Döpfner und der Nutzen des Parasiten

„Wer liberal ist, verteidigt geistiges Eigentum“, mit diesem Credo eröffnet Springer-Chef Mathias Döpfner in einem Gastbeitrag für die NZZ ein wahres Zitaten-Panoptikum, um die Verteidigungslinie gegen die bösen Web-Kommunisten, die Kostenlos-Parasiten im Netz und die Aufmerksamkeit-statt-Geld-Prediger aufzubauen. Letztlich geht es doch nur um die Bewahrung der Verlagsmonopol-Renditen, die man über Jahrzehnte eingefahren hat. Die Web-Kommunisten sind nicht verantwortlich für den Niedergang der alten Geschäftsmodelle der Verlage. Das hat der Journalismus-Professor Stephan Ruß-Mohl sehr gut beschrieben:

„Die Verlagsmanager haben sich an entscheidenden Stellen verkalkuliert. In der ‘guten, alten’ Zeit hatten die meisten Blätter regionale oder lokale Oligopole oder Monopole, also eine marktbeherrschende Stellung. Damit konnten sie bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen. Über Jahrzehnte hinweg erzielten sie Traumrenditen, von denen nicht nur viele Verleger, sondern auch so manche Redakteure in ihren Nischen wie die Maden im Speck lebten. Im Internet herrscht dagegen Wettbewerb. Der Konkurrent, der auf dieselben Anzeigenkunden hofft, ist nur einen Mausklick entfernt. Deshalb schrumpfen bei den Werbeumsätzen die Margen, aus denen sich früher Redaktionen großzügig finanzieren ließen“, so Ruß-Mohl.

Für die Werbetreibenden seien das paradiesische Zustände. Sie könnten ihre Zielgruppen ohne allzu große Streuverluste über das Internet sehr viel besser erreichen und müssten das Geld nicht mehr zum Fenster rausfeuern. Und noch ein Trend schröpft die Verlage: Wer nach einer neuen Freundin Ausschau hält oder sein Auto zum Verkauf anbietet, kann online inzwischen gratis oder für wenig Geld seine Ziele erreichen. Hier hilft die Silo-Taktik der Verlagsmanager nicht weiter. Die entsprechenden Portale laufen auch ohne Nachrichten-Content! Da wird auch das Leistungsschutzrecht, Verwertungsgesellschaft, Abmahnterror, Gebühren-Abzocke und sündhaft teure Payment-Strategien nicht weiterhelfen. Für die auswechselbaren Tagesnachrichten der Gesternmedien helfen die Schutzwälle nicht weiter, sie werden zu einer Innovationsstarre der Verlage führen und sie zu Dinosauriern der Medienwelt degradieren.

Parasiten, Hacker, Daten-Piraten, Wissensdiebe, Kopisten und Collage-Künstler sind in diesem Spiel höchst nützliche Zeitgenossen. Sie stören die Monopolisten – das liberale Mimikry von Herrn Döpfner ist dabei nur ein Ablenkungsmanöver: „Die Macht suchte und sucht das Zentrum einzunehmen. Wenn sie von diesem Zentrum aus wirken, ihre Wirksamkeit bis an die Grenzen des Raumes entfalten, wenn sie bis an die Peripherie reichen soll, so ist es notwendig, dass es kein Hindernis gibt (Web-Kommunisten, Herr Döpfner), dass der Raum um ihre Aktion homogen ist. Kurz, der Raum muss frei von Rauschen, von Parasiten sein. Um Gehorsam zu finden, muss man gehört, muss man verstanden werden, muss die Ordnungsbotschaft Stille vorfinden. Man muss Stille schaffen (mit dem Leistungsschutzrecht, gs). Man muss die Parasiten vertreiben (um wieder die alten Monopolrenditen zu verdienen, gs)“, schreibt der Philosoph Michel Serres in seiner Abhandlung „Der Parasit“.

Das Verbrechen der Wissensmonopolisierung in allen seinen Varianten verlangt nach Wiedergutmachung, so Serres; diese funktioniert jedoch nicht nach dem traditionellen paternalistischen Modell (Lehrer-Schüler Verhältnis), sondern komme von der Peripherie; von jenen also, die bislang vom Wissen ausgeschlossen wurden. Die Zirkulation des Wissens könne man nicht durch Copyrights bändigen. Das technische Potenzial provoziert immer auch seine uneingeschränkte Nutzung – und sei es durch die parasitäre Piraterie. Der Parasit als Störfaktor kann seinen Wirt veredeln aber auch töten, Herr Döpfner. Wenn er nutzlos wird, sucht sich der Parasit einen neuen Wirt.

Siehe auch: Döpfners Klage über die Gratis-Kultur und was der Springer-Chef vom Götterboten Hermes lernen könnte.

Slow Media und was Zeitungsverlage von Marshall McLuhan lernen könnten

In einer beschleunigten Welt wächst die Sehnsucht nach Entschleunigung. Wie man das in Zeiten der Echtzeitkommunikation bewerkstelligen kann, stellten Jörg Blumtritt und Benedikt Köhler auf der Start-Konferenz in Duisburg vor. Die Initiatoren des Blogs „Slow Media“ berufen sich auf den Philosophen Odo Marquard.

Je höher die Innovationsgeschwindigkeit ist, desto weniger veraltungsanfällig sind alte Lebensformen, so das Diktum von Marquard. Die moderne Wandlungsbeschleunigung würde selber in den Dienst der Langsamkeit treten. So sollte man sich beim modernen Dauerlauf Geschichte – je schneller sein Tempo wird – unaufgeregt überholen lassen und warten, bis der Weltlauf – von hinten überrundend – wieder bei einem vorbeikommt. „Der Wartende ist dann wieder an der Spitze der Bewegung“, sagte Köhler. So wachse gerade durch Langsamkeit die Chance, up to date zu sein. Das sei der Trick von Slow Media, bestimmte Dinge zu antizipieren, die wiederkommen.

„Selbst in Technologiebranchen sollte man ab und an Innehalten und sich an den klugen Sätzen von Odo Marquard orientieren. Ich habe das schon in den stürmischen Tagen der New Economy in meinem Buch ‚Change‘ erwähnt. Es gibt keine Zukunft ohne Herkunft. Besonders die neuen Medien benötigen alte Fertigkeiten. Das hat allerdings nichts mit dem Antimodernismus der Jammerathleten, Klagegenies und Kassandren vom Dienst zu tun. Beim programmatischen Ansatz von Slow Media geht es wohl darum, sich auf seine wahren Kompetenzen zu besinnen und sich von Dingen zu verabschieden, die bedeutungslos werden“, so der Bitronic-Chairman Peter B. Záboji. Slow heiße also nicht Maschinenstürmerei, sondern zielt auf einen möglichst intelligenten und sinnvollen Gebrauch von neuen wie alten, bewährten Technologien ab.

