Daten mit Vorurteilen und wie man mit Machteliten-Hacking reagieren könnte – Eure Meinung?

Machteliten-Hacking

Das Interview mit Stefan Holtel ist die Grundlage meiner Netzpiloten-Kolumne am Montag.

Folgende Punkte sind dabei wichtig.

KI ist ein Marketing-Hype.
Der Markt findet derzeit richtige Antworten auf falsche Fragen.
Wenn wir nicht schnell die richtigen Fragen stellen, werden wir nur durch Versuch und Irrtum lernen, welche Macht KI für alle Lebensbereiche haben wird.

Einsicht in die Algorithmen – Forensik,
KI-Technik ist/wird zunehmend zu einer black box, die selbst ihre Entwickler nicht mehr verstehen.
Dieser Trend ist unumkehrbar: Wir werden immer mehr von KI-Algorithmen profitieren, aber immer weniger begreifen, wie sie eigentlich arbeiten.
Konsequenz: Wir müssen unser Konzept von Vertrauen in Maschinen überdenken und neu bewerten. Das ist keine technische Frage, sondern eine techniksoziologische und gesellschaftliche, die keine objektive Antwort haben wird, sondern in einem normativen Diskurs entwickelt werden muss.

KI und die Prognosen zur Vernichtung von Arbeitsplätzen,
Effektheischende Berechnungen. Alle gehen von vielen Annahmen aus, die gar nicht gegeben sind.
Die Studien werden nur stümperhaft zitiert und nicht wirklich durchgearbeitet.
Es fehlt eine differenzierte Debatte zu dieser Frage.
Hypothese: KI vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern Tätigkeiten. Mit dieser Annahme verändert sich die Diskussion über die Rolle von KI zu einer vom „Mensch in der Schleife“.

Singularität – Ray Kurzweil,
Definition ist unklar, je nach Verständnis ist Singularität bereits eingetreten (z.B. Finanzmarkt-Crash, fehlerhafte Frühwarnsysteme) oder steht uns noch bevor.
Eine Emergenz von Singularität aus einer hypothetischen Hochrechnung von möglicher Komplexität ist unseriös. Sollten Maschinen irgendwann Bewusstsein erlangen, wird es ein anderes Bewusstsein sein als das, was Menschen haben. Vielleicht werden wir es gar nicht erkennen.

Eure Wünsche und Prognosen.
KI ist ein Querschnittsthema. Alles wird betroffen sein. Der Diskurs um KI muss differenzierter geführt werden. Experten sollten durch Aufklärung oder Machteliten-Hacking Verantwortung übernehmen, um diesen Diskurs adäquat zu begleiten.

Würde mich freuen, wenn Ihr mich in den nächsten zwei Tagen (also bis Sonntag) bei meiner Recherche unterstützen könntet. Mit Statements, Fakten, Daten, Prognosen….

Entweder hier über die Kommentarfunktion oder per Mail: gunnareriksohn@gmail.com

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Aufruf zur kollaborativen Recherche – Gestaltung einer digitalen Demokratie #D2030

Morgen, also am Sonntag, werde ich Euch einige Thesen aus unserer netzökonomischen Zukunftsrunde präsentieren und mit Euch diskutieren für meine Netzpiloten-Kolumne, die am Dienstag erscheint.

Ich starte den Livestream so gegen 11 oder 12 Uhr 17 Uhr (vorher steht eine Radtour auf der Agenda) via Facebook und werde das auch hier in meinem Blog parallel zur Liveübertragung veröffentlichen. Wer nicht auf Facebook unterwegs ist, kann sich das dann hier anschauen.

Wie das ablaufen soll, habe ich gerade auf Facebook erläutert.

Man hört, sieht und streamt sich am Sonntag.

Narrative Ökonomie und digitale Vulgär-Kapitalisten in Jungunternehmer-Pornoheften

Passt irgendwie zum Thema
Passt irgendwie zum Thema

Stichworte meiner heutigen Kolumne für die Netzpiloten – erscheint im Laufe des Tages:

Narrative Simulationen von digitaler Rebellion – Wie Erzählungen die Ökonomie umformen – Schumpeter war in Bonn weiter – Wirtschaftsordnung und mentale Verfassung der Gesellschaft – Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten – Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung – Jungunternehmer-Pornohefte feiern Vulgärkapitalisten.

Auf Facebook habe ich das Thema gestern schon angerissen. Im März würde ich dazu gerne eine netzökonomische Käsekuchen-Runde machen. Habt Ihr Interesse? Dann macht mal Terminvorschläge.

Über die populistische Strategie der Ent-Menschlichung

populisten
Die nationalistischen Populisten behaupten: „Wir sind das Volk.“ Sie meinen jedoch: „Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk.“ Nachzulesen in dem lesenswerten Essayband „Was ist Populismus“ von Jan-Werner Müller. Damit werden alle, die anders denken, als illegitim abgestempelt, „ganz unabhängig davon, mit wie viel Prozent der Stimmen ein offizieller Volksvertreter ins Hohe Haus gewählt wurde“, so Müller.

Populisten seien zwangsläufig antipluralistisch; wer sich ihnen entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, gehört automatisch nicht zum wahren Volk.

„Das mag wie eine Banalität klingen, ist aber von entscheidender Bedeutung in Auseinandersetzungen mit Populisten, die behaupten, den Willen des Volkes zu repräsentieren und zu vollstrecken – in Wirklichkeit jedoch eine symbolische Repräsentation des angeblich ‚wahren Volkes’ instrumentalisieren, um demokratische Institutionen, die dummerweise nicht von Populisten dominiert werden, zu diskreditieren“, führt Müller weiter aus.

Populismus ist demnach eine ganz bestimmte Politikvorstellung, die ein imaginäres Volk als moralisch rein und homogen definiert und gegen unmoralische, korrupte und parasitäre Dunkelmänner und Dunkelfrauen in verschiedenen Institutionen in Position bringt. Wer diese anmaßende Vereinnahmung des „Volkes“ in Frage stellt, wird kurzerhand vom „einzig wahren Volk“ abgetrennt. Das reicht von der Lügenpresse bis zur „Volksverräterin“ Merkel (mittlerweile werden Andersdenkende gar als krank eingestuft, die von spezialisierten Fachärzten behandelt werden sollten – als Kranker wird man von den nationalistischen Populisten vom Diskurs ausgeschlossen).

In Wahrheit geht es um „Nur wir vertreten das Volk“

Hinter dem Spruch „Wir sind das Volk“ steckt eigentlich die Botschaft „Nur wir vertreten das Volk“. Dieser Alleinvertretungsanspruch der Populisten und deren Verhältnis zur Demokratie macht die Gemengelage so gefährlich. Sie sind kein nützliches Korrektiv in einer Demokratie, um den vermeintlichen Abstand zwischen Politik und „Volk“ wiederherzustellen. Wer so denkt, ist schon auf der semantischen Leimspur der Populisten unterwegs. Populisten interessieren sich nicht für plurale Willensbildung, für das langwierige Bohren dicker Bretter bei der Bewältigung von Problemen; ihre Kritik gilt auch nicht dem Prinzip der politischen Repräsentation. Ihre Agitation richtet sich gegen die amtierenden Repräsentanten, die angeblich nicht die Interessen des „Volkes“ vertreten.

Da niemand sagen kann, wo die Interessen eines jeden Einzelnen liegen, sind populistische Demagogen wie Erdogan oder Orbán an Teilhabe, Offenheit und Pluralität überhaupt nicht interessiert. Sie geben sich als die Kenner des wahren Volkes aus und hebeln jeden aus, der sich ihnen in den Weg stellt. Wer sich den Populisten nicht anschließt, wird ausgeschlossen. Wer Volk sagt, meint in Wahrheit Ent-Individualisierung und sogar Ent-Menschlichung, die bis zur Inhaftierung und Beseitigung aus dem öffentlichen Leben reichen kann. Populisten sind keine Problemlöser, sie nutzen Probleme, um das politische System zu destabilisieren.

Ausführlich bei den Netzpiloten nachzulesen.

Neue Kolumne für die @netzpiloten: Das Notiz-Amt – Ideenspender fürs Netz oder so ähnlich

Notiz-Amt

Ab nächste Woche starte ich eine neue Kolumne – nach dem Niedergang der liebwertesten Gichtlinge, die auf Wiederbelebung warten. Könnte da ab Oktober etwas Neues geben.

Unabhängig von der Reinkarnation meiner The European-Ausflüge gibt es ab nächster Woche „Das Notiz-Amt“. Klingt schön anachronistisch. So soll es auch sein.

Gottfried Wilhelm Leibniz plante 1712 ein analoges Google. Er wollte das gesamte damalige deutschsprachige Gebiet mit einem Netz von Notizämtern überziehen. Das Notiz-Amt sollte als Verwahranstalt für wertvolle Gegenstände dienen, als Ort für die Abhandlung von Auktionen und Lotterien, es sollte Verträge öffentlich beurkunden und fromme Stiftungen verwalten. Wöchentlich oder monatlich sollte ein Diarium der dienlichen fürgefallenen Dinge erscheinen, um neu erschienene Bücher, Arzneien, Erfindungen und sehenswürdige Gegenstände kundzutun. Mit dem Notiz-Amt würde aus einem Zufälligen etwas gewisses. Eine Anlaufstelle für Ideen und neuen Gedanken. Das Notiz-Amt sollte im 18. Jahrhundert die Menschen verknüpfen. Letzteres motiviert mich für eine wöchentliche Netzpiloten-Kolumne.

Das Projekt von Leibniz und weitere Geschichten über das Suchen und Finden im 17. und 18. Jahrhundert kann man im vorzüglichen Buch von Anton Tantner nachlesen: „Die ersten Suchmaschinen – Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs“ – erschienen im Wagenbach-Verlag.

Man liest sich wieder jeden Mittwoch Donnerstag 🙂

Das Tantner-Opus steht nächste Woche natürlich im Vordergrund.