Die Handy-Reporter: Live-Fernsehberichte via Smartphone-App #StreamCamp13 @ruhrnalist

Live-Hangouts brauchen keine schwerfällige Technik
Live-Hangouts brauchen keine schwerfällige Technik

In einem Focus-Gastbeitrag hat Andreas Graap von Webschorle.de, Medienpartner vom StreamCamp am 16. und 17. November in Köln, kompakt die Vorteile von Liveübertragungen via Hangout on Air zusammengefasst:

„Fernsehen und Rundfunk arbeiten bei Live-Übertragungen mit schwerer Maschinerie: Ein oder gleich mehrere Übertragungswagen bringen Mitarbeiter mit der notwendigen Technik zum Ort der Liveübertragung. Die Bandbreite reicht von Kleinbus bis Sattelschlepper. Aber der bisher kleinste Übertragungswagen ist der ’smart‘, mit dem zum Beispiel die ‚Lokalzeit‘ des WDR von unterwegs Fernsehen macht. Hier laufen Regie, Ton, Kamera und Moderation zusammen und werden per Satellit übertragen. Erstaunlich also, dass all diese Technik heute in ein Smartphone passt.“

Geht es um die schnelle Übertragung von Bewegtbildern für kurze Nachrichtenfilme, so setzen auch die Fernsehanstalten immer mehr auf die Möglichkeiten des mobilen Videojournalismus im Taschenformat.

Der freie WDR-Fernsehjournalist Kai Rüsberg hat das eindrucksvoll in unserer Bloggercamp.tv-Sendung und auf dem Besser Online-Kongress des DJV skizziert.

Er nennt das OneShotVideos. Hier geht es nicht nur um die Etablierung einer neuen Filmsprache, sondern auch um die Online-First-Strategie der Sendeanstalten. Zumindest auf den eigenen Web-Präsenzen sollen TV-Nachrichten in Twitter-Länge schneller auflaufen – auch Livestreaming via Skype spielt dabei eine Rolle.

Vor nicht allzu langer Zeit dachte wohl auch der professionelle Journalismus nicht daran, dass man mit Mobiltelefonen bald eigene Live-Reportagen starten könnte, so Graap.

„Heute geht das: Live-Streaming-Dienste wie Googles Hangouts on Air haben es vorgemacht, andere werden folgen. Das könnte die Medienlandschaft und insbesondere den TV-Journalismus komplett verändern.“

Hangout on Air hat allerdings für den mobilen Einsatz noch einen kleinen Nachteil, den auch Andreas Graap erwähnt. Über die Hangout-App lässt sich die Live-Übertragung bislang nicht starten.

„Veranstaltet wird die Sendung weiterhin über einen Desktop-Rechner, von dem aus anschließend der Smartphone-Teilnehmer eingeladen wird. Schaltet der Veranstalter auf seinen mobilen Kollegen um, sieht der Zuschauer in Vollbild die Übertragung des Smartphone-Senders. So können auch kleine Redaktionen kostengünstig mit einem Außenreporter arbeiten“, erläutert Graap.

Diese Beschränkung gibt es bei der „Handyreporter-App“ nicht, die für die ARD-Sendeanstalten entwickelt wurde. Das Programm wurde in der Tagesschau-App als Unterfunktion versteckt und ist nur für die ARD-Reporter zugänglich. Über einen On Air Live-Button öffnet sich automatisch das Videoprogramm von Skype und sendet das Live-Signal auf einen NDR-Server. Vier Livestreams sind parallel möglich, die über iOS- oder Android-Geräte aufgenommen werden können. In der Testphase von Januar bis August wurden rund 900 Videos produziert. Nachzulesen in meiner Kolumne: EXPERIMENTIERFREUDE IM DIGITALEN JOURNALISMUS.

Zukunftsmusik: Hangouts über Google Glass starten
Zukunftsmusik: Hangouts über Google Glass starten

Bleibt abzuwarten, wann Google die Hangout-App nachrüstet und den mobilen Start von Liveübertragungen ermöglicht – ohne Anbindung an Laptop oder PC. Schließlich gibt es ja bereits Überlegungen, auch die Google Glass mit einem entsprechenden Dienst auszustatten.

Auf nach Köln!
Auf nach Köln!