Bei den klassischen Medien müsse man allerdings erst einmal den Wandel der Mediennutzung zur Kenntnis nehmen, betonten Blumtritt und Köhler. So verliere die Zeitung als Medium schon seit Jahrzehnten an Bedeutung. Sie hatte ihren Höhepunkt 1973 in einem reifen Markt wie den USA: „Seit diesem Zeitpunkt gehen alle Industrieindizes, die man mit den Zeitungsverlagen in Verbindung bringen kann, langsam aber sicher runter. Die Zeitung verlor also lange vor dem Eintritt des Internets ins tägliche Leben an Relevanz. In Deutschland ist dieser Prozess ungefähr seit 1990 zu beobachten“, erklärte Blumtritt.

Die Medienmacher sollten die geänderten Lebenswelten der Menschen mehr zur Kenntnis nehmen. Ein interessantes Modell zur veränderten Mediennutzung sei die Tetrade von Marshall McLuhan. „Es gibt vier Entwicklungsstufen. Jedes Medium löst irgendein anderes Medium ab. Das Auto löst die Kutsche als Transportmittel ab. Digitale Medien treten an die Stelle von gedruckten Medien. Beim Auto ist es aber gar keine Substitution der alten Fortbewegungsmittel, sondern man kann mit dem motorisierten Gefährt lauter Sachen machen, die mit dem Pferd nie möglich waren. Es entstehen neue Funktionen, die es vorher nicht gab“, sagte Blumtritt. Jedes neue Medium bringe neue Qualitäten hervor. In Blogs sei es zum Beispiel der persönliche und manchmal sehr langlebige Kontakt und Austausch zwischen Autor und Leser, der in anderen Medien wie zum Beispiel Zeitschriften nicht in dieser Form gegeben ist. Aber gleichzeitig werden bestimmte Dinge in den Hintergrund gedrängt. Im Falle von Twitter werde zum Beispiel die zeitliche Dimension der Nachrichtenproduktion und Nachrichtendistribution obsolet.

Im dritten Entwicklungsschritt passiere mit einem Medium irgendetwas, wenn man es auf die Spitze treibt. Bildschirmmedien würden beispielsweise der mündlichen Kommunikationskultur wieder Auftrieb verschaffen. Dann passiere ein Rückschlag und es folge der vierte und spannendste Entwicklungsschritt. Jedes Medium rücke verdrängte Effekte oder Eigenschaften wieder in den Vordergrund. „Bei Twitter ist man gezwungen, sich kurz zu fassen. Das verlangt extrem viel Sprachfähigkeit. Damit die Tweets mit nur 140 Zeichen wahrgenommen werden, muss man einen aphoristischen Stil entwickeln. Das ist eine hohe Kunst“, stellte Blumtritt fest (wie lyrisch der Twitter-Kosmos sein kann, belegt das neue Büchlein „Das Leben in 140 Zeichen“, erschienen bei Pons).

Gute Twitter-Streams seien wie Lyrik lesbar. Das, was andere Medien überflüssig gemacht haben, kehre also wieder. Ein weiteres Beispiel hierfür sei das Telegramm. „Das Telegramm war im 19. Jahrhundert, bevor Telefone und später dann E-Mails einer großen Masse zugänglich waren, eindeutig das schnellste Medium. Wenn man jemandem sehr schnell etwas mitteilen musste, hatte man ein Telegramm geschickt. Vor einiger Zeit hat die Deutsche Post das Telegramm neu erfunden und dabei eine Qualität in den Vordergrund gebracht, die zuvor nur eine untergeordnete, wenn nicht sogar ausgesprochen lästige, Rolle gespielt hatte: die persönliche Übergabe der Nachricht wird zum neuen Alleinstellungsmerkmal. Das Telegramm hat sich also vom schnellsten in das persönlichste Mitteilungsmedium verwandelt. Aber diese Metamorphose war nur möglich, weil sich in der Zwischenzeit neue Medien herausgebildet haben, die dem Telegramm eine neue Bedeutung geben konnten“, führte Köhler aus.

Medienevolution sollte man systemisch denken. Bei Zeitungen im Internet sei es ja nicht die Nachricht, die Zeitungen unverwechselbar macht. Die bekomme man auf allen Kanälen präsentiert. Das Archiv mache die Identität der Zeitung aus. Mit diesem Tafelsilber könnten die Verlage mehr machen. Mit der Echtzeitkommunikation in Konkurrenz zu treten, sei hingegen sinnlos. Da sei auch ein Slow Media-Konzept, welches Wert auf Qualität legt, überflüssig. Wenn sich die Info übe einen Flugzeugabsturz über Twitter ausbreitet, interessiert doch nicht die Qualität der Recherche. Wenn man allerdings für einen eigenen Bericht auf Archivquellen beispielsweise der FAZ zurückgreifen will, muss man für einen einzigen Artikel zwei Euro zahlen. Das sei schon Wucher. Dann fange das schwachsinnige Paymentsystem erst bei fünf Euro an. „So hätte ich noch zwei weitere Artikel kaufen müssen. So etwas brauche ich nicht. Dann lass ich es halt. Dann wird die FAZ eben nicht zitiert. Das ist ein typisches Beispiel für verpasste Chancen“, resümierte Blumtritt.

Wer sich nach dem Slow Media-Prinzip den kompletten Vortrag anhören will, kann das hier machen. Dauer gut 40 Minuten. Am Anfang mit einigen störenden Nebengeräuschen, da keine Tische zur Verfügung standen. Musste das Aufnahmegerät in der Hand halten.

Leistungsschutzrecht als Innovationsbarriere – Von der Sehnsucht der Monopolisten

Der Wirtschaftshistoriker Eckhard Höffner hat wohl ein bahnbrechendes Opus auf den Markt geworfen, an dem sich die Apologeten des Leistungsschutzrechtes wohl noch die Zähne ausbeißen werden. In seinem Werk „Geschichte und Wesen des Urheberrechts“ untersucht der Wissenschaftler den Ursprung und die Entstehung des Urheberrechts sowie die verschiedenen Gründe, die in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zu seiner Rechtfertigung angeführt wurden.

Es werden die Parallelen und Unterschiede der Entwicklung in Großbritannien und Deutschland herausgearbeitet und die geopolitischen und philosophischen Gründe beschrieben, die dazu führten, dass die Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes erst 1837 einen landesweiten Schutz urheberrechtlicher Leistungen vereinbarten, während dieser in England mit dem Statue of Anne bereits 1710 in Kraft trat. Höffner vergleicht die Entwicklung des Buchmarktes in Großbritannien mit Urheberrecht und Deutschland ohne Urheberrecht. Zudem wird der deutsche Buchmarkt vor und nach der Einführung des Urheberrechts analysiert.

Die Ergebnisse beider empirischen Analysen sind eindeutig und stehen im vollkommenen Gegensatz zur herrschenden Meinung über die Wirkung des Urheberrechts: Durch die Einführung des Urheberrechts entwickelte sich der Buchmarkt in Deutschland, das bereits 1820 führende Buchnation war, zum Schlechteren. Die Auflagen und Anzahl von Neuerscheinungen fielen ebenso wie Autorenhonorare. Nur die Buchpreise stiegen.

