Kollektive Intelligenz für den Aufschwung – Gute Zeiten für Innovatoren

Trendforscher Matthias Horx hat es bereits Ende vergangenen Jahres treffend geschrieben. Es beginnt eine neue Ära für Innovatoren. Nie waren die Chancen besser. Allerdings müssen wir uns abwenden von den klassischen Massenanwendungen, von der industriekapitalistischen Denkweise, vom Fordismus des vergangenen Jahrhunderts. „Alle unsere Kernbranchen – die Banken, die Automobilbranche, die Energiebranche, die Pharmaindustrie, die Medien – tun seit vielen Jahren immer nur das Gleiche. Sie verbessern ihr Marketing. Sie steigern den Absatz, weil die Märkte global geworden sind. Wirkliche Innovationen im Sinne von klugen, smarten intelligenten Lösungen: Mangelware“. Unternehmen und Branchen die sich nach wie vor so definieren, entwickeln sich zu den Stahlbranchen der kommenden Jahre und verschwinden vom Markt. „Alte Messlatten taugen halt nicht für Neuerungen“, schreibt der Strategieplaner Andreas Frank in seiner Studie „Deutschland ein Land der Innovatoren?“. 43 Prozent aller Geschäftsführer haben die Verantwortung für Innovationen schlicht wegdelegiert, etwa ans Marketing oder an die Personalabteilung. Fast ein Viertel erklärte ausdrücklich, vor lauter Arbeit keine Zeit für Innovationen zu haben. Schlimmer noch sind jene Firmenvertreter, die meinen, ohnehin schon produktiv genug zu sein.

„Basisinnovationen kommen daher eher von Außenseitern, Quertreibern oder sind Zufallsprodukte. Wir brauchen deshalb weniger Barrieren, weniger Restriktionen und weniger Steuerung“, fordert Dr. Johannes Bussmann von der Beratungsfirma Booz Allen. Die Ideen müssten bei wenigen generiert werden. Dafür müsse eine Kultur vorhanden sein, dass die Leute, die Ideen haben und mit den Ideen auch vorankommen. Man sollte sich generell von der Planungshybris verabschieden. Mit mechanistischen Dogmen kommt man in der Geschäftswelt nicht weit.

Die Voraussagbarkeit der Zukunft nimmt ab und unübersichtliche Ereignisse nehmen zu. Innovationen, neue Produkte, Märkte oder Trends lassen sich nur schwer prognostizieren und die Bedürfnisse der Verbraucher von heute sind kein aussagekräftiger Indikator für die Produkte von morgen. Wir brauchen Menschen, die Erwartungen durchbrechen und etwas tun, womit zuvor niemand gerechnet hat. Ein Innovator ist derjenige, der sieht, dass man in turbulenten Situationen mit einem stoischen Verhalten in Probleme gerät. „Der Wandel zu Neuem geschieht nicht kontinuierlich, sondern in Stufen. In der Wissenschaft nennt man das ‚Paradigmenwechsel‘, treffend und umfassend beschrieben von Thomas S. Kuhn in ‚Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen‘. Der wesentliche Zug seiner Theorie ist der diskontinuierliche Wandel von Methoden, Beschreibungen, Theorien und Erkenntnissen. Und genau dieser Wandel findet derzeit in der globalen Kommunikation statt, ein Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Internets: Die Art und Weise, wie wir künftig innovative Produkte und Dienstleistungen erfinden, hat sich schon gewandelt, und wird sich weiter in Richtung Cyberinnovation entwickeln“, glaubt Andreas Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba. Welche Cyberinnovationen werden das sein? Welche Außenseiter, Quertreiber und Erfinder sind bereits am Start? Das werde ich hier weiter berichten. Vielleicht habt Ihr ja Anregungen?

Obama im Amt und Sascha Lobo startet seinen Blog!

Das ist doch mal ein denkwürdiger Tag für einen Blog-Start von Sascha Lobo:
„Vielleicht ist der Tag, an dem Barack Obama vereidigt wird, ein besonders guter Tag, ein persönliches Blog zu beginnen. Eventuell fällt ein bisschen vom Glanz dieses Tages auf mich ab – ganz bestimmt wird aber bei der Inauguration das Weltpathosvorkommen auf Monate hinaus verbraucht werden, so meine lästige Neigung zu pathetischen Texten in der Startphase kaum auffallen wird“, schreibt Lobo und erhofft sich vor allem Inspiration für seine neuen Buchprojekte. Wenn die Zeit reif ist (irgendwann zwischen morgen und nie), möchte er Themen und Titel testen….“Vielleicht mache ich ein paar Abstimmungen. Dort draussen wollen viele Bücher geschrieben werden. Hier finde ich heraus, welche“, so Lobo. Wir werden sehen.

Knüwer, Don Alphonso und blühende Blog-Landschaften in Deutschland

Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer analysiert die deutsche Bloggerszene und sieht sehr viel Positives . So verweist er auf den neuen Blog von Don Alphonso, der unter dem Dach der FAZ unter dem Titel „Stützen der Gesellschaft“ über den Niedergang des Bürgertums sinnieren wird.

„Willkommen im Blog der besseren Gesellschaft oder dem, was heute davon übrig ist, in der finanziellen Sorglosigkeit und beim Klassenkampf von oben gegen Neureiche und andere Zumutungen, beim Niedergang von Religion und Stand, bei den Müttern aller Buffetschlachten und ihren Töchtern mit Ehekrisen, über die man nicht redet, wenn mehr als 10 Freundinnen zuhören, fahren Sie mit beim leicht illegalen Geldtransport in die Schweiz und zum Speckkauf nach Meran, seien Sie Gast beim großbürgerlichen Wertekanon und profitieren Sie von dessen Kleingedruckten, setzen Sie sich gefälligst gerade hin, bewundern Sie die Tischdecke und die Bücher, genießen Sie Tee und tantenmordende Torten von Goldrandgeschirr aus erfolgreichen Erbkriegen, und bemühen Sie im Gespräch nur angemessene Dünkel. Erkunden Sie eine Welt, in der die Stützen der Gesellschaft selbst Stützen brauchen, vom Kindermädchen über den Vermögensverwalter bis zum letzten, einsamen Schnaufer am Rollator in der Seniorenresidenz„, so die vielversprechende Ankündigung auf der Website der FAZ.

Spannend dürfte nach Ansicht von Knüwer auch werden, was aus Basic Thinking wird. „Rund 47.000 Euro hat also sein Server- und Web-Hosting-Unternehmen aus Köln hingelegt. Und es ist, wie ich finde, erstmal nicht so übel investiertes Geld. Denn für diese Summe hätte eine Firma mit – mit Verlaub und Entschuldigung an alle Server- und Web-Hosting-Unternehmen – solch einem vergleichsweise langweiligen Geschäftsfeld nicht diese Breitenwirkung in klassischen Medien erreichen können“, so Knüwer.

Zu seinen weiteren Favoriten zählen Weissgarnix oder der die sich in die Finanzkrise eingrabenden Querschüsse. „Auch der Journalistenschredder ist eine meiner subjektiven Entdeckungen 2008, ebenso der eigentlich über Medien schreibende Konsument Stefan Winterbauer. Und dann gibt es noch so hübsche, nicht auf Themen fokussierte Blogs wie Felis Wor(l)d„, resümiert Knüwer. Nicht fehlen in der Aufzählung darf der Blog Netzwertig – für ITK-Interessierte immer eine Fundgrube. Wenn es um politische Debatten geht, bringt die Achse des Guten immer wieder Beiträge, die quer zum Mainstream liegen.

Studie: Kollaborieren oder kollabieren? – Organisationen im Netzwerkstress

„Von einem Ameisenhaufen können wir mehr über Organisationsformen und Prozesse lernen als durch Rechenmodelle“, postulierte der Internet-Pionier Kevin Kelly schon vor rund 15 Jahren. Die Wirtschaft ist ein komplexes, dynamisches System: Alle Ereignisse werden permanent durch das Zusammenspiel von Ordnung und Chaos, Gesetz und Zufall, Freiheit und Strukturierung beeinflusst. Rationale Berechnung zukünftiger Ereignisse, letzte Gewissheit für Voraussagen sind nicht möglich – Zukunft ist nicht berechenbar – was man an der Finanzkrise schmerzlich erkennt. Die zukünftige Gestalt von Unternehmen und Großorganisationen sollte nach Auffassung von Kelly daher folgende Eigenschaften haben: verteilt, dezentralisiert, auf Zusammenarbeit bedacht und anpassungsfähig. „Ein sehr großes globales Unternehmen, das ganz die Form eines Netzwerks annehmen würde, kann als ein System von Zellen mit jeweils einem Dutzend Personen angesehen werden, das folgendes umfasst: Kleinfabriken mit einem Dutzend Leuten, eine Zentrale mit einem Stab von zwölf Menschen, Profit Centers, die von acht Personen geleitet werden, und Zuliefererbetriebe, bei denen zehn Menschen arbeiten“, empfiehlt Kelly.

Aber wie organisiert man Netzwerke? „Die Zunahme vernetzter und kooperativer Organisationen, die man unter dem Begriff ‚Team Collaboration’ zusammen fassen kann, stellt Führungskräfte vor neue Herausforderungen“, so Karl-Heinz Land, Chairman der Düsseldorfer Beratungsfirma Mind. Das Unternehmen hat in Zusammenarbeit mit den Agenturen Wort + Welt und Projektkomplex.net die Studie „Kollaborieren oder Kollabieren? Team Collaboration in der Enterprise 2.0“ erstellt. Viele Organisationen würden unter Netzwerkstress leiden: Überforderung der Mitarbeiter, Projektverzögerungen durch „Entscheidungsstaus“ oder technische Pannen. Mangelhafte Soft- oder Hardwarekomponenten können erschwerend hinzukommen: „Die massenhafte Bearbeitung von kollaborativen und kommunikativen Aufgaben hält mittlerweile bis zu 30 Prozent des Managements von der Erledigung der wichtigsten Dinge ab“, Studienautor Sebastian Paulke, Geschäftsführer von Wort + Welt.

In einer Online-Befragung, an der über 150 Managern aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen teilnahmen, geht die Studie der Frage nach, ob sich die aktuellen IT-Werkzeuge für die Projektarbeit eignen. Mind-Geschäftsführer Bernhard Steimel sieht seine Einschätzung durch die Umfrage-Ergebnisse bestätigt: „Wissensarbeiter fühlen sich von den ihnen zur Verfügung gestellten Arbeitsmitteln nicht ausreichend unterstützt: Für 84 Prozent der befragten Entscheider aus Großunternehmen und Dienstleistungsbranchen wird der Büroalltag stressiger. Die Erledigung der wichtigsten Aufgaben kommt bei 73 Prozent der Befragten zu kurz. Emails, Meetings und unwichtige Aufgaben sind die wichtigsten ‚Zeit-Killer’“. Klassische Kommunikationsplattformen wie MS Outlook, Excel oder Project eigneten sich nur eingeschränkt als Kollaborationstools.

„Auch Intranets und Wikis unterstützen nicht für alle Befragten optimal das Wissensmanagement im Unternehmen. Dokumenten-Management ist in vielen Unternehmen noch ein Fremdwort, nur jedes vierte Unternehmen setzt es ein“, fasst Steimel die Befragungsergebnisse zusammen. „Echte“ Tools für die Kollaboration wie MS Sharepoint werden nur von 29 Prozent der Befragten genutzt. Aber knapp 90 Prozent geben zu Protokoll, dass solche Tools die Zusammenarbeit verbessern könnte. „Sie sollen durch attraktive, intuitive und leicht zu bedienende Nutzerschnittstellen die Informations-, Kommunikations- und Kooperations- sowie Koordinationsprozesse entschlacken, beschleunigen und wertschöpfender gestalten“, erklärt Medienberater Stefan Simons von Projektkomplex.net. Solche Lösungen sollten das Management unterstützen, jeweils den aktuellen, „synchronen“ Projektstatus zu identifizieren, Aufgaben zu verteilen, ihre Erledigung zu verfolgen und das Geleistete zu dokumentieren.

Die Studienautoren argumentieren, dass Unternehmen zugleich neue Organisationskonzepte einführen sollten, damit die neuen Technologien ihre Wirkung voll entfalten können. Dafür sprechen vier „Megatrends“, die bereits „in voller Blüte“ stehen: Die „Demokratisierung“ der Arbeit, die wachsende Bedeutung der Verbraucher für den Unternehmenserfolg, die zunehmende Beschleunigung der Information, Kommunikation, Kooperation sowie Koordination und die sinkende Bedeutung von Unternehmen und „starren“ Organisationen für die volkswirtschaftliche Wertschöpfung. „Starre Strukturen weichen flexiblen Organisationsformen. Der Unternehmenszweck verändert sich radikal. Schon ab 2010 wird man sich mit den Themen kollektive Unternehmensintelligenz, semantische Technologien, nicht-deterministische, ereignisgetriebene Prozesse und Software basierte Antizipation von Marktentwicklungen befassen müssen“, prognostiziert Land. Das sei der eigentliche Kern der Enterprise 2.0-Philosophie. Um fit für die Zukunft zu sein, müssten Unternehmen offen für Open Source-Systemarchitekturen sein, Kompetenzen im permanenten Change Management erwerben und neue projektorientierte Arbeitsformen entwickeln. „Ohne tiefgreifende Wandlungen der Unternehmensorganisation, seiner Prozesse und seiner Kultur nutzen neue Softwaretools und Anwendungen nichts. Im Gegenteil, sie hemmen nur etablierte Betriebsabläufe und werden für die Mitarbeiter zum Stressfaktor“, bestätigt IT-Experte Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Das werde mit der Studienthese von der „Demokratisierung der Arbeit“ gut beschrieben. „Es betrifft sowohl die Arbeit im Unternehmen als auch die Arbeit mit den Kunden. Team-Kollaboration steht gegen rigide Strukturen. Diese Dissonanz erfahren auch häufig große Weltunternehmen, die einerseits auf global einheitliche Strukturen und Prozesse setzen, andererseits aber ihre Mitarbeiter stärker ermächtigen und emanzipieren wollen. Dieser Gegensatz lässt sich nur aufheben, wenn ein irgendeiner Stelle im Unternehmen eine Trennlinie gezogen wird, zwischen globaler Dominanz und lokaler Verantwortung. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Team-Kollaboration und seine Anwendungen zu einem noch höheren internen Kommunikations- und Abstimmungsbedarf führen – und zum Zeitkiller werden“, weiß Sprachdialogexperte Pape.

Das ganze Thema sei in hohem Maße eine Frage der Unternehmenskultur. Baut die Unternehmenskultur auf einem hohen Maß an lokaler Selbständigkeit und Verantwortung auf, sei das kooperative Organisationsmodell schon inhärent vorhanden, und neue Kommunikations- und Informationsaustauschprozesse könnten alte Prozesse und Anwendungen ersetzen. „Klein- und mittelständische Unternehmen haben hier grundsätzliche Vorteile, wenn gleichzeitig eine ‚Unternehmenskultur 2.0’ vorhanden ist“, so das Fazit von Pape.

Der Einzelhandel in Zeiten der Ernüchterung: Lokale Intelligenz und Kundennähe werden wichtiger

In schwierigen Wirtschaftszeiten sollte man wieder näher an die Kunden rücken und lokale Märkte wieder entdecken: Das verkündeten Jamey Wojciechowski von Best Buy und Chris Kneeland von Rapp Collins Retail auf der New Yorker Fachkonferenz Retail’s Big Show. Das alte Modell der Standardisierung und Einheitlichkeit von Produktangeboten funktioniere nicht mehr. Hier definiere sich der Wettbewerb nur über den Preis und alle Händler verkaufen das Gleiche.

Handelsmanager müssten lokale Intelligenz entwickeln, ihre Kunden genau kennen und mit ihnen stärker ins Gespräch kommen. „Der lokale Wettbewerb wird wichtiger. Ein Einzelhändler muss in seinem Umfeld die Nase vorn haben“, so Will Ander von McMillan Doolittle, Co-Autor des Buches „greentailing“ (Wiley Verlag). Das alleine werde aber nicht ausreichen. Der Konkurrent könne aus der benachbarten Stadt, Region oder von einem anderen Fleck der Erde kommen. „Weit beängstigender für Platzhirsche sind E-Commerce-Wettbewerber oder Direktvermarkter, die die Spielregeln des Einzelhandels radikal ändern“, erklärte Ander.

Die nächsten sechs Monate werden sehr schmerzhaft für den Einzelhandel verlaufen, so das fast einhellige Resümee von Analysten, Vertretern der Konsumgüterindustrie und des Handels zum Abschluss der NRF-Convention. Einzelhändler sollten sich auf das Überleben konzentrieren. „Nur die Besten werden durchkommen und in Zukunft eine starke Position einnehmen, um zu wachsen“, sagte Christopher Donnelly von Accenture in der Paneldiskussion „The Sky Has Fallen. Now what?“.

Nach Ansicht von Matthias Harsch, Mitglied der Geschäftsführung beim Technologiespezialisten Bizerba, beginnt jetzt für den Einzelhandel die Zeit der Umsetzung von technologischen Innovationen. „Wichtig sind strategische Investitionen für die Interaktion mit Kunden. Dazu zählen Multichannel-Konzepte, um die Kommunikation mit den Verbrauchern zu vernetzen über Ladengeschäfte, Call Center, Internet und mobile Endgeräte“, sagte Harsch in New York. Informationen müssten zeitnah und stets aktuell an Kunden vermittelt werden, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.

Retail-Spezialist Tudor Andronic von Bizerba ergänzte, dass sich in einer Periode der Ernüchterung jene System- und Lösungsanbieter durchsetzen werden, die den Einzelhändlern sowohl Kostenreduzierung als auch besseren Kundenservice und Kundenzufriedenheit garantieren: „Das müssen Technologiefirmen und Provider schwarz auf weiß nachweisen“. Optimierungsbedarf sieht er in der Logistikkette von frischen Lebensmitteln. Allein von der Produktion bis zum Supermarkt verschwindet fast die Hälfte der Lebensmittel. „Rund fünf bis zehn Prozent gehen verloren durch den Verderb der Ware im Laden. Eine entscheidende Komponente ist dabei die Koordination und ein flexibles Management. Wenn ich weiß, dass das Haltbarkeitsdatum von frischen Lebensmitteln abläuft, muss ich in der Lage sein, mit Sonderangeboten die Ware schnell zu verkaufen. Entsprechend dynamisch sollten beispielsweise Etikettiersysteme funktionieren“, erläuterte Andronic.

Generell wichtig sei eine Reduktion der Komplexität für Kunden und Verkaufspersonal. „Deshalb bringen wir die Informationen mit Touchscreens dorthin, wo sie gebraucht werden. Sie brauchen keine Ordner zum Abheften mehr, sondern können die Informationen on demand abrufen“, so Harsch. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.

Deloitte-Studie bestätigt meinen Beitrag zur Technik-Skepsis der Deutschen

Das habe ich mit Deloitte aber nicht abgesprochen…... Interessant auch Mobile Zeitgeist.

Die Deutschen gelten generell als Skeptiker, wenn es um die Adaption und Nutzung neuer Medienangebote geht. Die repräsentative weltweite Deloitte-Studie „The State of Media Democracy“ beweist: Deutsche sind wirklich zurückhaltender als Briten, US-Amerikaner, Japaner und Brasilianer. Sie verbringen am wenigsten Zeit mit medialen Aktivitäten und halten nicht viel von Werbung. Auch weisen deutsche Haushalte die geringste Unterhaltungselektronikdichte auf. Insgesamt besteht somit noch ein erhebliches Potenzial für den Ausbau von „Multimedia“ in Deutschland.

„Für die Studie wurden über 8.800 Verbraucher in fünf Ländern zu ihren Mediennutzungsgewohnheiten befragt, 1.882 davon in Deutschland. Elektronisch am besten ausgestattet sind die Amerikaner und Briten, den meisten Enthusiasmus findet man bei Brasilianern und Japanern. Obwohl die Deutschen den technologischen Fortschritt in puncto Medien routiniert und pragmatisch einsetzen, sind sie doch in nahezu allen Bereichen eher zurückhaltend. Wer die deutschen Konsumenten überzeugen will, braucht gute Argumente“, erklärt Klaus Böhm, Director Media bei Deloitte.

Jedes der untersuchten Länder weist in einem bestimmten medialen Bereich Spitzenwerte vor: So verfügen die US-Amerikaner über die meisten Digital-Videorecorder, die Briten haben die meisten Notebooks, Flachbildschirm-Fernseher und Digitalradios, die Japaner haben die größte Erfahrung in der Anwendung von Mobiltelefonen und die Brasilianer verbringen die meiste Zeit mit Medien aller Art. Letztere fühlen sich auch von allen Befragten am wenigsten von Online-Werbung gestört. Jedoch beschränkt sich das allgemeine Medieninteresse hier vorwiegend auf die jüngere, urbane Bevölkerung, während in den USA, Großbritannien und Deutschland auch die Älteren immer stärker von den technologischen Entwicklungen im Medienbereich profitieren. Erstaunlicherweise legen die als technologieversessen geltenden Japaner wenig Wert auf die jeweils maximal verfügbare Bandbreite. Sie sind auch die Einzigen, die eigenen Content statt in sozialen Netzwerken lieber als Blog ins Netz stellen.

In Deutschland gehört die Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren wie auch in Japan zu den ältesten weltweit – davon sind hierzulande 64 Prozent online. Entsprechend ihrem Ruf zeigten sich die Deutschen reserviert gegenüber Trends und Entwicklungen auf dem Medienmarkt, Faktoren wie „Faszination“ und „Lifestyle“ spielten für sie im Zusammenhang mit Technologie kaum eine Rolle. Die Deutschen verwenden im Vergleich am wenigsten Zeit für mediale Aktivitäten (63 Stunden/Woche), lehnen personalisierte Werbung ab und legen keinen großen Wert auf Breitbandinternetanschlüsse – was allerdings auch an der flächendeckenden DSL-Versorgung liegt. Ganze 57 Prozent finden jedoch, dass Online-Werbung nach TV-Werbung am einflussreichsten ist.

Doch sind die Deutschen in ihrem Alltagsverhalten keinesfalls technikfeindlich. Zwar lesen sie im Vergleich mehr Bücher, hören konventionelles Radio und sehen „normales“ TV. Jedoch nutzt mehr als die Hälfte ihren Computer häufiger zur eigenen Unterhaltung als den Fernseher, über ein Viertel verwendet das Mobiltelefon als Entertainment-Plattform. Auch wird viel Zeit mit Online-Gaming verbracht. Und die Deutschen sind sendungsbewusster als angenommen: 41 Prozent nutzen „eigene“ Medien, um ihren individuellen Content zu veröffentlichen, 38 Prozent stellen mithilfe aktueller Technologie eigene Unterhaltungsprogramme aus Musik, Fotos und Videos zusammen.

Die in Deutschland befragten Studienteilnehmer lassen sich in drei Altersgruppen aufteilen: „Millenials“ (14 – 25 Jahre), „Xers“ (26 – 42 Jahre) und „Older Adults“ (43 – 75 Jahre). Während die junge Zielgruppe statt auf TV-Konsum und vorgefertigte Angebote auf eigenen Content setzt und das Internet vorwiegend als soziales Medium nutzt, sind die Älteren eher online-abstinent und informieren sich durch klassische Medien („Paper Generation“). Die mittlere Altersgruppe tut beides: Sie setzt den PC als Allzweck-Instrument ein (vorwiegend auch in Social Networks), liest aber lieber Zeitungen und Magazine.

„In Deutschland besteht nach wie vor eine deutliche Dominanz traditioneller Medien wie TV, Bücher und Zeitungen. Andererseits erkunden gerade die Jüngeren verstärkt die technischen Möglichkeiten von Internet- und Multimedia-Applikationen bei Endgeräten wie Smartphones. Generell sind die Deutschen aber schwerer zu begeistern als beispielsweise Anglo-Amerikaner oder Brasilianer. Da der Sättigungsgrad bei zahlreichen Geräten und Technologien noch lange nicht erreicht ist, gibt es hier noch Potenzial – was klug genutzt werden kann“, resümiert Klaus Böhm.

Die Krise als Chance für einen Neustart der Wirtschaft – Fordistische Geschäftsprinzip hat ausgedient

Die herannahende Rezession blockiert das stark vernetzte Wirtschaftssystem in weiten Teilen. Nicht nur die Finanzströme stocken, auch die gesamten Warenströme fließen nicht mehr reibungslos. Man legt Produktionen still und kann Mitarbeiter gar nicht oder nur teilweise auslasten. Diese Denkpause sollten Firmen nutzen, um vom kurzfristigen und reaktiven in ein strategisches Handeln umzuschwenken, so der Ratschlag des Schweizer Systemarchitekten Bruno Weisshaupt. „Statt lediglich unbefriedigende Entwicklungsstände bei den aktuell am Markt angebotenen Produkten zu korrigieren, zu reparieren oder marginal zu verbessern, muss fundamental umgedacht werden. Jedes Unternehmen, das jetzt diese Zeit nicht für die eigene Rollenfindung nutzt, gerät bald in Rückstand. Die in dieser Situation gefragte Fähigkeit, mit disruptiven Innovationen aus dem intimen Verständnis des Marktes heraus zu handeln, wurde in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt“, beklagt Weisshaupt. Das vor allen Dingen die Autoindustrie von der Finanzkrise so gebeutelt wird, sei kein Wunder. „Das hängt nicht nur mit dem Konjunkturzyklus zusammen, sondern auch mit der Produktpolitik. Es ist doch sehr auffällig, dass in der Automobilindustrie technologisch schon lange kein großer Sprung nach vorne gelungen ist. Im Grunde fahren wir schon seit hundert Jahren mit den gleichen, wenn auch optimierten Vehikeln herum“, sagt Weisshaupt.

Der Finanzcrash beschleunige nur die Tatsache, dass man am Ende des natürlichen Entwicklungszyklus angekommen sei. Mit einer linearen Weiterentwicklung der Produkte komme man nicht weiter. Überlieferte Lösungen seien geprägt von aufgeblähten Funktionen und überbordender Technik. So sieht das auch Alexander Horn, Autor der Frankfurter Zeitschrift Novo: „Die gegenwärtigen Absatzprobleme der Automobilhersteller resultieren nicht aus der Not der am Abgrund stehenden Finanzwirtschaft – beide Krisen haben vielmehr die gleichen Wurzeln. Die Lösung kann nur darin liegen, dass wieder Autos gebaut werden, die die Kundschaft auch ohne nachgeworfenes Geld haben will“.

Weisshaupt fordert neue Systeme und Geschäftsmodelle, um das On-Demand-Verhalten der Menschen zu unterstützen und ihnen die Technik unauffällig zur Verfügung zu stellen. „Urbanität, Identität, Mobilität, Interaktion, Integration, Individualität, Automatisierung sind die zukunftsfähigen Infrastrukturen und die Basis für jede Systeminnovation.“ Produkte, die man irgendwo auf der Welt als Module herstellt, würden zu Gunsten von Applikationen an Marktbedeutung verlieren. Worauf es ankomme, sei die Konfiguration. „Zwar wird die bessere Technologie auch in Zukunft ein wesentlicher Grundstein für den Erfolg einer neuen Anwendung sein. Wer würde bezweifeln, dass man mit der Entwicklung einer funktionierenden Brennstoffzelle nicht gute Geschäfte machen kann. Der Erfolg am Markt wird aber nicht an der Technologie hängen, sondern an ihrer kundenorientierten Umsetzung“, sagt Weisshaupt. Wer sich auf die Produktion der Basisprodukte konzentriere, werde das Ausscheidungsrennen gegen Länder wie China oder Indien nicht gewinnen. „Im täglichen Geschäft verlieren das fordistische Geschäft und das tayloristische Prinzip längst an Bedeutung, was beileibe nicht nur für die Internetwirtschaft gilt“, schreibt Zeit-Redakteur Götz Hamann in einem Beitrag für das Buch „Die Kunst, loszulassen – Enterprise 2.0“ (Rhombos-Verlag).

Wer sich aber die Strukturen von Konzernen und straff organisierter Mittelständler anschaue, werde erkennen, dass das Erbe von Ford und Taylor noch sehr lebendig sei: Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Produktion, Buchhaltung, Innenverwaltung, IT-Abteilung – und natürlich der Vorstand. Die meisten Unternehmen würden aus Schubladen bestehen und wer in einer von ihnen stecke, habe in den anderen meist nichts zu suchen. „Die traditionelle Arbeitsteilung gilt noch immer als sicherste Form der Herrschaftsausübung und als wirkungsvollste Methode, um eine Organisation zu kontrollieren“, bemängelt Hamann.

Andreas Rebetzky, Vorstandsmitglied des cioforums, verweist auf ein Zitat von Schiller: „Nur vom Nutzen wird die Welt regiert“. So müsse ein IT-Chef aus seiner verträumten Technikecke rauskriechen und sich als Gestalter und nicht als Verwalter im Unternehmen profilieren. „Das tradierte Wissen aus dem vergangenen Jahrhundert sitzt oft starr in den Köpfen der IT-Entscheider. Hier erwarte ich Impulse von der jungen Generation, die als Digital Natives auch die Berufswelt umpflügen werden“, prognostiziert Rebetzky, Director Global Information der Firma Bizerba, die Systemlösungen der Wäge-, Informations- und Food-Servicetechnik anbietet. Mit der gegenwärtigen Sparhysterie werde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen eher negativ beeinflusst. „Es sollte mehr investiert werden in wirkliche Prozessinnovationen“, fordert der IT-Interessenvertreter des cioforums.

Modernisierung der Kommunikationsinfrastruktur als Konjunkturprogramm – ITK-Branche muss sich immer wieder neu erfinden

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sollte zwar Anlass zu Sorge und erhöhter Aufmerksamkeit sein – besonders in den Branchen für Informationstechnologie und Telekommunikation bietet sie aber auch zahlreiche Chancen. Das war das Fazit eines Berliner Expertengesprächs des Fachdienstes portel und des Magazins NeueNachricht. Der Politik sollte jetzt die Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen und seine Bürger auf diesem Wege schneller an das neue Web 2.0-Kommunikationszeitalter heranzuführen. Erforderlich seien dazu nicht einmal übermäßig große staatliche Förderprogramme, sondern lediglich etwas mehr Kreativität und Flexibilität im Denken sowie Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten. Eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Lage der Branche eröffnete die Diskussion. „In der Telekommunikationsbranche ist heute nichts mehr so festgefügt, wie das früher einmal der Fall war“, erklärte Aastra-Deutschlandchef Andreas Latzel. Seine Firma sieht sich heute vor allem als Softwareschmiede und Vorreiter bei der VoIP-Kommunikation via SIP-Protokoll. Die Unternehmen im Telekommunikationsmarkt stehen nach seiner Einschätzung vor zahlreichen offenen Fragen. Der Markt sei geprägt von einem Wandel, der deutlich schneller vonstatten gehen werde, als dies in der Vergangenheit der Fall war. „Wir sehen heute eine Kommunikationslösung als eine Applikation auf dem Netz. Der Content, der auf unseren Maschinen läuft, ist ein Geschäftsprozess“, erläuterte der Aastra-Chef. Unified Communications sei dabei nichts anderes als eine marktorientierte Formulierung für prozessorientierte Kommunikation. „Da sehe ich in vielen Unternehmen noch riesige Potenziale, die gehoben werden können, wenn einfache und offene Systemlösungen zur Verfügung stehen, die sich optimal auf die Geschäftsprozesse abstimmen lassen“, so Latzel.

Für eine effektive Kommunikation brauche man jedoch eine gut ausgebaute Infrastruktur. Aufgabe der Politik sollte es daher sein, dafür zu sorgen, dass alle Bevölkerungsgruppen Zugang zur Breitbandtechnik haben, auch dann, wenn sie ihren Wohnsitz im tiefsten Bayerischen Wald haben. „Über DSL auf Basis der Kupferdrahttechnologie könnte man relativ zeitnah zumindest schon einmal flächendeckend Anschlussgeschwindigkeiten von mindestens ein oder zwei Mbit pro Sekunde bereit stellen, die für einen Behördenzugang ausreichen und den Menschen ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, sagte Latzel. Aufgabe der Industrie sei es, auf diesen Infrastrukturen intelligent Mehrwerte zu liefern.

Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge, sieht Nachholbedarf bei der Befriedigung des Kommunikationsbedürfnisses. Bisher sei in der Telekommunikation immer die Netzwerkinfrastruktur das wichtigste Thema gewesen. Inzwischen mache sich die Branche aber zunehmend Gedanken darüber, welche Applikationen auf diesen Netzwerken laufen können und was beispielsweise Unified Communication genau ist. Der grandiose Erfolg des iPhone von Apple zeige, wie wichtig es sei, dass eine Branche sich immer wieder selbst neu erfindet. „Apple hat es durch seine neue und einfache Benutzeroberfläche erstmals geschafft, das Smartphone in den Privatkundenmarkt zu drücken“, lobt Sprachdialogexperte Pape den amerikanischen Computerhersteller. Ein ähnliches Beispiel könne nun der Android von Google sein. „Ich glaube, dass die Öffnung der Betriebssysteme und offene Standards ein Feuerwerk von Produkten hervorrufen werden“, zeigte sich Pape überzeugt.

Netzwerke hätten zwei Auswirkungen auf unsere Welt, erklärte der Berliner Experte für Sprachdialogsysteme. Auf der einen Seite brechen sie die Wertschöpfungskette auf und ermöglichen, dass auch sehr kleine Hersteller und sogar deren Kunden in die Produktionsprozesse eingebunden werden können. Zum anderen durchdringe die Vernetzung untereinander alle Lebensbereiche. „Mit Partnern und Freunden pflegen wir unsere Straßen-Community, Sport-Community, Familien-Community oder unsere Business-Community. Diese Netzwerke führen am Ende zu einer dramatischen Änderung unseres Sozialverhaltens – aber auch der Produktivität“, erläuterte Pape. Durch akustische Schnittstellen und die Möglichkeit, beispielsweise E-Mails oder SMS auch zu diktieren, werde sich die Geschwindigkeit der Kommunikation über Kurznachrichten in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln. „Unsere Kinder wachsen als ‚Digital Natives’ von Beginn an in diese Welt hinein“, sagt Pape. Er plädierte ebenfalls für eine schnelle Modernisierung der IT- und TK-Infrastruktur. Denn langfristig würden über Investitionen in diese Schlüsselbranchen sicherlich mehr Arbeitsplätze geschaffen, als wenn das Geld in anderen, möglicherweise sogar absterbenden Wirtschaftsbereichen versenkt werde.

Marcus Rademacher, Director Global Wireless OEM Business bei Aastra, sieht die eigentliche, dramatische Veränderung, die sich aus den Web 2.0-Techniken ergeben, in der Nutzerfreundlichkeit. „Dazu zähle ich beispielsweise integrierte Softwareagenten, die wir einsetzen um zu erkennen, ob es im Netz für irgendeine Applikation eine Verbesserung oder Veränderung gibt und die diese dann automatisch über Nacht durchführen. Sollte dies zu Problemen führen, stellt das System beim Upgrade automatisch den vorherigen Zustand wieder her, ohne dass überhaupt jemand etwas davon mitbekommt.“ Dieser Upgrade könne beispielsweise als sogenannter „automatischer Download-over-air“ ausgeführt werden. Aastra habe diese Option bereits seit einiger Zeit im Portfolio.

In der Telekommunikationsbranche steigt der Verkehr und die Umsätze stagnieren. „Wo sind in Zukunft die Pools für Profitabilität“, sei daher zur Zeit die wichtigste Frage, die sich die TK-Anbieter stellen, sagte Arno Wilfert, Partner und Experte für Telekommunikation bei Pricewaterhouse Coopers in Düsseldorf. Über Musik, oder TV und Filme als Content ließen sich die Umsätze auf keinen Fall ausgleichen. Der gesamte Musikmarkt-Umsatz in Deutschland liege beispielsweise nur bei etwa 1,5 Milliarden Euro. „Den wollen nun die vier Mobilfunker und die Festnetzanbieter unter sich aufteilen. Wenn man auch noch den stationären Handel, die Abgaben an die Künstler und die Marketingkosten abzieht, bleibt nicht einmal die Hälfte an Umsätzen übrig“, rechnete der Unternehmensberater vor. Und das sei im Vergleich zum Service- und Endgeräte-Umsatz im TK-Markt vernachlässigbar klein. Bei Triple-Play stehen die Telekom-Firmen außerdem vor einer echten Herausforderung, da sie sicher stellen müssen, dass das Fernsehsignal nicht wie ein normales Internetsignal beim Konsumenten ankommt, sondern in einer deutlich höheren Qualität. „Das wird vor allem dann eine große Herausforderung, wenn die Nutzerzahlen signifikant ansteigen“, sagte Wilfert in der Berliner Expertenrunde. Der Kernumsatz für die Telekommunikationsunternehmen liege im Anschluss und im Transport. Die Umsätze gehen tendenziell zurück und der Kuchen werde damit kleiner. „Hier wird es künftig weniger Festnetzanbieter geben als heute“, ist Wilfert überzeugt. Überleben würden die Unternehmen, die Skaleneffekte realisieren können, beispielsweise über einen hohen Marktanteil, möglicherweise auch nur in bestimmten Regionen. „Die anderen werden nicht in der Lage sein, ihre Investitionen zu amortisieren“, so der Düsseldorfer Unternehmensberater.

