Sehen wir eine willkommene Normalisierung der Preise????? Über Fehlprognosen der Konjunkturforscher #DigitalX #SchubkraftTV @ProfHolm

Zur Zeit überschlagen sich ja Medien, Analysten und Ökonomen bei den Horrorszenarien, die vor allem durch die gestiegenen Energiepreise und die geopolitischen Spannungen hervorgerufen werden. Fast alle gehen von einer Rezession aus, die sich in den kommenden Monaten abzeichnen wird – oder besser gesagt eine Stagflation, wie in den 1970er Jahren. Inflation und Stagnation beim Wirtschaftswachstum. Die analytischen Fähigkeiten einiger Protagonisten der Ökonomik rangiert dabei auf dem Level von Börsen-Kommentatoren. Frei nach dem Motto: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist. Das bewegt sich dann in der Regel auf dem Nachrichtenwert der Tagesschau von gestern. Wie war das aber noch im Herbst des vergangenen Jahres? Da schrieb ich einen Beitrag mit der Überschrift:

Ökonomie im Lieferketten-Stress – Kein Thema in digitalen Diskursen: Geschrieben im September 2021.

Text vor knapp einem Jahr:

Bekommen wir eine dauerhafte Inflation? Der Präsident des  Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung  (DIW), Marcel Fratzscher, ist Sorgen wegen der aktuell hohen Inflation entgegengetreten. Derzeit gebe es letztlich eine Normalisierung von den gefallenen Preisen in der Corona-Krise im vergangenen Jahr, sagte Fratzscher im Deutschlandfunk. Wenn man das über zwei Jahre vergleiche, sei das völlig konsistent mit der Preisstabilität.

„Wir sehen also eine willkommene Normalisierung der Preise“, so der Ökonom. Es sei zudem relativ wahrscheinlich, dass die Preissteigerung im nächsten Jahr wieder eher unter zwei Prozent liege und damit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Inflation werde nur dann zum Problem, wenn sie sich verstetige. Nun, die Frachtkosten pro Container sind von 1.000 Dollar auf teilweise 14.000 Dollar gestiegen. Ähnliche Preisschübe gibt es an den Rohstoffmärkten, in der Produktion, bei Papier, Holz, Autobau, Nutzfahrzeuge. Von einer Normalisierung der Preise kann man nicht sprechen. In den vergangenen Monaten haben besonders die Weltmarktpreise für Rohstoffe insbesondere für Industrierohstoffe stark zugelegt. Nach dem Einbruch im April 2020, ausgelöst durch den ersten globalen Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, sind die Rohstoffpreise kontinuierlich und zum Teil deutlich über das Vorkrisenniveau gestiegen.

Auch die zwischenzeitlich erneut gestiegenen Corona-Infektionszahlen und die Einführung weiterer Lockdown-Maßnahmen konnten den Aufwärtstrend der Rohstoffpreise nicht bremsen. Der HWWI Rohstoffpreisindex stieg im Vergleich vom Dezember 2019 um 32 Prozent. Besonders gravierend ist der Anstieg des Teilindex für Industrierohstoffe, der gegenüber seinem Vorkrisenniveau um mehr als 70 Prozent zulegte und im Mai 2021 sein Zehnjahreshoch überschritt. Als Lieferketten-Stress für die Netzökonomie betitelte ich die Gemengelage auf der Digitalkonferenz Digital X in Köln in einer Session mit dem Logistikprofessor Peter Holm. Den Hauptgrund für den Preisschub sieht Holm im Mangel an Halbleitern, der sich auf die gesamte Produktion von Gütern auswirkt. „Kurzfristig lässt sich dieser Engpass nicht beseitigen“, warnt Holm.

Ein Konzern wie VW konnte im ersten Quartal 100000 Autos nicht produzieren wegen der mangelhaften Verfügbarkeit von Halbleitern. Energiewende, Elektrifizierung und Digitalisierung werden den Bedarf an Halbleitern und den dafür notwendigen Rohstoffen exorbitant steigern. Hier entsprechende Produktionskapazitäten aufzubauen, wird von der EU zwar forciert, aber es geht nicht schnell genug. „Der Bau solcher Fabriken dauert lange und ist extrem kapitalintensiv“, erläutert Holm. Zu diesem Mangel gesellt sich die Störung der globalen Lieferketten.

„So etwas hat man in den vergangenen zwanzig Jahren noch nie gesehen. Das fing mit dem blockierten Suez-Kanal an und ging weiter mit dem Herunterfahren der größten Häfen wie beispielsweise in Shenzhen Gut 90 Prozent aller Waren werden mit Containern verfrachtet. Alle Elektronikteile, die verschifft werden sollten, stecken im Stau. Als Folge dieser Warteschleifen steigen die Preise. Sie schaukeln sich zur Zeit hoch und werden uns als Konsumenten erheblich belasten“, so Holm. Alles nur eine vorübergehende Krise? Im Wahlkampf waren die Lieferengpässe, die die Konjunktur belasten, kein Thema. Antworten von der Wirtschaftspolitik erhält
man auch nicht. In der Netzszene stehen solche Probleme selten auf der Agenda.
Das wird sich rächen.

Soweit mein Artikel aus dem Jahr 2021 – aus dem Herbst 2021.

Nun wird man schnell ein „Aber“ formulieren und auf den Ukraine-Krieg sowie die Gaspreise verweisen. So einfach kann man aber nicht zur Tagesordnung übergehen. Den Preisschub hatten wir schon im vergangenen Jahr. Der Überfall auf die Ukraine durch Russland wirkt als Verstärker dieser Entwicklungen. Wie sich das konjunkturell dann wirklich auswirken wird, ist dann eine Sache der cleveren Wirtschaftspolitik, die ich zur Zeit aber nicht erkennen kann. Hier verweise ich auf eine Schrift von Wilhelm Röpke:

Zu den Ursachen für die Verschärfung der Weltwirtschaftskrise von 1929 zählt Röpke psychologische Faktoren, die ich in einigen Blog-Beträgen schon dargelegt habe: „In einem Wirtschaftssystem, das auf den freien Entschließungen und Wirtschaftsakten von Millionen von Individuen beruht, müssen die seelischen Schwankungen, denen diese Entschließungen unterliegen, für das Gleichgewicht des Wirtschaftsprozesses von entscheidender Bedeutung sein, und es entsteht die Frage, ob nicht die wirtschaftlichen Bewegungsentscheidungen im letzten Grunde auf solchen Schwankungen der Massenstimmungen und Massenurteile beruhen. Diese Frage wird von der psychologischen Schule der Konjunkturtheorie bejaht (Pigou, Lavington, Schumpeter)“, so Röpke. 

Mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederhole sich in jedem Konjunkturzyklus die Erfahrung, dass sich die Menschen während des Aufschwungs dem Glauben an die ewige Dauer der Prosperität hinzugeben scheinen, während sie in der Depression, von einer düsteren Melancholie ergriffen, das fast an Weltuntergangsstimmung grenzt, von einem „Ende des Kapitalismus“ reden und vergessen, dass bisher noch jede Depression ihr Ende gefunden hat. Es handelt sich hier um geistige Massenepidemien, denen nur ganz wenige zu widerstehen vermögen, während die große Mehrzahl sich von der Suggestivgewalt der Massenstimmung fortreißen lässt. 

Für alle diese seelischen Vorgänge gilt, dass sie sich nicht zu solchen Ausmaßen entwickeln könnten, wenn nicht die Ungewissheit über wichtige wirtschaftlich erhebliche Tatsachen, die Mangelhaftigkeit der wirtschaftlichen Informationen und die Unsicherheit der Zukunft einen breiten Spielraum für bloße Vermutungen und unbestimmte, stark gefühlsmäßig gefärbte Prognosen und damit für Irrtümer aller Art schaffen würden.“ 

Aber selbst von den einigermaßen feststehenden Tatsachen würde das Wort eines griechischen Philosophen gelten, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen.

„Das Seelische“, so Röpke, spiele eine aktive Rolle bei der „Überwindung des toten Punktes in der Depression“, wenn es um die Vervielfältigung der Aufschwungkräfte geht. Dazu fehlen mir zur Zeit die Anregungen der wirtschaftspolitischen Berater.

Wir wollen das ändern. Am Freitag, um 15 Uhr in einem Livetalk mit Professor Holm:

Professor Holm wird dieses Thema auf der Digital X in Köln am 14. September im Brandhouse Schubraft vertiefen. Thema: Welchen Digitalisierungsschub die Logistikbranche jetzt braucht – Angespannte Lieferketten, globale Spannungen und die möglichen Hilfen des Staates.

Kommt vorbei in die Aachener Str. 21 🙂

Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen denken: Was Staat und Unternehmen jetzt tun müssen #SchubkraftTV #DigitalX

Man hört, sieht und streamt sich am 13. und 14. September auf der Digital X in Köln. Kommt vorbei.

Gespräch mit dem Analysten Bernhard Steimel. Bitte im Netz teilen und kommentieren sowie eigene Ideen zum Thema kommunizieren. Freue mich auf Euren Besuch auf der Digital X in Kölle am 13. und 14. September.

Nachhaltigkeit muss jetzt geliefert werden von Unternehmen #SchubkraftTV #DigitalX

Aus dem Trendbook „Nachhaltigkeit mit Digitalisierung: Nachhaltigkeit gehört aktuell zu den Top-Themen in den deutschen Chefetagen. Nach einer aktuellen Studie der HypoVereinsbank sehen 67 Prozent der Mittelständler die Entwicklung von nachhaltigen Geschäftsmodellen als wichtige Herausforderung. Dazu gehören auch die ab 2023 geltenden Nachhaltigkeitsberichtspflichten für Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern.

Gesellschaftlicher Bewusstseinswandel führt zu Verhaltensänderung: 7 von 10 Verbrauchern suchen gezielt nachhaltige Produkte und erwarten Transparenz über die CO2- Bilanz. Nachhaltige Investments entwickeln sich dynamisch. Drei Viertel der Anleger bevorzugen Fonds mit einer besseren CO2-Bilanz und erhoffen sich davon auch bessere Renditen. Die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit kommt auch aus den Unternehmen selbst. Häufig sind es die jüngere Mitarbeiter und Bewerber, die zum Beispiel Mobilitätskonzepte fordern.

Investoren lenken ihr Vermögen in nachhaltige Anlagen.

Nachhaltige oder ESG-Investments – ESG steht für Umwelt, Soziales und Governance (Environmental Social Governance)  – entwickeln sich derzeit dynamisch. Drei Viertel der Anlegerinnen und Anleger bevorzugen heute Fonds mit einer besseren CO2-Bilanz – und erhoffen sich davon auch bessere Renditen.

Die Nachhaltigkeitsziele erfordern die Entwicklung neuer und besserer Technologien. Bestehende Technologien können lediglich etwa 65 Prozent der für das Netto-Null-Ziel erforderlichen Emissionen reduzieren. Die letzten 30 Prozent lassen sich nur mit neuen Technologien erreichen, die zum Teil noch nicht kommerziell skalierbar sind und den Aufschlag einer Umweltprämie (Green Premium) erfordern. Der geschätzte Investitionsbedarf dafür liegt bei 100 bis 150Millionen US-Dollar in den nächsten 30Jahren.

Für den Nachhaltigkeitsexperten Prof. Dr. Michael Braungart ist der richtige Weg, Innovationen zu entwickeln, die kein Abfallproblem haben oder keine Giftstoffe enthalten. Unternehmen sollten langlebige und problemlos reparaturfähige Produkte entwickeln, die dann nicht verkauft, sondern in einem Servicemodell vermietet werden, Wartung inklusive. Anschließend gehen sie dann rückstandsfrei in biologische oder technische Kreisläufe ein. Dies gelte für alle Branchen, vor allem für Schlüsselbranchen wie dem Maschinenbau oder der Autoindustrie.

Braungart:

„In zehn bis 15 Jahren gibt es keinen Maschinenbau mehr in Deutschland, wenn die Unternehmen nicht auf serviceorientierte, digitale Geschäftsmodelle umstei- gen. Diese Geschäftsmodelle sind die eigentliche Innovation. Doch das digitale Denken in As-a-Service-Modellen ist noch nicht überall vorhanden.”

Die unternehmensübergreifende Initiative R-Cycle wurde von der Reifenhäuser Gruppe gegründet. Sie ist in der Kreislaufwirtschaft aktiv und bietet die Rückverfolgung von Kunststoffverpackungen. R-Cycle verwirklicht einen digitalen Produktpass. Er dokumentiert Verpackungseigenschaften während der Produktion und stellt diese Daten zur Verbesserung des Sortierprozesses am Ende des Lebenszyklus zur Verfügung. Maschinenbau-Initiative.

Wir sprechen mit Bernhard Steimel im Format über die Studie und über seine Sessions auf der .

OPERATION KRONPRINZ und der Kreisverkehr der Deutschland AG: Rorsted bald nicht mehr #Adidas-Chef

Meister der Wechselkunst

Was für eine Überraschung – nicht: Der Sportartikelhersteller Adidas trennt sich von seinem Vorstandsvorsitzenden Kasper Rorsted. Über die Gründe für die Abberufung spekuliert die FAZ: „Schon zu Beginn der Pandemie hatte der Vorstandschef kein glückliches Händchen bewiesen, als Adidas die Miete in den eigenen Läden stunden wollte und dadurch öffentlich harsche Kritik eingeheimst hatte, was einen ordentlichen Imageschaden mit sich brachte.  Unabhängig davon hatte es jedoch auch immer wieder Kritik am Manager Rorsted gegeben, da der zwar mit spitzem Bleistift rechnen kann – wie er auch schon beim Konsumgüterhersteller Henkel bewiesen hatte –, aber zu wenig für das Produkt und die Marke brennt. Ähnlich äußert sich auch Speich: ‚Kasper Rorsted ist sehr gut darin, Kosten zu steuern und zu optimieren. Das hat er auch in den ersten Jahren bei Adidas gemacht‘, sagte er. Im Gegensatz zu anderen in der Branche sei er ‚kein passionierter Markenbotschafter'“, berichtet die FAZ. Wie man im Fahrstuhl der Deutschland AG hoch und runter fährt als DAX-Vorstand hatte ich vor einigen Jahren am Beispiel von Rorsted deutlich gemacht. In den Recherchen zu dieser Story sind mir einige Dinge genannt worden, die zum klassischen Habitus eines Konzernmanagers zählen. So drücke ich das mal aus, um keine Abmahnung zu bekommen. 2016 veröffentlichte ich also folgende Operation-Kronprinz-Geschichte:

Welchen Wandel die Netzeffekte des Social Webs politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich bewirken, hat der Internet-Visionär Howard Rheingold bereits 2002 in seinem Artikel „Smart Mobs – Die Macht der mobilen Vielen“ vorweggenommen: Die Konvergenz der Technologien bewirke neue Formen der Kommunikation. Ortungsfähige drahtlose Organizer, Drahtlos-Netzwerke und zu Computerverbünden zusammengeschlossene Kollektive hätten eines gemeinsam: Sie würden Menschen befähigen, auf neue Arten und in unterschiedlichen Situationen gemeinsam zu agieren. Hat das noch etwas mit den Netzwerken der alten Schule zu tun? Natürlich nicht. Das wird deutlich, wenn man sich mit den Prominenten-Interviews auseinandersetzt, die der Berater Alexander Wolf für sein Buch „Geheimnisse des Netzwerkens“ geführt hat.

Alle jene Diskussionen, die über Transparenz geführt werden, seien eine Illusion. „So wird es nie sein. Wer in der Politik tätig ist, hat ein Unterstützer-Netzwerk von Leuten, die einem in schwierigen Situationen helfen und denen man auch ab und zu helfen muss. Das läuft immer diskret und kann nicht offengelegt werden“, so Wolf. Der Journalist Dieter Kronzucker habe es sehr schön ausgedrückt: Social Networks werden alle so schnell wieder vergehen, wie sie gekommen sind. „Damit meint er nicht, dass es Facebook nicht mehr geben wird, aber er meint die Wichtigkeit, die wir Facebook momentan geben, wird abnehmen. Xing, LinkedIn oder Facebook sind nichts anderes als Online-Adressverzeichnisse und Online-Fotodatenbanken, wo man anderen die Möglichkeit gibt, Dinge schnell zu erfahren. Es sind keine belastbaren Netzwerke. Sie können keine Freundschaften und belastbaren Beziehungen über Xing aufbauen, weil sie kein Vertrauen im Internet aufbauen können. Wir wissen ja noch nicht mal, ob der Facebook-Freund überhaupt existiert“, erläutert Buchautor Wolf.

ALTE SEILSCHAFTEN MIT NACHWUCHSSORGEN

In der Deutschland AG funktioniert das klassische Unterstützer-Netzwerk noch außerordentlich gut. Man trifft sich in lauschigen Eckchen in Kitzbühel, Davos, St. Moritz, auf Sylt oder klettert vier Tage mit Ex-McKinsey-Chef Herbert Henzler in den Alpen herum. Da laufen die Deals und Absprachen. Da werden Wechsel besprochen und eingeleitet, da sichern sich die Top-Manager ihre Karriere ab.

„Zwar sind die Unternehmen nicht mehr aneinander beteiligt wie früher. Aber in den Aufsichtsräten der großen Konzerne hat das alte Bündnis durchaus Bestand: Die immer gleichen Köpfe tauchen in etlichen Kontrollgremien auf. Ihr Erkennungsmerkmal: Sie sind männlich, meist im Rentenalter und blicken auf eine lange Erfahrung als Topmanager zurück”, so das Handelsblatt.

Corporate Deutschland habe es versäumt, rechtzeitig für geeigneten Nachwuchs zu sorgen. Das werde allmählich in Vorständen und Aufsichtsräten zum Problem: „Ex-SAP-Finanzchef Brandt übernimmt bei RWE, Wolfgang Reitzle kehrt gerade zu Linde zurück. Beide sind Multi-Kontrolleure geworden. Die Deutschland AG bewegt sich – wenn auch nur im Kreis”, schreibt das Handelsblatt.

WECHSELKÜNSTLER

In diesem Kreisverkehr gibt es aber wahre Meister, die perfekt auf der Karriere-Klaviatur spielen können. Zu ihnen zählt der 53 Jahre alte Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted, der am 1. August zu adidas wechseln wird, um zwei Monate später den Vorsitz von Herbert Hainer zu übernehmen, der ein halbes Jahr vor Auslaufen seines Vertrags im März 2017 ausscheidet.

Klare Verhältnisse, perfektes Timing und wohl ein von langer Hand vorbereiteter Coup, der Rorsted zur Avantgarde der Wechselkünstler macht. Wie das funktioniert, hat der Organisationswissenschaftler Christian Scholz bereits 2013 in seinem FAZ-Blog „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“ erahnt: „Bevor irgendetwas anderes auch nur irgend- eine Rolle spielt, muss das Interesse potenzieller Arbeitgeber geweckt werden.“ Man muss direkt oder indirekt beweisen, dass man ein ganz Großer ist. Etwa in einem Bericht des Manager Magazins: „Henkel- Vormann Kasper Rorsted hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich als Manager mit ausgeprägtem Tatendrang sieht. Er trieb die Rendite des Düsseldorfer Markenartiklers (Persil, Pritt, Schwarzkopf) nach oben, trug einen Berg von Schulden ab und sorgte dafür, dass die Öffentlichkeit das auch mitbekam.“ Stichwort „Danish Dynamite“. Zur Sicherheit sollte am Ende der Bewerbung noch ein kleiner Hinweis darauf stehen, dass der Kandidat in der operativen Marge bereits „auf 14,9 Prozent“ geklettert ist und damit bereits über dem Ziel liegt. Schwieriger wird es nach Auffassung von Scholz, die Wechselabsichten zu begründen, wenn man doch bei seinem alten Arbeitgeber ein so großer Hecht ist: „Dieser Schritt ist schon kniffliger, wird aber hier als kommunikative Meisterleistung absolviert. Ohne auch nur irgendein Stückchen schmutzige Wäsche zu waschen, liest man, dass Kasper Rorsted gerne expandieren möchte, die Henkel-Familie lieber auf Nummer sicher gehen will.“

Im O-Ton klingt das im Manager Magazin so: „Offenbar hat sich das Verhältnis zwischen Rorsted und dem Henkel-Clan, der die Mehrheit an dem Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoffkonzern hält, in jüngster Zeit etwas eingetrübt. Rorsted möchte expandieren, akquirieren, Risiken eingehen, die Henkel-Familie rund um Oberhaupt Simone Bagel-Trah dagegen lieber auf Nummer sicher gehen.“

Der BWL-Professor genießt und schweigt nicht ganz: „Und dass rein zufällig auf der gleichen Seite ein Foto der Ex-Henkel-Managerin Tina Müller mit dem Hinweis ‚Neuer Style‘ prangt, ist für Insider ebenfalls mehrdeutig eindeutig“, schreibt Scholz in seinem Blogpost.

Wohin die Reise hingehen sollte, hat der forsche Däne sehr geschickt offen gelassen. In seiner Blindbewerbung „An: Alle“ meinte er wirklich „An: Alle “. Man liest, dass er gerne zum Industrie-Riesen Linde wechseln würde, sich aber auch die Leitung des Kristallkonzerns Swarovski quasi an der Seite von Karl-Heinz Grasser vorstellen könnte. Offener könne man eigentlich nicht sein. Lediglich eine gewisse Präferenz für den deutschsprachigen Süden „verfügt … bereits über eine standesgemäße Bleibe in München“ lässt Rorsted verschmitzt durchblicken. Mit Herzogenaurach ist auch dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.

Und selbst das Signal von Demut und Bescheidenheit in Zeiten der Gier hat der neue Drei-Streifen-Topmanager bedient: Damit meint Scholz den Manager Magazin-Satz: „Selbst einem Assessment- Center-Test der Personalberatung Egon Zehnder hat sich Rorsted unterzogen“.

So etwas sei der unumstößliche Beweis, für einen guten Job die Extra-Meile zu gehen – vor allem, wenn man sich die methodische Fragwürdigkeit dieser Testreihen vor Augen führt, die Rorsted sicher kennt, da er dem Personalmanagement immer schon sehr nahe stand. Was sollen die Zweifel: „Ein Mann wie eine Maschine“ stellt sich jeder Herausforderung und ist für jede Prüfung bereit. Für den BWL-Professor Scholz schließt sich der Kreis. Für Rorsted auch. Käme der Wechselkünstler nicht aus Dänemark, müsste man ihn zur Strategem-Schule in China rechnen – also zur Lehre der 36 Strategeme des Meisters Sanshiliu Ji aus der Zeit um 1500. Etwa bei der Anwendung des Strategems Nummer Sieben: „Aus einem Nichts etwas erzeugen.“

DAS AUSMÜNZUNGSSTRATEGEM

Nun ist die bisherige Rorsted-Karriere mehr als Nichts. Es geht dabei um die Veränderung seiner Position. Immerhin brauchte der Henkel-Mann rund drei Jahre, um seine Bewerbungstournee abzuschließen. Nennen wir es freundlich „schöpferisches Vorausdenken“. So sieht es der Sinologe Harro von Senger. „Setzt man das Strategem Nummer Sieben als Ausmünzungsstrategem ein, dann macht man sich das schier unerschöpfliche Potenzial der vom Menschen noch ungeformten Wirklichkeit zunutze.

Dank einer Vision, also zunächst eines Luftgebildes, die man in die Wirklichkeit überführt, gelangt man zu einem Erfolg oder spielt man ein Gegenüber aus.“ Gerade das Geschäftsleben sei ein Wettstreit der Kreativität. Die Konkurrenz werde durch kühne, in Leer-Räume vorstoßende Ideen und mit schöpferischem Vorausdenken überflügelt und nicht mit dem Alltagstrott-Management: „Es gilt, die unglaublich vielfältige Gestaltbarkeit des Wirklichen – etwas, was listenblinden Schlafmützen entgeht – mit Hilfe menschlicher Fantasie auszuloten und zu verwerten“, erläutert von Senger. Rorsted ist ein Champion des Ausmünzungsstrategemsmit der Geste der Entschlossenheit spielt er über Bande, um sich selbst ins Gespräch zu bringen und um im Gespräch zu bleiben. Selfie-Botschaft: Wer dazu gehören will, muss erst einmal leiden! „Aufreibende Selektionsprozesse, Interviewmarathons und tagelange Gehaltspoker sind mythenbehaftete Initiationsriten, die den Ruf der Konzernmanager als auserwählte Führungsfiguren begründen. Die Botschaft lautet: Nur diejenigen, die willens sind alles zu geben, dürfen hoffen, mitmachen zu können“, erklären Joerg Bartussek und Oliver Weyergraf in ihrem Opus „Mad Business“, erschienen im Hanser Verlag.

ALTE WEISHEITEN IN DER DEUTSCHLAND AG RELOADED

Die „Operation Kronprinz“ mache nie Pause! Neben der chinesischen Strategem-Kunde haben auch althergebrachte Weisheiten im Konzernwesen Bestand: Immer dahin gehen, wo es weh tut. Denn nur gute Arbeit zu leisten reicht nicht aus: „Wer ganz oben mitspielen will, muss sich auch konzernpolitisch betätigen. Das ist leider so, selbst wenn man genau weiß, dass das für jede Firma eigentlich Gift ist“, so Bartussek und Weyergraf. Da können sogar 40 bis 50 Prozent der Arbeitszeit für Innenpolitik draufgehen. Jeder Konzernpolitiker verfügt über ein feingesponnenes internes und externes Netzwerk aus vielschichtigen Kontakten. Politisch werde es vor allem dann, wenn jemand eher durch persönliche Beziehungen als durch wirkliche Sachargumentation vorankommt.

In der Deutschland AG reloaded hat sich Rorsted frühzeitig etabliert. Das ist ihm als Vorstandschef eines erfolgreichen DAX-Konzerns relativ leicht gefallen. Er nutzt die informellen Runden, die von der Öffentlichkeit abgeschottet werden. Es soll intim zugehen. Ein Rückzug in die Privatheit, der ausschließlich über persönliche Kontakte läuft. Etwa in der alpinen Seilschaft von Herbert Henzler. Im elitären Männerzirkel der so genannten „Similauner“ kraxeln unter Führung von Reinhold Messner Manager wie Hubert Burda und – welch ein Zufall – der noch amtierende Adidas-Chef Herbert Hainer. Wen findet man im Aufsichtsrat des Sportartikel-Herstellers? Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges. Weitere Verbindungslinien zur Arbeitnehmerseite oder zu Finanzberatern kann man über Google recherchieren.

Rorsted wird von Branchenexperten zugetraut, dass angeschlagene US-Geschäft von Adidas in den Griff zu bekommen und auch Initiativen für neue Geschäftsmodelle anzustoßen – etwa bei der Digitalisierung. Er ist sportbegeistert, teamfähig und energiegeladen. Er wollte nach Süddeutschland und auch das ist gelungen. Netzwerke und Vitamin B für das berufliche Fortkommen zu nutzen, ist völlig in Ordnung. Nur sollten die Protagonisten der informellen Deutschland AG die Schwächen von geschlossenen Zirkeln nicht unterschätzen.

NETZWERKTHEORIE

Problematisch wird es, wenn es keine Auffrischungen mehr gibt und kein neuer Geist nachrückt. In der Organisationstheorie ist das gut erforscht. Geschlossene Netzwerke punkten bei Kooperationen und Verlässlichkeit. Sie sind stabiler, aber auch inflexibler. „Einer durch ein festes Normungefüge abgesicherten, verlässlichen Kooperation steht somit der Nachteil mangelnder Anpassungsfähigkeit gegenüber“, erklären die Wissenschaftler Mark Ebers und Indre Maurer.

Die Beharrungskräfte der Netzwerk-Akteure können negative Auswirkungen haben. Empirische Studien belegen, dass es Führungskräften in solchen Formationen nicht gelingt, neue Tätigkeitsfelder zu erschließen. Hier sind Netzwerke mit offenen und losen Verbindungen überlegen. Zudem wird es immer schwerer, Vertraulichkeit und Privatsphäre zu bewahren. In einer vernetzten Ökonomie funktionieren die geschlossenen Einheiten und Absprachen hinter den Kulissen nicht mehr. Das mussten auch Steve Case und Gerald Levin schmerzlich erfahren, die einen Geheimplan schmiedeten:

Case war Präsident und Vorstandschef von AOL. Levin leitete den Medienkonzern Time Warner. Sie lernten sich im Weißen Haus kennen bei der Vorführung der Komödie „em@il für Dich“ – einem Film von Warner Bros. mit Schleichwerbung für AOL. Bei ihrem Hinterzimmer-Treffen waren sie von der Vision elektrisiert, mit einer Allianz ihrer scheinbar unversöhnlichen Unternehmen eine perfekte neue Welt erschaffen zu können. „AOL Time Warner kamen mit einer Riesengeschwindigkeit um die Ecke und rasten direkt in eine Mauer, die sie noch nicht einmal gesehen hatten. Bald wurde dieser Name zu einem Synonym für ‚Debakel‘“, so Tim Wu in seinem sehr lesenswerten Buch „Master Switch“. Der Aktienkurs rauschte in den Keller und innerhalb kürzester Zeit wurde Case aus dem Unternehmen gedrängt. Levin ging in den Ruhestand und widmet sich heute als Leiter des Moonbeam-Sanatoriums in Südkalifornien der spirituellen Erbauung von gestressten Manager-Seelen.

Beide waren von der Hybris des allumfassenden Informationsimperiums getrieben, die Levin später als eine Form von Geisteskrankheit verbunden mit dem suchtartigen Streben nach nie endendem Wachstum bezeichnete. „Konnte das mit AOL und Time Warner denn überhaupt funktionieren? Das Unternehmen hätte letztlich den Charakter des Internets verändern und das Netz in eines verwandeln müssen, in dem ‚fremde‘ Inhalte – also alle, außer denen von Time Warner – geblockt oder nachrangig behandelt werden können“, so Wu.

Alternativ hätte das Fusionsmonster auch versuchen können, die Kontrolle über die Öffner des Netzes zu übernehmen, vor allem über die Suchmaschinen, die den Nutzern das gaben, was sie wollten. Um lebensfähig zu sein, hätte AOL Time Warner die Prinzipien der Netzneutralität umstoßen müssen. „Ich mal mir die Welt, wie es mir gefällt“-Pläne in vertraulichen Mini-Netzwerken zerschellen immer schneller an der wachsenden Unberechenbarkeit des Wirtschaftslebens. Man könnte es auch als Omnipräsenz der Ereignisse definieren oder als Strukturwandel der Öffentlichkeit im Sinne des Soziologen Jürgen Habermas. CEOs agieren zunehmend unter ständiger Beobachtung ihrer Stakeholder. „Alle Handlungen und unternehmerischen Entscheidungen werden von Mitarbeitern, Investoren und weiteren Interessengruppen kommentiert, diskutiert und interpretiert“, bemerkt der DAX-Flüsterer Alexander Geiser.

NEUE DNA FÜRS TOP-MANAGEMENT

Es gibt kaum noch Ruhezonen. Schon gar nicht in sozialen Medien, wo jeder Empfänger von Botschaften gleichzeitig Sender sein kann. Das passt allerdings nicht zur DNA der Führungskräfte in Deutschland, die sich als Betriebswirte, Ingenieure und Juristen in klassischen Laufbahnen hochgearbeitet haben. Das Ideal des neuen Managertyps sieht anders aus: Eine von Russell Reynolds Associates durchgeführte Studie zeigt, dass Führungskräfte, die Unternehmen erfolgreich bei Innovation, Digitalität und Kundenzentrierung begleiten, signifikant andere Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Mit dem radikalen Umbau des Suchmaschinenkonzerns Google zum Digitalkonglomerat Alphabet haben sich Larry Page und Sergey Brin als Archetypen dieser „Productive Disruptors“ erwiesen.

Sie vereinen Persönlichkeitsmerkmale und Managementfertigkeiten, die sich eindeutig von denen eines klassischen Executives abheben. Die Russell Reynolds-Berater sprechen von einem Digitalquotienten (DQ) – analog zum Intelligenzquotienten (IQ) und zum emotionalen Quotienten (EQ). „Manager, die über einen hohen DQ verfügen“, sieht die Analystin Georgia Stegmann als Speerspitze und Erfolgsgaranten einer gelungenen digitalen Transformation. Sie sind flexibel, furchtlos und kompetent im Veränderungsmanagement und bereit, organisatorische Widerstände zu überwinden. Sie sind Meister darin, Chancen wie Risiken des digitalen Wandels zu erkennen und dieses Wissen zum Wohle des Unternehmens einzusetzen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: In den USA finden sich „Productive Disruptors“ häufiger als in anderen Teilen der Welt als CEO an der Unternehmensspitze. In Europa hingegen und insbesondere in Deutschland ist die aktuelle Manager-Generation schon biografisch nicht optimal für die neuen Herausforderungen gerüstet. Stromlinienförmigkeit, Stallgeruch und Kaminkarrieren der Deutschland AG reloaded erweisen sich immer mehr als Hemmschuh für wirtschaftliche Prosperität. Man kann es in Euro und Dollar nachrechnen.

DURCHLÄSSIGKEIT STATT GESCHLOSSENHEIT

Im Handelblatt-Ranking der 100 nach Börsenkapitalisierung größ- ten Unternehmen sind 54 in den USA beheimatet. Und das liegt an den Champions für digitale Technologie. Allein das Trio Apple, Alphabet und Microsoft ist mit 1,4 Billionen Euro rund 300 Milliarden Euro mehr wert als die 30 größten Konzerne Deutschlands im Leitindex DAX.

Bei den Europäern können nur Roche, Nestlé, Norvatis, die Brauerei Anheuser-Busch, Novo Nordisk und der Ölkonzern Royal-Dutch mithalten unter den Top 50 – also Old Economy. Im unteren Drittel findet man Bayer, SAP, Daimler, Siemens, Deutsche Telekom und Allianz. Die Karrieremuster in Deutschland sind international nicht mehr tragfähig.

„Dax- und Familienunternehmen sind jeweils eine Welt für sich. Diejenigen, die dort ihren Weg nach oben finden wollen, richten ihr Verhalten und ihre Entscheidungen darauf oft von Anfang an aus“, sagt Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer der Personalberatung Korn Ferry, gegenüber dem Handelsblatt. Die Kaminkarrieren erweisen sich in unserem Land als äußerst zählebig.

„So wie heute die Digitalisierung war es in den 90er-Jahren die Globalisierung, die angeblich die Karrieremuster durcheinander wirbeln sollte. Sprachkenntnisse, Auslandsaufenthalte und interkulturelle Kompetenzen galten als neue Schlüsselkompetenzen”, schreibt das Handelsblatt. Wer diesem Ratschlag gefolgt ist und sich für drei Jahre nach China oder Indonesien verabschiedete, wurde in der Heimat von den Kaminkarrieristen ins Abseits gestellt.

Gerade bei den exportstarken Unternehmen beschränke sich die interkulturelle Kompetenz häufig darauf „dass wir neben Schwaben auch Ostwestfalen integrieren können“, wie einst ein Porsche- Spitzenmann spottete.

Das führt in die Sackgasse, betont der diagnostische Mentor, Arbeits- Vordenker und Organisationsbegleiter Guido Bosbach. „Eingesperrt zwischen Pflichten und Terminen, gefangen in lange fruchtbaren aber inzwischen nicht mehr zeitgemäßen Managementideologien, treffen deutsche Führungskräfte im Tagesgeschäft immer häufiger auf eine Welt, die sich mit rasanter Geschwindigkeit verändert und die ihnen keine Zeit mehr lässt, um sich einer dringend notwendigen reflektierten Betrachtung der Gemengelage zu widmen.“

Das Gebot der Anpassung betrifft nach den Erfahrungen von Bosbach die Aufgaben und Stellenbeschreibungen, die wir als Grundlage unserer Tätigkeit nutzen. „Das trifft auch und ganz prominent die Top-Entscheider und Aushängeschilder von Organisationen.“ Die Arbeitsinhalte verändern sich radikal. Den Next-CEO sieht Bosbach als Chief Environmental Officer, der das Gesamtsystem der Umwelt des Unternehmens in den Fokus seiner Aktivitäten stellt. „Er versteht die komplexen Zusammenhänge der systemischen Strukturen in denen die eigene Organisation agiert.“

Wer weiterhin Network Thinking mit alpinen Seilschaften verwechselt, wird sich schwertun, die gesamte Organisation auf Partizipation, vernetztes Arbeiten, Durchlässigkeit und Schnelligkeit zu trimmen und frische Talente für einen Wechsel zu begeistern. Die klügsten Leute wollen bei Google arbeiten. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einem guten Betriebsklima, modernen Beteiligungsmodellen, genügend Freiraum für kreative Hobby-Leidenschaften und der Anwerbung von Mitarbeitern mit Migrations-Hintergrund sowie gebrochenen Lebensläufen bietet der Netz-Champion eine Diversität, von der deutsche Unternehmen meilenweit entfernt sind, auch wenn kluge Personalmanager wie Thomas Sattelberger das schon seit Jahren fordern. Mit den Seilschaften von Reinhold Messner erklimmt man Berggipfel, mehr nicht.

Soweit mein Artikel, der 2016 erschien.

Immer noch aktuell. Mal schauen, in welchem Laden Rorsted diesmal landet. Mein Tipp: Es wird diesmal ein Hedge Fonds sein für New Business oder so.

Wer Innovationsschübe verpennt, stürzt ab

Wie Finanzindikatoren sowie das ganze Börsen- und Schulden-Spektakel auf die Realwirtschaft durchschlagen, ist ungewiss. Darauf machte bereits in den 1930er-Jahren der Ökonom Joseph A. Schumpeter aufmerksam. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen und Konsumenten verschwinden aus dem Blickfeld. Die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelte Schumpeter, der sich mit seinen konjunkturpolitischen Abhandlungen leider nicht aus dem Schatten von John Maynard Keynes lösen konnte. An den Rekordumsätzen und Gewinnen, die Apple selbst nach dem Ausbruch der Lehman-Krise erzielte, erkennt man, wie falsch die Zauberlehrlinge der Makroökonomie liegen. Es gibt eine recht einfache Regel: Wer strategische Fehler macht und Innovationsschübe verpennt, stürzt ab. Das gilt aber nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern auch für Volkswirtschaften. Da helfen auch Schulden nicht weiter. Der einseitige Blick auf die Erschütterungen von Börsen und Währungen ist nicht gleichzusetzen mit dem, was wirklich passiert: „Die meisten ökonomischen Analysen konzentrieren sich auf finanzielle Motive wie das Streben nach mehr Konsum oder Einkommen. In der Wirtschaftswissenschaft von heute geht es jedoch nicht nur um Geld und viele Wirtschaftswissenschaftler sind der Ansicht, dass auch nicht-finanzielle Motive untersucht werden sollten“, schreiben George A. Akerlof und Rachel E. Kranton in ihrem Buch „Identity Economics“. Die Identität sei eine unterschätzte Größe. Normen, die unser Verhalten beeinflussen, hängen von unserer Position in einem bestimmten sozialen Kontext ab. Es gibt also eine Vielzahl von Wechselwirkungen, die berücksichtigt werden müssen, um richtige Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik zu treffen.

Die psychologischen Faktoren für Wirtschaftskrisen

„In einem Wirtschaftssystem, das auf den freien Entschließungen und Wirtschaftsakten von Millionen von Individuen beruht, müssen die seelischen Schwankungen, denen diese Entschließungen unterliegen, für das Gleichgewicht des Wirtschaftsprozesses von entscheidender Bedeutung sein, und es entsteht die Frage, ob nicht die wirtschaftlichen Bewegungsentscheidungen im letzten Grunde auf solchen Schwankungen der Massenstimmungen und Massenurteile beruhen. Diese Frage wird von der psychologischen Schule der Konjunkturtheorie bejaht (Pigou, Lavington, Schumpeter)”, erläutert Röpke in seinem Buch „Krise und Konjunktur“, das 1932 veröffentlich wurde. Mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederhole sich in jedem Konjunkturzyklus die Erfahrung, dass sich die Menschen während des Aufschwungs dem Glauben an die ewige Dauer der Prosperität hinzugeben scheinen, während sie in der Depression, von einer düsteren Melancholie ergriffen, das fast an Weltuntergangsstimmung grenzt, von einem „Ende des Kapitalismus“ reden und vergessen, dass bisher noch jede Depression ihr Ende gefunden hat.

„Geistige Massenepidemien“

„Es handelt sich hier um geistige Massenepidemien, denen nur ganz wenige zu widerstehen vermögen, während die große Mehrzahl sich von der Suggestivgewalt der Massenstimmung fortreißen lässt. Für alle diese seelischen Vorgänge gilt, dass sie sich nicht zu solchen Ausmaßen entwickeln könnten, wenn nicht die Ungewissheit über wichtige wirtschaftlich erhebliche Tatsachen, die Mangelhaftigkeit der wirtschaftlichen Informationen und die Unsicherheit der Zukunft einen breiten Spielraum für bloße Vermutungen und unbestimmte, stark gefühlsmäßig gefärbte Prognosen und damit für Irrtümer aller Art schaffen würden.“ Aber selbst bei den einigermaßen feststehenden Tatsachen würde das Wort eines griechischen Philosophen gelten, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen. „Das Seelische“, so Röpke, spiele eine aktive Rolle bei der „Überwindung des toten Punktes in der Depression“, wenn es um die Vervielfältigung der Aufschwungkräfte geht.

Wie gehen wir nun mit der Inflation um? Wir werden das am Donnerstag erörtern mit Hermann Simon und Benjamin Springub von .

Digitaler Produktpass und digitales Wasserzeichen für eine bessere Kreislaufwirtschaft #rp22 @mhp_de @RCycle5 #iffa22 @iffa_frankfurt

Sohn@Sohn-Adhoc-Gespräch mit Lucas Strutz von MHP, Porsche Company, auf der re:publica in Berlin. Und Bericht über das Roundtable-Gespräch zum Kunststoffrecycling-Konzept der Maschinenbau-Industrie: Der Digitale Produktpass wird von Seiten der EU als technische Maßnahme zur Etablierung der Kreislaufwirtschaft gefordert, Rezyklatquoten werden vorgeschrieben und Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte.

Das System der Verwertung (Aufbereitung und Einsatz der Rezyklate) muss sich in seiner Ausrichtung und Philosophie deutlich umstellen. Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur die Entsorger von Kunststoffabfällen, sondern alle Abfallbranchen. Die Abfallverwertung muss sich quasi entgegen der Entsorgungsrichtung der Abfallmassenströme auf die Erfordernisse der Industrie ausrichten. Letztendlich gilt es, hochwertige sekundäre Rohstoffe zu produzieren, die möglichst weit den Eigenschaften der klassischen in der Produktion eingesetzten primären Rohstoffe entsprechen sollten, so dass weder an der Produktion noch an den Produkteigenschaften Änderungen vorgenommen werden müssen.

Der Hersteller entscheidet sich, einen Anteil seiner Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft zu beziehen, da diese seine Spezifikationen erfüllen. Dies ist im direkten Austausch zwischen Aufbereiter, der Regranulate herstellt, und Produzent und damit für den Einzelfall zu erreichen. Für den Aufbereiter bedeutet dies im zweiten Schritt, dass er seine Prozesse auf dieses Produktionsziel ausrichten muss. Dies bedeutet damit eine Optimierung der Technik, aber auch eine Definition der Zusammensetzung und Eigenschaften der Materialien, die er zur Aufbereitung übernimmt. Das diskutierten wir in einem Sohn@Sohn-Roundtable mit Experten aus dem Maschinenbau: Michael Baumeister, COO von Brückner Maschinenbau; Guido Frohnhaus, technischer Geschäftsführer von Arburg; Thomas Hartkaemper, CEO von Kautex Maschinenbau; Bernd Reifenhäuser, CEO der Reifenhäuser Group; Guido Spix, Group President der Multivac-Gruppe. Moderation: Gunnar Sohn. Hier ist der Podcast zum Thema:

Meine Überlegungen auf dem Nachhaltigkeitscamp in Bonn im Jahr 2016 (da hatte ich wohl den richtigen Riecher – hab ja auch eine große Nase):

Netzökonomische Überlegungen zur Post-Müll-Epoche – Wie man Produkte mit Öko-Intelligenz aufladen kann #ncbn16

Was kommt in zehn Jahren in die Tonne? Was passiert, wenn Produkte mit digitaler Öko-Intelligenz aufgeladen werden?

In der netzökonomischen Debatte sollten wir es nicht versäumen, uns auch mit dem Kern der Ökologie zu beschäftigen: Oikos war in der Antike die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Orientierung an der Nachbarschaft – verbunden mit dem Verzicht auf Supersysteme, die das Himmelreich auf Erden versprechen, sich aber kaum steuern lassen. Konzentriere Dich auf das, was Du selbst gestalten kannst. Übernehme Verantwortung für Dein eigenes Handeln und delegiere es nicht auf kommende Generationen.

So ist auch das politische Ziel zu verstehen, spätestens bis zum Jahr 2020 vollständig aus der Beseitigungswirtschaft auszusteigen und alle Deponien zu schließen (nun ja…..). Damit verabschieden wir uns endgültig vom menschlichen Archetypus, Dinge nach dem Verlust individueller Wertschätzung einfach zu vergraben oder zu verbrennen nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das ökologische Anforderungsprofil für das 21. Jahrhundert hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) trefflich formuliert:

„Funktional, langlebig und damit kostengünstig, ressourcenleicht und emissionsarm, reparaturfreundlich, wiederverwertbar, risikoarm, fehlerfreundlich und rückholbar.“

Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um Dienstleistungen und soziale Innovationen wie Carsharing oder Repair Cafés. Wenn es gelingt, dass alle Gegenstände des Alltags im „Internet der Dinge“ digital vernetzt werden, könnte man sie auch mit ökologischer Intelligenz aufladen. Dann würden sie über ihre Herkunft und Ökobilanz informieren sowie Empfehlungen über eine sinnvolle Weiterverwendung zum Ende ihres Lebenszyklus geben. So fänden die Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zum Kunden – und wieder zurück zum Recycling oder zur Wiederverwendung. Dann würden 99 Prozent der mobilen Endgeräte nicht mehr in der klassischen Müllentsorgung verschwinden, sondern spezialisierten Logistikern signalisieren, wo man sie findet und wie man ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin, Kupfer, Aluminium und seltenen Metalle heben kann.

Man darf gespannt sein, wie der Gesetzgeber die hoheitlichen Aufgaben der Müllentsorgung gestalten wird, wenn gar kein Müll zur archaischen Beseitigung mehr anfällt. Das ist nur ein kleiner Aspekt, der in den Debatten über Digitalisierung stärker beachtet werden sollte.

Interessant dazu auch ein Interview auf der #Iffa in Frankfurt, also Leitmesse „Technology for Meat and Alternative Proteins„:

Was passiert denn nun mit der nationalen Bildungsplattform? @BMBF_Bund #rp22 @mspro

Die Maus auf der re:publica wusste auch keine Antwort.

Antworten von Ulricke Lucke und Michael Seemann.

Interesse an #Klimapolitik geht zurück – Das ist keine gute Nachricht

Mikroklima verbessern – ein Projekt im oder am Hause Sohn

Zu viel Krieg, zu viele Krisen: „Die Menschen sind erschöpft von schlechten Nachrichten, sagt eine Studie“, so die FAS.

Referenz für den Beitrag von Anna Vollmer ist der neue „Reuters Digital News Report“. Für die Studie wurden über 93 000 Menschen in 46 Ländern zu ihrem Nachrichtenkonsum befragt. Die Pressemitteilung des Hamburger Hans-Bredow-Instituts, das den deutschen Teil der Studie durchgeführt hatte, trug den Titel: „Deutsche sind nachrichtenmüde“. Obwohl der Anteil derjenigen, die mehrmals pro Woche Nachrichten konsumierten, mit 92 Prozent laut Befragung noch immer sehr hoch ist, gaben nur 57 Prozent der erwachsenen Internetnutzer an, sich für die aktuelle Weltlage zu interessieren. Das waren zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

„Überraschend sind die Ergebnisse auch deshalb, weil die Mediennutzung in der Regel in Krisenzeiten spürbar steigt, Berichte über Corona und den Krieg werden viel gelesen. Aber offenbar führt das bei immer mehr Menschen irgendwann zu Ermüdungserscheinungen, zum Überdruss an der Berichterstattung über die immergleichen Themen, zur Erschöpfung durch die Menge der Nachrichten“, schreibt Vollmer.

Ein Thema, das laut Reuters-Studie gemessen an seiner Dringlichkeit erstaunlich wenig interessierte, sei der Klimawandel. Auf die Frage „Für welche der folgenden Arten von Nachrichten interessieren Sie sich gegebenenfalls?“ nannten nur 28 Prozent der 18- bis 24-Jährigen die Themen „Umwelt/Klimawandel“. Gleichzeitig ist in anderen Studien zu lesen, ein Großteil der Jüngeren sorge sich um die Zukunft.

An den Ergebnissen der Reuters-Befragung ist deutlich zu erkennen, dass der Grad der persönlichen Betroffenheit ein wichtiger Faktor für das Nachrichteninteresse ist. „Im globalen Süden, also in den Regionen, die den Klimawandel jetzt schon unmittelbar zu spüren bekommen, war das Interesse am diesem Thema am größten. Greta Thunberg mag aus Schweden kommen, doch ist das Interesse in ihrem Heimatland im Vergleich zu anderen Regionen verhältnismäßig gering. In Schweden haben die wenigsten Angst, ihr Zuhause durch Überflutungen zu verlieren. Auf den Philippinen fürchten das viele“, erläutert die FAS-Autorin.

Vielleicht sollte man weniger mit moralistischer Attitüde operieren. Ratsam wäre es zudem, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Nicht ständig Camouflage-Nebelkerzen zünden, sondern Dinge auch konkret realisieren. So sieht es auch Vollmer: „Anstatt sich also nur über den politischen Gegner aufzuregen, der einfach nicht das Auto stehen lässt, könnte man sich die Mühe machen, einfach mal nachzufragen, unter welchen Bedingungen so etwas denn vorstellbar wäre. Denn wer sich angesprochen fühlt, liest höchstwahrscheinlich auch wieder mehr Nachrichten. Und ist dann vielleicht auch bereit, über Veränderungen nachzudenken.“

Ich selbst versuche das durch Projekte wie der maximalen Begrünung meines Grundstücks, durch den Verzicht auf einen eigenen PKW, durch ein Plädoyer für Cloud-Belegschaften ohne PKW-Berufspendelei und dergleichen mehr. Aber ohne „Die-Leute-Aburteilungen“ als Hohepriester der ökologischen Wende.

Von Change mich am A. bis ganz viel Liebe: So lief das #SAPEdForum

Was für tolle Session zum Lernen in Unternehmen. Hut ab. War sehr gut.

Hier einige Snippets von den Sessions in unterschiedlicher Länge:

In der Innovationspolitik spezialisieren: Quantencomputing und Gesundheitswesen @EFI_Kommission @ZP_Universe @DGroenemeyer @BMWK_Econ @handelsblatt

Ein Innovator zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus. Innovationen entstehen eben nicht nur durch Erfindungen. Nachzulesen in: Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseoph A. Schumpeter

Man müsse nur die öffentlichen Innovationsausgaben verdoppeln, da jeder investierte Euro fünffach zurückzahlt. Zu dieser Gleichung gelangt der Innovationsökonom Benjamin Jones im Interview mit dem Handelsblatt.

Ich halte diese Gleichung für ein wenig zu simpel: Man braucht zumindest eine qualitative Dimension. Problem: Wer die ökonomische Welt nur in Aggregatzuständen betrachtet, verliert die wesentlichen Quellen wirtschaftlicher Kreativität und technologischer Entwicklungssprünge aus dem Auge. „Mehr investieren, weniger sparen“ ist so eine der üblichen Forderungen aus der Trickkiste jener Denker, die gerne den Wald betrachten, sich aber wenig um die Bäume scheren.

Das wiederholt sich im politischen Diskurs in schöner Regelmäßigkeit. Mit solch simpler Steuerungslehre ist wirtschaftspolitisch aber kein Staat zu machen. Wie beispielsweise Finanzindikatoren sowie das ganze Börsen- und Schulden-Spektakel auf die Realwirtschaft durchschlagen, ist ungewiss. Darauf machte bereits in den 1920er und 1930er Jahren der Ökonom Joseph A. Schumpeter aufmerksam. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen, Konsumenten, die Rolle von staatlichen Institutionen und die Wirkung von Gesetzen verschwinden aus dem Blickfeld. Vor allem die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelt Schumpeter, der sich mit seinen konjunkturpolitischen Abhandlungen leider nicht aus dem Schatten von John Maynard Keynes lösen konnte.

Was heißt das nun für die Innovationspolitik? Professor Uwe Cantner von der Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI)spricht von der Notwendigkeit der Spezialisierung bei Schlüsseltechnologien. So könnte man sich bei staatlichen Ausgaben auf Quantencomputing konzentrieren und auf die Digitalisierung des Gesundheitssektors.

Professor Grönemeyer hat das ja bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie mit aller Verve auf den Punkt gebracht:

Und beim Quantencomputer dominieren wir den Markt mit unserer Grundlagenforschung.

Hier müssen wir nur die nötige Geduld mitbringen und Finanzmittel zur Verfügung stellen, um die Grundlagenforschung in die Anwendung zu bekommen. Etwa die Arbeiten von Ignacio Cirac vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Er ist theoretischer Physiker und als solcher ein Wegbereiter der zweiten Quantenrevolution. Seine theoretischen Arbeiten haben den Grundstein gelegt für wegweisende Experimente zu Quantencomputern und Quantenkryptographie. In einer Publikation von 1995 erklärten Cirac und sein Kollege Peter Zoller, wie man mit Ionenfallen einen Quantencomputer bauen könnte. Ohne diese theoretischen Grundlagen wären die Arbeiten für den Bau von Supercomputern gar nicht vorstellbar.

Was im Gesundheitswesen so alles schief läuft.