Abschied vom Tastenwahlblock – Sprachsteuerung als „Tipping Point“ des mobilen Internets

Lösungen von Nuance für die Automobilbranche
Lösungen von Nuance für die Automobilbranche
Mobile Computer und Navis setzen sich nach einem Bericht des Computer Informationsdienstes (CID) immer mehr durch. Doch wer unterwegs auf den Rechner zugreifen möchte, hat nicht immer die Hände frei oder muss die Augen auf seine Umgebung richten. Hier sehen die Marktforschungsexperten der Datamonitor Group die größten Chancen für Sprachsteuerungs-Applikationen. Die weltweiten Umsätze mit sogenannter „Advanced Speech Recognition” (ASR) sollen demnach in Smartphones und mobilen Kleinrechnern von 32,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2009 auf 99,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 steigen. Für die Spracherkennung in Fahrzeugen sagen die Analysten eine Steigerung von jetzt 64,3 Millionen US-Dollar auf 208,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 voraus.

Sprachsteuerung für mobile Geräte
Sprachsteuerung für mobile Geräte
Sprachcomputer zählen auch für die Suchmaschinen zu den wichtigsten Instrumenten, um das mobile Internet bequem bedienen zu können. So bietet Yahoo ab sofort die Handy-Applikation „oneSearch Voice“ für Smartphones und das iPhone in Deutschland an. Das lästige Tippen auf der kleinen Tastatur oder dem Touch-Screen falle weg. Es genüge jetzt, den Suchbegriff per einfach auszusprechen. Die Darstellung der Ergebnisse werden für Handy-Displays optimiert angezeigt: Statt langer Linklisten liefere Yahoo nach Kategorien gegliederte Antworten. Sucht man beispielsweise mit der gesprochenen Eingabe „Bundesliga“ nach aktuellen Fußballergebnissen, erhält man eine Vielzahl von detaillierten Resultaten wie aktuelle Spielstände, Tabellenübersichten, Fotos sowie weiterführende Links. Die Ergebnisse sind nach Angaben von Yahoo übersichtlich in Kategorien aufbereitet. „Das System ist lernfähig: Es passt sich immer besser an die individuelle Sprechweise seines Nutzers an, je häufiger es eingesetzt wird. Während die meisten mobilen Spracherkennungssysteme auf einzelne Kategorien wie lokale Suchen spezialisiert sind, bietet wir den Nutzern die Möglichkeit, offene Suchanfragen zu stellen – mit hoch relevanten Ergebnissen für jede Art von Spracheingabe“, erklärt Michael Stenberg, Partner Director Central & Eastern Europe Yahoo! Mobile. Stenberg. Wer es dennoch lieber klassisch mag, könne nach wie vor auch die herkömmliche Texteingabe nutzen.

tipping pointDurch das Spracherkennungs-Feature will Yahoo seine Position als zentraler Einstiegspunkt ins mobile Internet festigen. Die Applikation kann unter http://de.m.yahoo.com/voice direkt auf unterstützte Handys oder über den iTunes Store auf das iPhone heruntergeladen werden. Die Sprachsteuerung wird von Web 2.0-Pionier Tim O’Reilly http://radar.oreilly.com sogar als „Tipping Point“ gewertet: Der Begriff bezeichnet jenen Moment, in dem etwas Einzigartiges zum Normalzustand wird und einen qualitativen Umschlagspunkt markiert. „Es ist es an der Zeit, Telefone als erstklassige Geräte zu sehen, um auf das Internet zugreifen zu können, und nicht nur als Möglichkeit, Inhalte und Anwendungen umzuwidmen, die ursprünglich dazu gedacht waren, mit einer Tastatur und einem Bildschirm gelesen zu werden“, meint O’Reilly.

Tastenwahlblock auch digital bislang nicht tot zu kriegen
Tastenwahlblock auch digital nicht tot zu kriegen
Auch in der ITK-Branche erwartet man Impulse von der Sprachsteuerung: „Computer werden heute immer noch primär über eine Tastatur bedient, die aus der Schreibmaschine entstanden ist, so als ob jeder Tastendruck einen mechanischen Hebel in Bewegung setzt. Selbst der Zeilenvorschub und Wagenrücklauf alias Carriage return ist uns erhalten geblieben, obwohl damit schon lange kein Papier mehr transportiert wird. Telefone haben zwar die Revolution von der Wählscheibe hin zur – in der Regel – 3×4 Tastatur gemacht, standardisiert nach ITU E.161, das erfolgte aber bereits in den 70er Jahren. Selbst moderne Handys und Smartphones halten sich noch an den Tastenwahlblock, entweder in mechanischer Ausführung oder als Icon-Darstellung auf einem Touchscreen“, weiß Andreas Latzel, Deutschland-Chef des ITK-Spezialisten Aastra, der viel Wert auf die Benutzerfreundlichkeit seiner Systeme legt. Die Technikentwicklung verlaufe zwar rasant, im Kern aber immer noch traditionell. Vorhersehbar sei, dass der Tastaturblock an seine Grenzen stoße – spätestens mit der breiten Einführung der SIP-Telefonie und der SIP-Teilnehmeradressen.

„Anders als bei professionellen Tischgeräten kommt die Ausstattung von Handys mit alphanumerischen Tastaturen zwar auch vor, ist aber in der Regel wegen der beschränkten Abmessungen nicht befriedigend. Da bietet sich der Weg zum Sprachinterface an: der Ansage von Adressen oder Einträgen des Telefonbuchs in normaler Sprachform. Sinnvoll ist das beim Autofahren oder anderen Tätigkeiten, die beide Hände verlangen“, erläutert Latzel. Noch interessanter werde die Sprachsteuerung nach Ansicht von SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape, wenn Wissen über die Domäne und Dialogintelligenz hinzukommen. „Dann kann man von Sprachdialogsystemen sprechen. Das ist das, was wir mit dem Personal Assistant umsetzen. Dazu müssen die Wissensgebiete semantisch aufbereitet und Dialogstrategien hinterlegt werden. Die wichtigsten Use-Cases gilt es zu modellieren“, resümiert Pape.

E-Reader und der iPod-Effekt: Papier wird das neue Vinyl

Lobo und der Medienumbruch
Lobo und der Medienumbruch
Medienberichten zufolge plant Amazon den Marktstart eines neuen E-Book-Readers für Tageszeitungen und Zeitschriften. Der Kindle mit Großdisplay soll angeblich noch in dieser Woche kommen. Ähnliches hat wohl auch Apple vor. Überraschend ist das nicht, hängen die gedruckten Tageszeitungen in den USA tief in der Talsohle. Die neuen digitalen Endgeräte für das klassische Zeitungsgewerbe deutet auf eine Zäsur der Medienlandschaft hin. Webexperte Sascha Lobo glaubt sogar, dass wir vor einem unfassbaren Umbruch stehen, den viele noch gar nicht realisiert hätten.

