Zufallsideen über die Mensch-Maschine-Kombinatorik #ibmbcde

Der Kombinatoriker Lullus - Denkmal in Palma de Mallorca - fast jeder geht bei seinem Malle-Urlaub an ihm vorbei, kaum einer kennt sein Lebenswerk - tragisch.
Der Kombinatoriker Lullus – Denkmal in Palma de Mallorca – fast jeder geht bei seinem Malle-Urlaub an ihm vorbei, kaum einer kennt sein Lebenswerk – tragisch.

Kathrin Passig und Arne Janning diskutieren in ihrer Merkur-Gesprächsreihe RECHENZENTRUMS-ARSCOMBINATORIA über mechanische Modelle, um auf neue Gedanken zu kommen.

Erwähnt wird auch der Geistliche Raimundus Lullus, den Leser des ichsagmal.com-Blogs natürlich kennen 🙂

Kathrin Passig benutzt in letzter Zeit eigentlich immer die Zufallsshirt-Maschine, wenn sie sich Titel für Vorträge oder Texte ausdenken soll.

„Manchmal nicht nur für den Titel, sondern auch für das Thema.“

Die Zufallsmaschine von Kathrin ist ja auch verantwortlich für das Leitmotto meines Blogs: Repression verdünnen.

Über diese nützliche Seite der digitalen Mensch-Maschine-Kombinatorik wird viel zu wenig gesprochen. Wir ergehen uns eher in Debatten über die Wirkung von vernetzten Fabriken, die zur weiteren Wegrationalisierung von industriellen Arbeitsplätzen führen. Dieser Trend setzte aber bereits in den 1960er Jahren ein und wird sich auch mit Speedfactorys sowie Smartfactorys nicht ändern.

Wenig wird nachgedacht über die positive Wirkung auf Wissensarbeit. Da verweise ich auf ein Gespräch mit dem Wirtschaftsinformatiker Professor Wolfgang König von der Goethe-Universität Frankfurt.

Oder auf die Frage, warum man sich bei der Digitalisierung von den Zwängen der Gegenwart befreien muss.

Hier kam in dem Interview mit Jürgen Rudnick von IQ-Hannover sogar die fröhliche Wissenschaft von Friedrich Nietzsche ins Spiel.

Sein Credo: Wer vorausblickt, hat das Mögliche als solches vor sich und ist nicht in die Wirklichkeit bestimmter Erwartungen verstrickt. Man sollte die Freiheit im Denken erschließen. Freiheit des Blicks und der Transparenz der Gedanken. Nietzsche fordert zu einem Gedankenexperiment auf. Überlegungen nach dem Muster: „Wie wäre es, wenn…“

Die Frage provoziert ein ausdrückliches Verhalten zum eigenen Leben ein dadurch, dass sie gestellt wird. Da sind wir dann ganz schnell bei der Grundidee für einen Utopie-Podcast, den ich Ende September mit Professor Lutz Becker starte unter Beteiligung von Studenten der Fresenius Hochschule 🙂

Letztlich geht es um Instrumente zum Finden und Erfinden, zum Prüfen und Bestimmen, zum Entwerfen und Erobern neuer Räume des Denkens. Ein steter Kampf gegen das Ungewisse, gegen den Zweifel am Wissen.

Lullus

Nachzulesen in der exzellenten Arbeit von Werner Künzel und Peter Bexte: „Allwissen und Absturz – Der Ursprung des Computers“.

Ähnliches lässt sich mit Cognitive Computing erreichen. Winfried Felser hat das in Reaktion auf mein Interview mit Martina Koederitz (General Manager IBM Deutschland, Österreich und Schweiz) als Vernetzung für eine bessere kollaborative Intelligenz bezeichnet.

