzu ernst nehmen. Kürzlich sagte er der Financial Times:

Aren’t you entertained? I play the fool on Twitter and often shoot myself in the foot and cause myself all sorts of trouble. I don’t know, I find it vaguely therapeutic to express myself on Twitter.

Derzeit würde die Berichterstattung über Musk an die schlimmste Zeit der Trump-Festspiele erinnern: Jeder Tweet werde zur Schlagzeile, selbst Ein-Wort-Replys („Interesting„, „Definitely„), Halbsätze („Looking into it„, „For now„) und Emojis (viele Emojis) lösen ganze Artikel aus, so der Watchblog.

Was wird sich ändern?

Kohle für die Verifikation des Accounts. Würde wohl nur 15 Millionen Dollar pro Jahr bringen.

Dann gibt es Video-Pläne: „Noch in diesem Jahr soll ein Team die Video-App Vine zurückbringen (Axios), die vor sechs Jahren eingestellt wurde. Als Grundlage soll der alte Code dienen. In der Theorie ist das nachvollziehbar, schließlich hatte TikTok wenig später mit einem ähnlichen Ansatz riesigen Erfolg. In der Praxis dürfte es etwas komplizierter sein. Sara Beykpour, die bei Vine arbeitete und die Abwicklung der App verantwortete, gibt Musk auf Twitter ein paar Ratschläge„, so der Watchblog.

Nilay Patel, Chefredakteur von The Verge, meint, bei Twitter sei die Technologie nicht sehr interessant. Der Aktivposten sei die Nutzerbasis aus der Politik, aus Medien, Wissenschaft und Entertainment. Hier liege der Vermögenswert und Musk habe dafür 44 Milliarden Dollar bezahlt.

Musk könne so viele Briefe an Werbetreibende schreiben, wie er wolle. Aber Musk könne könne nicht erwarten, dass man nennenswerte Werbeeinnahmen erzielt, wenn keine „Markensicherheit“ vorhanden sei.

„Jede große Plattform braucht ein gewisses Maß an Content-Moderation. Grenzenlose Redefreiheit führt zu grenzenlosem Hass. Wer sich keine Regeln gibt (oder sie nicht durchsetzt), verwandelt sich auf Dauer in einen Tummelplatz für Rechtsradikale (Twitter / Jen Golbeck)“, so der Watchblog.

Wir diskutieren das im Twitter-Space:

https://twitter.com/i/spaces/1BdGYymNqZQGX?s=20

Siehe auch:

Umzug

Berechtigte Einwurf von Marcel Weis:

Es ist erstaunlich, wie die Twitter-Übernahme durch Musk und Konsorten aktuell in der Öffentlichkeit ausschließlich mit Blick auf den Käufer behandelt wird. Niemand fragt sich, warum das Board auf den Verkauf bestanden hat, nachdem Musk versuchte aus dem Deal herauszuwieseln. Warum trotzdem verkaufen? Warum, wenn schon verkaufen, keinen „besseren“ Käufer finden? Twitter ist doch so toll? Dabei lohnt sich gerade jetzt auch ein Blick auf den Verkäufer, weil es uns etwas über den Zustand des Netzwerkes Twitter sagt, das viele Poweruser völlig falsch sehen dürften. Zum Glück gab es vor ein paar Tagen augenöffnende interne Zahlen via Reuters, die zeigen wie schlecht es um Twitter steht.

Meinung von Christian Jakubetz auf LinkedIn:

„Es ist ja nicht nur Twitter, es ist das gesamte “soziale” Netz. Facebook? Gehört Zuckerberg. Insta, Whatsapp? Zuckerberg? TikTok? Irgendwas dubioses Chinesisches. Und jetzt eben Twittter, unter der Fittiche von Elon Musk. Die größten Plattformenalso: gehören zwei Milliardären und einem China-Konzern. Das hätte sich vermutlich nicht mal George Orwell so ausgedacht. Trotzdem: Einen Exodus von der einen oder anderen Plattform wird es irgendwann ganz sicher mal geben, aber nicht deswegen, weil man nicht länger dem Machtzuwachs des schrulligen Elon Musk nutzen will. Sondern weil wir vielleicht mal die Nase voll haben von einem Kanal, weil es was Neueres, Angesagteres geben wird.“

Livetalk am Mittwoch: Null Produktivitätsfortschritt nach zehn Jahren Industrie 4.0? Wir debattieren! Man hört, sieht und streamt sich :-)

„Null Produktivitätsfortschritt nach zehn Jahren Industrie 4.0“ berichtete provokativ die FAZ vor ein paar Tagen. Michael Finkler, Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Software und Digitalisierung, formulierte dafür pointierte Thesen. Es gebe „null Produktivitätsfortschritt nach zehn Jahren Industrie 4.0“; das heutige Produktivitätsniveau der Industrie sei auf dem Stand von 2011; die Produktivität im Maschinenbau sei trotz hoher Auslastung sogar gesunken; die breite Masse der Unternehmen sei kaum vorangekommen; statt zu organisieren und zu standardisieren sei „die Verschwendung digitalisiert“ worden. Es wurde zwar oft davon gesprochen, neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, Mehrwert durch Digitalisierung zu schaffen, womöglich Plattformen auf die Beine zu stellen. Aber vielerorts ist davon nichts zu sehen. Finkler erkennt „zehn verlorene Jahre“. Deutschland habe „den Anschluss verloren in der industriellen Plattformökonomie“, während Konzerne wie Google, Microsoft oder Amazon den Aufbau von Industrie-Plattformen forcierten.

