Europa am Kipppunkt der KI-Ära – Sam Altman und Mathias Döpfner eröffnen die politische Debatte über Souveränität, Freiheit und die Zukunft des Menschen

Mit der Premiere seines neuen Gesprächsformats „MD MEETS“ legt Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner die Latte hoch: Kein Politiker, kein Showgast – sondern Sam Altman, der mächtigste KI-Architekt der Gegenwart, CEO von OpenAI. In 45 Minuten sprechen die beiden über nichts Geringeres als das Schicksal Europas, den Sinn des Fortschritts und die Frage, ob der Mensch in der Ära künstlicher Intelligenz überlebt – moralisch, ökonomisch und kulturell.

Dieser Podcast ist mehr als Medienunterhaltung. Es ist eine politische Zäsur. Döpfner, einer der wichtigsten publizistischen Köpfe Europas, trifft den Entwickler jener Technologie, die unsere Demokratien, Arbeitsmärkte und Wahrheitsbegriffe zugleich beflügelt und bedroht. Der Springer-Chef fragt, Altman antwortet – und im Subtext steht die neue Weltordnung der Intelligenzsysteme.

Europas letzte Chance

„Europa darf nicht Weltmeister der Regulierung werden“, warnt Altman. Der Satz klingt technokratisch, ist aber Sprengstoff. In Wahrheit sagt er: Wenn Europa weiter bremst, wird es von der Landkarte der Innovation verschwinden. Altman kündigt den Aufbau einer „OpenAI-Souverän-Cloud für Deutschland“ an – gemeinsam mit SAP und Microsoft. Eine strategische Kampfansage an die digitale Abhängigkeit vom Silicon Valley und zugleich ein Testfall für Europas Selbstbehauptung im Zeitalter der KI.

Döpfner legt den Finger auf die Wunde: Europas Regierungen verteidigen Datenschutz, aber verlieren den Anschluss. Altman kontert höflich, aber bestimmt – KI sei längst weiter, als die meisten wüssten. „Wir haben Systeme, die unsere klügsten Menschen in den schwersten intellektuellen Disziplinen schlagen“, sagt er. Der Satz ist so beiläufig wie beunruhigend. Er beschreibt das Ende des kognitiven Monopols des Menschen – und den Beginn eines Wettlaufs zwischen technologischer Geschwindigkeit und politischer Trägheit.

Arbeit, Würde, Kontrolle

Döpfner fragt nach den Jobs der Zukunft. Altman antwortet, als sähe er in Zeitlupe zu, wie sich eine Zivilisation neu ordnet: „Kurzfristig wird KI viele Jobs zerstören. Langfristig werden völlig neue entstehen.“ Es ist die klassische Fortschrittsformel – und doch schwingt Skepsis mit. Die Frage, was bleibt, wenn Maschinen denken, berühren, komponieren, ist keine ökonomische mehr, sondern eine anthropologische. Altman glaubt an das „unerschöpfliche Bedürfnis des Menschen, gebraucht zu werden“. Eine tröstliche These, die aber zur Nagelprobe wird, wenn ganze Branchen automatisiert werden – von der Anwaltschaft bis zur Redaktion.

Gerade letzteres führt zum Kern des Gesprächs: der Zukunft des Journalismus. Altman erkennt die Paradoxie seiner eigenen Schöpfung: ChatGPT ist zugleich Werkzeug und Risiko für die Öffentlichkeit. „Ich wäre traurig, wenn KI den Journalismus zerstört“, sagt er. Aber er weiß auch, dass sie ihn verwandeln wird. Döpfner bringt das Prinzip auf den Punkt: „Ohne Vergütung für Inhalte trocknet das System aus – dann gibt es nichts mehr, was sich ‚scrapen‘ lässt.“ Eine präzise Beschreibung des neuen Urheberkriegs zwischen Maschine und Medium.

Der neue Prometheus

Philosophisch wird es, als Döpfner Harari und Oscar Wilde zitiert: Wird der Mensch zum Gott? Will Sam Altman ewig leben? Seine Antwort ist überraschend nüchtern: Nein. Ewigkeit sei kein Ziel, sagt er, sondern ein Irrtum. Fortschritt brauche Erneuerung, Sterblichkeit, Übergang. Altman träumt vom Leben als Landwirt, wenn die KI seine Arbeit übernimmt – der Schöpfer, der sich selbst abschafft. Das ist mehr als Anekdote. Es ist ein modernes Gleichnis: Der neue Prometheus will nach der Erleuchtung zurück in den Ackerboden.

Doch zwischen Technikglaube und Natursehnsucht bleibt die offene Frage: Wer kontrolliert die Schöpfung? Altman denkt in geopolitischen Kategorien. KI, sagt er, werde Kriegsführung, Propaganda und Machtbalance grundlegend verändern. Wenn „ein böser Akteur“ Zugang zu Superintelligenz habe, könne er ganze Systeme destabilisieren. Die Konsequenz: globale Governance, ähnlich der nuklearen Rüstungskontrolle. Der Vergleich ist nicht zufällig. KI ist längst eine strategische Waffe – unsichtbar, allgegenwärtig, unkontrolliert.