„In England nutzten die Verleger ihre Monopolstellung schamlos aus. Neuheiten erschienen meist nur in einer geringen Auflage von maximal 750 Exemplaren und zu einem Preis, der häufig den Wochenlohn einer ausgebildeten Arbeitskraft überstieg“, schreibt der Spiegel in einer Rezension.

Die prominentesten Verleger in London verdienten trotzdem prächtig und fuhren teils mit vergoldeten Droschken umher. „Ihre Kunden waren Reiche und Adlige, die Bücher als reine Luxusgüter betrachteten. In den wenigen vorhandenen Bibliotheken wurden die kostbaren Folianten zum Schutz vor Dieben an den Bücherregalen festgekettet. In Deutschland hingegen saßen den Verlegern Plagiatoren im Nacken, die jede Neuerscheinung ohne Furcht vor Strafe nachdrucken und billig verkaufen durften. Erfolgreiche Verlage reagierten mit Raffinesse auf die Abkupferer und ersannen eine Form der Publikation, wie sie noch heute üblich ist: Sie gaben edle Ausgaben für Wohlhabende heraus und günstige Taschenbücher für die Masse. So entstand ein ganz anderer Buchmarkt als in England: Bestseller und wissenschaftliche Werke wurden in großer Stückzahl und zu Ramschpreisen unters Volk gebracht“, so der Spiegel.

Am laufenden Band verfassten Gelehrte in Deutschland Traktate und Ratgeber, die sich mit Chemie, Mechanik, Maschinenbau, Optik oder der Stahlproduktion beschäftigten. In Großbritannien fröhnte derweil ein elitärer Zirkel einem klassischen Bildungskanon, der sich eher um Belletristik, Philosophie, Theologie, Sprachen und Geschichtsschreibung drehte.

Praktische Anleitungen, wie sie in Deutschland massenhaft gedruckt wurden – etwa zur Deichbaukunde oder zum Getreideanbau -, fehlten weitgehend. „In Großbritannien war man bei der Verbreitung dieser nützlichen modernen Erkenntnisse auf die mittelalterliche Methode des Hörensagens angewiesen“, sagt Höffner.

Die deutsche Wissensoffensive führte zu einer kuriosen Situation, die damals freilich kaum jemandem aufgefallen sein dürfte: So erwirtschaftete der längst in Vergessenheit geratene Berliner Professor für Chemie und Pharmazie, Sigismund Hermbstädt, mit seinem Werk „Grundsätze der Ledergerberei“ (1806) ein höheres Honorar als die britische Autorin Mary Shelley mit ihrem bis heute berühmten Horrorstück „Frankenstein“.

Auf politischer Ebene schafft man mit wirtschaftlich unsinnigen Leistungsschutzrechten vor allem neue Begehrlichkeiten, so das Resümee von Eckhard Höffner. „Zu schnell scheint sich das Recht zu verselbständigen und zu laut klagen die Unternehmer (die bislang auch ohne das Schutzrecht ausgekommen sind) über angebliche Schäden, Entlassung von Mitarbeitern etc. Es sind die Jahrhunderte alten Jammerklagen der Zunftmeister und Priviliegieninhaber und sie stoßen noch heute auf Gehör bei den Politikern“, führt Höffner aus. Es geht den Befürwortern der Schutzrechte in erster Linie um Abschottungsstrategien. Ein Patent verbietet beispielsweise allen Nicht-Patentinhabern, ihr Eigentum in der patentrechtlich geschützten Weise einzusetzen. So würde ein Patent zur Herstellung von Zwetschgenkuchen – vergeben an einen Bäcker –, das die abschließende Bestreuung des Kuchens mit Zimt und Zucker vorsähe, allen Hausfrauen und Hausmännern, so patent sie auch sein mögen, verbieten, ihren Zwetschgenkuchen in der selben Weise zu krönen.

Beim geistigen Eigentum scheine man nach Ansicht von Höffner in den Industriestaaten inzwischen eine neue Rechtfertigungsmethode gefunden zu haben. Sie sei wohl ganz im Sinne von Fritz Machlups Äußerungen aus der Zeit um 1960: Wenn wir im 19. Jahrhundert gewusst hätten, was wir heute wissen (1960), dann hätten wir das Patentrecht wohl nicht eingeführt. Jetzt, wo wir es haben, können wir es aber schwerlich wieder abschaffen, scheint die Devise zu sein. Das alles klingt nun nicht nach Innovation oder Dynamik in der Politik, sondern verheißt vor allem Stillstand. So führte die EU ein abstraktes Schutzrecht “auf Probe” ein — zur Evaluierung — und entschuldigt sich hinterher, dass man den neuen Besen nicht mehr kontrollieren kann. „Da wird auch verständlich, wieso es bislang anstelle von drei oder vier Berichten über die Erfolge der Datenbankrichtlinie nur einen über den Misserfolg gab. Die Berichte über die Erfolge fallen offenbar sehr kurz aus, nämlich gar nicht: Wenn es keine Erfolge zu vermelden gibt, wird geschwiegen. Wo bleibt der Hexenmeister, der dem Spuk der Lehrlinge ein Ende bereitet“, fragt sich zu recht der Wirtschaftshistoriker.

Siehe auch:
Verleger, DJV und Verdi – die Feinde der Pressefreiheit.

Das Schlafen der Verlage: Warum die E-Commerce-Modelle der Massenmedien Schrott sind

Richard Gutjahr hat ein eindrucksvolles Experiment gemacht, um auf den Online-Portalen der einschlägigen Massenblättern wie Focus, SZ oder Spiegel E-Paper-Ausgaben zu kaufen. Das Ergebnis ist desaströs. Was soll also das Gejammer über die Kostenlosmentalität im Internet und die angebliche Parasiten-Strategie von Google, wenn die Verlage noch nicht einmal in der Lage sind, ein smarte E-Commerce-Modell für ihre Produkte aufzuziehen. Diesen Sachverhalt diskutierte ich mit Branchenexperten in Kooperation mit dem Behörden Spiegel übrigens schon vor fünf Jahren auf der Cebit. Meldung siehe unten:

Mangelhaftes Bezahlsystem Hemmschuh für neue Dienste im E-Commerce

Hannover – Immer mehr Internet-Nutzer sind nach einem Bericht des Handelsblattes bereit, für Inhalte und Dienste im Internet zu zahlen. Der Bericht bezieht sich auf die Studie „Deutschland Online 2“. Danach könnte das Marktvolumen für Internet-Bezahldienste von derzeit 45 Millionen Euro bis 2010 auf 185 Millionen Euro wachsen. Schwachstelle für die Entwicklung des E-Commerce, so die Erfahrung von Omar Khorshed, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer acoreus AG, seien dabei immer noch die unzureichenden Abrechnungsmöglichkeiten im Internet. „Neue Technologien sollten den Billing-Businessmodellen folgen und nicht umgekehrt. Man kann nicht neue Dienste erst entwickeln und danach über Bezahlmöglichkeiten nachdenken. Hier werden im E-Commerce die meisten Fehler gemacht“, sagte Khorshed bei einem CeBIT-Expertengespräch in Hannover. Die Erfolgsstory von Apple bei Musik-Downloads sollte für neue Dienste im Internet oder Mobilfunk als Richtschnur gelten.