Der Glaube, dass das Internet nur ein weiterer Kanal sei, „ist ja der Glaube ans Rieplsche Gesetz – der Glaube daran, dass erfolgreiche Medien sich nicht ersetzen, sondern ergänzen“, so Lobo im Interview mit dem Medium-Magazin. Das würde jetzt aber nicht mehr stimmen. „Die Tageszeitung wird das Medium sein, das als Erstes stirbt. In den USA ist es schon so weit und es wird auch in Deutschland passieren“, prognostiziert Lobo. Papier werde das neue Vinyl. Etwas für Liebhaber.

Wenn ein E-Reader auf den Markt kommt, der eine ähnliche Qualität wie der iPod habe, dann werden die Printmedien auf einen Schlag diejenigen Leser verlieren, welche die Musikindustrie verloren hat, als der iPod auf den Markt kam.

E-Reader aus Berlin
E-Reader aus Berlin
Erfolgversprechend sei nach Ansicht des Sprachdialogspezialisten Lupo Pape die Entwicklung von Txtr. „Da arbeitet eine sehr spannende Firma in Berlin an einem viel besseren Produkt als Amazon und Sony, welches im Spätsommer auf den Markt kommen wird. Analog zu iTunes ist es nicht nur ein Stück Hardware, sondern gleich eine Software-Plattform, die auch für andere Endgeräte ein noch breiteres inhaltliches Spektrum bieten wird“, so SemanticEdge-Geschäftsführer Pape.

Yogeshwar: „Friss oder stirb“-Kundenservice hat in der Web 2.0-Welt ausgedient

Yogeshwar kommt zu den Voice Days plus nach Nürnberg
Yogeshwar kommt zu den Voice Days plus nach Nürnberg
Ranga Yogeshwar eröffnet als Hauptredner den Fachkongress der Voice Days plus 2009 am 6. Oktober 2009 in Nürnberg. „Der Umgang mit dem Neuen“ ist das Thema des bekannten Wissenschaftsjournalisten mit Fernsehsendungen wie „Kopfball“ oder „Wissen vor 8“. Die Innovationen der Web 2.0-Welt haben nach Ansicht von Yogeshwar zu einer tiefgreifenden Veränderungen des Kundenservice. Früher setzte das Unternehmen setzte dem Kunden ein Produkt vor und der Kunde hatte keine andere Wahl, als dieses Produkt zu akzeptieren oder eben nicht zu akzeptieren, ganz nach dem Motto: „Friss oder stirb!“

„Mit dem Web 2.0 und vergleichbaren Technologien wurde die ganze Entwicklung quasi auf den Kopf gestellt. Heute ist der Kunde zum besten Entwickler des Unternehmens geworden. Der Kunde selbst hat sehr viel mehr an Einfluss gewonnen, denn er hat viel besseren Zugang zu Informationen“, so Yogeshwar.

Verbraucher haben klare Erwartungen an Dienstleistungen und viel mehr Möglichkeiten zum gnadenlosen Vergleich. „Durch das Web 2.0 ist ein immenser Druck auf die Unternehmen entstanden: Sie erleben ein Dauer-Benchmarking“, erläutert der Wissenschaftsjournalist. Kunden würden sich untereinander dezentral austauschen ohne Rücksicht auf interne hierarchische Positionen. „Bei einem Unternehmen mit starren und hierarchischen Strukturen ist das anders: Sie werden keinen Unternehmenslenker finden, der direktes Feedback von einem seiner Mitarbeiter erhält, der in der Hierarchieleiter ganz unten steht. Er bekommt also nie Feedback von jemandem, der nah am Kunden arbeitet. Und das führt unter Umständen dazu, dass Unternehmen sich schwer tun, ein gutes Gespür für den Kunden zu entwickeln, wenn es um strategische oder längerfristige Entscheidungen geht“, sagt Yogeshwar.

Häufig sei der Kundenservice vom Kunden genervt und möchte sich eigentlich gar nicht mit ihm auseinandersetzen. „Das lässt sich vor allem auf die Art und Weise zurückführen, wie Unternehmen mit ihren Kunden in Kontakt treten. Provokant könnte man sagen: ‚mit der telefonischen Warteschleife’. Nach außen ist die Rede von einer 24/7-Erreichbarkeit und persönlichem Rundumservice, in Wahrheit aber wird der Kunde oft enttäuscht. Und obwohl die technologischen Möglichkeiten vorhanden sind, wird kaum differenziert, ob es sich um einen Erstkunden oder einen Wiederholungstäter handelt. Die Möglichkeiten eines personalisierten Services werden kaum wahrgenommen“, kritisiert der Fernsehmoderator.

Er habe mal einen wunderbaren Tag mit Alan Kay, dem Chefentwickler von Apple, verbracht. „Er hat mir einfach noch mal im Detail erklärt, wie Apples Planung und Entwicklung neuer Produkte aussieht: Im Vordergrund steht nicht, was technologisch möglich ist, sondern was der Kunde wirklich braucht und was nicht. Erst wenn die genauen Bedürfnisse des Kunden, seine Verhaltensmuster aber auch seine Skepsis Neuem gegenüber und seine Verunsicherungen analysiert sind, werden die übrigen Entwicklungsprozesse angestoßen. Das ist etwas, was vielfach extrem verbesserungswürdig ist. Vorausschauend für mich ist: Technologie immer im Hinterkopf zu behalten, aber im Kern wirklich genau auf den Kunden zu schauen“, rät Yogeshwar.

Kollabieren deutsche Firmen?
Kollabieren deutsche Firmen?
Zu einer ähnlichen Auffassung gelangt der Internet-Experte Sebastian Paulke von der Agentur Wort + Welt. „Im Kundenservice, in der Produktgestaltung oder beim Verkauf benötigt man ‚Open Innovation-Modelle’. Von einer Google- oder Share-Economy sind die deutschen Firmen noch Lichtjahre entfernt. Die großen Konzerne werden nach wie vor geführt wie in den guten alten Zeiten des Industriekapitalismus. Freiräume für kreative Köpfe und smarte Dienstleister bestehen kaum. Man konzentriert sich eher auf die Erfassung von Arbeitszeiten, definiert ständig neue Abteilungsgrenzen, enge Aufgabengebiete und blockiert Netzwerkeffekte. Wo sind denn bei uns im Lande die offenen Plattformen, wo sich Entwickler austoben könnten wie bei Google oder Apple? Da findet man nichts vernünftiges. Deutschen Firmen fehlt das Google-Gen“, kritisiert Paulke, Co-Autor der Studie „Kollaborieren oder Kollabieren“.

