Sind die Befürworter oder die Gegner von Google Street View nun Spießer oder nicht? Diese Debatte schwappt nun hin und her, von Don Alphonso bis Benedikt Köhler. Einen wichtigen Aspekt hat Jens Best in einem Kommentar noch einmal verdeutlicht. Er möchte nicht, das ein Recht auf Fotografie von Häusern im öffentlichen Raum, das es lange gibt und mit guten Gründen in den letzten Jahrzehnten mehrfach verteidigt wurde, ins Klosett geworfen wird, „nur weil es jetzt auf einmal eine lautstarke Truppe von Bürgern brüllt, dieser Teil des öffentlichen Raumes wäre neuerdings privat. Die Häuserfassade als Bestandteil des informationellen Selbstbestimmungsrechts zu deklarieren, ist ein merkwürdiger Versuch Datenteilen und -verknüpfen – eigentlich also eine der Grundideen des Internets – generell zu verhindern.“
Die Pressesprecherin der Stadt Bonn konnte mir nicht erläutern, warum ich nicht auch unter die Satzung falle, wenn ich aus kommerziellen Gründen Fotoaufnahmen von öffentlichen Straßen in der Bundesstadt mache. Gibt es Unterschiede zu Pressefotografen, die damit ihr Geld verdienen? Das konnte mir die Dame im Rathaus nicht beantworten.
Ein Bußgeldbescheid habe ich bislang nicht erhalten, obwohl ich den Oberbürgermeister über meine Fotografien aufmerksam gemacht habe. Es geht den Trittbrettfahrern in der Politik also in erster Linie um die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Konzern Google – um nichts anderes.
Jeff Jarvis ist zurecht über die Anti-Street-View-Hysterie empört. „Deutschland, Du hast Deine Städte entweiht. Du hast die Zahl Deiner öffentlichen Orte verringert und sie entwertet. Du hast Deine Öffentlichkeit beraubt. Und Du hast einen gefährlichen Präzedenzfall für die Zukunft geschaffen“, so Jarvis in einem Beitrag für Zeit online. Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einem digitalen und einem realen Rundgang durch eine Stadt? Ich laufe jeden Tag an einer Vielzahl von Häusern vorbei, kann mir die Vorgärten und auch die Architektur anschauen. Wer das verhindern möchte, könnte sich neben der digitalen Verpixelung ja noch eine Plastikfolie über das Haus ziehen, wie man sie von Toilettenfenstern kennt. Da kommt man dann ästhetisch auf eine Außenwirkung, über die sich Jarvis aus gutem Grund ärgert.
Woher kommt also dieser deutsche Verpixelungssonderweg? Jarvis hat die Klage gehört, dass Google mit seinen Bemühungen, das Straßennetz zu kartieren und zu fotografieren, nur Geld verdienen will. „Dabei fotografiert auch die deutsche Regierung das Land und verkauft die Daten (wie der Bundesinnenminister mir via Videobotschaft mitgeteilt hat, gs). Telefonbuch.de von T-Mobile listet nicht nur Namen und Telefonnummern der Bürger auf, sondern es zeigt auch Luftaufnahmen ihrer Häuser und Höfe – aus vier verschiedenen Perspektiven. Sightwalk.de tut dasselbe wie Google Street View. Wer protestiert dagegen? Liegt es daran, dass Google ein amerikanisches Unternehmen ist? Ich hoffe nicht“, schreibt Jarvis.
Vielleicht liegt es auch daran, dass es für die politischen Jägerzaun-Rebellen in Deutschland so schön risikolos ist, sich mit einem amerikanischen Technologie-Unternehmen anzulegen, um der Internetwelt zu zeigen, dass es man als Staat handlungsfähig bleibt. Können wir aber mit dieser Mentalität innovative Web-Technologien entwickeln, nutzen und veredeln? Wohl kaum. Wir können uns diese deppenhafte Rückwärtsgewandtheit einfach nicht mehr leisten. Aus Angst vor dem Unbekannten verschwenden unsere politischen Meinungsführer zuviel Energie, um jede Neuheit mit den Denkmustern von vorgestern abzuwehren. Als Beispiel benennt Jarvis die vorauseilende Ablehnung der staatlichen Hüter der Privatsphäre bei der Kombination von Geotechnologie und Gesichtserkennung.
„Aber womöglich können solche Technologien genutzt werden, um nach Katastrophen wie Katrina oder dem Erdbeben in Haiti Menschen wieder zu finden. Wie kann ein Politiker so voreilig verfügen, wie neue Technologien nicht genutzt werden dürfen“, fragt sich Jarvis. Und verdammt noch mal, wenn ich das als Privatperson nutzen möchte, brauche keine behördlichen Kindermädchen, die mir vorschreiben, was für mich gut oder schlecht sei. Wo fängt die fürsorgliche Umarmung des Staates an und wo hört sie auf? Offenbar halten Politiker wie Ilse Aigner die Bürger für Volltrottel, der ohne Anweisungen, Verbote und gesetzlichen Regeln in sein Verderben stolpert. Das Ganze ist ein rabulistischer Trick des Staates.
