Der Reigen der Sessionvorschläge fürs StreamCamp13 am 16. und 17. November in Köln geht weiter. Gestern habe ich mit meinem Freund Wolfgang Schiffer einige Ideen für die Vorführung unserer Sendereihe Wortspiel-Radio besprochen. Wir wollen das am Vormittag des zweiten Barcamp-Tages machen, da Wolfgang noch einige Reisevorbereitungen vornehmen muss.
Mobiles Studie von Wortspiel-RadioDanach wollen wir mit Euch über unsere Sendung sprechen, über die eingesetzte Technik, über den Einsatz von Hangout on Air beim Audio-Livestreaming und sicherlich wird Wolfgang auch etwas über seinen Literaturblog Wortspiele sowie seine berufliche Laufbahn als WDR-Hörfunkmann erzählen. Er ist der Experte für den guten Audio-Ton! So dürfte die Session-Stunde nicht langweilig werden.
Habt Ihr Lust, Eure Session-Ideen schon im Vorfeld vorzustellen? Wir könnten das hier auf dem ichsagmal-Blog machen oder Ihr macht das einfach auf Euren eigenen Blogs und verlinkt auf den StreamCamp-Blog.
Über unseren medienpolitischen Tanz mit Kanzlerin Merkel über die rechtliche Einordnung von Livestreaming habe ich hier und auf dem Tweetcamp in Köln ausführlich berichtet. Als Merkel vorhatte, ein neues Dialog-Format via Hangout on Air zu starten, stellte ich die eigentlich harmlose Frage, ob denn unsere Regierungschefin auch über eine Rundfunklizenz verfügt.
Entsprechend halten wir die für Bloggercamp.tv zeitlich befristete Sendelizenz, die uns die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) ausstellte, für überflüssig. Aber im Freistaat ticken die Uhren wohl etwas anders, weshalb Hannes Schleeh die BLM um eine Klarstellung bat. Auszug des Schreibens:
„In unserem heutigen Telefonat entstand der Eindruck, wir bräuchten für unser Projekt bloggercamp.tv eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung oder alternativ eine kostenpflichtige Sendelizenz für die Zeit nach dem 31.12.2013. Das entspricht wohl nicht ganz der Linie, die bei den Beratungen der ZAK im April zur Sprache kam. Damit Rechtssicherheit und Klarheit in Bezug auf unser Projekt und ähnliche Projekte besteht, hätten wir gerne eine schriftliche Stellungnahme der BLM, warum diese der Ansicht ist, dass wir weiterhin eine Sendelizenz nach dem Rundfunkstaatsvertrag benötigen. Wir sind davon ausgegangen, dass mit den offiziellen Aussagen von Herrn Dr. Brautmeier und den Ergebnissen der ZAK-Sitzung vom 16.04.2013, die Herr Sohn vom Pressesprecher Dr. Peter Widlok am selben Tag erhalten hat, bundesweit Hangouts on Air nicht unter den Rundfunkbegriff fallen.“
Ein Schreiben der BLM soll uns in den nächsten Tagen erreichen. Das werden wir in einer Session beim StreamCamp vorstellen und mit Euch diskutieren. Zugleich produzieren wir das als Bloggercamp.tv-Sendung und zeigen den Session-Teilnehmern, mit welchem technischen Einsatz das abläuft. Tenor der Session:
Warum wir auch künftig die Kanzlerin medienpolitisch besiegen müssen.
