Nexus One: Mit Spracherkennung die Hoheit über das mobile Web gewinnen

Das Google-Handy Nexus One hat viele Experten enttäuscht. Einzig die Spracherkennungsfunktion könne überzeugen. Ansonsten sei der Wow-Effekt, den man vom Suchmaschinen-Konzern gewöhnt ist, ausgeblieben. Der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt hat allerdings einen wichtigen Aspekt in die Diskussion gebracht. Viel wichtiger als der kurzfristige Verkaufserfolg sei für Google die langfristige Strategie dahinter.

„Das mobile Internet wird in einigen Jahren größer als das stationäre Web sein, weil es zusätzlich den lokalen Bezug hat. Google treibt diesen Markt wie kein anderes großes Internetunternehmen voran. Die Entwicklung des frei verfügbaren Handy-Betriebssystems Android war der erste Schritt, der jetzige Einstieg in den Verkauf der Geräte sicher nicht der letzte. Schon bald wird es viele (günstige) Google-Geräte mit vielen (kostenlosen) Google-Programmen geben, in denen das Unternehmen seine Werbung plazieren kann“, schreibt Schmidt. Das Ziel sei der Aufbau eines mobilen Werbenetzes, das ähnliche Dimensionen wie im stationären Web hat. „Konkurrent Apple will in dieselbe Richtung; andere Gerätehersteller scheinen in diesem Wettbewerb der Technikgiganten schon heute nicht mehr mithalten zu können. Wenn Google aber erst anfängt, Geräte mit Werbeeinnahmen zu subventionieren, wird es für die Konkurrenz erst richtig düster“, resümiert Schmidt. Einen weiteren Punkt kann man anfügen. Das die Spracherkennung bei der Nexus One-Präsentation den Genius von Google aufblitzen ließ, ist kein Zufall. Das System ermöglicht das Diktieren von E-Mails, Navigationsbefehlen und anderen anderen Eingaben ermöglicht. Nach Auffassung von Holger Schmidt könnte damit das mühsame Tippen auf den Smartphones weitgehend überflüssig gemacht werden. Das ist der Plan von Google, die dafür die besten Sprachtechnologie-Entwickler vorweisen kann:

„Mit dem Handy kommen Menschen ins Internet, die den Weg über den PC nie genutzt haben oder nutzen werden. Aufgrund des Formfaktors, den Screengrößen, Bedienungslimitierungen und verfügbaren Bandbreiten muss die Suche, also der primäre Zugang zu allen Inhalten und Diensten, auf dem Handy erschwerten Anforderungen gerecht werden. Sie muss sich zur Antwortmaschine weiter entwickeln, die aus der Verknüpfung von Web 2.0 und dem Semantischen Web richtige ‚Antworten’ produziert, statt lange Linklisten auszuspucken. Zudem muss die mobile Suche einfach zu bedienen sein“, weiß Voice Days plus-Sprecher Bernhard Steimel.

Hier habe Google die Nase vorn. Es sei eine geniale Strategie, mit GOOG411 im weltgrößten ‚Freiland-Versuch’ das eigene Sprachmodell zu validieren und mit einer exzellenten Qualität aufzuwarten.

Warum Verleger weinen würden und die Blockadestrategie gegen Google verlogen ist

Beim Mainzer Kongress „besser online“ des DJV haben Vertreter von klassischen Medien, Onlinemedien und Blogs einen Tag lang über aktuelle Themen des Internet-Journalismus diskutiert. Die Podiumsdiskussionen und Fachforen waren mit interessanten Experten bestückt. Häufig fehlte aber eine lebendige Debatte, was teilweise an den etwas emotionslosen Moderatoren lag.

Beim Eröffnungspodium „Google sei bei uns“ sagte Björn Sievers, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen von Focus Online, dass die Blockadestrategie von Rupert Murdoch und Springer gegen Google zum Scheitern verurteilt sei: „Technisch ist es einfach möglich, Google und jede andere Suchmaschine über eine kleine Textdatei, die man auf dem Server ablegt, auszuschließen. Das ist kein Hexenwerk. Wenn man sich den Traffic von großen Nachrichten-Websites anschaut, dann liegt der Prozentanteil des Google-Traffics ungefähr zwischen 30 und 60 Prozent. Das bedeutet, das ein typisches deutsches Nachrichtenportal um die Hälfte schrumpfen würde, wenn man Google ausschließt“.

Entsprechend verlieren Verlage Anzeigenerlöse über die Websites. Man könne zwar versuchen, diesen Verlust durch Paid Content-Strategien wieder aufzufangen. Sievers glaubt allerdings nicht an den Erfolg dieses Vorgehens. Bei allgemeinen Nachrichten werde man damit scheitern. Eher funktioniere so etwas bei der Stiftung Warentest, wo man vor dem Kauf einer Waschmaschine vielleicht auch Geld für einen Testbericht ausgibt, weil man dann in der Relation zum Kaufpreis wichtige Informationen erhält. Wenn Murdoch und Springer es wahrmachen und Kassenhäuschen für die Nutzung ihres Contents aufstellen, dann kommt der Markt für Journalismus wieder in Bewegung und es gibt neue Chancen für alternative Angebote wie dem Heddesheimblog von Hardy Prothmann.

Der freie Journalist Albrecht Ude warf die Gegenfrage auf. Was würden Verleger sagen, wenn Google die Entscheidung trifft, Verlage auszusperren? „Die würden schreien, die würden klagen, die würden verzweifelt sein und das sind sie eigentlich auch jetzt schon. Die Verleger versagen. Es ist die Aufgabe der Verleger, aus guten Inhalten auch irgendwann gutes Geld rauszukriegen und das schaffen sie im Internet zur Zeit nicht“.