Mit den inflationären Präventionsmaßnahmen erteilt sich der Kindermädchen-Staat eine Blankovollmacht für Eingriffe ins Privatleben. Egal, ob es um Datenschutz, Rauchverbote, Ernährung, Energieverbrauch oder Bildung geht. Vielleicht bin ich schon ein Opfer der Social Media-Sucht und muss daher vor mir selber beschützt werden. Dann kommt die Ilse und sagt, wie ich das Internet gefälligst zu nutzen habe (bei den Netzsperren schwingt diese Geisteshaltung doch schon mit). Und die Probleme gehen niemals aus, um neue Regeln zu schaffen.
„Es können laufend neue hinzudefiniert werden. Irgendwann gehört jeder zu einer Problemgruppe. Was ist mit den Fernsehsüchtigen, den Autosüchtigen, den Kaufsüchtigen? Verdienen sie nicht ebenso Zuwendung, Beratung und Hilfe wie Raucher und Übergewichtige? Seit neuestem soll sogar die Raffgier, die sich in exzessiven Gehältern mancher Manager manifestiert, staatlich reguliert werden“, schreiben Dirk Maxeiner und Michael Miersch in dem Merkur-Sonderheft „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen – Über Freiheit und Paternalismus“.
Die Tendenz, Deutschland (und die EU) in einen Kindergarten zu verwandeln, „greift die Fähigkeit des Einzelnen an, Situationen richtig einzuschätzen und sich dementsprechend zu verhalten“, kritisiert die Schriftstellerin Thea Dorn. Das fängt bei der Beleuchtung meiner vier Wände an (Glühbirnen-Verbot – die kaufe ich allerdings weiter in Bosnien ein, hähä) und hört bei Sondersteuern auf, um den Konsum von Schokolade, Eis und süßer Limonade fiskalisch zu bestrafen. Immanuel Kant, so Maxeiner und Miersch, konnte von den Begründungsmöglichkeiten eines autoritären Fürsorgestaates noch nichts ahnen, aber den menschlichen Hang, sich vermeintlich höherer Einsicht zu beugen sah er klar: „Es ist so bequem unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger (oder Datenschützer, gs), der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurtheilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“ Typisch deutsch, ach nee, in Brüssel ist es ja ähnlich.
Man kann den Street View-Dienst aber auch ganz anders sehen:
Mit einer neuen Gruppenfunktion, die am Mittwoch von Mark Zuckerberg vorgestellt wurde, könnte sich das Wesen von Facebook fundamental ändern, meint zumindest die Süddeutsche Zeitung. „Facebook wird privat – zumindest, wenn die Nutzer dies künftig möchten. Das größte soziale Netzwerk der Welt erlaubt es seinen Mitgliedern ab sofort, sich in geschlossenen Gruppen zu organisieren“, so die SZ.
Wer Facebook Gruppen verwendet, erhält die Möglichkeit, Kontakte gezielt auszusuchen und ihnen den Zugriff auf die eigenen Fotos, Videos, Daten und Fakten zu ermöglichen. Bislang konnte man Daten entweder offen präsentieren oder ganz verstecken. Zudem bietet Facebook ein Dashboard, auf dem die Nutzer sehen können, welche Apps sie aktiviert haben und mit welchen Daten diese Apps operieren. Recht praktisch ist die Möglichkeit zum Herunterladen der eigenen Daten. Sie werden nach Passworteingabe in einen Zip-Ordner verpackt und zum Download bereit gestellt.