Die letzte Schlacht der analogen Welt

Mit dem „Heidelberger Appell“ und dem „Fair Syndication Consortium“ formieren sich Federkiel-Intellektuelle und Verleger, um das OpenAccess-Prinzip des Internets zurückzudrehen. Im Zentrum der Empörungswelle steht vor allem Google. Die Revolte erinnert ein wenig an die hilflosen Versuche der Musikindustrie, Tauschbörsen und mp3-Download-Piraterie mit, Kopierschutztechniken, strafrechtlichen Abschreckungsmaßnahmen und Abmahnterror in den Griff zu bekommen. Wenn die Musikbranche ihre Energie und Kreativität statt in Juristen eher in Marketing und Innovationen gesteckt hätte, dann wäre es ihr selbst gelungen, sich neu zu erfinden und nicht Apple. Denn mit der Plattform iTunes und den coolen Endgeräten ist es Steve Jobs gelungen, gigantische Umsätze zu machen.

Statt über Urheberrechts-Attacken gegen die Google-Ökonomie zu sinnieren, sollten Verleger, Wissenschaftler und Schriftsteller sich lieber Gedanken machen, wie man im Internet attraktive Geschäftsmodelle kreieren kann. Darauf hat der Billing-Experte Omar Khorshed von der Düsseldorfer Firma acoreus schon vor Jahren hingewiesen. „Viele Firmen sind nicht in der Lage, massenfähige Produkte mit attraktiven, einfachen und kostengünstigen Billingangeboten zu etablieren“, mahnte Khorshed. Hier werden die meisten Fehler gemacht. Wenn Verlage in Bezahldatenbanken pro Artikel zwei bis sechs Euro verlangen, haben sie den Schuss eben noch nicht gehört.

Medienprofessor Jeff Jarvis hat das in seinem Buch „Was würde Google tun“ treffend beschrieben. Das Knappheitsmodell der Wirtschaft und damit die Kontrolle über Inhalte haben ausgedient. Google hatte eben frühzeitig den Instinkt, Plattformen und Netzwerke zu schaffen, statt Inhalte zu kaufen oder zu produzieren.

Warum sollte es nicht möglich sein, auch Bücher über Anzeigen zu finanzieren? Jarvis verweist in seinem Buch auf den googeligsten Autor, denn er kennt: Paulo Coelho. Er glaubt, dass die Raubdrucke seiner Bücher in russischer, japanischer, norwegischer oder serbischer Sprache ihn zum meist übersetzten lebenden Autor gemacht hat. Die Raubdrucke waren derart hilfreich, dass Coelho auf seiner eigenen Homepage Links dazu einrichtete.

Kluge Buchvermarktung im Internet
Kluge Buchvermarktung im Internet

Wenn ein Coelho-Buch in Druck geht, wird mit dem Verlag auch über zahlreiche digitale Alternativen gesprochen. Beispielsweise sein Werk in voller Länge einige Wochen vor seiner Veröffentlichung ins Internet zu stellen, Auszüge in Serie für eine gewisse Zeit online zu veröffentlichen, kostenlose Videoausgaben herzugeben und vieles mehr. Seinen Blog nutzt der Schriftsteller, um seine Leser in seinen Schaffensprozess einzubeziehen und für Recherchen zu befragen – etwa zum Thema Mode und die Anziehungskraft von Markennamen. Coelho twitter sogar. „Er benutzt einen ausklappbaren Camcorder, um Fragen für sein Publikum aufzuzeichnen und sie über Seesmic.com, eine Video-Gesprächsplattform, online zu stellen“, so Jarvis. Coelho bat seine Leser sogar, einen seiner Romane zu verfilmen und Sponsoren zu suchen, um das Projekt zu finanzieren. Online verfolgt er sehr erfolgreich die Absicht, Beziehungen zu mehr Lesern aufzubauen und mehr Bücher zu verkaufen. Daran sollten sich die Unterzeichner des Heidelberger Appells ein Beispiel nehmen. Sie sollten Google nicht wie einen Feind behandeln, sondern als Verbündeten einsetzen. Denn über Google entdecken immer mehr Leser über Suchanfragen und Links neue Autoren. „Autoren erreichen hier einen immens großen Teil des Publikums, der niemals einen Buchladen betreten würde. Für Verleger und Autoren eröffnen sich neue Wege, Bücher ins Gespräch zu bringen“, resümiert Jarvis. So wie es Beispiel der Bonner Bernstein Verlag auf Facebook praktiziert.

Sprachsteuerung und elektronische Begleiter sollen Internetnutzung vereinfachen

IBM-Forscher Moshe Rappoport
IBM-Forscher Moshe Rappoport
Microsoft-Chef Steve Ballmer erwartet in den kommenden Jahren unglaubliche Dinge: Bildschirme, flexibel wie Papier, Computer, die sich mit Sprache oder Gesten steuern lassen und Software, die aus der Wolke kommt. Selbst in der prekären Wirtschaftslage werde das Tempo der technischen Entwicklung nicht verlangsamt. Ganz im Gegenteil. Zu dieser Einschätzung gelangte Ballmer auf einer Konferenz der Financial Times Deutschland in Köln.

Experten bestätigen, dass die Sprachsteuerung (nicht zu verwechseln mit den dämlichen Ansagen am Telefon „Drücken Sie 1, 2 oder 3 und warten dreitausend Jahre auf den Call Center-Agenten, der Ihnen auch nicht weiterhelfen kann) für das Surfen im Internet an Relevanz gewinnen wird. Davon sind auch die Forscher von IBM überzeugt. Die neue Technologie werde einen Veränderungsprozess einleiten und die Art und Weise beeinflussen, wie der Mensch mit Informationen und E-Commerce umgeht. „Wir wissen, dass das machbar ist, da uns bereits heute die erforderliche Technologie zur Verfügung steht, wir wissen aber auch, dass die Zeit dafür reif ist“, so IBM. In Ländern wie Indien, in denen das gesprochene Wort im Bildungswesen, in Regierungskreisen und in der Kultur eine größere Bedeutung habe als das geschriebene Wort, stellt das „Sprechen” mit dem Internet bereits alle anderen Kommunikationsschnittstellen in den Schatten.