Freiheit im Zeitalter der Antwortmaschinen

Döpfner und Altman verhandeln schließlich, was auf dem Spiel steht: die Freiheit des Wortes. Für Altman ist sie „einer der schwierigsten, aber zentralsten Werte der westlichen Zivilisation“. Für Döpfner ist sie Geschäftsgrundlage und Überzeugung zugleich. Beide wissen: Wenn Wahrheit von Algorithmen berechnet wird, wird Journalismus zur Gegenmacht – oder verschwindet.

Altman plädiert für neue ökonomische Modelle: Mikropayments für Inhalte, faire Vergütung für journalistische Recherche, eine Rückkopplung von digitalem Nutzen und menschlicher Arbeit. Eine Idee, die Döpfner offen aufnimmt. Der Verleger und der Entwickler eint die Einsicht, dass Information eine Ressource ist, die sich nur dann erneuert, wenn sie einen Wert behält.

Der wahre Inhalt

Die Premiere von „MD MEETS“ ist deshalb mehr als ein Medienereignis. Sie markiert den Moment, in dem KI, Medien und Politik ihre gemeinsamen Bruchstellen öffentlich verhandeln. Altman und Döpfner sprechen über Technologie – und meinen Zivilisation.

Für Europa ist das Gespräch eine Einladung, die eigene Zukunft nicht länger als Beobachter, sondern als Akteur zu gestalten. Wenn Döpfner Altman fragt, was er Europa rät, antwortet der nüchtern: „Reguliert die großen Risiken, aber lasst die kleinen zu.“ In diesem Satz steckt eine Doktrin für die neue Epoche – und vielleicht das letzte Zeitfenster, um nicht endgültig Zuschauer im Theater der Superintelligenz zu werden. Für Sohn@Sohn wäre es wichtig, auf eine granulare Regulierung zu verzichten. Die trifft in der Regel die Kleinen und nicht die Großen, gell Herr Voss…..

Dialogsysteme, semantisches Web und das Ende der Google-Ära – Antwortmaschinen statt Linküberflutung @saschalobo

Was ich Anfang Dezember 2007 geschrieben habe, also vor 15 Jahren, klingt wie eine Ergänzung der Kolumne von Sascha Lob, die am 28.12.2022 veröffentlicht wurde. Tenor: „Höchste Alarmstufe bei der weltgrößten Suchmaschine: Mit ChatGPT und künstlicher Intelligenz könnte eine neue Ära beginnen.“

Google sei zwar eine hervorragende Antwortmaschine auf alle möglichen Fragen des Alltags. „Aber um die besten Antworten zu bekommen, muss man, wenn man genau hinschaut, immer noch sehr Suchmaschinen-spezifische Wortkombinationen eingeben“, schreibt Sascha Lobo.

Und da kommt dann ChatGPT ins Spiel, mit dem ich mich ja schon prächtig über Joseph Schumpeter unterhalten habe: „Die immer stärker spürbaren Schwächen der Suche resultieren zu einem Teil aus dem Geschäftsmodell selbst, weil Google davon lebt, nicht ein Ergebnis auszuspielen, sondern immer eine Liste inklusive Anzeigen. Eine gesprächsfähige KI-Technologie ist wahrscheinlich schwieriger zu vermarkten – weil sie versucht, im Zweifel dialogisch das Ergebnis einzuengen, um nicht in 0,34 Sekunden zwölf Millionen Ergebnisse zu bekommen, sondern eine sinnvolle Antwort.“ Die Suchmaschine von Google sieht die Welt als Liste an, eine KI in der Bauart von ChatGPT sucht einzelne, gute Antworten. „Dieser technokulturelle Unterschied lässt Google als Maschine erscheinen und ChatGPT als digitalen Gesprächspartner.“ Die Welt als Liste kann übrigens sehr viel Charme besitzen im Sinne von Umberto Eco. Das schrieb ich vor 10 Jahren in meiner Kolumne für die Netzpiloten. Siehe den Beitrag, den ich ganz unten noch einmal eingefügt habe.

Ob die Folgeversionen der Chat-Maschine nun den ersehnten Sprung ins Wunderland der KI-Kommunikation bringen werden, bleibt abzuwarten. Angeblich soll 2023 das Jahr der KI werden. So formuliert es Lobo:

„Je nachdem also, wie sehr Google sich in Gefahr wähnt, könnte 2023 tatsächlich das spannendste Jahr in Sachen KI werden – mit einem beginnenden Zweikampf zwischen ChatGPT/OpenAI/Microsoft und LaMDA/Google um die Herrschaft der digitalen Antworten auf die Fragen der Menschheit.“

Davon war man auch im Dezember 2007 überzeugt. Mein Artikel damals:

Der von Tim O’Reilly geprägte Begriff Web 2.0 hat sich zum Inbegriff des neuen Internet-Booms entwickelt. Nun arbeitet man an Konzepten für eine Weiterentwicklung. „Wenn wir über unseren Umgang mit Computern reden, verbinden wir das immer noch damit, vor einem Bildschirm zu sitzen und auf einer Tastatur zu tippen. Aber Computer werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Die offensichtliche Veränderung ist zunächst, dass auch mobile Endgeräte oder Mobiltelefone als Plattform dienen. Damit ist auch verbunden, dass Spracherkennung immer besser wird. Oder dass Fotoapparate mittlerweile mit GPS ausgestattet sind“, erklärt Tim O-Reilly. Wenn das Handy mit intelligenter Sprachtechnik ausgerüstet wird, könnte es sich nach Expertenmeinung zu einem sehr nützlichen persönlichen Assistenten entwickeln. „Solche Visionen einer Antwortmaschine geistern seit einiger Zeit unter dem Schlagwort Web 3.0 beziehungsweise Semantic Web durch das Internet“, schreibt die Nachrichtenagentur ddp.

Dialogsysteme seien nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge, geeignet, den Zugriff auf das vernetzte Weltwissen zu verbessern: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären sofort ‚er-googlen‘ würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und der Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus“, so der Sprachdialogexperte Pape. Die fehlenden Bausteine dafür seien jetzt schon verfügbar, so dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die Menschen weltweit an dieses neue Interface gewöhnt haben. „Die Spracherkennung im personalisierten Diktiermodus ist schon sehr ausgereift, die mobilen Datenzugriffe werden immer schneller und auch Flatrates im Mobilfunk werden vermutlich bald genauso verbreitet sein wie im DSL-Geschäft“, prognostiziert Pape.

Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen. „Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‚Voicewebs‘, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, so Pape.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Professor Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI): „Das Web 2.0 ist ein primär syntaktisches Web mit Layout-, aber ohne Bedeutungsannotationen“, so Wahlster gegenüber ddp. Das führe zu einer Informations- beziehungsweise Linküberflutung, da beispielsweise Textdokumente letztlich auf eine sinnfreie Kombination aus Buchstaben reduziert werden, Fotos und Videos sind nur Ansammlungen von verschiedenfarbigen Pixeln.

Die semantische Wende führe zu einem hochpräzisen Antwortverhalten in einem Web, das Sinnzusammenhänge in den Mittelpunkt stellt. „Wenn es also gelingt, die Semantik von Texten, Bildern, Gesten und künstlerischen Darbietungen durch standardisierte Begriffe so zu formalisieren, dass die so gewonnenen Daten maschinenlesbar sind, dann könnte die Vision der Antwortmaschine Realität werden. Eine Suchmaschine wie Google wäre dann überflüssig“, spekuliert ddp. 

Für den Sprung ins Web 3.0-Zeitalter sei Deutschland gut gerüstet, weiß Wahlster und verweist auf das Projekt Theseus: Bundeswirtschaftsministerium, Forschungsinstitute und Firmen wie Bertelsmann, Siemens und SAP wollen in den kommenden fünf Jahren rund 200 Millionen Euro investieren, um beim Internet der Zukunft die Nase vorn zu haben. 

Wenn man sich die deutsche Forschungslandschaft für Künstliche Intelligenz betrachtet, sei man nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business, auf einem guten Weg. „Im Gegensatz zu anderen Ländern verfolgen wir einen sehr pragmatischen und anwendungsbezogenen Ansatz. Unsere Wissenschaftler entwickeln in enger Kooperation mit der Wirtschaft Technologien für den Alltag, die wir als Errungenschaften der KI-Forschung gar nicht mehr wahrnehmen – etwa bei der Analyse natürlicher Sprache. Mit rund 120 Unternehmen, die Dialogsysteme für Navigationsgeräte, Fahrkartenautomaten, Logistiksysteme oder Diktiersoftware entwickeln und marktfähig machen, liegen wir international an der Spitze. So zählt der Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch das SmartWeb-Projekt von Professor Wahlster zu den 100 Produkten der Zukunft , die unser Leben verändern werden – das ist sicherlich kein Zufall“, resümiert Steimel. 

Und hier noch die Kolumne über die List der Auflistung:

Die List der Auflistung: Ein Jahresrückblick

Der Schriftsteller Umberto Eco und viele andere Menschen hatten wohl schon immer den Drang, Ordnung in ihr Leben und ihre Welt zu bringen, indem sie versuchten, mithilfe von Katalogen, Verzeichnissen und Listen die Unendlichkeit der sie umgebenden Dinge überschaubar zu machen. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Man muss schon ein wenig listig sein wie Eco, um auch nur in Ansätzen etwas Orientierung mit einer Liste aller Listen zu geben. Angefangen beim Schild des Achill über den Stammbaum von Jesus Christus bis zum World Wide Web. Da habe ich es schon etwas einfacher, auf die wichtigsten medialen Ereignisse des Jahres hinzuweisen, die auf unserer Agenda standen. Und auch diese Liste ist nur fragmentarisch. 

