Während Hardwareanbieter immer noch gerne die Leistungsdaten ihrer Produkte zur Schau stellen, verstehen die Software-Marketer mehr und mehr, wie wenig Sinn das macht. Selbst Microsoft hat diese Lernkurve mittlerweile durchlaufen.
Steve Wozniak ist ein begnadeter Mathematiker und zählt zu den legendärsten Computeringenieuren aller Zeiten. So stilisiert sich zumindest der frühere Weggefährte von Steve Jobs und Erfinder des Apple I in seiner eigenen Biografie. Was Wozniak nicht ist: ein Marketinggenie. Das wollte er nie sein und äußert sich dementsprechend enttäuscht, dass sein alter Kumpel Jobs nicht den Ingenieur in den Mittelpunkt des Unternehmens stellte.
Von Anfang an war Apple als Marketingunternehmen konzipiert: „Das Produkt wird sich mit anderen Worten danach richten, welche Wünsche und Anforderungen die Marketingabteilung bei den Kunden finden wird. Das ist das genaue Gegenteil von einem Ort, wo Ingenieure einfach das konstruieren, was ihnen Spaß macht, und das Marketing anschließend Wege findet, um das Produkt zu vermarkten“, sagt Wozniak. Genau das sei der Grund, warum „Woz“ nur noch über alte Zeiten sinniert und Steve Jobs zu den erfolgreichsten IT-Unternehmern der Welt zählt, meint Peter B. Zaboji, Chairman des Frankfurter After-Sales-Spezialisten Bitronic: „Obsessionen für technische Perfektion sind ja schön und gut. Am Ende des Tages ist der Markterfolg entscheidend und nicht die Selbstverliebtheit von Ingenieuren. In vielen IT-Unternehmen sind Marketing, Management und Führung immer noch viel zu herstellerorientiert.“
Wenn sich Bastler, Ingenieure oder Programmierer etwas ausdenken, seien sie ausschließlich an den Eigenschaften ihrer Spielzeuge interessiert. „Der mögliche Benutzer ist für sie nur ein störender Ignorant“, lautet die Erkenntnis des keinesfalls technikfeindlichen Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger. Was sich in Büros und Wohnzimmern abspiele, sei grotesk. Rechner, Drucker, Netzgeräte, Scanner und Brenner würden jeweils das Studium einer hundertseitigen Betriebsanleitung erfordern. Vielleicht liege es an den berufsbedingten Scheuklappen nach dem Motto: Chacun devient idiot à sa façon – jeder macht sich auf seine Weise zum Idioten. Die Printversion meines Beitrages in ausführlicher Form findet Ihr hier: absatzwirtschaft März 2010
Während Hardwareanbieter immer noch gerne die Leistungsdaten ihrer Produkte zur Schau stellen, verstehen die Software-Marketer mehr und mehr, wie wenig Sinn das macht. Selbst Microsoft hat diese Lernkurve mittlerweile durchlaufen.
Steve Wozniak ist ein begnadeter Mathematiker und zählt zu den legendärsten Computeringenieuren aller Zeiten. So stilisiert sich zumindest der frühere Weggefährte von Steve Jobs und Erfinder des Apple I in seiner eigenen Biografie. Was Wozniak nicht ist: ein Marketinggenie. Das wollte er nie sein und äußert sich dementsprechend enttäuscht, dass sein alter Kumpel Jobs nicht den Ingenieur in den Mittelpunkt des Unternehmens stellte.
Von Anfang an war Apple als Marketingunternehmen konzipiert: „Das Produkt wird sich mit anderen Worten danach richten, welche Wünsche und Anforderungen die Marketingabteilung bei den Kunden finden wird. Das ist das genaue Gegenteil von einem Ort, wo Ingenieure einfach das konstruieren, was ihnen Spaß macht, und das Marketing anschließend Wege findet, um das Produkt zu vermarkten“, sagt Wozniak. Genau das sei der Grund, warum „Woz“ nur noch über alte Zeiten sinniert und Steve Jobs zu den erfolgreichsten IT-Unternehmern der Welt zählt, meint Peter B. Zaboji, Chairman des Frankfurter After-Sales-Spezialisten Bitronic: „Obsessionen für technische Perfektion sind ja schön und gut. Am Ende des Tages ist der Markterfolg entscheidend und nicht die Selbstverliebtheit von Ingenieuren. In vielen IT-Unternehmen sind Marketing, Management und Führung immer noch viel zu herstellerorientiert.“
Wenn sich Bastler, Ingenieure oder Programmierer etwas ausdenken, seien sie ausschließlich an den Eigenschaften ihrer Spielzeuge interessiert. „Der mögliche Benutzer ist für sie nur ein störender Ignorant“, lautet die Erkenntnis des keinesfalls technikfeindlichen Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger. Was sich in Büros und Wohnzimmern abspiele, sei grotesk. Rechner, Drucker, Netzgeräte, Scanner und Brenner würden jeweils das Studium einer hundertseitigen Betriebsanleitung erfordern. Vielleicht liege es an den berufsbedingten Scheuklappen nach dem Motto: Chacun devient idiot à sa façon – jeder macht sich auf seine Weise zum Idioten. Komplette Story gibt es in jedem gut sortierten Kiosk 🙂
Für die Titelstory der absatzwirtschaft (Märzausgabe) habe ich zwei Artikel geschrieben. Hier eine kleine Kostprobe: Steve Wozniak ist ein begnadeter Mathematiker und zählt zu den legendärsten Computeringenieuren aller Zeiten. So stilisiert sich zumindest der frühere Weggefährte von Steve Jobs und Erfinder des Apple I in seiner eigenen Biografie. Was Wozniak nicht ist, ein Marketinggenie. Das wollte er nie sein und äußert sich dementsprechend enttäuscht, dass sein alter Kumpel Jobs nicht den Ingenieur in den Mittelpunkt des Unternehmens stellte. Von Anfang an war Apple als Marketing-Unternehmen konzipiert: „Das Produkt wird sich mit anderen Worten danach richten, welche Wünsche und Anforderungen die Marketing-Abteilung bei den Kunden finden wird. Das ist das genaue Gegenteil von einem Ort, wo Ingenieure einfach das konstruieren, was ihnen Spaß macht, und das Marketing anschließend Wege findet, um das Produkt zu vermarkten“, so Wozniak. Genau das sei der Grund, warum „Woz“ nur noch über alte Zeiten sinniert und Steve Jobs zu den erfolgreichsten IT-Unternehmern der Welt zählt, meint Peter B. Zaboji, Chairman des Frankfurter After Sales-Spezialisten Bitronic, nach einem Bericht der Zeitschrift absatzwirtschaft http://www.absatzwirtschaft-shop.de: „Obsessionen für technische Perfektion sind ja schön und gut. Am Ende des Tages ist der Markterfolg entscheidend und nicht die Selbstverliebtheit von Ingenieuren. In vielen IT-Unternehmen sind Marketing, Management und Führung immer noch viel zu herstellerorientiert“, kritisiert Zaboji zum Start der Computermesse Cebit.
Der Erfolg der Apps für Smartphones zeige sehr deutlich, dass man in der IT-Branche neue Geschäftsmodelle nur über den Nutzen etablieren kann und nicht über das Formulieren und Transportieren von technischen Features, sagt Oliver Kaltner, Country Manager Entertainment & Devices bei Microsoft Deutschland und ehemaliger Geschäftsführer der Sony Deutschland GmbH. Der „Erotikfaktor“ eines Betriebssystems wie Windows 7 sei relativ bescheiden. „In der Vergangenheit haben wir dazu tendiert, ein Betriebssystem wie ein Betriebssystem zu vermarkten, nämlich über technische Features. Bei Windows 7 haben wir uns deshalb mit der Firmenzentrale in Redmond auf zwei Strategieaspekte verständigt. Nummer eins: Wir zeigen nicht alles auf, was Windows 7 kann, sondern konzentrieren uns auf vier einfache Botschaften. Windows 7 macht Deine Maschine schneller, gibt Dir eine bessere Struktur mit einer intuitiven Benutzeroberfläche, macht Dein System sicherer und richtet Dir das Betriebssystem nach Deinen Wünschen ein. Nummer zwei: Wir lassen diejenigen über die vier Botschaften sprechen, die am Ende des Tages das Produkt auch nutzen“, erläutert Kaltner.
Zum ersten Mal in der Geschichte von Microsoft habe es hundertprozentig gepunktet. Die Kampagne sei menschlich, sympathisch, einfach in den Botschaften und von Kunde zu Kunde gestrickt. Die Produktentwickler seien damit am Anfang nicht einverstanden gewesen, weil das Betriebssystem eigentlich viel mehr könne. „Wir halten das allerdings für wegweisend in der Kundenansprache. Im nächsten Schritt wird via Onlinekommunikation und Blogging kommuniziert, was das Programm alles kann. Mit diesen Maßnahmen bauen wir eine viel intensivere Kundenbeziehung auf. Das ist ein völlig neuer Aufschlag für die IT-Company Microsoft“, so Kaltner.
Microsoft werde noch vor Ende des Jahres ein Produkt auf den Markt bringen wollen, das den Umgang mit Computern ebenso radikal verändert wie seinerzeit die Computermaus. Beim „Project Natal“ sei nicht mehr das Interface-Design, sondern „out of your face design“ das Gebot der Stunde.
„Was Nintendo mit der Wii geschafft hat, ist der Beleg für die These, dass es nicht mehr um die Hardware geht. Die Entwickler haben erkannt, dass ein Großteil der Kunden grundsätzlich am digitalen Spiel interessiert ist, aber Angst davor hat, Hardware in die Hand zu nehmen und steuern zu müssen. Der Zugang zum Spiel muss vereinfacht werden und die Hardware darf nicht im Wege stehen. Wir gehen jetzt deutlich in die nächste Generation, denn es ist überhaupt keine Hardware mehr im Spiel. Bei uns ist kein Controller mehr notwendig, zudem kommt das Element der Sprachsteuerung hinzu. Beides hat zum Ziel, möglichst viele Konsumenten zum interaktiven Spiel zu bewegen und als gesellschaftliches Erlebnis zu Hause werden zu lassen. Der Blamierungsfaktor strebt dann gegen null und geht weit über das Thema Gaming hinaus“, sagt der Country Manager im Interview mit der absatzwirtschaft, die sich in ihrer Märzausgabe dem Thema IT und Marketing widmet. Natal sei der Weg zum „Gaming für Jedermann“ unter Einbindung der Social Media Networks wie Facebook und Twitter. Es werde über das Spielerlebnis hinaus ein Eisbrecher für ein neues User Interface sein: „Die Kulturgeschichte des Spiels hat gezeigt, dass sie Einfluss genommen hat auf andere gesellschaftliche Entwicklungen. Dafür wird auch die Bewegungs- und Sprachsteuerung des „Projects Natal“ sorgen“, ist sich Kaltner sicher.
Kaum hat Steve Jobs nach der Präsentation des iPads die Bühne verlassen, melden sich Analysten und Branchenexperten zu Wort, die das Wundergerät zerpflücken oder in den Himmel heben. Das ist auch bei der Einführung des Ipods und des iPhones so gewesen. Torpedos schießen vor allen Dingen Telco-Manager ab, die den Nutzen für Geschäftsanwendungen bezweifeln. Apple wollte vermeiden, mit dem iPad das eigene Geschäft mit iPhone und MacBook zu kannibalisieren. Das iPad sei weder ein Ersatz für ein Notebook noch ein Ersatz für ein Smartphone, sondern das „dritte Gerät“. Schleppt man auf Reisen drei Geräte mit drei Netzteilen herum, die alle auch noch eine Überlappung der Funktionalität haben? Eher nein, sagen Kritiker. Könne das iPad als „Muttergerät“ für andere digitale Geräte wie etwa Kameras oder auch Smartphones dienen? Nein, keine USB-Schnittstelle. Auch das Betriebssystem sei dafür nicht geeignet, da wäre eine Lite-Version des Mac OS-X besser.
Im Moment nicht zu beantworten sei nach Auffassung von Branchenexperten die Frage, wie performant die Hardware ist. Vermutlich, bei 10 Stunden Akku-Laufzeit, sei der 1 GHz Prozessor eher mit dem Snapdragon für Smartphones zu vergleichen, nicht aber mit dem Intel Atom. Deswegen wird vermutet, dass Apple eine Extra-Grafikeinheit integriert, die für Video optimiert ist. Da werde aber die allgemeine Rechenleistung deutlich hinter einem Intel Atom bestückten Notebook zurückbleiben. Also reiche die Leistung für die Ablösung eines Notebooks nicht aus.
Ein cooler und gewagter Wurf wäre es, mit dem iPad unter Einbeziehung von Cloud Computing das Notebook ganz zu ersetzen. Dazu müssten die Performance/Schnittstellen des Gerätes stimmen, und dann würde jeder Käufer automatisch „seinen Webspace“ bekommen, auf dem man seine Daten zentral speichern kann. Videobearbeitung oder andere rechenintensive Anwendungen könnten etwa von Servern abgearbeitet werden, das Frontend wäre dann nur ein Client. Das wäre aber ein wesentlich weitergehender Wurf als das, was Apple jetzt vorgestellt hat: das sei nur ein größer skalierter iPod Touch. Richtig gemacht – gut und langfristig aufgesetzt – könnte es wirklich ein Paradigmenwechsel sein, ein Gerät wie das iPad wäre nur der Client im Cloud Computing. Und die Cloud würde dem Anwender alle Probleme abnehmen, was Speicherpaltz, Rechenleistung, Sicherung und Datenkonvertierung/-weiterbearbeitung angeht. Geht aber nur standardisierten Schnittstellen und Prozessen, damit beim Wechsel des Endgerätes alles innerhalb der Cloud weiter verfügbar ist.
Soweit die Einwände. Eure Meinung würde mich zu diesen Punkten interessieren.
Entscheidend für den iPad-Erfolg werden wohl eher Content und Apps sein, Siehe auch: Was die Apple-Wundermaschine können sollte.
Anwenderberichte werden dann zeigen, was das Gerät wirklich drauf hat und welche nützlichen Programme, Spiele, News und sonstige Dinge über iTunes abrufbar sein werden. Hier ist Apple immer noch das Maß aller Dinge!
Auf die Schnelle zwei kleine Schnipsel eines Livestreams von der Steve Jobs-Show. Ist wohl mit einem iPhone aufgenommen worden. Durch das Scheinwerferlicht ist kaum was zu sehen. Aber der Ton ist ganz o.k.
FAZ-Redakteur Marco Dettweiler hat sehr anschaulich zusammen gefasst, was man von der neuen Apple-Wundermaschine iPad (oder wie immer das Ding dann heißen wird) erwarten kann.
Steve Jobs „one last thing“ könnte ein Computer sein, der sich mit geschmeidiger und glänzender Erscheinung aufdrängt, um mit aufs Sofa, ins Bett, in den Zug oder in Konferenzen mitgenommen zu werden. Das Gerät wäre dann immer da, wo man ihn braucht: „Auf dem Sofa werden die E-Mails gecheckt, im Bett wird ein Film geschaut, im Zug werden Präsentationen verfeinert oder Spiele gezockt, in der Gesprächsrunde wird der fehlende Partner per Videokonferenz zugeschaltet“. Sicherlich gibt es das in irgendwelchen anderen technischen Geräten schon. Entscheidend wird die Mischung verschiedener Anwendungen sein:
„Klar, es gibt Notebooks, mit denen man mailen, surfen, videochatten und Filme schauen kann. Und ja, es gibt bereits Smartphones, mit denen die Besitzer die meisten Computeranwendungen ausführen können. Doch beide Gattungen haben Schwächen und Stärken. Die komfortable Größe des Notebooks wird zur Schwäche, wenn es handlich zugehen soll. Die Handlichkeit des iPhones wiederum wird zum Nachteil, wenn man ausgiebig surfen oder längere Mails schreiben will. Eines brauchen alle diese Produkte überdies in jedem Fall: entweder ein Wlan-Netz oder eine UMTS-Verbindung. Vielleicht versucht Apple mit seiner neuesten Innovation die Stärken mehrerer Produktgattungen zu vereinen“, so Dettweiler. Doch das allein würde noch nicht ausreichen, um die hochgelegte Latte zu überspringen. „Jobs muss deshalb Features präsentieren, die man so nicht kennt. Ein verbessertes Multi-Touch-Display etwa, das weit mehr Fingergesten akzeptiert als die bisher bekannten wie Blättern, Auswählen oder Zoomen. Dazu müsste Apple seine Software – vielleicht die vom iPhone – anpassen. Malen auf dem Display müsste genauso einfach von der Hand gehen wie auf einem Blatt Papier. Die Bewegung von Icons müsste leichter zu bewerkstelligen sein als mit der Maus. Auch spezielle Spiele sind vorstellbar, die auf dem iPod Touch oder auf einer mobilen Playstation an den Grenzen des kleinen Displays scheitern“, meint der FAZ-Redakteur.
In Kombination mit iTunes werden wir da sicherlich wieder sehr nützliche und smarte Programme bekommen. Entscheidend sind letztlich die vielen nützlichen Apps, die uns den Tag versüßen. Mittwochabend sind wir schlauer.
Am Mittwoch, den 27. Januar ist Weihnachten. Um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit startet die Pressekonferenz von Apple und alle warten auf die Überraschungen, die der Steve Jobs-Konzern präsentieren wird. Auf der Website von Macwelt kann man das Spektakel live verfolgen.
„Das Unternehmen Apple ist ohne Zweifel eines der faszinierendsten der Welt“, so sieht das die Servicebloggerin Ingeborg Trampe und auch ich habe darauf häufig hingewiesen. Kaum eine andere Firma hat es geschafft, Produkte zu entwickeln, die so nah am Kunden sind, gleichzeitig begehrte Designobjekte darstellen und den Mythos Apple immer wieder neu befeuern. Schlechten Kundenservice habe ich bei Apple noch nicht erlebt, allerdings hatte ich bislang noch keinen Grund, so genannte After Sales-Dienste in Anspruch zu nehmen. Und auch bei Apple soll da einiges im Argen liegen. Ähnliches hatte ich über den Kundendienst für das Nexus One von Google geschrieben.
Nun kommt eine abenteuerliche Apple-Servicegeschichte:
„Es ist allerdings auch bekannt, dass Apple sich – mal salopp gesagt -, einen Dreck um Kunden kümmert, die Probleme mit den Produkten oder Services haben. Eine Haltung, die zwar von vielen Apple-Fans als arrogant empfunden wird, aber bislang mit Achselzucken akzeptiert wurden, waren die Produkte doch ihrer Meinung nach einfach um Längen besser als die der Konkurrenz. Wer mag als eingefleischter Apple-Fan schon auf Mac, I-Phone oder I-Pod verzichten? Nun – in Zukunft zumindest ich. Denn diese ‚Was-interessiert-mich-der-Kunde-Haltung‘ ist spätestens dann nicht mehr akzeptabel, wenn ich durch die Ignoranz von Apple Geld verliere. So geschehen über den Jahreswechsel, als mein I-Tunes-Account geknackt wurde und ein Unbekannter innerhalb von 3 Tagen für über 2000 Euro Downloads betätigte, die Anfang Januar dann auf meiner Kreditkartenabrechnung auftauchten. Die erste Herausforderung war es zunächst, mit Apple überhaupt in persönlichen Kontakt treten zu können. Erst nach ausgiebigem Suchen stieß ich auf eine Hotline-Nummer, unter der mir dann aber eine immerhin freundliche Dame mitteilte, dass ich mein Anliegen per Email mitteilen muss und dann innerhalb von 24 Stunden eine Antwort erhielte. Na klasse, jemand knackt meinen Account und ich kann ihn noch nicht mal umgehend schließen lassen, weil das zuständige Team nur per Email erreichbar ist. Großer Minuspunkt“, schreibt Trampe.
Apple habe sich nach zig Tagen noch gemeldet und musste mehr oder minder zugeben, dass der Account wohl gepisht wurde, da die IP-Nummer von Trampe nicht mit der übereinstimmte, von der aus ab einem bestimmten Datum heruntergeladen wurde. „Man bot mir an, meinen Account wiederherzustellen, dazu müsste ich aber ungefähr – gefühlte – 20 Fragen beantworten. Bei allem Verständnis für Sicherheitschecks, die hätten mal vorher greifen sollen, so dass Konten erst gar nicht geknackt werden können“, so Trampe.
Für die Zukunft wünscht sie sich von Apple einen persönlichen Kundenberater und keine anonyme E-Mail-Adressen. Wichtig sei bei einem so gravierenden Fall eine schnelle und unbürokratische Hilfe. Generell eine Haltung vonnöten, die signalisiert, wir kümmern uns um Dein Problem und nicht, da haben wir nix mit zu tun, ist Dein Problem. In den Zeiten von Self Service werden solche „Kundenerlebnisse“ kein Einzelfall bleiben.
Fama, ein Übel, geschwinder im Lauf als irgendein anderes, ist durch Beweglichkeit stark und erwirbt sich Kräfte im Gehen, konstatierte Vergil im IV. Buch der Aneneis. Über die Verwerflichkeit des Klatsches und der bösen Nachrede wird debattiert, seitdem es Sprache gibt. Bei Konfuzius heißt es: „Der Edle verbreite keine Gerüchte.“ Die Fama ist deswegen so schlecht beleumundet, weil man meistens davon ausgeht, dass sie die Wahrheit verfremdet und daher zu Trug und Verkehrtheit führt. Indiskretionen, Geheimnisse, Tratsch, lancierte Informationen und exklusive Hinweise an Auserwählte waren schon immer das Salz in der Suppe der Nachrichtenindustrie. Insofern sind die Indiskretionen des ehemaligen PR-Managers von Apple, John Martellaro, keine Überraschung. So offenbarte er, dass die durchgesickerten Informationen zum erwarteten Apple Tablet direkt vom Unternehmen gestreut wurden. Das sei Teil der Apple-Strategie.
Steve Jobs ist halt ein schlaues Kerlchen. Gerüchte funktionieren nur, wenn sie massenweise wie im Flurfunk von Unternehmen verbreitet werden. Perfekter kann das so genannte „virale Marketing“ eigentlich nicht funktionieren. Steve Jobs ist im Gegensatz zu seinem Microsoft-Kontrahenten Steve Ballmer ein Meister der Klugheitslehre, wie sie im 17. Jahrhundert vom Jesuiten Baltasar Gracian zu Papier gebracht wurde. Es sei ein sehr schwieriges Unterfangen, jederzeit „die Erwartung rege zu halten“, denn „die glänzendste Tat kündige noch glänzendere an“, führt Gracian in seinem von Schopenhauer ins Deutsche übersetzten Buch „Handorakel und Kunst der Weltklugheit“ aus. Man sollte seine wahren Absichten nicht allzu deutlich preisgeben. „Wer mit offenen Karten spielt, läuft Gefahr, zu verlieren“, bemerkt der spanische Geistliche. Das Gegenteil sei besser: Manchmal müsse man „Luftstreiche“ tun, also praktisch mit dem Schwert in die Luft schlagen, um den Gegner zu verwirren und die eigenen Absichten nicht deutlich werden zu lassen. Gleichzeitig erlauben solche „Luftstreiche“ oder Probierballons das Ausprobieren einer bestimmten Position, die zu Diskussion gestellt wird, ohne gleich als die eigene Meinung gelten zu müssen. Es erfordert ein hohes Maß an Geschicklichkeit, hinreichend Spannung aufzubauen und die anderen „über sein Verhalten in Ungewissheit“ zu halten. „Der Kluge lasse zu, dass man ihn kenne, aber nicht, dass man ihn ergründe“, schreibt Gracian im Handorakel (Nr. 3). Der Handlungsvorschlag setzt allerdings eine hohe Begabung voraus. Denn wichtig sei es, „bei allen Dingen stets etwas in Reserve“ zu haben. Nur dadurch sichert man seine Bedeutsamkeit. Microsoft-Chef Steve Ballmer ist eher ein Opfer dieser Klugheitslehre. Sein Auftritt auf der Elektronikmesse in Las Vegas wird als Blamage gewertet. Der von Microsoft präsentierte Tablet-PC ist wohl nicht geeignet, Apple den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eher steigert er die Aufgeregtheit der Computerwelt bis zur Vorstellung des iSlate, die Steve Jobs Ende Januar wieder perfekt zelebrieren wird. Allerdings müssen den klugen Schachzügen auch Taten folgen. Auch das macht den Kultstatus von Apple aus. Zur Zeit beteiligen sich viele Meinungsmacher an den Gerüchten um das neue mobile Wunderding. Das Gerät, so Hajo Schumacher in „Welt kompakt“, sei eine Art universeller Mediathek, mit der man alle wichtigen Zeitschriften, Zeitungen, Tweets, Mails, Sites, TV-Serien, Games oder Filme im Gepäck haben könne: „Der iSlate holt große und kleine Medienmacher auf denselben Schirm und illustriert den guten Geschmack des Besitzers“, glaubt der Publizist Schumacher und freut sich wie ein Kleinkind auf die Geburtstagsüberraschung von Stevie.
Die Kunst des Gerüchts wird im Internet zum Prinzip, meint Hans-Joachim Neubauer in seinem Opus „Fama – Eine Geschichte des Gerüchts“ (erschienen im Berliner Matthes & Seitz-Verlag). Die Nachricht nährt das Gerücht, und das Gerücht nährt die Nachricht. „Die so genannten Nachrichtenkanäle senden möglichst unmittelbar, steigern die Spannung mit Live-Schaltungen, bewerten, dramatisieren und taktieren im Minutentakt. Nachrichten werden überhöht, Pressekonferenzen geraten zum Spektaktel – ein sich selbst infizierender Kreislauf der Wichtigtuerei ist entstanden“, führt Neubauer aus. Besonders in der grenzenlos vernetzten Welt der automatisierten Nachrichtenspiegel und Informations-Ströme gelte das Gesetz der Popularität. In der Blogosphäre sei Qualität ein qualitativer Faktor. „Nicht mehr die Nachricht von den Fakten ist die Information, sondern die Nachricht vom Erfolg einer Nachricht“, erläutert Buchautor Neubauer. Das Urbild des Cyberspace stamme aber nicht aus dem 20. Jahrhundert, sondern sei schon 2000 Jahre alt. Was Ovid über das Haus der Fama schreibt, liest sich wie eine Vision unserer digitalen Gegenwart. Auch das Internet sei überall; wie Famas Haus hat es „tausend Zugänge“ und „unzählige Luken“, „bei Nacht und bei Tage steht es offen, ist ganz aus klingendem Erz, und das Ganze tönt, gibt wieder die Stimmen und, was es hört, wiederholt es“, weiß Ovid. „Alles, wo es geschehe, wie weit es entfernt sei, von dort erspäht man es; ein jeder Laut dringt hin zum Hohl seiner Ohren.“ Und schließlich „schwirren und schweifen, mit Wahrem vermengt, des Gerüchtes tausend Erfindungen und verbreiten wirres Gerede“. Was stimmt, könne niemand sagen, aber mitsprechen könne jeder. Die Echokammer des Hörensagens beherrscht in der Computerwelt keiner besser als Steve Jobs.
Wahnsinn, diese Erkenntnis, rund zwei Jahre nach dem iPhone-Marktstart und der allgemeinen Schockstarre, die danach bei den Handyherstellern eintrat. Es ist ja phantastisch, dass ein Handyhersteller jetzt begreift, wie wichtig der Faktor Einfachheit bei technischen Geräten ist. Siehe auch meine Abhandlung: Technostress absatzwirtschaft
Im Geschäft mit den mobilen Mini-PCs sehen die Finnen bislang alt aus. Und die Ursachenanalyse von Gartner-Marktforscherin Carolina Milanesi für die Schwächen von Nokia ist schon erschütternd:
„Technisch waren die Nokia-Geräte viel besser als das iPhone“, sagt Carolina Milanesi vom Marktforscher Gartner nach dem Bericht der Handelsblatt-Redakteurin Sandra Louven: „Aber die Nutzung war zu kompliziert.“ Die Bedienungsfreundlichkeit werde in den kommenden Jahren über Erfolg und Misserfolg entscheiden, erklärt Vanjoki. Dennoch erwartet er, dass Apples Bedeutung in dem Markt gering bleibt. „Die Entwicklung bei Handys wird ähnlich verlaufen wie bei PCs“, prognostiziert der Chefstratege. Auch mit dem Mac habe Apple anfangs viel Aufsehen erregt, aber sie sind trotzdem ein Nischenanbieter geblieben. Das wird bei Handys genauso sein. „Experten geben Vanjoki dabei durchaus recht. Allerdings mache Apple mit seinem Fokus auf Multimedia-Handys mehr Gewinn als Nokia, das viele Billiggeräte in Schwellenländern verkauft“, schreibt das Handelsblatt.
Das sehe ich ganz anders. Am iPhone-Bedienungskomfort beißen sich die Konkurrenten die Zähne aus und schmeißen zur Zeit doch eher Kopien des Apple-Kultgeräte auf den Markt. So einem ähnlichen Urteil kommt wohl auch Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company. Das iPhone sei vor zwei Jahren auf den Markt gekommen, aber es ist immer noch das Vorzeigeprodukt. „In der Branche heißt es, es sei erschreckend, wie langsam Nokia auf das Apple-Handy reagiere. Die Finnen seien nach den vielen Jahren ihres Erfolgs zu satt und nicht flexibel genug, um sich auf einen veränderten Markt einzustellen“, so das Handelsblatt. Siehe auch: Warum sich Gestern-Unternehmer vor Steve Jobs fürchten sollten.
Und wer war denn der Türöffner für das mobile Web? Das liegt doch fast ausschließlich an der Flut der nützlichen Miniprogramme, die mittlerweile im App-Store von Apple angeboten werden. Wer sich für den iPod und das iPhone entschieden hat, wird wohl kaum bereit sein, auf die komfortablen Angebote von iTunes zu verzichten. Siehe auch meinen NeueNachricht-Artikel: Der App-Store-Krieg im Mobilfunk: Anbieter kämpfen um den Markt für bezahlte Downloads. „Hier zeichnet sich zwischen Apple, Google, Microsoft, Nokia, Vodafone, RIM und weiteren Firmen ein regelrechter App-Store-Krieg ab. Aber das ist einleuchtend. Ohne Applikationen kann man die vielfältigen Webdienste auf dem Handy nicht komfortabel einsetzen. Die App-Stores werden zur Tankstelle, um sich kleine nützliche Helfer für Flugbuchungen, Navigation, Restaurantfinder oder Newsticker herunterzuladen“, so Bernhard Steimel von der Düsseldorfer Unternehmensberatung Mind Business.
Bereits 42 Prozent der Markenunternehmen ist mit einer mobile Applikation (App) im Apple Store. Das Spektrum geht von Produkt-Informationen (41 Prozent), Unterhaltung (33 Prozent) bis zu nützlichen Helfern für das tägliche Leben. So bietet HP eine App an, mit der man den Drucker ansteuern kann, Porsche ermöglicht es, seinen Wagen virtuell in die Einfahrt zu stellen. Dr. Oetker stellt ein Rezeptbuch ins Store, während eBay und Amazon komfortabel steigern und bestellen von unterwegs anbieten. Bemerkenswert: nur jedes vierte der insgesamt 144 untersuchten Unternehmen verfügt über eine mobile Website.
Der Hype bei Markenunternehmen um das iPhone lässt sich nach der Mind Business Studie Mobile App War 2009-11-24 nicht nur damit erklären, dass Apple als erstes Unternehmen eine nutzerfreundliche Plattform aufgebaut hat. Sie setzen auch auf die Zielgruppe, die sich durch Markentreue auszeichnet. Sie sichert Marketing Investments ab, die nicht durch Hardwarewechsel gefährdet werden. Sie befördert die Interaktion und Nutzungsstabilität, die sich positiv auf das Mobile Marketing auswirkt. Der Neuromarketingexperte Martin Lindstorm stellte kürzlich fest, dass das Gehirn eines Apple-Fans beim Betrachten eines iPod ähnlich reagiert, wie das eines religiösen Menschen beim Anblick eines Jesusbildes.
Weniger als 12 Monate nach Eröffnung des Apple App Stores lassen sich bereits Veränderungen im täglichen Leben der Menschen feststellen. Laut Untersuchungen des Chicagoer Beratungsunternehmen Gravitytank unter iPhone Nutzern in den USA verändern diese Geräte, wie wir mit anderen Menschen interagieren, mit Marken in Kontakt treten, was wir kaufen und auf welche Weise wir es tun. Die Befragten laden im Schnitt 21 Apps im Monat herunter, jede vierte ist eine Bezahl-App und jede dritte App wird täglich genutzt. 50 Prozent sehen die Apps als wichtiges Werkzeug, um sich besser zu organisieren und Dinge schneller zu erledigen. Die neue Generation der App Nutzer ist statusbewusst, stammt aus höheren Bildungsschichten und zählt zu den Meinungsführern.
Allein für die USA wird erwartet, dass die Downloads von Apps von zur Zeit 975 Millionen auf 6,7 Milliarden in den nächsten drei Jahren steigen. Der Apps-Umsatz werde von einer Milliarde auf vier Milliarden Dollar steigen. iTunes als integrierte Abrechnungsplattform bildet das Fundament für diesen Erfolg. Apple hat das geschafft, wovon andere träumen: ein dynamisches Ecosystem mit hohem Unterhaltungswert. Bislang sehe ich nicht, wie die Konkurrenten das aufholen können. Was denkt Ihr????