„Gleiches geschieht bei Mobiltelefonen, die mittlerweile die PC-Anwendung übertrumpfen. Durch die Nutzung der ‚Voice Sites’ werden in Zukunft auch die Menschen ohne Zugang zu einem Computer oder Internet ebenso wie diejenigen, die weder schreiben noch lesen können, von den zahlreichen Vorteilen und Annehmlichkeiten des Internets profitieren“, betont IBM.

Eine Reduzierung der Komplexität im Netz und eine Demokratisierung des Internetzugangs erhoffen sich Computerexperten durch personalisierte, lernfähige und vertraute elektronische Begleiter. „Sie werden dann die lästigen ersten Schritte einer Identifizierung von relevanten Informationen mittels Machine-to-Machine-Kommunikation mit einzelnen Instanzen im ‚Internet der Dinge’ aushandeln“, so die Vision von Andreas Dippelhofer, Mitglied der Geschäftsführung des Düsseldorfer ITK-Dienstleisters acoreus.

Die Stimmen- und Gestenerkennung in der Google Mobile-Anwendung für das iPhone ist nach Ansicht des Sprachdialogexperten Lupo Pape schon ein vielversprechender Ansatz: „Es ist erst einmal eine Sprach- oder Diktiererkennung, die auf einer Suchmaschine und demnächst sogar auf weiteren Handyfunktionen aufsetzt. Sprachdialogsysteme werden es erst, wenn ein Wissen über die Domäne und Dialogintelligenz hinzukommen. Das ist das, was wir mit dem Personal Assistant umsetzen. Dazu müssen die Wissensgebiete semantisch aufbereitet und Dialogstrategien hinterlegt werden. Die wichtigsten Use-Cases gilt es zu modellieren“, erläutert SemanticEdge-Geschäftsführer Pape.

Einen Ausblick wagt auch Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums in Münchnen und CIO des Balinger Technologiespezialisten Bizerba: „In 20 bis 30 Jahren könnten beispielsweise vollständige Unternehmensinformationen auf winzigen Implantaten gespeichert werden. Sie könnten von unterschiedlichen Endgeräten ausgelesen werden, entweder von großen Touchscreens oder unterwegs per Sprachsteuerung über ein Armband mit Minidisplay.“

Intelligente Assistenten werden auch die Shopping-Welt verändern. „Dabei wird die symbiotische Verknüpfung einer neuen Technologie und einer neuen Generation von Mobilgeräten den Einkaufserfahrungen im Einzelhandel dramatische Impulse verleihen. So werden Ankleideräume bald mit digitalen Shopping-Assistenten ausgestattet sein – Touchscreens und sprachgesteuerte Kioske werden Kunden zudem die Möglichkeit eröffnen, Bekleidungsstücke und Accessoires auszuwählen als Ergänzung oder Ersatz für die bereits zusammen gestellte Garderobe“, führt IBM aus.

Die letzte Meile im Einzelhandel werde in einigen Jahren völlig anders aussehen. „Das klassische Ladengeschäft muss nicht mehr Teil des Distributionsnetzes sein. Als Konsument möchte ich nur die allernötigsten Artikel an Ort und Stelle mitnehmen. Was darüber hinausgeht, soll mir nach Hause gebracht werden. Statt weit zu fahren, damit ich zu einem großen Sortiment komme, werde ich zu einem Showroom gehen, wo man mir das ganze Sortiment zeigt – echt oder virtuell“, sagt Moshe Rappoport, IBM- Experte für Technologie- und Innovationstrends. Es müssten nicht mehr alle Artikel im Laden vorrätig sein. Es reiche vollkommen aus, alles zeigen zu können. Nicht mehr das Produkte steht im Vordergrund, sondern der Service. „Nehmen wir Kleider als Beispiel. Ich muss nicht alle Größen in allen Farben haben. Das kann ich in einem elektronischen Dressing-Room in allen Varianten ausprobieren und meine Kaufentscheidung treffen. Komme ich nach meiner Shopping-Tour wieder ins eigene Heim, wartet das Paket schon auf mich und ich kann die Kleidung anziehen“, so der Ausblick von Rappoport.

Greenpeace nutzt die Macht der Marke – Wie die Blogosphäre Apple in die Knie zwang

Greenpeace-Story in der April-Ausgabe von absatzwirtschaft
Greenpeace-Story in der April-Ausgabe von absatzwirtschaft
Greepeace zählt zu den größten Umweltorganisationen. Ihre Aktivisten zwingen mit Aufsehen erregenden Protesten sogar Konzerne in die Knie. Die Marke symbolisiert quasi Guerilla-Marketing. Im Interview mit der Zeitschrift „absatzwirtschaft“ – erschienen in der April-Aussage, erläutert Greenpeace-Chef Gerd Leipold die Strategien seines Vereins. So sei „Green IT“ ein Beispiel dafür, wie Greenpeace die Macht des Marktes für die eigenen Ziele ausnutzt. „Der Wettbewerb unter den IT-Herstellern ist sehr stark. Selbst kleine Verschiebungen haben Auswirkungen auf den Aktienwert des Unternehmens. Die Kunden von IT-Firmen sind zum Teil sehr umweltbewusst. Indem wir klarmachen, wer das umweltverträglichere Produkt hat, stacheln wir den Wettbewerb an“, so Leipold.

So in etwa funktionierte die Apple-Kampagne. Der Steve Jobs-Konzern zeigte sich sehr widerspenstig, wollte nicht auf die Kritik eingehen.

Das Herz der Apple-Kunden getroffen
Das Herz der Apple-Kunden getroffen

„Wir wussten, dass die Nutzer ihre Produkte so lieben, dass ein Aufruf, sie nicht mehr zu kaufen, sinnlos gewesen wäre. Wir wussten aber, dass viele Umweltbewusste einen Apple nutzen. Deswegen haben wir eine Kampagne gestartet, bei der ihr Titel alles sagt: ‚I love my Apple, I wish it came in green.’ Wir haben Nutzer gebeten, das Thema zu diskutieren, dafür Werbung zu machen oder die Apple-Werbung zu persiflieren. Als unsere Kampagne in die Blogosphäre gedrungen ist, hat sie Apple mitten ins Herz getroffen“, erläutert Leipold. In Argentinien habe Greenpeace in sechs Wochen eineinhalb Millionen Unterschriften für ein neues Waldgesetz gesammelt. Die Verbreitung funktionierte über Mobiltelefone, übers Internet und über konventionelle Wege der Kommunikation. Rund 1,5 Millionen Unterschriften entsprechen zehn Prozent der Online-Population und zwei Prozent der wählenden Bevölkerung. Das sei ein Machtfaktor und hat dazu geführt, dass ein gutes Gesetz verabschiedet worden ist.