Ist Euch eigentlich bekannt, dass im Freistaat Bayern auch rundfunkrechtlich die Uhren anders gehen? Steht bei Wikipedia:
Aufgrund einer Regelung in Artikel 111a der Bayerischen Verfassung, nach der privater Rundfunk nur in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft veranstaltet werden darf, ist die BLM de iure die Veranstalterin aller bayerischen Rundfunkprogramme, die von privaten Anbietern verbreitet werden. Die BLM schließt im Zuge einer Lizenzierung daher mit den Programmanbietern rechtlich gesehen einen Anbietervertrag ab. Dies unterscheidet die Programmanbieter in Bayern, also eines in der Umgangssprache bezeichneten Radio- oder Fernsehsenders in Bayern, zu den Rundfunkveranstaltern (Hörfunk und Fernsehen) in anderen Bundesländern, in denen ein Programmanbieter grundsätzlich die Stellung eines Rundfunkveranstalters hat. Gegründet wurde die BLM am 1. April 1985, da aufgrund der Bayerischen Verfassung Rundfunk ausschließlich in öffentlicher Verantwortung und öffentlich-rechtlicher Trägerschaft betrieben werden kann.
Weitere StreamCamp-Sessionvorschläge folgen. Bin auf Eure Ideen gespannt 🙂
„Der Kunde entscheidet darüber, was ein Unternehmen ist.“ Dieses Zitat stammt vom legendären Management-Berater Peter Drucker. Bemerkenswert an diesem Ausspruch: Er ist 60 Jahre alt!
„Die Konsumentendemokratie ist also kein so neues Phänomen, wie sie uns heute erscheint. Vielmehr bringen Internet und Social Web lediglich ans Licht, dass echte Kundenorientierung allzu häufig eher Absichtserklärung als gelebte Praxis ist“, sagt Questback-Marketingmanager Ken Kasischke.
Das Machtgefüge würde sich zugunsten der Kunden verschieben. Die Unternehmen hätten das Monopol über ihre Markenbotschaften verloren. Everybody’s a publisher: Man vertraue anderen Kunden mehr als irgendwelchen offiziellen Markenversprechen. Ähnliches verkünden Karl-Heinz Land und Professor Ralf T. Kreutzer in ihrem Buch „Digitaler Darwinismus“. Sie sprechen von der Notwendigkeit der digitalen Transformation, die in Europa und Deutschland nicht so richtig vom Fleck kommt. Aber ist das nun ein technologisches Problem im mangelhaften Umgang mit digitalen Technologien, wo doch jeder Laie in kurzer Zeit mit Social Web-Werkzeugen umgehen kann – ohne Informatikstudium?
Es ist eher ein kulturelles Problem. Die Krawattenfraktion im Management, die sich auf Internet-Tagungen salopp mit Polohemd und Slipper-Schuhen in Szene setzt, kann mit der Wirklichkeit des Mitmach-Webs wenig anfangen. Da labern Führungskräfte und so genannte Keynote-Speaker auf öligen Kongressen ihre Kalenderweisheiten ins Publikum und ergötzen sich an irgendwelchen Statistiken über die Relevanz von Facebook und Co. Veredelt wird das Gesagte mit bunten Powerpoint-Präsentationen.
„Die sind reserviert für bullet points – kurze, knappe Statements (‚Sätze’). Gut so, denkt sich der abendländisch geschulte Mensch: Da muss der Autor sich auf das Wesentliche beschränken und prägnant formulieren. Tut er aber nicht, sondern produziert generische Sätze, die zu allem passen und nichts sagen“, kritisiert Zeit-Herausgeber Josef Joffe.
Es fehle alles, was gute Kommunikation ausmacht: So dozierte Telekom-Chef René Obermann vor ein paar Jahren über die neue Markenstrategie seines Konzerns.
„One Company. One Service. Wir haben Marketing und Vertrieb gestrafft, die Zahl der Marken reduziert und die neue Markenarchitektur etabliert… Wir haben die bisherige Kommunikation auf den Prüfstand gestellt und uns für eine Vereinfachung unserer Marktansprache entschieden.“
Er hätte es nach Auffassung von Joffe prägnanter sagen können:
„Wir verringern Personal und Produkte. Wir wollen verständlich mit den Kunden reden“.
Das ist aber überhaupt nicht die Absicht der Top-Manager.
