Was bunte Bildchen beweisen sollen: Über die Wissensanmaßung der Hirnforscher #Apple #ARD-Markencheck

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Heute Abend wird bekanntlich der Apple-Markencheck um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Und in der Programmankündigung heißt es:

„Apple ist bei den Menschen präsent. Apple fasziniert viele. Aber lässt sich diese Faszination auch wissenschaftlich erklären? Gemeinsam mit Neurowissenschaftler Jürgen Gallinat machen wir in Berlin den Check. 25 Personen (!) sehen Bilder von Produkten von Samsung und Apple. Was passiert dabei in den Gehirnen? Es geht für eine Stunde in den MRT. Das Ergebnis: Es gibt einen Hirnbereich, der beim Sehen von Samsung-Produkten aktiver ist – der sogenannte Präfrontale Kortex. Dies ist ein wichtiges Hirnareal, welches mit Entscheidungsfindung, Abwägung und Nachdenken verknüpft ist. Die Überraschung: Bei Apple wird eine andere Hirnregion aktiviert. Und zwar die, die mit dem Mögen und dem positiven Bewerten von Personen verbunden ist. ‚Eine Interpretation könnte sein‘, so Professor Jürgen Gallinat, ‚dass Samsung eher ein Produkt ist, welches mit dem Kopf zu tun hat, während Apple eher ein Produkt ist, welches mit dem Bauch oder dem Bauchgefühl zu tun hat.‘ Und es gibt noch einen weiteren erstaunlichen Befund. Zwei weitere Hirnregionen fallen beim Betrachten der Apple-Produkte besonders auf. Sie werden aktiviert, wenn Menschen ein Gesicht sehen oder emotionale Gesichter bewerten. ‚Das ist außergewöhnlich, weil Apple kein Gesicht hat. Apple ist ein technisches Produkt‘, so Gallinat. Demnach hat Apple es geschafft, ein Gerät zu vermenschlichen“, so der Textauszug von der ARD-Website.

Wahnsinn. Man operiert also mit 25 Probanden. Nicht nur die geringe Fallzahl ist problematisch. Auch der allwissende Habitus der Hirnforscher, die mit irgendwelchen steilen Thesen in der Öffentlichkeit regelmäßig für Aufregung sorgen. Und es ist mehr als problematisch, wie kritiklos Medien mit den Pseudo-Neuro-Befunden umgehen. Da muss nur irgendein Wissenschaftler von Präfrontal-Cortex labern und schon erstarrt die Öffentlichkeit ehrfurchtsvoll von diesen neuen Helden in weißen Kitteln. Wer die wissenschaftliche Seriosität der Hirn-Bubis in gesellschaftlich relevanten Fragen anzweifelt, bekommt direkt die Empfehlung zu einem Praktikum in der Psychiatrie, wird als ahnungslos abgestempelt oder ist nicht in der Lage, der Genialität der Neurowissenschaftler intellektuell zu folgen – Manfred Spitzer-Strategie zur Abwehr von Kritiken an seiner digitalen Demenz.

“Ihre Autorität gewinnen die Erkenntnisse der Hirnforschung vor allem aus den bunten Bildern der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Weil sich dieser Blick ins Innere des Kopfes auch bei lebenden Menschen relativ unkompliziert vornehmen lässt, kann man so einem Hirn auch dabei zusehen, wenn es tut, was es eben tut: Sauerstoff verbrauchen, Glucose verbrennen, Botenstoffe ausschütten, Synapsen bilden”, so die FAZ.

Und in diese bunten Bilder werden willkürlich politische, psychologische oder sonstige Erkenntnisse gegossen.

„Man sollte sehr misstrauisch sein gegenüber den Weisheiten, die aus diesem Bereich kommen und zwar insbesondere wenn sie über die Macht der Bilder erzielt werden. Fast alle Medien würden zur Zeit Bilder der Kernspintomographie veröffentlichen. Da taucht ein Fleck im Gehirn auf, also muss das irgendwas bedeuten”, erklärt Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg.

Da gebe es sehr viel Rattenfängerei. Es sei einfach nicht richtig zu glauben, wenn die Birne aufleuchtet und die Aktivierung im Gehirn größer wird, ein besserer Zustand des Gehirns erreicht werde.

„Große Aktivierung im Gehirn bedeutet Unsicherheit des Gehirns. Wenn Sie Aufgaben untersuchen, wie sie gelöst werden, von unsicherem Status bis zum Profi, dann finden Sie eine negative Korrelation mit der Größe der Hirnaktivierung. Der Profi setzt eigentlich nur noch seine spezifischen Mechanismen für etwas ein”, so der Hinweis von Scheich.

Gehirnjogging mit riesiger Hinaktivierung nachzuweisen, sei beispielsweise Unfug. Die kleine Aktivierung, die beim scharfen Nachdenken von einem Profi produziert werde, das ist die eigentliche Aktivierung, die richtig ist.

