Tag 3 der Zukunft Personal: Rekord mit 15 Video-Beiträgen #ZPEurope – Livestreaming auf den Spuren von Umberto Eco @ZP_Universe

Ein Beitrag ist noch in der Pipeline.

Ihr findet die Video-Interviews auch auf Twitter unter @gsohn

Seit über zehn Jahren habe ich mich der Ästhetik des Livestreamings verschrieben im Sinne des grandiosen Autors und Wissenschaftlers Umberto Eco. Allein in der Improvisation des Jazz sieht er eine Parallele zum Live-TV. Es geht um Zufall und Handlung sowie um Gestaltungsabenteuer, schreibt der manische Büchersammler in seinem Opus „Das offene Kunstwerk“. Als Umberto Eco in den 60er Jahren seine Gedanken zur TV-Poetik zu Papier brachte, ging er noch von einem enormen technischen Aufwand mit Ü-Wagen, Regiepult, schweren Kameras und einem exorbitanten Personalaufwand aus. Das hat sich durch die vielen Livestreaming-Dienste im Netz geändert. Für mich als journalistischer Unternehmer ein Glücksfall 🙂

Siehe auch:

Von der Kunst des spontanen Gesprächs

Zukunft Personal: Der zweite Tag #ZPEurope – Auf der Suche nach Generalisten und einer ethischen KI

Keine Chance mehr für autoritäre Chefs? Wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren verändert – Interview im Messe-TV-Studio auf der Zukunft Personal Europe #ZPEurope in Köln vom 13. bis 15. September Halle 4.2 Standnummer C 37

„Die vielen Boomer mit ihren ehrgeizigen, konkurrenzgetriebenen Aufstiegsbiografien weichen einer Generation der wenigen Work-Life-Balance-Künstler, die ihr Arbeitsleben von Anfang an gern gut bezahlt abgleichen wollen mit privaten, familiären und freizeitlichen Interessen. Und die Alten verstehen die Jungen nicht. Was wollen die nach 1995, 2000 Geborenen? Was müssen Unternehmen ihnen bieten? Wie müssen Vorgesetzte mit ihnen reden? Die Wissenschaft nennt diese Jungen Generation Z, Generation Greta, Generation Merkel – oder einfach nur Zoomer. Sie sind digital sozialisiert und ständig im Netz unterwegs. Sie fordern Sabbaticals und hohe Gehälter. Sie verabscheuen Hierarchien und fühlen sich keiner Firma verbunden. Sie reagieren auf Anordnungen allergisch und lehnen Mehrarbeit ab. Sie sind anspruchsvoll und wünschen wertgeschätzt zu werden. ‚Fühlen sie sich von Vorgesetzten falsch behandelt“, sagt Klaus Hurrelmann, „sind sie ganz schnell wieder weg‘,“ berichtet die Wirtschaftswoche in ihrer Titelstory.

Hurrelmann beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit diesem Thema: Er habe für das Phänomen der Generation Z eine einfache, plausible Erklärung: „Sie wuchs in einer der längsten konjunkturellen Aufschwungsphasen heran und ist auf dem Arbeitsmarkt so gefragt wie keine Generation zuvor“, erläutert er gegenüber der Wirtschaftswoche.

Wer als autoritärer Chef auftrete, erreiche die junge Generation nicht. Es gehe darum, „jede Person persönlich anzusprechen“, ihr „fast schon stündlich Rückmeldungen zu geben“ – und einzufordern. Führungskräfte müssten heute „unendlich viel erklären“. 

Gilt das nur für die so genannte Generation Z? Wohl eher nicht. Es ist ein allgemeines Phänomen. Die Zeiten ändern sich generationsübergreifend. Darauf verweisen Untersuchungen des Soziologen Martin Schröder von der Philipps-Universität Marburg. Basis für seine Arbeiten sind Daten des Sozio-oekonomischen Panels mit mehr als 75 000 Teilnehmern. Ergebnis: Babyboomer, die Generation X und die Millennials ticken ähnlich.

Aber ein Sachverhalt stärkt die junge Generation: Der demographische Wandel. Boomer gehen in Rente und umso intensiver wird sich der Arbeitsmarkt zum Arbeitnehmermarkt entwickeln. Was das für die Kultur des Arbeitens bedeutet, werden wir in Interviews auf der Zukunft Personal Europe in Köln herausfinden.

Kommt ins Messe-TV-Studio: Standnummer C 37, in der Halle 4.2. gegenüber der Keynote Stage.

Siehe auch:

Von der Kunst des spontanen Gesprächs: Die Livetalks auf der Zukunft Personal Süd #ZPSued #ZPSpätschicht #MesseTV #StudioZ

Höhepunkte auf der Zukunft Personal Europe am Dienstag und Mittwoch.

Jetzt nicht bei Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung sparen – Zukunftsprojekte realisieren @smatthes #Inflation #Konjunktur

Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes verweist in einem LinkedIn-Beitrag auf die angespannte Lage in der Wirtschaft: So sehen mehr als 90 Prozent der deutschen Industrieunternehmen aut einer aktuellen Umfrage „starke“ bis „existenzielle“ Herausforderungen.  

Fast jedes zehnte mittelständische Industrieunternehmen habe einer Umfrage zufolge seine Produktion in Deutschland wegen hoher Preise unterbrochen oder gedrosselt. 

Besonders heikel an der aktuellen Lage: Viele Unternehmen sparen an Investitionen in klimafreundliche Technologien und Digitalisierung. Sie sparen also an ihrer Zukunft.  

Mein Fazit nach dieser Woche: Es ist richtig, dass Deutschland über Hilfsprogramme diskutiert. Dringender noch als Milliardenhilfen braucht die deutsche Wirtschaft in dieser Situation aber einen Zukunftspakt, ein echtes Wachstumsprogramm.

Sebastian spricht von einem Lehman-Moment. Dazu muss es nicht kommen. Wir brauchen jetzt viele Initiativen, um neue Impulse für die Binnenkonjunktur zu entfachen, beispielsweise beim Thema Kreislaufwirtschaft. Da gibt es interessante Initiativen im Maschinenbau, also vor allem bei jenen Unternehmen, die Hermann Simon zu den Hidden Champions zählt. Siehe auch die Studie von Mind Business, die der Analyst Bernhard Steimel in vorgestellt hat.

Mehr dazu auf der Digital X in Kölle am 13. und 14. September im Brandhouse Schubkraft in der Aachener Str. 21.

Der Kapitalmarkt verlangt Investitionen in Nachhaltigkeit #SchubkraftTV #DigitalX

„Das schärfste Schwert sind die Finanzen. Wenn sie nicht in Nachhaltigkeit investieren, bekommen Unternehmen kein Kapital, keine Kredite und keine guten Rankings mehr. Unternehmen werden nachhaltig oder sie verschwinden“, warnt Professor Rupert Felder, Personalchef der Heidelberger Druck AG.

Der größte Handlungsdruck entsteht durch institutionelle Anleger, die auf Nachhaltigkeit setzen, wie beispielsweise der weltweit größte Finanzinvestor BlackRock. Das Unternehmen hat klare Richtlinien etabliert, um Nachhaltigkeit in die Investitionsentscheidungen einzubauen. Der Investor berücksichtigt ESG-Kriterien bei der Bewertung potenzieller Investments. 

Entsprechend wichtig sind jetzt Investitionen in die Digitalisierung. Und hier gibt es eine Menge Fördermittel für Unternehmen.

Die Förderung von EU, Bund und Ländern ermöglicht es Unternehmen, sich fit für die Zukunft zu machen. Die Bandbreite von Vorhaben, die eine finanzielle Unterstützung er- halten können, ist groß. Allein hierzulande stehen Unternehmen oder öffentlichen Institutionen mehr als 3.000 Förderprogramme zur Wahl.

Neue Vorgaben erfordern mehr Digitalisierung

Besonders für digitale Business-Lösungen, Technologien und IT-Systeme gibt es eine Vielzahl staatlicher Zuschüsse. Immer öfter steht dabei auch nachweisbare Nachhaltigkeit in den Förderzielen. Denn sie ist künftig eine konkrete Vorgabe für den Mittelstand: Ab 2024 müssen Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten und 40 Millionen Euro Umsatz oder 20 Millionen Euro Bilanzsumme sowie alle börsennotierten Unternehmen Berichterstattungspflichten für Nachhaltigkeit erfüllen. Ein hoher Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad erleichtert es Unternehmen deutlich, diesen Transparenzanforderungen nachzukommen, da ihnen relevante Daten auf digitalem Weg schneller zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für die strengeren Reporting-Richtlinien, die ab 2024 im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes für Betriebe ab 1.000 Mitarbeitenden gelten.

Vor diesem Hintergrund legen einige Förderprogramme ihren Fokus auf nachhaltigkeitsori- entierte Digitalisierungsprojekte. Das können sowohl software- als auch hardwarebasierte Lösungen sein.

Zwei Beispiele:

1. Das Förderprogramm „Bundesförderung für Energie und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ übernimmt 30 Prozent der förder- fähigen Investitionskosten von Maßnahmen, die die Strom- oder Wärmeeffizienz von Unternehmen deutlich erhöhen. Dazu gehören etwa Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Sensorik und Energiemanagement-Software. Zusätzlich gibt es einen KMU-Bonus in Höhe von zehn Prozent.

2. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt strukturschwache Regionen oder aber auch mittelständische Betriebe, die auf Innovationen und Digitalisierung setzen, um nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu werden. Allein für Deutschland beträgt das Fördervolumen 10,9 Milliarden Euro.

Investitionen in die eigene Entwicklung

„Die Auswahl an Fördermöglichkeiten ist riesig“, sagt Gabriele Kotulla-Münster, Leiterin Competence Center Förderung bei der Deutschen Telekom. „Deshalb es ist für Unternehmen aufwendig, die passende Unterstützung für das eigene Vorhaben zu finden. Wir bieten unseren Kunden einen einfachen Überblick über die Fördermöglichkeiten und prüfen gemeinsam mit ihnen, wie sich Investitionen in die Digitalisierung sinnvoll einsetzen und durch Fördergelder unterstützen lassen.“ Angesichts der Vielzahl der Programme stünden die Chancen für beinahe jedes Vorhaben gut, Förderungen zu erhalten.

Gute Gründe, am 13. und 14. September ins Brandhouse Schubkraft auf der Digital X zu kommen.

Man hört, sieht und streamt sich in der Aachener Str. 21 in Kölle.

Hier das Programm:

Bis dann.

Kommt es zu einer Welle an Insolvenzen? Logistik-Branche besonders betroffen @ProfHolm #DigitalX #SchubkraftTV

Professor Holm wird am 14. September auf der Digital X in Köln zum Thema Logistik, Lieferketten und Inflation sprechen

In Österreich ist eingetreten, was in Deutschland wohl noch bevorsteht, so Creditreform: Die Insolvenzen von Unternehmen haben deutlich zugenommen. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres kam es in der Alpenrepublik zu 2.429 Unternehmensinsolvenzen – gegenüber den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 bedeutet dies ein Plus von 121 Prozent.

Interessant: Während die Insolvenzquote im Bauwesen bei 17,1 Betrieben je 10.000 Unternehmen liegt, beträgt sie in der Logistik fast 20 pro 10.000. In absoluten Zahlen liegen der Bau, der Handel und schließlich die unternehmensbezogenen Dienstleistungen etwa gleich auf: Alle drei Bereiche zählen mehr als 400 Insolvenzen und bestreiten so fast die Hälfte des gesamten Aufkommens. Der Lieferketten-Stress, die steigenden Rohstoffkosten, Engpässe bei Vorprodukten, Chipmanagel, No-Covid-Strategie von China, Probleme an Frachthäfen, Zahlungsverhalten und dergleichen setzen der Logistik-Branche zu. Das hat Logistik-Professor Peter Holm in einem Vorgespräch zur diesjährigen zum Ausdruck gebracht.

Und um die Aufregung um das Habeck-Statement ein wenig zu lindern: Im ersten Halbjahr 2022 war in Deutschland noch einmal ein leichter Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen gegenüber der Vorjahresentwicklung festzuhalten.

„Eine paradoxe Situation, die es aufzuklären gilt, will man sich gegenüber einem starken Anstieg der Insolvenzen, wie er aktuell in Österreich zu registrieren ist, frühzeitig wappnen. Im Gespräch mit der Falkensteg GmbH, die als Unternehmensberatung auf Sanierung spezialisiert ist, umreißt Patrik-Ludwig Hantzsch die Lage im Sommer 2022 im Hinblick auf die Stabilität der Unternehmen angesichts immer neuer, nicht abreißender Krisen“, schreibt Creditreform.

Zur Erklärung der widersprüchlichen Situation bei den Unternehmensinsolvenzen verweist Creditreform-Analyst Patrik-Ludwig Hantzsch auf die Vielzahl von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, die dazu beigetragen haben, die Zahl der Insolvenzanträge gering zu halten. Das reiche vom Kurzarbeitergeld über die verlängerten Überbrückungshilfen bis zum Aussetzen der Insolvenzantragspflicht bis ins Frühjahr des vergangenen Jahres.

Positive Entwicklung: Creditreform Untersuchungen zur Eigenkapitallage zeigen, dass von einer vielberufenen Eigenkapitallücke nicht mehr die Rede sein kann. Mehr als 30-prozentige Eigenkapitalquoten sind auch bei kleineren Betrieben heute keine Seltenheit mehr. Widerstandsfähiger wurden gerade Mittelständler in der Krise auch durch die verstärkte Digitalisierung – etwa im Zusammenhang mit der Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen, aber auch durch die Diversifizierung bei den Kunden, den Lieferketten und Geschäftspartnern.

Wir werden die Notwendigkeit von Fördermitteln auf der Digital X im Brandhouse Schubkraft am 13. und 14. September in Köln intensiv behandeln. Kommt vorbei in die Aachener Str. 21 im Belgischen Viertel. Man hört, sieht und streamt sich 🙂

Wir bringen Euch zum Ort des Geschehens.

Preußische Reformen und staatliche Förderpolitik versus französische Revolution: Ein Leistungsvergleich für die #ZukunftPersonalEurope und die #DigitalX @WinfriedFelser @th_sattelberger

Greff-Interview über Napoleon in Perinaldo, Raubritter Rinaldo und den Astronomen Cassini
Greff-Interview über Napoleon in Perinaldo, Raubritter Rinaldo und den Astronomen Cassini

Die Französische Revolution habe Europas Geschichte geprägt wie kaum ein anderes Ereignis. Das schreiben Winfried Felser und Thomas Sattelberger in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. „Heute stehen wir an einem ähnlichen Punkt wie damals: vor dem Übergang zu einer postindustriellen Ordnung. Auch unsere Gesellschaft weist verblüffende Parallelen zur damaligen feudalen Ständegesellschaft auf. Emmanuel Joseph Sieyès, einer der Haupttheoretiker der Französischen Revolution, hat 1789 gefragt: ‚Was ist der dritte Stand?‘ Zu Sieyès’ Hoffnungsträgern zählten damals vom Großbürgertum über Handwerkerschaft und Bauernstand bis zu den städtischen Unterschichten alle, die nicht zu den ersten beiden Ständen gehörten, also rund 98 Prozent der Bevölkerung. 500.000 Klerikern und Aristokraten standen 25 Millionen Drittständler gegenüber“, so die Autoren. Und sie schreiben weiter:

„Ins Wanken geriet die vorrevolutionäre Ständeherrschaft, weil ihr die Teilhabe- und Zukunftsfähigkeit fehlte, sie Privilegien und Besitzstand frönte und Koalitionen mit Teilen des dritten Stands kaum aufblühten. Ähnlich wie heute. Die Eliten der Republik spüren zwar den transformatorischen Druck, angeheizt durch Klimawandel, Pandemie und die russische Zerstörung der europäischen Friedensordnung.“

Drei Stände verorten Felser und Sattelberger auch heute: Die Abschöpfenden, die Verwaltenden und die Bedeutungslosen.

„Im Unterschied zum Ständekampf der Französischen Revolution und zum Klassenkampf sozialistischer Revolutionen könnten heute „Bedeutungslose“ und Fortschrittliche der beiden anderen Stände miteinander koalieren und gemeinsam quasi den vierten Stand der Ko-Kreativen bilden. Dazu braucht es neuartige Bündnisse: Bisher abschöpfende Multimillionäre, erst recht Milliardäre, müssen sich in unternehmerischen Verantwortungsallianzen mit der neuen Gründergeneration und zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammenfinden. Statt industrielles Vermögen zu vermehren oder Fonds- und Immobilienvermögen verwalterisch zu kumulieren, müssen sie – wie in vielen Valleys dieser Welt üblich – immer wieder Neu-Investoren werden.“

Ich möchte dem Auftritt der beiden Revolutionsdenker auf der Zukunft Personal Europe am 13. September nicht vorgreifen.

Zum Thema Machteliten-Hacking und dergleichen habe ich ja einiges geschrieben. Da besteht überhaupt kein Widerspruch. Nur die geschichtliche Analogie zur französischen Revolution finde ich ein wenig schräg.

Was mit dem Sturm auf die Bastille begann, endete im Terrorregime der Jakobiner und führte letztlich zur Machtergreifung von Napoleon mit den bekannten kriegerischen Folgen für Europa. Letztlich offenbarte der napoleonische Expansionswille auch die Schwachstellen des europäischen Staatensystems. Und hier spielte dann eben in Preußen die Musik mit den Stein-Hardenbergschen Reformen und den wirtschaftspolitischen Akzente, die beispielsweise zum Technologie-Boom in Berlin führten. Stichwort Heinrich von Stephan.

Die wirtschaftspolitische Bilanz in Folge der Bastille-Erstürmung ist mager, wenn man sich die Entwicklung im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts anschaut. So lag die Arbeitslosigkeit zwischen 1871 und 1914 in Deutschland bei 1 bis 2 Prozent. In Frankreich bei 6 bis 10 Prozent. Das Volksvermögen 1912 betrug in Deutschland 290 Milliarden Goldmark, Frankreich kam auf 240 Milliarden Goldmark. Die Zahl der Telephone lag in Deutschland 1910 bei 1.076.000, in Frankreich bei 14.616. Hier war Berlin das Silicon Valley der Telekommunikation. Auf ichsagmal.com einfach den Suchbegriff „Heinrich von Stephan“ eingeben. Steuerbelastung pro Kopf: Deutschland 35 Mark, Frankreich 66 Mark.

Ähnlich sieht es bei der Erzeugung von Roheisen und Eisenerzen aus, beim Außenhandel, in der Spielwarenindustrie, bei Sparguthaben, bei der Erzeugung von Elektrizität und dergleichen.

Entscheidend war dabei die Rolle des Staates: Etwa bei der Reform der Verwaltung, des Finanzwesens und der Gewerbeordnung, die in Preußen in Gang gesetzt wurden.

Generell sei die staatliche Wirtschaftsförderung wichtig gewesen, so Philipp Robinson Rössner in seinen Opus „Wirtschaftsgeschichte neu denken“: Etwa bei der Gewerbe- und Industrieförderung, der Qualitätssicherung von Industrie- und Gewerbeprodukten, der Bereitstellung öffentlicher Güter und Infrastruktur bis hin zur gezielten Importsubstitution und infant industry protection, die bis heute in weniger entwickelten und Schwellenländern bisweilen erfolgreich angewandt wird. „Das im 9. Kapitel bereits geschilderte Beispiel Englands im 18. Jahrhundert ist ebenso ein Exempel positiver Staatsintervention wie die Industrialisierung Preußens und vieler anderer deutscher Staaten im 19. Jahrhundert, wo der Staat und die Regierungen vor allem im Eisenbahnwesen (öffentliche Infrastruktur), bei der chemischen und Hochindustrie oder im Bankenwesen durch kontrollierte Eingriffe z. B. bei der Zollpolitik oder im Handels- und Bankenrecht (Bürgerliches Gesetzbuch) ohne Zweifel positive, d. h. in der Zielsetzung wie auch im Resultat wirtschaftsfördernde Akzente setzten.“

Das wird dem Schubkraft-Team der Telekom sehr gefallen und sicherlich die Diskussion auf der Zukunft Personal am 13. September in der Executive Lounge beflügeln.

Und ja, lieber Thomas Sattelberger, mein Hinweis auf die Wirtschaftsgeschichte ist konstruktiv gemeint.

Bio-Kabel und die ökologischen Eseleien mit Mais, Zuckerrüben und Raps

Nachhaltigkeit sei in aller Munde – zum Glück, schreibt Felix Frank in einem Blogbeitrag. „Und da möchte auch Anker mitmischen. Mit neuen Ladekabeln. Klingt erst einmal etwas kontraintuitiv, wo Ladekabel doch für zusätzlichen Elektroschrott sorgen. Es sind aber nicht gerade 0815-Kabel. Die neuen ‚Bio-Kabel‘ von Anker kommen mit USB-C- oder Lightning-Anschluss und bestehen zu 40 Prozent aus Pflanzen. Bestandteil des Kabels seien hierbei etwa Mais und Zuckerrüben, so der Hersteller. Damit möchte man zur Reduzierung von Kunststoffen beitragen – der Stabilität tue dies keinen Abbruch.“

Eine Belastung von bis zu 80 Kilogramm und über 20.000 Biegungen sei kein Problem, so Anker.

Wenn ich mir die Mono-Anbaugebiete für Mais und Zuckerrüben anschaue, halte ich auch diese Maßnahme eher für eine Öko-Eselei.

Man kann das vergleichen mit dem so genannten Bio-Sprit für Autos. Horst Seehofer in seiner Funktion als Bundeslandwirtschaftsminister und Sigmar Gabriel als früherer Bundesumweltminister hatten vor einigen Jahren mal mit großem Getöse ihre Strategie zur Klima- und Energiepolitik im Biokraftstoffsektor vorgestellt und sie als wichtigen Beitrag zur Klima- und Energiepolitik sowie zur Entwicklung der ländlichen Räume gepriesen.

Biokraftstoffe, so das damalige Credo von Gabriel, können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten – allerdings nur, wenn sie signifikant zur Kohlendioxid-Reduktion beitragen. „Das stellen wir gesetzlich sicher. Und außerdem sorgen wir dafür, dass importierte Biomasse zukünftig nur dann eingesetzt werden darf, wenn sie nachhaltig angebaut worden ist. Es kann nicht sein, dass anderswo auf der Welt Wälder gerodet und Moore trockengelegt werden, um Palmöl anzubauen, das dann bei uns als vermeintlich klimafreundlicher Rohstoff eingesetzt wird“, sagte Gabriel bei der Vorstellung der so genannten „Roadmap Biokraftstoffe“. Hat ja toll geklappt, wenn man die Rodungen in den Regenwäldern sich anschaut.

Biosprit, Bionahrung oder Bioplastik – das Ganze ist häufig ökologischer Etikettenschwindel. Wenn wir den heimischen Agrarsektor auf biologischen Anbau umstellen würden, müsste in Deutschland die Ackerfläche um sechs Millionen Hektar erweitert werden. Die ist aber nicht vorhanden, also wird kräftig aus Südamerika importiert. Ähnlich hoch wäre der Flächenbedarf, wenn wir aus eigener Kraft Agrotreibstoffe herstellen wollten. Bei Bioplastik ist die Entsorgung ungeklärt, also muss das Zeug verbrannt werden.

Ein internationales Wissenschaftlerteam um den niederländischen Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen hat sogar nachgewiesen, dass die alternativen Kraftstoffe klimaschädlicher als Benzin sind. „Biosprit-Pflanzen“ – in Deutschland vor allem Mais und Raps – müssen stark gedünkt werden. Dadurch gelangt das gefährliche Stickoxid (N2O) in die Atmosphäre. Ein Teil dieses Treibhausgases wird durch chemische Reaktionen in Lachgas umgewandelt – ein über 300 mal stärker wirkendes Treibhausgas als Kohlendioxid. Crutzen und sein Team haben nachgewiesen, dass bei der Produktion von Biosprit fast doppelt so viel Stickoxid in die Atmosphäre gelangt, wie Wissenschaftler des UN-Klimarats IPCC bislang angenommen hatten. Im Vergleich zu normalem Benzin oder Diesel ist Raps-Benzin 1,7 mal klimaschädlicher und aus Mais hergestelltes Ethanol 1,5 mal. Selbst Ethanol aus Zuckerrohr kommt auf einen Faktor von 0,5. Das gilt auch für so genannte Biopolymerwerkstoffe, die auf Basis von Zucker, Stärke, Cellulose oder Pflanzenölen hergestellt werden. Die Ökobilanz fällt noch verheerender aus, wenn tropische Regenwälder gerodet werden, um Anbauflächen für Zuckerrohr zu gewinnen. Ähnlich negativ ist die ökologische Wirkung, wenn Palmöl aus Indonesien um den halben Globus verschifft werden muss, um es hier zu verarbeiten. 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sind auf die Rodung von Wäldern zurückzuführen.

Und zum Thema Bioplastik führte ich ein Interview mit Christian Pladerer vom Österreichischen Ökologie-Institut in Wien:

Frage: Hersteller und Interessenvertreter von Bioplastik behaupten, dass durch die Verwendung von biologisch-abbaubaren Verpackungen (BAW) kein Treibhauseffekt entstehe und diese Produkte CO2-neutral seien, da nachwachsende Rohstoffe durch Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid ständig neu gebildet werden. Was halten Sie von dieser Einschätzung?

Christian Pladerer: Ich halte wenig von dieser Einschätzung. Um die tatsächliche Umweltbelastung einer Verpackung festzustellen, müssen alle relevanten Umweltauswirkungen entlang des gesamten Lebensweges vom Abbau der Rohstoffe, inklusive Hilfsstoffe und Energieträger, über die Transportwege bis hin zur Entsorgung betrachtet werden. Es dürfen also nicht nur einzelne Emissionen wie CO2 für einzelne Abschnitte des Lebensweges berechnet werden. Es stimmt schon, dass Pflanzen im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen durch Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid ständig neu gebildet werden. Ob das auch für Einwegverpackungsmaterial gilt, ist sehr fraglich: Die rohstoff- und energieintensive industrielle Agrarwirtschaft und Verpackungsherstellung sowie die von den BAW Herstellern empfohlene Kompostierung sind Aktivitäten, die umweltschädliche Emissionen verursachen. Aus meiner Sicht sind somit BAW-Verpackungen keinesfalls CO2-neutral.

Frage: In Ihrer Studie schreiben Sie, dass selbst die Kompostierung der PLA-Becher keinen nennenswerten ökologischen Nutzen bringen würde. Die Auswirkungen der Entsorgung seien nur marginal im Vergleich zur Herstellung der Becher. Die Möglichkeit der Kompostierung wird aber von
den Herstellern immer wieder in den Vordergrund gestellt. Wie beurteilen Sie die Entsorgungsmöglichkeiten der PLA-Becher unter den verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten (Verbrennung, Biogas, Kompost) und welche Umwelteffekte hat das auf die gesamte Ökobilanz der PLA-Becher?

Pladerer: Die privaten und kommunalen Kompostwerke in Österreich, in Deutschland und in der Schweiz, die Kompost mit hoher Qualität herstellen, sind wenig begeistert von der Diskussion über ‚kompostierbare’ Kunststoffe. Hier muss zwischen biologisch abbaubar und kompostierbar unterschieden werden. Organische Materialien wie Küchenabfälle, Strauchschnitt oder Papier sind biologisch abbaubar. Durch natürliche Prozesse und durch Mikroorganismen sind diese Materialien in ihre Bausteine zerlegbar. Kompostierung ist eine technisch gesteuerte exotherme biologische Umwandlung abbaubarer organischer Materialien in ein huminstoffreiches organisches Material. Ziel der Kompostierung ist der möglichst rasche und verlustarme Abbau der organischen Ursprungssubstanzen und gleichzeitig der Aufbau stabiler, pflanzenverträglicher Humussubstanzen. Dass ein Werkstoff biologisch abbaubar ist, bedeutet noch lange nicht, dass diese Umwandlung in einem Rotte- oder Mieteprozess der technischen Kompostierung tatsächlich im gewünschten Ausmaß erfolgt. Im Unterschied zu ‚biologisch abbaubar’ wird für ‚kompostierbar’ ein Zeitrahmen vorgegeben. Es fehlt nun an der Glaubwürdigkeit, dass biologisch abbaubare Kunststoffe auch kompostierfähig sind. Zusätzlich werden BAW-Verpackungen wie herkömmliche Kunststoffverpackungen von automatischen und mechanischen Sortierschritten erkannt und als Fremdstoff aussortiert. Das gilt nicht nur für die Kompostierung sondern auch für Biogasanlagen. Schließlich bleibt die Müllverbrennungsanlage als einzige derzeit praktikable Entsorgungsschiene übrig. Die Ergebnisse unserer Ökobilanz von verschiedenen Getränkebechern zeigen deutlich, dass die Rohstoffbereitstellung und die Becherherstellung beim PLA Becher (biologisch abbaubarer Einwegkunststoffbecher) rund 95 Prozent der gesamten Umweltbelastung ausmachen.

Frage: Ist die Kompostierung von Bioplastik überhaupt sinnvoll? Was sagen die Kompostbetreiber?

Pladerer: Von den Kompostwerken wird die Annahme von biologisch abbaubaren Kunststoffen zur Zeit nicht akzeptiert. Sie haben eine längere Verweilzeit und einen zu hohen Störstoffanteil.

Frage: Was halten Sie von der vom Bundestag und der Bundesregierung beschlossenen Novelle der Verpackungsverordnung, biologisch-abbaubare Verpackungen von Verwertungspflichten freizustellen? Welche Wirkung wird das auf die Verpackungsindustrie haben?

Pladerer: Die Novellierung der deutschen Verpackungsverordnung ist aus ökologischer Sicht nicht nachvollziehbar und es gibt für den Gesetzgeber keine Rechtfertigung, biologisch abbaubare Verpackungen von den Entsorgungspflichten und damit von den Kosten zu befreien. Wie oben angeführt, landen biologisch abbaubare Kunststoffe in den Öfen der Müllverbrennungsanlagen – und diese brennen auch nicht ‚gratis’. Aus meiner Sicht ist die Reaktion der Verpackungsindustrie natürlich verständlich, da unterschiedliche Entsorgungskosten auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen können. Ökologische Lenkungsmaßnahmen über Entsorgungskosten sind prinzipiell zu begrüßen. 

Soweit das Interview.

Was die Herstellung und das Recycling von Bio-Materialien anbelangt, kann man also deutlich von einer Öko-Eselei sprechen.

Langlebigkeit, Material-Verzicht, Mehrweg, Wiederverwendung und dezentrale Konzepte sind ökologisch.

Wie wurde gestern über das Morgen gedacht #SchubkraftTV #DigitalX

Wenn es um Zukunftsprognosen geht, versagen vor allem Wissenschaftler in schöner Regelmäßigkeit. Beispielsweise die Konjunkturforschenden bei der Analyse der Inflationstendenzen im Herbst des vergangenen Jahres.

Da war der BWLer und Logistikprofessor Peter Holm deutlich besser:

Digital X 2021

Professor Holm und der Hidden-Champion-Forscher Hermann Simon werden das in ihren Sessions auf der Digital X am 13. und 14. September vertiefen:

Verworren sieht auch die Prognostik bei der Beschäftigungswirkung von KI und Automatisierung aus.

Fast die Hälfte aller Arbeitsplätze sei durch den technischen Wandel gefährdet. Wir kennen diese verkürzte Darstellung unterschiedlicher Studien, die in den vergangenen Jahren öffentlich präsentiert wurden. Etwa die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeübten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit. Seit Veröffentlichung der Studie vor knapp zehn Jahren hat sich dieses Szenario nicht bewahrheitet.

Brzeski und Burg (2015) berechneten ebenfalls die Automatisierungswahrscheinlichkeit ganzer Berufszweige. Sie schlussfolgerten aufgrund ihrer Befunde, dass 59 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in den kommenden zehn Jahren durch moderne Technologien ersetzt werden könnten. Analysen von Bonin, Gregory und Zierahn (2015) zeigen unter Verwendung eines berufsbasierten Ansatzes, dass 42 Prozent der aktuell ausgeübten Berufe einer hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent unterliegen. So könnte man die “Prognosen”, die in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden, endlos fortsetzen.

Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht – selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vielleicht sollten die “Forscher” mal darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

VWL-Professor Holger Bonin geht in einem Gastbeitrag für die FAZ differenzierter ran.

So gibt es die Vorstellung, dass die moderne Technik die Menschen vom Joch der Arbeit befreien wird, so dass sie mehr Zeit für Tätigkeiten aus purer Neigung oder auch Müßiggang verwenden können.

„Schon John Maynard Keynes schrieb in der Zwischenkriegszeit über die ‚ökonomischen Möglichkeiten unserer Enkelkinder‘, dass sie ihre Wochenarbeitszeit auf wenige Stunden verringern könnten – die Arbeit übernähmen die Maschinen. Der Hoffnung, dass mit der Digitalisierung eine Art Schlaraffenland entstehen könnte, stehen andererseits düstere Prognosen von einem Ende der Erwerbsarbeit gegenüber, von baldiger Massenarbeitslosigkeit und Prekarisierung großer Teile der Bevölkerung. Damit verbunden sind auch Kassandrarufe von einem Ende des traditionellen Sozialstaats, dessen Sicherungsversprechen und Finanzierung vor allem an die auf dem Markt erzielten Erwerbseinkommen anknüpfen. Ein genauer Blick auf vorhandene Daten und Erfahrungen führt jedoch eher zu der Botschaft: Wir werden auch in Zukunft arbeiten können – und müssen.“

Die Betrachtung von Frey und Osborne gehe von der Automatisierbarkeit ganzer Berufe aus. Dieser Ansatz würde aber übersehen, dass Erwerbtätige immer Bündel von unterschiedlichen Tätigkeiten ausführen, die jede für sich unterschiedlich gut automatisierbar sind. „Die Tätigkeitsprofile, die einen Beruf ausmachen, entwickeln sich mit den technologischen Möglichkeiten weiter. So ändern sich die Anforderungen an die Beschäftigten, ihr Beruf aber überlebt“, schreibt Bonin.

Eine empirische Untersuchung von Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), an der auch Bonin mitwirkte, kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland nur 12 Prozent der Jobs ein Tätigkeitsprofil mit hoher Wahrscheinlichkeit der Automatisierung aufweisen.

Dass die Automatisierung mehr neue Jobs schaffen könne als sie zerstört, zeigen die Ergebnisse einer noch unveröffentlichten Studie, an der Terry Gregory vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) mitwirkt. „Demnach hat der Einsatz von arbeitsparenden Maschinen in Europa in den Jahren 1999 bis 2010 alles in allem etwa 1,6 Millionen Jobs vernichtet, viele davon in der Produktion. Im gleichen Zeitraum sind jedoch durch die Automatisierung fast zweimal so viele Arbeitsplätze neu entstanden. Unter dem Strich hat Europa also durch den technologischen Fortschritt rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze dazu gewonnen, viele davon im Bereich der Dienstleistungen. Darunter sind nicht nur einfache Jobs, wie sie etwa der Internethandel in Vertrieb und Logistik schafft. Auch anspruchsvolle Betätigungsfelder wachsen – so die Bereiche Software, Marketing und Medien“, erläutert Bonin.

Eine große Herausforderung sei es, über Weiterbildung qualifikatorische Ungleichgewichte abzubauen. Dabei werde es nicht reichen, allein auf mehr höhere Bildung zu setzen. Die Bildungsinhalte müssten stetig aktualisiert werden, damit möglichst viele Menschen neue Technik schöpferisch gestalten oder zumindest anwenden können.

Insgesamt geht es also nicht um digitalen Taylorismus. Es geht um einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Wie wird sich das Verhältnis von Mensch und Maschine neu ausbalancieren? Welche Entscheidungsbefugnisse gliedern wir an Maschinen aus und wo sind die Grenzen? 

“Gerade weil Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden, rutschen sie nicht selten, ohne sich dessen bewusst zu werden, in überkommene Denkmuster hinein. Vielleicht besteht der beste Gewinn des Rückblicks auf die vielen Fehlprognosen der Vergangenheit darin, das Neue der Gegenwart schärfer ins Visier zu nehmen und sich von eingefahrenen Gewohnheiten der Zukunftsschau zu befreien. Dazu gehört auch, über technische Innovationen möglichst konkret zu reden”, fordert der Historiker Professor Joachim Radkau in seinem Opus “Geschichte der Zukunft”, erschienen im Hanser Verlag.

Was man aus der Science-Fiction-Literatur ableiten kann für die Entwicklung der Zukunft, diskutiere ich mit Thomas Franke, Schauspieler und Kenner der phantastischen Literatur, am Dienstag, 13. September im Brandhouse Schubkraft, Aachener Str. 21 im belgischen Viertel in Kölle.

Einen Vorgeschmack bieten wir in einem -Talk am Mittwoch, um 11 Uhr.

Die systematische Analyse der Literatur zur Erkundung möglicher Zukunftsszenarien empfinde ich als wesentlich unterhaltsamer als die dämliche Begriffshuberei der Trendforscher, die eine Wissenschaftlichkeit imitieren, die nicht einmal in Ansätzen vorhanden ist. In Wahrheit sind diese Protagonisten nur angeberische Kompetenzsimulanten.

Siehe auch:

Projekt Cassandra – Krisenfrüherkennung durch Literaturauswertung

Trends werden beschworen und verkauft – und das ist das Geheimnis der Trend­-Forschung! In Erinnerung an Harald Korten

(Nicht nur) Notenbanken haben der #Inflation viel zu lange tatenlos zugeschaut @GuntherSchnabl @profholm @HermannSimon #DigitalX #SchubkraftTV

Sehe ich ähnlich. Und es waren nicht nur die Notenbanken, sondern auch Konjunkturforscher:

Am 13. und 14. September können wir das Thema vertiefen auf der Digital X im Brandhouse Schubkraft in der Aachener Str. 21. in Köln – Belgisches Viertel.

Wir hatten das Szenario schon im vergangenen Jahr thematisiert. Rückblick auf die Digital X 2021 und Ausblick auf die diesjährige Session von Professor Holm.

#DigitalX, Brandhouse #Schubkraft und die Welt in 100 Jahren #Notizzettel

Von den unendlichen Möglichkeiten der drahtlosen Kommunikation waren abendländische Geistesgrößen schon vor über hundert Jahren beseelt. Nachzulesen im Opus „Die Welt in 100 Jahren“. In dem 1910 veröffentlichten Werk heißt es:

„Es wird jedermann sein eigenes Taschentelephon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist, ob auf der See, ob in den Bergen, dem durch die Luft gleitenden Aeroplan oder dem in der Tiefe der See dahinfahrenden Unterseeboot.“

Auf seinem Wege ins Geschäft werde der Mensch seine Augen nicht mehr durch Zeitunglesen anzustrengen brauchen, „er wird sich in der Untergrundbahn, oder auf der Stadtbahn, oder im Omnibus oder wo er grad‘ fährt, und wenn er geht, auch auf der Straße, nur mit der gesprochenen Zeitung in Verbindung zu setzen brauchen, und er wird alle Tagesneuigkeiten, alle politischen Ereignisse und alle Kurse erfahren, nach denen er verlangt.“ Wenn schließlich auch der „gewöhnliche Sterbliche“ einen solchen Apparat nutzt, „dann werden dessen Lebensgewohnheiten dadurch noch mehr beeinflusst werden, als sie dies schon jetzt durch die Einführung unseres gewöhnlichen Telephones geworden sind.“ Dem einflussreichen Journalisten und Schriftsteller Arthur Brehmer gelang es damals, einige interessante Experten zu gewinnen, ihre Gedanken über die Zukunft nieder zu schreiben.

Die spektakulärste Prognose über das Telephon in der Westentasche stammt aus der Feder von Robert Stoss.

„Eigentlich schrieb er bereits über das iPhone. Man muss es, um es zu glauben, ab Seite 35 selber lesen“, schreibt Georg Ruppelt in der Neuauflage des Werkes (Olms Verlag).

Der Band wurde übrigens 2010 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gekürt. Völlig verdient. Stoss sprach vom Ende von Raum und Zeit:

„Überall ist man in Verbindung mit allem und jedem. Jeder kann jeden sehen, den er will, sich mit jedem unterhalten und wäre der Betreffende auch tausend Meilen von ihm entfernt. Er kann jedes Vergnügen und jede Zerstreuung, wie sie sich jeder andere Mensch gönnen kann, auch mitmachen. Er kann die Tänzerinnen des Königs von Siam ebensogut in Paris in seinem Studierzimmer sehen, wie während der Fahrt im Bahncoupé einer Vorstellung der großen Oper von Monte Carlo beiwohnen kann. Es gibt nichts, was er sich nicht zu leisten vermag.“

Klingt doch irgendwie nach den Remote-Szenarien der vergangenen Jahre.

Was hat Science-Fiction mit der Zukunft zu tun und steuern wir auf eine Privatisierung des Kosmos hin? Dr. Hans Esselborn, Germanistik-Professor der Universität zu Köln erklärt, wie die Literatur dazu beiträgt, Zukunftsvorhersagen zu treffen und warum es wichtig ist, dass auch Literaten eine Expedition ins All wagen.

An der Universität zu Köln befasst sich Esselborn intensiv mit Science- Fiction Literatur. Er ist allerdings vorsichtig mit der Aussage, ob Literatur tatsächlich Zukunftsprognosen treffen kann. Vielmehr entwerfe sie Szenarien, in denen auch die Fragen angesprochen und zum Teil beantwortet werden sollen, die den Leser aktuell beschäftigen und sogar zum Handeln bewegen. Und dass dies in der Vergangenheit schon der Fall war, zeigt der Roman von Kurd Laßwitz über eine Weltraumstation, die später Wernher von Braun dazu bewegte genau diese Station nachzubauen. Doch das klappe nicht immer. Während sich beobachten lässt, dass die Literatur-Vorhersagen bei technischen Dingen oftmals richtig liegen, beispielsweise bei der Entwicklung der Flugzeuge und des Computerwesens, lagen die Vorhersagen vieler Romane beim Internet weit daneben. Keiner habe dem Internet die große Kommunikationsmaschine, die es heute ist, zugetraut.

Im Utopieband „Was würdest du machen, wenn du König von Deutschland wärst?“ äußert Esselborn sein Unbehagen, dass die privaten amerikanischen Firmen Weltraumraketen bauen, den Mond und den Mars besiedeln wollen. Das konterkariert die politische Gemeinsamkeit. Was Musk, Bezos und Co. vorantreiben, die die Kolonialisierung des Weltalls auf privater Basis. „Ich sehe das als eine gefährliche Entwicklung. Weil die Kontrolle fehlt und es irgendwann dann die Piratenkriege im Weltraum geben wird. Dazu gibt es glaube ich auch schon vieles in der Literatur“, so Esselborn. Es entsteht kosmischer Neoliberalismus.

Mit dem Schauspieler Thomas Franke werde ich auf der Digital X in Köln über diese und andere Szenarien der Science-Fiction-Literatur sprechen. Am Dienstag, den 13. September in der Aachener Str. 21. Kommt vorbei.

Nachtrag: Wenn Utopien in den Sand gesetzt werden: Am Beispiel der Maschine von Marly. Köstlich beschrieben von Thomas Brandstetter im Opus „Kräfte messen“, erschienen im Kadmos-Verlag.

Dieser Koloss an der Seine war das größte mechanische Bauwerk seiner Zeit, ein gigantischer Apparat, dessen einzige Aufgabe es war, Unmengen an Wasser für die spektakulären Springbrunnen, Kaskaden, Wasserspiele und inszenierten Feste im Schlosspark von Versailles zu transportieren.

Das Wasserhebewerk war ein Ergebnis der Prunksucht und Obsessionen des französischen Sonnenkönigs. Ludwig der Vierzehnte investierte für dieses Ideal der Vollkommenheit die Summe von 14 Millionen Livre (1 livre entspricht 5 bis 15 Euro). Es bestand aus 14 großen Wasserrädern, die 221 Pumpen betrieben. Mit dem Bau waren 1.800 Arbeiter und Techniker fünf Jahre lang beschäftigt. Sie verbrauchten das Holz etlicher Wälder, 17.500 Tonnen Eisen, 900 Tonnen Blei und 850 Tonnen Kupfer.

Entstanden ist aber keine quasi-göttliche Schöpfung der Technik, keine perfekte Maschine, kein Monument der Ingenieurskunst, sondern ein schwerfälliges Monster.

Das Maschinenwunder von Marly entpuppte sich als technologischer Dinosaurier mit einer abnorm niedrigen Leistung. So lag der Wirkungsgrad bei unter 7 Prozent und erzeugte eine Nutzleistung von spärlichen 80 Pferdestärken.

Anmaßende und selbstgefällige Konstrukteure versprachen dem Sonnenkönig das achte Weltwunder. In Wahrheit schufen sie ein zweckfremdes Ungetüm mit einer Vielzahl von komplizierten Bewegungen, die das erforderliche Zusammenspiel der Bauteile verhinderte.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verabschiedete man sich von der Schwerfälligkeit dieses Denkmals der Prachtentfaltung und konzipierte ein dezentrales Versorgungssystem, getragen von Prinzipien der Beherrschbarkeit, Nützlichkeit, Effizienz und Einfachheit.