Ob sich über die neue Gruppenfunktion ein Paradigmenwechsel abzeichnet, ist umstritten. Netzwertig-Blogger Peter Sennhäuser geht von einer deutlichen Richtungsänderung aus: „Der Umstand, dass alle, mit denen ich mich verknüpft habe, grundsätzlich auch alles mitkriegen, was ich poste, sorgte bisher für ein Bewusstsein für ein soziales Gefüge. Die weit höhere Komplexität der in Gruppen verschiedener Intensität unterteilten Netzwerke schafft neue Möglichkeiten, hebt aber auch dieses simple Gefühl von Verbundensein oder eben nicht auf. Anders gesagt: Fußt der Erfolg von Facebook nicht auf der extrem vereinfachten Abbildung sozialer Beziehungen – ich kenne jemanden, also gehört er in mein Netz? Oder ist Facebook als System vielleicht jetzt groß genug, um neue Layer einzuführen? Für den Nutzer dürfte der Überblick komplizierter werden. Das Risiko, etwas aus Versehen auf der eigenen Wall und damit öffentlich statt in einer bestimmten Gruppe zu posten, dürfte steigen, so der Netzwertig-Blogger: „Die Gruppen können wie bisher öffentlich sein (jeder kann sich ihr anschließen), geschlossen (das Profil der Gruppe ist sichtbar, man kann eine Mitgliedschaft auf Knopfdruck bei den Administratoren beantragen) oder ‚geheim‘: noch nicht mal die Existenz der Gruppe ist öffentlich (ich bin gespannt, was die NSA und das Homeland-Departement dazu sagen…). Die Nachrichten aus der Gruppe werden indes im Newsstream der Mitglieder auftauchen.“
Olaf Kolbrück sieht Vorteile: „Mit den neuen Facebook-Gruppen können Nutzer nun einen Raum für wichtige Menschen in ihrem Leben einrichten. Dort können sie Informationen teilen, die für einen ausgewählten Kreis bestimmt sind. Zudem gibt es einen Gruppen-Chat und eine gemeinsame Mailingliste für alle Gruppenmitglieder. Die neuen Gruppen erlauben damit eine engere Zusammenarbeit und erzeugen ein exklusiveres Ambient.“ Das schaffe nicht nur Anreize, das eigene Netzwerk weiter und differenzierter zu organisieren, es verbessert auch den Social Graph. „Die Intensität und die Verbindung der Menschen jenseits bereits vorhandener Kommunikation manifestiert sich deutlicher. Milieus und spezialisierte Verbindungen bilden sich klarer heraus. Damit lässt sich der Social Graph noch besser vermarkten, weil sich die Verbindung der Menschen untereinander qualitativ genauer darstellen lässt. Dem Targeting eröffnen sich damit neue Optionen. Obendrein dürfte die Kommunikation in Gruppen die Verweildauer erhöhen“, schreibt Kolbrück.
Völlig daneben geht allerdings die Wertung des FAZ-Redakteurs Jordan Mejas, der über die Folgen des Kinofilms „The Social Network“ für Facebook sinniert. Die Einsamkeit, Planlosigkeit und Unbeholfenheit der Geeks, die in Harvard herumsaßen und dabei ziemlich unversehens eine Sache aufstöberten, die später Facebook heißen sollte, würden den Drehbuchautor Aaron Sorkin an Situationen und Konditionen in „Freedom“ von Jonathan Franzen erinnern: „Niemand sagt klar und deutlich, Zuckerberg und seine Gefährten (fast hätte ich sie ,Freunde‘ genannt) wüssten nicht zu leben, wie es jemand von den Berglunds früh in Franzens Buch sagt, aber das Problem scheint dasselbe zu sein.“ Was aber, wenn „The Social Network“ sich in den kommenden Wochen tatsächlich als Film erwiese, in dem der Mensch zeitgeistmäßig in Gestalt des Nutzers nicht nur mit seiner Isolation konfrontiert wird, sondern auch mit seiner Illusion, in einer möglichst unüberschaubaren Ansammlung von Mitnutzern endlich die Freunde zu finden, nach denen er sich im nichtdigitalen Leben vergeblich sehnt, fragt sich Mejas.
„Die Saga vom Geek und Nerd wäre dann weniger ein moralisches Gleichnis traditioneller Bauart als ein Spiegel, der eine halbe Milliarde Menschen herausforderte, sich in ihm wiederzuerkennen. Dass sie sich von dem, was sie da sähen, enttäuscht oder gar bestürzt abwendeten, wäre kaum anzunehmen. Eher dürften sie an dem Glauben festhalten, dass ihnen ein Mausklick die zwischenmenschliche Wärme bringt, die sich sonst so rar macht, dass er die Leere füllt und die Einsamkeit vertreibt, in der Angst und Melancholie gedeihen“, führt der FAZ-Feuilletonist aus. Ist das der Netzwerkgedanke von Facebook. Erwarte ich zwischenmenschliche Wärme per Mausklick? Was für ein Schwachsinn.
Wer sich auf Facebook mit anderen verbindet, ist fortan auch eingebunden in die sozialen Interaktionen seiner „Facebook-Freunde“. Hier spielt sich das ab, was der Soziologe Mark Granovetter in seiner Netzwerktheorie als schwache und starke soziale Bindungen bezeichnet hat. Mit den engeren Kontakten kommuniziere ich über E-Mail, Skype, Telefon – die öffentliche Kommunikation in sozialen Netzwerken zielt auf die entfernteren Bekanntschaften und auf die anonyme Gemeinschaft aller anderen Mitglieder. Sonst würde ich ja wieder im eigenen Saft schmoren – deshalb erwarte ich auch nicht so viel von den geschlossenen Gruppen.
Onliner, die sich in Netzgemeinschaften organisieren sind zudem keine lichtscheuen Elemente oder Bildschirmjunkies, die sich hinter ihren Monitoren verkriechen – eingebettet von Pizzakartons. Sie verbringen ihre Zeit im Netz nicht auf Kosten der Pflege von Offlinekontakten, sondern auf Kosten ihres Konsums von klassischen Massenmedien. Insofern geht der Kinofilm überhaupt nicht um Facebook. So verkündet der Drehbuchautor Sorkin im Interview mit der Welt stolz, dass er nicht auf Facebook war, bevor er begann, sein Drehbuch zu schreiben. „Und ich bin es noch immer nicht. Ich benutze Technologie, aber ich liebe sie nicht.“ Na toll.