Erfolgreiche Produktvermarktung
Erfolgreiche Produktvermarktung
Selbst in puncto Vermarktungskompetenz habe Greenpeace häufig den richtigen Riecher gehabt. Etwas beim 3-Liter-Auto oder beim FCKW-freien Kühlschrank. „Der Kühlschrank war ein durchschlagender Erfolg, durch den in fast allen Teilen der Welt im häuslichen Kühlbereich der Umstieg auf das so genannte ‚Greenfreeze’ gelungen ist. Wir arbeiten weiter daran, Greenfreeze im kommerziellen Bereich durchzusetzen. Wir haben eine kritische, aber auch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Coca-Cola, Pepsi-Cola, Unilever, Nestlé und anderen Anwendern von kommerzieller Kühlung etwa für Handel und Gastronomie“, so Leipold. Das 3-Liter-Auto sei ein Beispiel dafür, wie die Industrie frühzeitig etwas von Greenpeace hätte lernen können. „Wenn die deutsche Autoindustrie vor zehn Jahren nicht zu arrogant gewesen wäre, um sich unser Auto einmal richtig anzuschauen, dann würde sie heute besser dastehen“. Die deutschen Autobauer würden zwar effiziente Modelle bauen mit einem hohen Leistungsniveau. Sie habe aber einen wichtigen Trendwandel schlicht verschlafen. Hätte die deutsche Industrie ihre technische Intelligenz, die sicher weltweit führend ist, seinerzeit schon auf den Wandel ausgerichtet, wäre sie heute weiter. Die Kooperation mit Lidl beim Vertrieb des Greenpeace-Magazins bewertet Leipold im nachhinein negativ: „Wir haben ungewollt und unverschuldet bei einigen das Misstrauen geweckt, wir seien nicht unabhängig. Wir haben die Wirkung falsch eingeschätzt. Das war der Fehler, denn unsere Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut. Es war ein guter Ansatz, ein größeres Publikum zu erreichen. Aber kurz darauf hat Lidl bei unseren Pestizidtests von Obst und Gemüse gut abgeschnitten. Es wurde unterstellt, die Ergebnisse seien eine Gefälligkeit, Greenpeace habe sich kaufen lassen. Das ist Unsinn, wir lassen uns nicht kaufen“.

Skype fürs iPhone und der Albtraum von T-Mobile

Skype-Apps fürs iPhone
Skype-Apps fürs iPhone
Der ITK-Journalist Michael Hülskötter hat einen ersten Erfahrungsbericht über Skype fürs iPhone geschrieben. Sein Fazit: „Skype fürs iPhone kommt endlich das Original aufs Apple-Smartphone. Mit allen wichtigen Features, die man von der Mac- und PC-Variante kennt – samt vertrautem Startton. Ok, Konferenzschaltungen und Videochats sind natürlich nicht möglich. Man muss es ja aber auch nicht gleich übertreiben…“.

Die Blockadehaltung von T-Mobile ist typisch. Man melkt die Sprachtelefonie-Kuh, bis sie tot umfällt. Laut Wirtschaftswoche wird T-Mobile Skype voraussichtlich auch bei einem Internetzugang über die Hotspots des Unternehmens unterbinden. Denn die Vertragsbedinungen, mit denen sich die Nutzung von VoIP-Software unterbinden lässt, gelten laut T-Mobile gleichfalls für die WLAN-Zugänge. Davon wäre dann nicht nur das iPhone betroffen, sondern alle WLAN-fähigen Geräte, auf denen sich Skype installieren lässt.

Entsprechend groß ist die Empörung bei Internetexperten.“Mit der Blockade der fällt die Telekom zurück in die finsteren Zeiten der ‘Walled Gardens’ – und verprellt die Kunden ebenso wie sie sich rechtlich auf schlüpfriges Terrain begibt: Für viele Kunden sind die im iTunes-Shop angebotenen Applikationen ein entscheidender Grund, sich zugunsten eines iPhones zu entscheiden. Anstatt willkürlich Skype zu sperren, nicht aber den von der Telekom stark beworbenen Musikfinder Shazam, der auch Datentraffic verursacht, wäre das Unternehmen gut beraten, durch günstige Flatrate-Tarife den Nutzwert von Skype gegen Null zu treiben und durch Kostenführerschaft Marktanteile zu übernehmen“, so der Mobile Services-Experte und Fachautor Sebastian Paulke.

Insbesondere die im Social Web überdurchschnittlich aktive Klientel der iPhone-Nutzer werde sich das nicht bieten lassen: analog dem Versuch von E-Plus und O2, die im vergangenen Jahr den VoIP-Provider Rebtel sperrten, werden sie derartigen Aufruhr in einschlägigen Fach- und Userforen veranstalten, dass die Telekom entweder schnell einlenken und Skype wieder freigeben wird, oder noch mehr Marktanteile an Nutzer verlieren, die ihr iPhone „hacken“ und z.B. mit einem E-Plus Base 5 Full Flat-Tarif betreiben. T-Mobile will wohl die Sprachtelefonie-Kuh so lange melken, bis sie tot umfällt. Aber was kommt danach. Skype lässt sich nicht aufhalten.

Geklaute Mobilfunkwelten, LTE-Feldversuche in Nürnberg und kognitive Funktechnik

dsc_0008Technikjournalisten zufolge haben der Mobile World Congress in Barcelona und die Cebit in Hannover keine Impulse für die Mobilfunkwelt gebracht. Am Ende bleibe nur Enttäuschung und Ratlosigkeit: Keine spektakulären Ideen, wenig Neuvorstellungen und Inspirationen. „Was in diesem Jahr geboten wurde, war vor allem peinlich. Einer guckt vom anderen ab. Microsoft kommt mit seinem neuen Betriebssystem 7 für Taschencomputer nicht in die Puschen. Was macht der Konzern? Er präsentiert ein Interims-Release, Windows Mobile 6.5, und die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, die Geräte nun besser mit dem Finger zu steuern. Abgeschaut bei HTC und seinem Touch Flo-System und natürlich bei Apples iPhone“, schreibt FAZ-Redakteur Michael Spehr. Auch der vom Handy aus erreichbare Marktplatz für Software stamme ursprünglich von Apple. Microsoft mit dem Windows Marketplace und Nokia mit dem Ovi Store würden nur nachahmen. „Wenn Apple neuerdings den Handy-Speicher mit seinem ‚Mobile Me’ ins Internet hinein erweitert, auf dass man mit iPhone und PC auf ein und denselben Datenbestand zugreife, heißt das Plagiat von Microsoft ‚My Phone’ und bei Nokia abermals ‚Ovi’. Die Zielrichtung der großen drei ist damit klar: Wer sich für eines dieser Konvergenzprodukte entscheidet, bindet sich fest an den betreffenden Anbieter, denn natürlich ist nichts untereinander kompatibel“, so Spehr. Insgesamt sei der Auftakt des Mobilfunkjahres 2009 ein Debakel.

„Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Man sollte sein Augenmerk auch nicht nur auf neue Handys oder Smartphones setzen oder welche Apple Store-Kopien sich durchsetzen werden. Vielmehr zeigte der Kongress in Barcelona dem geneigten Fachbesucher zum Beispiel eines: Die neue Technologie Long Term Evolution (LTE) oder 4G, also die vierte Mobilfunk-Generation kommt ins Laufen. Das konnte man zum Beispiel an der Ankündigung von Verizon ablesen, dem größten US-Mobilfunkanbieter, sein Netzwerk in den nächsten Jahren auf LTE umzustellen. Dabei haben Alcatel-Lucent und Ericsson den Zuschlag bekommen. Wie ich finde, eine gute Nachricht für die europäische Telekom-Branche. Nicht zu übersehen war auch die fulminante Präsenz von Ausrüstern aus Asien, allen voran China mit Huawei und ZTE, die eine zunehmende Konkurrenz für die europäischen und amerikanischen Platzhirsche darstellen. Die haben den Ernst der Lage jedoch erkannt“, erläutert Mobilfunk-Experte Dirk Zetzsche von Nash Technologies in Nürnberg. Er geht davon aus, dass vor allen Dingen die Länder der westlichen Hemisphäre auf die LTE-Technologie setzen werden. Sein Unternehmen betreibe in Nürnberg bereits ein eigenes Netz für Feldtests der Netzbetreiber.

So habe der Nokio-Chef Olli Pekka Kallasvuo eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Qualcomm angekündigt, um neue Handys zu bauen, basierend auf den Chipsätzen von Qaulcomm und Nokias S60 Plattform. „Alles in allem kein schlechter Auftakt in das Mobilfunkjahr 2009, auch wenn das kaffeekochende Smartphone und der einzigartige Superstore nicht gezeigt wurden“, meint Zetzsche im Gespräch mit NeueNachricht.

Allerdings klaffen zwischen den Funktionen der neuen Endgeräte und den angebotenen Diensten der Netzbetreiber noch Lücken, betont Aastra-Deutschlandchef Andrea Latzel. „Ob die eingebaute Kamera sechs, acht oder zwölf Megapixel Auflösung hat, spielt im Grunde keine Rolle, genauso wenig, ob das Betriebsystem des Smartphones Mac OS X, Windows Mobile, Symbian oder Android heißt. Insofern variieren die gezeigten Geräte den zur Verfügung stehenden Pool an Leistungsmerkmalen in beliebiger Kombination. Was aber auch nicht wundert, da die den technischen Plattformen der Handys zugrunde liegenden Prozessoren und Chips ziemlich gleich sind“, sagt Latzel. Die Rückkopplung der Leistungsmerkmale auf die angebotenen Dienste der Netzbetreiber entscheidet, ob Geräte in die Subventionierung über Mobilfunkverträge gehen oder nicht. „Und damit entscheidet sich, ob ein Gerät ein Massenmodell wird oder ein Nischenmodell in geringer Stückzahl bleibt. Die Situation um mobiles Fernsehen in Deutschland und das Mobile 3.0 Konsortium hat deutlich gezeigt, dass Technologie und Inhalte keine kommerzielle Chance haben, wenn die Netzbetreiber nicht in die Geschäftsmodelle involviert sind. Mit der Broadcast-Übertragung über DVB-H und der Lizenz im Besitz eines Konsortiums ohne Teilnahme der Mobilfunknetzbetreiber war im Grunde das Scheitern dieses Dienstes vorprogrammiert“, kritisiert Latzel.

Was derzeit weiter fehle, seien interessante und gleichzeitig für den Betreiber profitable Anwendungen. Apple habe das mit dem iPhone und iTunes exemplarisch vorexerziert, und damit auch die Netzbetreiber eingefangen. Wobei die Mobilfunknetzbetreiber nur als Vertriebsvehikel und Bitpipe für Apple dienen würden. Richtig Spaß wird der Mobilfunk erst machen, wenn man sich als Anwender über die kryptischen Abkürzungen wie GMS, GPRS, HSDPA, EDGE, Bluetooth, UMTS, WLAN oder LTE keine Gedanken mehr machen muss. Abhilfe könnte der so genannte „kognitive Funk“ schaffen: „Das Telefon der Zukunft sucht sich die schnellste oder billigste Verbindung automatisch aus – der Nutzer muss sich um lästige Details nicht mehr kümmern. Kommt man unterwegs zum Beispiel an einem offenen WLAN vorbei, schaltet das Handy nahtlos von der teuren UMTS-Verbindung auf WLAN um – und verbindet sich beim Verlassen des Netzes ohne Unterbrechung wieder mit UMTS“, berichtet die Zeitschrift „Technology Review“.

Bereits in drei Jahren könnte es nach Prognosen von Intel-Forscher Krishnamurthy Soumyanath erste Chips geben, in denen Ansätze von kognitiver Funktechnik enthalten sind. Das größte Problem sei nicht technischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Man brauche völlig neue Vertragsmodelle, Bezahlsysteme und gegenseitige Vereinbarungen der Netzbetreiber.

Kontrollfreaks und Statistikakrobaten schlechte Innovatoren – Wirtschaft braucht neue Erfindungsimperien

Der Erfolg von technischen Innovationen und neuen Produkten ist schwer zu prognostizieren. Das papierlose Büro ist gefloppt, intelligente Kühlschränke haben heimische Küchen noch nie von innen gesehen und die dritte Mobilfunktechnologie UMTS ist in den vergangenen Jahren vor allem wegen hoher Lizenzkosten in die Schlagzeilen geraten. Hat die Glaskugel der Prognostiker versagt, sind Forscher und Entwickler schuld oder die Konsumenten schlichtweg noch nicht reif für die Produkte? Die Liste der Technik-Prognosen ist so lang wie ihr Scheitern. Der Robotik-Freak Hans Moravec freut sich seit Jahrzehnten, dass die Roboter die Menschen beerben, er freut sich vergeblich. Der IT-Vordenker Ray Kurzweil prognostizierte das Zeitalter der Avatare, aber auch er wird noch etwas länger auf sie warten müssen. Entscheidend ist die richtige Mischung aus Vertrautem und Überraschendem, damit Technologie nicht an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeht. Wir sollten uns generell von der Planungshybris verabschieden. Mit mechanistischen Dogmen kommt man in der Geschäftswelt nicht weit. Die Voraussagbarkeit der Zukunft nimmt ab und unübersichtliche Ereignisse nehmen zu. Ein Unternehmen kann nur überleben, wenn es sich in einer turbulenten Umwelt nicht mit Rationalitätsmythen von Kontrollfreaks und Statistikakrobaten zufrieden gibt. Innovationen, neue Produkte, Märkte oder Trends lassen sich nur schwer prognostizieren und die Bedürfnisse der Verbraucher von heute sind kein aussagekräftiger Indikator für die Produkte von morgen. Wir brauchen Menschen, die Erwartungen durchbrechen und etwas tun, womit zuvor niemand gerechnet hat.

Ein Innovator ist derjenige, der sieht, dass man in turbulenten Situationen mit einem stoischen Verhalten in Probleme gerät. Er bleibt nicht ruhig und gelassen, sondern produziert schon jetzt die Störungen, damit die Organisation rechtzeitig lernt, darauf zu reagieren. Urteilskraft, Witz und Scharfsinn bringen den guten Einfall hervor, mit dem der Handelnde die drohende Überwältigung durch die Umstände parieren kann. So hat es schon im 17. Jahrhundert der Jesuit Balthasar Gracián in seiner Klugheitslehre treffend beschrieben.

Die Empfehlung von Gracián sollten sich einige Managementstrategen hinter den Spiegel stecken: „Ein unerträglicher Narr ist, wer alles nach seinen Begriffen ordnen will“. Zu ähnlichen Ansichten gelangt Bolko v. Oetinger, Direktor des Strategieinstituts der Boston Consulting Group, in seinem neuen Buch „Hänsel und Gretel und die Kuba-Krise“ (Hanser Verlag): Innovationen konnten sich in der Wissenschaftsgeschichte und auf Märkten häufig nur durch Außenseiter durchsetzen. „Die Technologiegeschichte wimmelt von Beispielen, die zeigen, dass der Marktführer oft nicht fähig ist, sich von seiner Lösung rechtzeitig zu trennen. Deshalb bringt so häufig ein Außenseiter die Lösung auf den Markt. Der PC wurde von Apple und nicht von IBM, DEC, Wang, Bull oder Nixdorf, den großen Datenverarbeitern jener Zeit, eingeführt. Die Mobiltelefonie begann in Deutschland mit einer Stahlfirma, Mannesmann. Die großen Internetanwendungen entstammen nicht Microsoft“, schreibt Oetinger.

Die bahnbrechenden Innovationen setzen sich meistens gegen die vorherrschenden Regeln des Marktes durch. Die Kreativität und das Spielerische der Ideenfindung steht im Widerspruch mit den Beharrungskräften des etablierten Managements, das mit den Erfolgen von gestern groß geworden ist. Deshalb ist es wichtig, im Unternehmen Freiräume für Querköpfe zu schaffen, eher in kleinen Teams zu arbeiten, die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter zu wecken, zu experimentieren und zu akzeptieren, dass mehr Innovationen misslingen als gelingen. Der Trendforscher Matthias Horx bemängelt, dass die meisten Produkt-Branchen durch geringe Innovationsraten gekennzeichnet sind, obwohl die Anzahl der Artikel und die Produktvarianten im Handel in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben. „Aber es sind für den Käufer keine einsichtigen Innovationen. Meistens sind es nur verquirlte Diversifikationen des Vorhandenen oder Scheininnovationen“, kritisiert Horx. Der Mobilfunk biete dafür Anschauungsmaterial. Handys werden ausgestattet mit Megapixel-Kamera, Farbdisplay, Java-Interpreter, UKW-Radio und schneller Bandbreite für Datenübertragung. Trotzdem gehen die Umsätze pro Kunde und die Margen zurück. Neue Dienste setzen sich nicht durch. Die Handy-Hersteller kämpfen um Marktanteile mit Preisnachlässen und „Innovationswellen“ von 30 bis 40 Modellen pro Jahr.

„Darum haben viele Käufer aufgegeben, etwas Neues zu erwarten. Die Menschen sind an einem gewissen Punkt müde geworden, sich entscheiden zu müssen. Der Preis ist dann ein unheimlich betörender und einfacher Differenzierungsfaktor. Er setzt ja auch ein archaisches menschliches Beuteverhalten in Gang. Mit dem Spruch ‚Geiz ist geil’ hat man tatsächlich daraus eine Werbekampagne formuliert. Man sieht aber auch, dass sich komplette Märkte mit diesen Kampagnen zum Teil selbst zerstören. Die Billigmärkte befinden sich momentan in einem massiven Verdrängungswettbewerb, weil sie beispielsweise die Servicefrage nicht lösen können. Die Zeiten, in denen die Leute zu Tausenden die Computer von Aldi wegschleppten, sind vorbei; die Firmen, die billige Elektronik angeboten haben, gehen Pleite“, sagt Horx.

Die Mobilfunkhersteller müssten derweil aufpassen, dass sie durch schlecht bedienbare Handys keine Kunden verlieren. Das heikelste Stück Technik ist auch nach Erfahrung von Branchenexperten immer noch das User-Interface, die Benutzerschnittstelle. Dort, wo der Anwender das Gerät berührt, wo er Informationen abliest und eingibt, entscheidet sich, ob die Maschine das tut, was sie soll. Nicht, ob die Technik es kann, ist die Frage – sondern, ob der Benutzer selbst herausfindet, wie es geht: „Und das ohne stundenlanger Lektüre der Bedienungsanleitung. Hier machen die Hersteller unglaublich viele Fehler und überfordern die Konsumenten. Ich möchte ohne große Umwege Dinge am Gerät direkt ausprobieren. Wenn ich dann sofort auf Hindernisse stoße, verliere ich schnell die Lust, mit Anwendungen zu experimentieren. Das iPhone hat einen durchschlagenden Erfolg, weil es sofort nach wenigen Minuten intuitiv beherrschbar ist. Und es ist peinlich, dass die restlichen Handyhersteller die Apple-Lektion immer noch nicht gelernt haben“, kritisiert Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash. Der Computerunternehmer Steve Jobs demonstriere eindrucksvoll, wie man Eleganz, Perfektion und Benutzerfreundlichkeit vereinen könne. „Dieser Dreiklang des Apple-Chefs ist auch eine robuste Philosophie, um die Konsumentennachfrage anzukurbeln“, sagt Nadolski.