Powerpoint-Monologe
Der Publizist Alexander Ross hat aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz im Umgang mit Managern, als Moderator bei Fachkonferenzen und Redner eine Typologie des Powerpoint-Schwätzers erstellt: Da gibt es den „Überflieger“, der uns mindestens zehn Folien pro Minute um die Ohren haut, kurze Kommentare zu jeder Folie brubbelt und vor dem schnellen Weiterblättern noch darauf hinweist, dass die Zuhörer die Wortbrocken später im Detail nachlesen können. Häufig anzutreffen ist der „Im-Bild-Steher“. „Wahre Könner verbinden beides zu einer erratisch anmutenden Choreografie. Der ‚Im-Bild-Steher’ verdeckt gerne die Projektion, während er wieder und wieder auf die Folie schaut“, so Ross.
Artverwandt mit diesem Typus ist der schüchterne Hosenscheißer. Er redet zur Folie oder zur Wand, vielleicht auch zu sich selbst – in jedem Fall ist es unmöglich, diesem inneren Monolog zu folgen. Zum Typus des „Befehlers“ gehören nicht nur Top-Führungskräfte, sondern viele, die sich aufgrund ihrer Position wenigstens einen Leibeigenen oder sonstigen Domestiken leisten können. Befehler beschränken sich bei Präsentationen auf das Reden, unterbrochen durch herrische Kommandos an den subalternen Helfer, endlich die nächste Folie an die Wand zu werfen. Für den strebsamen „Vorleser“ ist Ablesen unverzichtbar, da er mit Folien arbeitet, die überquellen und selbst mit Fernglas schwer zu entziffern sind.
Fließband-Kommunikation
Egal, ob es nun um soziale Netzwerke oder andere Themen geht: Es ist Fließband-Ware von einschlägigen Veranstaltern, die für schlappe 1.000 oder 2.000 Euro pro Teilnehmer über Hochglanz-Broschüren und Newslettern verkauft wird. In der Taktung präsentiert man die Propaganda wie Schweinbauch-Reklame in Anzeigenblättern. Eine Kultur des offenen Austauschs und Dialogs sieht anders aus. Die Vertreter der Wirtschaft sollten sich mal an der Organisation von Barcamps versuchen, wo die Teilnehmer das Programm selbst bestimmen können. Hier gibt es keine Sprachregelungen, dümmlichen Verkäufersprüche von der Kanzel und versnobte Wichtigtuer-Gespräche beim Verzehr von Blätterteigtaschen mit Thunfisch-Füllung, Lachsmousse, Fleischpastetchen und Scampi-Mango–Spießen. Wer vom Social Web redet, sollte auch sein Handeln danach ausrichten.
>> 66 Prozent der CIO´s weltweit glauben, dass Business und Consumer Technologie in den kommenden drei bis fünf Jahren zusammen wachsen werden (SAP-Studie) —> in der Realität sind alle Anstrengungen zur Consumerization zu zaghaft
>> Man ist was man isst = Kommunikationsgewohnheiten der Mitarbeiter sind nicht gleich den Kommunikationsgewohnheiten der Unternehmen
>> Die Wahl des richtigen Kanals (Video/Mail/Phone): Der Verbraucher wählt das „Bequeme“ – das Unternehmen das „Planbare“ = wie passt das eigentlich zusammen?
>> Technisieren von Kommunikation: Wissen als Kern jeder Kundenbegeisterung
>> Die Video-Kommunikation (youtube) als Suchmaschine der Zukunft (Google) – die zweitgrößte Suchmaschine ist Youtube ja schon heute.
ITyX glaubt, dass die Streamcamp Szene mit ihrem „missionarischen Weckruf“ einer der vielen unterstützenswürdigen Stimmen des WWW ist, die Unternehmen auf den digitalen Wandel einstimmt…
All das diskutieren wir in den Abendstunden. Twitter-Zwischenrufe während der Liveübertragung mit dem Hashtag #bloggercamp kennzeichnen. Man hört und sieht sich nachher. Hier geht es um 18:30 Uhr zum Hangout on Air. Auf meinem Blog werde ich den iframe natürlich auch einbetten. Viele Wege führen nach Rom – fünf Euro fürs Phrasenschwein.