Beim Thema Breitbandversorgung auf dem Land sollte man mehr Eigeninitiative entwickeln. Es reiche nicht aus, nur nach dem Staat zu rufen und auf bessere Zeiten zu warten. „Dabei ist das doch mit der heutigen Technik eher trivial und überhaupt kein Millionenaufwand mehr, das Internet in ein Dorf zu holen – beispielsweise über Funktechnologien“, sagte Wilfert. Auch in ländlichen Gebieten würde es IT-Dienstleister geben, die sich auch ums Breitband kümmern könnten. „Dann erhöht man die Grundsteuer um ein paar Euro und dafür hat jeder im Dorf kostenlos Internet. Das macht man mit dem Kabelanschluss über die Nebenkosten bei einer Wohnung heute doch auch“, stellte Wilfert fest. „Der Wandel im Telekommunikationsmarkt erfolgt dramatisch schneller als in der IT-Welt“, hat Mehdi Schröder beobachtet, als Aastra-Vice-President zuständig für Sales Development. Gewinner in diesem Rennen würden voraussichtlich jene Unternehmen sein, die den Mut haben, vom traditionellen Gedankengut der proprietären TK-Welt in die SIP- und Open Source-Welt zu wechseln. „Und da werden sicherlich die gut positioniert sein, die auch eine starke Ausprägung bei Themen wie SIP haben“. Es werde künftig kein Unternehmen mehr geben, das alle erforderlichen Kompetenzen selbst erbringen könne. „Der Endanwender braucht dabei einen Systemintegrator, der die gesamte Materie sicher beherrscht und er braucht gute, innovative Hersteller“, so Schröder, denn die Telekommunikationswelt werde durch IP wesentlich komplexer.

„Der Markt zerbröselt komplett in Dienste und Netz“, so die Überzeugung von Detecon-Partner Mathias Hoder. Die ITK-Welt sei inzwischen erfunden und die Dinge gebe es fast alle. „Aber die Technik ist noch nicht perfekt genug, so dass es nach wie vor einen sehr großen Markt zu erschließen gibt“, machte Hoder gleichzeitig Mut. Es koste große Unternehmen zwar eine Menge Geld, auch die Telefonie auf das Internet Protokoll umzustellen und viele hätten derzeit noch keinen Handlungsdruck. „Aber spätestens wenn der Wartungsvertrag für die alte Telefonanlage ausläuft, müssen sich alle bewegen“, erklärte Hoder. Schritt für Schritt werde der Migrationsprozess daher auch auf die mittelständische Industrie durchschlagen.

Siehe auch www.portel.de

Strategien gegen das Account-Chaos – Software VoxOn bündelt Kommunikationswege im Internet

Die Internet-Revolution bringt nach einem Bericht von Technology Review http://www.heise.de/tr derart viele Kommunikationsmöglichkeiten mit sich, dass man leicht den Überblick verlieren kann. „Die vielen Wege, Freunde und Bekannte online und offline zu erreichen, sind allerdings nicht unbedingt bequem: Jeden einzelnen Dienst nach neuen Botschaften zu durchforsten, ist anstrengend und kostet Zeit. Fast jeder von uns verfügt inzwischen über mehrere Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Instant-Messaging-Zugänge (IM), hinzu gesellen sich in letzter Zeit nicht selten diverse Identitäten in sozialen Netzwerken“, schreibt Technology Review. TelCentris, eine Firma aus dem kalifornischen San Diego, möchte das Account-Chaos lichten. Die Software VoxOX http://www.voxox.com solle dafür sorgen, mit den eigenen Kontakten auf verschiedensten Wegen zu kommunizieren.

„Solche ‚Unified Communicator’-Lösungen sind keineswegs eine neue Idee. In den letzten Jahren entwickelten mehrere populäre IM-Netzwerke Software, mit der es möglich war, auch mit Angehörigen anderer Netze zu kommunizieren. Mit der zunehmenden Verwendung von Handys entwickelten sich derweil Systeme, die mehrere Nummern auf eine umleiteten, heute sind etwa Google (‚Grand Central’) oder BT (‚Riddit’) auf dem Markt tätig. Der Ansatz ist insbesondere im geschäftlichen Bereich populär, wo Firmen Werkzeuge schaffen, die diverse Kommunikationswerkzeuge zusammenbringen – IBM beispielsweise IM, Voicemail und Web-Konferenzen in seiner Lösung Lotus Notes. VoxOx setzt diesen Trend fort, offeriert aber eine deutlich längere Liste unterstützter Dienste. Nutzer können E-Mails und IM-Botschaften verschicken, SMS absetzen, Videokonferenzen starten, Telefonate führen, Nachrichten an soziale Netzwerke schicken und Dateien mit anderen austauschen – alles von einem Ort aus und von diversen Serviceanbietern“, so Technology Review.

Eine Vorabversion von VoxOx ist für Mac- und Windows-Rechner kostenlos verfügbar. Nach der Erstellung eines Accounts erhält man eine kostenlose Rufnummer und konfiguriert den Rest des Dienstes, in dem man seine Nutzernamen und Passwörter für unterstützte IM-, E-Mail- und Social Networking-Services an die Anwendung übergibt. VoxOx zieht die Kontakte heraus und erlaubt es dem Nutzer, eine vollständige Liste durchzusehen, um auszuwählen, mit wem und über welche Wege künftig kommuniziert werden soll. Was VoxOx anbietet, ist ein SIP-Telefon-Account und dazu ein Software Client für den PC, um andere Message-Services zu nutzen. „In erster Linie aber ist es ein Service, wie wir ihn von Sipgate und anderen Anbietern von SIP-Telefonie kennen, mit einem benutzerfreundlichen, attraktiven Client für den PC oder Mac. Der Schritt zum SIP-Client ist richtig, aber der Erfolg ist weniger von der Anwendung selbst abhängig, sondern vom Angebot des SIP-Service“, erläutert Internetexperte Sebastian Paulke von der Agentur Wort+Welt http://www.wortundwelt.eu.

Zur Zeit seien das noch Nischenprodukte. Das werde sich ändern, wenn die großen Netzbetreiber SIP-Telefonanschlüsse zusätzlich zum DSL anbieten. „Ob sich aber die eigene Software eines kleinen Anbieters etwa gegen Microsoft durchsetzen wird, ist sehr fraglich. Insofern ist VoxOx noch als ein Produkt einer sehr frühen Marktphase zu betrachten“, vermutet Paulke. Für Geschäftskunden gehöre das Thema Web 2.0 und Social Networks noch lange nicht zu den üblichen Anforderungen an Kommunikationslösungen. „Wir werden in etwa zwei oder drei Jahren hier verstärkte Aktivitäten in innovativen Branchen sehen, die auch den Access zu Communities in die Lösungen für Unified Communications einbeziehen werden“, prognostiziert der Wort+Welt-Chef.

Kontext ist King beim Web 2.0: Medienhäuser dürfen gekaufte User nicht als Alibi für höhere Online-Werbepreise nehmen

Totgesagte leben länger. Die New Economy war schon längst vergessen, nun heißt sie Web 2.0 und boomt wieder. Die größte Herausforderung besteht nach Expertenmeinung allerdings darin, profitables Wachstum zu generieren: „Hierbei ist der Kontext des täglichen Lebens die strategische Basis für nachhaltigen Erfolg. Wie einst die Eisenbahnen in den USA, die den wilden Westen erschlossen, legte die New Economy die Schienen für das Internet, wie wir es kennen. Mittlerweile hat das Internet in fast allen Lebensbereichen Einzug genommen und gewohnte Muster durchbrochen. Wir stellen uns Zeitungsinhalte so zusammen, wie es uns am besten gefällt, finden weltweit Freunde wieder und nehmen mit Ihnen auf den verschiedensten Wegen online Kontakt auf. Unsere Musik und Videosammlung ist besser sortiert als es je der Plattenladen war und Raritäten von einst sind längst ein Allgemeingut geworden und für jeden zu haben“, so Hartmut Heinrich, Director des Hamburger Büros von Vivaldi Partners http://www.vivaldipartners.com, in einem Beitrag für die Fachzeitschrift „absatzwirtschaft“ http://www.absatzwirtschaft.de.   Damit das Web 2.0 nicht das gleiche Schicksal erlebe wie die ambitionierten Projekte der New Economy, müssten Plattformen den Kontext des täglichen Lebens ihrer Nutzer verstehen und hieraus Relevanz bei Angeboten, Werbung und Kooperationen schaffen. „Für die Medienhäuser ist es nicht ausreichend, die ‚gekauften User’ als Alibi für höhere Online-Werbepreise zu nehmen, quasi als Gegenwartsbewältigung der sinkenden Offline-Relevanz“, warnt Heinrich.  Die User-Community reagiere auf eine offensichtliche Kommerzialisierung ihrer Plattform häufig mit einer Abkehr, langjährige und loyale Nutzer stellen sich mit einer Protesthaltung gegen das Unternehmen. „Vielmehr müssen subtilere Werbeformen oder Premium-Offerten einen echten Mehrwert bieten. Hierbei können beispielsweise Unterhaltung oder Exklusivität relevante Treiber sein, um User zu begeistern“, glaubt der Hamburger Internetexperte. Skepsis macht sich auch in der Werbebranche breit: „Ich sehe das größte Problem darin, dass sich die Leute auf solchen Plattformen von der Werbung gestört fühlen und sich dagegen auflehnen“, bestätigt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) http://www.zaw.eu, im Gespräch mit pressetext. Derzeit sei das Potenzial für Werbeeinnahmen über soziale Netzwerke gering einzuschätzen. „Man muss weitere Entwicklungen abwarten. Vielleicht ist es möglich, den Nutzern zu vermitteln, dass die Angebote auch re-finanziert werden müssen. Doch die aktuelle Situation ist eher schwierig“, erläutert Nickel.

Ernüchtert zeigt sich auch die Netzwerkplattform Facebook, die Ende vergangenen Jahres mit ihren Werbetools für helle Aufregung unter Nutzern und Datenschützern sorgte (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=071122020 ). Analysten gehen davon aus, dass Microsoft – mit 1,6 Prozent an Facebook beteiligt – über seinen Werbedeal mit dem Networking-Portal Geld verliert, berichtet das Wall Street Journal. Dabei sind die Möglichkeiten, über die populären Netzwerke Einnahmen zu generieren, in Hinblick auf die geplante Yahoo-Übernahme besonders wichtig für Microsoft. Denn ein zentrales Vorhaben des Mega-Konzerns ist es, Yahoos Nutzerbasis zu verwerten und diese mit Online-Werbesystemen zu kombinieren. Als positives Beispiel sieht Heinrich die Vorgehensweise von MySpace: „Mit einem kontextorientierten Ausbau des Angebots – rund um persönliche Kontakte der User und entlang ihres alltäglichen Lebens – hat sich MySpace in ein umfassendes Social Network weiterentwickelt. Das breite Spektrum der Services lässt erahnen, wie in der Zukunft – auch jenseits von Onlinewerbung – ein nachhaltiges und profitables Wachstum erzielt werden kann“. 

Michael Sander von der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partner (TCP) http://www.terraconsult.de plädiert für mehr Nüchternheit bei der Beurteilung der Social Networks: „Man sollte auf keinen Fall Technologienvernachlässigen, mit denen man im Internet unmittelbar Geld einnehmen kann“. Das wäre für viele Menschen ein Anreiz, anspruchsvolle Dinge im Internet zu veranstalten und zu veröffentlichen.