Die Woche startete mit spannenden Themen – kann so weitergehen 🙂

Siehe auch: Mensch-Maschine-Kombinatorik für neue Sichtweisen – Abschied von pseudo-rationalen Steuerungsmethoden #ibmbcde

Robotik, KI und Speedfactory – Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? #YouBusinessTalk

YouBusinessTalk

In der Premierensendung von YouBusinessTalk (bitte kräftig mit Abos auf Youtube unterstützen) haben wir uns unterhalten, wie sich in vernetzen Unternehmen und in der Netzökonomie Arbeitsoplätze entwickeln werden. Dystopisch, utopisch, realpolitisch und immer mit Blick auf aktuelle Debatten, die etwa im Spiegel oder der Wirtschaftswoche geführt werden.

Auf Youtube und Facebook live übertragen - ein Doppel-Livestream
Auf Youtube und Facebook live übertragen – ein Doppel-Livestream

Wer an solchen Fachgesprächen interessiert ist – ohne aseptische Teleprompter-Powerpoint-Rhetorik – möge uns kontaktieren. David Brych und ich produzieren diese Reihe, die man sehr gut im Unternehmen, bei Messen, Konferenzen oder Workshops einsetzen kann.

Man hört, sieht und streamt sich 🙂 Dat gibt es übrigens jetzt auch als eBook.

Ausgepresste Zitronen widersetzen sich #VW #Zulieferer

Die guten Zeiten
Die guten Zeiten

„Working together to win“ war eine der zentralen Botschaften des baskischen Topmanagers José Ignacio Lòpez de Arriortúa. In der Öffentlichkeit reduzierte man den früheren GM- und VW-Manager auf das Image des gnadenlosen Kostenkillers, der vor allem die Zuliefererindustrie auspresste, wie eine Zitrone. Vor einiger Zeit habe ich dazu eine Story geschrieben und Insider der Branche befragt. Tenor: Der Kosten- und Wettbewerbsdruck in der Nach-Lopez-Ära hat sich dramatisch verschärft und führt zu einer weiteren Konzentration der Auto-Branche. Die Konzerne verfolgen eine globale Strategie mit entsprechenden Auswirkungen für die mittelständisch geprägten Zulieferer: Nur wenige Firmen in Deutschland sind in der Lage, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Die Zahl der direkten Zulieferer nimmt ab. Man muss in der Lage sein, ein Frontend nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Weltregionen herzustellen:

„Und das heißt, man muss ein internationales Netzwerk mit dem entsprechenden Lieferanten-Management aufbauen. Das ist eine unverzichtbare Voraussetzung, um modulare Systeme und die notwendige Integration zu realisieren“, so der Geschäftsführer eines großen mittelständischen Unternehmens.

Zulieferer tragen finanzielle Risiken

Autokonzerne konzentrieren sich vor allem auf den Verkauf und den Service rund ums Auto. Dazu zählen Bankgeschäfte, Versicherungen und das Leasinggeschäft. Den Rest drücken sie weg an die Lieferanten, die immer mehr finanzielle Risiken stemmen müssen.

Ein radikaler Wandel der Branche ergibt sich auch aus der Reduzierung der Neuentwicklungszeiten. Früher lag der Lebenszyklus eines Fahrzeugs bei sieben bis acht Jahren. Mittlerweile kommt ein Facelift im Schnitt nach drei bis vier Jahren. Hinzu kommt noch, dass Zulieferer in einer wesentlich kürzeren Entwicklungszeit immer wieder mit Änderungswünschen des Kunden konfrontiert werden. Um adäquat darauf reagieren zu können, müssen die beauftragten Unternehmen in der Entwicklungsphase wesentlich mehr Ressourcen zur Verfügung stellen. Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten.

Wenn man sich den aktuellen Zoff von VW mit Zulieferern anschaut, sollte man die Vorgeschichte und den aktuellen Status der Praktiken von Auto-Konzernen im Gedächtnis behalten.

Hangout on Air – Ein Nekrolog #SMCBN

Hangout on Air

Den Nachruf zum Livestreaming-Dienst Hangout on Air, den Google am 12. September abschaltet, gibt es heute live um 19 Uhr beim Social Media Chat Bonn.

Wie die Alternative Youtube Live eingesetzt werden kann, hab ich heute früh bereits via Facebook Live gezeigt.