„Viele Technologiefirmen sind nicht in der Lage, massenfähige Produkte mit attraktiven, einfachen und kostengünstigen Billingangeboten zu etablieren. Mobilfunkunternehmen sollten sich mit Spezialisten verbinden, um neue Produkte an den Start zu bringen“, so Khorshed. Auch im öffentlichen Dienst, so die Meinung von Behörden Spiegel-Chefredakteur Achim Deckert, sei die Abrechnung häufig der größte Bremspunkt, um fertig entwickelte Module im E-Government einzusetzen. „Hier liegt besonders für Kommunen ein enormes Geschäfts- und Einnahmepotential“, betonte Deckert. Alleine könnten Behörden diese Aufgabe nicht stemmen.

„Ob in der Telekommunikation, im Internet oder im Mediengeschäft, beim Billing mangelt es an Erfahrungen, Kenntnissen und dem nötigen Bewusstsein“, sagte Bernd Meidel, Geschäftsführer der Vogel Online GmbH. Es müsse deshalb bei Bezahlsystemen eine starke Vernetzung geben mit dem Ziel, das Produkt an den Kunden zu bringen – mit einfachen und verständlichen Rechnungen, ohne Unannehmlichkeiten. Khorshed äußerte sich dennoch optimistisch über die Entwicklungschancen des E-Commerce. „Hier entsteht eine der stärksten Handelsformen der Zukunft. Man sollte sich dabei auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und nicht seine Zeit mit Technologie- und Systemfragen verschwenden. Das können Billing-Dienstleister besser. Der Mehrwert für Kunden ist entscheidend“, so das Resümee von Khorshed. Ende der Meldung, die ich damals schrieb. Sie hat an Aktualität nichts eingebüßt, wie der Youtube-Film von Gutjahr belegt.

Warum Verleger weinen würden und die Blockadestrategie gegen Google verlogen ist

Beim Mainzer Kongress „besser online“ des DJV haben Vertreter von klassischen Medien, Onlinemedien und Blogs einen Tag lang über aktuelle Themen des Internet-Journalismus diskutiert. Die Podiumsdiskussionen und Fachforen waren mit interessanten Experten bestückt. Häufig fehlte aber eine lebendige Debatte, was teilweise an den etwas emotionslosen Moderatoren lag.

Beim Eröffnungspodium „Google sei bei uns“ sagte Björn Sievers, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen von Focus Online, dass die Blockadestrategie von Rupert Murdoch und Springer gegen Google zum Scheitern verurteilt sei: „Technisch ist es einfach möglich, Google und jede andere Suchmaschine über eine kleine Textdatei, die man auf dem Server ablegt, auszuschließen. Das ist kein Hexenwerk. Wenn man sich den Traffic von großen Nachrichten-Websites anschaut, dann liegt der Prozentanteil des Google-Traffics ungefähr zwischen 30 und 60 Prozent. Das bedeutet, das ein typisches deutsches Nachrichtenportal um die Hälfte schrumpfen würde, wenn man Google ausschließt“.

Entsprechend verlieren Verlage Anzeigenerlöse über die Websites. Man könne zwar versuchen, diesen Verlust durch Paid Content-Strategien wieder aufzufangen. Sievers glaubt allerdings nicht an den Erfolg dieses Vorgehens. Bei allgemeinen Nachrichten werde man damit scheitern. Eher funktioniere so etwas bei der Stiftung Warentest, wo man vor dem Kauf einer Waschmaschine vielleicht auch Geld für einen Testbericht ausgibt, weil man dann in der Relation zum Kaufpreis wichtige Informationen erhält. Wenn Murdoch und Springer es wahrmachen und Kassenhäuschen für die Nutzung ihres Contents aufstellen, dann kommt der Markt für Journalismus wieder in Bewegung und es gibt neue Chancen für alternative Angebote wie dem Heddesheimblog von Hardy Prothmann.

Der freie Journalist Albrecht Ude warf die Gegenfrage auf. Was würden Verleger sagen, wenn Google die Entscheidung trifft, Verlage auszusperren? „Die würden schreien, die würden klagen, die würden verzweifelt sein und das sind sie eigentlich auch jetzt schon. Die Verleger versagen. Es ist die Aufgabe der Verleger, aus guten Inhalten auch irgendwann gutes Geld rauszukriegen und das schaffen sie im Internet zur Zeit nicht“.

Lars Reppesgaard, Autor des Buches „Das Google-Imperium“, findet es verlogen, wenn die Verleger behaupten, sie würden durch Google enteignet werden. Als Autor findet er diese Position unverschämt, da ihn Verleger jeden Tag mit buy out-Verträgen und anderen Unfreundlichkeiten knebeln würden. Dadurch werde man als Urheber faktisch enteignet durch das Ungleichgewicht der Kräfte. Beim Druck, den Verleger derzeitig gegen Google aufgebauen, gehe es nicht um die Aufrechterhaltung von Qualitätsjournalismus, sondern nur um eine bessere Verhandlungsposition mit dem Mountain View-Konzern, um die eigenen Kassen zu füllen. Hier liegen die wahren Gründe für die Forderung nach einem so genannten Leistungschutzrecht. Hier die komplette Audio-Aufzeichnung der Runde (die Qualität der Lautsprecher im Konferenzsaal des ZDF war nicht so besonders):

Der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt hat es zum zehnjährigen Jubiläum von Google den Punkt gebraucht: „Ohne Google sind Informationen wenig wert, weil sie – ganz simpel – nicht gefunden werden. Und was nicht gefunden wird, existiert nicht. Zumindest nicht für die junge Generation, für die das Internet Leitmedium und Google ihr zentraler Wegweiser ist: Auf die Frage, wo sich die Menschen näher über ein Thema informieren, antworten heute 51 Prozent der Deutschen ‚im Internet’. 1999, als es Google in Deutschland noch nicht gab, waren es 9 Prozent. Noch deutlicher fällt dieser Anstieg unter jungen Menschen aus: Von 19 Prozent auf 75 Prozent ist dieser Wert hochgeschnellt. Ob Online-Händler, Reiseanbieter, Produktvergleichsmaschine oder Medien – fast alle, die im Internet Geld verdienen, bekommen einen großen Teil ihrer Kunden oder Leser über Google. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um reguläre Suchtreffer handelt oder Werbung auf der rechten Seite. Die Präsenz unter den Top-Ten-Suchtreffern entscheidet über Sein oder Nichtsein im Internet“.

Und wenn Google so eine Teufelsmaschine ist, warum forcieren denn viele Verleger ihre Präsenz in der Suchmaschine? „Heerscharen sogenannter Suchmaschinenoptimierer basteln zurzeit an den Internetseiten der Medien, damit ihre Inhalte von Google möglichst prominent angezeigt werden. Die Journalisten müssen heute ‚Google-optimiert’ schreiben, also die richtigen Schlagworte in der richtigen Häufigkeit einsetzen. Die ‚optimale Keyword-Dichte’ ist im Google-Zeitalter essentiell geworden. Denn auch Journalisten wissen längst: Zugriffe auf Artikel, die auf Google News oben stehen, schnellen sofort hoch. Wessen Artikel nur unter einer Sammeladresse wie ‚und 856 ähnliche Artikel’ aufgeführt ist, hat es schwer, die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen“, so Schmidt.