Der Züricher Neuropsychologe Lutz Jähnke hält den Erklärungsdrang vieler seiner Kollegen für eine „problematische Grenzüberschreitung“.

“Und wer an wissenschaftliche Beweise glaubt, sollte sich einmal die Studie durchlesen, in der ein Team von Psychologen aus Yale vor ein paar Jahren ermittelte, dass selbst absolut unlogische Aussagen Glaubwürdigkeit genießen, wenn dabeisteht, dass Ergebnisse aus dem Hirnscanner ihre Richtigkeit unterstreichen”, berichtet die FAZ.

Die Süddeutsche Zeitung erwähnt den Wiener Arzt und Anti-Aging-Aktivisten Johannes Huber. So sei es angeblich gesund und führe zu einem längeren Leben, wenn man sich von einem anständigen Abendessen fernhält.

“Da er wohl ahnt, dass seine Thesen einer seriösen wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten, streut Huber gerne allerlei Abbildungen von Gensequenzen, histologischen Färbungen und molekularbiologischen Analysen in seine Vorträge. Dieses pseudowissenschaftliche Allerlei ist inhaltlich nur zusammenhangsloser Zierrat, beeindruckt aber viele Zuhörer wie auch die meisten Leser seiner Bücher. Sie verstehen zwar nicht so genau, was da gezeigt wird, denken sich aber: Der Mann kennt sich aus!”

Kleine Empfehlung. Schuster äh Hirnforscher, bleib bei deinen Leisten. Alles andere ist biologistischer Mumpitz.

Siehe auch:

Berliner Forscher: Gehirn reagiert außergewöhnlich auf Apple-Produkte.

Überhaupt nicht hinrissig sind übrigens die Crowdsourcing-Effekte in der täglichen journalistischen Arbeit. Könnte ja auch mal die ARD-Markencheck-Redaktion ausprobieren.

Macht Einfachheit doof?

Einfache Thesen über den Nutzen des komplizierten Lebens

Blogger Ian Leslie macht es sich als Autor einfach: Es geht um seinen Essay über Einfachheit oder besser gesagt, um seine Gegenposition. Demnach sind Schwierigkeiten das Salz in der Suppe des Lebens. Benutzerfreundlichkeit macht blöd, technologische Hindernis-Rennen schaffen eine Quelle der Inspiration.

Etwa bei Jack White, den ehemaligen Frontmann der White Stripes. Er macht es sich gern schwer:

„Er spielt auf billigen Gitarren, die sich schnell verstimmen. Bei Live-Auftritten verteilt er seine Instrumente absichtlich so unpraktisch, dass er in wildem Spurt über die Bühne hechten muss, wenn er mal mitten im Song von der Gitarre zu den Keyboards wechseln will. Warum er das tut? Weil er auf der Flucht ist vor der einlullenden ‚Benutzerfreundlichkeit‘ seine Band-Equipments. Wenn Musikmachen zu einfach wird, sagt White, dann wird es schwierig, wirkliche Funken zu schlagen“, schreibt Leslie in einem Beitrag, der in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Geo erschien (Erstveröffentlichung im britischen Kulturmagazin „Intelligent Life“). Wer die Geo-App herunterlädt, bekommt die Januar-Ausgabe gratis – sehr praktisch 🙂

Vielleicht ist es ja auch nur eine Marotte, ein Tick von Jack White, um sich als musikalischer Gipfelstürmer zu bewähren. Es könnten auch Socken mit Spikes sein, die bei hastigen Bewegungen zu blutigen Füßen führen, kneifende Unterhosen oder sonstiger Aberglaube. Jeder kennt das. Sportler, Künstler, Musiker, Literaten. Man betritt den Rasen eines Fußballstadions immer mit dem linken Fuß, dreht sich vor dem Bühnenauftritt dreimal im Kreis, schreibt Romane nur bei Kerzenschein oder rührt den Pinsel nicht vor 12 Uhr an.

Der Computer darf in der Aufzählung von Leslie nicht fehlen, der zum Niedergang der Dichtkunst beiträgt. Wenn Stift auf Papier trifft, sei alles anders. Während das Gehirn die zaudernde Hand zum Schreiben zwingt, entsteht aus der Reibung zwischen diesen beiden Sphären eine komprimiertere, tiefere Ausdrucksweise. In welchen Sphären sich der Autor aufreibt, ist mir nicht bekannt. Aber Leslie muss sofort mit wissenschaftlichen Beweisen nachlegen: Hirnforschung als semantische Allzweckwaffe für Thesen mit Dünnpfiff. So belegt angebliche eine Studie der Uni Schlagmichtot, dass handschriftliches Schreiben mehr Hirnregionen aktiviert als Tippen – darunter auch solche, die für das Denken und die Erinnerung zuständig seien. Unsere Gehirne würden viel besser auf Hindernisse reagieren, als wir uns das vorstellen – etwa an Schulen oder Universitäten. Also den Lernstoff möglichst sperrig präsentieren und schon wachsen die Albert Einsteins auf den Bäumen wie Obst.