Da stürzt man sich lieber auf den reißerischen Schinken „Milliardär per Zufall“ von Ben Mezrich, der die Popularität von Facebook nutzt, um Auflage zu machen, die „Technik des rekonstruierten Dialogs“ einsetzt und sich auf die Seite der Winklevoss-Brüder und Eduardo Saverin schlägt. Das Ganze wird dann noch kräftig mit College-Saufereien, Sex, Geld, Macht und Betrug vermischt.
Vielleicht wollten die drei Antipoden den Nerd und Underdog nur ausnutzen, um an das schnelle Geld zu kommen? Vielleicht war der Facebook-Macher auch nur sauer auf das elitäre Gehabe der Zwillinge und führte sie deshalb am Nasenring durch die Web-Arena?
Aus der angedachten Website „Harvard-Connection“ sollte doch nur ein exklusives Dating-Portal mit dem Harvard-Siegel werden. Wäre daraus mehr geworden, als ein elitärer Netz-Zirkel von großen Jungs aus gutem Hause, die bei der kleinsten Schwierigkeit den reichen Daddy einschalten und sich ansonsten in der edelsten Studentenverbindung des Campus auf die Karriere als Ruderer für die olympischen Spiele vorbereiten?
Selbst im Kinofilm wird klar, „dass Geld für Zuckerberg nichts bedeutet. Doch warum hat er dann Facebook erschaffen? The Social Network gibt keine Antwort auf diese Frage, außer vielleicht, dass er als Outsider zu den Insidern gehören wollte. Doch dies erklärt noch lange nicht, was er geschaffen hat und vor allem warum. Und damit ist der Film grob vereinfachend. Er will uns nicht vermitteln, dass Zuckerberg die Welt vernetzen wollte und eine elegante Organisation von Internet Communities anstrebte. Der Film ignoriert das einfach. Es ist ein Film über Taktiken, nicht über Strategien. Es geht darum, dass Menschen hartherzig miteinander umgehen. Woanders nennt man das einfach Business“, so Jeff Jarvis in einem Namensbeitrag für evangelisch.de.
Drehbuch-Autor Sorkin kenne die Entwicklung von Facebook im Jahr 2010 überhaupt nicht. Er brüstet sich sogar damit (siehe Welt-Interview). Sein Interesse für Computer beschränke sich auf das E-Mail-Schreiben an seine Freunde. Seine Wahrheit sei nicht die Wahrheit; er möchte eine Geschichte erzählen. „Also Mist erfinden“, so Jarvis. Mark Harris vom „New York Magazine“ beschreibe in einer Nebenbemerkung, worum es in dem Film wirklich geht: „In The Social Network bespucken die alten Medien die neuen Medien gezielt mit Papierkügelchen“. Doch nicht die alten Medien bespucken die neo-neuen Medien, bemerkt Jarvis. „Sorkin ist Mitglied der Young Curmudgeons‘ Guild, der unter anderem auch Vertreter wie Gladwell, Carr, Anderson, Rowan, Morozov und Lanier angehören. Die alten Medien sträuben sich vor Veränderung. Diese Typen möchten am Internet kein gutes Haar lassen“, moniert der Medienprofessor.
„The Social Network“ sei ein Anti-Computerfreak-Film. Der Film behaupte, dass das Internet keine Revolution ist, sondern die Erfindung einiger seltsamer Maschinenmenschen, die in der Schule nur gehänselt wurden. „The Social Network“ revanchiere sich für die Revanche der Computer-Nerds. „Ich sehe in Zuckerberg und Facebook – und dem Internet – eine viel größere und bessere Story als die von Sorkin. Bei meinen Recherchen für Public Parts stieß ich auf das wunderbare Buch ‚The Gutenberg Revolution‘ von John Man, der sich durch dürftige Aufzeichnungen kämpft, um zu verstehen, warum der Mensch Technologien benutzt, um die alte Welt zu zerstören und eine neue Welt zu erschaffen. Gutenberg war ein Technologe, verschlossen und kontrollierend. Er war Geschäftsmann (ein früher Kapitalist, der einen der ersten Industriezweige erschuf). Er verhandelte hart, er war konkurrenzfähig. Er wurde von den Holländern beschuldigt, die Idee eines anderen gestohlen zu haben. Oh, und er hat sich scheinbar nicht gerade gütlich von mindestens einer Frau getrennt, bezeugt Man. Würde Sorkin ihn heute beschreiben, wäre Gutenberg nur ein Spinner: Wir glauben nicht daran, was er unserer Welt antut. Wir verstehen es nicht, also mögen wir ihn nicht“, resümiert der Buzzmachine-Blogger.