Jens Matheuszik, Macher des Pottblogs, hat auf sympathische Weise dargestellt, warum seine lokalen Berichte auf eine so große Resonanz stoßen und bei den Lokalzeitungen eher kritisch beäugt werden. Er ist eben häufig schneller mit relevanten kommunalen Ereignissen im Internet präsent als WAZ und Co. Ähnliches berichtete Hardy Prothmann vom Heddesheimblog (den Vortrag hörte sich meine Freundin an, lief parallel).
Hier geht es zur Audioaufzeichnung des Pottblog-Vortrages:

Die Twitter-Runde mit dem Thema „Nachrichten oder Nabelschau“ war nicht so prickelnd, so dass ich irgendwann mein Aufnahmegerät ausgeschaltet habe. Über Sinn und Unsinn des Nachrichtendienstes immer noch zu palavern, war doch nervig. Frank Schmiechen von Welt Kompakt war in dem Kreis noch der interessanteste Diskutant. So setzt er nach eigenen Aussagen auf die Interaktion mit den Social Media-Kanälen. Zwei Seiten in jeder Printausgabe werden diesem Thema gewidmet. Ich habe das Blatt lange Zeit nicht mehr gelesen, werde es aber überprüfen. Hier eine Hörprobe der Expertenrunde:

Siehe auch:

Purer Protektionismus: Kampf von Springer und Co. gegen Google verlogen.

Kampf gegen Google verlogen.

Vorhang zu und alle Fragen offen: Replik auf Robert Schweizers Verteidigung des Leistungsschutzrechts.

Hardy Prothmann vom Heddesheim-Blog über Bratwurstjournalismus und den Autismus der Lokalzeitungen.

Anzeigen finanzieren Printmedien, nicht Leser: Und die wandern ins Netz!

Endlich hat jemand mal die Sache in der Diskussion um die Zukunft der Printmedien auf den Punkt gebracht! Joachim Dreykluft, Nachrichtenchef von FTD online hat eine einfache Frage treffend beantwortet.

Wer bezahlt für die Inhalte der Printmedien, wer bezahlt Journalisten?

„Hierfür haben sich Verleger schon vor Hunderten von Jahren eine zweite Einnahmequelle ausgedacht: Anzeigen. So gut wie kein Blatt der Welt verzichtet darauf. Bislang fiel die Tatsache, dass gar nicht die Leser die Journalisten bezahlen, nicht weiter auf. Es war auch nicht wichtig, das einzeln aufzudröseln. Denn alle Einnahmen kamen in der guten alten Zeit in einen Pott. Druckereierlöse, Vertriebserlöse, Anzeigenerlöse. Am Ende wurde zusammengezählt. Heraus kam oft eine schöne schwarze Zahl. Und das war kein Wunder. Denn die Verlage hatten nicht nur ein begehrtes Produkt anzubieten. Sie hatten auch einen starken Zugriff auf die Margen eines bedeutenden Teils des Produktionsprozesses.“

Und sie hatten wie in Bonn oder Köln auch ein schönes Zeitungsmonopol. Da waren die Lokal- oder Regionalzeitungen richtige Dukatenesel. Aber wer braucht denn noch Immobilienanzeigen, Stellenzeigen, Kleinanzeigen oder Heiratshilferufe in Gesternzeitungen. Das können Webangebote viel besser darstellen. Schneller, günstiger, informativer und sogar personalisiert. Häuser, die in allen Facetten gezeigt werden mit Fotos und Filmchen, bundesweite Recherchemöglichkeiten für die Jobsuche und von den vielen Partnerbörsen ganz zu schweigen. Das Experiment, Printprodukte hoch zu bepreisen und auf Anzeigen zu verzichten, wagt aus gutem Grund so gut wie niemand, meint Dreykluft. „Denn der Leser ist nicht bereit, neben den Distributionskosten auch noch den Inhalt zu finanzieren. Aber genau dieser Denkfehler führt zur Diskussion über Paid Content“.

Zunächst sollten Journalisten, die für Print arbeiten und glauben, der Leser bezahle sie und deshalb sei ihr Inhalt wertvoller als der der Onlinekollegen, in sich gehen. Und Verleger sollten nicht alle paar Jahre eine neue Bezahlinhalte-Sau durchs Dorf treiben. „Sonst wird die Diskussion immer wieder da enden, wo sie es schon 2001 und 2004 tat: im Nichts. Viel wichtiger ist, darüber nachzudenken, wie es Verlagen gelingen kann, wieder Kontrolle über größere Teile der Distributionskette zu bekommen. Wenn Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser Druckereien und Vertriebe besitzen, warum überlassen sie es dann Amazon, Sony oder Apple, mobile Lesegeräte auf den Markt zu bringen? Hier etwa wäre eine große Chance, wieder Marge zu machen. Und für solch eine Initiative müsste man nicht auf Rupert Murdoch warten“. Aber das wird nicht gelingen. Da fehlt den Verlegern ein Genius wie Steve Jobs. Daher wird Apple auch hier einen großen Teil der Wertschöpfung abschöpfen.

Siehe auch:
Jeff Jarvis und die pawlowschen Reflexe der alten Medienwelt – Die Zeiten sind vorbei, wo Zeitungen bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen konnten.

Riepl-Illusionen und die kulturellen Katastrophen der Computerkommunikation – Zeiten der Informationsmonopole sind vorbei.

Ob mit oder ohne Manifest: Bei vielen Massenmedien werden die Lichter ausgehen

Es gibt das Kommunistische Manifest, das Manifest des Surrealismus, das konsumistische Manifest, das Cluetrain-Manifest und nun das Internet-Manifest. Nach dpa-Meinung soll es ein Beben ausgelöst haben – aber wer spürt denn da wirklich die Schwingungen unter seinen Füßen? Die Autoren haben ihre 17 Behauptungen. als Gegenentwurf zur „Hamburger Erklärung“ formuliert, in der über 160 Verleger Ende Juni einen besseren Schutz des geistigen Eigentums im Internet verlangt hatten. Man kann viele Positionen unterschreiben. Etwa: „Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche. Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.“ Oder: „Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.“ Richtig ist auch: „Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.“ Auch die anderen Punkte beschreiben die Realität einer neuen Medienwelt, die von den Großverlagen einfach nicht akzeptiert wird. Pech gehabt. An den System-Defiziten werden die meisten Medienmacher scheitern und das kann uns doch ziemlich Wurscht sein.

Das ist eine Chance für all jene, die ohne große Overhead-Kosten spannende Projekte auf den Markt bringen – und das sogar in Printform, wie beispielsweise Dummy. Das hat Dummy-Herausgeber Oliver Gehrs hervorragend analysiert: „Die großen Verlage sind nur auf ihre Rendite erpicht. Sie wollen keine Innovationen machen. Sie haben alle journalistischen Spielwiesen, die wirklich Spaß machen, gestrichen, weil sie nicht den Renditezielen entsprachen. Ich habe eine denkbar schlechte Meinung von dieser Medienlandschaft, vor allem im Printbereich“, sagte Gehrs beim Medienforum Mittweida schon vor zwei Jahren! Verlage hätten es verschlafen, wirkliche Marken im Internet zu etablieren. Die Online-Auftritte seien lange Zeit nur Abflussrohre der Printausgaben gewesen.

Die Massenblätter seien dazu verdammt, immer den kleinsten Nenner zu finden. Sie müssten an den Studienrat in Heidelberg und an die 25-Jährige in Berlin-Mitte denken. Dieser Spagat würde nicht mehr funktionieren. „Wenn man den Stern oder den Spiegel liest, kriegt man ständig gesellschaftliche Zustände beschrieben, die es so gar nicht gibt. Zumindest nicht in diesen großen gesellschaftlichen Clustern. Diese Gesellschaft, die da abgebildet wird, ist so nicht mehr existent. Etwa die Neue Bürgerlichkeit. Die kann man finden, aber auch genau das Gegenteil. Oder die Neue Gemütlichkeit in Berliner Kneipen (Stern-Bericht). Auch das kann man antreffen. Man könnte aber schreiben, die Neue Kühle in Berliner Kneipen. Es gibt mittlerweile so viele Lebensstile, die nebeneinander existieren. Die Welt wird immer dialektischer“, erklärte Gehrs.

Massenmedien würden noch immer dem großen gesellschaftlichen Kanon hinterherlaufen. Die Zeit für hohe Printauflagen mit einer Million Auflage sei endgültig vorbei. Die großen Tanker mit ihrem Themen-Mainstream ohne Trennschärfe könnten die reale Welt immer weniger abbilden. Daran werden auch die krampfhaften Abwehrschlachten der Verleger nichts ändern. In Zukunft werde es immer mehr Publikationen geben, die vielleicht 80.000 Leser erreichen. Das sei das Dilemma der großen Verlage, die nur in Dimensionen von 250.000 aufwärts rechnen. Ein Heft wie Dummy werde es bei Gruner & Jahr, Burda oder Bauer nie geben. Diese Konzerne könnten nicht in kreativen Einheiten denken. Da müsse jeder als Profit Center dazu beitragen, dass die Verlagsbosse auch schön in ihren Dienstwagen fahren können. Die Verlagskonzerne seien nicht in der Lage, gesellschaftliche Veränderungen zu spüren und publizistisch abzubilden.

Der Journalismus-Professor Stephan Ruß-Mohl sieht es ähnlich: „Die Verlagsmanager haben sich an entscheidenden Stellen verkalkuliert. In der ‘guten, alten’ Zeit hatten die meisten Blätter regionale oder lokale Oligopole oder Monopole, also eine marktbeherrschende Stellung. Damit konnten sie bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen. Über Jahrzehnte hinweg erzielten sie Traumrenditen, von denen nicht nur viele Verleger, sondern auch so manche Redakteure in ihren Nischen wie die Maden im Speck lebten. Im Internet herrscht dagegen Wettbewerb. Der Konkurrent, der auf dieselben Anzeigenkunden hofft, ist nur einen Mausklick entfernt. Deshalb schrumpfen bei den Werbeumsätzen die Margen, aus denen sich früher Redaktionen großzügig finanzieren ließen“, so Ruß-Mohl. Für die Werbetreibenden seien das paradiesische Zustände. Sie könnten ihre Zielgruppen ohne allzu große Streuverluste über das Internet sehr viel besser erreichen und müssten das Geld nicht mehr zum Fenster rausfeuern.

Und noch ein Trend schröpft die Verlage: Wer nach einer neuen Freundin Ausschau hält oder sein Auto zum Verkauf anbietet, kann online inzwischen gratis oder für wenig Geld seine Ziele erreichen. Hier hilft die Silo-Taktik der Verlagsmanager nicht weiter. Die entsprechenden Portale laufen auch ohne Nachrichten-Content!
Offensichtlich fehlt vor allen Dingen den Medienmachern in Deutschland eine klare Strategie. Zu lange haben sie das Thema heruntergespielt. Sie haben über Jahre das eigene Niedergangs-Szenario verdrängt, kritisiert Ruß-Mohl.

Das Internet hat die Autorität der Massenmedien untergraben und sie vom Nachrichtenthron gestoßen. Psychologisch ist das wohl schwer zu verkraften. Braucht uns nicht zu interessieren. Es gibt keine Selektionsmacht mehr, die früher den Nachrichtenstrom in ein Rinnsal verwandelt hat. Auch die Urheberschlachten, Abmahnsysteme der Nachrichtenagenturen und sonstige neuen Strafmaßnahmen gegen die Internetwelt ändern nichts an den technologisch bedingten Änderungen der Geschäftsgrundlage, die Professor Ruß-Mohl dargelegt hat. Die Kohle für Werbung, Immobilien-, Klein- und Kontaktanzeigen wandert immer mehr ins Web ab. Dafür braucht man keine klassischen Verlage mehr. Und auch der mediale Einheitsbrei der Tageszeitungen kann uns gestohlen bleiben. Sehr hübsch übrigens in der September-Ausgabe des DJV-Verbandsmagazins „journalist“ unter die Lupe genommen. „Crossmedial total“ war beispielsweise eine Artikel-Verzahnung des Iran-Korrespondenten Martin Gehlen. „Sein Beitrag über den Schauprozess gegen Clotilde Reiss stand weitgehend identisch nicht nur in der Frankfurter Rundschau und im Kölner Stadtanzeiger, sondern auch in der WAZ, der Westfälischen Rundschau und der Neuen Ruhr Zeitung.“ Identitäten stellte der journalist-Autor sogar bei Zeichensetzungsfehlern fest.

Und wenn man sich die Politik- und Wirtschaftsberichte in Regionalzeitungen anschaut, bekommt man angesichts der Flut von Meldungen der einschlägig bekannten Nachrichtenagenturen das Grausen. Die Gesternzeitungen konkurrieren halt mit der Tagesschau von gestern. Mit oder ohne Manifest. Bei vielen Massenmedien werden die Lichter ausgehen. Gute Nacht!

Ziel sei es nach Angaben von Manifest-Co-Autor Stefan Niggemeier übrigens gewesen, eine Debatte zu entzünden. Dies sei zweifelsohne gelungen, auch wenn sich bislang kaum Verleger zu Wort gemeldet hätten. Er geht aber schon davon aus, dass dies in den Verlagen aufmerksam zur Kenntnis genommen wird. Jo, zur Kenntnis nehmen kann man viel. Passieren wird in den Verlagen wenig.

Siehe auch:
Web verreißt das Internet-Manifest.

Jakob Augstein: Düstere Prognosen für Tageszeitungen

Omas Zeitung liegt im Sterben
Omas Zeitung liegt im Sterben
Seit Jahren büßen Tageszeitungen an Auflage ein und wandert Werbung ins Internet ab. Die Folge: Verlage verdienen immer weniger mit Anzeigen und sind immer stärker auf – stetig sinkende – Vertriebserlöse angewiesen. Die größte Bedrohung jedoch: Immer weniger junge Menschen kaufen Zeitungen. Warum auch, wenn Lokalblätter den Nachrichtenwert einer Konservendose haben.