All das wird in Sessions mit Workshop-Charakter beim StreamCamp demonstriert. Audio, Video, Gaming, Talkshows, Kameratechnik, Mikros, Beleuchtungstipps, Streaming-Dienste und, und, und. Jeder kann es ausprobieren, erste Gehversuche machen, Formate entwickeln oder die bisher gesammelten Erfahrungen vertiefen. Für 20 Euro plus Gebühren, zwei Tage Streaming im Startplatz in Köln am 16. und 17. November.

Die Irrtümer der Verwertungsindustrie und ihrer Adepten – Aktive Fans statt Urheberrechtskontrolle

Verlage, Musikindustrie und Künstler wehren sich in einer Kampagne gegen die „Umsonstkultur“ des Netzes, die es allerdings in der behaupteten Form gar nicht gibt. Die Adepten der Verwertungsindustrie laufen den falschen Ideen hinterher. Das hat der Kulturwissenschaftler und Mitherausgeber des Sammelbandes „Vergessene Zukunft – Radikale Netzkulturen in Europa“ Felix Stadler im Interview mit tagesschau.de deutlich gemacht. Die alten Bezahlmodelle seien am Ende – die Zukunft der Kultur liege im Schwarm:

„Bislang waren wir als Leser oder Zuhörer dazu verdammt, passiv zu konsumieren. Durch die neuen Medien verschwimmen die Rollen zwischen Autor und Publikum und Zuhörer aber immer mehr“, so Stadler.

Wichtiger Punkt, der bei dieser gesamten massenmedial ausgerichteten Sender-Empfänger-Propaganda schön unter den Tisch gekehrt wird.

Die Gesellschaft verkomme nicht, betont Stadler. Sie stelle sich nur die Frage: Was ist wertvoll?

„Wir sehen im Internet einerseits ein generelles Überangebot, andererseits eine intensive Kultur der Wertschätzung innerhalb kleiner oder großer Nischen. Und das nicht nur auf einer künstlerischen Ebene, sondern es geht auch ganz konkret um finanzielle Werte. Wenn zum Beispiel Künstler durch Spenden finanziert werden. Wir sehen aktuell zwei Modelle in der Kultur, die miteinander konkurrieren: Einerseits der exklusive Produzent, der ein Produkt für eine große, passive Masse herstellt. Andererseits Künstler und Fans, die näher zusammenrücken.“

Sven Regner hat das wohl nicht kapiert. Dazu Stadler:

„Im klassischen Mäzenatentum des Mittelalters war der Künstler vollkommen abhängig von der Gunst eines Mäzens. Das war ein hierarchisches Verhältnis. Heute ist es eher ein kooperatives Verhältnis. Das alte Modell funktioniert nur noch für eine Minderheit, zu der auch Regener gehört. Das ist eine prominente Minderheit, die von den verkauften Kopien profitiert und davon leben kann. Es ist nicht so, dass auf der einen Seite Fans und Künstler stehen und auf der anderen Seite die bösen Verlage. Hier wird auch Hand in Hand gearbeitet, weil es in diesem Kultur-Modell darum geht, dass eigentlich die Kopie eines Werkes bezahlt wird, nicht der Inhalt.“

Bei den Crowdfunding-Modellen sei das anders: Ein Künstler stelle seine Idee vor oder hatte bereits einen tollen Roman geschrieben, eine gute CD gemacht, und wirbt um Unterstützer, die das Projekt mit Spenden oder anderen Leistungen ermöglichen.

„Dass ein Künstler für sein Publikum und zusammen mit seinen Fans arbeitet, das ist per se nichts Schlimmes. Wir werden in Zukunft vermutlich häufiger solche Projekte erleben“, sagt Stadler.

Jo. Richtig. Aber das ist Leuten wie Sven Regener wahrscheinlich viel zu anstrengend. Aber die Aufmerksamkeit muss man sich im Netz verdienen und kann sich nicht hinter dem Apparat der Verwertungsindustrie bequem verkriechen.

Die Masse der Künstler bekommt von den Verwertungsbubis noch nicht einmal ein Taschengeld. Auch was VG Wort für Publizisten ausschüttet ist lächerlich – da bekam ich jüngst schlappe 46 Euro. Wahnsinn. Stadler sieht das ähnlich.