Heute um 17,20 Uhr habe ich mir am Premierentag den vermeintlichen Facebook-Thriller angeschaut. Die Sitzreihen waren recht spärlich besetzt – muss nicht viel bedeuten. Das Filmchen hat mich nicht vom Hocker gehauen. Es gibt die üblichen amerikanischen Uni-Klischees zu sehen. Wilde Partys, elitäre Studentenverbindungen, arrogante Schnösel aus den besten Kreisen des Landes und nette Uni-Streiche.
Daher bleibt „Animal House“ der einzig wahre College-Film. Der Kampf der Studentenverbindung Delta – die Underdogs – gegen die superspießigen Verbindungsstudenten vom Omega-House – sozusagen die Harvard-Connection. Mit dabei: der legendäre John Belushi.
Street View ist nach Auffassung von Jeff Jarvis ein hilfreiches Projekt und die Einstellung vieler Trittbrettfahrer, die sich in Deutschland auf Google einschießen, mehr als fragwürdig. Dürfen staatliche Instanzen reglementieren, ob man in der Öffentlichkeit Bilder machen darf oder nicht. „Wer besitzt die Öffentlichkeit? Das Problem ist zum Beispiel bei Google Street View: Wenn man Google verbietet, Fotos in der Öffentlichkeit zu machen, verbietet man es bald auch Journalisten. Das ist eine gefährliche Entwicklung“, warnt Jarvis zu recht.
„Jeff Jarvis ist wieder auf Tour. Der wahlweise als Web-Guru oder Internet-Visionär betitelte US-Amerikaner hat sich zu einem weltweiten Ein-Mann-Wanderzirkus in Sachen Web-Propaganda entwickelt. Seine Thesen werden von der Netzgemeinde eifrig beklatscht und selten hinterfragt. Aktuell auf dem Berliner Blogger-Kongress re:publica. Aber die Antwort auf die wichtige Frage, wie man mit dem Internet eigentlich Geld verdienen kann, hat Jarvis bisher nur für eine einzelne Person beantwortet: für sich selbst“, so sieht es der meedia-Blogger Stefan Winterbauer in seinem Rundumschlag gegen den Medienprofessor.
So witzelte Jarvis in Berlin über das deutsche Paradoxon, dass man sich hierzulande lieber nackt in die Sauna hockt, statt sich von einem Google Streetview Auto in voller Montur ablichten zu lassen. „Gelächter, Applaus, weiter im Text. Bloß nicht drüber nachdenken, sonst wäre die schöne Pointe womöglich hinüber. Dass es einen Unterschied macht, ob man sich in einem abgeschirmten Raum wie einer Sauna selbstbestimmt nackt zeigt oder ob man ungefragt auf der Straße fotografiert wird, wird von Jarvis nonchalant übergangen. Würde der Google-Fotograf mit einer Digitalkamera in der Sauna hocken und rumknipsen, würde wohl auch der eine oder andere protestieren“, meint Winterbauer. Der Konter sitzt nicht. Wenn ich in eine öffentliche Sauna gehe, weiß ich in der Regel nicht, welche Leute da mit mir herumsitzen. Trotzdem ist es gar kein Thema, mich meiner Kleider zu entledigen und sich unter das Nacktvolk zu mischen, sich mit anderen zu unterhalten und vielleicht sogar persönliche Infos preiszugeben. Den gleichen Effekt habe ich über den Tante Emma-Laden beschrieben.
Jetzt aber zum zentralen Vorstoß von Winterbauer. Das große Thema, das Jarvis in seinem Buch „What would Google do?“ abhandelt, ist die Link-Ökonomie. „Eine Art Web-Variation von Georg Francks berüchtigter (wieso berüchtigt, das ist ein intellektuell anspruchsvolles Buch, bei Hanser erschienen, keine einfache Kost. Hat Winterbauer dieses Opus überhaupt gelesen?) ‚Ökonomie der Aufmerksamkeit‘. Die besagt ganz grob, dass Aufmerksamkeit heutzutage eine Währung darstellt. Laut Jarvis wird diese Aufmerksamkeit durch Links erzeugt. Die Medienhäuser sollten sich also darauf konzentrieren, viele Links auf ihre möglichst spezialisierten und einmaligen Inhalte zu bekommen. Und, so die finale Schlussfolgerung, um viele Links, also viel Aufmerksamkeit, zu bekommen, muss alles natürlich frei verfügbar sein. Theoretisch ist das ein in sich schlüssiges Gedankengebäude. Solange man sich nicht in die wirkliche Welt hinauswagt. Wer von Jarvis wissen will, wie er denn die vielen Leute, die Gebäude, die Dienstleister, die ganze Infrastruktur mit der Link-Ökonomie bezahlen soll, der erhält zur Antwort, man müsse ‚Wege finden‘, die Aufmerksamkeit zu monetarisieren. Immer wenn’s ans Eingemachte geht, verdrückt sich Jarvis ins Ungefähre und eilt zum nächsten Vortrag“, kritisiert Winterbauer, der wohl etwas neidisch ist, dass Jarvis zur Zeit eine so hohe Aufmerksamkeit genießt und sie auch monetarisieren kann. In einem Vortrag zu erwarten, dass Jarvis nun neue Geschäftsmodelle für unterschiedliche Wirtschaftsbranchen auszubreiten, ist doch recht idiotisch. Wer das Buch von Jarvis rezipiert hat, weiß, dass dieser Vorwurf nicht zutrifft. Dort findet man für unterschiedlichste Branchen detailliert Vorschläge, wie man die Google-Philosophie umsetzen und auch Geld verdienen kann. Vom Google-Mobil bis zum Google-Krankenhaus. Siehe auch: Google-Mobil: Mitmachautos und Hersteller als Mobilitätsprovider.