In der Fachszene ist das Meinungsbild vielschichtig:

„Wir reden von Industrie 4.0 und vielerorts haben wir noch nicht mal eine moderne IT Infrastruktur und Breitbandausbau. Ich kann nur allen Unternehmen raten, auch aus Sicherheitsgründen autark zu werden und eigene Campus-Netzwerke mit 5G und WiFi6 aufzubauen. Damit wird eine wesentliche Grundlage für Industrie 4.0 gelegt“, kommentiert Stephan Hierl, CTO Kyndryl Germany.

Professor Wolfgang Wahlster, ehemaliger Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), sieht einen Vorsprung bei den Hidden Champions:

Der Begriff „Industrie 4.0“ habe sich viral ausgebreitet und werde heute auf der ganzen Welt wie „Kindergarten“ und „Autobahn“ mit Deutschland assoziiert. „Industrie 4.0 ist ein Exportschlager, der in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik rund um den Globus Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren hat. Damit haben wir in der Hightech-Welt erstmals wieder ein innovatives Konzept aus Deutschland international etablieren können, nachdem diese über viele Jahre meist aus Amerika oder Asien kamen“, so Henning Kagermann und Wolfgang Wahlster in einem Gastbeitrag für die FAZ.

Industrie 4.0 sei die Basis für datenbasierte Wertschöpfung, innovative Geschäftsmodelle und Organisationsformen, aber auch für neue Lösungen in Bereichen wie Energie, Gesundheit und Mobilität.

„Ökonomisch ging es initial um einen Wechsel von der traditionellen Automatisierung mit vorherbestimmtem Ergebnis hin zu lernenden und sich selbst anpassenden Maschinen und Umgebungen, die in Echtzeit auf Änderungen der Kundennachfrage sowie auf unerwartete Störungen reagieren. Damit einher geht der Schritt von der Massenproduktion zur Maßanfertigung, zur preislich konkurrenzfähigen Herstellung von individuellen, maßgeschneiderten Produkten“, betonen Kagermann und Wahlster.

Wichtig war das Versprechen von einer besseren und sinnvolleren Mensch-Maschine-Kooperation ohne Angst vor Kontrollverlust, die Schaffung von Arbeitsplätzen durch „Nearshoring“ und die Inklusion von älteren und behinderten Menschen, unterstützt durch physische und kognitive Werkerassistenzsysteme.

„Ökologisch war von Anfang an die Ressourcen- und Energieeffizienz ein zentrales Ziel: Industrie 4.0 hat das Potential, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, die Wirtschaftswachstum von Ressourcenverbrauch entkoppelt. Industrie 4.0 stellt den Menschen in den Mittelpunkt, und dazu gehören die gesellschaftliche und natürliche Umwelt“, so die Gastautoren der FAZ.

Der digitale Produktpass ist dafür ein gutes Beispiel:

Heute gebe es etliche „Smart Factories“, die Grundprinzipien von Industrie 4.0 umsetzen: „Plug & Produce“ und die virtuelle Inbetriebnahme neuer Anlagenteile durch den Einsatz digitaler Zwillinge, taktunabhängige Matrix-Produktionsarchitekturen mit konfigurierbaren Produktionszellen und kurzen Umrüstzeiten auch für kleinste Losgrößen mit großem Produktindividualisierungsgrad, variable Intralogistik kombiniert mit Echtzeitproduktionsplanung sowie lokationsbasierte Dienste für alle Werker, Betriebsmittel und die entstehenden Produkte. Die Positionsbestimmung in Fabrikhallen sei für mobile Systeme wie autonome Gabelstapler mit Hilfe KI-basierter visueller SLAM-Verfahren stark verbessert worden, SLAM steht dabei für „Simultaneous Localization and Mapping“. Durch GPU-Computing, die hochparallele Ausführung neuronaler Verfahren auf sehr leistungsfähigen Grafikkarten, wurde die notwendige Erkennung von Landmarken signifikant verbessert, um eine freie Navigation mobiler Roboter zu ermöglichen.

Wichtig sind wohl auch Plattformen und Open-Source-Projekt:

Wir wollen das live diskutieren in einem Sohn@Sohn Studiogespräch mit Marius Grathwohl vom Maschinenbau-Unternehmen Multivac am Mittwoch, 2. November 15:40 Uhr. Macht mit bei der Debatte.

Übertragung läuft im Multistream auf YouTube, Facebook, Twitter (@gsohn), LinkedIn (https://www.linkedin.com/in/gunnarsohn) und Twitch. Nutzt die Kommentar- und Chatfunktionen.

Man hört, sieht und streamt sich am Mittwochnachmittag: