Norbert Bolz, Pareto und die narzisstische Kränkung der neuen Medienwelt: Scheißt der Teufel immer auf den größten Haufen??

norbert-bolzDer Medienphilosoph Norbert Bolz hat in seinem neuen Buch „Diskurs über die Ungleichheit“ einige Fragen aufgeworfen, die wir in der Blogosphäre intensiv diskutieren sollten. Recht sympathisch sind die Ausführungen über Zahlen-Hörigkeit der Massenmedien. Bolz spricht von der statistischen Depression: Wie kommt es zu pessimistischen Zukunftserwartungen? „Die Antwort ist so einfach wie verblüffend. Massenmedien sind von Zahlen und Tabellen fasziniert, weil Zahlen so bestimmt und scheinbar eindeutig sind“. Aber wahrscheinlich kennen die wenigsten Medienvertreter den Unterschied zwischen Prozent und Prozentpunkt oder einfach mathematische Regeln. Testfrage: Wie viele Personen müssen in einem Zimmer sein, damit die Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent beträgt, dass zwei am selben Tag Geburtstag haben?

Scherz beiseite. Bolz verweist auf ein anderes Phänomen im Internet. Das offene Netz werde als Projektionsfläche für Aufklärungsutopien verwendet; man spricht von elektronischen Rathäusern und virtuellen Parlamenten. Die Netzwerk-Struktur zerschlage die historisch gewachsenen Hierarchien. So weit die Utopie. Doch Bolz hat Zweifel an der schönen neuen Cyberwelt. Zweifel an der Idee des Internets als Medium der radikaldemokratischen Kollaboration. Auch das Netz würde immer deutlicher aristokratische Strukturen zeigen. Es bestätige sich das Pareto-Gesetz der 80/20-Verteilung. „Das ist ein Effekt, der sich überall dort einstellt, wo Menschen aus einer Fülle von Möglichkeiten wählen können“, führt Bolz aus. Vielfalt + Wahlfreiheit = Ungleichheit. 20 Prozent aller Knoten ziehen 80 Prozent aller Links auf sich. Wo sich Vielfalt, Ungleichheit und Abweichungsverstärkung verkoppeln, stellt sich die 1897 von Vilfredo Pareto entdeckte Verteilung ein, die man in einfachster Mathematik durch die Formel y = 1/x darstellen könne. Deshalb bekomme man auch im Web eine Wirtschaft der Stars. Diese Logik der Abweichungsverstärkung führe in der Blog-Welt dazu, dass einige Schreiber immer mehr Leser und Feedback bekommen. Diese Stars könnten natürlich nicht mehr auf die Vielzahl der Kommentare reagieren und kehren damit ironischerweise wieder in die Welt der Massenmedien zurück; denn sie verteilen ja Material an die Vielen, ohne an der Kommunikation darüber angemessen teilnehmen zu können. Zudem gebe es immer mehr Blogs, die nur wenige Leser finden und folglich ein anderes Erfolgskriterium als Popularität brauchen. Es bleibe bei einem Gespräch in einem kleinen virtuellen Freundeskreis. Popularität heiße heute also: viele Links zeigen auf mich. Und weil Popularität attraktiv sei, wird dem, der hat, noch mehr gegeben. Der Soziologe Robert K. Merton spricht in diesem Zusammenhang vom Matthäus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Oder wie es der Millionär Gunter Sachs etwas deftiger ausdrückte. „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“.

Dieser Matthäus-Effekt prägt nach Meinung von Norbert Bolz auch das Internet. „Alle können sich heute im Netz artikulieren, aber nur von wenigen wird Notiz genommen, nur wenige werden sichtbar“. Sein heiße Wahrgenommenwerden. Wenn niemand auf meine Website verweise, existiere ich praktisch nicht.

„Dass das Internet Ungleichheit produziert und eine Wirtschaft der Stars begünstigt, stellt für alle radikaldemokratischen Utopisten der neuen Medienwelt natürlich eine tiefe narzisstische Kränkung dar“, so Bolz. Albert-László Barabási spricht sogar von einer vollständigen Abwesenheit von Demokratie, Fairness und egalitären Werten im Internet. In den meisten Netzwerken herrsche die Pareto-Verteilung. 20 Prozent derer, die Einkommen haben, zahlten 80 Prozent der Einkommenssteuer; 20 Prozent der Produkte eines Supermarktes machten 80 Prozent des Umsatzes aus; 20 Prozent der Wissenschaftler bekommen 80 Prozent der Zitate ab; 20 Prozent der Wissenschaftler schreiben 80 Prozent der wissenschaftlichen Texte. Und eben: 80 Prozent der Links im Internet zeigen auf 20 Prozent der Websites. Selbst für Wikipedia gelte: 20 Prozent der Autoren liefern 80 Prozent der Beiträge. Wikipedia-Erfinder Jimmy Wales könne deshalb nicht als Champion des Internet-Egalitarismus gefeiert werden, ein Ideal der gleichen Stimme würde es nicht geben. Soweit Norbert Bolz. Auch wenn es Abweichungen von der 80/20-Regel gibt, diskussionswürdig sind die Thesen des Berliner Medienphilosophen auf jeden Fall.

Nur ein paar Gedanken, die mir dazu einfallen:
Die Stars des Internets, die Relevanz von Portalen des Social Webs, die Popularität von Links sind nicht in Beton gegossen, wie in der klassischen Medienwelt. Die Möglichkeiten der Beteiligung und die Chancen für Partizipation sind im Internet wesentlich höher als in früheren Zeiten. Frei nach Niklas Luhmann könnte man sagen, dass mit der Internetkommunikation die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt werden, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert. Die Netzwelt greift auch die Autorität der Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen. Die Art und Weise, wie Wissen in den Computer kommt, lässt sich zwar schwer überprüfen. Sie lässt sich aber jedenfalls nicht mehr in dauerhafte Autorität ummünzen. Zudem verlieren die klassischen Massenmedien ihre Selektionsmacht.

Eure Meinung zur Pareto-Regel und zu den Schlussfolgerungen von Bolz würden mich interessieren?

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Jakob Augstein: Düstere Prognosen für Tageszeitungen

Omas Zeitung liegt im Sterben
Omas Zeitung liegt im Sterben
Seit Jahren büßen Tageszeitungen an Auflage ein und wandert Werbung ins Internet ab. Die Folge: Verlage verdienen immer weniger mit Anzeigen und sind immer stärker auf – stetig sinkende – Vertriebserlöse angewiesen. Die größte Bedrohung jedoch: Immer weniger junge Menschen kaufen Zeitungen. Warum auch, wenn Lokalblätter den Nachrichtenwert einer Konservendose haben.

„Die Zeitungen ändern sich?“ war das Diskussionsthema des „Medientreffpunkts Mitteldeutschland“. Jakob
Augstein beurteilte die Perspektiven für Tageszeitungen als „düster bis tief schwarz“, so der Geschäftsführer der Wochenzeitung „Der Freitag“ und Mitgesellschafter der Spiegel-Verlagsgruppe. Die Zeitungen änderten sich eben nicht, führte er aus: „Die Beharrungskräfte in den Redaktionen und die Abhängigkeit von alten Erlösmodellen stehen einer Anpassung an die neuen Verhältnisse im Weg.“

Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, schilderte den Weg der Tageszeitungen ins Internet: In einer ersten Phase hätten die Verlage Zeitungsinhalte einfach ins Netz gestellt. Heute gebe es
Zusatzangebote wie Themendossiers oder Fotostrecken – „eine verlängerte Zeitung“. Als eigenes Produkt und eigene Marke aber hätten die Verlage das Onlinemedium noch nicht begriffen. Die Markenbildung hält auch Augstein für eine der wichtigsten Aufgaben von Online-Zeitungen. Inhalte verschiedener Anbieter müssten sich
„viel stärker“ voneinander unterscheiden, sagte er. „Von spiegel.de bis zu sueddeutsche.de ist es heute nur ein Klick. Die Trennschärfe ist nicht groß genug.“ Augstein setzt auf die Kommunikation mit den Lesern: „Journalisten müssen vom hohen Ross des Dozierens runterkommen.“ Mehr Beteiligung der Medienkunden klingt doch irgendwie nach Jeff Jarvis. Siehe auch „das Ende der Zeitungspapier-Ära“.

Mit seiner Forderung nach mehr Inhalt, die von den Zeitungsnutzern selbst gestaltet werden, erntete Augstein Widerspruch beim Chefredakteur von sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs. Journalisten seien als
Garanten für sicher recherchierte Texte unabdingbar. Daran kann ja kein Zweifel bestehen. Nur die Printjournalisten sind halt nicht mehr die exklusive Quelle der wirklich harten Nachrichten!

Yogeshwar: „Friss oder stirb“-Kundenservice hat in der Web 2.0-Welt ausgedient

Yogeshwar kommt zu den Voice Days plus nach Nürnberg
Yogeshwar kommt zu den Voice Days plus nach Nürnberg
Ranga Yogeshwar eröffnet als Hauptredner den Fachkongress der Voice Days plus 2009 am 6. Oktober 2009 in Nürnberg. „Der Umgang mit dem Neuen“ ist das Thema des bekannten Wissenschaftsjournalisten mit Fernsehsendungen wie „Kopfball“ oder „Wissen vor 8“. Die Innovationen der Web 2.0-Welt haben nach Ansicht von Yogeshwar zu einer tiefgreifenden Veränderungen des Kundenservice. Früher setzte das Unternehmen setzte dem Kunden ein Produkt vor und der Kunde hatte keine andere Wahl, als dieses Produkt zu akzeptieren oder eben nicht zu akzeptieren, ganz nach dem Motto: „Friss oder stirb!“

„Mit dem Web 2.0 und vergleichbaren Technologien wurde die ganze Entwicklung quasi auf den Kopf gestellt. Heute ist der Kunde zum besten Entwickler des Unternehmens geworden. Der Kunde selbst hat sehr viel mehr an Einfluss gewonnen, denn er hat viel besseren Zugang zu Informationen“, so Yogeshwar.

Verbraucher haben klare Erwartungen an Dienstleistungen und viel mehr Möglichkeiten zum gnadenlosen Vergleich. „Durch das Web 2.0 ist ein immenser Druck auf die Unternehmen entstanden: Sie erleben ein Dauer-Benchmarking“, erläutert der Wissenschaftsjournalist. Kunden würden sich untereinander dezentral austauschen ohne Rücksicht auf interne hierarchische Positionen. „Bei einem Unternehmen mit starren und hierarchischen Strukturen ist das anders: Sie werden keinen Unternehmenslenker finden, der direktes Feedback von einem seiner Mitarbeiter erhält, der in der Hierarchieleiter ganz unten steht. Er bekommt also nie Feedback von jemandem, der nah am Kunden arbeitet. Und das führt unter Umständen dazu, dass Unternehmen sich schwer tun, ein gutes Gespür für den Kunden zu entwickeln, wenn es um strategische oder längerfristige Entscheidungen geht“, sagt Yogeshwar.

Häufig sei der Kundenservice vom Kunden genervt und möchte sich eigentlich gar nicht mit ihm auseinandersetzen. „Das lässt sich vor allem auf die Art und Weise zurückführen, wie Unternehmen mit ihren Kunden in Kontakt treten. Provokant könnte man sagen: ‚mit der telefonischen Warteschleife’. Nach außen ist die Rede von einer 24/7-Erreichbarkeit und persönlichem Rundumservice, in Wahrheit aber wird der Kunde oft enttäuscht. Und obwohl die technologischen Möglichkeiten vorhanden sind, wird kaum differenziert, ob es sich um einen Erstkunden oder einen Wiederholungstäter handelt. Die Möglichkeiten eines personalisierten Services werden kaum wahrgenommen“, kritisiert der Fernsehmoderator.

Er habe mal einen wunderbaren Tag mit Alan Kay, dem Chefentwickler von Apple, verbracht. „Er hat mir einfach noch mal im Detail erklärt, wie Apples Planung und Entwicklung neuer Produkte aussieht: Im Vordergrund steht nicht, was technologisch möglich ist, sondern was der Kunde wirklich braucht und was nicht. Erst wenn die genauen Bedürfnisse des Kunden, seine Verhaltensmuster aber auch seine Skepsis Neuem gegenüber und seine Verunsicherungen analysiert sind, werden die übrigen Entwicklungsprozesse angestoßen. Das ist etwas, was vielfach extrem verbesserungswürdig ist. Vorausschauend für mich ist: Technologie immer im Hinterkopf zu behalten, aber im Kern wirklich genau auf den Kunden zu schauen“, rät Yogeshwar.

Kollabieren deutsche Firmen?
Kollabieren deutsche Firmen?
Zu einer ähnlichen Auffassung gelangt der Internet-Experte Sebastian Paulke von der Agentur Wort + Welt. „Im Kundenservice, in der Produktgestaltung oder beim Verkauf benötigt man ‚Open Innovation-Modelle’. Von einer Google- oder Share-Economy sind die deutschen Firmen noch Lichtjahre entfernt. Die großen Konzerne werden nach wie vor geführt wie in den guten alten Zeiten des Industriekapitalismus. Freiräume für kreative Köpfe und smarte Dienstleister bestehen kaum. Man konzentriert sich eher auf die Erfassung von Arbeitszeiten, definiert ständig neue Abteilungsgrenzen, enge Aufgabengebiete und blockiert Netzwerkeffekte. Wo sind denn bei uns im Lande die offenen Plattformen, wo sich Entwickler austoben könnten wie bei Google oder Apple? Da findet man nichts vernünftiges. Deutschen Firmen fehlt das Google-Gen“, kritisiert Paulke, Co-Autor der Studie „Kollaborieren oder Kollabieren“.

Luhmann, semantische Technologien und die Internet-Kommunikation: Web 3.0 soll Internet-Nutzer besser verstehen

Das Computer-Vermächtnis des Soziologen Niklas Luhmann
Das Computer-Vermächtnis des Soziologen Niklas Luhmann
Das Unternehmen iQser hat ehrgeizige Ziele, die landläufig unter dem Schlagwort Web 3.0 laufen. Es setzt auf semantischen, um die Flut von Informationen durch eine automatische inhaltliche Analyse zu bewältigen. Semantische Verfahren waren lange Zeit nur ein Experimentierfeld der Wissenschaftler, berichtet die FAZ und zitiert den iQser-Chef Jörg Wurzer mit der Aussage: „Jetzt hat die Semantik die Wissenschaft verlassen. Es gibt viele Startpus, die sich damit beschäftigen“. Und damit sei nicht nur das Großprojekt Theseus gemeint, das vor allem von großen Unternehmen getragen wird. „Unternehmen stehen vor der Herausforderung, eine Fülle von Informationen zu verarbeiten, die von Jahr zu Jahr wächst. Die hohe Verfügbarkeit von Informationen im Internet und immer mehr Anwender sowie Organisationen, die an der Produktion von Informationen beteiligt sind, tragen zu diesem Prozess bei“, teilt iQser in einer Presseerklärung mit.

Mit einer Software wolle man alle wichtigen internen und externen Informationen automatisch vernetzen. Jedes Dokument, jede E-Mail und jede Nachricht werde Projekten, Aufgaben oder Personen zugeordnet. Man solle nicht mehr nach Informationen suchen, sondern ihren Kontext auswählen und automatisch alle Informationen geliefert bekommen, die zu diesem Kontext gehört. Das könnten neue Forschungsberichte oder aktuellen Nachrichten sein.

Gute Idee: Reiseportale mit Nutzerkommentaren aus dem Social Web kombinieren
Gute Idee: Reiseportale mit Nutzerkommentaren aus dem Social Web kombinieren
So könnten Reiseziele auf Portalen wie Triptivity mit passenden Nutzerkommentaren aus sozialen Netzwerken oder mit Reisebeschreibungen angereichert werden. „Ein zweites Analyse-Ergebnis gibt einen Überblick darüber, welche Themen in den Artikeln behandelt werden, in welche Aspekte sie sich auffächern und welche grundlegenden Fakten vermittelt werden. Das dafür automatisch ermittelte Begriffsnetz wird in Form eine Baumes dargestellt, den der Anwender nutzen kann, um sein Interesse einzugrenzen und eine entsprechende Artikelauswahl vorzunehmen“, so iQser.

Mitarbeiter würden einen Überblick über die verfügbaren unstrukturierten Informationen erhalten, ohne diese zuerst sichten zu müssen. Anschließend sei eine Auswahl nach Interessenschwerpunkten möglich. Mit einem Web-Monitoring könne man erkennen, in welchem Zusammenhang im Internet über ein Unternehmen und seine Produkte diskutiert wird.

Experten für Künstliche Intelligenz sind sich einig, dass bei den neuen Projekten des semantischen Webs die Sprache eine ganz entscheidende Rolle spielen muss. „Beim Web 3.0 versucht man die Ergebnisse der Sprachforschung zu nutzen, um Suchbegriffe oder natürlich-sprachliche Suchanfragen tiefer zu analysieren und semantisch anzureichern. Suchergebnissen sollen am Ende präziser, besser strukturiert und um viele andere, nahe liegende Themengebiete angereichert werden. Idealerweise kann eine gestellte Frage dann auch in einem Satz beantwortet werden“, so die Erkenntnis des Sprachdialogexperten Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Diesem Trend entgegen komme die immer stärkere semantische Aufbereitung der Webinhalte in vielen Suchbereichen durch Internetnutzer, auch „Prosumer“ genannt, die in weltweiten Netzwerke aktiv sind. Das beste Beispiel hierfür sei Wikipedia. „Bisher musste das Wissen weitestgehend manuell in sogenannten Ontologien oder Taxonomien erstellt werden, welche die Begriffe zu einander in Beziehung setzen und daraus Wissensrepräsentationen unterschiedlichster Domänen bilden. Firmen wir iQser versuchen nun, das Wissen im Intranet oder Internet automatisch aufzubereiten. Das Ergebnis sollte eine Antwort und keine ewig lange Ergebnisliste mit vielen irrelevanten Texten sein“, erläutert Pape.

Sprachdialogsysteme machen das Web 3.0 zu einer Antwortmaschine
Sprachdialogsysteme machen das Web 3.0 zu einer Antwortmaschine
Gekoppelt mit Spracherkennung und Sprachsynthese könne dieser Weg zu ganz neuen Sucherfahrungen führen. Eine gesprochene Frage zu einem beliebigen Thema werde dann auch mit einem gesprochenen Satz beantwortet. „Dieses Szenario ist keinesfalls Science-Fiction, denn parallel zu den Fortschritten in der Suchtechnologie macht auch die Spracherkennung enorme Fortschritte. Auch die Dialogtechnologie spielt hier ein bedeutende Rolle, da bei vielen Anfragen weiterführende Fragen und Präzisierungen erforderlich sind“, sagt Pape. Die Frage „Wie komme ich jetzt am schnellsten nach Berlin?“ macht die Klärung erforderlich, ob man mit Zug, Auto oder Flugzeug reisen möchte. Es werde nach Ansicht des SemanticEdge-Chefs noch lange dauern, bis die vielen Informationen semantisch erschlossen und die wichtigsten Nutzungsszenarien klar sind. Bei Fahrplaninformationen, Navigation oder Adressdaten sei jetzt schon vieles möglich. Frei nach dem Soziologen Niklas Luhmann muss das semantische Web drei Komponenten der Kommunikation erfüllen: Mitteilung, Information und Verstehen.

Google Times, Buzzriders und das Ende der Zeitungspapier-Ära

jarvisCem Basman weist in einem Blog-Beitrag auf das neue Medienprojekt „Buzzriders“ von Robert Basic hin, mit der die Nachrichtenwelt revolutioniert und Giganten wie Spiegel Online oder heise.de herausgefordert werden.
Ob eine Revolution dabei herausspringt, ist gar nicht so wichtig.

Das Vorhaben ist eine richtige Weichenstellung für die Post-Zeitungspapier-Ära, die Jeff Jarvis in seinem Buch „What Would Google Do“ (mittlerweile auch in deutsch erschienen im Heyne-Verlag). So gehen Experten in den USA davon aus, dass bei der gegenwärtigen Entwicklung der Verlagswelt im Jahr 2040 die letzte amerikanische Zeitung herausgegeben wird. Und das war eine Einschätzung, die noch nicht die volle Wucht der Finanzkrise für die Printwelt einkalkuliert hat. Der Abwärtstrend hat sich noch verstärkt – mit etwas zeitlicher Verzögerung werden wir das auch in Deutschland erleben.

Deshalb der Rat von Jarvis: Wer heute neue Medienformate entwickelt, sollte dezentralisiert denken. Nachrichtenorganisationen können sich nicht mehr auf die Vorstellung verlassen, dass die Welt sich bis zu ihren Toren durchschlagen wird. „Die Menschen finden ganz allein zu den Nachrichten. über unendlich viele neue Wege: Blogs von Freunden, Nachrichten-Websites wie Google News und Daylife, kooperative Nachrichten-Websites wie Digg, Feeds auf Facebook oder Twitter“, so Jarvis. Werden Sie zu einer Plattform, proklamiert Jarvis. Werden Sie Teil eine Netzwerks. Sie können nicht mehr alles allein machen. Sich kooperativen Netzwerken anzuschließen sei hilfreich. Man sollte lokal die Hilfe des Lesepublikums in Anspruch nehmen, um Storys zu vervollständigen. Es könnte bedeuten, die Öffentlichkeit zur Berichterstattung zu rekrutieren und zu mobilisieren. Es könnte auch bedeuten, sie in dem Geschäft zu etablieren. „Es bedeutet mit Sicherheit, ihre Beiträge und Verbesserungen willkommen zu heißen“, schreibt Jarvis. Die lokale Öffentlichkeit wird der Boss. Die Zeitung 2.0 werde mit ausgewählten Bloggern, Unternehmern, Bürgern und Communitys zusammenarbeiten, die Nachrichten sammeln und verbreiten und sie unterstützen. Um das zu erreichen, müsse man im Kleinen agieren, aber in großen Bahnen denken und die Welt neu definieren.
In diese Richtung marschiert Robert Basic meiner Ansicht nach mit Buzzriders. „Sein Ziel ist eine von Nutzern generierte Nachrichtenquelle im Web, die insbesondere auch die lokalen und kleinen Nachrichten liefert. Zudem auch Kleinanzeigen. Einen News-Bereich, mit dem sich die Grossen schwer tun, der aber auf ihrer Agenda steht, wie ich gestern Abend beim media coffee gerade wiederholt auch von Christoph Keese (Springer) im Panel gehört habe. Roberts Vorhaben ist eine Art ‚micro-dpa 2.0‘. Vielleicht auch 2.5. Lobenswert. Ehrgeizig“, urteilt Basman. Seine Empfehlung kann ich nur unterstützen: „Nicht klein reden. Unterstützen! Nicht reden. Machen!“

Es wird nicht das einzige Projekt bleiben, aber wer jetzt an den Start geht, wird mit den richtigen Konzepten die Krise der klassischen Medien abfangen. Demnächst mehr auf NeueNachricht zu sehen. Das zehn Jahre alte CMS von Lotus Notes hat gute Dienste getan. Kommt jetzt auf den Müll und wir starten mit einem ganz anderen Ding. Später dazu mehr.