Wir könnten diese steile These auch etwas einfacher verkaufen: Übung macht den Meister. In einer Disziplin, in der ich es zur Meisterschaft bringen will. Deshalb gehe ich ja auch jede Woche zum Volleyballtraining, um besser zu werden – allerdings in einer Hobbymannschaft, die keine Ambitionen mehr besitzt, in die Bundesliga aufzusteigen. Aber gilt das auch generell für das Alltagsleben?????

Warum soll man denn kostbare Lebenszeit für sinnlose Tätigkeiten aufwenden, wenn sie nicht ins Zentrum der eigenen Interessen passen? Beim Kaffeetrinken ist mir das Innenleben des Vollautomaten völlig egal. Kommt es zu einer Leistungsverweigerung des Apparates, reicht meine handwerkliche Grobmotorik sowieso nicht aus, um der Maschine wieder Leben einzuhauchen.

Hier ist Reparaturservice gefragt und nicht die Notwendigkeit, im zweiten Bildungsweg noch Kompetenzen als Mechatroniker zu erwerben. Mutiere ich unter diesen Voraussetzungen zum Sklaven einer nicht beherrschbaren Technik? Ich könnte mit der Roten Karte reagieren und den Hersteller wechseln, der wartungsfreundliche, leicht bedienbare und robuste Geräte anbietet. So ist es im Idealfall, wenn der Konkurrent auch bessere Produkte anbietet.

In der Regel geht es beim Wechselspiel von Mensch und Gerät um einen Wettstreit, bei dem nie eindeutig gesagt werden kann, wer eigentlich wem dient. Nicht nur Versagensängste und die tägliche Plage im Umgang mit Geräten werden als schmerzliche Erfahrung der Moderne empfunden. Der Benutzer ist zudem einem Generalverdacht der Hersteller ausgesetzt. Er ist ein potentieller Störenfried. Diese Botschaft vermittelt schon die Bedienungsanleitung und spätere Disputationen beim Umtausch der Ware.

Wenn die monokausalen Neuro-Ausflüge von Ian Leslie zutreffen, mit denen ich mich in meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin „The European“ etwas ausführlicher beschäftigen werde, dann müsste Steve Balmer ein weiser Mann sein, folgert Smart Service-Blogger Bernhard Steimel.

„Denn eines ist Gewiss: Die Office-Produkte von Microsoft führen Millionen von Nutzern über Stock und Stein auf Irrungen und Wirrungen! Für mich ist er der Antichrist der Einfachheit. Seine Produkte demonstrieren, was passiert wenn UI-Designer erst dann dazu geholt werden, wenn das von Software-Ingenieuren entwickelte Produkt schon steht. Was für ein grandioser Quatsch zu glauben, dass Hindernisse uns in neue Höhen emporführen. Tatsächlich ist es so, dass die meisten Leute entnervt aufgeben, wenn sie vor Hürden laufen. Das passiert bei schlecht designten Online-Shops, wo Millionen von Warenkörben am Schalter stehen bleiben. Gleiches passiert bei komplizierten Smartphones, die einfach mit der Begründung ‚funktioniert nicht‘ zurückgeschickt werden, obwohl sie voll funktionstüchtig sind.“

Wer Interesse an Statements oder Interviews zu diesem Thema hat, sollte sich bis Montagabend bei mir melden.

Siehe auch:

Usability – Zu einfach, um nützlich zu sein?

Blogger Camp zur Einfachheit:

Warum uns Hirnforscher krankmachen – Über neuro-pseudo-wissenschaftliche Meinungsmanipulation

Im Neuro-Psycho-Zeitalter sind wir scheinbar umgeben von pathologischen Phänomenen.

Wer sich durch unbedachte Einkäufe verschuldet, leidet unter Kaufsucht. Wer nicht an Verhütung denkt, unterliegt der Sexsucht. Wer an Gesprächen nicht teilnimmt, krankt an sozialen Phobien. Ständige Grübeleien über Nichtigkeiten weisen auf Angststörungen hin. Und folgt man der monokausalen Analyse des Autors Manfred Spitzer produziert der übermäßige Konsum von digitalen Medien Heerscharen von Internetsüchtigen mit der Tendenz zur Hirnschrumpfung.

Vielleicht leiden die selbsternannten Neuro-Experten selbst unter einer speziellen Form von pathologischer Schnappatmung im Verbund mit einer interneuronal-molekularen Dysbalance.

Natürlich beeinflusst die Internet-Nutzung das Gehirn – genauso wie Fahrradfahren und alle anderen menschlichen Tätigkeiten und Erfahrungen auch. Selbst Neurowissenschaftlerin Maryanne Wolf, die vor den Gefahren des digitalen Lesens warnt, räumte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung ein, dass es bis jetzt kaum harte Fakten zu den Auswirkungen des Lesens an einem Bildschirm gibt. Dann sollten die Neuro-Fanatiker den Ball vielleicht etwas flacher halten in ihrem spekulativen Hirn-Biotop.