„In der Schweiz bekommen viele Mitglieder der Verwertungsgesellschaft gar nichts, dreiviertel Peanuts, ein paar verdienen ganz gut und ganz wenige richtig viel – das sind die klassischen Bestseller. Das ist in Deutschland durchaus vergleichbar. Die neuen Modelle setzen genau dort an, wo es nicht mehr um die Kontrolle der Kopie geht, sondern um die künstlerische Idee. Der Niedergang der alten Modelle, die auf starker Urheberrechtskontrolle beruhen, ist begleitet von einem Aufblühen alternativer Ideen, eben zum Beispiel durch Crowdfunding, kooperative Produktionen, aktive Fans.“

Sogar Unternehmensberater können nicht mehr nach den alten Modellen arbeiten und die sind sicherlich andere Honorare gewöhnt: Schutzwälle für Verwertungsmonopole und gesetzlich initiierte Konjunkturprogramme für Abmahnanwälte zählen sicherlich nicht zu den innovativen Antworten auf die vernetzte Ökonomie. Die Altverleger-Weisheiten, die in der Mein-Kopf-gehört-mir-Aktion zum Ausdruck kommen, sind eher Rückzugsgefechte, so Bernhard Steimel von der Future Management Group im Ich sag mal-Bibliotheksgespräch.

„Am Ende einer Ära sieht man immer krisenhafte Zuspitzungen. Die Verlagswelt hat in den vergangenen zehn Jahren festgestellt, dass die herkömmlichen Abonnentenmodelle nicht mehr funktionieren. Ich kann das auch in meiner Funktion als Studienautor erkennen. Vor zehn Jahren habe ich eine Studie klassisch verkauft und habe dafür einen fünfstelligen Betrag verlangt. Diese Zeiten sind vorbei. Was da als Umsonstkultur bezeichnet wird, ist nur eine Verschiebung in andere Geschäftsmodelle. Unsere neue Abhandlung über Social Commerce wird beispielsweise gegen Registrierung kostenfrei angeboten. Deswegen arbeite ich aber nicht umsonst“, sagt Steimel.

Finanziert werden solche Projekte über Sponsoren, Vorträge und Werbung. Der Erfolg der Piraten sei ein Signal für die Umwälzungen der digitalen Welt:

„Diese Partei arbeitet mit sozialen Technologien und hat auf diesem Feld einen klaren Kompetenzvorsprung“, resümiert Steimel.

Die polemische Agitation der Etablierten würde in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu kurz greifen.

Größere Rolle der Nische

Je mehr Güter ihre materiellen Eigenschaften verlieren und in digitalisierter Form vorliegen, desto mehr spiele die Nische eine große Rolle – Chris Anderson spricht vom Long-Tail-Effekt. Umso wichtiger werden im E-Commerce die sozialen Filter – also die Kultur der Weiterempfehlung. Für Unternehmen, die es gewohnt sind, alle Karten in der Hand zu halten, ist die neue Macht der Kunden ein furchterregender Zustand. Entsprechend haben sie als Anbieter zwei Möglichkeiten, auf die neue Situation zu reagieren: Die liebwertesten Gichtlinge der Gesternwelt können versuchen, einer Kontrollillusion anheimzufallen und den Anschluss an die vernetzte Ökonomie zu verlieren oder:

„Sie gehen den Erfolg versprechenden Weg und geben den Kunden Zugriff auf ihre Daten und die Chance, mit den Mitarbeitern des Unternehmens zu interagieren“, so die von Steimel betreute Social-Commerce-Studie, die in Kooperation mit dem Fachmagazin absatzwirtschaft erstellt wurde.

Siehe auch:

AGITATION GEGEN DIE „UMSONSTKULTUR“.

Oder: „Computer können Prosa schreiben“: Starre Strukturen und strenge Urheberrechtsbestimmungen: darauf hatten Eva von Redecker und Aurélie Herbelot keine Lust mehr. Sie gründeten den PeerPress-Verlag. Julia Korbik sprach mit den beiden Verlegerinnen über Computer, die Gedichte schreiben, und die Ähnlichkeit zwischen Lastwagen und Hamstern.

Sparlampen werden nicht nur teurer, sie sind auch toxikologisch strahlend schön


Der Rasen ist zu grün, der Ball zu rund, ein Spiel dauert 90 Minuten und zufälliger Weise müssen wegen der gestiegenen Rohstoffpreise die Energiesparlampen teurer werden und das zu einem Zeitpunkt, an dem man die herkömmlichen 60-Watt-Glühbirnen nicht mehr verkaufen darf. „Inklusive einer Preisanhebung vom Frühjahr verteuern sich laut Osram-Sprecher Stefan Schmidt Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren um bis zu 25 Prozent“, so die Tagesschau.

