Pressekonferenz als Livestreaming-Format – Endlich bewegt sich was #Airbus #Continental

2013/14 schrieb ich mir gemeinsam mit Hannes Schleeh für unser Hanser-Fachbuch die Finger wund, um auf die Livestreaming-Einsatzgebiete für die Kommunikation aufmerksam zumachen. So erwähnten wir die Aktivitäten des australischen Tourismusverbandes. Statt eine klassische Pressekonferenz zu organisieren, diskutierte die Organisation live mit Bloggern über den Google-Dienst Hangout on Air. Wann lohnt sich schon die Einladung zu einer Pressekonferenz und welcher Journalist ist bereit, diese Veranstaltung zu besuchen? In den Redaktionen wird Personal abgebaut, Reisebudgets werden gestrichen und auch das Nachrichtenangebot von Unternehmen, Vereinen Verbänden und sonstigen Organisationen ist selten so prickelnd, um mit einer Präsenzveranstaltung zu punkten.

Bei einer virtuellen Fachrunde sieht das schon anders aus. Man spart Reiseaufwand, verschwendet nicht den ganzen Tag für eine Bahn- oder Autofahrt und kommt direkter mit Experten ins Gespräch. Keene Communications setzte für seinen Tourismus-Kunden aus Australien ausschließlich auf Blogger, um die Positionen des neuen Ministers für Tourismus in einer Talkrunde zu erörtern. Sehr löblich. Das Ereignis wurde also zu 100 Prozent digital über die Bühne gezogen. Da das Thema Australien-Tourismus international relevant ist, wurden Travel-Blogger aus unterschiedlichen Ländern in die Runde eingeladen. Auch das ist ja mit einem Livestreaming kein Problem.

Am 11. März 2013 wurde die Diskussion live ausgestrahlt. Insgesamt waren 33 Blogger aus UK, USA, Norwegen, Schweden und Irland mit von der Partie. Im Hangout waren neun Blogger. 24 Blogger beteiligten sich aktiv über Twitter, Google Chat und Youtube. Über den Hashtag #NTLive gab es 151 Erwähnungen. Die Reichweite im Social Web lag nach Agenturangaben bei rund 365.000 Nutzern. Intensiv griffen die Blogger die Gesprächsrunde in eigenen Blogs und Podcast-Beiträgen auf. Eine Netzwerk-Wirkung, die mit stationären Pressekonferenzen nur schwer zu erzielen ist.

In den vergangenen vier Jahren passierte dann wenig. Jetzt scheint die Zeit gekommen zu sein für eine größere Experimentierlust mit Livestreaming-Formaten. Zwei Beispiele beleuchtet das prmagazin in der Juli-Ausgabe: Airbus und Continental.

Die Skepsis war groß, als Airbus ankündigte, die Pressekonferenz zum Geschäftsjahr 2016 nicht in einem Hotel, sondern im Internet abzuhalten. Das Gefühl für die Stimmung fehle online doch völlig, unkten viele der ins Web eingeladenen Journalisten vorab. Außerdem könne man via Video¬-Livestream kein einziges Wort am Rande sprechen. Überhaupt gehe der Draht zum Vorstand verloren, wenn man sich nicht vis¬à¬vis gegenübersitze und das Gespräch am Buffet entfalle. Die Möglichkeit, übers Netz Fragen an die Konzernführung zu richten, könne den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.

„Wir haben diese Bedenken ernst genommen und zugesagt, dass wir den direkten Zugang zum Vorstand über andere Präsenzveranstaltungen aufrechterhalten. Die hat es inzwischen auch gegeben“, sagt Airbus-Kommunikationschef Rainer Ohler gegenüber dem prmagazin.

Dann zog der Konzern die Sache durch. Nicht nur die Journalisten zeigten sich laut Airbus im Anschluss zufrieden mit der neuen Form der PK, die ihnen wider Erwarten wesentliche Aussagen sowie zufriedenstellende Antworten auf ihre Fragen geliefert habe. Netter Nebeneffekt zur größeren Reichweite: Die Aufwendungen für die Pressekonferenz konnten um 40 Prozent gesenkt werden.

Der Dax-Konzern Continental wollte mit der Web-Lösung insbesondere Lokalredaktionen wieder zur Berichterstattung ermuntern, in deren Verbreitungsgebieten zwar Werke des Konzerns angesiedelt sind, die aber aufgrund des Kostendrucks in den Verlagen keinen Vertreter zu einer nationalen PK schicken konnten.

„Wie bei Airbus war die Skepsis vor allem nationaler Wirtschaftsjournalisten groß, weil sie den persönlichen Kontakt zum Unternehmen zu verlieren fürchteten. Auch bei Continental half das Angebot alternativer Präsenztermine mit dem Vorstand“, schreibt das prmagazin.

Bei allem Lob seitens der Medien gab es auch Kritik: Manchen Journalisten war der Webcast zu inszeniert, andere empfanden ihn als zu dicht an redaktionellen Talk-Formaten und zu wenig als Informationsveranstaltung. Beim zweiten Mal glich Continental den Ablauf deshalb wieder eher an den einer üblichen Pressekonferenz an und blendete die Chat-Fragen der Journalisten für alle sichtbar ein.

„Der allgemeine Wunsch war, dass eine Pressekonferenz keine Show, sondern ruhig noch in gewisser Weise formell sein soll“, so Vincent Charles, Head of Media Relations bei Continental.

Habt Ihr weitere Beispiele?

Lullus, der erste Hacker: Über die Lust an der digitalen Kombinatorik

Lullus

In der Netzökonomie-Campus-Initiative ist ein höchst pragmatischer Vorschlag in die Diskussion geworfen worden, wie man internet-aversive Unternehmer, Verbandsfunktionäre und sonstige relevante Entscheider in Teutonien ins Netzzeitalter katapultieren könnte. Man ummantelt schlichtweg die analogen Organisationen, Maschinen, Produkte, Services und Verwaltungsaufgaben mit einer digitalen „Schicht“. So eine Art „Verwaltungsschale“.

Mit Vernetzungskonzepten überzeugen

Dann wird vielleicht auch dem Mittelständler im schönen Westerwald, dem Kommunalpolitiker in Buxtehude und dem Wissenschaftler am Overhead-Projektor an der Uni Koblenz klar, was passiert, wenn man sich nach außen vernetzt. Alles, was analog ist, bekommt an irgendeiner Schnittstelle den Zugang zur binären Logik. In unserem eigenen Haus habe ich das schon längst umgesetzt, da es immer noch keine umfassenden Vernetzungskonzepte für die eigenen vier Wände aus einer Hand gibt. Unsere alte Yamaha-Musikanlage – der unkapputbare Verstärker stammt noch aus meiner Uni-Zeit in den 1980er Jahren – ist beispielsweise mit dem Airport von Apple verdrahtet und spult alles herunter, was in der digitalen Bibliothek abgerufen werden kann. Warum sollte ich also die High-End-Teile für satten Sound als Elektronikschrott entsorgen?

Legobau-Kenntnisse: Kleine Schritte in die digitale Transformation

Wer mit kleinen Digital-Experimenten operiert, bekommt schnell Appetit auf mehr. Was mit robusten Verstärkern möglich ist, kann man auch mit TV, Waschmaschine, Geschirrspüler, Beleuchtung und mit dem kompletten Haus bewerkstelligen – unabhängig vom Hersteller und vom Betriebssystem. Schnell landet man bei Open Source, offenen Schnittstellen und Protokollen – auch wenn man diese Begriffe überhaupt nicht im Vokabular führt. Legobau-Kenntnisse aus der Jugendzeit reichen aus. So kann man mit Legostein ähnlichen Klemmen des Anbieters Digitalstrom analoge Geräte wie Lampen, Rauchmelder, Rollos und Haushaltsgeräte mit wenigen Handgriffen digital aufrüsten.

In dem Lichtschalter von Digitalstrom befindet sich nicht nur eine Kommunikationseinheit, die man über das Internet steuern kann, sondern auch ein Sensor für Licht und Geräusche, wie Hannes Schleeh in einem Blogbeitrag ausführlich erläutert: Allein dadurch könne die bisher nur ein- und ausschaltbare Leuchte gedimmt, per Licht und Geräusch gesteuert werden. Das offene und modulare Konzept bietet Herstellern und Kunden nach Ansicht von Schleeh die Möglichkeit, individuelle Konzepte mit unendlichen Variationen auf den Weg zu bringen und eine Schneise für das Internet der Dinge zu schlagen.

Kleine und pragmatische Schritte in die digitale Transformation mit großer Wirkung. Wer den Nutzen der Vernetzung im Privathaushalt erlebt, verlangt ähnliche Anwendungen auch im beruflichen Umfeld und im Kundenservice.

Wenn Produkte und Services mit kleinen Stellschrauben für die digitale Welt anschlussfähig gemacht werden, vollzieht sich das Wunder der Kombinatorik auf den Spuren des Geistlichen Raimundus Lullus. Er hat die Digitalisierung bereits in seinem Hauptwerk „Ars Magna“ im Jahr 1300 auf Mallorca vorgedacht. Seine logischen Entwürfe wurden von den Wissenschaftlern Werner Künzel und Peter Bexte in die Computersprachen Cobol sowie Assember auf einen Großrechner übertragen und erwiesen sich als ablauffähige Software – nachzulesen in dem viel zu wenig beachteten Opus „Allwissen und Absturz – Der Ursprung des Computers“, erschienen im Insel-Verlag und über Amazon als antiquarische Kostbarkeit zu humanen Preisen noch verfügbar.

„Lullus war der erste Hacker in den himmlischen Datenbanken“, schreiben die beiden Autoren.

Appetithäppchen für meine morgige The European-Kolumne.

Eine Milchstraße von Einfällen mit Hangout on Air: Livestreaming-Lesung in Siegburg

Livestreaming-Opus
Livestreaming-Opus

Heute Abend, um 20 Uhr ist es soweit. Wir stellen unser neues Buch vor: „Live Streaming mit Hangout On Air: Techniken, Inhalte & Perspektiven für kreatives Web TV“, erschienen im Hanser Verlag.

Für einen Band, indem sehr viel technisches Wissen steckt, ist der heutige Ort wohl etwas ungewöhnlich: Die Lesung findet nämlich in der Literaturbuchhandlung R² statt, Holzgasse 45, 53721 Siegburg. Moderiert wird der Abend vom ehemaligen WDR-Hörspielchef und Wortspiele-Blogger Wolfgang Schiffer.

Die Veranstaltungsankündigung belegt aber recht deutlich, dass wir mit dem Standardwerk über Livestreaming thematisch sehr viel abdecken und auch in einer ambitionierten Literaturbuchhandlung gut aufgehoben sind. Nicht nur Tipps für die ersten Gehversuche, Hinweise auf Software und Geräte, Anregungen für die richtige Beleuchtung und für guten Ton, sondern auch medienpolitische, medientheoretische und gar literarische Exkurse:

Eine Milchstraße von Einfällen, so werden die Texte und Aufzeichnungen aus dem Nachlass des Schriftstellers Jean Paul bezeichnet. Keine ordentlich gekämmten Maximen oder Aphorismen zur Lebensweisheit, sondern ein blühendes Durcheinander von Ideen, Beobachtungen, Skizzen und Parabeln.
In Bloggercamp.tv haben wir in über 250 Sendungen demonstriert, dass man die verrücktesten Ideen, provokative Debatten, ungewöhnliche Forderungen, spontane Bekenntnisse, kontroverse Diskurse und lebendige Talks mit dem Livestreaming-Dienst Hangout on Air senden kann. Nach der Lesung gibt stehe ich parat, um unser Opus zu signieren.

Co-Autor Hannes Schleeh wird aus Bayern live zugeschaltet.

Wer nicht nach Siegburg kommen kann, schaut sich einfach unsere Hangout on Air-Liveübertragung an oder später die Konserve auf Youtube. Wir sorgen natürlich für die Kommunikation mit Abwesenden 🙂

Siehe auch:

VON DER VIDEOREKORDER-ANARCHIE ZUM NACHBARSCHAFTS-TV – MIT LIVESTREAMING AUF DEN SPUREN VON BERTOLT BRECHT.

Wer übrigens direkt mit Kritikern via Live-Hangouts ins Gespräch kommt, erntet weniger Pöbel-Kommentare.

Versuchslabor für die TV-Autonomen: Streamcamper treffen sich in München

Dadaistische Performance von Gerhard Schröder und Hannes Schleeh beim Streamcamp
Dadaistische Performance von Gerhard Schröder und Hannes Schleeh beim Streamcamp

Mit dem Themen-Barcamp rund ums Livestreaming gehen wir am 18. und 19. Oktober in die zweite Runde. Im vergangenen Jahr fand die Weltpremiere im Kölner Startplatz statt. Die Teilnehmer kamen vor allem aus dem Rheinland und Westfalen. Nun ist die Netzszene in München an der Reihe, das Streamcamp als Versuchslabor für neue Projekte, Formate, Technologien, Wissensaustausch und Anregungen nutzen zu können. Es wäre toll, wenn unsere Veranstaltung auch in der bayerischen Landeshauptstadt und Umgebung auf Zuspruch stößt. So preiswert kommt man bei anderen Konferenzen nicht an eine geballte Ladung Livestreaming-Kompetenz. Streamcamp-Mitorganisator Hannes Schleeh hat das im Interview mit dem SOCIAL-FILM-MARKETING-BLOG kompakt zusammengefasst:

Die Firma Payback, stellt uns ihre wunderschönen Räumlichkeiten direkt am Oktobertestgelände für das Wochenende zur Verfügung. Damit ist auch eine Anreise aus dem Süden Deutschlands und aus Österreich und der Schweiz leichter möglich. Genau wie in Köln haben wir in München sehr viele Film- und Medien-Schaffende. Bei einem Barcamp oder einer Unkonferenz kann man im Vorfeld noch kein Programm vorstellen, weil das ja erst mit den Teilnehmern erarbeitet wird. Wir werden aber wieder, wie in Köln, sehr viele und spannende Sessions rund um das Thema Livestreaming haben. Am Samstagmittag haben wir zudem eine Liveschaltung zum Besser-Online Kongress des DJV in Berlin geplant. Dort referiert der One-Shot-Video Journalist Kai Rüsberg zum gleichen Thema. Auch die Liste unserer Sponsoren und Medienpartner lässt sich sehen. Zum ersten Mal unterstützt uns das Fraunhofer Institut IAO als Wissenschaftspartner. Frau Dr. Hofmann forscht zum Thema Arbeitsgestaltung und Wissensarbeit und der Nutzung von Video-Konferenzsystemen. Auch der Hanser-Verlag wird am Samstag mit einem Büchertisch auf dem Streamcamp sein. Mein Tipp für den Ticketkauf! Das VIP-Ticket inklusive Buch ist das Günstigste, wenn man das Buch noch nicht hat und bis zum 18.10.2014 warten kann. Wir freuen uns auf ganz viele Streaming Interessierte aus Österreich, der Schweiz und Deutschland.“

Heimstudio von Hannes Schleeh
Heimstudio von Hannes Schleeh

Technikpartner für die Sessions, die alle live ins Netz via Hangout on Air übertragen werden, ist die Software-Firma BoinxTV. Hannes setzt dieses Programm bei Bloggercamp.tv ein und demonstriert damit jeden Mittwoch, wie man mit wenig Aufwand Heute Journal via Greenscreening spielen kann. Auch das wird in München vorgestellt. Und natürlich auch die ultimative Conference Webcam Logitech CC 3000e für professionelle Anwendungen.

Wer Ideen für eigene Web-TV-Projekte entwickeln und ausprobieren möchte, wer Echtzeitkommunikation mit Kunden und Mitarbeitern via Livestreaming testen will, wer die ersten Gehversuche als TV-Autonomer machen will, sollte am 18. und 19. Oktober zum Streamcamp kommen. Unser Livestreaming-Opus, das gerade im Hanser-Verlag erschienen ist, präsentieren wir natürlich auch.

Es wäre toll, wenn wir die Hütte voll bekommen. Also jetzt anmelden und das Barcamp für Livestreaming weiter empfehlen. Bis Ende September müssen wir ungefähr die Teilnehmerzahl kalkulieren, um das Catering zu bestellen.

Beim Livestreaming-Dienst Hangout on Air liegt der Vorteil bei der On-Demand-Nutzung über Youtube. Entsprechend gespannt bin ich auf den Erfolg des Streaming-Dienstes Netflix in Deutschland. Hat zwar nichts mit dem Streamcamp-Kernthema zu tun, ist aber am Rande unseres Barcamps auch von Interesse.