Ob sich unser Bewusstsein verändert und wir zu Abziehbildern von Computerprogrammen degradiert werden, ist ein höchst unterhaltsamer Ansatz für Debatten auf Bild-Niveau. Das hat eher den Charakter eines „Wrestling-Events“, wie es der Soziologe Gerhard Schulze ausdrückte. Statt Inhalte werden nur Etikettierungen ausgetauscht. Die einen sind Panikmacher, die anderen Zyniker. Man geht zur Tagesordnung über und sucht sich einen neuen Spielplatz, um „Alarm“ zu brüllen.

„Es ist ja nicht zu bestreiten, dass die Maschinen in vielen Teildisziplinen stärker und besser sind als Menschen. Angefangen bei der Muskelkraft. Heute käme niemand auf den Gedanken, mit einem Industrie-Roboter sich im Armdrücken zu messen“, erläutert Systemingenieur Bernd Stahl von Nash Technologies. Beim Schach oder bei Quizsendungen würde es ähnlich aussehen. Gegen IBM-Watson sei kein Kraut gewachsen. Ob das Internet vergesslich oder dumm macht, hänge nicht mit dem Internet zusammen, sondern liegt an dem, der es benutzt. „Hier wabert viel Spekulatives und man begibt sich auf wackeligen Grund“, so Stahl.

Ob nun Dinge analog oder digital vorliegen, ist in erster Linie nur eine Zustandsbeschreibung. Und Internet-Nutzer nach höchst fragwürdigen Kriterien als krankhaft abzustempeln, ist diskriminierend und anmaßend.

„Die Spitzer-Debatte verläuft eigentlich so wie sie in solchen Fällen immer läuft. Wir müssen verstehen, dass es in Deutschland noch immer ganz viele Menschen gibt, die vor der digitalen Welt eine riesengroße Angst haben. Diese Menschen suchen sich diejenigen, die ihnen kontinuierlich bestätigen, dass man davor Angst haben muss. Es hat viel damit zu tun, dass wir in den Medien seit sehr langer Zeit nur die negativen Aspekte des Themas beleuchten. Ein gutes Beispiel ist hier die Diskussion um Facebook, die in der Regel nur aus der Sicht des Datenschutzes und der Privatsphäre diskutiert wird. Wenn man den Menschen aber sagt, dass beispielsweise Jugendliche bei Facebook geschlossene Gruppen nutzen um ihre Hausaufgaben gemeinsam zu machen, gibt es immer ein großes Erstaunen. Wir haben eine sehr starke Fokussierung auf die vermeintlichen Gefahren der digitalen Welt. Solange man aber in diesem Gedankengebäude verharrt und nicht weiter darüber nachdenkt, ist man gefangen in der ‚Spitzer-Ideologie‘“, sagt der Gaming-Experte Christoph Deeg.

Das Buch „Digitale Demenz“ sei nach seiner Ansicht kein wirklich gut geschriebenes und schon gar kein wissenschaftliches Werk.

„Vernetzt Euch“, die Losung des Blogger Camps in Nürnberg, ist wohl die beste Antwort auf hirnrissige Thesen, die von Hirnforschern und digitalen Skeptikern durch die Gegend geblasen werden.

Vielleicht übertragen omnipräsente Persönlichkeiten wie Manfred Spitzer auch nur ihre eigenen Ängste, Visionen oder Wünsche auf die ganze Gesellschaft und instrumentalisieren dafür die Neurowissenschaft. Seine Wenn-Dann-Denkweise unterschätzt die Komplexität des Gehirns und die vielfältigen Möglichkeiten des Digitalen.
Soweit ein Auszug meiner heutigen Kolumne für Service Insiders.

Am Mittwoch hatte ich mich in meiner The European-Mittwochskolumne ja auch schon zu Spitzer ausgelassen: Der digitale Kaputtmacher.

In ausführlicher Form wird das wohl in Buchform in Zusammenarbeit mit Christoph Deeg weitergehen. Ein Verlag hat schon Interesses bekundet. Mal schauen, wie schnell wir das auf die Beine stellen.

Wer noch mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen 🙂

Kann das Internet oder kann das weg? Wäre eigentlich ein schöner Buchtitel.

Lesenswert auch: Deutschlands gestörtes Verhältnis zum Netz.

Plädoyer für eine Anti-Spitzer-Bewegung: Digitale Demenz ist ein Problem von alten Hirnforschern

Gestern konnte ich eine private Premiere feiern :-). Ich sah zum ersten Mal in voller Länge die Talkshow von Günther Jauch im Ersten. Es sind wohl die Spätfolgen des Christiansen-Syndroms, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben, dass ich mir fast nie irgendeine Talksendung anschaue, die uns täglich angeboten wird.

Der Grund für die Ausnahme ist schnell erklärt. Wegen meiner kleinen Polemik zur digitalen Demenz des Hirnforschers Manfred Spitzer rief die Jauch-Redaktion Anfang vergangener Woche an und fragte, ob ich nicht Interesse hätte, an der Runde teilzunehmen. Da das bei mir am Wochenende nicht ging, wollte ich zumindest erfahren, was die „prominenten“ Kontrahenten von Spitzer an Argumenten vortragen. Eigentlich hat man in dem TV-Format keine großen Möglichkeiten, so ein komplexes Thema wirklich sachgerecht zu behandeln. Das war auch gestern so. Zu einem ähnlichen Befund kommt Spiegel Online-Redakteur Ole Reißmann:

„Mal abgesehen vom immerhin noch lustigen Umstand, dass ausgerechnet im weitgehend passiv genutzten Fernsehen so über die größte interaktive Wissensmaschine der Geschichte gelästert wird – es war größtenteils wirklich schlimm. Wobei es später noch Punkte für Gelassenheit und Kompetenz zu verteilen gibt, allerdings nicht für Jauch und seinen Kronzeugen, den Psychiater Manfred Spitzer. Der hat ein Buch geschrieben, in dem er vor Internet-Verdummung warnt und Eltern aufträgt, ihren Nachwuchs möglichst lange von Computern fernzuhalten. Es ist ein gewagtes Mash-up aus rhetorischen Fragen, Allgemeinplätzen und ausgewählten Studien. Die Jauch-Redaktion prügelt Spitzers 368-Seiten-Pamphlet für die Fernsehzuschauer in einen Satz: ‚Wir klicken uns das Gehirn weg‘.“

Reißmann verweist dabei auf zwei sehr löbliche Initiativen. Etwa die von Martin Lindner im Carta-Blog. Martin hat sich durch das Spitzer-Opus förmlich gequält. Nach meiner Wochenend-Lektüre des Demenz-Buches kann ich das bestätigen.

„Diese Suada ist, mit dem Vorwort beginnend, die erste, alles verbindende Schicht des Buchs. (‚Aber, Herr Spitzer, höre ich oft besorgte Eltern fragen …‘ diese merkwürdigen Einsprengsel durchziehen übrigens das komplette Buch, gs). Es liest sich über weite Strecken wie eines dieser obskuren Bücher im Eigenverlag, mit denen selbsternannte Warner und Weltretter in der untergegangenen Gutenberg-Galaxis ihre wirren Meinungen mikropublizierten, vor der Erfindung des Blogs. Der Text genügt selbst in keiner Weise den Maßstäben, die die bildungsbürgerliche Kultur an Argumentation und Stil stellt. (Obwohl ausdrücklich dem Lektor für den Schliff an diesem ‚Rohdiamanten‘ gedankt wird!) Aber das macht nichts, weil es keine/r liest, außer denen, denen dieser Erguß aus der Seele spricht. Ansonsten ist das ein Talkshow-Buch“, schreibt Lindner.

Und dieser Trick funktioniert doch. Spitzer wird jetzt durch die Sender getragen. ZDF, ARD und Co.

Die Gegner von Spitzers Thesen würden in der Regel vor der “Hirnforscher”-Pose einknicken: “Die Ergebnisse Ihrer Forschungen bestreite ich ja gar nicht, aber …”

Und schon habe er gewonnen.

„Wäre er nicht der ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, mit vielen peer-reviewten englischsprachigen Aufsätzen zur Wirkung von Depressionen und Sucht auf das Langzeitgedächtnis, würde kein Hahn danach krähen. Sobald man ein klein wenig näher hinschaut (was NormalleserInnen nicht tun und auch kaum können), sieht man, dass es hier keine (!) klaren wissenschaftlichen Ergebnisse gibt, die als bewiesen gelten dürfen – obwohl Spitzer ständig gegen seine Feinde, die Medienpädagogen, polemisiert und auf ‚über 200 Studien‘ verweist, die er ausgewertet habe“, führt Lindner weiter aus.

In der After Jauch Show, an der ich auch teilnahm (mit etwas Verspätung, da ich mit den Missbrauchsfällen am katholischen Gymnasium Cojobo beschäftigte), machte Martin Lindner dann noch eine interessante Anregung. Man sollte das Spitzer-Werk kollaborativ auseinandernehmen – ähnlich wie die Doktorarbeit von Ex-Minister Gutti. Erste Ansätze sind auf Carta und im Dotcom-Blog nachzulesen.

Noch einen Schritt weiter geht der Gaming-Experte Christoph Deeg, der zu einer Anti-Spitzer-Bewegung aufruft. Es reiche nicht aus, dass demente Büchlein zu zerlegen und die Fakten-Melange auf Richtigkeit zu prüfen. Alte Männer wie Spitzer präsentieren keine Lösungen für den Trend zur Vernetzung, sie sind das Problem, warum wir in Deutschland immer mehr in digitaler Mediokrität versanden.