Ähnliches prognostiziert auch Google-Sprecher Stefan Keuchel, wenn Google Glass mit der Möglichkeit zum Livestreaming via Hangout on Air ausgestattet wird.
Ihr Credo: „I believe human interaction via webcam is the new layer of Social Media.“
Technologisch sprechen wir aus gutem Grund von einer Streaming-Revolution. Was sich unter der Motorhaube solcher Dienste abspielt, ist alles andere als trivial und wird nicht nur die klassische TV-Landschaft durcheinander wirbeln, wie wir das in einer Bloggercamp.tv-Sendung mit Nikolai Longolius erörtert haben – Stichwort: Technische Intelligenz von Streaming-Servern.
Auch die Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden ändert sich radikal. Besonders die „Kommunikation mit Abwesenden“ – also die Sprengung von örtlichen und zeitlichen Grenzen. Etwa bei der Liveübertragung direkt von Fachmessen, Konferenzen und sonstigen Events. Oder die Einbindung der Crowd via öffentlichen Redaktionssitzungen, die ich bei http://www.ne-na.de am 4. November, um 16 Uhr starten werde.
„Seit sieben Jahren entwickelt sich die BarCamp-Szene in Deutschland stetig weiter. Kein Wunder:
Wer seine virtuellen Kontakte auch im echten Leben pflegen und erweitern möchte…
Wer sich mit Experten auf dem eigenen oder verwandten Gebieten austauschen möchte…
Wer offen für Neues, spontan und lernbereit ist…
Wer selbst etwas mitzuteilen hat…
Wer dabei obendrein eine Menge Spaß haben möchte…
…ist auf BarCamps bestens aufgehoben.“
Beim StreamCamp kommt noch der Workshop-Charakter eines Experimentierlabors dazu. Mobile Streaming-Studios, neue Webcams und Mikros, Software fürs Greenscreening, Präsentation neuer Formate, Tipps für die Belichtung, Live-Podcasting, How to-Tutorials, One-Shot-Video-Journalismus und, und, und. Viele Session-Ideen sind uns schon im Vorfeld mitgeteilt worden. Man kann alle Geräte ausprobieren, Formatideen diskutieren, Formate live senden und mit den Teilnehmern Erfahrungen austauschen.
Und dann kann man auch noch tolle Preise gewinnen: Für die beste Session oder Session-Idee kann man jeweils am ersten und zweiten Tag des Barcamps einen Punkt vergeben. Wer die meisten Punkte am Samstag oder Sonntag bekommt, erhält jeweils am Ende des Tages ein Nexus 7 mit 16 GB WLAN – eine Sachspende von Google. Weitere Preise sind anscheinend noch auf dem Postweg – geht wohl in Richtung LTE-Stick und Webcams (wenn die Versprechen eingehalten werden, mal schauen).
„Für mich gibts einen fitzekleinen Unterschied, eher gefühlt. Frage ist final: ich stelle Frage, bekomme Antwort, Thema erledigt. Fragestellung impliziert für mich immer, dass es darum herum noch mehr Fragefelder gibt, die aber erstmal sekundär sind.“
In Wahrheit schlummert hier die Ung-Krankheit und andere Bläh-ungen. Alle Wörter mit „ung“ sollte man kritisch prüfen, empfiehlt der Publizist Wolf Schneider.
Zur Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Durchführung sollte eine Vorüberlegung einzelner Maßnahmen-Umsetzungen in Erwägung gezogen werden. Im Verbund mit der Fragestellung steht auch die Zielstellung zur Verhinderung von tiefgreifenden Aufgabenübertragungen, die zu einer Überarbeitung im Bereich und auf Ebene der Vorstandsleitung führen können. Im Wohnbereich und im Küchenbereich sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass Verhandlungen im Bereich des Versicherungswesens schnell zu einer übereilten Echtzeitpriorisierung mit Vorfälligkeitsentschädigungen führen können, ohne Berücksichtigung der Aussschüttungsbemessungsfunktion oder der Überspannungsschutzkategorie.
Ballast abwerfen: Aufgabenstellung, Fragestellung, Problemstellung, Zielsetzung – Aufgaben, Fragen, Probleme, Ziele. Noch mehr Ballast abwerfen: Einflussnahme ist Einfluss. Wohnbereich ist Wohnung, auf Ebene des Vorstandes ist im Vorstand und die Einflussnahme ist ein Einfluss. Wettergeschehen und Witterungsbedingungen? Die Antwort dürfte jetzt klar sein.
Leider dominieren Weitschweifigkeit und Allgemeinplätze. „Fast alle, die im Weinberg des Zeitgeistes arbeiten, kommunizieren so: Sozialarbeiter, Gender-Beauftragte, Think-Tanker, Bürokraten, Wohlfahrtsverwalter, die ‚sinnstiftende Klasse’ ganz allgemein“, stellt Zeit-Mitherausgeber Josef Joffe fest: „Lernprozesse“ (früher „Lernen“) sind immer „kreativ“, Profile werden stets „geschärft“, um „kreativ genutzt“ zu werden. Das seien Wörter, so Joffe, die munter von der Festplatte purzeln. Besonders beliebt sei die Redundanz durch Wiederholung und Pleonasmen – „doppelt gemoppelt“.
„Fix und fertig liegen die Phrasen in den Gehirnfächern, ein kleiner Anlass, ein Kurzschluss der Gedanken, und heraus flitzt der Funke der Dummheit“, schreibt der legendäre Satiriker Kurt Tucholsky.
Layout: Hannes Schleeh
Beim StreamCamp in Köln produziere ich mit dem früheren WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer die nächste Sendung von Wortspiel-Radio, um zu demonstrieren, wie man mit dem Google-Dienst Hangout on Air auch Audio-Formate live übertragen kann. Und der Sprachkritiker Tucholsky steht dabei im Zentrum der Plauderstunde im Startplatz. Es geht beim StreamCamp also nicht nur um Technik, sondern auch um Kultur 🙂
Jeder redet darüber, fast keiner kann es so richtig erklären, wenn es um Streaming-Technologien geht, also um die Live-Übertragung von Audio und Video im Netz. Zu den Ausnahmen zählt Nikolai Longolius, Autor des Buches TV-AV-Streaming im Internet und geschäftsführender Gesellschafter der Agentur schnee von morgen.
Im zweistündigen Interview mit Pritlove wird deutlich, wie aufwändig, komplex sowie teuer die Echtzeit-übertragung von Ton und Bild via Streaming ist. Zumindest 2009 war das Ganze mit sehr hohen Lizenzgebühren verbunden. Wer das heute mit eigenen Streaming-Servern aufsetzen will, muss sicherlich immer noch tief in den Geldbeutel greifen. Longolius sah darin einer der Gründe, warum Streaming beim Otto-Normalverbraucher nicht den Durchbruch schaffte.
„Grundsätzlich bezeichnet Streaming eine Technologie, in der ein Datenstraom von einem Server zu einem Client übertragen wird. Die dafür benötigte Datenverbindung unterliegt einer beidseitigen Qualitätskontrolle, und Server sowie Client können voneinander Zustände oder Daten abfragen. Dadurch wird ein möglichst unterbrechungsfreies und bandbreitenschonendes Übertragen von Video- und Audiodaten möglich“, schreibt Longolius in seinem Streaming-Opus.
Was müssen die Streaming-Server also leisten, um eine fortwährende Kommunikation zwischen Server und Client zu gewährleisten? Welche Traffic-Kosten entstehen, wenn viele Zuschauer das Streaming-Signal empfangen? Was leisten die Dienste, die das zumindest in der ersten Phase umsonst oder sogar generell kostenlos ermöglichen, wie Hangout on Air von Google? Kann heute jeder ein Live-Sender sein?
Und ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um das Fernsehen weiterzuentwickeln und neu zu erfinden? Fragen über Fragen, die wir heute mit Nikolai Longolius im Vorfeld des StreamCamps in Bloggercamp.tv diskutieren.
Diesmal um 17:00 Uhr. Für Twitter-Zwischenrufe während der Liveübertraung wie immer das Hashtag #bloggercamp verwenden.
Man hört und sieht sich nachher 🙂
Um 18:30 Uhr spricht Wolf Lotter über sein neues Buch „Zivil-Kapitalismus – Wir können auch anders“.
Eine mögliche Taktik im Wissensmanagement beschreibt Edgar Allen Poe in einer Kurzgeschichte. Dem Matrosen in Poes Abhandlung über den „Sturz in den Malstrom” bleibt nichts anderes übrig: Er nutzt die Strömung des Wirbels gegen ihre eigene Gewalt. Man muss mit der Geschwindigkeit gehen können, um danach erst an jenen Stellen langsam zu werden, wo es sich lohnt.
Eine ähnliche Empfehlung geben die Internet-Veteranen Tim Cole und Ossi Urchs in ihrem neuen Opus „Digitale Aufklärung – Warum uns das Internet klüger macht“ (gerade im Hanser Verlag erschienen). Man sollte erst gar nicht versuchen, gegen den (Mal-)Strom zu schwimmen, sondern ihn geschickt für die Erreichung der eigentlichen Ziele nutzen, und zwar ohne Befehl von oben:
„Und erst recht ohne zu jammern und zu verzagen, sondern in dem Bewusstsein, dass eine starke Strömung uns nicht an ein Ziel, wenn es das tatsächlich geben sollte, aber der Lösung anstehender Aufgaben näher bringen.“
In digitalen Ökosystemen, die geprägt sind von sozialen Netzwerken, Peer-to-Peer-Formationen, Communitys und Open Source-Projekte, funktionieren die alten Mechanismen von zentraler Steuerung nicht mehr. Cole und Urchs verwenden den von mir nicht so geschätzten Begriff des Schwarms, weil ich die Analogien zum Tierreich meide. Klar ist nur, dass die Weisheit der Vielen oder die vernetzten Systeme über mehr Fähigkeiten verfügen als die Summe seiner Teile.
„Als Schwarm sind die Kunden seinem Unternehmen, das noch immer als Einzelwesen handelt, grundsätzlich überlegen“, so Cole und Urchs.
Warum sollte ich noch das Call Center eines Fachhändlers anrufen, um mich über ein sinnvolles Equipment fürs Livestreaming von Audio und Video beraten zu lassen, wenn ich über Crowd-Services wie Helpouts auf einen Fachmann wie Hannes Schleeh stoße, der als StreamCamp-Mitorganisator sein Wissen und seine Fähigkeiten über den Google-Dienst zur Verfügung stellt. Dort muss er seine Kompetenzen fortwährend unter Beweis stellen und kann sich nicht in der Fließband-Anonymität einer Hotline verkriechen.
Im digitalen Mitmach-Kosmos findet sich Wissen an allen Ecken und Enden von selbst – schlaue Apps auf Smartphones und Tablets wirken dabei als Katalysator. Der TÜV-Rheinland-Berater Johannes Wiele nennt gegenüber der Zeitschrift brandeins ein amüsantes Beispiel:
„Heute läuft ein Chefarzt mit seinem iPad zum IT-Verantwortlichen, zeigt ihm eine englische Gesundheits-App für bessere Krankenbetreuung und sagt: Die brauchen wir in unserem System auch. Der IT-Chef steht dann unwissend da und muss sich erst einmal einarbeiten.“
Zentralistische Organisationen verlieren in diesem Spiel, wie groß und übermächtig sie heute in Gestalt der Marktführer auch noch erscheinen mögen, so die Autoren Cole und Urchs. Organisationen bleibt in dieser vernetzten Welt nur noch eine Option übrig, sie müssen sich wie der Malstrom-Matrose verhalten. Sie können Signale wahrnehmen, deuten, kuratieren und daraus das richtige Verhalten ableiten: „Go with the flow“, lautet die Empfehlung von Tim Cole und Ossi Urchs.