Jarvis ist ein sympathischer, pointenreicher und witziger Rhetor, der auf Kongressen wie der re:publica sein Publikum unterhalten will. Mehr kann man von Vorträgen doch nicht erwarten. In der Regel tummeln sich auf solchen Veranstaltungen Graue Mäuse, die mit ihren Powerpoint-Orgien nur Schnarcheinlagen bringen.
„Der Mensch schuf den Computer sich zum Bilde, zum Bild des Menschen schuf er ihn“, so steht es in einem Kybernetik-Büchlein von Rolf Lohberg und Theo Lutz. „In seiner Grundkonzeption ist jeder Elektronenrechner ein künstlicher Mensch. Seine logische Struktur ist die des homo sapiens. Deshalb erscheint der Computer uns ja als das ideal kybernetische Universalmodell: weil er alles das, was wir uns in unseren Köpfen vorstellen können, als logisches Modell in seinen elektronischen Gehirnzellen nachbilden kann“, schreiben Lohberg und Lutz. So sind wohl auch die Programmierer von Google von der Genialität ihrer Suchalgorithmen überzeugt und beglücken die Welt des Internets mit intelligenten Maschinen.
Nur wenn in der Wirklichkeit unlogische Fehler auftreten, legen sich die Automaten scheinbar die Karten. Noch so schöne mathematische Modellwelten können nicht alle Wirrnisse des Lebens abbilden. Wenn nach dem Kauf eines Handys namens Nexus One Probleme bei der Installation von Software auftreten, irgendwelche Hindernisse beim Aufladen des Gerätes entstehen oder schlichtweg gar nichts funktioniert, helfen schlaue Maschinen auch nicht weiter. Je komplexer die Geräte, um so anspruchsvoller werden die Herausforderungen für den Kundenservice. Und da hat Google ein echtes Problem mit der realen Wirtschaftswelt. Ich habe in einer Story für NeueNachricht die berühmte Frage von Jeff Jarvis etwas abgewandelt: Nicht mehr „Was würde Google tun?“, sondern „Was tut Google“. Das wird spannend.
Jeff Jarvis hat so charmant den Flip-Camcorder vorgestellt, dass ich mich genötigt sah, bei amazon eine Bestellung aufzugeben. Schön in schwarz und einem 8 GB Flash Memory. Heute kam das Teil in einer Verpackung, die doch sehr an das Kauferlebnis eines iPhones erinnert. Batterie eingesetzt und man kann sofort losleben.
Hier der erste Miniversuch.
Erstes Urteil. Das Gerät ist so klein und in der Ton- und Bildqualität unheimlich gut. Über den eingebauten USB-Arm kann man den Film ratzfatz auf Youtube hochladen. Bei anderen Geräten ist das teilweise schwieriger.
Allerdings empfehle ich den Kauf eines USB-Adapters, dann braucht man den Flip nicht so eng an den Laptop legen.
Ich habe mich für das folgende Modell entschieden.
So langsam gewinnt die Debatte um die Zukunft der klassischen Medien an Fahrt und die Manager der großen Verlage sehen dabei ziemlich alt aus. Jüngstes Beispiel das Streitgespräch zwischen Springer-Chef Döpfner und Arianna Huffington. Siehe auch den NeueNachricht-Bericht. Social Media ist eben mehr als nur eine technische Spielerei. Wir erleben eine Epoche der Teilnahme, der Beteiligung, der Vielstimmigkeit, der Pluralität und der unterschiedlichen Lebensstile. Die Hohepriester und Taktgeber der öffentlichen Meinung verschwinden so langsam vom Bildschirm – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die alten Unternehmen würden noch immer in der Ökonomie der Inhalte arbeiten, die vor 570 Jahren mit Gutenberg begann. Der Eigentümer des Inhaltes machte damit seinen Gewinn, dass er möglichst viele Exemplare verkaufte.
„Online braucht man nur ein Exemplar, der Link zu ihm bringt den Gewinn. Inhalte ohne Links sind wertlos. Wenn also Suchmaschinen, Aggregatoren, Blogger und Twitterer zu Inhalten verlinken, stehlen sie nicht. Sie schenken Aufmerksamkeit und Gehör. Verleger sollten dankbar sein, dass Google sie nicht für den Wert seiner Links zur Kasse bittet“, so Jarvis.