In ausführlicher Form werde ich in meiner The European-Mittwochskolumne auf das Interview mit Deeg eingehen. Weitere Anregungen sind natürlich wie immer willkommen!

Die digitale Demenz ist ungefähr genauso valide wie Forschungsergebnisse der Florida Atlantic University: Twitter-Kurznachrichten geben angeblich Rückschlüsse auf Psychopathien. Eher sind es Projektionen von anmaßenden Wissenschaftlern, die sich im herrischen Kasernenton austoben und gerne mit erhobenen Zeigefinger den Schlaumeier herauskehren – wie Spitzer in der Jauch-Sendung.

Siehe auch:

Wer schützt uns vor den Jugendschützern? Der Abstieg in den Internet-Provinzialismus.

Das Geschäft mit der “German Angst” oder Wie bringt man ein Sachbuch auf die Bestsellerliste?

Netznavigator: Herder statt Schirrmacher


FAZ-Neurofeuilletonist Frank Schirrmacher versucht mittlerweile, seine Payback-Thesen etwas sachlicher ins Feld zu führen. So fordert er, dass die Informatiker aus den Nischen in die Mitte der Gesellschaft geholt werden müssen. Sie müssen die Scripts erklären, nach denen wir handeln und bewertet werden. „Was ist voraussagende Suche und was kann sie? Was ist ‚profiling‘? Wer liest uns, während wir lesen? Technologien sind neutral, es kommt darauf an, wie wir sie benutzen. Um das zu können, brauchen wir Dolmetscher aus der technologischen Intelligenz. In Amerika hat die Debatte mit der Computer-Intelligenz längst begonnen. Wir sollten schleunigst mittun“, fordert der Herausgeber der FAZ. Diese Forderungen sind allerdings schon längst Realität. Die Debatten werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr intensiv geführt, unter Beteiligung von hochqualifizierten Forschern für Informatik und Künstliche Intelligenz. Siehe auch: Der Geist in der Maschine: Über digitale Assistenzsysteme.

Auch freundet er sich mit dem Vorschlag des Chaos Computer Club an, jeden Bürger mit einer Art Pass über seine digitalen Profile aufzuklären. Das sei nicht paranoid, sondern ein Wesenskern digitaler Selbstbestimmung – auch für diejenigen, die nicht wollen, dass ihre Kinder als mathematische Profile auf Arbeitsplatzsuche gehen. „Aber das reicht nicht. Es ist an der Zeit, die digitale Revolution, die mehr ist als das Web 2.0, in ihrer ganzen Wucht zu erkennen. Enquete-Kommissionen genügen nicht, und in Zeiten des mobilen Netzes ist es eher komisch, Blogger wie Exoten als Fachleute für eine Welt anzuheuern, in der schon Hundertjährige wie selbstverständlich unterwegs sind. Jeder surft und kommuniziert heute im Netz. Wir sollten über die schimmernden Objekte nicht mehr staunen, sondern ihre Funktionsabläufe zum Allgemeinwissen machen“, so Schirrmacher. Aber was sollen wir mit den Neurothesen des Frankfurter Bildungsbürgers anfangen, die uns in der Regel in den Freitags- und Samstagsausgaben der FAZ um die Ohren gehauen werden. So geschehen wieder in einem Gastbeitrag des Times-Kolumnisten Ben Macintyre (Im Einbaum durchs Internet), wo ohne wissenschaftliche Befunde, ohne empirische Erhebungen, ohne neurowissenschaftliche Expertisen einfach behauptet wird, dass die Informationsflut des Netzes unser Gehirn angreift.

Die Informationsflut-Klage ist allerdings kein Phänomen des Internetzeitalters. Ähnliches spielte sich beispielsweise im 18. Jahrhundert ab:
„Das Ende des Universalgelehrten und die Entstehung des modernen Buchmarkts in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erzeugen die krisenhafte Erfahrung, einer unabsehbaren ‚Bücherflut‘ ausgesetzt zu sein. ‚Vielschreiberei‘ und ‚Lesewut‘ werden im ‚tintenkleksenden Säkulum‘ (Herder) als Nachtseite der Aufklärung daher breit diskutiert. Angesichts der nun vollends unübersehbar gewordenen Fülle von Informationen sind Überlegungen zur Navigation im Büchermeer, also Orientierungshilfen, nur folgerichtig – und die etwas hilflose Antwort auf diese Lage lautet damals wie heute im Regelfall ‚Kanonbildung‘ (das müsste Schirrmacher doch bekannt vorkommen, GS), also Auswahl ‚von oben‘ (ganz nach dem Geschmack der bildungsbürgerlichen Oberlehrer, GS), oder erschöpft sich in pädagogischen Anweisungen, was und wie man lesen soll“, schreiben Matthias Bickenbach und Harun Maye in ihrem vorzüglichen Buch „Metapher Internet – Literarische Bildung und Surfen“, erschienen im Kadmos-Verlag.