„Die Zeitungen ändern sich?“ war das Diskussionsthema des „Medientreffpunkts Mitteldeutschland“. Jakob
Augstein beurteilte die Perspektiven für Tageszeitungen als „düster bis tief schwarz“, so der Geschäftsführer der Wochenzeitung „Der Freitag“ und Mitgesellschafter der Spiegel-Verlagsgruppe. Die Zeitungen änderten sich eben nicht, führte er aus: „Die Beharrungskräfte in den Redaktionen und die Abhängigkeit von alten Erlösmodellen stehen einer Anpassung an die neuen Verhältnisse im Weg.“

Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, schilderte den Weg der Tageszeitungen ins Internet: In einer ersten Phase hätten die Verlage Zeitungsinhalte einfach ins Netz gestellt. Heute gebe es
Zusatzangebote wie Themendossiers oder Fotostrecken – „eine verlängerte Zeitung“. Als eigenes Produkt und eigene Marke aber hätten die Verlage das Onlinemedium noch nicht begriffen. Die Markenbildung hält auch Augstein für eine der wichtigsten Aufgaben von Online-Zeitungen. Inhalte verschiedener Anbieter müssten sich
„viel stärker“ voneinander unterscheiden, sagte er. „Von spiegel.de bis zu sueddeutsche.de ist es heute nur ein Klick. Die Trennschärfe ist nicht groß genug.“ Augstein setzt auf die Kommunikation mit den Lesern: „Journalisten müssen vom hohen Ross des Dozierens runterkommen.“ Mehr Beteiligung der Medienkunden klingt doch irgendwie nach Jeff Jarvis. Siehe auch „das Ende der Zeitungspapier-Ära“.

Mit seiner Forderung nach mehr Inhalt, die von den Zeitungsnutzern selbst gestaltet werden, erntete Augstein Widerspruch beim Chefredakteur von sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs. Journalisten seien als
Garanten für sicher recherchierte Texte unabdingbar. Daran kann ja kein Zweifel bestehen. Nur die Printjournalisten sind halt nicht mehr die exklusive Quelle der wirklich harten Nachrichten!

Google Times, Buzzriders und das Ende der Zeitungspapier-Ära

jarvisCem Basman weist in einem Blog-Beitrag auf das neue Medienprojekt „Buzzriders“ von Robert Basic hin, mit der die Nachrichtenwelt revolutioniert und Giganten wie Spiegel Online oder heise.de herausgefordert werden.
Ob eine Revolution dabei herausspringt, ist gar nicht so wichtig.

Das Vorhaben ist eine richtige Weichenstellung für die Post-Zeitungspapier-Ära, die Jeff Jarvis in seinem Buch „What Would Google Do“ (mittlerweile auch in deutsch erschienen im Heyne-Verlag). So gehen Experten in den USA davon aus, dass bei der gegenwärtigen Entwicklung der Verlagswelt im Jahr 2040 die letzte amerikanische Zeitung herausgegeben wird. Und das war eine Einschätzung, die noch nicht die volle Wucht der Finanzkrise für die Printwelt einkalkuliert hat. Der Abwärtstrend hat sich noch verstärkt – mit etwas zeitlicher Verzögerung werden wir das auch in Deutschland erleben.

Deshalb der Rat von Jarvis: Wer heute neue Medienformate entwickelt, sollte dezentralisiert denken. Nachrichtenorganisationen können sich nicht mehr auf die Vorstellung verlassen, dass die Welt sich bis zu ihren Toren durchschlagen wird. „Die Menschen finden ganz allein zu den Nachrichten. über unendlich viele neue Wege: Blogs von Freunden, Nachrichten-Websites wie Google News und Daylife, kooperative Nachrichten-Websites wie Digg, Feeds auf Facebook oder Twitter“, so Jarvis. Werden Sie zu einer Plattform, proklamiert Jarvis. Werden Sie Teil eine Netzwerks. Sie können nicht mehr alles allein machen. Sich kooperativen Netzwerken anzuschließen sei hilfreich. Man sollte lokal die Hilfe des Lesepublikums in Anspruch nehmen, um Storys zu vervollständigen. Es könnte bedeuten, die Öffentlichkeit zur Berichterstattung zu rekrutieren und zu mobilisieren. Es könnte auch bedeuten, sie in dem Geschäft zu etablieren. „Es bedeutet mit Sicherheit, ihre Beiträge und Verbesserungen willkommen zu heißen“, schreibt Jarvis. Die lokale Öffentlichkeit wird der Boss. Die Zeitung 2.0 werde mit ausgewählten Bloggern, Unternehmern, Bürgern und Communitys zusammenarbeiten, die Nachrichten sammeln und verbreiten und sie unterstützen. Um das zu erreichen, müsse man im Kleinen agieren, aber in großen Bahnen denken und die Welt neu definieren.
In diese Richtung marschiert Robert Basic meiner Ansicht nach mit Buzzriders. „Sein Ziel ist eine von Nutzern generierte Nachrichtenquelle im Web, die insbesondere auch die lokalen und kleinen Nachrichten liefert. Zudem auch Kleinanzeigen. Einen News-Bereich, mit dem sich die Grossen schwer tun, der aber auf ihrer Agenda steht, wie ich gestern Abend beim media coffee gerade wiederholt auch von Christoph Keese (Springer) im Panel gehört habe. Roberts Vorhaben ist eine Art ‚micro-dpa 2.0‘. Vielleicht auch 2.5. Lobenswert. Ehrgeizig“, urteilt Basman. Seine Empfehlung kann ich nur unterstützen: „Nicht klein reden. Unterstützen! Nicht reden. Machen!“

Es wird nicht das einzige Projekt bleiben, aber wer jetzt an den Start geht, wird mit den richtigen Konzepten die Krise der klassischen Medien abfangen. Demnächst mehr auf NeueNachricht zu sehen. Das zehn Jahre alte CMS von Lotus Notes hat gute Dienste getan. Kommt jetzt auf den Müll und wir starten mit einem ganz anderen Ding. Später dazu mehr.

Der Spiegel in Weltuntergangsstimmung – Analogien zu 1929 sind eine Frechheit

Der Spiegel-Titel mit den Analogien zur Weltwirtschaftskrise 1929 ist wohl der Tief- oder Höhepunkt in der Krisenberichterstattung der vergangenen Monate. Den Status quo mit dem Untergang der Titanic zu vergleichen und mit der Überschrift „Rette sich, wer kann – Wie der Untergang der Weltwirtschaft verhindert werden soll“ zu dramatisieren, geht nun völlig an der Realität vorbei. Besonders fragwürdig ist die wohl bewusst gewählte Analogie zur Weltwirtschaftskrise 1929, in der nicht nur Massenarbeitslosigkeit herrschte, sondern Hunger, Armut, Obdachlosigkeit und soziale Verelendung. Davon kann nun in der westlichen Welt aktuell überhaupt nicht gesprochen werden.

Wohltuend sachlich ist dagegen die April-Ausgabe der Zeitschrift Cicero. Die Gastautoren Richard Gaul und Christiane Goetz haben die grassierende Schwarzmalerei auf den Punkt gebracht. Der kollektive Krisenrausch suche zwar nach Parallelen mit 1929. Nur dieser Vergleich sei schief. „Verglichen werden nämlich Wachstumsraten und nicht Substanzniveaus. Wenn unsere Wachstumsraten 2009 auf minus 2,25 (Prognose der Bundesregierun) oder gar 4 Prozent (Deutsche Bank) abrutschen sollten, dann wird das eine schwere Rezession, keine Frage. Und doch sagt der prozentuale Rekordeinbruch nur allzu wenig über die realen Effekte“, so Gaul und Goetz. Enscheidend bleibe der Bezugswert und wir schrumpfen eben auf einem sehr hohem Niveau. Vom höchsten, das uns die Weltgeschichte je beschert habe. Wenn also ein reiches Land drei Prozent seines Vermögens verliert, bleibe es trotzdem ein reiches Land. Verlieren wir diesen Wert, erreichen wir die Wirtschaftsleistung von 2006 – ein Jahr, das wir als ein opulentes Jahr des Aufschwungs in Erinnerung haben. „Das Wohlstandsniveau liegt um ein Zigfaches über dem vor 80 Jahren“, schreiben die beiden Cicero-Autoren. Es ist auch eine Beleidigung für die vielen Menschen, die damals wirklich schlimmes durchgemacht haben. Deutschland kann im Gegensatz zur Weimarer Republik nicht nur eine gefestigte und intakte Demokratie vorweisen, sonst auch sehr stabile soziale Sicherungssysteme – bei allen strukturellen Defiziten, die man ändern muss.

Was immer man vergleicht – die Lebenserwartung, die Qualität des Essens, das Bildungsniveau, die Wohnsituation, der industrielle Kapitalstock – wir leben so dramatisch viel reicher als die Generation von 1929, dass wir schon eine Rezession von 90 Prozent Niveaurückgang erleiden müssten, um in eine Welt aus Suppenküchen und Tuberkulose-Epidemien zurückzufallen.

Auffällig ist vor allem das Wehklagen von Journalisten in Zeitungen und Zeitschriften, die kaum noch positive Nachrichten durchlassen. Die Printmedien werden ja auch überdurchschnittlich vom Abschwung gebeutelt. Und das schon seit einigen Jahren. Begonnen hatte es mit dem Crash des Neuen Marktes vor neun Jahren. „Seitdem ist für die Medien – und da vor allem für die gedruckten Medien – nichts mehr wie es war. Auch der Aufschwung der vergangenen Jahre fand in den Medien selbst kaum einen Niederschlag“, erklären Gaul und Goetz. Der Werbekuchen wandert immer stärker ins Internet ab und wird auch nicht mehr zurückkommen. Die gefühlte Krise dauert also für Printjournalisten schon sehr viel länger. Entsprechend ist das Glas eben immer nur halb leer und nicht halb voll. So rechnen einige zum Beispiel mit einem irreversiblen Niedergang der Druckindustrie. Nur wer druckt denn nur Zeitungen?

Der Verpackungsdruck boomt weiterhin, der Anteil von Verpackungen für Konsumgüter ist krisenfest. Dann gibt es noch Kunstdruck oder Veredelungen, die überhaupt nichts mit dem Zeitungsdruck zu tun haben, der sich scheinbar im freien Fall befindet. Pech für Unternehmen, die ausschließlich auf diese Karte gesetzt haben. Scheinbar bewahrheitet sich hier der Philosophenspruch, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen.

Allerdings sind die Printmedien nicht mehr ganz so entscheidend für die öffentliche Meinung. Fallen Bevölkerungsmeinung und Medienmeinung auseinander, spricht Allensbach-Gründerin Noelle-Neumann von einem doppelten Meinungsklima. So ist es bei der aktuellen Krisenwahrnehmung, wie ich an anderer Stelle schon ausführte: “Die Gelassenheit der großen Mehrheit geht auf die Kluft zwischen der Nachrichtenlage über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und den eigenen Erfahrungen zurück. Nach wie vor können die meisten Erwerbstätigen in ihrem Unternehmen keine Anzeichen der Krise erkennen. 31 Prozent sehen in ihrem Unternehmen Auswirkungen; dieser Anteil hat sich in den letzten zwei Monaten nicht verändert. Eine Analyse nach Branchen zeigt, wie unterschiedlich einzelne Wirtschaftszweige betroffen sind. Während sich die Automobilindustrie und ihre Zulieferer im Auge des Taifuns befinden und auch der Maschinenbau mittlerweile stark betroffen ist, erleben die Beschäftigten der Bauwirtschaft, im Handel oder des Gesundheitswesens die Krise überwiegend über die Medien“, schrieb vor wenigen Wochen die Allensbach-Chefin Renate Köcher in der Wirtschaftswoche. Das hat nichts mit Ignoranz, sondern mit Lebenskunst zu tun und ist der Schlüssel, um aus einer Krise wieder herauszukommen.

Das hat Harvey Nash-Chef Udo Nadolski in einem Blog-Beitrag über die empirischen Erkenntnisse des legendären Informatik-Professor Karl Steinbuch sehr richtig erkannt: “Die wirtschaftliche Dynamik ist nicht nur abhängig von äußeren Faktoren wie Steuerlast oder Arbeitsgesetzen, sondern in hohem Maß auch von Psychologie. Für die Konjunkturentwicklung ist es relevant, wie es zu gleichgerichteten Verhaltensweisen der Bevölkerung bei jenen Faktoren kommt, die Expansion und Rezession beeinflussen; denn erst der Gleichschritt erzeugt die Durchschlagskraft, verstärkt die Wirkung so sehr, dass der Konjunkturverlauf einen schicksalhaften Rang erhält. Als Ursache ist ein sozialpsychologischer Faktor herausgearbeitet worden – Ansteckung. Sie wird ausgelöst durch übereinstimmende Motive der Wirtschaftsakteure, gemeinsame, unter bestimmten Umständen erweckte Vorstellungen, Nachahmung, Übertragung von Gefühlen und überspringende Stimmung”. Und nun verhalten wir uns anders und hier liegt die Basis für den Konjunkturaufschwung. Vielleicht sollten die Printjournalisten und vor allen Dingen die Spiegel-Redakteure mehr Seneca lesen: “Das meiste Unglück gebiert die falsche Meinung, dass Unglück sein müsse…Würde sich jeder erziehen, nur vom Gutem, Beglückendem zu sprechen – alle würden glücklicher werden! Denn wir ziehen herbei, was wir vorwiegend denken und aussprechen. Durch das richtige Denken können wir Leid und Missgeschicke so gut von uns fernhalten wie Miss-Stimmung und Krankheit.” Auf unvorhergesehene Streiche müsse man gefasst sein und unerschütterlich fest stehen.