Hier ist das Ergebnis – Hanogut über Youtube Live:

Man hört, sieht und streamt heute um 19 Uhr beim 🙂

Digitaler Wandel in alten Schläuchen

postheroischesmanagement

Berater des digitalen Wandels sind merkwürdige Gestalten. Sie hämmern Begriffe, PowerPoint-Folien, Best Practice-Beispiele, Benchmarks, Empfehlungen für das Prozessmanagement und technokratisch-ganzheitliche Werkzeuge in den Raum und bleiben dabei Diener des alten Systems. In ihrer Wissensanmaßung vermitteln sie Gewissheiten und goldene Erfolgsregeln mit der Halbwertzeit von Hustinetten-Lutschpastillen. Egal, ob es um Industrie 4.0, Content Marketing, Unternehmensgründungen oder Transformationstools für Mittelständler oder Konzerne geht, sind die Consultants eher Agenten des Stillstands. Die Angst der Mächtigen in Organisationen korreliert mit der Angst und dem Opportunismus der Berater um ihre Pfründe, meint der Jurist Kurt August Hermann Steffenhagen.

„Wilde“ Ideen mit Prozess-Management

Beide Seiten – also Berater und Klient – agieren im Steuermann-Modus. Sie geben vor, mit der richtigen Navigationstechnik den Kurs auch in rauer See zu halten. Da reden Gartner, McKinsey und Co. von der Notwendigkeit des bimodalen oder trimodalen Managements. In unterschiedlichen Ausprägungen geht es dabei um das normale Tagesgeschäft, um wilde Ideen und um neue Geschäftsprozesse. Wer alle Disziplinen beherrscht, bleibt zukunftsfähig. Blöd nur, wenn das von Top-Managern orchestriert wird, die die Welt nur unimodal betrachten – nachzulesen in der aktuellen Gunter Dueck-Kolumne für die Zeitschrift Informatik Spektrum. Manager kultivieren ihre Liebe zu durchgehenden und einheitlichen Prozessen auch in einer unübersichtlichen Gemengelage.

Die unimodalen Manager suchen in den Herausforderungen der Netzökonomie nach einer neuen Normalform, „die dann wieder durch neue einheitliche Prozesse beschrieben werden kann“, erläutert Dueck und schreibt weiter:

„Change Management beschäftigt sich mit dem aktiven Wandel von einer Normalform in die andere. Dann – so stellt sich das ein MBA und vielleicht ein Fertigungsingenieur vor – geht alles seinen neuen, gemächlichen Trott weiter.“

Der digitale Wandel wird nicht funktionieren, wenn Führungskräfte mit ihren unimodalen Vorstellungen vom prozessorientierten Geldverdienen das Sagen haben. CEOs, CIOs und die anderen CxOs befassen sich vorwiegend mit dem Tagesgeschäft. Unterbrochen wird die industriekapitalistisch geprägte Routine mit Exkursionen ins Silicon Valley, die man sich von speziellen Beratern organisieren lässt. Da staunen dann die DAX-Chefs über die Visionen der amerikanischen Entrepreneure, bewundern selbstfahrende Autos, schwärmen von den Faktor Zehn-Projekten eines Mark Zuckerberg und erkennen, dass irgendetwas im Heimatland fehlt.

Ein halber Tag für Design Thinking

„Jetzt würde man denken, es müsste ein Ruck durch Deutschland gehen. Was aber geschieht nach dem großen Schreckbeben in Kalifornien? In den deutschen Konzernen bekommen jetzt alle Mitarbeiter einen halben Tag gute Ratschläge, wie Design Thinking geht“, bemerkt Dueck.

Am Nachmittag geht es dann wieder um das Brot-und-Butter-Geschäft. So sieht bimodal oder trimodal in der Praxis aus.

Daran wird sich nichts ändern, wenn die digital-transformatischen Berater in Teutonien auf ihren Keynote-Präsentationsfolien die immer gleichen Schreckbeben-Beispiele von Uber und Konsorten ins Auditorium senden und nach ihrer Bühnenshow Visitenkarten, gesponserte Büchlein und Workshop-Angebote für das digitalisierte und holistische Management feilbieten.

Aus Beratern sollten wieder Konsultanten werden, die nicht im Best Practice-Gewand irgendwelche Gewissheiten verkaufen. Sie sollten eher Ungewissheiten vermitteln, wie sie der Philosoph Peter Sloterdijk in seiner prä-nationalistischen Lebensphase vor einigen Jahren in der „Revue für postheroisches Management“ beschrieben hat.

Ausführlich nachzulesen in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten.

Erläuterungen zur Notiz-Amt-Philosophie.

Endlich: „Macht dann 10 Millionen Euro“: Deutschland liefert 500 Gülle-Anhänger an Erdogan aus

Schumpeter statt Christensen #absatzwirtschaft #Disruption

SchumpeterTheorie

Die Kombination vorhandener Fähigkeiten mit neuen Technologien über Plattformen ist ist sicherlich eine höchst sinnvolle Rezeptur für die Netzökonomie. Nach der Theorie von Professor Clayton Christensen nicht so ganz. Aber es ist schlau und entspricht der Innovationstheorie von Joseph Schumpeter. Der Ökonom wird ständig reduziert auf den Begriff der kreativen Zerstörung. Dabei bietet Schumpeter mehr. Er kritisiert die statischen Unternehmer, die nicht in der Lage ist, mit Neuem zu experimentieren.

Als zweite Gruppe definiert Schumpeter Menschen, die zwar mit einer scharfen und beweglichen Intelligenz ausgestattet sind, zahllose Kombinationen und neue Ideen entdecken, dieses Wissen am Markt aber nicht durchsetzen.

Dann gibt es eine dritte, minoritäre Gruppe, die selbst- oder fremdproduziertes Wissen in neuen Kombinationen durchsetzt. Dieser dynamische Typus orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern erzeugt neue Märkte und neue Nachfrage. Also Steve-Jobs-Unternehmer.

Die meisten Wirtschaftsakteure beschränken sich auf die Aufrechterhaltung von Routinen. Insofern liegt wohl der Ökonom Lutz Becker richtig, dass es eher auf die Denkhaltung ankommt und nicht auf die betriebswirtschaftliche Brille der Disruptionstheorie.

Disruptionstheorie von Clayton Christensen

  1. Disruptive Innovatoren können sich in der ersten Phase auf die weniger anspruchsvolle Klientel konzentrieren und Angebote machen, die gerade noch gut genug sind. Erst danach bewegen sich die Startups in den Mainstream-Markt, ein Prozess, der bei den Discountern gut zu beobachten ist.
  2. Ein disruptiver Innovator kann auch einen völlig neuen Markt schaffen, wie mit dem iPhone und dem App-Ökosystem von Apple für die Etablierung des mobilen Internets.

Das ist nur das Abschluss-Stück meiner Story, die in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift absatzwirtschaft erschienen ist.

absatzwirtschaftJuli

Mehr könnt Ihr erfahren, wenn Ihr zum Kiosk Eures Vertrauens wandert oder einfach die App der absatzwirtschaft nutzt 🙂

Da findet Ihr in der aktuellen Nummer weitere feine Artikel. Etwa zum Thema: Die großen Konzerne sind Parallelgesellschaften:

Die Wirtschaft hat sich eine Reihe von Skandalen geleistet, die das ethische Verständnis in Wirtschaft und Gesellschaft in Frage in stellen. Mit VW ist die Entwicklung möglicherweise an einem Tipping Point angekommen, nachdem die Liste der Skandale schon eine beachtliche Länge erreicht hat, unter anderem mit Commerzbank, Deutscher Bank, Fifa, Siemens und Thyssen-Krupp. Auf der Nextact in Köln suchten Marketingpapst Prof. Dr. Heribert Meffert, Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger und Dr. Richard Straub, Gründer der Peter Drucker Society Europe, in einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von absatzwirtschaft-Chefredakteur Christian Thunig nach Lösungsmöglichkeiten.

Klingt doch spannend. Also 8,99 Euro aus dem Sparschwein holen 🙂

Mit Goethe auf lokaler Suche #vdav #SocialTV Live-Programm aus Berlin

SocialTV Studio in Berlin
SocialTV Studio in Berlin

So. Jetzt geht es richtig los mit unseren Übertragungen vom vdav-Branchentreff – also Berichte über die Auskunfts- und Verzeichnismedien.

Opening 8:45 Uhr.

Ab 11:30 Digitale Präsenz mit dem Branchenbuch.

Kunden in der Nähe um 14 Uhr.

Um 15 Uhr Mit Goethe auf lokaler Suche.

Und um 17 Uhr Das digitale Leben der Verzeichnisse.

Chefs als Social Media-Stars – Live-Hangout über digitalen Wandel und digitale Kultur

Man hört, sieht und streamt sich
Man hört, sieht und streamt sich

Wo in Deutschland noch externe Innovationsinseln als eierlegende Wollmilchsau für den Übergang zu digitalen Geschäftsmodellen gepredigt werden, hat sich nach Ansicht von Kerstin Lomb in den USA bereits gezeigt, dass mit diesem Weg der kulturelle Wandel des Unternehmens hin zu einer digitalen Kultur nicht erreicht wird:

„Die Digitalisierungsstrategie ist Chefsache. Die oberste Führungsebene und das Gremium müssen eine klare Vorstellung haben, wie die Zukunft des Unternehmens aussieht und wie der Weg dahin zu gestalten ist“, so Lomb.

Eine digitale Kultur zeichne sich dadurch aus, dass alles Streben auf validen, in einen semantischen Kontext gestellten Daten basiert.

„Eine digitale Kultur hat eine Trial & Error-Mentalität und ermöglicht so Innovation. Mit der Folge, dass Ideen überall im Unternehmen ermöglicht werden. Das Unternehmen lebt von Veränderung und verfügt über eine unternehmerische ‚Growth Hacker‘ Denkweise“, meint Lomb von Prosperity Factor.

Digitale Instrumente könnten den Dialog fördern und die Einweg-Beschallung der Mitarbeiter beenden.

„Mitarbeiter werden direkt eingebunden und somit steigt die Akzeptanz für den erforderlichen Wandel wesentlich. Digitale Instrumente und Social Media-Ansätze ermöglichen auch personalisierte Weiterbildung, was eine schnelle Adaption aller Mitarbeiter auf neue, erweiterte Aufgaben für digitale Geschäftsmodelle vorbereitet“, so Lomb, die mit einer Keynote den Digital Leadership Summit in Köln am 21. Juni eröffnet.

Der Erfolg stelle sich nur ein, wenn die erste Führungsebene sich auf die digitale Kultur einlässt und vorlebt.

„Es muss ein persönliches digitales Branding von jedem Managementmitglied aufgebaut werden, sie müssen aktive Nutzer aller Tools sein und so auf firmeninternen Social Media-Tools die Social Network Stars werden. Es wird die digitale Kultur durch das Management vorgelebt“, resümiert Lomb.

Um 18 Uhr wird sie gemeinsam mit Ursula Franken im ichsagmal.com-Gespröche ihre Thesen vertreten. Über die Google Plus-Seite könnt Ihr die beiden Expertinnen befragen. Fragebutton findet Ihr am Webplayer rechts.

Vom Fluch der Pareto-Verteilung – Feudalistische Machtverhältnisse in der Netzökonomie #NEO16

Zuckerberg

Der Medienphilosoph Norbert Bolz hat vor einigen Jahren mahnend den Finger gehoben und davor gewarnt, dass sich im Internet feudalistische Machtverhältnisse ausbreiten. Es bestätige sich das Pareto-Gesetz der 80/20-Verteilung.

„Das ist ein Effekt, der sich überall dort einstellt, wo Menschen aus einer Fülle von Möglichkeiten wählen können“, führt Bolz aus.

Vielfalt + Wahlfreiheit = Ungleichheit. 20 Prozent aller Knoten ziehen 80 Prozent aller Links auf sich. Wo sich Vielfalt, Ungleichheit und Abweichungsverstärkung verkoppeln, stellt sich die 1897 von Vilfredo Pareto entdeckte Verteilung ein, die man in einfachster Mathematik durch die Formel y = 1/x darstellen könne. Deshalb bekomme man auch im Web eine Wirtschaft der Stars. Der Soziologe Robert K. Merton nennt das den Matthäus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Oder wie es der Millionär Gunter Sachs etwas deftiger ausdrückte.

„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“

Dieser Matthäus-Effekt prägt nach Meinung von Bolz auch im Netz die Machtverhältnisse:

„Dass das Internet Ungleichheit produziert und eine Wirtschaft der Stars begünstigt, stellt für alle radikaldemokratischen Utopisten der neuen Medienwelt natürlich eine tiefe narzisstische Kränkung dar“, so Bolz.

Albert-László Barabási spricht sogar von einer vollständigen Abwesenheit von Demokratie, Fairness und egalitären Werten im Internet. In den meisten Netzwerken herrsche die Pareto-Verteilung. 20 Prozent derer, die Einkommen haben, zahlten 80 Prozent der Einkommenssteuer; 20 Prozent der Produkte eines Supermarktes machten 80 Prozent des Umsatzes aus; 20 Prozent der Wissenschaftler bekommen 80 Prozent der Zitate ab; 20 Prozent der Wissenschaftler schreiben 80 Prozent der wissenschaftlichen Texte. Und eben: Selbst für Wikipedia gelte: 20 Prozent der Autoren liefern 80 Prozent der Beiträge. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales könne deshalb nicht als Champion des Internet-Egalitarismus gefeiert werden, ein Ideal der gleichen Stimme würde es nicht geben. Soweit Norbert Bolz.

Nun gibt es Experten, die von der Blockchain-Technologie einen Schub zur Dezentralisierung erwarten, um aus der Spirale aristokratischer Machtverteilungen, die wir bei Facebook und Google beobachten können, auszubrechen.

„Mit dieser Technik lassen sich die Netzwerkeffekte auf den großen Plattformen untergraben oder vielleicht sogar eliminieren. Alle Netzwerkeffekte in der digitalen Ökonomie beruhen darauf, dass eine Firma mehr Daten hat als eine andere. Die Daten in einer Blockchain gehören aber allen Beteiligten. Sie sind dezentral gespeichert, und alle haben gleichrangig Zugang. Damit werden die Machthebel und Wettbewerbsvorteile von großen Playern im Netz dramatisch reduziert. Blockchain könnte für die Daten werden, was das World Wide Web für den Zugang zu Information war: ein Durchbruch im Hinblick auf die Demokratisierung von Daten“, so der Tech-Experte Albert Wenger im Interview mit brandeins.

Die Intermediäre nehmen sich zur Zeit einen großen Teil der Wertschöpfung als Provision, zum Beispiel 10 Prozent, und sie bekommen alle Daten, zitiert Netzökonom Holger Schmidt den Buchautor Don Tapscott. Das führe zu einer Verlangsamung der Ökonomie.

„Überall auf der Welt gründen sich gerade Blockchain-Start-ups, die alte Intermediäre verdrängen wollen. Eine Milliarde Dollar sind in den vergangenen beiden Jahren in diese jungen Unternehmen geflossen; in diesem Jahr wird die Investition wohl noch einmal deutlich zulegen“, schreibt Schmidt.

Wie wirkt sich das insgesamt auf die Netzökonomie auf?

Das wollen wir morgen ab 11 Uhr in unserer netzökonomischen Käsekuchen-Runde im Kölner Startplatz besprechen.

Ihr könnt Euch über den Frage-Button auf der Google Plus-Seite an der Diskussion beteiligen. Findet man rechts oben am Webplayer. Oder via Twitter mit dem Hashtag – ist mobil die bessere Variante. Die Hangout-App ist dafür nicht zu gebrauchen.

Man hört, sieht und streamt sich 🙂

Next Economy Open findet statt – virtuell: Session-Ideen gefragt #NEO16

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Wie bereits auf Facebook mitgeteilt, schaffen wir es in diesem Jahr nicht, die Next Economy Open als Präsenzveranstaltung zu organisieren.

Sie wird aber am 1. und 2. Dezember als virtuelles Format via Live-Hangouts über die Bühne gehen. Und das hat viele Vorteile. Man kann dezentral viel kreativer und überraschender Session-Ideen realisieren im Vergleich zu einem standortgebundenen Event.

Livestreaming-Konzeptideen
Livestreaming-Konzeptideen

Ihr könntet eine Podiumsdiskussion auf die Beine stellen, einen Experten-Roundtable, eine netzökonomische Lesung in einem Café oder einer Buchhandlung mit schnellem Internet, Wiwo-Redakteure könnten aus ihren Redaktionsräumen die Themen der Samstagsausgabe vorstellen oder über die Serie „Digitale Arbeitswelt“ sprechen, KMU-Digital pilgert in Dortmund vielleicht zu einem Handwerksbetrieb und dokumentiert die Vernetzungsmöglichkeiten eines Tischlers oder Installateurs, der Campus Mittelstand beleuchtet die Planungen für die Cebit zusammen mit den Digisaurier.de-Protagonisten, Lutz Becker berichtet mit seinen Studenten aus dem Seminarraum seiner Hochschule über Forschungsergebnisse zur Netzökonomie, der Texttheoretiker Stephan Porombka wäre ein toller Session-Geber für Selbstinszenierungen via Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat, der Roboter Nao könnte die Intelligenz von IBM-Watson unter Beweis stellen als Interviewgast und, und, und.

Sendezentrum ist meine Bibliothek in Bonn-Duisdorf – dort wird alles auf einer Kinoleinwand übertragen.

Ideenanregung für NEO16 Session
Ideenanregung für NEO16 Session

Die Konzept-Idee der Next Economy Open kann virtuell sogar besser umgesetzt werden: Es geht um Paarbildungen zwischen Netzszene und Wirtschaft, um Brücken für neue Ideen, Kombinatorik, überraschende Verbindungen und Erkenntnisse, dauerhafte und fortlaufende Gespräche sowie offene Begegnungen.

Ihr könntet Eure Session neben dem Hashtag mit einem eigenen Hashtag ins Rennen schicken, um im Vorfeld, während und nach der Livesendung Debatten loszutreten.

Über den Einbettungscode für das Youtube-Video könnt Ihr den Livestream an jedem Ort des Netzes ausstrahlen.

Wie gehen wir weiter vor?

Bis September solltet Ihr mir Eure Session-Ideen mitteilen, entweder hier in der Kommentarfunktion, auf der Facebook-Eventseite oder halt klassisch via E-Mail an gunnerariksohn@gmail.com.

Wenn wir im September das Programm finalisieren, bleiben uns noch zwei Monate für Vorberichte und Hashtag-Diskussionen, um jede einzelne Session ausführlich zu würdigen.

Über Sponsoren und Medienpartner würden wir uns auch freuen.

Eine kleine Bedingung wollen wir an dieser Stelle für die Sessiongeber formulieren.

Rüstet bis Dezember ein wenig Euer Livestreaming-Equipment auf: USB-Mikrofon, externe Webcam (um nicht mehr vom Stellwinkel des eigenen Laptops abhängig zu sein), gute Beleuchtung (Lichtquelle hinter der Webcam aufstellen) und LAN-Verbindung mit einer Uploadgeschwindigkeit von 5 Mbit pro Sekunde.

Mit 100 bis 200 Euro kann man die Technik verbessern – mehr kostet das nicht.

Ich stehe Euch jeder Zeit mit Rat und Tag zur Verfügung, um Livestreaming-Formatideen zu entwickeln.

Man hört, sieht und streamt sich 🙂