So warnt der Pädagoge J.M. Beseke 1786: „Das Feld der Lektüre ist heut zu Tage so groß, dass es manchem höchst gefährlich ist, wenn er glaubt, sich darin selbst zurecht finden zu können; vielmehr sollte er nie allein sich in die weite offene Gegend wagen, in welcher es höchst schlüpfrige Wege, neben unnützen, giebt, wovon jene zum Verderben, diese aber zu seinem Ziele führen.“ (Beseke: Über Lektüre zum Selbststudium, in: Deutsches Museum. Bd. 1, Leipzig, S. 360).

Den Ozean der Gelehrsamkeit bereiste Johann Gottfried Herder ohne moralisierenden Kanon, ohne hausmeisterliche Ratschläge und ohne kulturkritisches Gejammer. Das stellt Herder im „Journal meiner ersten Reise im Jahr 1769“ unter Beweis. „Wenn Francis Bacon der erste erklärte Entdecker auf dem Meer der Gelehrsamkeit war, so ist Johann Gottfried Herder der erste Surfer. Seine Datenreise durch die möglichen Adressen und Kombinationen zeigt ein Verhalten, das seitdem inmitten der ‚Informationsflut‘ zur notwendigen Kunst geworden ist“, so Bickenbach und Maye. Das Reisejournal könne als Protokoll einer imaginären Reise betrachtet werden. „Die Seiten sind fast ausschließlich mit geistigen Abenteuerfahrten, Projektaufrissen, gelehrten Listen und Materialsammlungen gefüllt. Ein Großteil des Textes besteht aus reinen Namenslisten, Autorennamen, die sämtlich im Plural geführt werden und die Herder einmal ansteuern will.“ Herder gleite über enorme Datenmassen, Themenkomplexe und Horizonte hinweg, die sich nur rhapsodisch und punktuell berühren lassen.

Er selbst wird zum Cursor, zum Läufer, der im virtuellen Raum der Gelehrtenbibliothek zwischen Texten durcheilt und in dieser schnellen Bewegung neue Querverbindungen schafft, die man so bisher noch nicht gelesen hat. Er wendet die Kulturtechnik der kursorischen Lektüre an. „Herder darf schnell werden, weil er nicht nur auf eine neue Form des Lesens rekurriert, sondern auch auf eine alte rhetorische und gelehrte Schreibtechnik. Es ist ein methodisches Verfahren, das ihm die Lizenz zum Flüchtigen gibt….Die gelehrte Lizenz, Materialmengen ‚aufs Geratewohl‘ zu durcheilen und die Frage der richtigen Ordnung zugunsten der größeren Nähe zum furor poeticus hintanzusetzen, ist sogar in einer eigenen literarischen Gattung Tradition (die sog. Sylvae oder Wälder)“, führen Bickenbach und Maye aus. Man schreibt nicht akademisch oder pedantisch genau, sondern aus dem Stegreif.

Für Herder war klar, dass eine Bibliothek, die zu stark auf die Ordnung des Wissens Einfluss nimmt, Innovationen erschwert oder unmöglich macht. Nichtwissen ist dabei eine notwendige Voraussetzung, um innovativ sein zu können. Kein Gelehrter könne das Universalarchiv noch einholen. Alles ist nicht zu lesen, zu kennen, zu wissen. Kanonische Wissensbestände sollten daher durch intelligente Suchroutinen ersetzt werden. Bildung unter hochtechnischen Bedingungen wäre demnach eine operative Kompetenz – im 18. Jahrhundert und auch heute! Klugheit im Umgang mit Informationsfluten empfahl auch Marshall McLuhan mit Verweis auf eine Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe.

Dem Matrosen in Poes Abhandlung über den „Sturz in den Malstrom“ bleibt nichts anderes übrig: Er nutzt die Strömung des Wirbels gegen ihre eigene Gewalt. Man muss mit der Geschwindigkeit gehen können, um danach erst an jenen Stellen langsam zu werden, wo es sich lohnt.