Die Ökonomie der Links bringe Verlegern drei Imperative mit: Es fordere sie auf, ihre Inhalte öffentlich zu machen, wenn sie gefunden werden wollen. „Sie haben die Wahl, aber wenn sie sich hinter ihre Bezahl-Mauern zurückziehen, versteckt für Suche und Links, werden sie nicht entdeckt. Zweitens fordert die Ökonomie der Links Spezialisierung. Mache das, was du tust richtig und verlinke zum Rest. Das bringt neue Effizienz und kann Verlage profitabler machen. Das dritte in der Link-Ökonomie ist der Empfänger der Links, der ihren Wert ausnutzen muss“, führt Jarvis aus.
Und eines ist nun mal nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Mit dem Web 2.0 und mit allen Möglichkeiten der Social Media-Kanäle entsteht eine neue Medienkultur der Partizipation – ohne das Ganze in den Himmel heben zu wollen. Das die Medienbarone eine solche Fragmentierung bekämpfen ist klar. Als Verlage noch Oligopole und Monopole waren, konnten wesentlich höhere Anzeigenerlöse erzielt werden. Mit Google Adwords ist das nun vorbei. Nachtrauern braucht man den „One-to-many-Medien“ nicht.
Es ist schon erschreckend, mit welcher Denkweise die Vertreter der alten Welt auf die Thesen von Jeff Jarvis bei den Münchner Medientagen reagiert haben. Der aus New York zugeschaltete Medienprofessor wies darauf hin, dass es sinnlos sei „das alte Medienmodell in den neuen Verhältnissen der digitalen Welt zu konservieren.“ Er empfahl der Runde um den Moderator und Chefredakteur von stern.de, Frank Thomsen, eine „sehr kritische und ehrliche Diskussion darüber, was bei Ihnen schief läuft.“ Die einen schreien nach dem Staat, die anderen verlangen ein härteres Urheberrecht oder sehen generell Google als Sündenbock für die tiefe Krise der Verlage, die allerdings schon weit vor dem Crash der Finanzmärkte einsetzte.
„Jarvis macht es sich zu einfach“, sagte Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts. „Mir ist es egal, ob wir Inhalte im Druck oder digital ausliefern – aber wie finanziert man das?“ Falsch sei auch, dass Nachrichten keinen monetären Gegenwert mehr besäßen, so Ziesemer. „Viele Printprodukte sterben, weil sie als Reaktion auf die Krise auf Exklusivität verzichteten.“ Claus Strunz, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, klagte, Jarvis werde als „Onlineguru“ wahrgenommen. „Aber den Ruhm hat er aufgrund seiner Bücher. Und die sind gedruckt.“ Ja, Herr Strunz, genau. Er hat ein Sachbuch geschrieben und keine Tageszeitung, die von Anzeigenwerbung abhängig ist. Da bringen Sie aber einiges durcheinander. Nur die Medienprofessorin Miriam Meckel gab zurück: Die Reputation von Jarvis komme aus dem Netz und seinem erfolgreichen Blog. Sie kritisierte, die gesamte Debatte des Printgipfels sei überholt.
Strunz und Co. sollten zur Kenntnis nehmen, dass Jarvis mit seiner Kritik nicht alleine steht. Die Gründe für den Niedergang der Printmedien hat beispielsweise auch Journalismus-Professor Stephan Ruß-Mohl hat das in einem Beitrag für „Druckreif“ gut zusammengefaßt: „Die Verlagsmanager haben sich an entscheidenden Stellen verkalkuliert. In der ‚guten, alten‘ Zeit hatten die meisten Blätter regionale oder lokale Oligopole oder Monopole, also eine marktbeherrschende Stellung. Damit konnten sie bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen. Über Jahrzehnte hinweg erzielten sie Traumrenditen, von denen nicht nur viele Verleger, sondern auch so manche Redakteure in ihren Nischen wie die Maden im Speck lebten. Im Internet herrscht dagegen Wettbewerb. Der Konkurrent, der auf dieselben Anzeigenkunden hofft, ist nur einen Mausklick entfernt. Deshalb schrumpfen bei den Werbeumsätzen die Margen, aus denen sich früher Redaktionen großzügig finanzieren ließen“, so Ruß-Mohl.
Für die Werbetreibenden seien das paradiesische Zustände. Sie könnten ihre Zielgruppen ohne allzu große Streuverluste über das Internet sehr viel besser erreichen und müssten das Geld nicht mehr zum Fenster rausfeuern. Und noch ein Trend schröpft die Verlage: Wer nach einer neuen Freundin Ausschau hält oder sein Auto zum Verkauf anbietet, kann online inzwischen gratis oder für wenig Geld seine Ziele erreichen. Hier hilft die Silo-Taktik der Verlagsmanager nicht weiter. Die entsprechenden Portale laufen auch ohne Nachrichten-Content!