Am Jahresanfang beschäftigte sich unser Tochterunternehmen Nash Technologies mit der Frage der Netzneutralität und den Voraussetzungen eines intelligenten Netzes für die Energiewende. http://www.netzpiloten.de/2011/05/12/netzneutralitat-und-das-smart-grid/ 

Das Energienetz der Zukunft („Smart Grid“) wird über das Internet gesteuert. Einen Stromausfall, weil zu viele Youtube-Videos die Netze verstopfen, will kein Mensch. Einen Zwei-Klassen-Zugang allerdings auch nicht. Das berichtet NeueNachricht in einer Vorabmeldung. „Bei der Netzneutralität geht es letztlich um Freiheit: Jeder Bürger hat das Recht, Informationen zu konsumieren und zu veröffentlichen. Aus politischer Sicht muss die Netzneutralität also erhalten bleiben. Es stellt sich aber auch die Frage, wie dies technisch möglich ist, wenn das Internet in Zukunft auch ein Smart Grid enthält“, sagt Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies mit Sitz in Stuttgart und Nürnberg.

Das Smart Grid muss stabil laufen – so, wie es auch Cyber-Attacken standhalten muss. Denn am „intelligenten“ Energienetz hängen zukünftig mit Solarenergie und Windkraft schwankende Energieträger. Das Netz muss in Sekundenschnelle reguliert werden, auch weil auf der anderen Seite die Verbraucher ihren Strom per Smart-Meter-Geräte steuern oder per Elektro-Auto massenhaft neuen Strom benötigen. Im Gegensatz zum Youtube-Video dürfen die Energienetze nicht ruckeln – sonst gehen etwa im Krankenhaus die Lichter aus. „Das Prinzip Best Effort – vereinfacht gesagt: wir versuchen es so gut wie wir können – reicht für das Smart Grid definitiv nicht aus“, sagt Stahl. Das Thema wird uns wohl in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. 

Mit der Überalterung unserer Gesellschaft wird auch den Personalchefs in den Unternehmen der Welt älterer Mitarbeiter immer deutlicher. Das gilt auch für IT-Fachkräfte. http://www.pressetext.com/news/20120210023

So blicken wir als Beratungshaus mittlerweile auf eine über 20-jährige Erfahrung in Deutschland zurück. Wir kennen die Systeme und Anwendungslandschaften. Und uns war trotz des Internet-Hypes klar, dass sich die Datenverarbeitung auf absehbare Zeit auf altbewährte Systeme abstützen wird. Wir haben deshalb frühzeitig angefangen, eine spezielle Gruppe von Seniorberatern und Managern aufzubauen. Wer auf neue Technologien setzt, muss auch auf die Altbestände zurückgreifen und sich mit der Migration dieser Daten beschäftigen.

Wir haben die Situation, dass es nicht unerheblich viele Rechenzentren mit alten Technologien gibt und dass wesentliche Teile von geschäftswichtigen Anwendungen nach wie vor auf diesen sogenannten alten Technologien ablaufen. Das muss gewartet werden, ein Service erfolgen und eine Weiterentwicklung stattfinden.

Hier sorgen wir dafür, dass diese alten Technologien möglichst lange weiter laufen und keine Daten verloren gehen. Das zweite Thema ist die Migration auf andere Technologien und Plattformen. Das gestaltet sich langwierig und schwierig. Da redet man dann schon häufig über Projektlaufzeiten von drei bis sieben Jahre. Und auch in diesem Umfeld kann man so eine Migration nur auf Basis der alten Welt starten. Auch das wird in Zukunft auf der Agenda vieler CIOs stehen. 

Durch den Ausbau der Small Cells könnte auch die App-Economy den nächsten Schwung bekommen, so unser Resümee zun Mobile World Congress in Barcelona. http://www.pt-magazin.de/newsartikel/archive/2012/march/22/article/mobile-world-congress.html#.T2xM2wHC8jA.email 

Small Cells haben nur eine kleine geographische Abdeckung. Aber diese Kleinheit hat auch einen großen Vorteil: der Netzbetreiber weiß auf einmal sehr genau, wo sich ein Smartphone befindet, und zwar an Orten, wo das bisher nicht möglich war, weil es beispielsweise in Gebäuden keinen GPS-Empfang gibt. Wenn potenziell jedes kleine Geschäft in der Innenstadt seine eigene Small Cell haben kann, sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Eine neue Art von Location Based Apps wird möglich, weil es dafür ein Geschäftsmodell gibt. Durch neue Apps gibt es zusätzlichen Verkehr im Netz und damit neues Wachstum. Damit dieses Wachstum auch in der Übergangsphase von UMTS nach LTE möglich wird, ist der UMTS-LTE-Hybrid entscheidend.

Um in dieser hypervernetzten Aufmerksamkeitsökonomie überhaupt zum Kunden durchdringen zu können, muss Kommunikation im richtigen Moment, am richtigen Ort und über den richtigen Kanal erfolgen – wenn man von Kanal überhaupt noch sprechen kann. Stillstand ist dabei ein schlechter Ratgeber, auch wenn das laufende Geschäft noch halbwegs vernünftige Umsätze generiert. Das kann sich schnell ändern. http://service-insiders.de/news/show/1317/Ist-der-Kunde-ein-Prozess-Warum-alte-Management-Weisheiten-an-der-Komplexitaet-des-Netzes-scheitern 

Wer gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene nur in Aggregatzuständen wahrnimmt und berechnet, vernachlässigt die Wirkung von Innovationsrevolutionen. Technologien und Geschäftsmethoden können über Nacht wertlos werden. Etablierte Branchen gehen unter und neue entstehen. Der Routineunternehmer gehört zu den ersten Opfern. Anders sieht es bei den IT-Fachkräften aus, die nach wie vor händeringend gesucht werden. http://www.business-on.de/saarlorlux/fachkraeftemangel-jobsuche-wechselwillig-unternehmen-personalmarketing-maximilian-nobis-_id13936.html

Man muss längst nicht mehr so aktiv sein wie noch vor zehn oder 15 Jahren. Es reicht, die eigenen Kompetenzen richtig im Netz darzustellen.

Viele Personalverantwortliche suchen nach spezifischen Fachkenntnissen in Kombination mit einem Ort oder beruflichen Positionen. So gerät man automatisch in die richtigen Filter. Man kann sich auch in die Situation der Suchenden hineindenken: Wie würde jemand suchen, der eine bestimmte Stelle zu besetzen hat? Dann kann man schnell sehen, ob man in der Suche der Social Networks wie Xing und LinkedIn vorkommt. 

Seit 14 Jahren befragen wir mittlerweile weltweit die CIO-Community nach den Trends der Informationstechnologie, den Auswirkungen auf die eigene Organisation und der Rolle der IT auf die strategische Ausrichtung des eigenen Unternehmens. In diesem Zeitraum hat sich das Arbeitsfeld von IT-Führungskräften fast so schnell geändert wie die Technologie. http://www.funkschau.de/telekommunikation/news/article/88397/0/Harvey_Nash_Die_Trends_in_der_IT_und_die_Folgen_fuer_den_CIO/ 

Der jüngste Trend: 2011 standen die empirischen Befunde noch unter dem Eindruck der Rezession. Auch davor hat man in vielen Branchen die IT in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion betrachtet. Im Zuge dieses Blickwinkels ist der CIO nur damit beauftragt worden, das vorhandene Rüstzeug zu optimieren und die IT als Dienstleistung so günstig wie möglich bereitzustellen. Das ändert sich nun erfreulicher Weise. Die Weichen sind wieder auf Wachstum gestellt. 56 Prozent der CIOs konzentrieren sich auf Projekte, um Geld zu verdienen, statt zu sparen.

Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Innovative CIOs sind Möglichmacher für neues Geschäft und geben sich nicht damit zufrieden, die IT nur auf Kosteneffizienz zu trimmen. Zukunftsprojekte wie digitale Medien und soziale Netzwerke dominieren derzeitig die Innovationsprojekte. In Deutschland haben wir da allerdings noch Nachholbedarf. Entsprechend habe ich meine Ratschläge für Bundeskanzlerin Angela Merkel formuliert.

Man muss die Kraft der Ideen und Stärke der Forschungslandschaft besser vermarkten. Weitere SAPs zu schaffen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Aber was mir zuvorderst hier einfällt, wäre eine sehr pragmatische und unbürokratische Innovationsförderung. Es mangelt in Deutschland und Europa nicht an Ideen. Es fehlt uns die Kraft, diese Ideen umzusetzen. Das bedeutet Innovationsförderung und Kapital sowie eine gezielte Unterstützung von kleinen Organisationen. 

Fraunhofer und MP3 sind ein gigantisch schönes Beispiel für die Schwächen bei der Eroberung neuer Märkte. In einer kürzlich veröffentlichten Studie geht hervor, dass sich Fraunhofer in Fragen der Management-Kompetenz im unteren Drittel eingruppiert. Die bescheinigen sich selbst eine hohe Innovationskraft aber nur eine sehr begrenzte Umsetzungskraft. Und da liegt der Hebel. Man sollte einen Steve Jobs an die Spitze der Fraunhofer-Gesellschaft stellen. http://www.marketing-boerse.de/News/details/1223-Ratschlaege-fuer-Merkels-Internet-Gipfel-Wunderkinder-bringen-noch-keine-digitale-Wende/36545 

Wer als Nachwuchstalent vernetztes Arbeiten erwartet, das Verschwimmen räumlicher und zeitlicher Grenzen, den Einsatz kollaborativer Werkzeuge, der tut sich mit nine to five, Hierarchien und der klassischen Kaminkarriere schwer. http://www.service-insiders.de/artikel-maschinen-und-anlagenbau/show/1479/Social-Media-und-die-Technologie-der-Torheit-–-Ueber-die-Ohnmacht-des-Tweed-Managers 

Am Ende entsteht eher Frustration beim Management-Nachwuchs. Organisationen, die das nicht verhindern können, verlieren hoffnungsvolle Talente und verspielen über kurz oder lang ihre eigenen Zukunftschancen. Über die Erfahrungswelten, die vor allen Dingen die jungen Menschen aus sozialen Netzwerken und der Anwendung von Web 2.0-Technologien mitbringen, werden nicht nur das Zusammenspiel von Verbrauchern und Unternehmen radikal verändert. Es verändern sich auch die Spielregeln in den Organisationen von Staat und Wirtschaft. Wer hier weiter auf starre Kommandostrukturen setzt, verliert als Arbeitgeber an Attraktivität und bekommt auf dem Arbeitsmarkt nicht die besten Köpfe. Jedes Verbot von Facebook, Twitter oder Youtube am Arbeitsplatz geht durch die Autarkie bei der Nutzung der eigenen mobilen Geräte zunehmend ins Leere. Das dokumentierte sehr eindrucksvoll talkabout-Geschäftsführer Mirko Lange bei unserem Social Media Breakfast in München mit einem Einspieler. Es geht um das Statement von Professor Peter Kruse bei einer Bundestagsanhörung der Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“. Kruse sprach von der Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager, die mit der Systemarchitektur zusammenhängt. Das Internet habe ja schon die Vernetzungsdichte extrem nach oben gejagt. Mit dem Social Web ist noch etwas dazu gekommen. Ein deutlicher Anstieg der unberechenbaren Spontanaktivität und kreisende Erregungen im Netzwerk etwa über Retweets auf Twitter. „Die Systeme werden mächtig, ohne vorhersagen zu können, wo das Ganze passiert”, so Kruse.

Soweit ein kurzer Rückblick auf 2012.

Ich selbst bin nicht davon überzeugt, dass das Jahr 2023 ein besonderes Jahr der KI wird. Es wird wieder ein ganz normales Jahr mit einigen Weiterentwicklung in der Interaktion von Mensch und Maschine jenseits der Marketingbotschaften, die über den Atlantik zu uns nach Europa rauschen.

Siehe dazu auch mein Interview mit Professor Wolfgang Wahlster, ehemaliger Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz.

Auch ein Dauerbrenner: Warum der „Behörden-Booster“ klemmt

Die Verwaltung könnte ein wenig KI gebrauchen. In den Behörden fehlt es an Kompetenz, um den Digitalen Staat auf den Weg zu bringen. Auch das ist ein Thema, mit dem ich mich nun schon seit Ende der 90er Jahre beschäftige.

Interessant! Chatkontrolle: Massive Auswirkungen auf Open-Source-Software befürchtet

Antistaatliche Affekte bei Anbietern von Kryptowährungen – Gespräch mit @tante #pift2022

Sind Kryptowährungen eine schlaue Altersvorsorge? Ist das Familienvermögen bei den Kindern in guten Händen, die es mit Trading Apps verwalten? Braucht der Finanzmarkt noch eine Lobby, wenn er so eng mit den Infrastrukturen der Öffentlichkeit verzahnt ist? Und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei den Anleger:innen? Die Frankfurter Finanznacht ist zwar kein teures Seminar, das Ihnen Reichtum verspricht. Aber ein moderierter Abend mit Top-Experten zu solchen Fragen. Im Gespräch mit dem Internet-Theoretiker Jürgen Geuter geht es um die Mythen, die von Anbietern der Kryptowährungen lanciert werden. Dezentralisierung und Demokratisierungen sind dabei nur leere Worthülsen. Sie haben mit der Realität auf dem Finanzmarkt nichts zu tun:

Jürgen Reuter heißt natürlich Jürgen Geuter @tante

Zum Start des #pift2022 in Frankfurt am Main: Festival Politik im Freien Theater @PolitikimFreien

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Nicht alles läuft rund auf den Finanzmärkten: Porsches holpriger Börsengang

#DigitalX, Brandhouse #Schubkraft und die Welt in 100 Jahren #Notizzettel

Von den unendlichen Möglichkeiten der drahtlosen Kommunikation waren abendländische Geistesgrößen schon vor über hundert Jahren beseelt. Nachzulesen im Opus „Die Welt in 100 Jahren“. In dem 1910 veröffentlichten Werk heißt es:

„Es wird jedermann sein eigenes Taschentelephon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist, ob auf der See, ob in den Bergen, dem durch die Luft gleitenden Aeroplan oder dem in der Tiefe der See dahinfahrenden Unterseeboot.“

Auf seinem Wege ins Geschäft werde der Mensch seine Augen nicht mehr durch Zeitunglesen anzustrengen brauchen, „er wird sich in der Untergrundbahn, oder auf der Stadtbahn, oder im Omnibus oder wo er grad‘ fährt, und wenn er geht, auch auf der Straße, nur mit der gesprochenen Zeitung in Verbindung zu setzen brauchen, und er wird alle Tagesneuigkeiten, alle politischen Ereignisse und alle Kurse erfahren, nach denen er verlangt.“ Wenn schließlich auch der „gewöhnliche Sterbliche“ einen solchen Apparat nutzt, „dann werden dessen Lebensgewohnheiten dadurch noch mehr beeinflusst werden, als sie dies schon jetzt durch die Einführung unseres gewöhnlichen Telephones geworden sind.“ Dem einflussreichen Journalisten und Schriftsteller Arthur Brehmer gelang es damals, einige interessante Experten zu gewinnen, ihre Gedanken über die Zukunft nieder zu schreiben.

Die spektakulärste Prognose über das Telephon in der Westentasche stammt aus der Feder von Robert Stoss.

„Eigentlich schrieb er bereits über das iPhone. Man muss es, um es zu glauben, ab Seite 35 selber lesen“, schreibt Georg Ruppelt in der Neuauflage des Werkes (Olms Verlag).

Der Band wurde übrigens 2010 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gekürt. Völlig verdient. Stoss sprach vom Ende von Raum und Zeit:

„Überall ist man in Verbindung mit allem und jedem. Jeder kann jeden sehen, den er will, sich mit jedem unterhalten und wäre der Betreffende auch tausend Meilen von ihm entfernt. Er kann jedes Vergnügen und jede Zerstreuung, wie sie sich jeder andere Mensch gönnen kann, auch mitmachen. Er kann die Tänzerinnen des Königs von Siam ebensogut in Paris in seinem Studierzimmer sehen, wie während der Fahrt im Bahncoupé einer Vorstellung der großen Oper von Monte Carlo beiwohnen kann. Es gibt nichts, was er sich nicht zu leisten vermag.“

Klingt doch irgendwie nach den Remote-Szenarien der vergangenen Jahre.

Was hat Science-Fiction mit der Zukunft zu tun und steuern wir auf eine Privatisierung des Kosmos hin? Dr. Hans Esselborn, Germanistik-Professor der Universität zu Köln erklärt, wie die Literatur dazu beiträgt, Zukunftsvorhersagen zu treffen und warum es wichtig ist, dass auch Literaten eine Expedition ins All wagen.

An der Universität zu Köln befasst sich Esselborn intensiv mit Science- Fiction Literatur. Er ist allerdings vorsichtig mit der Aussage, ob Literatur tatsächlich Zukunftsprognosen treffen kann. Vielmehr entwerfe sie Szenarien, in denen auch die Fragen angesprochen und zum Teil beantwortet werden sollen, die den Leser aktuell beschäftigen und sogar zum Handeln bewegen. Und dass dies in der Vergangenheit schon der Fall war, zeigt der Roman von Kurd Laßwitz über eine Weltraumstation, die später Wernher von Braun dazu bewegte genau diese Station nachzubauen. Doch das klappe nicht immer. Während sich beobachten lässt, dass die Literatur-Vorhersagen bei technischen Dingen oftmals richtig liegen, beispielsweise bei der Entwicklung der Flugzeuge und des Computerwesens, lagen die Vorhersagen vieler Romane beim Internet weit daneben. Keiner habe dem Internet die große Kommunikationsmaschine, die es heute ist, zugetraut.

Im Utopieband „Was würdest du machen, wenn du König von Deutschland wärst?“ äußert Esselborn sein Unbehagen, dass die privaten amerikanischen Firmen Weltraumraketen bauen, den Mond und den Mars besiedeln wollen. Das konterkariert die politische Gemeinsamkeit. Was Musk, Bezos und Co. vorantreiben, die die Kolonialisierung des Weltalls auf privater Basis. „Ich sehe das als eine gefährliche Entwicklung. Weil die Kontrolle fehlt und es irgendwann dann die Piratenkriege im Weltraum geben wird. Dazu gibt es glaube ich auch schon vieles in der Literatur“, so Esselborn. Es entsteht kosmischer Neoliberalismus.

Mit dem Schauspieler Thomas Franke werde ich auf der Digital X in Köln über diese und andere Szenarien der Science-Fiction-Literatur sprechen. Am Dienstag, den 13. September in der Aachener Str. 21. Kommt vorbei.

Nachtrag: Wenn Utopien in den Sand gesetzt werden: Am Beispiel der Maschine von Marly. Köstlich beschrieben von Thomas Brandstetter im Opus „Kräfte messen“, erschienen im Kadmos-Verlag.

Dieser Koloss an der Seine war das größte mechanische Bauwerk seiner Zeit, ein gigantischer Apparat, dessen einzige Aufgabe es war, Unmengen an Wasser für die spektakulären Springbrunnen, Kaskaden, Wasserspiele und inszenierten Feste im Schlosspark von Versailles zu transportieren.

Das Wasserhebewerk war ein Ergebnis der Prunksucht und Obsessionen des französischen Sonnenkönigs. Ludwig der Vierzehnte investierte für dieses Ideal der Vollkommenheit die Summe von 14 Millionen Livre (1 livre entspricht 5 bis 15 Euro). Es bestand aus 14 großen Wasserrädern, die 221 Pumpen betrieben. Mit dem Bau waren 1.800 Arbeiter und Techniker fünf Jahre lang beschäftigt. Sie verbrauchten das Holz etlicher Wälder, 17.500 Tonnen Eisen, 900 Tonnen Blei und 850 Tonnen Kupfer.

Entstanden ist aber keine quasi-göttliche Schöpfung der Technik, keine perfekte Maschine, kein Monument der Ingenieurskunst, sondern ein schwerfälliges Monster.

Das Maschinenwunder von Marly entpuppte sich als technologischer Dinosaurier mit einer abnorm niedrigen Leistung. So lag der Wirkungsgrad bei unter 7 Prozent und erzeugte eine Nutzleistung von spärlichen 80 Pferdestärken.

Anmaßende und selbstgefällige Konstrukteure versprachen dem Sonnenkönig das achte Weltwunder. In Wahrheit schufen sie ein zweckfremdes Ungetüm mit einer Vielzahl von komplizierten Bewegungen, die das erforderliche Zusammenspiel der Bauteile verhinderte.

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verabschiedete man sich von der Schwerfälligkeit dieses Denkmals der Prachtentfaltung und konzipierte ein dezentrales Versorgungssystem, getragen von Prinzipien der Beherrschbarkeit, Nützlichkeit, Effizienz und Einfachheit.

Über den Teufelskreis des Staates im Digitalen @lisapaus

Wohin geht die Reise beim digitalen Staat?

„Kein Geld für Digi Investitionen führt zu schlechter Planung von Digitalen passgenauen Lösungen für Verwaltung“, moniert die Bundestagsabgeordnete Lisa Pause. Sie hat recht.

Das ist in der Tat ein Teufelskreis. Ständig wird auf Digital-Gipfeln und sonstigen Anlässen betont, wie wichtig die Führungsrolle der öffentlichen Hand beim Einsatz von Informationstechnologien und digitalen Diensten sei.

Schon vor rund 20 Jahren wollte man in der Bundesregierung unter Gerhard Schröder den aktivierenden Staat an die Stelle des schlanken Staates setzen und die Verwaltungsmodernisierung vorantreiben. Ein wesentlicher Punkt war, alle onlinefähigen Dienstleistungen des Bundes im Internet anzubieten – den Bürgerinnern und Bürgern, der Wirtschaft und anderen Verwaltungen. Das Ärzteteam am Kabinettstisch verabreichte der maroden und teuren Bundesverwaltung eine Therapie: Internet-Technologie als Allheilmittel gegen Lähmungserscheinungen und unterentwickelten Kommunikationsfähigkeiten. BundOnline 2005 hieß der Heilplan. Rund 18 Modellprojekte erhielten Finanzspritzen in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe, um den Patienten Leben einzuhauchen. Dazu kamen noch hochbezahlte Strategieberater, die sich im Bundesinnenministerium die Klinke in die Hand gaben.

Einige Projekte wie das Förderportal oder der Liegenschaftsnachweis fristeten schon beim Start ein Mumiendasein. Andere dümpelten Jahre vor sich hin. Kaum ein Projekt erreichte die erhoffte Nutzerfrequenz. Von einer digitalen Führungsrolle des Bundes konnte und kann keine Rede sein.

Die unterschiedlichen Kabinett-Ärzteteams haben bei den Online-Initiativen etwas Wesentliches vergessen: Wo krankt der Patient und welche Therapie macht Sinn? Wer braucht die Internetdienstleistungen des Bundes, was muss getan werden, damit sie auch genutzt werden und wie können Doppelentwicklungen vermieden werden? Ohne Anamnese gibt es keine erfolgreiche Medikation.. Die verstorbenen Patienten des BundOnline-Projektes wurden in aller Stille zu Grabe getragen und die Todesursache lautet in allen Fällen „ärztliches Versagen“. Das beruht nicht auf der Unfähigkeit der einzelnen Ministerien, die Projekte sinnvoll zu planen und umzusetzen, sondern an der bürokratischen Verwaltung. Die notwendige Kooperation der Ministerien scheitert an dem Gezerre um Zuständigkeiten, Kompetenzgerangel oder schlichtweg an lethargischen Oberamtsräten:

Da braucht man sich nur das Verteidigungsministerium anschauen. Die schreiben seit Jahren lieber wöchentlich lange Berichte, warum sie etwas nicht können, statt es einfach zu tun. Die Hausleitungen der Ministerien sind dabei erstaunlich leidenschaftslos. Die Ressorts lassen sich nicht gerne etwas von einem anderen Haus sagen. Das nennt man dann Ressortbefindlichkeit. Und die Hausleitungen kümmern sich um das Tagesgeschäft, wenig um die digitalen Themen.

Um die Ressorts zu sinnvollen Kooperationen zu bewegen, sind in der Vergangenheit Kabinettsbeschlüsse erlassen worden, die in den wenigsten Fällen tatsächlich umgesetzt wurden. Am grünen Kabinettstisch haben die Damen und Herren so lange an den Vorlagen herumgefingert, bis jeder Beschluss so viele Schlupflöcher geboten hat, dass sich letztlich keiner daran halten musste. Beispiel für die Schlupflochformulierungen: „Das Projekt ist einzuführen, es sei denn wirtschaftliche, technische oder organisatorische Gründe sprechen dagegen“. Um eine ordentliche Digital-Strategie des Bundes zu etablieren, muss man die Projektverantwortlichen der einzelnen Häuser stärken. Dazu gehören ressortübergreifende Kompetenzen. Und diese können nur durch einen entsprechenden Kabinettsbeschluss auf den Weg gebracht werden, der ohne Schlupflöcher verpflichtend ist. So und nicht anders funktioniert Verwaltung.

Die Analysen stammen übrigens von einer Expertin, die im Bundesinnenministerium tätig war.

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