Karl Gottlob Schelle gibt in seinem Werk „Die Spatziergänge oder die Kunst spazieren zu gehen“ die Empfehlung, den „Spatziergang“ in „eigene Sphäre des Geistes und der Bildung zu ergeben (das Büchlein in der Fassung von 1802 gibt es in einem schmucken Nachdruck, angefertigt von Weihert-Druck in Darmstadt): „Die Aufgabe hierbey: geistige Thätigkeit mit körperlicher zu verbinden, ein bloß mechanisches Geschäft (des Gehens) zu einem geistigen zu erheben.“ Sein lustwandelnder Spaziergänger oder Flaneur, wie es Franz Hessel ausdrückte, trägt buchstäblich im Vorrübergehen unmerklich zu seiner Bildung bei, indem er ganz einfach seine „Geistesthätigkeit“ der Bewegung und diese dem Strom der ihn umgebenden Dinge anpassen: „Mit offener Empfänglichkeit muss der Geist die Eindrücke der in umgebenden Dinge mehr ruhig aufnehmen, als leidenschaftlich sich über etwas zu erhitzen, muss sich mit heiterer Besonnenheit ihrem Strom mehr willig überlassen, als mit zu stark zurückwirkender Selbstthätigkeit, in seine eigenen Ideen verloren, sich ihnen entziehn.“ Die Kunst spazieren zu gehen wie die Kunst zu surfen, so die Autoren Bickenbach und Harun Maye, besteht darin, sich trotz Selbsttätigkeit und Eigenregelung noch von dem Strom der Dinge angenehm durchrütteln zu lassen, damit der Geist empfänglich bleibt. Die eigenen Operationen sollten dem Rhythmus des Mediums angepasst werden. Die neuen Medien lassen offensichtlich werden, dass sich auch hinter den alten Medien (Schrift, Buchdruck, Literatur), hinter deren Maskeraden und Deckelhauben „Geist“, „Sinn“ oder „Bildung“, nur Techniken der Datenverarbeitung verbergen. Wir könnten uns wie die Detektive in den Romanen von Poe, Doyle oder Chandler verhalten. Wo immer komplexe und nicht durchschaubare Situationen auftreten, die uns als Datendetektive überfordern, tun wir etwas Erratisches, dass wir selbst nicht verstehen, was aber vor allem die „Gegenseite“ nicht versteht, so dass diese unbekannten oder undurchschaubaren Anderen zu Reaktionen verführt werden, die plötzlich ein Netzwerk, ein Verbindungssystem aufzeigen, das vorher nicht sichtbar war.

Debattendompteure wie Schirrmacher werden für die Netznavigation nicht gebraucht. Als Datendandy oder Surfpoet sollte jeder seine Lage selbst erkennen (frei nach Gottfried Benn), die neue Medienwelt desorganisieren, Normen und Standards ignorieren. Eine von ungelesenen Büchern übersäte Universalbibliothek ist wie der Datenkosmos des Internets. Die Standardfrage beim Betrachten voller Bücherregale ist immer die gleiche. Wie viele von diesen Büchern hast Du denn wirklich gelesen??? Der Schriftsteller Umberto Eco antwortet darauf: “Gelesene Bücher sind längst nicht so wertvoll wie ungelesene”. Eine Bibliothek sollte so viel von dem, was man nicht weiß, enthalten, wie der Besitzer angesichts seiner finanziellen Mittel hineinstellen kann. Auch er macht sich ab und an Gewissensbisse, weil er einige Bücher noch nicht gelesen hat und stößt dabei auf ein überraschendes Phänomen: Wir nehmen eines dieser vernachlässigten Werke zur Hand, blättern es durch und entdecken, dass wir schon fast alles kennen, was darin steht. Die Büchersammlung ist auch ein Depot für Zufallsfunde, für neue Gedanken und Ideen. Und selbst die Jagd nach Büchern wirkt anregend und erweitert den Horizont – siehe auch: Tagebuch der Bibliophilie.
Lassen wir uns durch den Datenstrom treiben, ohne Kanon, ohne Moralapostel, ohne kulturkritisches Geschwätz. Wir tun es anarchisch, ohne die Taktgeber in den Massenmedien. Wir organisieren uns selbst, Herr Schirrmacher.

Siehe auch:
Döpfner und die Niederlage der alteuropäischen Inhalteproduzenten – Warum wir keine Massenmedien mehr brauchen und die Umerziehung von Online-Nutzern anmaßend ist.

Schirrmacher und die Abwracker.

Sehr schön der Beitrag von Peter Glaser: „Wer einen Waldspaziergang macht, kann sich von den vielen Tannennadeln überfordert fühlen – oder sich erholen. Frank Schirrmachers Buch über die Gefahren des Informationszeitalters aktualisiert eine Klage, die schon die alten Ägypter kannten“.

Treffend auch die Aussagen von Peter Kruse, Psychologe mit dem Schwerpunkt Komplexitätsverarbeitung in intelligenten Netzwerken: „Betrachtet man das Internet als ein Netzwerk, in dem Menschen vergleichbar mit dem Phänomen der Sprache eine lebendige Kulturleistung hervorbringen, dann entspannt sich der geplagte Geist und das Gefühl der Überforderung nimmt ebenso schnell ab wie die Belastung durch empfundene persönliche Verantwortung. Das Internet ist nur eine Zumutung, wenn man versucht, es im Griff zu haben. Ansonsten ist es ein echter Turbolader für überindividuelle Prozesse. Auf einem Fernseher versucht man ja auch nicht, jeden einzelnen Bildpunkt zu analysieren. Im Internet geht es tatsächlich immer ‚ums Ganze‘.“

Sehr lesenswert der Beitrag von Thomas Knüwer: Wie Frank Schirrmacher sich seine Experten aufbläst.

David Gelernter: Das Web als Strom.