Kann man die Silicon Valley-Giganten mit ihren eigenen Waffen schlagen? Über Parasiten, Kopisten, Strategeme und nützliche Idioten

Meister der Strategem-Lehre
Meister der Strategem-Lehre

In einer digitalen Welt gibt es unendlich viele Kombinationen für neue Dienste und Produkte, die selbst die Big Data-Analysten nicht antizipieren können – auch wenn sie noch soviel Datenschrott sammeln. Es gibt zu viele Variablen, weil immer auch unvorhersagbares menschliches Verhalten eine Rolle spielt. Oder wie es Douglas North, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, ausdrückt:

„Der Preis der Präzision (von theoretischen Modellen, gs) ist die Unfähigkeit, Fragen des realen Lebens zu behandeln.“

In den netzökonomischen Diskursen sollte man mehr auf Sicht fahren und überlegen, wie man die amerikanischen Plattformen für das eigene Business nutzen kann. So kehrt man das parasitäre Gedankengut der kalifornischen Monopolfetischisten ins Gegenteil. Parasiten, Hacker, Daten-Piraten, Wissensdiebe, Kopisten und Collage-Künstler können in diesem Spiel höchst nützliche Zeitgenossen sein. Sie stören die Monopolisten.

„Die Macht suchte und sucht das Zentrum einzunehmen. Wenn sie von diesem Zentrum aus wirken, ihre Wirksamkeit bis an die Grenzen des Raumes entfalten, wenn sie bis an die Peripherie reichen soll, so ist es notwendig, dass es kein Hindernis gibt, dass der Raum um ihre Aktion homogen ist. Kurz, der Raum muss frei von Rauschen, von Parasiten sein. Um Gehorsam zu finden, muss man gehört, muss man verstanden werden, muss die Ordnungsbotschaft Stille vorfinden“, schreibt der Philosoph Michel Serres in seiner Abhandlung „Der Parasit“.

Parasiten stören die Stille. Das ist uns übrigens schon einmal perfekt gelungen. Besonders die deutsche Industrie, konnte ihre Rückständigkeit Ende des 19. Jahrhunderts nur durch kluge Imitation kompensieren.

„Wie heute die Chinesen, haben damals deutsche Maschinenbauer ausländische Erfolgsmodelle in großem Stil eingekauft: Sie zerlegten die Maschinen in England und bauten sie im Siegerland oder im Schwäbischen neu auf. Durchs Nachmachen zu Erfahrung gekommen, haben die Deutschen sodann ihre Maschinen billig ins Ausland verkauft“, berichtet Rainer Hank von der FAZ.

Er verweist auf ein besonders dreistes Kopistenwerk in Solingen. Dort wurden minderwertige Messer aus Gusseisen hergestellt und mit dem Stempelaufdruck „Sheffield“ veredelt – das galt damals als Markenzeichen der englischen Messerproduktion.

„Ironie der Geschichte: Als Abwehrmaßnahme zwang England Deutschland das Label ‚Made in Germany‘ auf, damit man die mindere Ware erkennen sollte. Aber den Deutschen gelang es, das Stigma zum Qualitätssiegel umzuschmieden“, so der FAZ-Redakteur.

Degradieren wir die Silicon Valley-Aufschneider zu nützliche Idioten einer Ökonomie, die mehr Zugänge und Kompetenzen für wirtschaftliche Aktivitäten liefert. Soweit die Zusammenfassung meiner Gedanken, die ich in meiner The European-Kolumne und in einem längeren Beitrag für den Netzökonomie-Campus formuliert habe, der sich am 3. Mai mit dieser Thematik auseinandersetzt.

In Deutschland und Europa muss man Strategem-Kompetenzen aufbauen – nicht zu verwechseln mit Strategie.

„Strategem ist ein anderes Wort für ‚List‘. Unter Strategie verstehen Manager üblicherweise ‚langfristige Planung im Hinblick auf die grundsätzlichen Unternehmensziele‘, im Gegensatz zur Taktik im Sinne von kurzfristiger Ziele“, so der Sinologe Harro von Senger, ein Kenner der chinesischen Strategem-Lehre.

List wird in der westlichen Welt häufig mit Täuschung gleichgesetzt. Von dieser Verengung sollten sich westliche Führungskräfte lösen, fordert Senger und verweist auf die beste chinesische Umschreibung von List:

„Etwas Außergewöhnliches erzeugen, um den Sieg zu erringen.“

List ist also eine schlaue, außergewöhnliche verblüffende Problemlösung. Täuschung spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wenn sie zur Anwendung kommt, dann eher als Bluff, wie beim Pokern.

In der Wirtschaftswissenschaft wird neben der Netzökonomie auch dieses Thema völlig ausgeblendet, obwohl die Wirtschaft ein idealer Nährboden für die Anwendung von Strategemen ist wegen der zahlreichen Informations-Asymmetrien und der zunehmenden Unordnung des wirtschaftlichen Geschehens durch digitale Innovationen. Bei den Apologeten einer Theorie des rationalen Verhaltens gibt es keinen Platz für listenreiches Handeln.

Was könnte von den 36 Strategemen im Wettbewerb mit den kalifornischen Technologie-Konzernen zur Anwendung kommen? Beispielsweise das Strategem Nr. 7: Aus einem Nichts etwas erzeugen.

„Das Nichts ist kein Vakuum, sondern zum Beispiel eine Mücke, aus der man einen Elefanten macht oder eine verrückte Idee, die sich als Goldgrube erweist“, erläutert Senger.

Es gehe dabei vor allem um einen Kreativitäts-Wettstreit. Man überflügelt die Konkurrenz dank kühner, in Leerräume der Forschung und Entwicklung vorstoßender Ideen und mit phantasievoll-schöpferischem Vorausdenken anstelle eines Nachdenkens, das sich nur vom Alltagstrott treiben lässt.

„Weltübergreifende geistige Offenheit und vernetzendes Denken sind gefragt“, fordert Senger.

Mit Harro von Senger werde ich wohl wieder mal ein Interview machen müssen. Was fällt Euch denn an Strategemen ein, die man im Wettbewerb mit Google, Facebook, Apple und Co. zur Anwendung bringen könnte? Wir können das gerne auch in Live-Hangouts diskutieren. Meldet Euch einfach bei mir. Entweder via E-Mail: gunnareriksohn@gmail.com oder über die Kommentarfunktion des Blogs.

Ob Klagen ausreichen als Vademecum gegen die „Silicon Valley-Weltherrschaft“? Wohl eher nicht.

Die Digitalisierung selbst ist nicht das Problem.

Wir Abgehängten – Plädoyer für eine Managementwende.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz: Was Google-Hangout von #Meerkat und #Periscope lernen kann

Livesteaming für jedermann
Livesteaming für jedermann

Was habe ich mir in den vergangenen Jahren die Finger wund geschrieben über die Möglichkeiten im Netz, auch die letzte massenmediale Bastion zu stürmen: Live-TV. Mein Favorit war dabei der Google-Dienst Hangout on Air, der nach wie vor die meisten Möglichkeiten für die Graswurzelrevolution der TV-Autonomen bietet. Nicht nur Einzelübertragungen, sondern Liveschalte mit mehreren Teilnehmern, Einspieler, Außenreportagen, Livestreaming via Drohnen, Greenscreening, Youtube als virtueller Rekorder für die Anschlusskommunikation im Netz, verschiedene sinnvolle Apps wie die Hangout-Toolbox und vieles mehr.

Den Hintern hat Google mit Hangout on Air nie so richtig hoch bekommen. Das liegt wohl an der engen Bindung mit Google Plus – eher ein träges Social Web-Grab. Die Frage-Button über die Google Plus-Eventseite ist beschaulich, Interaktionen laufen eher über Hashtags, die man über Twitter einfängt. Größtes Manko: Die Hangout-App für mobile Geräte, mit der man Livestreams mobil nicht starten kann. Google sollte hier schnellstens nachbessern und den gesamten Hangout-Kosmos von Google Plus abtrennen und als eigenständige Anwendung etablieren. Sonst werden Apps wie Meerkat und Periscope das Rennen machen, wie Richard Gutjahr in einem Blogbeitrag eindrücklich skizziert hat: Realtime-Journalismus – Livestream ist der neue Mainstream.

Livestreaming-Apps für die TV-Autonomen
Livestreaming-Apps für die TV-Autonomen

Sein Credo: Livestreaming-Apps werden die Art und Weise verändern, wie wir die Welt sehen.

„Nachdem Periscope nun live und damit in den Händen von Zigtausend Early Adoptern rund um den Globus ist, muss ich mich korrigieren: Der Wandel ist noch um einiges radikaler, als ich mir das hätte vorstellen können.“

Richard dokumentiert das am Beispiel der Gasexplosion im New Yorker East Village. Schnelle Smartphone-Reportagen sind der aufwändigen Berichterstattung deutlich überlegen. Die beste Berichterstattung am Tag des Gas-Unglücks sei nicht von einem traditionellen Fernsehsender gekommen.

„Auch nicht von einem erfahrenen TV-Reporter. Er stammt von einer engagierten Mitarbeiterin von Mashable, einer Tech-lastigen Nachrichten-Website, die heuer ihr 10jähriges Bestehen feiert. Die Reporterin begnügt sich an diesem Tag nicht etwa mit einem einzigen Livestream. Weil Periscope noch neu ist und viele Mashable-Leser sich gerade erst mit Meerkat angefreundet haben, bringt sie es tatsächlich fertig, mit zwei (!) iPhone 6 Plus (!!) in den Händen durch die Straßen von Manhattan zu laufen um dabei live zu kommentieren, was sie sieht.“

Während der TV-Reporter an seinen Ü-Wagen gefesselt sei und sich nur wenige Meter von seiner Standup-Position entfernen darf, konnte die Mashable-Reporterin frei herumlaufen.

„Durch diese subjektive Kameraperspektive habe ich zeitweise sogar das Gefühl, als liefe ich selbst mit ihr durch die Straßen von Manhattan, ein bisschen so, wie in einem Computerspiel.“

Was Journalisten aus diesem Fallbeispiel lernen können, hat Richard ausführlich dargelegt. Das muss ich hier nicht wiederholen. Wenn Ihr auf ichsagmal.com in der Suchfunktion Livestreaming, Ü-Wagen, Jedermann-TV oder TV-Autonome eingebt, werdet Ihr mit weiteren Blogpostings überschüttet.

Meerkat

Heute Nachmittag um 16 Uhr werde ich Hangout on Air und Meerkat bei der Live-Übertragung wieder im Doppelpack einsetzen.

Der Erdmännchen-Dienst gefällt mir übrigens besser als Periscope. Mehr Zuschauer, bessere Chatfunktion und mehr Interaktion. Aber Periscope ist ja erst seit wenigen Tagen auf dem Markt. Da wird sich noch einiges ändern. Auch bei der Frage Hochformat versus Querformat.

Aus aktuellem Anlass habe ich mal das komplette neunte Kapitel des gemeinsam mit Hannes Schleeh verfasstung Livestreaming-Opus (erschienen im Hanser-Verlag) auf Medium.com veröffentlicht.

Man hört, sieht und streamt sich im Netz 🙂

Doppelter Livestream mit #Meerkat und #HangoutonAir – Autorengespräch zum #Innovationsstau in Deutschland mit @staeudtner

Wie setzen sich Innovationen durch?
Wie setzen sich Innovationen durch?

Zur neuen Livestreaming-App Meerkat, die eng gekoppelt ist mit Twitter, gab es höchst unterschiedliche Reaktionen: Alter Hut, schlecht gemacht, neuer Stern am Social Web-Himmel, warum keine Archivierung, bislang nur sinnlose Spontan-Livestreams, bescheuerte Hochkant-Videos oder smarte Interaktions-Plattform für Bewegtbilder – so ungefähr kann man die Kommentare in den vergangenen Tage zusammen fassen.

Beim heute startenden Digital-Festival South by Southwest im texanischen Austin planen die Meerkat-Macher den großen Wurf:

„Wir bauen eine spezielle Seite, die aus drei Komponenten besteht: Es wird ein Line-up geben, wo jeder sehen kann, wer zur Konferenz geht und Meerkat nutzt. Dann werden wir die Top 10 der geplanten Meerkat-Sessions auflisten. Und dann kann man sich noch anzeigen lassen, welche Meerkat-Livestreams die meisten Interaktionen haben. Also die meisten Zuschauer, die meisten Kommentare“, erläutert Ben Rubin im kress.de-Interview.

Meerkat ist ein sehr flüchtiges Medium für die Twitter-Echtzeitkommunikation. Roman Rackwitz brachte mich bei seinem Livestreaming-Test mit dem Erdmännchen-Dienst auf die Idee, die synchrone Ausrichtung mit einem asynchronen Dienst zu koppeln. Ich werde also heute um 11 Uhr das Autorengespräch mit Jürgen Stäudtner über sein neues Buch „Innovationsstau“ mit Hangout on Air UND Meerkat live streamen.

Beim Live-Hangout habe ich ja den virtuellen Rekorder namens Youtube im Rücken, was den eigentlichen Vorteil der Anwendung ausmacht, bei Meerkat habe ich die enge Anbindung an mein Twitter-Netzwerk.

Kommentieren kann man also entweder über den Frage-Button der Google Plus-Eventseite oder über den Chat von Meerkat. Mal schauen, bei welchem Dienst die Interaktionen und die Aufmerksamkeitsspirale besser laufen. Man hört und sieht sich gleich im doppelten Livestream 🙂

Was macht die #Cebit15 eigentlich nachts? Über die Live-Hangouts in der #Mittelstandslounge in Halle 5

Live-TV leicht gemacht
Live-TV leicht gemacht

Was macht Ihr Messestand eigentlich nachts? Diese Frage haben wir (Hannes Schleeh und icke) auf der Cebit 2013 zum ersten Mal von Sascha Stoltenow gehört und waren fasziniert von den möglichen Antworten, die wir darauf mit dem Livestreaming-Dienst Hangout on Air bei gleichzeitiger Youtube-Aufzeichnung geben könnten. Hannes war 15 Jahre lang für die Messeauftritte der Maschinenring-Organisation zuständig und kennt die Probleme eines Messeverantwortlichen sehr gut.

So ein Event ist immer eine riesige Aktion für Firmen, Verbände und Brancheninitiativen. Für Standkonzepte, Miete, Personal, Programme, Info-Material, Getränke und Snacks müssen einige Euros investiert werden. Häufig verpufft das Gebotene direkt nach dem Schlusstag. Vorträge werden nicht dokumentiert, Videos erscheinen erst weit nach dem Ende der Messe und Interessenten, die aus zeitlichen Gründen den Stand nicht besuchen konnten, bekommen überhaupt nichts mit. Mit Live-Hangouts, die das gesamte Messegeschehen ins Netz senden, kann man das mit einem mobilen Studio ändern. Über die Google Plus-Eventseite ist es möglich, bereits im Vorfeld auf das Messe-Programm aufmerksam zu machen und personalisierte Einladungen auszusenden. Die Videos lassen sich mit dem Einbettungscode in Websites und Blogs spielend leicht einbetten und liegen nach der Livesendung direkt als Konserve vor.

UND ACTION!
UND ACTION!

Welche Wirkung das haben kann, demonstrierte Hannes auf der Agritechnica: Ziel der Hangouts war es, den noch unentschlossenen Landwirten mit Livebildern an den ersten noch exklusiven Tagen eine Entscheidungshilfe für den Messebesuch zu geben. Mit kleinstem und ultramobilem Equipment war das Streaming-Team für den Kanal AGRITECHNICA.TV auf dem Messegelände in Hannover unterwegs:

„Die Sendungen fanden im Stundentakt statt und wurden direkt auf der Startseite der Messe http://www.agritechnica.com eingestellt. Schon nach 3 Tagen hatten die Youtube-Clips zusammen über 20.000 Klicks erreicht“, schreibt Hannes Schleeh.

Messemarketing mit bewegten Live-Bildern werde immer wichtiger, aber auch einfacher:

„Wo früher riesige Übertragungswagen mit mannshohen Satellitenschüsseln und enorm teures Equipment im Einsatz waren, genügt heute ein schneller Internetzugang über LAN, WLAN oder LTE, um die Livebilder ins Internet zu streamen.“

Das kann man übrigens alles in unserem Livestreaming-Opus nachlesen, erschienen im Hanser Verlag.

Auf der diesjährigen Cebit sind meine Planungen ähnlich ambitioniert. Mehr dazu in meiner Meldung: INNOVATION, INFORMATION, INSPIRATION UND TRANSPIRATION FÜR DIE D!CONOMY: VOLLES PROGRAMM IN DER #CEBIT15 #MITTELSTANDSLOUNGE HALLE 5.

Zwischen den schon festgelegten Sessions können wir übrigens gerne noch spontane Interviews machen. Rechtzeitig melden – am besten mobil: 0177 620 44 74.

Man hört und sieht sich in Halle 5 auf der Cebit. Ihr kommt doch vorbei, oder? Aber bitte tagsüber. Nachts wäre mir das doch ein wenig zu anstrengend mit den Live-Übertragungen.

Was hat Livestreaming mit der Piratenpartei zu tun? Nüscht! #SocialTV

Social TV-Show mit Sarah Wiener
Social TV-Show mit Sarah Wiener

Livestreaming ist nach Ansicht von Nico Lumma eine völlig falsch verstandene Art der Transparenz, eines der vielen Irrtümer, die aus dem Umfeld der Piratenpartei hervorgegangen sei:

„Der kleine Bruder des Livestreaming ist übrigens die Twitterwall, die ich auch für völlig schwachsinnig halte. Ich glaube nicht, dass alles, was wir machen, live gestreamt werden muss. Und ich glaube auch nicht, dass wir in Echtzeit auf alles antworten müssen, nur weil es theoretisch ginge. Natürlich finde ich es erstrebenswert, die Teilhabe zu verbreitern, weswegen ich Vorträge durchaus live streamen würde. Nicht aber Diskussionsveranstaltungen. Sobald eine Kamera läuft, verändert sich die Dynamik einer Veranstaltung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versuchen dann so zu sprechen, dass es kameratauglich ist. Das wird dann ungefähr so spannend wie das gegenseitige Verlesen von Pressemitteilungen, denn alle Teilnehmer greifen auf Textbausteine zurück. Das wird noch schlimmer, wenn man gleichzeitig eine Twitterwall im Blick haben soll, denn Sprechen, Lesen, Zuhören und Denken ist ganz schön viel auf einmal. Da sorgt der Ruf nach Transparenz schnell für eine Fassade aus Worten, die dann auch niemandem wirklich weiterhilft“, schreibt Nico.

Als Livestreaming-Enthusiast muss ich darauf natürlich eine Antwort geben. Es macht sicherlich keinen Sinn, Hintergrundgespräche ins Netz zu übertragen oder einfach nur die Kamera aufzubauen und ohne Konzept live zu streamen. Bei Diskussionsveranstaltungen macht es durchaus Sinn, wenn im Vorfeld die Einbindung der Netzöffentlichkeit das erklärte Ziel des Formats ist. Also die Kommunikation für Abwesende zu erreichen. Ich habe es in den vergangenen Jahren seit dem Start des Livestreaming-Dienstes Hangout on Air noch nie erlebt, dass Teilnehmer verkrampft oder gekünstelt wirkten, weil eine Kamera eingeschaltet war. Bei jedem öffentlichen Gespräch oder Vortrag entsteht etwas Nervosität und Lampenfieber bei den Protagonisten – ob mit oder ohne Kamera.

DAS ENTSCHEIDENDE IST DIE MODERATION.

Ich habe allerdings schon unendlich viele Podiumsdiskussionen ohne Livestreaming erlebt, die stinklangweilig waren. Teilnehmer stellen sich vor, bekommen offene Fragen und können ihr übliches Pensum herunterleiern. Ein Wettstreit der Ideen und Gedanken findet da selten statt. Mit dem Transparenz-Credo der Piratenpartei haben die Möglichkeiten für Jedermann-TV nun überhaupt nichts zu tun. Ich sehe die Vorteile von Diensten wie Hangout on Air in der Verbindung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Während der Liveübertragung ist der Dialog mit den Zuschauern möglich und danach steht die Geschichte als Youtube-Konserve für die Ewigkeit zur Verfügung. Ohne zeitaufwändige Postproduktion.

Wichtig sind die Formatideen, die im Vorfeld mit allen Beteiligten entwickelt werden müssen. Nicht jede Keynote oder Diskussionsrunde eignet sich für die Liveübertragung ins Netz. Da macht man halt Vor- oder Nachberichte, Einzelinterviews in der Pause, kurze Reportagen und dergleichen mehr. Mit Kai Rüsberg habe ich das ja zur Generalversammlung der GLS Bank in Bochum unter Beweis gestellt.

Es ist doch blöd, mit großem Aufwand eine Veranstaltung zu planen mit interessanten Gästen sowie einem tollen Auditorium und dieses Event wie eine Eintagsfliege zu behandeln. Wer öffentliche Wirksamkeit erreichen will, sollte die Kommunikation nicht auf die Anwesenden beschränken. Man kann beides machen. Die Zusammenkunft an einem Ort hat eine ganz besondere Qualität und ermöglicht viele Gespräche, die in der virtuellen Welt nicht möglich sind. Da stimme ich Nico zu.

Die virtuellen Gesprächsrunden wiederum bringen Begegnungen und Inspirationen, die in der realen Welt nur mit großen Aufwand zu realisieren sind. Als TV-Autonomer arbeite ich weiter fleißig an interessanten Livestreaming-Formaten. Man hört und sieht sich beim nächsten Live-Hangout.

Alles so viral hier: Wird Facebook das neue Youtube? – Thema bei #Bloggercamp.tv ab 20:15 Uhr

Facebook greift Youtube an
Facebook greift Youtube an

Facebook hat in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im „Welt“-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten. Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft“, so Mendelsohn.

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zurzeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social-Web-Primus

So habe der Social-Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegtbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank-You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen. Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernst zu nehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

AdWeek berichtet von Budweiser, McDonald’s und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort Youtube-Links zu teilen.

Es geht um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft und hier wollen sich Youtube und Facebook ein großes Stück vom Kuchen sichern. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von Youtube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Noch hat allerdings Youtube die Nase vorn und die Video-Funktionen bei Facebook sind nicht wirklich smart, wie Marco Jahn konstatiert:

„Facebook fehlt leider noch einiges, um als Videoplattform zu taugen. Die Zahlen der Reichweite und Views sind gut, aber leider ist das Video nach einem Tag in den Tiefen der Timelines verschwunden. Des Weiteren lassen sich die Videos nicht gut außerhalb von Facebook verbreiten. Wir setzen für das Video-Marketing der Bundeswehr immer noch auf YouTube und haben dort jeden Monat über eine Million Views. Facebook-Videos setzen wir nur in Einzelfällen ein.“

Genug Stoff für unsere Bloggercamp.tv-Runde.

In der Sendung diskutieren: Roland Eisenbrand, Online Marketing Rockstars; Jannis Kucharz, netzfeuilleton.de; Marco Jahn, Freelancer; Gerhard Schröder, KreativeKK; Constantin Sohn, Informatikstudent und Gaming-Redakteur.

Die Moderation mache ich heute alleine, daher für Zwischenrufe während der Liveübertragung bitte nur die Frage-Antwort-Funktion von Google Plus einsetzen. Auf Twitter und Co. werde ich während der Sendung nicht schauen. Rechts oben auf Fragen-Button gehen, dann öffnet sich rechts das Fenster, um Beiträge posten zu können.

Die Anti-Google-Koalition der Besitzstandswahrer: #DigitaleAgenda verdient eine Abwrackprämie #Bloggercamp.tv

Industriemuseum

Nico Lumma hat in einem lesenswerten Appell die Anti-Google-Schwätzer dazu aufgerufen, den Suchmaschinen-Konzern nun endlich zu zerschlagen und darüber nachzudenken, dass eine Firma, gegründet von zwei Doktoranden vor 16 Jahren, so schnell so groß und so wichtig werden konnte für die Nutzer auf dieser Welt, dass ihr sie zerschlagen wollt.

„Und dann stellt Euch mal ein paar einfache Fragen: warum ist keine deutsche Firma so groß wie Google? Warum ist keine französische Firma so groß wie Google? Warum kommt abgesehen von MP3 kein Standard der digitalen Welt aus Deutschland (den allerdings erst Apple zur Entfaltung brachte – die Musikindustrie war dafür zu blöd, gs)? Warum kommt keine nennenswerte digitale Technologie aus Deutschland? Warum haben wir so wenig Glasfaserausbau in Deutschland, dass wir noch nicht mal auf den europäischen Vergleichsstastiken verzeichnet werden? Warum sind unsere Schulen immer noch ein Hort der Technologiefeindlichkeit? Warum haben junge Leute kaum Interesse an der digitalen Wirtschaft? Wo Ihr doch neuerdings immer erzählt, dass das Digitale so wichtig sei und dass dort die Jobs der Zukunft entstünden! Vielleicht gibt es dann ja, in diesem vermutlich seltendem Moment der Reflexion, bei Euch Silberrücken dieses Landes, die einfache und brutale Erkenntnis, dass Ihr es mit Ansage absolut verkackt habt, auch nur annähernd die richtigen Schritte in den letzten 20 Jahren umzusetzen! Stattdessen wartet Ihr immer noch auf den einen, optimalen Moment, um den Hebel umzulegen und dann eine digitale Denke an den Tag zu legen. Stattdessen zögert ihr immer noch, endlich zu investieren! Stattdessen wollt ihr immer noch nur kleine Änderungen, damit ja niemand überfordert wird! Stattdessen murmelt ihr immer noch ‚das ist doch alles nicht vergleichbar‘ und macht weiter wie bisher. Während sich die Welt verändert. Während sich die Welt immer schneller verändert. Und immer digitaler wird. Und Ihr immer weniger versteht, was eigentlich passiert.“

Die alten Männer dieser Nation – die sich dann einmal im Jahr auf dem IT-Gipfel die Canapés in den Mund stopft – verharren in den Denkmustern der 70er und 80er Jahre. Eigentlich hat sich seit den 60er Jahren nichts geändert. Statt uns in weiteren industriepolitisch motivierten Abwehrschlachten die Zeit zu verplempern, sollten wir in Deutschland ordnungspolitische Akzente setzen, um uns von den Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945″ ausdrückt. Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten? Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, „dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt.

Zerschlagt doch Google.

„Und zeigt damit allen, dass Ihr die Zukunft dieses Landes, dass Ihr die Zukunft Europas in den letzten Jahren fahrlässig aus der Hand gegeben habt, weil ihr Euch nicht darum gekümmert habt, wie sich die Digitalisierung der Gesellschaft, wie sich die Digitalisierung der Wirtschaft, wie sich die Digitalisierung aller Lebensbereiche immer rasanter entwickelt! Zeigt, dass Ihr Angst habt vor Veränderungen und Euer Heil in der Besitzstandswahrung sucht“, so Lumma.

Die digitale Agenda der Bundesregierung verdient eine Abwrackprämie. Darüber wollen wir heute Abend ab 20:15 Uhr bei #Bloggercamp.tv sprechen.

Siehe auch:

VERNETZTE ÖKONOMIE BETRIFFT ALLE – WISSENSCHAFT, WIRTSCHAFT UND POLITIK VERSAGEN BEI DER DIGITALEN TRANSFORMATION.

DAS DIGITALE-AGENDA-GEHEIMNIS: WAS ERFOLGREICHE INTERNET-STAATEN ANDERS MACHEN.

Facebook, Youtube und der Kampf um den Bewegtbild-Markt – Warum Video-Sternchen verglühen und die Werber wieder jubeln könnten

subtile Jagd Mark Zuckerberg 053

Bislang redet jeder nur über Youtube, wenn über die Revolution des Bewegtbildes sinniert und der Niedergang des linearen Fernsehens prognostiziert wird. Da kommen dann die Youtube-Sterne und Sternchen zu Wort mit ihren fantastischen Abo-Zahlen, da wird ehrfürchtig von der Fanbase eines Sami Slimani berichtet, der mit Must-Haves über Augencreme, Duftkerzen, gesunden Eisrezepten und Motivations-Aphorismen für Schlagzeilen sorgt:

„Das Leben ist etwas Besonderes & unsere Zeit auch. Machen wir das Beste daraus.“ Oder: „Das Leben ist wie Hunger Games. Wer nicht kämpft, verliert.“

Danke, mein liebwertester Livesaver-Gichtling für diese lebensklugen Ratschläge, die irgendwie mein Leben verändern werden. Die Produzenten und Vermarktungs-Gurus des Youtube-Spektakels wie Mediakraft-Geschäftsführer Christoph Krachten träumen schon davon, größer als große Fernsehanstalten zu werden.

„Y-Titty, die Spaßvideofranken und mit drei Millionen Abos größten Zugpferde bei Mediakraft, verlassen das Haus ohnehin nur noch durch den Hinterausgang“, schreibt Wired, um nicht von kreischenden Fans in gut organisierten Schichten vor dem Haupteingang in den Wahnsinn getrieben zu werden.

So etwas nervt ja auch wirklich auf die Dauer. Mit zur Zeit rund 400 Millionen Views im Monat zählt das deutsche Youtube-Netzwerk Mediakraft auf der nach oben offenen Skala zu den Schwergewichten der Youtube-Szene.

Böhmermann erledigt Youtube-Stars

Mark Zuckerberg könnte den nuschelnden Strahlemann Slimani und viele andere Youtube-Macher wieder auf den Boden der Tatsachen reißen, wenn das vorher nicht schon Jan Böhmermann erledigt hätte.

Facebook hat jedenfalls in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im Welt-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten.
Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft.“

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zur Zeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social Web-Primus

So habe der Social Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen https://www.facebook.com/gsohn/posts/10204198849583760/ . Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernstzunehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

„AdWeek berichtet von Budweiser, McDonalds und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort YouTube-Links zu teilen“, so Kucharz.

Spannend ist auch das neue Format des US-Senders ABC, das exklusiv auf Facebook läuft. In zwei Minuten berichet Anchorman David Muir über die Geschehnisse des Tages.

„The One Thing“ heißt die Sendung, deren erste Folge bereits über 100.000 Mal bei Facebook angeklickt wurde, berichtet Meedia.

Die Facebook-Strategie zahlt sich bislang aus. Bis zum Oktober 2014 konnte der Konzern seine Unique Viewers um 10 Millionen steigern, erklärt Jan Firsching von Futurebiz. YouTube muss einen Verlust von rund 2,5 Millionen verbuchen. Der Abstand zwischen beiden Konkurrenten ist noch groß, aber der Vorsprung von Youtube schmilzt. Facebook wird mit seiner Video-Politik nicht am Status quo festhalten und weitere Verbesserungen für Bewegtbild-Produzenten bieten, schließlich geht es um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von YouTube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Wer wird dann noch über die nuschligen Creme-Tipps von Slimani reden?

Ob Facebook zum neuen Youtube wird, wollen wir in der nächsten Woche bei Bloggercamp.tv erörtern.

Wer als Talkgast dabei sein möchte, kann sich bei mir melden. Böhmermann versus Slimani wäre doch eine fantastische Konstellation.

In unserer kleinen Show mit dem Google-Dienst (!) Hangout on Air gelten ja Barcamp-Prinzipien. Also meldet Euch.

Wenn sich jetzt noch die Marketing-Politik vieler Firmen vom Einwegkommunikations-Modus auf Facebook verabschieden würde, könnte noch mehr Dynamik im Wettbewerb der sozialen Netzwerke entstehen.

Von so einem Erfolg kann Facebook bislang nur träumen:

We never thought a video would be watched in numbers greater than a 32-bit integer (=2,147,483,647 views), but that was before we met PSY. „Gangnam Style“ has been viewed so many times we have to upgrade!

Spannendes Projekt: Wire – Die Macher von Skype starten neue Kommunikationsplattform.

Für hausgemachte Geschäftsprobleme ist nicht das Kartellrecht zuständig #Google #EUParlament #Bloggercamp.tv

Die digitalen Verlierer klagen über Google. Mal klagt der stationäre Einzelhandel über die vermeintliche Allmacht von Amazon mit weinerlichen Statements über den Smartphone-Beratungsklau, kleistert Schaufenster mit schwarzen Pappen zu und verweist auf die so wunderhübsche Urbanität auswechselbarer Fußgängerzonen mit dem Flair von bepissten Blumenkübeln. Mal wettert der Datenschutz-Deichgraf über die tückische Herrschaft von Facebook und erklärt jedem Like-Button in Ostfriesland den Krieg. Und immer wieder muss Google als Projektionsfläche für aufgeregte Jägerzaun-Hausmeister, besorgte Bürgermeister, zerknirschte Verleger, analoge Gestern-Manager und fürsorgliche Kindermädchen-Politiker herhalten, um uns Internet-Nutzer vor dem Fegefeuer des teuflischen Suchmaschinen-Giganten zu bewahren.

Schaut man sich die Koalition der Google-Heulsusen an, entdeckt man sehr viele Parallelen zu den Leistungsschutz-Gichtlingen, die sich durch Schutzrechte noch ein Weilchen über Wasser halten wollen, mit freundlicher Unterstützung der politischen Klasse in Berlin und Brüssel.

Jeff Jarvis hat die Chronologie der Absurdität in einem Beitrag für Zeit Online sehr schön zusammengefasst:

„1. Zunächst wurde ein Leistungsschutzrecht entworfen, um Google et al. zu verbieten, kurze Textausschnitte der Verlagsinhalte zu zitieren.
2. Anschließend wurde das Gesetz überarbeitet, um diese sogenannten Snippets zu erlauben.
3. Nichtsdestotrotz verklagten die Verleger Google für die Verwendung von Snippets und forderten von Google elf Prozent der dadurch erwirtschafteten Einnahmen.
4. Google kündigte an, keine Snippets der klagenden Verleger mehr zu zeigen.
5. Daraufhin warfen besagte Verleger Google vor, sie mit der Entfernung der Snippets erpressen zu wollen, die die Verleger ihrerseits ja nutzten, um Google zu erpressen.
6. Beamte verspotteten die Verleger vor dem Kartellamt.
7. Die meisten Verleger kapitulierten, weil sie auf den Traffic von Google angewiesen sind.
8. Springer verweigerte Google die Erlaubnis, kostenlos Auszüge aus der Welt und drei weiteren Angeboten zu publizieren, genehmigte aber Snippets seiner Supermarke Bild.
9. Springer gestand ein, zu viel Datenverkehr von Google zu verlieren, kapitulierte schließlich und argumentierte, dies beweise nur Googles erdrückende Marktmacht. Die Verleger haben sich selbst, ihre Branche und ihr Land erfolgreich lächerlich gemacht.“

Was als digitales Trauerspiel von Verlegern wie Matthias Döpfner und hoffnungslos überforderten Politikern wie Sigmar Gabriel gestartet wurde, breitet sich nun in der Europäischen Union aus. Auch im EU-Parlament schließt man sich den deutschen Zerschlagungsforderungen an, um den amerikanischen Konzern an die kurze Leine zu nehmen. Vielleicht lässt sich ja auch die NATO motivieren, Barrieren gegen den Suchmaschinen-Giganten aus Mountain View zu errichten – quasi als humanitäre Intervention. Würde doch zum erweiterten Sicherheitsbegriff des westlichen Militärbündnisses passen. Ein Blick in das Wettbewerbsrecht könnte allerdings nicht schaden.

„Marktbeherrschung ist nicht illegal und einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Google muss man erst einmal nachweisen“, sagt Professor Justus Haucap, ehemaliges Mitglied der Monopolkommission, im ichsagmal-Gespräch.

Stellt man den Missbrauch der Marktmacht eindeutig fest und kommt es zu einer Entflechtung von Google, bleibt zu prüfen, ob es auch den Interessen der Verbraucher dient. Werden die Dienste sowie Inhalte von der generischen Suche abgetrennt, könnte es bei der Suche zu Nachteilen für Nutzer kommen. Es ist nach Ansicht von Haucap keinesfalls vorteilhaft, Informationen nicht mehr direkt angezeigt zu bekommen – etwa Wetterberichte oder Aktienkurse. Würde man eine Entflechtung verfügen, hätte Google zwei Möglichkeiten. Man verkauft Dienste wie YouTube und Maps – was höchst unwahrscheinlich ist – oder man bietet diese Dienste in einfach nicht mehr an.

Wenn es um Suchfunktionen geht, bleiben zudem noch Abgrenzungsfragen zu klären.

„Darf ich bei Amazon noch nach Büchern suchen oder ist das dann auch eine Suchmaschine? Für mich ist Amazon eine Suchmaschine. Wenn ich etwas über ein Buch wissen will, dann komme ich nicht auf die Idee, bei Google nachzuschauen“, betont Haucap.

Interessen der Verbraucher

Der Wirtschaftswissenschaftler hält die Entflechtung oder gar Zerschlagung von Google juristisch für nicht angemessen. Man würde viele Innovationsanreize kaputtmachen. Wichtiger sei Transparenz, die Google erfüllen muss. Andere Ideen, wie die Schaffung einer europäischen Suchmaschine, die von Chirac bis zum „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher ernsthaft erwogen wurde, hält der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie für lächerlich. Da würde man ein politisches Monstrum schaffen. Als Aufsichtsgremium würde sich so eine Art Rundfunkrat mit gesellschaftlich relevanten Gruppen anbieten, die über politisch opportune Linkergebnisse entscheidet – etwa bei der Einhaltung von Anti-Raucher-Kampagnen oder der Unterstützung von veganer Lebensweise. Ähnlich abstrus würde es in einer Google-Regulierungsbehörde ablaufen.

„Der Suchmaschinen-Konzern nimmt jährlich ungefähr 500 Änderungen des Suchalgorithmus vor. Das ist für mich eine Grusel-Vorstellung, wenn hier eine Behörde vorgeschaltet wird. Dann werden wohl Genehmigungen erst mit mehreren Jahren Verspätung erteilt“, meint Haucap.

Und wie steht es mit der personalisierten Suche. Führt die zur Diskriminierung von Konkurrenten? Es wäre ziemlicher Schwachsinn, wenn man das Stichwort Fußball eingäbe und weltweit die gleiche Trefferliste angezeigt würde, obwohl Google aus der Suchhistorie des Wettbewerbsökonomen weiß, dass er Fan von St. Pauli ist und entsprechende Suchergebnisse ganz weit oben angezeigt werden.

Geht es in den Beschwerden gegen Google wirklich um Verbraucherinteressen oder klagen vor allem jene, die unter der besseren Geschäftsstrategie des Silicon-Valley-Riesen leiden? Für hausgemachte Probleme ist das Kartellrecht nicht zuständig. In den Kartellverfahren geht es nicht um die Geschäftsinteressen von wetter.com, Axel Springer, finanz.net oder auswechselbare Vergleichsportale, die sich beim Anblick von Google in die Hose machen. Es geht um die Interessen der Verbraucher.

Siehe auch:

Die Sache mit dem Zerschlagen von Google. Nico Lumma hat eine schöne Steilvorlage für die Bloggercamp.tv-Sendung am Mittwoch geliefert:

„Denkt mal darüber nach, wie es passieren konnte, dass eine Firma, gegründet von zwei Doktoranden vor 16 Jahren so schnell so groß und so wichtig werden konnte für die Nutzer auf dieser Welt, dass ihr sie zerschlagen wollt! Und dann stellt Euch mal ein paar einfache Fragen: warum ist keine deutsche Firma so groß wie Google? Warum ist keine französische Firma so groß wie Google? Warum kommt abgesehen von MP3 kein Standard der digitalen Welt aus Deutschland? Warum kommt keine nennenswerte digitale Technologie aus Deutschland? Warum haben wir so wenig Glasfaserausbau in Deutschland, dass wir noch nicht mal auf den europäischen Vergleichsstastiken verzeichnet werden? Warum sind unsere Schulen immer noch ein Hort der Technologiefeindlichkeit? Warum haben junge Leute kaum Interesse an der digitalen Wirtschaft? Wo Ihr doch neuerdings immer erzählt, dass das Digitale so wichtig sei und dass dort die Jobs der Zukunft entstünden! Vielleicht gibt es dann ja, in diesem vermutlich seltendem Moment der Reflexion, bei Euch Silberrücken dieses Landes, die einfache und brutale Erkenntnis, dass Ihr es mit Ansage absolut verkackt habt, auch nur annähernd die richtigen Schritte in den letzten 20 Jahren umzusetzen! Stattdessen wartet Ihr immer noch auf den einen, optimalen Moment, um den Hebel umzulegen und dann eine digitale Denke an den Tag zu legen.“

Genügend Stoff für unsere Diskussion am Mittwoch, um 20:15 Uhr.

Und selbst der angeblich so allmächtige Konzern Google kann keine goldenen Eier legen: „I fucked up“: Google+-Chefdesigner schimpft öffentlich über das gescheiterte Netzwerk.

Vom ewigen Katzenjammer der Netzbetreiber – Staatseingriffe statt Innovationen

Drosseln und staatliche Regulierung, mehr fällt der Telekom wohl nicht ein
Drosseln und staatliche Regulierung, mehr fällt der Telekom wohl nicht ein

Wenn ich das Jammern der Telekommunikationsbranche über Google und Co. höre – kombiniert mit Forderungen nach staatlichen Restriktionen – muss ich an einen Vortrag denken, den ich vor einigen Jahren auf der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare gehalten habe. An Aktualität hat er eigentlich nichts verloren: Erinnert sich noch jemand an die erste Versteigerung der UMTS-Lizenzen zur Jahrtausendwende und die Jubeltöne der TK-Branche? Der Champagner-Laune folgte bald der Katzenjammer. 50,8 Milliarden Euro spielte die Vergabe der Mobilfunklizenzen in die Kasse des Bundes. Schon vier Jahre später wurde klar, dass die Netzbetreiber nicht in der Lage waren, die enormen Ausgaben wieder zu Geld zu machen. Trotz der „Alles-wird-gut-Kommentare“ zu UMTS auf der 3GSM Summit in Cannes waren die Zeichen nicht zu übersehen, dass die Hoffnungen auf Erfolge und Geschäfte mit UMTS im Grunde ad acta gelegt wurden. Bis 2006 hatten es die Netzbetreiber und auch die Hersteller nicht einmal geschafft, attraktive und leistungsfähige Endgeräte bereitzustellen. Betreiber und Hersteller zerhackten sich damals mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Wo lag die Ursache für das UMTS-Debakel? Es existierten keine überzeugenden Dienste, die mobiler Datenverkehr mit höheren Bandbreiten auf einem Handy oder Smartphone erfordern.

Als der große Run auf die UMTS-Lizenzen stattfand, träumte die Branche vom mobilen Surfen, Location Based Services und Navigationssystemen auf Smartphones, mobilem Payment und vielfältigem M-Commerce. Außer den eher wenig erfolgreichen Versuchen, den japanischen i-Mode Service auch in Europa zu platzieren, war jeder Versuch, werthaltigen Content bereit zu stellen, bereits schon in der Produktentwicklung steckengeblieben. Display-Logos und Klingeltöne stellten den einzigen mobilen Content dar, für den bezahlt wurde.

Die grundlegenden Probleme der 3G-Netze waren nicht technischer Natur. Es fehlten nutzerfreundliche Endgeräte, smarte Dienstprogramme und Marketingideen. Die gesamte Telekommunikation hat mit wenigen Ausnahmen nie Inhalte bereitgestellt, sondern immer als Transportmedium fungiert und damit ihre Profite erzielt. Die stolzen Geschäftsmodelle für UMTS basierten aber substantiell auf Erlösen für Content. Der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Subscriber im 3G-Netze wurde durchaus in Bereichen von 60 Euro und mehr angenommen. Das haben die Mobilfunker aber nie erreicht. Es zeichnete sich ab, dass genau das eintreten wird, wovor Experten schon vor Jahren gewarnt haben: Wenn die Mobilfunkbranche es nicht schafft, das Nutzerverhalten und damit auch die alltäglichen Gewohnheiten der Anwender in Richtung mobile Anwendungen zu modifizieren, wenn die Mobilität sich nicht in den täglichen Bedürfnissen der Anwender und in ihren Lebensprozessen wiederfindet, bleibt der Mobilfunk im bloßen mobilen Telefonieren stecken und somit weiterhin ein Transportmedium. Für den Durchbruch von werthaltigem Content und profitablem M-Commerce im Mobilfunkmarkt zählen nicht die technischen Features der Handys, sondern überzeugende Anwendungen, die schnell die kritische Masse im Markt erreichen und dann einen Anwendungs-Standard bilden. Hier hat das Marketing der Mobilfunkbranche versagt. Und was passierte dann? Dann kam der 9. Januar 2007. Apple-Chef Steve Jobs stellte der Öffentlichkeit einen Prototyp des iPhones auf seiner Macworld Conference & Expo in San Francisco vor. 

Erst ab diesem Zeitpunkt entfaltete sich das mobile Internet. Kleiner Auszug meiner Berliner Rede, um die Erinnerungslücken der Telcos zu füllen.

Eigentlich unfassbar, wie man die Innovationsträgheit der Netzbetreiber jetzt auch noch mit regulativen Eingriffen belohnen will: EU-Digitalkommissar Günther Oettinger will die Wechselmöglichkeit der Kunden von Netzbetreibern einschränken, um die Investitionen der Konzerne zu schützen.