Hintergrund sei nicht das Glühbirnenverbot, sondern der Anstieg der Rohstoffpreise (ach was): „Seltene Erden sind in den vergangenen zwölf Monaten um 700 Prozent teurer geworden.“ Für die Produktion der Leuchtmittel würden vor allem Lanthan, Europium, Terbium und Yttrium aus der Gruppe der Seltenen Erden benötigt, erläuterte Schmidt. Den Osram-Kunden sei die Preiserhöhung schon vor einigen Wochen angekündigt worden. Ob und wie stark diese Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben würden, liege allerdings beim Handel, sagte Schmidt weiter. Osram-Vorstand Martin Goetzeler hatte zuvor der „Financial Times Deutschland“ erklärt, er rechne mit Preissteigerungen in der gesamten Branche.

Die anderen Hersteller werden dem Beispiel sicherlich folgen. Da passt doch auch ein Bericht der WDR-Sendung „Markt im Dritten“. Rat an die Verbraucher: Man sollte genau überlegen, wo man Energiesparlampen einsetzt. „Denn bei Betrieb werden sie heiß und könnn Schadstoffe ausdampfen.“

Was so an Emissionen gemessen wurde, dokumentiert dieses Filmchen.

Warum diese ganze Verbotsaktion auch ökologisch schwachsinnig ist, habe ich hier ja schon aufgeführt.

Glühbirnen-Anarchie
Glühbirnen-Anarchie

Deshalb gilt mein Motto: Es lebe der Glühbirnen-Anarchismus!

Und: Wehrt Euch gegen die Eurokraten – Kauft Glühbirnen in Bosnien!

Höchste Auszeichnung für Denkmalschutz geht an die Initiative Beethovenhalle

Gerade hat es auch die Tagesschau berichtet: Im Kieler Schloss sind zehn ehrenamtliche Einrichtungen und engagierte Bürger mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet worden. Der Preis – eine silberne Halbkugel – ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in Deutschland. Er wird an Persönlichkeiten und Gruppen vergeben, die sich ehrenamtlich dem Schutz, der Pflege und der dauerhaften Erhaltung des baukulturellen und archäologischen Erbes widmen.

Ausgezeichnet wurde die Initiative Beethovenhalle aus Bonn – darüber habe ich ja bereits berichtet. Seit mehr als einem Jahr engagieren sich drei Kunstgeschichtsstudenten für den Erhalt des Gebäudes aus der Nachkriegszeit. WDR interviewte Constanze Moneke, die zu den Mitinitiatoren zählt: „Die Nachkriegsarchitektur war als Kunsthistoriker kein Neuland für uns, aber die Beethovenhalle kannten wir nicht im Detail. Mit den Einzelheiten, wie beispielsweise Fußbodenmaterial und Stützenverkleidung, haben wir uns erst dann beschäftigt. Ich habe dann auch im Hamburgischen Architekturarchiv im Nachlass von dem Architekten Sigfried Wolske geforscht und manches herausgefunden, was uns in Bonn noch nicht so bekannt war. Zum Beispiel bezüglich des Farbkonzepts der Beethovenhalle. Im Eingangsbereich gibt es eine mitternachtsblaue Decke. Wir hatten immer vermutet, dass diese Farbe erst später angebracht wurde, aber tatsächlich ist es so, dass schon 1959, mit Einweihung der Beethovenhalle, diese Farbgebung vorhanden war“, so Moneke im Gespräch mit dem WDR.

Die Initiative sei bei den Befürwortern des Festspielhauses auf Gegenwind gestoßen. Das sei allerdings nicht sachgerecht. „Wir sind durchaus auch für ein neues Festspielhaus, nur eben nicht auf dem Baugrund der Beethovenhalle. Darüber hinaus wollten wir die Menschen lediglich für die Bauten der fünfziger Jahre sensibilisieren. Ansonsten haben wir in unseren Fachkreisen deutschlandweit nur positive Resonanz bekommen“, sagte die Studentin.

Die Zukunft der Beethovenhalle sei noch nicht gesichert. „Die Diskussion um den Abriss gibt es ja noch. Deshalb wollen wir die Aufmerksamkeit für die Beethovenhalle weiter aufrecht erhalten und uns nach Möglichkeiten für eine Sanierung der Beethovenhalle umzuschauen. Dafür werden in Zukunft arbeiten“, erklärte Moneke.

Ich werde weiter über dieses Thema recherchieren und berichten, auch über die Planungen des Festspielhauses (was ich herausgefunden habe, verrate ich noch nicht).

Siehe auch:
Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.