Daten mit Vorurteilen und wie man mit Machteliten-Hacking reagieren könnte – Eure Meinung?

Machteliten-Hacking

Das Interview mit Stefan Holtel ist die Grundlage meiner Netzpiloten-Kolumne am Montag.

Folgende Punkte sind dabei wichtig.

KI ist ein Marketing-Hype.
Der Markt findet derzeit richtige Antworten auf falsche Fragen.
Wenn wir nicht schnell die richtigen Fragen stellen, werden wir nur durch Versuch und Irrtum lernen, welche Macht KI für alle Lebensbereiche haben wird.

Einsicht in die Algorithmen – Forensik,
KI-Technik ist/wird zunehmend zu einer black box, die selbst ihre Entwickler nicht mehr verstehen.
Dieser Trend ist unumkehrbar: Wir werden immer mehr von KI-Algorithmen profitieren, aber immer weniger begreifen, wie sie eigentlich arbeiten.
Konsequenz: Wir müssen unser Konzept von Vertrauen in Maschinen überdenken und neu bewerten. Das ist keine technische Frage, sondern eine techniksoziologische und gesellschaftliche, die keine objektive Antwort haben wird, sondern in einem normativen Diskurs entwickelt werden muss.

KI und die Prognosen zur Vernichtung von Arbeitsplätzen,
Effektheischende Berechnungen. Alle gehen von vielen Annahmen aus, die gar nicht gegeben sind.
Die Studien werden nur stümperhaft zitiert und nicht wirklich durchgearbeitet.
Es fehlt eine differenzierte Debatte zu dieser Frage.
Hypothese: KI vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern Tätigkeiten. Mit dieser Annahme verändert sich die Diskussion über die Rolle von KI zu einer vom „Mensch in der Schleife“.

Singularität – Ray Kurzweil,
Definition ist unklar, je nach Verständnis ist Singularität bereits eingetreten (z.B. Finanzmarkt-Crash, fehlerhafte Frühwarnsysteme) oder steht uns noch bevor.
Eine Emergenz von Singularität aus einer hypothetischen Hochrechnung von möglicher Komplexität ist unseriös. Sollten Maschinen irgendwann Bewusstsein erlangen, wird es ein anderes Bewusstsein sein als das, was Menschen haben. Vielleicht werden wir es gar nicht erkennen.

Eure Wünsche und Prognosen.
KI ist ein Querschnittsthema. Alles wird betroffen sein. Der Diskurs um KI muss differenzierter geführt werden. Experten sollten durch Aufklärung oder Machteliten-Hacking Verantwortung übernehmen, um diesen Diskurs adäquat zu begleiten.

Würde mich freuen, wenn Ihr mich in den nächsten zwei Tagen (also bis Sonntag) bei meiner Recherche unterstützen könntet. Mit Statements, Fakten, Daten, Prognosen….

Entweder hier über die Kommentarfunktion oder per Mail: gunnareriksohn@gmail.com

Advertisements

Aufruf zur kollaborativen Recherche – Gestaltung einer digitalen Demokratie #D2030

Morgen, also am Sonntag, werde ich Euch einige Thesen aus unserer netzökonomischen Zukunftsrunde präsentieren und mit Euch diskutieren für meine Netzpiloten-Kolumne, die am Dienstag erscheint.

Ich starte den Livestream so gegen 11 oder 12 Uhr 17 Uhr (vorher steht eine Radtour auf der Agenda) via Facebook und werde das auch hier in meinem Blog parallel zur Liveübertragung veröffentlichen. Wer nicht auf Facebook unterwegs ist, kann sich das dann hier anschauen.

Wie das ablaufen soll, habe ich gerade auf Facebook erläutert.

Man hört, sieht und streamt sich am Sonntag.

Narrative Ökonomie und digitale Vulgär-Kapitalisten in Jungunternehmer-Pornoheften

Passt irgendwie zum Thema
Passt irgendwie zum Thema

Stichworte meiner heutigen Kolumne für die Netzpiloten – erscheint im Laufe des Tages:

Narrative Simulationen von digitaler Rebellion – Wie Erzählungen die Ökonomie umformen – Schumpeter war in Bonn weiter – Wirtschaftsordnung und mentale Verfassung der Gesellschaft – Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten – Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung – Jungunternehmer-Pornohefte feiern Vulgärkapitalisten.

Auf Facebook habe ich das Thema gestern schon angerissen. Im März würde ich dazu gerne eine netzökonomische Käsekuchen-Runde machen. Habt Ihr Interesse? Dann macht mal Terminvorschläge.

Über die populistische Strategie der Ent-Menschlichung

populisten
Die nationalistischen Populisten behaupten: „Wir sind das Volk.“ Sie meinen jedoch: „Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk.“ Nachzulesen in dem lesenswerten Essayband „Was ist Populismus“ von Jan-Werner Müller. Damit werden alle, die anders denken, als illegitim abgestempelt, „ganz unabhängig davon, mit wie viel Prozent der Stimmen ein offizieller Volksvertreter ins Hohe Haus gewählt wurde“, so Müller.

Populisten seien zwangsläufig antipluralistisch; wer sich ihnen entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, gehört automatisch nicht zum wahren Volk.

„Das mag wie eine Banalität klingen, ist aber von entscheidender Bedeutung in Auseinandersetzungen mit Populisten, die behaupten, den Willen des Volkes zu repräsentieren und zu vollstrecken – in Wirklichkeit jedoch eine symbolische Repräsentation des angeblich ‚wahren Volkes’ instrumentalisieren, um demokratische Institutionen, die dummerweise nicht von Populisten dominiert werden, zu diskreditieren“, führt Müller weiter aus.

Populismus ist demnach eine ganz bestimmte Politikvorstellung, die ein imaginäres Volk als moralisch rein und homogen definiert und gegen unmoralische, korrupte und parasitäre Dunkelmänner und Dunkelfrauen in verschiedenen Institutionen in Position bringt. Wer diese anmaßende Vereinnahmung des „Volkes“ in Frage stellt, wird kurzerhand vom „einzig wahren Volk“ abgetrennt. Das reicht von der Lügenpresse bis zur „Volksverräterin“ Merkel (mittlerweile werden Andersdenkende gar als krank eingestuft, die von spezialisierten Fachärzten behandelt werden sollten – als Kranker wird man von den nationalistischen Populisten vom Diskurs ausgeschlossen).

In Wahrheit geht es um „Nur wir vertreten das Volk“

Hinter dem Spruch „Wir sind das Volk“ steckt eigentlich die Botschaft „Nur wir vertreten das Volk“. Dieser Alleinvertretungsanspruch der Populisten und deren Verhältnis zur Demokratie macht die Gemengelage so gefährlich. Sie sind kein nützliches Korrektiv in einer Demokratie, um den vermeintlichen Abstand zwischen Politik und „Volk“ wiederherzustellen. Wer so denkt, ist schon auf der semantischen Leimspur der Populisten unterwegs. Populisten interessieren sich nicht für plurale Willensbildung, für das langwierige Bohren dicker Bretter bei der Bewältigung von Problemen; ihre Kritik gilt auch nicht dem Prinzip der politischen Repräsentation. Ihre Agitation richtet sich gegen die amtierenden Repräsentanten, die angeblich nicht die Interessen des „Volkes“ vertreten.

Da niemand sagen kann, wo die Interessen eines jeden Einzelnen liegen, sind populistische Demagogen wie Erdogan oder Orbán an Teilhabe, Offenheit und Pluralität überhaupt nicht interessiert. Sie geben sich als die Kenner des wahren Volkes aus und hebeln jeden aus, der sich ihnen in den Weg stellt. Wer sich den Populisten nicht anschließt, wird ausgeschlossen. Wer Volk sagt, meint in Wahrheit Ent-Individualisierung und sogar Ent-Menschlichung, die bis zur Inhaftierung und Beseitigung aus dem öffentlichen Leben reichen kann. Populisten sind keine Problemlöser, sie nutzen Probleme, um das politische System zu destabilisieren.

Ausführlich bei den Netzpiloten nachzulesen.

Neue Kolumne für die @netzpiloten: Das Notiz-Amt – Ideenspender fürs Netz oder so ähnlich

Notiz-Amt

Ab nächste Woche starte ich eine neue Kolumne – nach dem Niedergang der liebwertesten Gichtlinge, die auf Wiederbelebung warten. Könnte da ab Oktober etwas Neues geben.

Unabhängig von der Reinkarnation meiner The European-Ausflüge gibt es ab nächster Woche „Das Notiz-Amt“. Klingt schön anachronistisch. So soll es auch sein.

Gottfried Wilhelm Leibniz plante 1712 ein analoges Google. Er wollte das gesamte damalige deutschsprachige Gebiet mit einem Netz von Notizämtern überziehen. Das Notiz-Amt sollte als Verwahranstalt für wertvolle Gegenstände dienen, als Ort für die Abhandlung von Auktionen und Lotterien, es sollte Verträge öffentlich beurkunden und fromme Stiftungen verwalten. Wöchentlich oder monatlich sollte ein Diarium der dienlichen fürgefallenen Dinge erscheinen, um neu erschienene Bücher, Arzneien, Erfindungen und sehenswürdige Gegenstände kundzutun. Mit dem Notiz-Amt würde aus einem Zufälligen etwas gewisses. Eine Anlaufstelle für Ideen und neuen Gedanken. Das Notiz-Amt sollte im 18. Jahrhundert die Menschen verknüpfen. Letzteres motiviert mich für eine wöchentliche Netzpiloten-Kolumne.

Das Projekt von Leibniz und weitere Geschichten über das Suchen und Finden im 17. und 18. Jahrhundert kann man im vorzüglichen Buch von Anton Tantner nachlesen: „Die ersten Suchmaschinen – Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs“ – erschienen im Wagenbach-Verlag.

Man liest sich wieder jeden Mittwoch Donnerstag 🙂

Das Tantner-Opus steht nächste Woche natürlich im Vordergrund.

Digitale Bräsigkeit und veraltete Management-Methoden – Über die kollektive Dummheit in deutschen Unternehmen

Münchner Kreis-Foto
Münchner Kreis-Foto

Warum ist die Digitalisierung immer noch eine Achillesferse von deutschen Unternehmen? Diese Frage untersucht eine Zukunftsstudie des Münchner Kreis, die in dieser Woche in den Räumen des Bayerischen Landtags vorgestellt wurde.

61 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als strukturelle Herausforderung. Um dem zu begegnen, müsse das Bildungssystem so schnell wie möglich an die Gegebenheiten der digitalen Welt angepasst werden, die Lehrerausbildung besser ausgestaltet und die digitale Kompetenz jedes einzelnen Bürgers erhöht werden.

ZUKU14_Zu_schnell_fuer_dt_Wirtschaft_Schlaglichter

Auch die Politik – was für ein Wunder – sei der Digitalisierung in ihrer heutigen Organisationsform nicht gewachsen. 86 Prozent der Experten sehen hier Restrukturierungsbedarf und denken dabei insbesondere an die Schaffung eines fachübergreifenden Bundesministeriums für Digitalisierung und Medien. Richtig so.

Die Umsetzung von Innovationsstrategien durch deutsche Unternehmen wird von mehr als der Hälfte der teilnehmenden Experten als zu selten, zu langsam und mit zu geringem wirtschaftlichem Erfolg beurteilt. „Think BIG“ müsse zur Tugend in deutschen Unternehmen werden.

Drei Fünftel der Experten geben zu Protokoll, dass die deutsche Wirtschaft zu sehr in bisher oft erfolgreichen, jedoch ausgedienten Handlungsmustern verharrt. Dadurch wird die Verwirklichung von innovativen Produktstrategien und Geschäftsmodellen vielfach verhindert. Erfolgreich könne Deutschland in Zukunft nur sein, wenn die Unternehmen mehr Mut zur „Selbst-Kannibalisierung“ beweisen, branchenübergreifend kooperieren und den Mittelstand einbeziehen.

Die Experten bestätigen, dass das bisherige Fördersystem von Forschung und Entwicklung sowie die Umsetzung und internationale Vermarktung den digitalen Märkten nicht genügen. Um digitale Produkte erfolgreich einzuführen, müsse eine schnelle Erprobung ebenso erfolgen wie eine frühe Verbreitung. Alle Akteure – Politik, Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Verbände – sollten sich mit den Prinzipien und den Chancen der digitalen Welt nachhaltig auseinandersetzen. Soweit die Kurzform der Ergebnisse einer TNS Infratest-Online-Befragung von 517 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Ich sehe die Hauptursache für die digitale Bräsigkeit von Verwaltung und Wirtschaft in überkommenen Management-Konzepten, die noch aus der Zeit der Industrialisierung stammen und die heute nur einen modernen Anstrich erhalten:

In einer Wirtschaft, die sich schneller dreht als je zuvor und von technologischen Transformationswellen überrollt wird, macht nach Ansicht von Harvard Business Manager-Chefredakteur Christoph Seeger am Ende der Mensch den Unterschied. Die Zeiten der alleinherrschenden Industriekapitäne, die mit Pathos und Post herrschen, sollte eigentlich vorbei sein. Die Technologie ist nicht das Problem, es ist die systemimmanente Dummheit des Managements, die uns drosselt, so Buchautor Gunter Dueck im HBM-Interview (Januar Special zum Thema „Leadership – Wie geht Führung im Zeitalter digitaler Transformation?).

In den Führungsmethoden setzt man auf Konditionierung und nicht auf Partizipation, Transparenz oder gar liquide Demokratie. Die Wirtschaftswelt tut immer noch so, als seien Menschen und Märkte vollkommen rational und steuerbar sowie die Welt um uns herum vollkommen logisch, bemerkt Dueck:

„Die Ur-Annahmen über den Menschen als Stimulus-Response-Blackbox sind noch immer die Grundlage heutiger Management- und Incentive-Systeme.“

Statt auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, verstecken sich die Excel-Führungskräfte hinter Berichtsorgien und Kennzahlen-Management.

„Der dauernde Druck und die ständigen Vorgaben zwingen die Leute dazu, sich den halben Tag Gedanken darüber zu machen, wie sie es schaffen, am ‚Ende des Tages‘ – Lieblingsformulierung der Manager – gut dazustehen. Mit Strategieentwicklung, dem Fördern von Innovation und Kreativität oder Personalführung – den eigentlichen Kernaufgaben einer Führungskraft – hat das herzlich wenig gemein“, erläutert Dueck.

Eine Organisation im Optimierungswahn über bürokratische Prozesse fördert die kollektive Dummheit in Unternehmen. Exzellenz, Aufbruchstimmung und visionäres Denken lässt sich nicht verwalten „oder in Listen und Tabellen organisieren – und schon gar nicht aus Vergangenheitsdaten extrahieren“, moniert Dueck. Bestleistungen erzeugt man nicht mit Kontrollen, sondern mit Freude und Leidenschaft.

Mit dem „Kosten-senken-und-Zeit-sparen-Mantra“ der deutschen Führungskräfte kann man keinen Blumentopf mehr gewinnen. Statt ewig über Disruptionen zu jammern oder an der eigenen Ignoranz zu sterben, sollten wir nach Ansicht von Dueck die neuen technologischen Möglichkeiten nutzen, um Neues zu schaffen. Das müssten die Manager allerdings jeden Tag vorleben, anders könne man keine Kultur ändern. Die Excel-Tabelle von heute bildet das Geschehen von gestern ab. Auf der Strecke bleibt die Gegenwart. In einer Excel-Ökonomie aus Ängsten, Planungsillusionen und sinnlosen Kontrollschleifen gedeiht weder Vertrauen noch wirtschaftliche Prosperität.

Das Thema werde ich in meiner The European-Kolumne am nächsten Mittwoch aufgreifen. Ein erstes Interview habe ich heute mit Resourceful Humans-Geschäftsführer Heiko Fischer geführt.

Weitere Statements sind erwünscht, müssen mich aber bis Montagabend erreichen gunnareriksohn@gmail.com

200 Kolumnen, vier Jahre Non-Stop dabei: Liebwerteste Gichtlinge für @theeuropean

Spöttischer Geist François Rabelais:  Geistiger Vater der liebwertesten Gichtlinge!
Spöttischer Geist François Rabelais: Geistiger Vater der liebwertesten Gichtlinge!

Der stellvertretende Chefredakteur Florian Guckelsberger vom Debattenmagazin The European machte mich eben darauf aufmerksam, dass meine gestrige Kolumne die stolze Zahl 200 trägt.

„Großartig! Die Kolumne selbst hat in unserem Backend die ID 7, dein erstes Stück ist vom 21.01.2011 (http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/1227-paternalismus-und-deutsche-internet-provinz) und damit bist Du fast vier Jahre Non-Stop dabei. Deshalb: Vielen lieben Dank für die Zeit, Mühe und das Engagement für The European! Wir beginnen gerade mit der Planung für 2015 und wenn es nach mir geht, werden wir einen Abend für alle Kolumnisten haben und einladen. Mehr, wenn es soweit ist.“

Ein Kolumnisten-Abend wäre wirklich mal überfällig, um alle anderen Kollegen persönlich kennenzulernen. Zudem könnte ich mich persönlich bei Alexander Wallasch bedanken für seine Eloge zum 200. Jubiläum:

„Das ist natürlich gemessen am Zeitfenster schon quantitativ eine Meisterleistung. Nimmt man nun noch die Qualität Ihrer Arbeit Woche für Woche, bewegt man sich ganz schnell im Bereich weiterer Superlative. Noch viel mehr, wenn man nüchtern feststellen muss, das Sie alles andere sind, als ein Haudrauf-Kolumnist. Beitrag für Beitrag ist eine Akribie – eine große Sorgfalt – lesbar, die im Vergleich mit Anderen im positivsten Sinne etwas anachronistisches hat. Schaut man sich nur beispielsweise ihre erste Arbeit aus dem Jahre 2011 an, dann weht da etwas angenehm herüber aus einer seltsam monochromen Welt. Da liest man von der Aufforderung, ‚Jeder Schüler sollte einen Computer an seinem Arbeitsplatz haben. Mit ausgeklügelten Lernsystemen könnten Lehrer den Wissensstand jedes Schülers genauer analysieren‘ – Damals eine kluge Forderung, die heute durchaus erfüllt ist (nicht ganz, gs). Mehr noch: Lehrer hecheln heute technisch ihren Schülern hinterher, wie die Katze der Maus.“

Und es kommt noch besser 🙂

„Übrigens: Ihre fundierten und qualitativ regelmäßig auf höchstem Niveau rangierenden Kolumnen sind in den Jahren zu so etwas wie einem Anker auch für alle anderen Kolumnisten des ‚The European‘ geworden. Ist es doch Ihre qualitative Kontinuität, die es uns anderen erlaubt, immer wieder mal über die Stränge zu schlagen.“

Oh, oh. Was Alexander da schreibt, macht die Sache für mich in Zukunft sicherlich nicht einfacher. Ein schöner Anreiz und Ansporn für weitere Glichtlings-Werke. Im nächsten Jahr möchte ich meine Schreibarbeiten bekanntlich in eBook-Form herausbringen.

Das gehe ich aber erst nach den Weihnachtsfeiertagen an. So mit Leser-Kuratierung via Hangout on Air und Ideen für die Präsentation. Schließlich stimme ich ja der Auffassung von Christiane Frohmann zu, eBooks stärker als eigenständiges Genre aufzufassen. Nachzulesen in einer meiner Mittwochskolumnen.

Bis zur Leipziger Buchmesse im Frühjahr soll das fertig werden. Wird knapp – aber mit den 200 Kolumnen sollte genügend Stoff für ein amüsantes und lesenswertes Opus vorhanden sein. Das eine oder andere Stück muss ein wenig überarbeitet werden und eine eine thematische Sortierung wäre nicht schlecht.

Meine Gichtlingsarbeit geht weiter und ich freue mich schon auf die Schreibarbeit für die nächsten 200 Kolumnen 🙂

Über Powerpoint-Technokraten und pseudo-rationale Zahlenspielereien #djv_bo

Business-Weisheiten mit Eselsohren
Business-Weisheiten mit Eselsohren

Führungskräfte in Organisationen umgeben sich gerne mit Mythen der Rationalität und konstruierten Kausalketten, um ihre Entscheidungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Zufall, Glück und Unberechenbarkeit sind die natürlichen Feinde des allwissenden Dirigenten in Politik und Wirtschaft. Der Glaube an Kontrolle und Steuerung zählt dennoch hartnäckig zum Bullshit-Einmaleins der Positionselite, um am Ruder zu bleiben. Oder in den Worten des Philosophen Harry G. Frankfurt: Bullshitting lässt den Klugscheißer klug erscheinen und sei immer dann unvermeidlich, wenn die Umstände es erfordern zu reden, ohne zu wissen worüber.

„Der magische Glaube muss in Organisationen durch Beschwörungen, Zeremonien, Mythen und Legenden des Erfolgs gefestigt werden“, schreibt der Organisationstheoretiker Professor Günther Ortmann in seinem Opus „Die Kunst des Entscheidens“ (Verlag Velbrück Wissenschaft).

Zweifler und Skeptiker stören die Aura pseudo-rationaler Entscheidungen – sie werden abserviert.

Benedikt Herles, der zur jungen Wirtschaftselite des Landes zählte, hat das hautnah miterlebt und im Interview mit Spiegel Online sowie in seinem neuen Buch „Die kaputte Elite – Ein Schadensbericht aus unseren Chefetagen“ (erschienen im Knaus Verlag) ausführlich erläutert:

„Leistung ist in diesem System die einzige Religion. Wer das Risiko scheut, überlebt am besten. Die Leute sind ängstlich und brutal ehrgeizig, Statussymbole sind ihnen wichtig. Und man muss technokratisch veranlagt sein, sonst langweilen einen die Analysen und scheinrationalen Prognosen.“

Wichtig ist nur Powerpoint-Schaumschlägerei. Bei einem einstündigen Meeting kommen dann auch schon mal bis zu 100 Folien an die Wand.

„Die wichtigste Regel: Es darf nichts zittern. Alles muss auf den Millimeter exakt formatiert sein. So mancher Manager schaut sich die im Jargon ‚Decks‘ genannten Präsentationen im Schnelldurchlauf an. Das muss astrein aussehen“, sagt Herles gegenüber Spiegel Online.

In der digitalen Sphäre ist es sogar noch schwieriger, den Schein von Planung und Ratio zu wahren:

„Alle Thesen und Prognosen, die wir in der Vergangenheit aufgestellt haben, sind nicht in Erfüllung gegangen“, so der ernüchternde Rückblick von Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“, auf seine 23-jährige Berufserfahrungen mit Internet-Trends. „Nichts von dem, was wir prognostiziert haben, ist wahr. Nur eine einzige These ist übrig geblieben und die lautet: Alle Thesen im digitalen Journalismus sind falsch.“

Dennoch gibt es eine Sehnsucht nach einfachen und allgemein gültigen Thesen, die immer wieder in die Öffentlichkeit geblasen werden – was wohl am schlechten Gedächtnis der Thesenautoren liegt. Wegner benennt einen Springer-Vorstand, der beklagte, dass es in den frühen Tagen des World Wide Web nicht gelungen sei, eine Bezahlinfrastruktur zu etablieren. Solche Leute saßen damals wohl in Meetings ihrer Kinderkrippe. Es gab ein Wettrennen zwischen AOL mit geschlossenen, kostenpflichtigen sowie exklusiven Medieninhalten und dem freien Internet.

„Das offene Internet hat damals gewonnen. Alle Online-Verlagsmodelle dieser Zeit sind gescheitert, wenn sie Geld verlangt haben“, erläutert Wegner bei seinem Eröffnungsvortrag auf dem Besser-Online-Fachkongress des Deutschen Journalisten Verbandes in Mainz.

Selbst Internet-Guru Howard Rheingold, der den Begriff der virtuellen Gemeinschaft prägte, ist grandios gescheitert. Er habe, so Wegner, für sehr viel Geld eines japanischen Risikokapitalgebers bewiesen, dass Communities kein Geschäftsmodell sind. Das Projekt hieß Electric Minds. Auch Wegner war davon überzeugt, mit Community-Projekten kein Geld machen zu können. Einige Internet-Blasen später kam dann Mark Zuckerberg mit Facebook und mittlerweile sei der Community-Redakteur wieder ein gefragter Beruf.

Dann gebe es da noch Apple.

„Das ist eine Firma, die nach unseren Thesen alles falsch gemacht hat – genau deswegen ist sie vielleicht so erfolgreich. Die Firma wird diktatorisch geführt, ist verschlossen bis zur Paranoia und ignoriert jegliche Marktforschung – sagen sie das mal einem Verleger. Apple betreibt eine komplett geschlossene Plattform, kultiviert einen Kontrollwahn, setzt nicht auf Open-Source-Standards. Apple ist eigentlich böse und wird dafür geliebt. Und Apple will Geld für Content“, führt Wegner weiter aus, der mittlerweile weghört, wenn sich Experten gegenseitig das Netz erklären.

Er ist thesenmüde, was allerdings zu einer anderen Form von Wachheit führt. Zu einer Wachheit, die genau beobachtet, was jetzt und hier passiert. Diese Thesen-Aversion führt zur Konzentration auf das, was ist. Alle drei Monate passieren Sachen, wo man sich grundsätzlich fragt, ob der eingeschlagene Weg noch richtig ist. Deshalb hat „Zeit Online“ seinen Redaktionsbetrieb komplett auf einen zweiwöchigen Rhythmus umgestellt.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne: Gelegenheit schlägt Planung!

„Spielen ist nicht sinnlos“: Patrick Breitenbach über Gamification

Das ganze Leben ist ein Spiel

Patrick Breitenbach hat unser heutiges Gespräch Sohn über Gamification und dem großen einhergehenden Mythos „Spielen ist keine Arbeit“ oder „Spielen ist unernst“ sehr schön zusammen gefasst. Patrick fordert eine stärkere Berücksichtigung von spielerischen Elementen in der Arbeits-, Kultur- und Bildungswelt. „Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es.“

Darin spiegelt sich auch seine Mission an der Karlshochschule wider, den Führungskräften von morgen die Wichtigkeit des Spiels für eine gesunde und produktive Unternehmenskultur zu vermitteln.

Das Interview geht auch auf die dystopischen und altbackenen Thesen von Frank Rieger, Frank Schirrmacher und Fefe ein, die die Gamification etwas merkwürdig interpretieren.

Weitere Statements zu diesem Themenkomplex könnte ich gut für meine The European-Kolumne gebrauchen, die nächsten Mittwoch erscheint. Bis Dienstagmittag sind weitere Hangout-Interviews möglich. Danach muss ich schreiben und das Opus bis 18 Uhr abliefern.

Und ganz neue Spiele entwickeln sich vielleicht auch mit Twitter: Der Tweet des Kuckucks.

Crowdfunding, Beethoven und Viagra für Alt-Verleger

Viagra im Altertum?

Ob es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Crowdfunding, Beethoven und Viagra für potenzschwache Altverleger gibt, möchte ich heute mal unbeantwortet lassen. Es ist nur der Hinweis auf meine morgige Kolumne für das Debattenmagazin „The European“ – kann man so gegen 9 Uhr abrufen. Ich kann Euch versprechen, dass die Wort-Kombination dann einen Sinn ergeben wird 🙂

Morgen gibt es dann noch im MediaPark in Kölle eine sehr interessante Veranstaltung, den social community day. Werde allerdings mir nur den Vormittag reinziehen, denn am Abend wartet ja ab 18,30 Uhr das Blogger Camp.

09:45 Uhr:
Keynote: “Momentaufnahmen aus der Digitalen Gesellschaft”

Markus Beckedahl, Digitale Gesellschaft e. V. / netzpolitik.org

10:00 Uhr:
Panel 1: „Von Machern und Mahnern“

Markus Beckedahl, Digitale Gesellschaft e. V. / netzpolitik.org
Marion Haag, LDI NRW
Philip Heldt, Verbraucherzentrale NRW
Dr. Christine Ketzer, LAG Lokale Medienarbeit NRW
Frank Tentler, Social-Media-Berater
11:00 Uhr:
Diskussion

11:15 Uhr:Kaffeepause

11:30 Uhr:
Panel 2: „Zwischen Selbstvermessung und Selbstbestimmung“

Tim Bartel, Wikia, Quantified Self
Mike Schnoor, Bundesverband Digitale Wirtschaft
Andreas Hahn, Staatskanzlei NRW/nrw.de
Judith Orland, Oxfam

Danach mache ich dann den Abflug nach Bonn.

Update, 30. Januar:

Hier die Auflösung des semantischen Rätsels: Krautökonomie mit Beethoven.