Gefordert ist ein neuer Radikalitätsbegriff in der Innovation. „Unternehmen, die den Begriff der radikalen Innovation ernst nehmen, sind sehr erfolgreich. Das Imperium des britischen Unternehmers und Ballonfahrers Richard Branson ist ein ‚Erfindungsimperium’; da geht einiges schief, aber man erfindet auch das Zugfahren neu, das Fliegen, die Weltraumfahrt. Die Ideenschmiede Apple ist ein sehr risikoreiches und gewaltiges Laboratorium, das aber auch eine Innovationskultur transportiert, die vorbildhaft für andere ist“, so das Resümee von Horx. Innovationsprozesse sollten sich außerhalb der klassischen Verkaufs- und Verteilungslogik abspielen und dürften nicht durch die Marktforschungs- und Marketingmühle gejagt werden.

Cebit-Debatte über Cloud Computing: Wundermittel oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Mehr als jeder zweite Manager und IT-Chef sieht in Cloud Computing eine nützliche Technologie-Option, um die Wirtschaftlichkeit in Unternehmen anzukurbeln. Das ist das Ergebnis einer global durchgeführten Umfrage des Beratungsunternehmens Avanade unter mehr als 500 Wirtschaftsentscheidern in Deutschland und 16 weiteren Ländern.

72 Prozent aller Befragten weltweit und 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland vertrauen zur Zeit ihren eigenen Systemen und sehen die Nutzung von Software und Hardware als Internetservice von Drittanbietern noch skeptisch. Grund sind Sicherheitsbedenken und die Angst davor, die Kontrolle über Daten und Systeme zu verlieren. Gleichzeitig jedoch berichtet ein großer Teil der Unternehmen (42 Prozent weltweit, 25 Prozent deutschlandweit), dass ihre aktuellen internen Systeme zu teuer sind.

„Die globale Studie zeigt, dass Unternehmens- und IT-Manager die Vorteile von Cloud Computing bereits verstanden haben – sie wissen, dass die Systeme entscheidende Verbesserungen bedeuten können”, sagt der Avanade-Manager Tyson Hartman. Gleichzeitig blockieren jedoch Sicherheitsbedenken und die Angst vor einem Kontrollverlust über Daten eine weitere Verbreitung im Markt. „Unsere Branche steht nun vor der Herausforderung, mit diesen Bedenken aufzuräumen und handfeste Strategien und Wege aufzuzeigen. Cloud-basierte Services sollen schon heute implementiert und ein langfristiger Plan in die Wege geleitet werden, um einen wirtschaftlichen Nutzen für die Zukunft zu schaffen“, erklärt Hartmann.

Beim Cloud Computing zweifeln viele deutsche Unternehmen jedoch noch, ob es sich um eine zukunftsfähiges Konzept oder nur um einen „Hype“ handelt: „Die Argumentation für Cloud Computing unterscheidet sich in vielen Details nicht von den Argumenten, die viele Jahre für Großrechner angeführt wurden, nun verbunden mit einer Netzversorgungsphilosophie, die neben unbegrenzten Übertragungskapazitäten auch unbegrenzte Rechenkapazitäten verheißt. Nach dem Ende der Großrechnerära wurde in den 90er Jahren von einigen IT-Herstellern das Network-Computing propagiert, wo die einfachen Terminals zwar durch Lite-PCs ersetzt wurden, aber die Applikationen aus dem Netz kommen. Das hatte keinen Erfolg“, so Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieters Aastra.

Die Cloud Computing-Prediger würden verkennen, dass es komplett gegenläufige Trends zu großen, mächtigen Computerzentren und damit auch zu Anbietern der Leistungserbringer gibt. „Open Source etwa, wo zunehmend auch viele große Unternehmen auf freier, unter der Open Source Lizenz veröffentlichter Software aufsetzen und diese für ihre Modifikationen und Erweiterungen benutzen. Ob Linux, OpenOffice oder Mozilla, es gibt viele gute Gründe für Open Source“, sagt Latzel. Ein weiteres Gegenargument sei die zunehmende Mobilität. „Es gibt keine unbegrenzte Bandbreite. Selbst in Deutschland, wo UMTS seit vier Jahren kommerziell verfügbar ist, lässt sich selbst mit Bandbreiten nach R99 nicht flächendeckend und in allen Gebäuden arbeiten, von schnelleren Bandbreiten nach HSDPA und LTE ganz zu schweigen. Auch WLAN-Hotspots sind nur begrenzt verfügbar. Somit muss jede Anwendung für die Geschäftswelt auch darauf ausgelegt sein, offline arbeiten zu können. Dazu kommt die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Anwender, für sehr hohe mobile Bandbreiten zu bezahlen, so dass eher Bandbreiten in Frage kommen, die lediglich Anwendungsdaten übertragen, aber nicht eine zentralisierte Rechenleistung unterstützen“, führt Latzel weiter aus.

Als Skeptiker hat sich auch der Free-Software-Guru Richard Stallman offenbart. Für ihn ist Cloud Computing schlicht eine „Dummheit“. Zumal unter diesem Begriff nichts Neues zusammengefasst werde. Doch Stallman zieht nicht nur gegen alten Wein in neuen Schläuchen zu Felde: Er sieht reale Gefahren für die Anwender. Es könnten neue Abhängigkeiten entstehen und die Kosten explodieren. „Das Interessante am Cloud Computing ist, dass wir es so re-definiert haben, dass es vor allem Dinge enthält, die wir ohnehin schon tun“, so Stallman. Der Begriff sei vor allem durch die Industrie geprägt worden. In erster Linie beschreibe es jedoch die Tatsache, dass die Anwender die Hoheit über ihre Computer an die Hersteller und Anbieter abgeben. Und diese Hersteller heißen Google, Microsoft und Amazon. „Cloud Computing ist nicht neu, und vielleicht eher als Fortführung des Gridgedankens vor zehn Jahren zu sehen, nämlich der Nutzung der Netzwerk-Ressourcen, Computing aus der Steckdose oder ASP Modelle. Die Realität ist jedoch anders: Die Performance ist durch die Komplexität der Applikationen limitiert“, erläutert Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums.

Sie leide immer unter dem schwächsten Glied in der Kette. „Und das wechselt ab und an die Lager: Heute die CPU, morgen das I/O Verhalten und dann vielleicht die Netzperformance. Wir sollten auf den Boden der Realität zurückkommen und die verfügbaren Technologien wertsteigernd einsetzen – anstatt mit Schlagworten den Nebel zu verdichten“, fordert Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba.