Wie gut sind mittelständische Unternehmen im internationalen Geschäft wirklich? Wir verteidigen zwar fast jedes Jahr den Titel „Exportchampion“ und fahren Rekorde beim Handelsüberschuss ein. Das ist nach Auffassung von Oliver Marquardt und Marco Petracca allerdings nur eine Momentaufnahme.
Wir genießen noch ein hohes Ansehen im Ausland und können mit dem Label „Made in Germany“ weiterhin punkten, aber dieser Nimbus bröckelt.
Selbst die internationale Konkurrenz in der Metallverarbeitung nimmt zu. Chinesische Produkte im Anlagenbau haben qualitativ deutlich zugelegt. Viele andere Länder holen auf. Diese Signale kommen bei vielen Mittelständlern an. Nur ist es schwierig aus der Pfadabhängigkeit der vergangenen Jahrzehnte auszusteigen und neue Märkte zu erschließen. All das wird in der Titelstory des Wirtschaftsmagazins Boardreport ausführlich behandelt.
In einer Google Plus-Community gab es zerknirschte Warnmeldungen für die Livestreaming-Szene, die mich in Erklärungsnöte versetzte. Bei vielen Videoübertragungen läuft wohl einiges aus dem Ruder, so dass der eine oder andere Operator nur noch mit den geschnittenen – also bereinigten – Versionen ruhig schlafen kann. Deshalb gab es freundliche Ermahnungen, was es künftig beim Livestreaming nicht mehr geben darf. An erster Stelle steht, wie kann es anders sein, ein R A U C H V E R B O T. Ein wichtiger Einwurf: Man darf das Problem des virtuellen Passivrauchens nicht klein reden.
Schön, dass so viele wohlmeinende Pädagogen in dieser Community therapeutische Empfehlungen gegen rauchende Lebenskrisen vermittelten:
„Ich denke, keiner verbietet das Rauchen an sich, du könntest im Hangout zum Beispiel auch einfach die Kamera ausmachen, eine Raucherpause machen und danach wieder mit Kamerabild mitmachen…”
Was machen wir nun aber mit den vielen Videos auf Youtube, bei denen man vor lauter nikotingetränkter Nebelschwaden kaum die Gesprächsteilnehmer erkennen kann, wie etwa beim Internationalen Frühschoppen von Werner Höfer oder den Talkshows in den 70er Jahren?
Man könnte diese Filme ex post verpixeln, löschen, Warnschilder einblenden oder zumindest den Yps-Balken nachträglich installieren via Mashup-Video-Neuproduktion. Wie gehen wir mit den alten Sherlock Holmes-Filmen um, mit einem bekennenden Drogenabhängigen als Hauptperson? Wie können wir den kettenrauchenden Lucky Luke aus den Comics verbannen? Was machen wir mit dem Lehrer Lämpel bei Max und Moritz? Oder der trunksüchtigen Großmutter, die ihr Enkelkind mit dem roten Käppchen für Rotwein-Nachschub instrumentalisiert?
Das alles muss beim Livestreaming endlich ein Ende haben.
Deshalb schlage ich folgende Verbotsliste vor, um endlich moralisch vollkommene Sendungen hinzubekommen:
Nicht mehr toleriert werden, Stinkefüße und übel riechende Socken (hygienische Zumutung);
leise Fürze – gemeint sind rückwärtige Ausdünstungen durch eine verschämte Gesäßanhebung – im Volksmund auch „einen fahren lassen” genannt (gravierende Emissionswirkung von Methan mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erderwärmung);
öffentlicher Livestreaming-Konsum von Mettbröttchen oder noch schlimmer von Mettigeln (Provokation für Vegetarier und Veganer sowie seelische Grausamkeit gegenüber Netzmenschen, die mit ihren Bloggerbäuchen hadern);
Livesendungen mit süß anmutenden Winkekatzen – die via Twitter mit dem Hashtag #katzenlivestream verbreitet werden;
noch ablehnungswürdiger sind jene Web-Zeitgenossen, die einen Blogbeitrag schreiben und dabei einen #katzenlivestream mit einer fetten und winkenden Glückskatze live übertragen (Tierquälerei und Propagierung von sinnlosem Glücks–Aberglauben, der uns in Glücks-Themenwochen der ARD um die Ohren gehauen wird);
Husten ins Mikrofon (Virenschleuder mit Pandemiepotenzial).
Diese Liste ist aus dem Geiste für aseptisch unbedenkliches Livestreaming geboren. Sie ist mit Sicherheit völlig lückenhaft und unvollkommen. Deshalb gibt es sicherlich noch andere Möglichkeiten bei der ganzheitlichen Suche nach dem heiligen Gral für das Arbeiten vor und hinter der Webcam, um uns in unserer Unvollständigkeit zu vervollständigen. Weitere Vorschläge hoch willkommen.
Früher haben sich die Menschen – mangels Verkehrsmittel – ihre Arbeit dort gesucht, wo sie lebten:
„Im Jahr 1900 verließ gerade einmal jeder zehnte Erwerbstätige auf dem Weg zur Arbeit seinen Wohnort. Vor 60 Jahren war es noch jeder vierte. Heute verlassen 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ihre Gemeindegrenze, um zu arbeiten – in Deutschland sind das über 17 Millionen Menschen“, weiß „Zeit“-Redakteur Claas Tatje.
67 Prozent der Berufspendler fahren mit dem Auto zur Arbeit, versauern im Stau, belasten die Umwelt und ärgern sich über den Verlust an Lebensqualität. Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW und ist damit der niedrigste aller Fahrtzwecke. 8,5 Millionen sind täglich länger als eine Stunde unterwegs.
Rund sechs Millionen fahren mehr als 25 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz.
„Allein Letztere bringen es – alle zusammengerechnet – am Tag auf die Strecke zur Sonne und zurück. Und obwohl viele von ihnen leiden, sucht kaum ein Unternehmen nach Antworten auf die Frage, wie es seinen Pendlern das Leben erleichtern könnte, damit sie gesund bleiben und vor allem entspannt“, so Tatje.
Dabei läge es doch im Interesse der Wirtschaft, Lösungen für die Folgen des täglichen Pendelwahnsinns zu finden. Arbeitgeber stellen Kindergartenplätze, bieten Genderseminare an, bemühen sich um den Betriebssport und legen Programme für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter auf. Doch kaum einer macht sich in den Führungsetagen ernsthafte Gedanken, wie man die Belastungen im Berufsverkehr reduzieren könnte.
Die Macht der Berufspendler
„Täten sich alle Pendler in Deutschland zusammen, dann würden sie mehr Stimmen auf sich vereinen, als CDU und SPD zusammen bei der Europawahl erreichen werden, sie hätten mehr politischen Einfluss als der ADAC und eine größere Kaufkraft als alle Rentner. Pendler sind eine sehr unterschätzte Macht am Arbeitsmarkt. Und eine sehr unzufriedene. Der durchschnittliche Berufstätige verabscheut nämlich nichts so sehr wie den Weg ins Büro“, führt der „Zeit“-Wirtschaftsredakteur weiter aus, der zu diesem Thema ein Buch geschrieben hat: „Fahrtenbuch des Wahnsinns – Unterwegs in der Pendlerrepublik“.
Viele Organisationen könnten Abhilfe schaffen, denn für nahezu alle Berufszweige und jede Unternehmensgröße stehen Technologien zur Verfügung, um Arbeit intelligenter zu organisieren. Marketing-Professoren prognostizierten schon in den 1980er-Jahren ein Ende der Dienstreisen als die ersten noch recht umständlichen und teuren Systeme für Videokonferenzen in den Vorstandsetagen eingeführt wurden.
Wer um 7 Uhr im Büro sitzt, macht Karriere
Heute könnten komplette Abteilungen und selbst Universitätsvorlesungen über Cloud-Technologien organisiert werden. Dennoch dominiert weiterhin das Dogma der Präsenz in Organisationen von Wirtschaft und Staat. Tätje erwähnt in seinem Pendler-Opus die Arbeitspsychologin Antje Ducki, die die betriebliche Mikropolitik untersucht hat:
„Je mehr ich mich im Unternehmen zeige, desto eher spiele ich dabei mit. Hier ein kleines Lächeln, dort ein Plausch auf dem Flur und jeden Mittag eine Verabredung zum Essen.“
Karriere wird mit Sichtbarkeit am Arbeitsplatz gleichgesetzt. Diese Illusion hegen und pflegen zumindest viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Fast alle Chefs sehen keinen Vorteil darin, wenn sich Pendler – wann immer möglich – selbst die Arbeitszeit einteilen. Amerikanische Wissenschaftler veröffentlichten im Blog der „Harvard Business Review“ eine Untersuchung darüber, welche Mitarbeiter bei ihren Chefs am beliebtesten sind. Das Ergebnis: Wer früh um 7 Uhr anfängt, schneidet in der Gunst der Vorgesetzten besser ab als einer, der den exakt identischen Job um 11 Uhr antritt.
„Der Boss steht ja nicht im Stau. Und wenn, dann in der klimatisierten Limousine“, so Tätje.
Begleitet wird das Credo „Nur wer im Büro sitzt, arbeitet auch“ vom Trend zur Zentralisierung. Der „Zeit“-Redakteur nennt einige Beispiele: Etwa Verlage wie Gruner & Jahr, die Zeitschriftenredaktionen zur Verlagszentrale nach Hamburg umsiedeln. Selbst Kirchen zentralisieren wie etwa das Diakonische Werk, das mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung fusionierte und nur noch in Berlin stationiert ist. Obwohl fast jeder technologisch so ausgestattet ist, um mit seinem Laptop dezentral zu arbeiten, gibt es immer weniger Beschäftigte, die überwiegend oder manchmal von zu Hause arbeiten, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nachgewiesen hat: Seit 2008 ist die Zahl dieser Erwerbstätigen um 800.000 zurückgegangen, obwohl die Zahl der Beschäftigten insgesamt angestiegen ist.
Die Ballungszentren werden voller und teurer, ländliche Regionen hingegen verlieren Unternehmen und Arbeitskräfte. Bislang hat man diese Entwicklung nur in Ostdeutschland vermutet, mittlerweile gibt es diese Entwicklung auch in Westdeutschland. Es ist also ein generelles Problem, dass manche Regionen regelrecht ausbluten, da die Überalterung zusätzlich damit verbunden ist, dass die jungen und mobilen Leute diese Regionen verlassen.
Wenn Arbeitsministerin Andrea Nahles den Abschied vom Anwesenheitswahn in Unternehmen fordert, sollte Infrastruktur-Minister Alexander Dobrindt endlich seine Hausarbeiten machen.
Für dezentrales Arbeiten in Cloudbelegschaft braucht man schnelles Internet! Nur so kann der Teufelskreis in ländlichen Regionen durchbrochen werden: „Jene Regionen, in denen Firmen abwandern oder Nachwuchskräfte das Dorf oder den ländlichen Raum verlassen, büßen entsprechend Steuer- und Gebühreneinnahmen ein. Es fehlen Finanzmittel, um Infrastruktur zu finanzieren. Eine Kommune kann diese Beträge dann nicht mehr selber stellen“, erläutert der Berliner Kundenservice-Spezialist Thomas Dehler.
Wenn wir uns vom Status der Pendlerrepublik verabschieden wollen, reichen Placebo-Maßnahmen wie Shuttle-Services, Fahrgemeinschaften oder der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nicht aus. Insofern sind die Mobilitätskonzepte von Umweltbundesamt und Verkehrsministerium kurzatmig, da sie nur den Umstieg auf Bahn, Bus oder Fahrrad empfehlen.
Wir müssen die Arbeit zu den Mitarbeitern bringen und dürfen Arbeit nicht mit Anwesenheit verwechseln. Um den Stress des Pendelns für Mitarbeiter zu reduzieren, sollten die Ursachen und nicht die Symptome bekämpft werden. Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer und macht Menschen stressfreier. Zudem brauchen die ländlichen Regionen Impulse für neue Arbeitsplätze.
Heute werde ich das sicherlich auch in die Diskussion bringen bei einer Live-Hangout-Runde, die um 16 Uhr beginnt. Thema: Schöne neue Arbeiten 4.0-Welt? Ausblick auf das IBM-HR-Festival auf der #rpTEN
Mit dabei: Mit dabei: Prof. Benedikt Hackl (HR Impulsgeber), Ole Wintermann (Bertelsmann Stiftung), Sven Semet (IBM) und Stefan Pfeiffer (IBM).
Wenn das zu kompliziert ist (in der mobilen Variante bescheuert gemacht von Google), dann über Facebook. Ich mache einfach einen doppelten Livestream 🙂
Es ist unfassbar, wie selbsternannte Autoexperten hierzulande reagieren, wenn sie den Ansturm der Kunden auf das massentaugliche Model 3 von Tesla erläutern sollen. Etwa Klaus Schmitz, Partner beim Beratungsunternehmen Arthur D. Little:
„Die deutschen Hersteller sind weiter als viele denken. Fertige Entwicklungen liegen in den Schubladen und warten wie weitere Kooperationen in der Zellfertigung nur darauf, dass der Markt wirklich reif ist für E-Fahrzeuge. Und erste Modelle gibt es bereits seit einiger Zeit. Mit bisher nicht einmal einer Million strombetriebener Autos weltweit bei weit mehr als einer Milliarde zugelassener Fahrzeuge ist die Nachfrage noch recht überschaubar“, so Schmitz im Interview mit Spiegel Online.
Am Anfang des Gespräches sagt er:
„Der Preis stimmt, die Eckdaten des Autos auch. Trotzdem sehen wir nach wie vor ein großes Problem, das die E-Mobilität ausbremst: die Ladeinfrastruktur.“
Das erinnert mich ein wenig an ein Interview mit einem Vertreter des ifo-Instituts in München, der erläuterte, es gebe zu wenig Nachfrage nach schnellem Internet in Deutschland. Deshalb komme auch der Breitbandausbau nicht so richtig von der Stelle.
Was für Defensivkünstler.
Der Ökonom Joseph Schumpeter würde das so kommentieren: Der Zwerg von gestern ist der Riese von heute und der Greis von morgen. Die deutsche Automobilindustrie ist auf dem Weg der Vergreisung. Es sind Routine-Unternehmen, die nicht in der Lage sind, einen neuen Markt zu erschließen. Entscheidend für den Innovator ist die Durchsetzungsfähigkeit. Es ist nicht die neue Idee an sich, das neue Wissen, die Erfindung, die etwas bewirkt und verändert. Es ist die Durchsetzung, die den Wandel bewirkt. Es ist die Bereitschaft, Bestehendes radikal in Frage zu stellen. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht an bestehenden Märkten oder vorhandener Nachfrage der Konsumenten.
Zur Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung von Schumpeter
„Er nötigt seine Produkte dem Markte auf.“
Das neue Angebot gehe gleichsam auf sich selbst als Ursache zurück.
Am Beispiel der VW-Krise habe ich das in der Titelgeschichte für Boardreport in der Januar-Ausgabe deutlich gemacht.
Mit meiner ersten Titelstory für das Boardreport-Magazin liege ich wohl goldrichtig
Der „Clean Diesel“ als strategisches Lieblingsprojekt von Winterkorn und Co. leitet nach Ansicht des ehemaligen Telekom-Personalvorstands Thomas Sattelberger die Götterdämmerung des Verbrennungsmotors ein. Was man in Wolfsburg hoch und runter betet, beruhe auf einer alten Technologie, die mit Software-Mogeleien aufgehübscht wurde, um im Verdrängungswettbewerb letzte Marktanteile zu erobern oder zu halten. „Das Thema ist nun endgültig zu Ende“, betont Sattelberger gegenüber Board Report.
In die VW-Führungsetagen wandern nach Analysen von Professor Lutz Becker meistens Ingenieure nach oben, die in Aachen studiert haben und vom Traum besessen sind, ein 12-Zylinder-Auto zu bauen.
„Vieles, was jetzt passiert, zerstört diesen Traum“, sagt der Studiendekan der Fresenius-Hochschule in Köln.
Die Hackordnung im VW-System funktionierte nach dem Prinzip der Selbstbestätigung.
Mittelklasse neu ausrichten
Jetzt stehe VW-Chef Müller vor der Herausforderung, unterschiedliche Angriffe zu überstehen. „In der Mittelklasse mit A3, A4, A6, Golf und Passat ist man noch stark. Aber auch hier fehlen bahnbrechende Innovationen. Man ist im VW-Konzern zu stark auf die Bewahrung des Brot-und-Butter-Geschäftes fixiert“, meint Becker im Telefoninterview mit Board Report:
„Ich sehe die Gefahr, dass VW im Sandwich aufgefressen wird. Der Head of Audi in den USA versteht Tesla als Role Model, also läuft man da schon hinterher. Von dort kommt der Druck von oben. Die Japaner drücken von unten. Wenn VW nicht konsequent seinen Kernmarkt innoviert, also herausragende E-Mobilität in den Markt drückt, wird es eng werden. Die Elektrifizierung des Antriebs wie beim E-Golf unter Beibehaltung des Power Trains ist nur ein halbgares Konzept. Die digitalen Geschäftsmodelle sind einfach anders. Das ist bei VW einfach nicht angekommen.“
Becker merkt das als Audi-Fahrer jeden Tag. Etwa bei der Lektüre des unverständlichen Handbuchs. Anachronistisch sei auch die Start-Stop-Automatik, die er als Beweis heranzieht für das Ende eines technologischen Lebenszyklus. Innovationskompetenz mutierte zu einem Absurditäts-Gadget.
„Die Software in meinem A6 ist auf dem gleichen Usability-Niveau wie meine Philips Universal Fernbedienung für TV und Video in den 1990er Jahren. Und die war damals schon schlecht“, weiß Becker.
Falsche Managementlehre
Hier stehe sich die Ingenieurs-Organisation von VW selbst auf den Füßen. Die Ursache sieht der Hochschulprofessor im Business Reengineering.
„Das ist für mich die größte Erbsünde der Managementlehre der 1980er Jahre. Man kann soziale Organisationen nicht Reengineeren, weil es keine simplen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt. Kultur kann man nur durch Narrative und vorgelebte Praktiken ändern. Die Prozesse zur Diffusion dauern in großen Organisationen natürlich lange. Trägheitsmomente und Verharrungsvermögen haben da eine andere Qualität. Deshalb macht es Sinn, kleine und selbständig agierende Kerne zu bilden.“
Nach Auffassung des Wirtschaftshistorikers Klemens Skibicki wird im Top-Management von VW nicht genügend getan, die neue Agenda des Netzwerkökonomie zu meistern.
„Dabei geht es sowohl um vernetzte Menschen als auch um vernetzte Dinge, die gemeinsam das ‚Internet of everything’ ausmachen. In diesen Rahmenbedingungen werden viele Wertschöpfungsprozesse und die meisten Kommunikationsprozesse neu definiert, so dass diese mit Messgrößen der alten Welt kaum erfasst werden können. So macht es mir Sorgen, dass der heutige Vorstandsvorsitzende Müller noch in seiner Rolle als Porsche-Chef äußerte, den Silicon Valley-Aufsteiger Tesla ignorieren zu wollen, die seien schließlich ein Startup, das Verluste mache und deswegen könne er auch nichts dazu sagen. Nicht nur angesichts des Umstandes, dass Tesla zu diesem Zeitpunkt eine doppelt so hohe Marktkapitalisierung wie Porsche hatte, finde ich eine solche Aussage sehr anmaßend. Ich hätte hier keine Angst und Ehrfurcht aber zumindest Respekt sowie Interesse an den Gründen für den Erfolg des Aufsteigers erwartet.“
Vernetzungskompetenz
Tesla denke weniger in „verkauften Autos“, sondern in vernetzten Mobilitäts- und Energiesystemen. Das kalifornische Unternehmen betrachte dabei seine Kunden als Teil des Systems. „
Das entspricht dem digital vernetzten Zeitalter weitaus mehr als ich es bei deutschen Herstellern beobachte. Der frühere Tesla-Deutschland-Chef sagte vor ein paar Monaten noch sinngemäß, dass die Tesla-Fahrer die besten innovativen Testimonials sind und klassische Kommunikationsmaßnahmen in den Schatten stellen.“
In Zeiten nach dem Verbrennungsmotor steigt die Relevanz von Internet-Technologien und Software-Anwendungen. IP-Netzwerke, Algorithmen sowie digitale Plattformen bestimmen das Geschäft und nicht mehr die Produktion von Komponenten. Wer das Betriebssystem besitzt, verfügt über zentralen Zugang zu den wichtigsten Datenquellen. Ähnliches erlebten die Netzbetreiber in den vergangenen Jahren. Nicht mehr der Leitungsbau generiert Umsätze, sondern das Geschäft mit Daten. Und hier dominieren Apple, Google, Amazon und Co. und nicht Telefonica, Telekom oder AT&T.
VW und Co. sind auf dem Weg, in eine ähnliche Situation zu geraten wie IBM zu Beginn der PC-Ära. Das Betriebssystem überließ man Microsoft und im übrig gebliebenen Hardware-Geschäft wurde IBM austauschbar.
Wer im technologischen Sektor in zehn Jahren noch überleben möchte, der müsse jetzt Produkte und Services für Märkte und für eine Nachfrage entwickeln, die es noch gar nicht geben kann.
Definitely going to need to rethink production planning…
In den vergangenen Tagen haben sich schon einige Protagonisten zu Wort gemeldet mit ihrer Analyse zur diesjährigen Cebit. Die Beiträge sind ein belastbarer Indikator für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in der Netzökonomie.
Einige Stimmen, die sicherlich heute Nachmittag in unsere Live-Hangout-Debatte einfließen werden, dokumentiere ich hier mal:
„Das Problem der CeBIT ist, dass sie verarmt. Die Aussteller bleiben weg, Zuschauer kommen alle mit einer kostenlosen Messekarte rein. Die Folgen sind deutlich zu spüren: WLAN war früher natürlich überall auf der CeBIT umsonst. Jetzt müssen wir dafür bezahlen. Der Presse-Shuttle, der uns Journalisten wirklich das Leben leichter gemacht hat, ist nach 29 Jahren abgeschafft worden, genau wie das Presserestaurant, wo man sich früher ungestört mit Informanten und Kollegen treffen konnte. Überall wird/muss gespart werden, und so baut man sich schrittweise selbst ab. Meine Prognose: Die CeBIT wird es, zumindest als eigenständige Messe, höchsten noch 3-4 Jahre geben.“
Professor Lutz Becker:
„Habe heute noch im Gespräch mit Kollegen gesagt, dass ich denke, dass die Industriemesse und CeBIT wohl wieder zusammengelegt werden. Es war sehr wenig los, nicht verbundene Inseln (z. B. Chinesen bleiben unter Chinesen), wenig echte Innovation (es ist schon peinlich, Nutzeroberflächen im Stil der 80er auf dem großen 4K Schirm zu zeigen). Die CeBIT erzählt als Ganzes keine Geschichten … für Kunden fehlt der rote Faden…..“
„…in Barcelona habe ich auch nicht das Innovationsfeuerwerk entdeckt. Oder auf der re:publica. Oder was auch immer als Beispiel zitiert wird. Hört euch die Vorträge an. Die sind gut – aber ganz erheblich nur eine Weiter-Entwicklung von Projekten, Konzepten oder Gedanken aus den Jahren vorher. Meist das völlig korrekte Adaptieren bekannter Dinge auf neue Möglichkeiten und Technologien.“
„Bitte verschiebt den Fokus dahin, wo er hingehört. Es ist kein Messeproblem. Es ist ein Branchenproblem. Denn die Messe ist ein Spiegel derjenigen die ausstellen. War sie immer schon. Und ich denke solange wir Medien und Macher dermaßen Buzzword-Getrieben und IT-Sensationsgeil auftreten und mit dem Mittelstand reden wie Ärzte mit einem schwerkranken Patienten, werden wir uns schwer tun, Menschen zu erreichen, die auch noch andere Hobbys haben. Oder gar Firmen leiten müssen.“
Bin ich nicht ganz einverstanden. Es ist AUCH ein Problem der Messe-Leitung. Und vor allem: Es ist AUCH ein Problem des Mitveranstalters Bitkom – ältere Herren in dunklen Anzügen, die auf den IT-Gipfeln der Bundesregierung der Kanzlerin auf dem Schoß sitzen….
„Ich glaube, dass es noch fünf Jahre werden – doch das Ende der Cebit ist absehbar. Und vermutlich wird die Deutsche Messe versuchen, sie in die Hannover Messe einzugliedern. Folge: Alle Themen außerhalb von SAP und Industrial Internet würden marginalisiert. Während das Internet sich in der Realität über alle Felder legt, müsste es sich in Hannover der produzierenden Industrie unterordnen – das kann und wird nicht gutgehen. Die Cebit hat nicht begriffen, dass es Zirkus und Rummel braucht, um Menschen anzuziehen. Natürlich klagten Unternehmen über die Taschenabgreifer, die Standausrüstungsdiebe, die Rentner und Schüler. Doch als die weg waren, wurde es leer. Fühlt man sich in einer leeren Messehalle inspiriert? Hat man die Power, um mit anreisenden Geschäftspartnern Deals zu machen? Nein. Vielmehr gibt es kaum etwas Deprimierenderes als eine stille Messehalle. Im Gegensatz dazu ist die SXSW auf einem guten Weg, eine globale Leitkonferenz für das Digitale Zeitalter zu werden – die noch dazu Spaß macht.“
Hier liegt das Bitkom-Problem – Industrie-Vier-Null-Denke.
„Zu wenig Brücken, die gebaut werden. Das war eine bedeutende und klare Erkenntnis der Marketinghalle der CeBIT. Wir brauchen weniger Experten, die für Experten sprechen, als viel mehr klar gestaffelten Transfer vom Vordenker in die unteren Schichten der Wertschöpfung. Das fängt mit dem Sprachduktus an und hört mit deutlich nachvollziehbaren Wegen auf. Wir brauchen Mentoren, Trainer und Pädagogen. Menschen, die diese spezielle Eigentümerstruktur des klassischen Mittelstandes nicht als lästig und mühsam betrachten, sondern als Aufgabe für eine starke Wirtschaft in Deutschland.“
Auf der CeBIT sind eine Menge IT-Heizdecken-Verkäufer unterwegs, die ihre Hardware und Software mit hohlen Sprüchen unters Volk bringen, die mich schon vor zehn oder fünfzehn Jahren auf die Palme gebracht haben: Da werden Prozesse optimiert, CRM-Kanäle strukturiert, Effizienzpotenziale aufpoliert und die IT-Sicherheit fokussiert. Immer steht der Kunde im Mittelpunkt als König, Kaiser oder Papst. Am Ende des Messetages werden dann noch die Lead-Champions in Corporate-wir-sind-die-Größten-Songs abgefeiert, um danach dem Fachpublikum wieder dümmliche IT-Weisheiten aus den 1990er Jahren an den Kopf zu feuern.
Alles natürlich in disruptiv-digital-transformatischer Verpackung, schließlich sieht man sich als Avantgarde der kommenden Gigabit-Gesellschaft, die durch den schleppenden Breitbandausbau allerdings erst in einigen hundert Jahren zum Vorschein kommen wird. Es reicht nicht aus, von Wandel, Disruption, Uber, Airbnb oder digitaler Transformation zu faseln, ohne in seinem eigenen Arbeitsleben einen Hauch von digitaler Expertise zu bieten. In Wahrheit verweigern sich die meisten IT-Manager, sich auf Neues einzulassen.
Die IT-Branche operiert nach Ansicht des Marketingexperten Wolf Hirschmann immer noch nach dem Motto “Fachidiot schlägt Kunde tot”:
“Man geht mit technokratischen Botschaften nach draußen, ohne einen Wissenstransfer zu leisten.”
Man verharrt mit einem digitalen Anstrich auf dem Level von Blech, Steckern, Servern, Bits und Bytes.
“Die IT-Industrie denkt nicht weit genug”, kritisiert Hirschmann in einem Fachgespräch beim Campus Mittelstand.
Sie denkt schon gar nicht in neuen digitalen Ökosystemen oder Geschäftsmodellen. Die Referenzqualität des IT-Vertriebs ist eher bescheiden. Höflich ausgedrückt.
Wie man Unternehmern Zugänge zur Digitalisierung verschafft, demonstrierte auf der Cebit Christoph Krause vom Kompetenzzentrum digitales Handwerk, in dem Spielplätze zum Experimentieren entstehen, bei denen etwa Zahnärzte mit den Daten aus den Mündern ihrer Patienten direkt auf eigenen 3D-Druckern die notwendigen Implantate produzieren:
“Man muss in den Unternehmen die Welt bunter machen und die Rebellen in der eigenen Organisation unterstützen”, so das Credo von Krause.
Ähnliches gilt für die CeBIT: Bunter, offener, kontroverser und digitaler muss es zugehen, ohne IT-Prozess-Schwafelei. Nur dann sieht das Notiz-Amt eine Existenzberechtigung für das Messespektakel im März.
Disruptiver Innovator, der Innovationen durchsetzte und nicht nur redete.
Wenn Wirkungen der Digitalisierung für Wirtschaft und Gesellschaft auf öffentlichen Bühnen erläutert werden, purzeln immer wieder die gleichen Formulierungen und Beispiele aus den Keynote-Sprechautomaten heraus: Prozess der kreativen Zerstörung, digitaler Darwinismus und natürlich die Angriffe der disruptiven Innovatoren des Silicon Valley, die zum Sterben ganzer Branchen und Unternehmen beitragen.
Was wohl Charles Darwin und Joseph Schumpeter zu dieser semantischen Brühe gesagt hätten, die jeden Tag abgesondert wird? Menschliche Entscheidungen und soziale Entwicklungen kann man mit biologischem Halbwissen auf der Stufe eines Bio-Grundkurses der 11. Klasse nicht erläutern – das wäre vielleicht die Replik von Darwin gewesen. Schumpeter würde auf seine Hauptwerke verweisen und die digitalen Dauerschwätzer höflich ermahnen, seine Forschungsarbeiten nicht fragmentarisch wiederzugeben und auf den kreativen oder schöpferischen Zerstörer zu reduzieren.
Das Neue besser organisieren
Etwa mit Blick auf sein gefeiertes Frühwerk “Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“. Dort schreibt Schumpeter: Erfolge habe nicht in erster Linie der Innovator, der Erfinder und schöpferische Zerstörer, sondern jener, der das Neue am besten organisiert. Die Deutschen verstanden es im 19. Jahrhundert besser als die Briten, die Textilindustrie zu organisieren, selbst wenn sie wenig zu deren maschineller Technologie bei-trugen.
Ein Innovator zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus:
„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“
Schumpeter, Darwin und die digitalen Wanderprediger
Beide Geistesgrößen können sich nicht mehr wehren gegen die digitalen Wanderprediger, die mit ihrer effektheischenden Powerpoint-Rhetorik von Stadt zu Stadt ziehen und den Zuhörern nur noch die fatalistische Alternative „digital or die“ bieten. Schumpeter und Darwin sind selbst schon vor langer Zeit gestorben. Ein lebender Autor wagt jetzt in einer langen Abhandlung in der Januar-Ausgabe des Magazins „Harvard Business Manager“ den Gegenschlag: Es geht um die Theorie der disruptiven Innovation, die Professor Clayton M. Christensen vor rund 20 Jahren das erste Mal der Öffentlichkeit vorstellte. Der Autor vermutet nun wohl zurecht, dass kaum einer dieser selbst ernannten digitalen Evangelisten, die von Disruption palavern, auch nur ein einziges ernst zu nehmendes Buch oder Fachartikel zu diesem Thema gelesen haben. Das würde ihre schwatzhafte Tournee zeitlich nicht zulassen.
Uber und MyTaxi sind nicht disruptiv
„Disruptive Innovationen“ werden mittlerweile auf so ziemlich alle Situationen ins Feld geführt, in denen sich eine Branche verändert und die zuvor erfolgreichen Platzhirsche in Bedrängnis geraten. In fast jedem Vortrag zur digitalen Transformation darf das Beispiel „Uber“ nicht fehlen. Schließlich hat das Startup-Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2009 ein sagenhaftes Wachstum hingelegt, ist in über 60 Ländern aktiv und wird von Investoren mit rund 50 Milliarden Dollar bewertet. Uber verändert das Taxigewerbe nicht nur in den USA. Aber ist das Unternehmen auch disruptiv?
Christensen verneint das:
„Die revolutionären Neuerungen, die unsere Theorie beschreibt, können sich deshalb durchsetzen, weil die etablierten Unternehmen zwei Arten von Märkten übersehen. Erstens das untere Preissegment, in dem Neulinge Fuß fassen können, weil die Platzhirsche typischerweise versuchen, den profitabelsten und anspruchsvollsten Kunden immer bessere Produkte und Dienste zu verkaufen; den Rest der Kundschaft vernachlässigen sie dabei.“
Für Neueinsteiger eine gute Gelegenheit, den weniger anspruchsvollen Kunden Produkte oder Dienste zu offerieren, die gerade gut genug sind, etwa beim Siegeszug von Kleinkopierern im Marktsegment von Xerox, die nur Großkunden bedienten. Dann gibt es Innovationen in neuen Märkten, die von disruptiven Unternehmen selbst erschaffen werden:
„Einfach ausgedrückt finden diese einen Weg, Nichtkonsumenten in Konsumenten zu verwandeln“, so Christensen.
Disruptive Unternehmen fangen immer damit an, das untere Kundensegment oder unversorgte Konsumenten anzusprechen, danach nehmen sie den Mainstream-Markt ins Visier. Uber habe genau den gegenteiligen Ansatz gewählt:
„Zunächst hat das Unternehmen eine starke Position im Massenmarkt aufgebaut, dann erst hat es bislang unbeachtete Segmente angepeilt.“
Noch weniger disruptiv ist MyTaxi, die sich mit ihrem Angebot im monopolistischen Taximarkt tummeln und mit ihrer App die etablierten Platzhirsche abgrasen.
Bei beiden Unternehmen handelt es sich um erhaltende Innovationen – also ähnlich wie die fünfte Klinge eines Rasierers, die uns in der Fernsehwerbung als bahnbrechende technologische Neuerung verkauft wird. Was typisch ist für erhaltende Innovationen, sind die Gegenreaktionen der etablierten Unternehmen. So setzen Taxiunternehmen neue Technologien ein, um es den Kunden leichter zu machen, ein Taxi zu bestellen und den Service zu bewerten. Oder sie fechten schlichtweg die Rechtmäßigkeit von Uber-Angeboten an.
Nicht wie aufgeregte Hühner reagieren
Der Begriff „disruptive Innovation“ führe in die Irre, wenn damit ein Produkt oder ein Dienst zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeint ist und nicht seine Entwicklungskurve über einen gewissen Zeitraum. Deshalb muss man auf disruptive Startups nicht wie ein aufgeregte Huhn reagieren nach dem Mantra der Keynote-Sprechautomaten „DISRUPT OR BE DISRUPTED“.
Wenn das Bestandsgeschäft noch Gewinne abwirft, wäre es ziemlich dämlich, die Notbremse zu ziehen. Christensen rät, die Bindungen zu den Stammkunden zu stärken und in erhaltende Innovationen zu investieren. Zudem könnte fernab des Kerngeschäfts ein neues Geschäftsfeld erschlossen werden als mögliche Abwehrmaßnahme gegen disruptive Angreifer.
Ein Patentrezept kann Christensen nicht aus dem Ärmel zaubern im Gegensatz zu den digital-transformatorischen Bühnen-Dichtern.
Unternehmen sollten unabhängige Einheiten unter dem Schutz des Top-Managments aufbauen, um disruptive Modelle zu erkunden und zu entwickeln.
Grenzen der Disruptionstheorie
Christensen wird es wohl nicht gelingen, eine Disruptionstheorie zu entwickeln, die vorhersagen kann, welche jungen Unternehmen Erfolg haben werden. Das hat er der liebwerteste Gichtling aber vor. Das Opus „Immer erfolgreich“ von Jim Collins und Jerry I. Porras sollte Christensen bescheidener machen in seinem Forschungsziel. Es enthält eine gründliche Analyse von 18 konkurrierenden Unternehmenspaarungen, bei denen eines erfolgreicher war als das andere. Jeder Vorstandschef, Manager oder Unternehmer sollte nach Auffassung der beiden Autoren dieses Buch lesen, um visionäre Firmen aufzubauen.
„Wenn man weiß, wie wichtig der Faktor Glück ist, sollte man besonders argwöhnisch sein, wenn aus dem Vergleich von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Firmen hochkonsistente Muster hervorgehen. Wenn der Zufall seine Hand im Spiel hat, können regelmäßige Muster nur Illusionen sein“, warnt der Psychologe Dan Kahneman.
Nach dem Erscheinen des Collins-Porras-Buches schwand der Abstand in Ertragskraft und Aktienrendite zwischen den herausragenden und den weniger erfolgreichen Firmen praktisch auf null. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren erzielten die Unternehmen mit den schlechtesten Bewertungen im weiteren Verlauf viel höhere Aktienrenditen als die meistbewunderten Kandidaten. So kann man sich irren. Schickt doch die Keynote-Sprechautomaten nicht mehr auf die Konferenzbühnen, sondern in Bibliotheken. Da machen sie weniger Lärm.
Bonn ist Hidden Champion der Digitalisierung und genau das ist das Problem der beschaulichen Stadt am Rhein. Nach den Experteninterviews von empirica sei es ein Manko, dass “der IT-Standort Bonn nicht so auffällt”. In der Öffentlichkeit sind nur die Dax-Unternehmen im Fokus und nicht die vielen kleinen IT-Unternehmen.
Aber das ist nicht das einzige Problem, wie die Bonner Barcamp-Session zum Städte-Wettstreit belegt. Bonn fehlt im Vergleich zu Köln eine ausgeprägte digitale Lebenskultur.
Es fehlen Begegnungen der etablierten Protagonisten von Wirtschaft und Politik mit den Netzaktivisten, die meistens vom Establishment eher belächelt werden. Es gibt zu viele Honoratioren-Events, die auf Berieselung und Frontalbeschallung ausgerichtet sind. Da hilft dann auch kein weiter Digitalisierungsbeauftragter weiter, den PwC ins Spiel gebracht hat.
Fehlender Mut zu offenen Formaten
Es mangelt an der nötigen Offenheit, die Potenziale der digitalen Crowd zu heben, die man beispielsweise im Coworking Space Bonn in Poppelsdorf abrufen könnte. Der Netzexperte Guido Bosbach setzt sich intensiv damit auseinander, wie man offene Dialoge und Vernetzungen fördern kann.
Wie erzeugt man mehr Breite in den digitalen Debatten, einen Meinungsaustausch mit vielen Akteuren und nicht nur mit den so genannten Meinungsführern einer Stadt? Ein Hebel sieht er bei den Un-Konferenzen, also jenen Formaten, die nach Barcamp-Prinzipien ablaufen.
“Das sind Veranstaltungen, bei denen jeder mit jedem auf Augenhöhe über ‘sein Thema’ sprechen kann. Es gibt manchmal ein zentrales Thema, aber keinen vorher erarbeiteten Plan, wer wann welchen Impuls gibt. Lediglich Zeiten, also ‘Sessionslots’ werden festgelegt. In einer Vorstellungsrunde erklären freiwillige Sessiongeber, worüber sie sprechen möchten. Was nach einem purem Chaos klingt ist – sofern gut gemacht – ein perfekter Raum für Kreativität, Inspiration und Energie”, so Bosbach.
Gut organisierte Open Space-Plattformen seien wie eine perfekt arrangierte Choreographie bei der man mittendrin ist, statt nur dabei.
Generell wird die Etablierung einer digitalen Szene nicht gelingen, wenn man Nerds, Geeks, Hacker, Gamer und Blogger als belanglose Randerscheinungen betrachtet. Wie wollen Unternehmen, Behörden und Wissenschaftseinrichtungen coole Mitarbeiter mit Technologie-Kenntnissen anwerben, wenn sie selbst mit dem Rücken zum Netz stehen und gerade mal die Fernbedienung für Power Point-Präsentationen beherrschen? Da müssen auch die Hidden Champions der Digitalisierung in Bonn noch einiges ändern müssen, um weniger hidden rüberzukommen. Bürokratische Digitalisierungsbeauftragte werden da wenig bewirken. Ausführlich nachzulesen in meiner Netzpiloten-Kolumne.
— Sebastian@bonn.social (@SebastianEckert) March 6, 2016
Skeptisch sehe ich auch das so genannte Advisory Board, die das Projekt „Digitales Bonn“ vorantreiben sollen. Mitglieder sind Dr. Wolfgang Clement, Bundesminister und Ministerpräsident a.D.; Prof. Dr. Christof Ehrhart, Direktor Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung der Deutschen Post DHL; Wolfgang Grießl, Präsident IHK Bonn/Rhein-Sieg; Prof. Dr. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn; Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom; Prof. Dr. Hartmut Ihne, Präsident der Hochschule Bonn Rhein-Sieg, Ashok Sridharan; Oberbürgermeister der Stadt Bonn; Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender Deutsche Postbank; Frank Thelen, Unternehmer; Prof. Dr. Stephan Wrobel, als Sprecher der drei Fraunhofer Institute in Sankt Augustin.
Stefan Saah forderte in der netzökonomischen Käsekuchenrunde mit Ralph Grundmann, Sascha Förster, Johannes Mirus und meiner Wenigkeit im Coworking Bonn mehr Impulse von den kleinen Unternehmen. Man sollte nicht auf die Konzerne warten, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen. Sehe ich ähnlich.
Warum hat das Advisory Board nicht netzöffentlich getagt? Werden die kommenden Sitzungen im Verbund mit der Bonner Bürgerschaft ablaufen? Oder werden am Ende wieder nur die fertigen Pläne in einer Pressekonferenz verkündet?
Wer auf offene Dialogformen setzt, wie bei der netzökonomischen Käsekuchen-Runde, bei der jeder mitmachen kann und nicht handverlesen eingeladen wird, treibt den Ideen-Motor für Projekte wie #DigitalesBonn an. Das konnte man an den Reaktionen auf unsere Diskussion im Coworking Bonn ablesen.
Was kommt in zehn Jahren in die Tonne? Was passiert, wenn Produkte mit digitaler Öko-Intelligenz aufgeladen werden?
In der netzökonomischen Debatte sollten wir es nicht versäumen, uns auch mit dem Kern der Ökologie zu beschäftigen: Oikos war in der Antike die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die Orientierung an der Nachbarschaft – verbunden mit dem Verzicht auf Supersysteme, die das Himmelreich auf Erden versprechen, sich aber kaum steuern lassen. Konzentriere Dich auf das, was Du selbst gestalten kannst. Übernehme Verantwortung für Dein eigenes Handeln und delegiere es nicht auf kommende Generationen.
So ist auch das politische Ziel zu verstehen, spätestens bis zum Jahr 2020 vollständig aus der Beseitigungswirtschaft auszusteigen und alle Deponien zu schließen. Damit verabschieden wir uns endgültig vom menschlichen Archetypus, Dinge nach dem Verlust individueller Wertschätzung einfach zu vergraben oder zu verbrennen nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn.
Das ökologische Anforderungsprofil für das 21. Jahrhundert hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) trefflich formuliert:
„Funktional, langlebig und damit kostengünstig, ressourcenleicht und emissionsarm, reparaturfreundlich, wiederverwertbar, risikoarm, fehlerfreundlich und rückholbar.“
Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um Dienstleistungen und soziale Innovationen wie Carsharing oder Repair Cafés, die immer populärer werden.
Wenn es gelingt, dass alle Gegenstände des Alltags im „Internet der Dinge“ digital vernetzt werden, könnte man sie auch mit ökologischer Intelligenz aufladen. Dann würden sie über ihre Herkunft und Ökobilanz informieren sowie Empfehlungen über eine sinnvolle Weiterverwendung zum Ende ihres Lebenszyklus geben. So fänden die Produkte allein ihren Weg von der Produktion bis zum Kunden – und wieder zurück zum Recycling oder zur Wiederverwendung.
Dann würden 99 Prozent der mobilen Endgeräte nicht mehr in der klassischen Müllentsorgung verschwinden, sondern spezialisierten Logistikern signalisieren, wo man sie findet und wie man ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin, Kupfer, Aluminium und seltenen Metalle heben kann.
Man darf gespannt sein, wie der Gesetzgeber die hoheitlichen Aufgaben der Müllentsorgung gestalten wird, wenn gar kein Müll zur archaischen Beseitigung mehr anfällt.
Das ist nur ein kleiner Aspekt, der in den Debatten über Digitalisierung stärker beachtet werden sollte. Im Gespräch mit Professor Lutz Becker entstand die Idee, Ökologie und Digitalisierung zu einem Schwerpunktthema der Next Economy Open am 1. und 2. Dezember zu machen. Vier bis fünf Schwerpunkte werden wir wohl in diesem Jahr wieder auf die Agenda nehmen. Ende März/Anfang April werden wir uns über die Programmatik, über Formate und neue Ideen in einer netzökonomischen Runde via Hangout on Air unterhalten.
Ihr werdet natürlich rechtzeitig zu der Diskussion eingeladen. Man hört, sieht und streamt sich 🙂
In seinem Opus “Leadership in der digitalen Welt” behandelt der Peter Paschek das Auseinanderklaffen von Innen- und Außensicht der Top-Leute im Management. In den vergangenen 25 Jahren seien vor allem narzisstische Führungskräfte herangezogen worden, die die Interessen anderer besonders wenig achten. In den USA erlangen narzisstische Persönlichkeiten mit viel höherer Wahrscheinlichkeit einen Vorstandsposten als ihre nicht-narzisstischen Kollegen. Das Internet macht diese Defizite im Führungsverhalten sichtbarer – es fungiert wie ein Vergrößerungsglas:
„Keine Institution, keine Autorität, kein Papst, kein Präsident, kein Heiliger, weder Frauen noch Männer können glaubhaft ein Edelmenschenkostüm tragen“, so Manfred Schneider in dem Buch „Transparenztraum“, erschienen im Matthes & Seitz-Verlag.
Und dennoch werden viele Unternehmen von Ego-Managern dirigiert, die sich abschotten, den Dialog auf Augenhöhe verweigern, ihre Organisationen mit Kennzahlen auf Effizienz trimmen und in Hinterzimmern ihre Karrieren absichern.
Als Schule der Intrigen mit Macho-Kultur bezeichnet der Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger im „Spiegel“-Interview die düstere Realität auf Chefetagen. Er muss es wissen. Deutsche Unternehmen seien viel stärker auf pure Effizienz fixiert als etwa angelsächsische oder skandinavische.
„Ertragsziele werden oft exzessiv bis auf die unterste Ebene durchgestellt. Da bleiben kaum Freiräume für die Mitarbeiter, neue Wege zu suchen. Ausländische Kollegen halten viele deutsche Topmanager oft für spröde, steif, humorlos und förmlich. Das ist ein Spiegelbild der kreativitätsarmen Unternehmenskultur“, erklärt Sattelberger.
Die meisten Führungskräfte machen sich in die Hosen, wenn sie ohne Sprachregelungen, ohne Powerpoint-Rhetorik und ohne Kontrollmöglichkeiten mit Kunden, Bloggern oder Journalisten sprechen müssten. Also glänzen sie vor allem im Netz durch Abwesenheit. Was die Vernetzung deutscher Firmen- und Konzernlenker in digitalen Medien angeht, sieht die Lage desolat aus, schreibt die PR-Beraterin Kerstin Hoffmann:
„Oft ist buchstäblich kaum jemand bereit, den Kopf hinzuhalten.“
Da bedient man die Öffentlichkeit lieber mit einem Stakkato aus positiven Floskeln. Das wirkt nicht nur extern lächerlich, sondern auch intern:
Wenn nur noch Zynismus hilft
„Das kann so mit der Realität einer Organisation nicht übereinstimmen. Keine Organisation der Welt ist nur positiv. Deshalb entsteht ein riesiger grauer oder gar schwarzer Bereich an nicht formulierten Negativeindrücken. Und die braucht ein Ventil und das ist der Zynismus“, erklärt der Soziologe Dirk Baecker im ichsagmal.com-Interview.
Zynismus sei eine Form der extrem intelligenten Beobachtung. Der zynische Kommentar ist in der Regel der letzte Kommentar zu einem Sachverhalt. Vorher schaltet man in den Modus „Dienst nach Vorschrift“, was nach Analysen von Gallup bei 70 Prozent der Beschäftigten der Fall sein soll.
„Der Zynismus ist die Form der Rede und die innere Kündigung ist die Form des Handelns“, konstatiert Baecker.
Um das zu verhindern, sollten Unternehmen ihre Betriebssysteme grundlegend ändern, fordert der Personalberater Heiko Fischer:
„Man muss an die grundlegende Mechanik rangehen, um die Wertschätzung von Mitarbeitern und Kunden zu verbessern. Mit einem reinen Anweisungsregime gelingt das nicht.“
Schlauer Arbeiten gelingt am besten in vernetzten und offenen Organisationen – ohne Kommando-Regime. Der Fokus auf Abgrenzung über Fächer, Disziplinen, Abteilungen, Hierarchien und Einzelleistungen wird der heutigen Lebenswelt nicht mehr gerecht. Es geht vor allem darum, Menschen zusammenzuführen, unterschiedliche Sichtweisen gleichberechtigt im Team zu erarbeiten und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, führt Ulrich Weinberg in seinem Buch „Network Thinking – Was kommt nach dem Brockhaus-Denken?, erschienen im Murmann-Verlag:
„Vernetztes Denken im Unternehmen heißt mehr, als Einstellungen zu überdenken, und mehr, als veraltet erscheinende Muster und Strukturen abzuschaffen. Damit verbunden sind radikale Schritte, die ein Unternehmen bereit sein muss, konsequent zu gehen.“
Es geht um Vernetzung, Enthierarchisierung, Entwickeln und Konzipieren im Team, Öffnen und Teilen von Wissen mit allem, was digitale Werkzeuge heute hergeben. Das gilt auch für den Einsatz von kognitiven Maschinen. Die können noch so sehr Höchstleister sein, wenn es um Erinnerung, Analyse, Erkennung, Kombinatorik und Schlussfolgerung geht. Im Ego-Management bleiben sie dumme Apparate.
Inflationäres 4.0-Begriffsgeklingel und Konferenz-Gerede können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in Deutschland kaum Unternehmen wahrnehmen, die international in der ersten Liga der Netzökonomie spielen. Deutschland braucht eine Digitalisierungsstrategie, die über die Förderung der produktionsbezogenen Industrie 4.0 hinausgeht und die öffentliche Verwaltung ebenso einschließt wie das Gesundheitswesen, die Bildung und die private Nutzung des Internets der Dinge. So das Credo des “Jahresgutachtens der Expertenkommission Forschung und Innovation”, das ihr Vorsitzender Dietmar Harhoff vom Münchener Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb der Regierungschefin Angela Merkel überreicht hat. Die starke Fokussierung der Bundesregierung auf einen relativ kleinen Bereich der Digitalisierung sei nicht zielführend. So werde mit Industrie 4.0 einseitig auf Effizienzsteigerungen bei der Produktionstechnik abgehoben.
“Hier bedarf es dringend einer überzeugenden Gesamtstrategie. Die ‚Digitale Agenda‘ erfüllt diesen Anspruch nicht, auch wenn sie eine hilfreiche Sammlung von Analysen und Handlungsnotwendigkeiten liefert”, schreiben die Wissenschaftler.
Start-ups, die mit ambitionierten Geschäftsmodell-Innovationen neue Quellen der Wertschöpfung aufbauen, haben in Deutschland derzeit keinen ausreichenden Zugang zu Wagniskapital und Wachstumsfinanzierung. Die Expertenkommission erneuert ihre Empfehlung, auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Wagniskapital und die Einrichtung eines Börsensegments für Wachstumsunternehmen hinzuwirken.
“Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien und Geschäftsmodellen sind in der Breite zu fördern – in allen Ausbildungs- und Weiterbildungssegmenten.”
Selbst bei Firmenübernahmen spielen Deutschland und Europa keine Rolle
Kritisch sehen die Studienautoren auch die deutsche Informatik, die in weiten Teilen zu abstrakt aufgebaut sei und sich nur mühsam der praktischen Anwendung nähere. Dringend raten die Autoren der Politik, der internetbasierten Wirtschaft sehr viel mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Deutschland habe seine Förderung bisher zu defensiv auf die Erhaltung und Weiterentwicklung seiner klassischen Industrien wie Autoproduktion und Maschinenbau konzentriert:
“Die derzeitige Situation ist alarmierend. Deutschland hat nicht nur in den klassischen Informations- und Kommunikationstechnologien in den letzten Jahrzehnten an Boden verloren. Viel gravierender ist, dass deutsche Unternehmen in den neuen Bereichen der digitalen Wirtschaft, in denen Kompetenzen bei der Verwendung IT-basierter Prozesse ausschlaggebend sind, bisher keine Stärken aufbauen konnten. Es sind US-Unternehmen, die die Aktivitäten in der internationalen Internetwirtschaft dominieren.”
Allein die Marktkapitalisierung von Alphabet übertrifft die aller deutschen Unternehmen in der gesamten digitalen Wirtschaft. Zu den kapitalstärksten Unternehmen der Internetwirtschaft zählen hierzulande Zalando, United Internet und etablierte Unternehmen wie Axel Springer. Selbst deren Marktkapitalisierung ist im Vergleich zur Gruppe Silicon Valley-Konzerne nur sehr langsam gewachsen. Zu den Anwendungsfeldern, die zur weiteren Expansion der digitalen Wirtschaft führen, zählen Smart Home, Internet der Dinge, neue Formen der Kommunikation wie WhatsApp, Robotik, durch Computer und Datenbrillen erweiterte Realitätswahrnehmung (augmented reality), virtuelle Realität, sowie Mobilität oder Sicherheit. Also alles Aktivitäten, die von kapitalstarken Konzernen der Internetwirtschaft in Asien und USA beherrscht werden. Und selbst bei den Übernahmen, die von diesen Unternehmen ausgehen, spielen Deutschland und Europa eine untergeordnete Rolle.