Offensichtlich fehlt vor allen Dingen den Medienmachern in Deutschland eine klare Strategie. Zu lange haben sie das Thema heruntergespielt. Sie haben über Jahre das eigene Niedergangs-Szenario verdrängt, kritisiert Ruß-Mohl. Die Medientage bestätigen sein Resümee.
Autos haben nach Auffassung des Medienprofessors Jeff Jarvis keine Konjunktur mehr. „Sie bleiben immer gleich, Jahr für Jahr. Mittlerweile sehen auch alle gleich aus. Und nur selten rufen sie Begeisterung hervor“, schreibt Jarvis in seinem Buch „Was würde Google tun?“. Das Hauptproblem sieht er in dem zu geringen Einfluss der Kunden. Bei ihren Anstrengungen für Interaktivität würden die Autohersteller alles daran setzen, dass die Käufer bloß keinen Schaden anrichten. Das erinnere an Museumskonzepte für Kinder. Hier sind die Knöpfe, an denen ihr herumspielen könnt, ohne etwas kaputt zu machen. Was wäre, wenn wenigstens ein Produkt unter einem Markennamen für kooperatives Design geöffnet würde? „Konstrukteure könnten ihre Ideen ins Internet stellen. Die Kunden könnten Vorschläge machen und sich darüber austauschen. Die Konstrukteure könnten die besten Ideen heraussuchen, sie in die Tat umsetzen und sich angemessen bedanken“, so Jarvis, der mit Buzzmachine zu den erfolgreichsten Bloggern in den USA zählt. Es gebe bereits Projekte mit dem Ziel, ein quelloffenes Auto zu bauen, wie zum Beispiel Oscar aus Deutschland.
„Geben Sie mir die Kontrolle über mein Auto und ich werde mir die Marke zu eigen machen, die Marke prägen, die Marke lieben und zu ihrem Verkauf beitragen“, schlägt Jarvis vor. Darin liege der Schlüssel zur Vermarktung eines „Google-Mobils“: Leidenschaft, Individualität, Kreativität, Auswahl, Begeisterung, Neuheit. Autofahrer werden Facebook-Gruppen, Blogs und Meetup-Clubs gründen und die erstaunlichen Autos loben, die sie sich ausgesucht und entworfen haben. Externe Produktdesigner und Hersteller könnten Accessoires anbieten, um das quelloffene Auto zu verbessern. Man könne völlig neue Wirtschaftszweige kreieren und mehr Autos verkaufen. Das sei der Vorteil, wenn man eine Plattform ist.
„Meiner Meinung nach müssen die Automobilhersteller nach dem Vorbild der Mobilfunk-Provider ihr Geschäftsmodell umstellen“, so Michael Zondler, Sales Director beim Düsseldorfer Beratungsunternehmen Harvey Nash. „Warum kaufe ich ein Auto bei A, versichere es bei B und gebe es bei C zum Service? Und warum bezahle ich alle Leistungen extra? Zuzüglich Sprit und Abschreibung ist ein Auto heutzutage die blödeste Alternative sich fortzubewegen“, erklärt Zondler. Simplifizierung bringe Kunden: „Die Kunden schließen zum Beispiel einen Mobilitätsvertrag ab und bekommen dafür je nach monatlichem Beitrag ein Auto. Sie bestimmen die Kosten, den Luxus- und Service Level – der Hersteller erledigt alles andere für sie.“ Die deutschen Automobilhersteller müssten sich zwei wichtigen Themen stellen. „Erstens: Die Kunden benötigen in erster Linie Mobilitätslösungen – dann Produkte. Zweitens: Der Hersteller mit den innovativsten Lösungen wird das Rennen machen – nicht derjenige, der die schönsten und schnellsten Autos baut“, resümiert Zondler.
Was wäre, wenn ein Automobilhersteller zum Marktführer im Transport von Menschen würde, fragt sich der Google-Experte Jarvis: „Sie sagen dem System, wo Sie hinwollen – bei Zugriff auf Ihren Google-Kalender weiß es das ohnehin bereits -, und es bietet Ihnen eine Auswahl, wobei verschiedene Kostenpunkte berücksichtigt werden: Heute können Sie besonders günstig mit dem Zug fahren. Morgen sollten Sie lieber ein Auto nehmen, denn Sie haben viel zu erledigen. Am nächsten Tag schließen Sie sich einem Car-Pool an, um Geld zu sparen. Diese Wochenende bekommen Sie einen schicken Mercedes für den Jubiläumsempfang. Nächste Woche nehmen Sie sich einen Chauffeur, damit Sie Ihre Kunden beeindrucken“. Das sei die neue persönliche Transport- und Verbindungsfirma, die auf einem alten Autokonzern aufbaut, indem sie ihn als Plattform nutzt. So entstünde die neue Welt des Google-Mobils.