Ossi Urchs, ahnungslose Datenschützer, Standardisierung fürs vernetzte Fernsehen und die vermeintliche Social Media-Schweigespirale

Am Mittwoch und Donnerstag hatte ich ja das Vergnügen, den Kongress der Mailingtage in Nürnberg zu moderieren. Einige Vorträge habe ich aufgezeichnet und bringe sie hier zum Nachhören.

Den Anfang machte Internet-Urgestein Ossi Urchs – wie immer sehr souverän: Ein netter Web-Exkurs rund um die Thematik Augmented Reality. Schön, seine Anmerkungen am Ende des Vortrages zum Datenschutz in Deutschland. Da droht der Werbewirtschaft ja wieder neues Ungemach, wie man Spiegel Online entnehmen kann. So will das Verbraucherschutzministerium „Anzeigenkunden von unbotmäßigen Internetfirmen in die Pflicht nehmen: Wer auf einer Plattform wirbt, die gegen Datenschutzrecht verstößt, könnte von Konkurrenten abgemahnt werden. Die Regelung würde den Web-Werbemarkt komplett verändern“, so Spiegel Online. Das ist doch wieder ein schönes Beschäftigungsprogramm für Abmahnanwälte.

Urchs hält vor allen Dingen die norddeutschen Staatsaufseher im Datenschutz für so unbeleckt von jeglicher Sachkenntnis, dass es schwer sei, mit denen überhaupt sinnvoll über Datenschutz zu diskutieren. Ab der 36. Minute antwortet Ossi auf zwei Fragen, die ich ihm gestellte hatte:

Über Zukunft und Wirklichkeit von Augmented Reality (AR) sprachen Rolf Buchholz von Key Values und Kai Thomas, dessen Firma an der Entwicklung der AR-App junaio mitwirkte. Eine kleine Demo präsentierte Thomas speziell für den Kongress der Mailingtage. So konnte man den Redner am Strand unter Palmen betrachten.

Beide Vorträge habe ich zusammen aufgenommen. Den Anfang machte Buchholz. Nach 45 Minuten kommt dann Thomas.

Über die Vernetzung von Fernsehen und Internet gab es zwei höchst aufschlußreiche Reden von Andreas Karanas, Gründer und Geschäftsführer von teveo interactive, sowie Zeljko Karajica (auf meinem Notizzettel stand Djeko Kareitscha, damit ich dat richtig ausspreche), Geschäftsführer von Sport 1.

Karanas skizzierte dann am Schluss noch einmal einige praktische Beispiele für die Chancen von Hybrid TV für das Direktmarketing. Im ersten Teil machte er deutlich, dass nur eine geräteunabhängige Strategie die Verschmelzung von TV und Internet voranbringen wird. Alle Insellösungen und auch die App-Initiativen von Samsung und Co. würden im Sande verlaufen. Die einzig tragfähigen Säulen seien HBBTV, der Red Button und eine Art PayPal, um personalisierte Abrechnungen am Fernsehgerät zu ermöglichen.

Hier der Einführungsvortrag von Karanas:

Dann die Vorträge von Karajica und Karanas im Doppelpack:

Im Themenblock „Zukunft der sozialen Netzwerke“ trat Sven Bagemihl von den VZ-Netzwerken recht optimistisch auf. So sagte er:

Hier die Audioaufzeichnung:

Joachim Graf von iBusiness und Facebook-Marketingexperte Felix Holzapfel von concept bakery bestritten den letzten Teil des Kongresses. Graf reihte sich in die Social Media-Schweigespirale ein, die vor ein paar Monaten Spiegel-Redakteur Konrad Lischka etwas zu alarmistisch herausposaunte. Filter und Nachrichtenselektionen sind doch ein alter Hut. Das funktionierte wunderbar in den Erfolgszeiten der Massenmedien. Das führte dann zur Theorie der Schweigespirale, die Noelle-Neumann aufstellte.

Zur reduzierten oder konstruierten Medienwirklichkeit des vergangenen Jahrhunderts gibt es einen kleinen Witz, der in einer amerikanischen Zeitung erschien. „Vater, wenn ein Baum im Wald umstürzt, aber die Massenmedien sind nicht dabei, um zu berichten – ist der Baum dann wirklich umgestürzt?“ Der Soziologe Niklas Luhmann spricht von Aufmerksamkeitsregeln. Er vermutet, dass das politische System, soweit es auf öffentlicher Meinung beruht, gar nicht über Entscheidungsregeln, sondern über Aufmerksamkeitsregeln integriert wird, durch die Regeln also, die bestimmen, was auf den Tisch kommt und was nicht. Die Strukturierung der Aufmerksamkeit erfolge durch die Massenmedien. Thematisierung im Prozess der öffentlichen Meinung vollzog sich nach der Agenda-Setting-Funktion der klassischen Medien.

Die digitale Öffentlichkeit kennt hingegen keine Leser, Hörer oder Zuschauer, die von ihr zu unterscheiden wären – siehe das sehr lesenswerte Büchlein von Stefan Münker: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Hier sind die Medien, dort die Menschen – diese Differenz kann man nicht mehr ziehen. „Die Angebote im Web 2.0 sind digitale Netzmedien, deren gemeinschaftlicher Gebrauch sie als brauchbare Medien erst erzeugt“, so Münker. Die Inhalte werden von vielen Millionen Nutzern in der ganzen Welt zusammengetragen, bewertet und geordnet. Das Internet ist eben das, was seine Nutzer aus ihm machen. Klassische Medien produzieren etwas, ohne die Rezipienten zu fragen. Sie senden und drucken, egal ob wir uns das anschauen oder lesen. Youtube sendet nur, wenn ich klicke und auch nur das, womit Nutzer die Seite bestücken. „Wie im berühmten Schachautomaten des 18. Jahrhunderts (Wolfgang von Kempelen!) ist die Schaltzentrale des Web 2.0 der Mensch“, so Münker. Vox populi bekommt eine ganz andere Entfaltungsmöglichkeit. „Das Internet ändert die Strukturen unserer Öffentlichkeiten, es ändert die Funktionsweisen politischer und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse, es macht es einzelnen einfacher, sich in politische Debatten einzumischen, es macht institutionelle Grenzen durchlässiger und Entscheidungsprozesse transparenter, es ist anders als Massenmedien interaktiv und wird so auch genutzt. Das Internet hat das technische Potenzial für eine demokratische, partizipatorische Mediennutzung“, führt Münker aus und verweist auf Jürgen Habermas, der fest davon überzeugt ist, dass das World Wide Web die Schwächen des anonymen und asymmetrischen Charakters der Massenmedien ausgleiche. Für Michel Foucault waren die Ausschlussmechanismen der Massenmedien nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Diese Spielregeln werden vom Web 2.0 ausgehebelt.

Auch Filtersysteme und Algorithmen können das nicht aushebeln. Denn meine Filter unterscheiden sich von allen anderen im Netz. Ohne reduzierte Wirklichkeit würden wir wohl bald in der Psychiatrie landen. Die „neue“ Social Media-Schweigespirale halte ich für Unfug.

Aber hört selbst die beiden Vorträge von Graf und Holzapfel:

Den Auftritt von Felix Holzapfel habe ich dann noch mit der Kamera eingefangen:

Hier dokumentiere übrigens meinen Höhepunkt der Mailingtage-Wild West Party: Saugute Spare Ribs im Sandwich (natürlich ohne Knochen) von Ribwich!!!!!!!!!!!

Wie Digital Natives die Unternehmenskommunikation verändern und was ein Anbieter von Unified Communications an Kompetenzen mitbringen muss

Auf der diesjährigen Computermesse Cebit wird wieder viel von Konvergenz, Unified Communications, Web 2.0, Echtzeitkommunikation, Skype oder VoIP geredet. Experten halten es aber für notwendig, den Buzzwords, Presseschlagzeilen und PowerPoint-Folien auch Taten folgen zu lassen. „Die Konvergenz ist ja schon längst Realität. Jetzt ist es wichtig, dass die angebotenen Lösungen auch zu den Unternehmensprozessen passen“, sagt Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Spezialisten Aastra in Berlin, mit dem ich ein längeres Interview geführt habe. Um das große Thema Unified Communications ins Laufen zu bringen, müsse man die Geschäftswelt gut verstehen und die Technologie beherrschen. „Das ist unser täglicher Job. Wir kommen aus der Ecke, wo Datenübertragung in Echtzeit eine große Rolle spielt. Ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Projekte ist auch, die Anwender auf den Entwicklungspfad mitzunehmen und nicht am Ende mit einer völlig neuen Konstellation zu konfrontieren“, so Latzel.

Beschleunigt werden die Umwälzungen der Unternehmenskommunikation durch die privaten Gewohnheiten der Digital Natives, bei denen Skype, Wikis, Blogs und Social Media intensiv zum Einsatz kommen: „Wir erleben in der Wirtschaft eine Generation mit einem völlig anderen Kommunikationsverhalten. Die kommerzielle Sinnhaftigkeit müsse im Einzelfall genau geprüft werden. Sehr viele Projekte werden in den Kreativabteilungen zwar vorgedacht, müssen aber den Test der harten Realität am Schalter des Finanzchefs erst überstehen“, erläutert Latzel.

Die Wirtschaftlichkeit von neuen Systemen müsse sich in einem Zeitraum von 12 bis 24 Monaten einstellen, dann habe Unified Communications eine große Chance. Fast alle Kommunikationslösungen seien mittlerweile Applikationen im Netz. Anbieter für Unified Communications brauchten neben dem Netzmanagement auch Kompetenzen in der Echtzeitkommunikation, völlig unabhängig, ob es um bewegte Bilder oder Sprache geht. Mit den Versuch-und-Irrtum-Verfahren, die man aus der Informationstechnologie kennt, könne man nicht arbeiten. „Dumm ist es, wenn der Anfang meines Satzes später ankommt als das Ende. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man die Echtzeitkommunikation gut beherrscht. Da hat der klassische Sprachanbieter gewisse Vorteile, weil er sich mit diesem Faktor schon länger auseinandersetzt“, weiß Latzel. Zudem seien offene Schnittstellen und Standards wichtig, damit im Netzwerk Innovationen möglich bleiben und unterschiedliche Systeme zusammengebracht werden können.

Hier eine Kurzversion des Interviews auf Youtube:

Müde Firmen, mieser Kundenservice, bunte PowerPoint-Folien und Buzzwords

Nach einer Umfrage des Softwarespezialisten Genesys, die auf der Fachkonferenz von Nuance in München vorgestellt wurde, lassen sich deutsche Unternehmen durch schlechten Kundenservice jährlich mehr als 12 Milliarden Euro durch die Lappen gehen. Die befragten Kunden konnten angeben, wie viel die Geschäftsbeziehung, die abgebrochen wurde, jährlich wert gewesen ist. Diese Daten wurden dann durch Datamanitor/Ovum hochgerechnet. Als Gründe für die miesen Dienstleistungen in Deutschland sieht Genesys-Manager Heinrich Welter die unzureichende Qualität von Sprachdialogsystemen, die schlechte Erreichbarkeit der Agenten im Call Center, unqualifizierte Ansprechpartner, kostenpflichtige Services sowie eine fehlende Synchronisation zwischen den Kanälen für den Kundenkontakt. „Der Markt wurde jahrelang durch überzogene Versprechungen der Lieferanten einerseits und der ‚nur der Preis entscheidet-Manie’ andererseits vornehmlich mit kostengünstigen, aber durch die Bank weg schlechten Lösungen zugepflastert“, kritisiert Welter im Interview mit NeueNachricht.

An kritischen Web 2.0-Debatten mit Firmen wie Jack Wolfskin erkenne man, dass sich die Menschen immer aktiver und kritischer mit Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen. „Millenials, Digital Natives oder wie auch immer man die Gruppe bezeichnen möchte, sind im Bewusstsein der tradierten deutschen Unternehmen oft noch nicht angekommen. Erst langsam wird realisiert, dass sich das Verhalten der Verbraucher in den nächsten Jahren grundlegend ändern wird. Noch heute haben viele Unternehmen nicht einmal E-Mail integriert, geschweige denn SMS oder Chat. Da ist dann Social Media noch ganz weit weg“, so Welter. Oft sei es aber auch weniger die mangelnde Einsicht, etwas tun zu müssen, als das einfache Problem, wie man es denn umsetzen könnte, die Grundlage für diese Müdigkeit. „Nur Technologie ist in diesen Fällen natürlich nicht die Antwort. Denn was nützt der schönste Agent-Desktop mit Chat und SMS, wenn der Agent nicht den richtigen Ton in Chat oder SMS trifft“, führt Welter gegenüber NeueNachricht aus.

Hier geht es zum kompletten Interview.

Mit bunten PowerPoint-Folien und neuen Buzzwords kommt die Kommunikation über das Internet Protokoll nicht in die Gänge

Experten wissen, dass die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll kein Kinderspiel ist. Mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheiten in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen“, so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden“ (Hanser Verlag). Ähnlich sieht es Andreas Latzel von Aastra-DeTeWe http://www.aastra-detewe.de in Berlin: „Wer die alte Welt der Telekommunikation nicht versteht, besitzt keine Kompetenz, um Firmen in die IP-Welt zu transformieren. Der Philosoph Odo Marquard hat die technische Herausforderung treffend formuliert: Zukunft braucht Herkunft. Deswegen scheitern VoIP-Strategien, die den dritten vor dem ersten Schritt machen, wie es in der Software-Branche zu beobachten ist“, erläutert Latzel.

Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur müsse man einige Dinge berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie biete Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Ob der Anwender die neuen Funktionen der Unified Communications nutzen könne und möchte, hänge von Firmenkultur, Branche und dem Arbeitsplatz ab, so die Erfahrungen von Latzel. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt werde und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun habe.

Mehr zum Thema unter „Zukunft braucht Herkunft: Konvergenz von Informationstechnologie und Telekommunikation kein Kinderspiel“.

„Unified Communications“: Die große Unbekannte in Unternehmen – Gesamtstrategie für Integration von IT und TK gefragt

UC-Studie von Berlecon
UC-Studie von Berlecon
Laut einer Berlecon-Studie, die im Auftrag der Firmen Aastra, Cisco und Damovo erstellt wurde, setzt sich der Großteil der Führungskräfte für Informationstechnologie und Telekommunikation (ITK) in deutschen Unternehmen bereits mit „Unified Communications“ (UC) auseinander. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat in Ansätzen eine entsprechende Lösung im Einsatz oder plant es. Bei einem weiteren Viertel wird dies zumindest intensiv diskutiert. Allerdings wurde in der Marktanalyse konkret die Bündelung verschiedener Kommunikationskanäle und ihre Integration in Anwendungen abgefragt. Mit dem Begriff „Unified Communications“ können viele Entscheider immer noch nichts anfangen. Demnach steht UC nur in wenigen Firmen als strategisches Thema auf der Agenda. Zudem wird der Einfluss von Unternehmens- und Kommunikationskultur auf den Erfolg von UC-Projekten unterschätzt. Fundierte Informationen über den tatsächlichen Stand der ITK-Integration und der Umsetzung von UC müssen noch erarbeitet werden. Deutliche Unterschiede gibt es nach wie vor beim Stellenwert von IT und TK. Während die IT die Geschäftsbereiche und ihre Prozesse aktiv unterstützen soll, herrscht mit Blick auf die TK häufig noch eine operative Sichtweise vor. Sie soll in erster Linie kostengünstig sein und reibungslos laufen.

„Die Konvergenz von IT und TK – auf der Anwendungsebene als Unified Communications bezeichnet – ist schon in verschiedenen Bereichen in den Unternehmen zu finden: in der Netzwerktechnik auf Basis universeller Nutzung des Internet Protokolls, in der Server-Architektur in Form Ethernet-IP-vernetzter Server auf offenen Betriebssystemen, beim Einsatz einer einzigen Applikation für alle Kommunikationsmedien sowie in den Endgeräten in Form eines einzigen Clients für den Zugriff auf alle Kommunikationsformen. Dazu zählen Computer, Festnetz und Mobilfunk. Besonders in größeren Unternehmen mit verteilten Standorten finden wir eine Vielzahl verschiedener Ausprägungen der Konvergenz – in aller Regel in technisch heterogenen Umgebungen. Die Potenziale von UC werden allerdings in den meisten Firmen noch nicht ausgeschöpft. Vielmehr handelt es sich häufig um eingeschränkte Tests oder Insellösungen“, so die Erfahrung von Andreas Latzel, Deutschlandchef von Aastra.

Insofern könne es kaum überraschen, dass nach der Berlecon-Studie nicht einmal die Hälfte der Unternehmen eine Integration von UC in Anwendungen wie CRM und ERP plant. „Hier herrscht noch großer Aufklärungsbedarf. Eine Integration in prozessorientierte Anwendungen setzt eine generelle Einführung von UC in Unternehmen voraus. Entsprechend sind Lösungen gefragt, mit denen Systemintegratoren gewachsene heterogene IT- und TK-Umgebungen in Gesamtlösungen überführen können, um sowohl Kosten zu sparen als auch die Prozesse im Unternehmen besser zu unterstützen“, erklärt Latzel. Nur so könne man die Vorteile einer einheitlichen Kommunikationsinfrastruktur für alle Firmenstandorte, Heimarbeitsplätze und mobile Mitarbeiter nutzen. „Der aktuelle wirtschaftliche Druck wird die Einführung von UC im Mittelstand und bei Großunternehmen beschleunigen“, ist sich Latzel sicher.

UC: Fachkongress Voice Days plus will Licht ins Dunkel bringen
UC: Fachkongress Voice Days plus will Licht ins Dunkel bringen
Unified Communication ist auch nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus, ein wichtiges Leitbild für das Zusammenwachsen von IT und TK, um als Plattform für effizientere Kommunikationsprozesse im Unternehmen zu sorgen. „Allerdings befindet sich der Einsatz noch in einem frühen Marktstadium. Die Verbreitung in deutschen Unternehmen ist allerdings noch auf einem eher bescheidenen Niveau. Insofern verwundert es auch nicht, dass UC für viele Entscheider ein Fremdwort ist. Umso mehr sind Anbieter aufgefordert, mit konkreten Beispielen aus unterschiedlichen Branchen den Nutzen aufzuzeigen. Stattdessen wird in der Kommunikation auf die Darstellung von Funktionalitäten, allgemeiner Anwendungsgebiete und abstrakter Nutzenargumente gesetzt“, moniert Steimel. Kaum ein Unternehmen würde sich auf Seminaren, Konferenzen und Fach-Kongressen als UC-Anwender „outen“. „Das wollen wir auf unserem Nürnberger Fachkongress am 7. Oktober ändern und Licht ins Dunkel bringen. Mit acht Anwenderberichten aus vier Branchen werden wir auf den VDP Programm aufzeigen, wie Firmen bei der Einführung von UC-Lösungen vorgehen, welche Erfolgsfaktoren und Stolpersteine zu beachten sind“, kündigt Steimel an. Voice Days plus-Mitorganisator Jens Klemann warnt zudem vor einer zu technischen Diskussion: „Die größten Potenziale liegen bei einer radikalen Neudefinition der Geschäftsprozesse liegen. Die müssen genau analysiert und aufgebrochen werden, um sie auf Basis der neuen Möglichkeiten mit den Kommunikationsprozessen zu synchronisieren und damit neu zu definieren, lässt sich daraus ein echter Wettbewerbsvorteil im Sinne von Geschwindigkeit und Flexibilität erzielen“, so Klemann, Geschäftsführer des Beratungshauses Strateco.

Die Einführung von Unified Communications werde häufig nur aus dem Blickwinkel der internen Unternehmenskommunikation beleuchtet. Ebenso dramatisch seien aber auch die Veränderungen an der Schnittstelle zum Kunden – denn eine ganzheitliche UC-Strategie bedeutet auch an die Kommunikation mit Kunden kanalübergreifend zu managen. „Zu viele Unternehmen haben noch immer massive Probleme, eine kanalübergreifende Historie zu Kundeninteraktionen abzubilden und alle zur Problemlösung notwendigen Ressourcen einzubeziehen“, resümiert Klemann.

VoipSiehe auch den Blog-Beitrag: Leere VoIP-Versprechen und überforderte „Softwarebubis“

Wie Kommunikationstechnologien über den Geschäftserfolg entscheiden

Technikvisionen 1910: Die Welt in 100 Jahren
Technikvisionen 1910: Die Welt in 100 Jahren
Viele IT-Manager sind heutzutage mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, ihre Budgetausgaben so zu verwalten, dass der finanzielle Ertrag für ihr Unternehmen maximiert wird. Die Verschmelzung der klassischen Telefonwelt und der Datenwelt eröffnet vielfältige Möglichkeiten. „Zwei oder drei verschiedene Telefonnummern in der Berufswelt sind keine Ausnahme mehr. Oftmals sind es sogar noch mehr. Die Möglichkeit mit nur einer Nummer zu arbeiten, die an das Gerät und den auswählten Ort geleitet wird, bietet viele Vorteile. Man ist nicht nur besser erreichbar, optimiert die Kosten für die Weiterleitung und erspart sich diverse Ausgaben. Große und kleine Unternehmen sollten darüber Nachdenken, Mobiltelefone in die Nebenstelle des Unternehmens zu integrieren“, so lautet beispielsweise die Empfehlung des ITK-Unternehmens Aastra in Berlin.

Experten sind davon überzeugt, dass die Beherrschbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Betriebs von integrierten Lösungen verschiedenster Informations- und Kommunikationstechnologien über den Geschäftserfolg entscheiden. Es geht beispielsweise um die Beschleunigung des Durchlaufs von Produkten – vom Entwicklungs- und Produktionsprozess über die Auslieferung an den Kunden bis zu nachfolgenden Services. Es geht um innovative Prozessideen, mit denen neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Mit der richtigen und leicht verfügbaren Technologie ausgestattet, könnte die Mehrheit der wissensbasierten Arbeitskräfte ihre Aufgaben ebenso gut, wenn nicht sogar besser, von zu Hause aus erledigen. „Wenn man dieses flexible Arbeiten näher betrachtet, dann sollten Unternehmen unbedingt auch die Kommunikation über das Internet Protokoll (VoIP) integrieren, um wiederkehrende Kosten, die aus der Nutzung von Mobiltelefonen entstehen, zu vermeiden. Mitarbeiter, die Zuhause arbeiten, sind somit unter der gleichen Nummer erreichbar und profitieren von den gleichen Funktionen, die ihnen auch im Büro zur Verfügung stehen“, erklärt Aastra.

Offene Standards seien generell von Nutzen. „Das so genannte Session Initiation Protocol (SIP) ist der wichtigste Standard, über den ein Entscheidungsträger beim Kauf von IT-Lösungen Bescheid wissen sollte, wenn es um Sprachkommunikationssysteme geht. Systeme auf SIP-Basis sind dazu gedacht, problemlos in zukünftige Systeme integriert werden zu können. Unternehmen verlassen damit das ‚Gefängnis’ ihrer eigenen Systeme und können ihre Kommunikationstechnologie weiterentwickeln und stetig aktualisieren“, empfiehlt Aastra. Viele Unternehmen würden den Investitionen in neue Technologien noch skeptisch gegenüberstehen. Eine drastische Komplettumstellung sei aber gar nicht notwendig, meint der Berliner ITK-Spezialist: Unternehmen sollten sich vielmehr auf einen allmählichen Prozess einstellen, der Ihnen bereits zu Anfang Verbesserungen ermöglicht, ohne große Anfangsinvestitionen leisten zu müssen.

„Wenn wir über die Effizienzverbesserung von Kommunikationslösungen reden, sollten Unternehmen aber auch noch folgendes berücksichtigen: die Existenz eines Verwaltungstools, das anzeigt, ob ein Kollege bereits in einem Gespräch ist, um Anrufe effektiver organisieren zu können; eine Software zum Austausch von Daten, damit noch mehr konstruktive Dialoge zwischen Mitarbeitern ermöglicht werden; auf Laptop installierte Softphones um die Kosten durch Anrufe auf Mobiltelefone zu verringern, die bei Reisen oder Fernarbeit entstehen; mobile Kommunikation über WiFi Netzwerke“, sagt Aastra-CEO Andreas Latzel.
Die Kreditkrise führe zu drastischen Budgetkürzungen. Unternehmen sollten daher überlegen, wie Investitionen in Kommunikationstechnologie sinnvoll vorgenommen werden können. „Besonders in rezessiven Zeiten ist es für Unternehmen wichtig, dass sie die richtigen Kommunikationslösungen haben, um den Wünschen ihrer Kunden zu entsprechen und dafür sorgen zu können, dass ihre Mitarbeiter effizienter arbeiten“, so die Empfehlung von Latzel.