Lars Reppesgaard, Autor des Buches „Das Google-Imperium“, findet es verlogen, wenn die Verleger behaupten, sie würden durch Google enteignet werden. Als Autor findet er diese Position unverschämt, da ihn Verleger jeden Tag mit buy out-Verträgen und anderen Unfreundlichkeiten knebeln würden. Dadurch werde man als Urheber faktisch enteignet durch das Ungleichgewicht der Kräfte. Beim Druck, den Verleger derzeitig gegen Google aufgebauen, gehe es nicht um die Aufrechterhaltung von Qualitätsjournalismus, sondern nur um eine bessere Verhandlungsposition mit dem Mountain View-Konzern, um die eigenen Kassen zu füllen. Hier liegen die wahren Gründe für die Forderung nach einem so genannten Leistungschutzrecht. Hier die komplette Audio-Aufzeichnung der Runde (die Qualität der Lautsprecher im Konferenzsaal des ZDF war nicht so besonders):

Der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt hat es zum zehnjährigen Jubiläum von Google den Punkt gebraucht: „Ohne Google sind Informationen wenig wert, weil sie – ganz simpel – nicht gefunden werden. Und was nicht gefunden wird, existiert nicht. Zumindest nicht für die junge Generation, für die das Internet Leitmedium und Google ihr zentraler Wegweiser ist: Auf die Frage, wo sich die Menschen näher über ein Thema informieren, antworten heute 51 Prozent der Deutschen ‚im Internet’. 1999, als es Google in Deutschland noch nicht gab, waren es 9 Prozent. Noch deutlicher fällt dieser Anstieg unter jungen Menschen aus: Von 19 Prozent auf 75 Prozent ist dieser Wert hochgeschnellt. Ob Online-Händler, Reiseanbieter, Produktvergleichsmaschine oder Medien – fast alle, die im Internet Geld verdienen, bekommen einen großen Teil ihrer Kunden oder Leser über Google. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um reguläre Suchtreffer handelt oder Werbung auf der rechten Seite. Die Präsenz unter den Top-Ten-Suchtreffern entscheidet über Sein oder Nichtsein im Internet“.

Und wenn Google so eine Teufelsmaschine ist, warum forcieren denn viele Verleger ihre Präsenz in der Suchmaschine? „Heerscharen sogenannter Suchmaschinenoptimierer basteln zurzeit an den Internetseiten der Medien, damit ihre Inhalte von Google möglichst prominent angezeigt werden. Die Journalisten müssen heute ‚Google-optimiert’ schreiben, also die richtigen Schlagworte in der richtigen Häufigkeit einsetzen. Die ‚optimale Keyword-Dichte’ ist im Google-Zeitalter essentiell geworden. Denn auch Journalisten wissen längst: Zugriffe auf Artikel, die auf Google News oben stehen, schnellen sofort hoch. Wessen Artikel nur unter einer Sammeladresse wie ‚und 856 ähnliche Artikel’ aufgeführt ist, hat es schwer, die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen“, so Schmidt.

Jens Matheuszik, Macher des Pottblogs, hat auf sympathische Weise dargestellt, warum seine lokalen Berichte auf eine so große Resonanz stoßen und bei den Lokalzeitungen eher kritisch beäugt werden. Er ist eben häufig schneller mit relevanten kommunalen Ereignissen im Internet präsent als WAZ und Co. Ähnliches berichtete Hardy Prothmann vom Heddesheimblog (den Vortrag hörte sich meine Freundin an, lief parallel).
Hier geht es zur Audioaufzeichnung des Pottblog-Vortrages:

Die Twitter-Runde mit dem Thema „Nachrichten oder Nabelschau“ war nicht so prickelnd, so dass ich irgendwann mein Aufnahmegerät ausgeschaltet habe. Über Sinn und Unsinn des Nachrichtendienstes immer noch zu palavern, war doch nervig. Frank Schmiechen von Welt Kompakt war in dem Kreis noch der interessanteste Diskutant. So setzt er nach eigenen Aussagen auf die Interaktion mit den Social Media-Kanälen. Zwei Seiten in jeder Printausgabe werden diesem Thema gewidmet. Ich habe das Blatt lange Zeit nicht mehr gelesen, werde es aber überprüfen. Hier eine Hörprobe der Expertenrunde:

Siehe auch:

Purer Protektionismus: Kampf von Springer und Co. gegen Google verlogen.

Kampf gegen Google verlogen.

Vorhang zu und alle Fragen offen: Replik auf Robert Schweizers Verteidigung des Leistungsschutzrechts.

Hardy Prothmann vom Heddesheim-Blog über Bratwurstjournalismus und den Autismus der Lokalzeitungen.

„If the news is that important, it will find me.” Social Media statt Google? Expertenmeinungen gefragt!

FacebookVor ein paar Monaten schrieb ich einen Blog-Beitrag über die Vorherrschaft von Google, die doch lange anhalten sollte. Waren vor ein paar Jahrzehnten noch Hardwarehersteller wie IBM und Sun die beherrschenden Größen im Markt, wurden sie in den Neunzigern vom Softwarehersteller Microsoft überholt. Jetzt werde Google den Takt vorgeben und eine neue Ära begründen, da sind sich die Autoren von absatzwirtschaft und PC-Praxis einig: „Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker“, sagt Professor Max Mühlhäuser von der TU Darmstadt: „Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon ,eingebaut’.“

Zur Zeit hat sich der Wind etwas gedreht und man versteht immer mehr die Aussagen des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar: „Wenn Sie das Gefühl haben, es ging in den vergangenen Jahren schnell, dann legen Sie den Gurt an: Es wird noch schneller“, so Yogeshwar bei seinem überaus interessanten Vortrag auf den Voice Days in Nürnberg.

In Blogger-Kreisen wird nunmehr bezweifelt, ob Google in der Lage ist, den Trend zum Echtzeitweb mitzugehen und die Schlagkraft des Social Webs richtig zu nutzen. So schreibt Olaf Kolbrueck in seinem Blog „off the record“: Norbert Bolz irre mit seiner Annahme, dass ein Internetnutzer nur auf das stößt, war er wirklich sucht. „Ein Internetnutzer stößt in der Regel nur auf das, was er sucht.“

„Der Medienwissenschaftler ist offenbar nur selten in Netzwerken unterwegs. Sonst wüsste er, dass die Nachricht und die Botschaft den Nutzer künftig vor allem findet – durch die Vernetzung mit ähnlich Gesinnten“. „If the news is that important, it will find me.” Die Ökonomie der Aufmerksamkeit bekommt eine neue Logik, die von Jeff Jarvis als Echo-System bezeichnet wird. Google scheine zu ahnen, so der off the record-Blogger, dass die Suche allein in Zukunft nicht mehr die Kernrolle spielen wird.
„It’s because of this fundamental shift towards user-generated information that people will listen more to other people than to traditional sources. Learning how to rank that “is the great challenge of the age ”, sagt Google-Vordenker Eric Schmidt in einem sehenswerten Video. „Es ist also geradezu zwingend für Google sich dem Thema zu widmen. Wenn sich der soziale Lifestream als Königsweg zum Auffinden von Informationen etabliert, ist das Geschäftsmodell von Google auf lange Sicht gefährdet“, schreibt Kolbrueck.

Social Media werde wohl zum größten Konkurrenten für Google. Die Suche nach Nachrichten und Informationen könnte bald wie ein lästiges Stück Arbeit aus der Zeit Dampfmaschinen wirken, wenn diese Inhalte künftig ohne größere Mühe mit Unterstützung des eigenen Social Media-Ökosystems zum Nutzer finden.
Es sei deshalb auch falsch, wenn der Publizist Richard David Precht auf den Münchner Medientagen über systemrelevante Massenmedien (er dürfte Print, TV und Co meinen) philosophiert, die der Kitt der Gesellschaft seien, weil sie Öffentlichkeit herstellen. Genauso gut könnte man die Sonntagspredigt als sozialen Klebestoff der Kirche bezeichnen, wo doch vor allem das gemeinsame Abendmahl die Gemeinschaft herstellt. „Der Kitt der Gesellschaft entsteht eben künftig nicht durch Glotze und Papier, sondern durch die Vernetzung der Menschen untereinander“, so Kolbrueck.

Zeichnet sich hier am Horizont eine Machtablösung ab? Diese Frage würde ich gerne mit Eurer Hilfe recherchieren für einen NeueNachricht-Beitrag. Also bitte Tipps und Expertenmeinungen an meine E-Mail-Adresse gunnareriksohn@google.mail.com schicken oder mich anrufen unter: 0177 – 620 44 74.

Google Social Search: Neuer Dienst, neue Möglichkeiten – Eins Live-Testbericht

„Eure Freunde und persönlichen Kontakte spielen in eurem sozialen Online-Leben eine wichtige Rolle. Viele Menschen stellen heute im Internet persönliche Kontakte her und publizieren auf verschiedensten Plattformen Informationen. Beispielsweise in Blogs, Status-Aktualisierungen oder Tweets. Auf diese Weise entsteht für jeden Nutzer ein Geflecht an relevanten Informationen, die sein soziales Umfeld öffentlich zugänglich gemacht hat. Leider sind diese Informationen auf einer einzigen Plattform nicht leicht zu finden. Deshalb starten wir heute in Google Labs und vorerst nur in Englisch die neue Testfunktion Google Social Search. Sie soll euch die Suche nach relevanten öffentlichen Informationen aus eurem weiteren sozialen Umfeld erleichtern“, so die offizielle Mitteilung im Blog „Google Produkt Kompass“.

Der Eins Live-Computerexperte hat den Dienst getestet und recht gut erläutert:

Kampf der Tech-Titanen: Facebook gegen Google, Google gegen Microsoft, Apple gegen Google: Jeder gegen jeden

517PHX86W2L._SS500_Zur Zeit überschlagen sich ja die Nachrichten im Machtkampf um die digitale Vorherrschaft. So sieht netzwertig-Blogger Martin Weigert eine neue Frontlinie im Netz: zwischen Facebook und Google. „Zu Wochenbeginn gab Facebook die Akquisition von FriendFeed bekannt. Für fast 50 Millionen Dollar übernimmt Facebook den US-Dienst, seine zwölf Mitarbeiter und eine ganze Menge Know-how, um seine jüngst begonnene Mission erfolgreich abschließen zu können“, schreibt Weigert. Facebook wolle nicht mehr nur ein soziales Netzwerk sein, über das Nutzer mit ihren Freunden und Bekannten kommunizieren, sondern nunmehr einen Großteil der Konversation im Web beherrschen – die zwischen Freunden, Familie, Kollegen, Fans, völlig Fremden und natürlich auch Unternehmen und Organisationen. Was Twitter begonnen und in den vergangenen Monaten zum Durchbruch verholfen habe, möchte Facebook mit seinen über 250 Millionen aktiven Mitgliedern weiterführen.

„Mit dem Kauf von FriendFeed zeigt Facebook-Gründer und -CEO Mark Zuckerberg, dass er dieses Vorhaben mehr als ernst nimmt. FriendFeed vereint verschiedene innovative Funktionen, die Zuckerberg nun endlich ohne schlechtes Gewissen und ganz offiziell bei Facebook integrieren kann, um aus der einstigen sozialen Plattform einen globalen Kommunikationsdienst zu machen. Auch die seit Wochenbeginn verfügbare Echtzeitsuche geht in diese Richtung“, so der netzwertig-Blogger.

Es wäre verwunderlich, wenn Google jetzt nicht um jeden Preis versuchen würde, verlorenen Boden gut zu machen, die Versäumnisse im Social Web- und Echtzeit-Bereich aufzuholen und Facebook damit das Leben so schwer wie möglich zu machen. Mit Spannung erwartete Dienste wie Google Wave oder Google Voice werden dem Unternehmen dabei sicher helfen. Und auch eine Übernahme von Twitter könnte erneut auf den Plan kommen.

Einen entscheidenden Google-Schwachpunkt sieht auch Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer beim Kampf um das Echtzeit-Netz. Hier würden die Menschen ein Thema schneller aufnehmen, als es eine Suchmaschine könne. „Und die meisten Menschen werden dann über Social Networks oder Dienste wie Twitter auf die Web-Site verlinken, die Ausgangspunkt der Nachricht war“, erläutert Knüwer. Gelinge es, diese digitale Kommunikation zu ordnen, entsteht eine neue Form der Suchmaschine, die vor allem bei Nachrichten schneller ist und bessere Ergebnisse liefert als Google & Co. Das musste auch Google-Mitgründer Larry Page auf der Zeitgeist-Konferenz einräumen: „Wir haben Schwächen, wenn es um die sekundenschnelle Erfassung von Informationen geht.“

Der Browser Chrome ist wiederum für die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page das Portal zu einem neuen Internet-Zeitalter. Der dahinterstehende Masterplan wird als Kampfansage an Microsoft gesehen. In Zukunft werden die Menschen einen größeren Teil ihrer Arbeit online erledigen, davon sind die beiden Milliardäre überzeugt: „Dafür bringen sie immer neue Programme heraus: Google Docs ist ein Büro-Softwarepaket, das nur noch im Netz läuft. Google Wave, eine Kombination aus E-Mail, Chat und gemeinsamer Dokumentenbearbeitung, soll die Kommunikation umkrempeln. Das schlanke Betriebssystem Chrome OS, das für diese Web-Programme optimiert ist, soll ab 2010 sogar Windows überflüssig machen. Und unter dem Label Google Apps verkauft der Konzern seine Internet-Software bereits 1000-fach an Firmenkunden“, berichtet die Wirtschaftswoche. Quasi en passant komme Google den Menschen mit den Angeboten so nah, wie es vor Kurzem noch undenkbar schien.

Der Internet-Experte Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus in Nürnberg, hält Google Wave für die entscheidende Waffe im Wettbewerb mit Microsoft. „Unter dem Zauberwort ‚Unified Communication‘ sowie ‚Collaboration‘ sollen Kommunikation und Geschäftsprozesse sinnvoll zusammengeführt werden. Hier liegt ein Schlüsselfaktor für erfolgreiches Wirtschaften. Mit der zunehmenden Verbreitung des Kooperationsgedankens haben sich zugleich die Anforderungen an das Management der Zusammenarbeit erhöht“, erklärt Steimel.

Interessant dürfte auch die Auseinandersetzung zwischen Apple und Google werden: Die anstehende Konfrontation zwischen Apple und Google zeigt, wie weit die Konvergenz von IT und TK, Daten und Sprache, Hard-/Software und Dienstleistungen schon geschritten ist. Viele Jahre hatte Apple seine kleine Nische neben den sogenannten „IBM-kompatiblen PC’s“ gehabt, während die „kompatible“ PC-Welt sich strikt in Hard- und Software-Anbieter differenzierte. Im zum PC gehörenden Bereich der Standard-Software war Microsoft der absolut dominierende Anbieter. Webdienstleister wie Google spielten auf einem ganz anderen Terrain, und der Mobilfunkmarkt wurde von Handy-Herstellern wie Nokia, Ericsson, Motorola etc. beherrscht.

Was sich jetzt hier abzeichnet, ist der vielzitierte Paradigmenwechsel, hier vom klassischen Software-Business zu einem komplexeren, webbasierten Dienstleistungsmodell. Nachdem der Wettbewerb von Hardware-Plattformen im Grunde schon in den 90er Jahren entschieden wurde, nämlich zugunsten der Intel-Architektur, und der Wettbewerb der Software-Hersteller bei Desktops schon lange durch ein faktisches Monopol von Microsoft abgelöst wurde, öffnet sich nun ein weiteres Schlachtfeld im Web. Apple hatte mit dem iPod und dem iTunes-Store schon vor Jahren auf diese Karte gesetzt, und diesen Erfolg mit dem iPhone weiter ausgebaut. Erfahrene Smartphone Hersteller wie Nokia mussten lernen, dass die Hardware mit proprietärer Softwareausstattung gegenüber einem Webstore-Modell, dass es dem Anwender kinderleicht macht, Inhalte und Anwendungen online zu kaufen, längst überholt ist. Microsoft ist hingegen der klassische Software-Hersteller für PC und Server, und so sind und waren die Microsoft-Anläufe zu neuen Geschäftsmodellen wie MSN und dem Mediaplayer Zune nur schwache Me-too-Versuche. Zuletzt setzte Microsoft auf die Übernahme von Yahoo, um dem Schwergewicht des Web, Google, Paroli zu bieten. Herausgekommen ist nur eine laue Partnerschaft.

Mit dem Launch des Handy-/Smartphone-Betriebssystems Android, nunmehr auch schon für Notebooks verfügbar, bereitet Google den Angriff auf das Apple-Geschäftsmodell vor. Microsoft ist da schon fast außen vor. Dazu passt auch, dass im stagnierenden PC-Markt lediglich die neuen Netbooks hohe Absatzahlen und damit schon hohe Marktanteile erreichen. Kleine, preiswerte Applikationen sowie Inhalte in kleinen Portionen, dieses Geschäftsmodell liegt dem iPod/iPhone zugrunde und wird, erweitert um Services, auch für Google funktionieren.

Der Verkauf von großen, teuren Softwarepaketen à la Microsoft ist dagegen schon das Business von gestern. Passend ergänzt wird das Apple-/Google-Geschäftsmodell von den Mobilfunknetzbetreibern, die jahrelang nach verkaufbaren Inhalten gesucht haben, sowie nach Anwendungen, die Datenverkehr in ihre 3G-Netze bringen. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass ein Wechsel der Marktbeherrscher ansteht: Microsoft wird abgelöst, und Apple und Google und sicherlich auch weitere neue Anbieter kämpfen um eine neue Marktaufteilung.

Das Rat Race zwischen Google, Microsoft, Facebook und Apple bleibt spannend!

netzwertig-Beitrag.

Der Chrome-Masterplan: Wie Google den Konkurrenten Microsoft bedrängt – Beim Echtzeit-Netz schwächelt der Suchmaschinen-Riese.

Facebook intensiviert Schlacht gegen Google.

War In The Valley: Apple vs. Google.

Spekulationen über die Facebook-Strategie, die ich im März veröffentlichte!
Panzer

Microsoft-Yahoo-Kooperation ist eine Totgeburt – Die Google-Dominanz wird wachsen

Stadt der BlindenEine Übernahme von Yahoo durch den Software-Konzern Microsoft hätte nach Ansicht von Voice Days Plus-Sprecher Bernhard Steimel noch Sinn gemacht. Allerdings nur beim Kampf um die Hoheit des mobilen Internets. Beim stationären Internet sei gegen Google kein Blumentopf mehr zu gewinnen. „Mit dem Handy kommen Menschen ins Internet, die den Weg über den PC nie genutzt haben oder nutzen werden. Aufgrund des Formfaktors, den Screengrößen, Bedienungslimitierungen und verfügbaren Bandbreiten muss die Suche, also der primäre Zugang zu allen Inhalten und Diensten, auf dem Handy erschwerten Anforderungen gerecht werden. Sie muss sich zur Antwortmaschine weiter entwickeln, die aus der Verknüpfung von Web 2.0 und dem Semantischen Web richtige ‚Antworten’ produziert, statt lange Linklisten auszuspucken. Zudem muss die mobile Suche einfach zu bedienen sein“, weiß Steimel.

Wer von den Suchanbietern schließlich das Rennen gewinnen werde, hängt nach seiner Auffassung davon ab, wer den „Kampf um die besten Köpfe“ mit der größten Marktmacht verbinden kann. „Den Kampf um die Köpfe hat Google bereits gewonnen – besonders durch die Art von Google, immer alles neu zu entwickeln und die geniale Strategie, mit GOOG411 im weltgrößten ‚Freiland-Versuch’ das eigene Sprachmodell zu validieren und mit einer exzellenten Qualität aufzuwarten. Und auch bei der Marktmacht hat Google noch die Nase vorn. Auf der ersten Seite der meisten TK-Unternehmen, die ihren mobilen Kunden eine Suche anbieten, steht in der Regel die mobile Google-Suche“, führte Steimel aus.

Das gestern verkündete Kooperationsmodell zwischen Microsoft und Yahoo sei allerdings eine Totgeburt. Hier stimme Steimel mit der Analyse von netzwertig überein. Wenn der Blinde mit dem Lahmen marschiert, entstehe kein Weltklassesprinter. „17 Monate nach den ersten Fusionsgerüchten haben Microsoft und Yahoo sich nun endlich auf eine langjährige Zusammenarbeit geeinigt. Doch auch wenn dieser ausgesprochen wirre Deal kurzfristig ein Gegengewicht zu Google schafft, wird er die beiden Firmen nicht vor ihrem Abstieg im Internetgeschäft retten“, spekuliert netzwertig. Es könne sehr gut sein, dass Microsoft und Yahoo mit diesem überkomplizierten Deal Google endgültig die Dominanz bei der Websuche geschenkt haben.

„Der Deal ist aus der Not geboren und wird in der praktischen Umsetzung scheitern, wie viele anderen strategischen Kooperationen zuvor. Wenn man mit aller Macht konsolidieren will, dann wäre eine Fusion wohl der bessere Weg gewesen“, resümiert der Kundenservice-Experte Steimel.

Topsy, Crowdeye, Hunch oder Eyeplorer: Auf der Suche nach der Suchmaschine von morgen

logo_ask_new_2Anders als in den vergangenen Jahren, in denen auch qualitativ hochwertige Suchdienste wie Ask.com beharrlich ignoriert wurden, scheint die Bereitschaft zu wachsen, bei Suchmaschinen sich auf etwas Neues einzulassen. Das schreibt Spiegel-Online-Redakteur Frank Patalong: „Was auch daran liegen könnte, dass wahrgenommen wird, dass Google nicht in jeder Hinsicht das Rad erfunden hat. So wird eifrig über die Entwicklung einer Twitter-Suchmaschine im Hause Google spekuliert. Die müsste dann aber wohl gegen den Twitter-Suchdienst CrowdEye.com des langjährigen Microsoft-Suchdienstentwicklers Ken Moss antreten“. Moss sei kein Frühstarter.
„Längst haben sich mit OneRiot und Topsy zwei Twitter-Suchdienste etabliert. Der Vorgang ist typisch: Erst, wenn sich die Großen bewegen, entsteht auch Aufmerksamkeit für die Leistungen der Kleinen. Während die Tech-Presse erneut über semantische Suche diskutiert, probieren Dienste wie Hunch.com neue Ansätze, das Web intelligenter zu erschließen. Hunch versucht, Suchanfragen durch thematische Einengung näher zu definieren, um zu treffsichereren Ergebnissen zu kommen. Mitunter klappt das ganz prächtig und zeigt viel Potenzial, mitunter grenzt es an Realsatire“, so Patalong.

Internet intelligenter erschließen
Internet intelligenter erschließen
Hunch sei das Gegenstück zu Wolfram Alpha (WA), dem Dienst, der wenig, das aber sehr genau weiß: „WA ist stark, wo es um Sachliches geht, Hunch dort, wo es nach Pop riecht – sie sind E- und U-Suchmaschinen, wenn man so will. Aber Hunch lebt vom Konzept, durch seine Nutzer zu lernen. Man muss der Sache also Zeit geben. Das sind die Dinge, die dafür sorgen, dass die wirklich großen Suchdienste populär bleiben. Mitunter haben die Kleinen mehr Klasse, doch es fehlt an Masse“, führt Patalong aus. Bemerkenswertes verortet er in Berlin: Eyeplorer.com sei ein Dienst, der für semantische Verbindungen sorgt. Auf Basis der erfassten Wikipedia-Daten visualisiere EyePlorer thematische Querverbindungen. Man komme zu überraschenden Ergebnissen. Der Nutzer wird auf Themenreisen durch Cluster von Artikeln geführt, die thematisch verknüpft sind. „So etwas für das gesamte Web umzusetzen, statt ‚nur’ für die Inhalte der Wikipedia, würde dem Traum vom semantischen Web schon sehr nahe kommen. Denn da geht die Reise hin, für alle Player auf dem Markt: Keine Frage, dass auch Google, Yahoo oder nun Bing versuchen werden, immer mehr solche semantischen Features in ihre Dienste zu integrieren“, resümiert Patalong.

Die Inhalte im World Wide Web wachsen allerdings mit einer schnellen Geschwindigkeit. In Zukunft werde eine Indexierung immer schwieriger, selbst wenn man neuartige Methoden auf Basis von semantischen Verbindungen oder künstlicher Intelligenz auf den Markt bringt, meint Björn Behrendt, Geschäftsführer der Wissenscommunity Hiogi. „Wirklich mächtige Suchmaschinen können meiner Ansicht nach erst dann entstehen und Zusatznutzen stiften, wenn sich die Spezifikationen des World Wide Web Consortium (W3C) in der Breite durchsetzen. Mit anderen Worten müssen die großen Softwareanbieter bei der programmiertechnischen Kennzeichnung semantisch verwertbarer Inhalte eine Vorreiterrolle übernehmen“, erklärt Internetexperte Behrendt.

Neue Dienste durchs mobile Internet
Neue Dienste durchs mobile Internet

Impulse erwartet Sprachdialogexperte Lupo Pape vom mobilen Internet: „Das mobile Internet ist erst in Ansätzen erkennbar. Da ist vor allen Dingen in Europa noch sehr viel Marktpotenzial vorhanden. So kann niemand vorhersagen, was passiert, wenn beispielsweise ortbasierte Services auf auf Web 2.0-Communities treffen. Natürlich hat das eine enorme Sprengkraft wenn Giganten wie Apple, Google, Microsoft und Nokia aufeinander treffen und gleichzeitig noch Heerscharen von Applikationsentwicklern auf deren freigegebenen Plattformen innovative Dienste für den mobilen Nutzer entwickeln und täglich neue Dienste auf den Downloadcharts vom Apple-Store oder OVI stehen“, erläutert Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Die Innovationsgeschwindigkeit verlaufe zur Zeit ungehemmt, keiner weiß, wo das hinführen wird und wie sich unser Leben und wie sich insbesondere auch die Wertschöpfungsketten in der Wirtschaft verändern werden. „Interessant ist, dass trotz der ganzen Vielfalt der Software, Hardware und Anwendungen, die sich dahinter verbergenden Nutzungsszenarien der Endverbraucher meist sehr einfach bleiben: ‚Wo ist der nächste Fahrradladen?’; ‚Welche Freunde sind gerade in der Nähe?’; ‚Wie gut ist der Inder dort an der Ecke?’; ‚Gibt es die Kamera noch irgendwo billiger?’“, so der Sprachdialogexperte Pape. Das seien Nutzungsszenarien, die nach einer Spracherkennung und einem Sprachdialog geradezu schreien.

„Wenn es gelingt, den Sprachdialog in die mobilen Anwendungen einzubinden, dann wird die ganze Entwicklung noch einmal eine neue Dimension bekommen. Spracherkennung und Sprachdialog werden auch der Schlüssel dafür sein, Bevölkerungsgruppen an der Entwicklung teilhaben zu lassen, die von der neuen Technologie bisher ausgeschlossen sind“, resümiert Pape. Das müssten die großen Anbieter in ihren Strategien für das mobile Internet berücksichtigen.

Antwortmaschinen, Entscheidungsmaschinen und Google-Killer: Die Verheißungen des semantischen Webs bleiben bislang aus

Power-Blogger Sascha Lobo wünschte sich in einem Interview für die Weiterentwicklung des Internets eine sinnvollere Vernetzung der Inhalte untereinander: „Ich warte seit Jahren auf den Durchbruch des für das jeweils übernächste Jahr angekündigten Semantic Web“, so Lobo. Die Web-Welt wird nun schon seit einiger Zeit mit den Verheißungen der semantischen Technologien auf Hochtouren gebracht. Jüngstes Beispiel ist die als Google-Killer titulierte Antwortmaschine „Wolfram-Alpha“ vom Mathematik-Genie Stephen Wolfram. Er selbst sieht sein Tool eher als wissenschaftlichen Hausgeist für die akademische Welt. Ehrgeizige Ziele verfolgt auch Microsoft mit „Bing“: Der Software-Konzern spricht sogar von einer Entscheidungsmaschine. So soll eine Suchanfrage, die nur eine Flugnummer enthält, mit aktuellen Informationen zu diesem Flug beantwortet werden. Die Eingabe von „Wetter München“ führt nach Microsoft-Angaben zu einer Wettervorhersage der bayerischen Hauptstadt.

Microsoft hat semantische Technologien des zugekauften Startups Powerset eingebaut. Die „Antwort- und Entscheidungsmaschinen“ sollen den Kontext der Anfrage verstehen und nicht nur eine Flut von Links auswerfen. Sie sollen verstehen, welche anderen Begriffe verwandt sind oder innerhalb eines Wissensnetzes in der Nähe liegen. Bislang funktioniert das nur in sehr abgegrenzten Themenfeldern. Semantische Suchmaschinen mit allgemeiner Ausrichtung sind nach einem Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ bis jetzt ohne größeren Erfolg geblieben: „Da macht Google immer noch das Rennen. Zumal die Google-Programmierer ihrem Algorithmus immer neue Feinheiten hinzufügen; neuerdings lässt sich beispielsweise der Zeitraum der Suche eingrenzen“. Bei allen anderen Ansätze kommen „Tags“ zum Tragen, von den Nutzern selbst eingespeiste Schlagworte. „Eine Software analysiert diese dahingehend, inwiefern sie sich mit Inhalten von Websites decken. Wie bei den Wissensnetzen von Conweaver geht es darum, Zusammenhänge herauszufiltern“, schreibt „Die Zeit“.

Das alleine reiche allerdings nicht aus, so der Einwand von Andreas Klug, Vorstand von Ityx in Köln. „Moderne Ansätze der semantischen Informationsbewertung benötigen kein manuelles ‚Tagging’. Sie beziehen das explizite und implizite Verhalten der User bei der Informationssuche dynamisch in die Optimierung des Wissens ein. Im Klartext heißt das: ein Verschlagworten von Informationsobjekten ist längst nicht mehr notwendig. Durch die Verknüpfung zwischen Suchbegriffen und bewerteten Inhalten wird eigenständig Wissen generiert. Dabei kann sowohl die aktive Bewertung der Antworten wie das bloße Betrachten von Objekten deren Relevanz dynamisch beeinflussen“, erläutert Klug. Der Nutzen semantischer Methoden wachse durch die Abgrenzung von Informationen in sogenannten „Wissensräumen“. „Diese abgegrenzten Domänen bilden schnell Wissen ab, wenn viele Anfragen zu einem abgrenzbaren Themenkreis in kurzer Zeit verarbeitet werden können. Der große Wurf wird aber mit den lernfähigen Methoden gelingen“, ist sich Klug sicher.

Sein Unternehmen entwickelt in Kooperation mit deutschen Forschungseinrichtungen Kombinationen von semantischer, soziolinguistischer und dynamisch lernfähigen Methoden. Sie werden vor allen Dingen in mittleren und großen Unternehmen für die Informationsbewertung von Posteingängen und Archiven eingesetzt. „Große Unternehmen beschäftigen sich schon seit Jahren mit dem Thema Datenmengen für Maschinen besser analysierbar und verständlicher zu machen. Der Ansatz des semantischen Web birgt daher wesentlich mehr Potential als die häufig diskutierte Verbesserung von Suchalgorithmen oder das menschliche Tagging von Inhalten in der stetig wachsende Anzahl an Internetseiten, die derzeit Google als Platzhirsch mit sinkendem Erfolg indiziert und cached“, sagt Björn Behrendt, Geschäftsführer der Wissenscommunity Hiogi.

Wenn sich W3C-Standards für die einheitliche Beschreibung von Daten eines Tages durchsetzen, könnten daraus völlig neue Anwendungsgebiete entstehen. „Vor allem Unternehmen werden in der Lage sein, die Daten ihrer Abteilungen für Forschung und Entwicklung sowie Zulieferer auf völlig neue Weise technisch verwertbar und austauschbar zu machen. Wir sollten hierbei nicht vergessen, dass ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg die effektive und sichere Verlinkung von Daten ist http://linkeddata.org/. Mashups und offene APIs zeigen heute bereits, wie aus der Verknüpfung von Daten neue Anwendungsgebiete entstehen“, weiß der Hiogi-Chef. Es sei kaum auszumalen, wo wir landen werden, wenn Softwaresysteme diese ausgetauschten Daten logisch zu Metathemen zusammenfassen können und inhaltliche oder aber auch gefühlstechnische Zuordnungen und Empfehlungen automatisch treffen könnten. „Ich teile daher die Skepsis gegenüber den semantischen Suchmaschinen. Es wird keinen Google-Killer geben. Bei Unternehmensdaten, APIs, Applikationsentwicklung, Contextual Advertising, Profiling und damit im E-Commerce sind die Potentiale von verlinkten Daten gigantisch“, verkündet Behrendt.

Wahrscheinlich sind umfassende semantische Systeme im Web eine Utopie. „Nach der Theorie muss man zwischen statischer und dynamischer Semantik unterscheiden. Semantik ist nicht immer statisch. Eine Aussage kann einem Sachverhalt auch eine neue Bedeutung geben. Schon das Lesen von Forenbeiträgen und die Antworten darauf machen klar, wie schnell sich die Semantik ändern kann, das Thema oder der logische Zusammenhang verloren gehen oder durch neue Bedeutungen ersetzt werden“, erklärt Udo Nadolski vom IT-Beratungshaus Harvey Nash. Das könne man nicht generell anwenden oder mit einem Regelwerk festlegen. Semantische Analysen und Verknüpfungen werden nur da funktionieren, wo der tatsächliche und der vermutete Erwartungshorizont der Anwender deckungsgleich sind“, resümiert Nadolski.

Kommunikation und Kollaboration mit Google Wave: Suchmaschinen-Gigant hat wieder den „richtigen Riecher“

Kollaps durch Netzwerkstress
Kollaps durch Netzwerkstress
Die Studie „Kollaborieren oder kollabieren“ von Mind Business Consultants geht der Frage nach, ob sich die aktuellen IT-Werkzeuge für die Projektarbeit eignen. „Wissensarbeiter fühlen sich von den ihnen zur Verfügung gestellten Arbeitsmitteln nicht ausreichend unterstützt: Für 84 Prozent der befragten Entscheider aus Großunternehmen und Dienstleistungsbranchen wird der Büroalltag stressiger. Die Erledigung der wichtigsten Aufgaben kommt bei 73 Prozent der Befragten zu kurz. Emails, Meetings und unwichtige Aufgaben sind die wichtigsten ‚Zeit-Killer’“, stellt Mind-Geschäftsführer Bernhard Steimel fest. Klassische Kommunikationsplattformen wie MS Outlook, Excel oder Project eigneten sich nur eingeschränkt als Kollaborationstools.

„Auch Intranets und Wikis unterstützen nicht für alle Befragten optimal das Wissensmanagement im Unternehmen. Dokumenten-Management ist in vielen Unternehmen noch ein Fremdwort, nur jedes vierte Unternehmen setzt es ein“, fasst Steimel die Befragungsergebnisse zusammen. „Echte“ Tools für die Kollaboration wie MS Sharepoint werden nur von 29 Prozent der Befragten genutzt. Aber knapp 90 Prozent geben zu Protokoll, dass solche Tools die Zusammenarbeit verbessern könnte. „Sie sollen durch attraktive, intuitive und leicht zu bedienende Nutzerschnittstellen die Informations-, Kommunikations- und Kooperations- sowie Koordinationsprozesse entschlacken, beschleunigen und wertschöpfender gestalten“, erklärt Medienberater Stefan Simons von Projektkomplex.net.

Sergey Brin erläutert Google Wave
Sergey Brin erläutert Google Wave
Solche Lösungen sollten das Management unterstützen, jeweils den aktuellen, „synchronen“ Projektstatus zu identifizieren, Aufgaben zu verteilen, ihre Erledigung zu verfolgen und das Geleistete zu dokumentieren. „Auf diesem sehr wichtigen Feld hat Google mit dem neuen Tool Wave wohl wieder den richtigen Riecher. Es ist eine Art Konversation, zu der bestimmte Leute eingeladen werden und über Instant Messaging in Echtzeit kommunizieren, gleichzeitig aber ebenfalls in Echtzeit Dokumente wie Links, Bilder, Videos, Text, Maps, Feeds und viele andere Dinge hinzufügen und bearbeiten können: Kommunikation und Kollaboration in Perfektion“, so Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer IT-Beratungshauses Harvey Nash.

Google sieht Wave als dreigeteiltes Produkt, dessen Code als Open Source etabliert wird. Sehr klug von Google. Der Client ist als typische Webapplikation konzipiert, um auf möglichst vielen unterschiedlichen Endgeräten inklusive iPhone und Android-Handy laufen zu können. Eine Plattform mit einer Vielzahl von offenen Entwicklerschnittstellen, um die Funktionalität stark ausweiten und anpassen zu können. Ein Protokoll, das für die Basisfunktionalität wie etwa die Steuerung der Echtzeitkollaboration zuständig ist. „Damit hat Google einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht und untermauert seinen Ruf als Innovationsmaschine. Und so wird klar, wenn Experten fragen, was nach Google kommen wird: Natürlich Google“, resümiert Harvey Nash-Chef Nadolski.

Abschied vom Tastenwahlblock – Sprachsteuerung als „Tipping Point“ des mobilen Internets

Lösungen von Nuance für die Automobilbranche
Lösungen von Nuance für die Automobilbranche
Mobile Computer und Navis setzen sich nach einem Bericht des Computer Informationsdienstes (CID) immer mehr durch. Doch wer unterwegs auf den Rechner zugreifen möchte, hat nicht immer die Hände frei oder muss die Augen auf seine Umgebung richten. Hier sehen die Marktforschungsexperten der Datamonitor Group die größten Chancen für Sprachsteuerungs-Applikationen. Die weltweiten Umsätze mit sogenannter „Advanced Speech Recognition” (ASR) sollen demnach in Smartphones und mobilen Kleinrechnern von 32,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2009 auf 99,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 steigen. Für die Spracherkennung in Fahrzeugen sagen die Analysten eine Steigerung von jetzt 64,3 Millionen US-Dollar auf 208,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 voraus.

Sprachsteuerung für mobile Geräte
Sprachsteuerung für mobile Geräte
Sprachcomputer zählen auch für die Suchmaschinen zu den wichtigsten Instrumenten, um das mobile Internet bequem bedienen zu können. So bietet Yahoo ab sofort die Handy-Applikation „oneSearch Voice“ für Smartphones und das iPhone in Deutschland an. Das lästige Tippen auf der kleinen Tastatur oder dem Touch-Screen falle weg. Es genüge jetzt, den Suchbegriff per einfach auszusprechen. Die Darstellung der Ergebnisse werden für Handy-Displays optimiert angezeigt: Statt langer Linklisten liefere Yahoo nach Kategorien gegliederte Antworten. Sucht man beispielsweise mit der gesprochenen Eingabe „Bundesliga“ nach aktuellen Fußballergebnissen, erhält man eine Vielzahl von detaillierten Resultaten wie aktuelle Spielstände, Tabellenübersichten, Fotos sowie weiterführende Links. Die Ergebnisse sind nach Angaben von Yahoo übersichtlich in Kategorien aufbereitet. „Das System ist lernfähig: Es passt sich immer besser an die individuelle Sprechweise seines Nutzers an, je häufiger es eingesetzt wird. Während die meisten mobilen Spracherkennungssysteme auf einzelne Kategorien wie lokale Suchen spezialisiert sind, bietet wir den Nutzern die Möglichkeit, offene Suchanfragen zu stellen – mit hoch relevanten Ergebnissen für jede Art von Spracheingabe“, erklärt Michael Stenberg, Partner Director Central & Eastern Europe Yahoo! Mobile. Stenberg. Wer es dennoch lieber klassisch mag, könne nach wie vor auch die herkömmliche Texteingabe nutzen.

tipping pointDurch das Spracherkennungs-Feature will Yahoo seine Position als zentraler Einstiegspunkt ins mobile Internet festigen. Die Applikation kann unter http://de.m.yahoo.com/voice direkt auf unterstützte Handys oder über den iTunes Store auf das iPhone heruntergeladen werden. Die Sprachsteuerung wird von Web 2.0-Pionier Tim O’Reilly http://radar.oreilly.com sogar als „Tipping Point“ gewertet: Der Begriff bezeichnet jenen Moment, in dem etwas Einzigartiges zum Normalzustand wird und einen qualitativen Umschlagspunkt markiert. „Es ist es an der Zeit, Telefone als erstklassige Geräte zu sehen, um auf das Internet zugreifen zu können, und nicht nur als Möglichkeit, Inhalte und Anwendungen umzuwidmen, die ursprünglich dazu gedacht waren, mit einer Tastatur und einem Bildschirm gelesen zu werden“, meint O’Reilly.

Tastenwahlblock auch digital bislang nicht tot zu kriegen
Tastenwahlblock auch digital nicht tot zu kriegen
Auch in der ITK-Branche erwartet man Impulse von der Sprachsteuerung: „Computer werden heute immer noch primär über eine Tastatur bedient, die aus der Schreibmaschine entstanden ist, so als ob jeder Tastendruck einen mechanischen Hebel in Bewegung setzt. Selbst der Zeilenvorschub und Wagenrücklauf alias Carriage return ist uns erhalten geblieben, obwohl damit schon lange kein Papier mehr transportiert wird. Telefone haben zwar die Revolution von der Wählscheibe hin zur – in der Regel – 3×4 Tastatur gemacht, standardisiert nach ITU E.161, das erfolgte aber bereits in den 70er Jahren. Selbst moderne Handys und Smartphones halten sich noch an den Tastenwahlblock, entweder in mechanischer Ausführung oder als Icon-Darstellung auf einem Touchscreen“, weiß Andreas Latzel, Deutschland-Chef des ITK-Spezialisten Aastra, der viel Wert auf die Benutzerfreundlichkeit seiner Systeme legt. Die Technikentwicklung verlaufe zwar rasant, im Kern aber immer noch traditionell. Vorhersehbar sei, dass der Tastaturblock an seine Grenzen stoße – spätestens mit der breiten Einführung der SIP-Telefonie und der SIP-Teilnehmeradressen.

„Anders als bei professionellen Tischgeräten kommt die Ausstattung von Handys mit alphanumerischen Tastaturen zwar auch vor, ist aber in der Regel wegen der beschränkten Abmessungen nicht befriedigend. Da bietet sich der Weg zum Sprachinterface an: der Ansage von Adressen oder Einträgen des Telefonbuchs in normaler Sprachform. Sinnvoll ist das beim Autofahren oder anderen Tätigkeiten, die beide Hände verlangen“, erläutert Latzel. Noch interessanter werde die Sprachsteuerung nach Ansicht von SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape, wenn Wissen über die Domäne und Dialogintelligenz hinzukommen. „Dann kann man von Sprachdialogsystemen sprechen. Das ist das, was wir mit dem Personal Assistant umsetzen. Dazu müssen die Wissensgebiete semantisch aufbereitet und Dialogstrategien hinterlegt werden. Die wichtigsten Use-Cases gilt es zu modellieren“, resümiert Pape.