Liebwerteste Gichtlinge: Mitmach-Politik statt Hinterzimmer-Kungeleien!

Nach dieser fast schon geschichtsträchtigen Wahl in Baden-Württemberg komme ich nicht daran vorbei, die politischen Konsequenzen dieses Wahlabends in meiner morgigen The European-Kolumne zu würdigen. Alles breite ich hier noch nicht aus, sonst macht ja die Veröffentlichung morgen keinen Sinn mehr. Nur soviel:

Der semantische Atompilz von Herrn Brüderle im Kreise der um Machterhalt bemühten Atomstrom-Lobbyisten des BDI wird vielleicht einmal als provinzielle Randnotiz oder Lachnummer in die Geschichtsbücher eingehen. Die Protokollaffäre des Bundeswirtschaftsminister dokumentiert nicht nur den Zerfall der Schwarz-Gelben-Herrlichkeit in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, sondern auch den Niedergang der Polit-Apparatschicks der alten Schule, die es gewöhnt sind, politische Machtfragen und Karrieren in Hinterzimmern zu regeln. Selbst das so holprig verkündete dreimonatige Atom-Moratorium und die zwei gegründeten Kommissionen entsprechen dieser Logik. Der Aktionismus von Merkel und Westerwelle sowie die unfreiwillig preisgegebenen Wahrheiten von Brüderle nach dem Schock von Fukushima verspielten den letzten Rest an Vertrauen, der für politische Autoritäten zum Lebenselixier zählt.

Die von der Bundeskanzlerin so inflationär bemühte Phrase der Alternativlosigkeit, die vom demontierten Ministerpräsidenten Mappus gepflegte Basta-Pose und die allgemein beliebten Heilsversprechen der Politiker verhallen in einer Gesellschaft, die sich digital selbständig organsiert, auf Einweg-Kommunikation allergisch reagiert und ritualisierte Hierarchien in Wirtschaft und Politik ignoriert.

Wie sollte denn jetzt Schwarz-Gelb auf dieses Wahldebakel reagieren?

Am Montag dann mal bei „The European“ vorbeischauen 🙂

Nachtrag: Hier nun meine Montagskolumne.

Aktionismus, Phrasen und Basta-Posen lassen die politische Führung zunehmend hilf- und orientierungslos erscheinen. Die Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zeigen, dass das auch der Wähler erkennt. Die Laberkultur im Bescheidwisserduktus muss endlich einer Politik der Mitbestimmung weichen.

„R2D2 sitzt in Australien“

Hier ist der komplette Vortrag als Audioaufzeichnung (auch zum Herunterladen):

Oder hier:

Der Nutzen von Facebook für Obi-Wan Kenobi und die Star Wars-Kommunikation von morgen

Über Retweets, Facebook-Verlinkungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen.
Hoffe, die Story gefällt Euch.

Was passiert, wenn man Star Wars, Facebook und semantische Technologien kombiniert?

Als Jugendlicher war der Physiker Michio Kaku von der Aussicht begeistert, auf Zeitreise zu gehen, Strahlenpistolen zu haben oder Kraftfelder, Paralleluniversen und dergleichen zu erforschen. „Magie, phantastische Literatur und Science-Fiction-Geschichten regten meine Vorstellungskraft an, und so begann meine lebenslange Liebe zum Unmöglichen“, schreibt Kaku in seinem Opus „Die Physik des Unmöglichen – Beamer, Phaser, Zeitmaschinen“, erschienen im Rowohlt Verlag. Als Naturwissenschaftler hat er gelernt, dass sich das „Unmögliche“ häufig als relativer Begriff erweist. 1863 erwies sich Jules Verne in seinem Roman „Paris im 20. Jahrhundert“ als äußerst weitsichtig. Darin stellte er sich vor, wie es in der französischen Hauptstadt des Jahres 1960 aussehen würde. Verne bringt eine Technik zum Einsatz, „die im 19. Jahrhundert zweifellos als unmöglich betrachtet wurde, nämlich Faxgeräte, ein weltumspannendes Kommunikationsnetzwerk, Wolkenkratzer aus Glas, benzinbetriebene Autos und Hochgeschwindigkeitszüge auf Stelzen“, so Kaku. Da Verne großes Verständnis für die Grundlagen der Wissenschaft aufbrachte, gelang ihm dieser bemerkenswerte Blick in die Zukunft. Im Gegensatz zu Lord Kelvin, der Flugapparate, die schwerer als Luft sind, für undenkbar hielt. Röntgenstrahlen betrachtete er als Schwindel und für das Radio sah er keine guten Erfolgsaussichten. Lord Rutherford, der den Atomkern entdeckte, verwarf die Möglichkeit einer Atombombe. „Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Schwarze Löcher als Science-Fiction betrachtet“, führt Kaku aus.

Wie man aus der Vergangenheit die Zukunft ableiten lässt, könne man sehr schön an Star Wars erkennen, sagte Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies in einem Vortrag über die Entwicklung der Sprachkommunikation. Was könnte passieren mit einer Kombination aus Star Wars, Facebook und semantische Technologien. „Stellen Sie sich vor, es hätte bei Star Wars schon ein Facebook gegeben und der Kanzler Kanzler Palpatine, Count Dooku, Jabba the Hut und andere Bösewichte wären miteinander befreundet gewesen. Da hätte Obi-Wan Kenobi sofort herausgefunden, wer hinter der großen Verschwörung steckte und das Ganze wäre geplatzt. Wir gehen in unserem Zukunftsszenario über Star Wars hinaus. Damals gab es noch kein Facebook, keine Suchmaschinen oder semantische Technologien. Es gab zwar R2D2, den bekommen wir aber auch bald“, so Stahl in seiner launigen Rede in Stuttgart.

Wie er sich die Kommunikationswelten von morgen vorstellt, berichte ich in einem Beitrag für den Düsseldorfer Fachdienst Service Insiders.

Hoffe, die Spannung steigt jetzt ins Unerträgliche…..:-)

Einen kleinen Vorgeschmack habe ich in einem kurzen Interview mit Bernd Stahl erörtert:

Max Bense und die Weltprogrammierung

Zum 100. Geburtstag des Philosophen Max Bense zeigt das ZKM eine Ausstellung zu dessen internationaler Wirkung auf bildende Kunst und Literatur, die von Brasilien über Osteuropa bis Japan reichte. Die Schau, mit der die ZKM-Reihe „Philosophie und Kunst“ fortgeführt wird, stellt Bense als Dichter und Schriftsteller vor, als Kunst- und Literaturtheoretiker sowie als Ausstellungskurator und Publizist. Sie zeigt einen Künstler und Theoretiker, der eng mit der Konkreten Poesie und der Konkreten Kunst sowie der Computerkunst verbunden war, sich jedoch auch anderen Kunsttendenzen mit Leidenschaft zuwandte. Die Ausstellung mit Publikationen Max Benses sowie Grafiken, Gemälden und Skulpturen der Künstler, die Bense ausstellte oder über die er schrieb, wird ergänzt durch Manuskripte und Fotografien sowie Aufzeichnungen seiner Hörfunkbeiträge und Fernsehauftritte. Sie zeigen den Philosophen und seinen Blick auf die „Kunst in künstlicher Welt“ (1956).

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