Frohes Neues :-) Man hört, sieht und streamt sich 2017

gunnarsohn

Mein Credo auch für 2017: Echtzeitkommunikation mit Möglichkeiten zur Interaktion. Live, ungeschminkt, ohne Teleprompter und aufwändige Postproduktionen. Viele Verantwortliche in der Unternehmenskommunikation neigen nach wie vor zu Schönwetter-Filmchen, wo die Akteure ihr weltweit führendes und gut aufgestelltes Plastikdeutsch ins Mikrofon stottern – aseptische Imagevideos zum Wegklicken. Wer gebaute Beiträge mag, kann das ja machen und sich stundenlang mit der Videobearbeitung herumschlagen. In der Regel ist das überflüssig.

Wer Konferenzschaltungen mit Livestreaming-Diensten übertragen möchte, also beispielsweise Roundtable-Gespräche mit Experten an unterschiedlichen Standorten, ist mit dem Google-Dienst Hangout on Air nach wie vor gut versorgt.

Seit dem 12. September ist diese Technologie allerdings nicht mehr an die Plattform Google+ gekoppelt. Jetzt muss man das über den eigenen YouTube-Channel organisieren. Auf die Funktion Video-Manager gehen, auf der linken Seite den Reiter „Livestreaming“ auswählen, dann auf „Events“ drücken und auf der rechten Seite den Button „Neuer Livestream“ aktivieren. Es erscheint, wie früher, der YouTube-Webplayer mit Titelzeile, Kalender zur Vorplanung, Beschreibungsmöglichkeit des Events und Keywords/Tags zur Suchmaschinen-Optimierung. Allerdings darf man nicht vergessen, unter Typ die Rubrik „Schnell per Google Hangouts On Air“ auszuwählen. Vorteil gegenüber Youtube Live: Man braucht keine externe Codierungssoftware. Einige dieser Programme kosten bis zu 500 Euro. Das Produkt OBS – Open Broadcast Software – ist zwar kostenlos, benötigt aber ein wenig Übung, um gute Live-Übertragungen hinzubekommen. So muss man ein wenig an den Einstellungen feilen, um bei der Signalbearbeitung die Lippensynchronisation hinzubekommen.

Generell sind die Livestreaming-Apps auf Smartphones und Tablets für spontane Stimmungsberichte, schnelle Sendekritik wie bei heute+ oder Making-of-Einblicke exzellent einsetzbar. Hangouts on Air und Youtube Live punkten bei der nachhaltigen Wirkung von Ereignissen – linear gesendet mit einem Live-on-Tape-Effekt, da beim Start des Livestreams sofort der virtuelle Rekorder auf YouTube anspringt und die Konserve schon während der Ausstrahlung angelegt wird. Ausführlich nachzulesen im Upload-Magazin.

Auch bei Audio tut sich einiges:

Siehe auch:

Radio: Sichtbar. Teilbar. Endlich.

Facebook Live Audio makes talk radio social, starting with the BBC

Introducing Live Audio

THE NEXT REVOLUTION IS VOICE

Bei Video und Audio kommt das seltener vor: Nur die Überschrift gelesen, trotzdem weitergereicht: Warum Social-Media-Buzz ein schwaches Signal für Qualität ist.

Nur Sterne zählen :-)
Nur Sterne zählen 🙂

Wunsch zum Schluss. Brauche noch Likes, um den Juptr-Autorenwettbewerb zu gewinnen. Abstimmung geht leider nicht unter dem Artikel – da muss man in die Gesamtansicht.

Auf ein Neues in 2017 🙂 Freue mich auf spannende Projekte, die ich mit Euch realisieren kann.

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Meine Cloud, meine Maschinen, meine Marke – So wird das nichts mit #Deutschlanddigital

Deutschland digital – Unsere Antwort auf das Silicon Valley?????
Deutschland digital – Unsere Antwort auf das Silicon Valley?????

Ein Produkt ohne digitale Plattform ist völlig nutzlos, oder präziser formuliert:

„Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist“, so das Credo eines Google-Mitarbeiters, der die Netzstrategien seines Unternehmens in einem langen Kommentar zerstückelte und in einem kleinen Zeitfenster öffentlich lesbar war.

Das Notiz-Amt wünscht sich auch von deutschen Unternehmern und leitenden Angestellten in den Vorstandsetagen soviel kritischen Sachverstand, um die Logik der Digitalisierung und die Matching-Prinzipien des Netzes nicht nur zu verstehen, sondern auch in Geschäftsmodelle zu gießen. Den gleichen Sachverstand sollten Autoren wie Marc Beise und Ulrich Schäfer kultivieren, wenn sie in einem Buchprojekt mit dem Titel „Deutschland digital – Unsere Antwort auf das Silicon Valley“ Beispiele präsentieren, wie wir mit digitalen Fabriken, Robotern, Sensoren und Künstlicher Intelligenz wieder in den Angriffsmodus kommen.

Sie huldigen den üblichen Verdächtigen unter den Hidden Champions, singen das Lied von der verkannten Industrienation und beschäftigen sich nur wenig mit der Frage, wie die in ihrem Opus erwähnten Protagonisten persönlich in der Lage sind, das eigene digitale Hundefutter zu konsumieren. Etwa Till Reuter, der Chef des Robotik-Herstellers Kuka. Anstatt auf den Angriff von Google und Co. zu warten, will das Augsburger Unternehmen selber zum digitalen Angreifer werden und sein Geschäftsmodell radikal verändern. Wenn die Roboter über die Computerwolke miteinander kommunizieren, könne Kuka künftig nicht bloß einzelne Roboter liefern, sondern gleich komplette Fabriken steuern.

„Reuter will dazu eine flexible Lösung schaffen, eine Plattform, die für andere Anbieter offen ist, steuerbar auch über das Smartphone; mit Apps, die man nach Bedarf zusammenstellen kann“, schreiben Beise und Schäfer.

Reuter möchte die Prinzipien eines App-Stores auf den Maschinenbau übertragen und damit Geld verdienen. Bisher habe das Unternehmen seine schlauen Maschinen verkauft. Die Cloud ermögliche es nun, die Anzahl der Roboterbewegungen über das Internet exakt zu messen; es wird dadurch erstmals möglich, Roboter nach Leistung zu bezahlen. Man werde die Maschinen deshalb künftig wohl nur noch vermieten und bekomme dann für jedes gefertigte Werkstück einen bestimmten Beitrag. Kling zunächst sehr smart. Den Knackpunkt benennen die Buchautoren unfreiwillig mit einem Reuter-Zitat:

„Aber die Oberfläche wollen wir liefern, das look and feel soll Kuka sein.“

Die Marke, das Branding sei für die Augsburger entscheidend. Hat Reuter das Spiel der Vernetzung wirklich verstanden? Am Kuka-Wesen solle die Plattform-Welt genesen.

Mein digitaler Vorsprung, mein Stahlhandel

Und das ist kein Einzelfall im Opus der SZ-Autoren. So bringen sie Klöckner & Co.-Chef Gisbert Rühl ins Spiel, der zum Hoffnungsträger für den digitalen Wandel aufgehübscht wird. Er war einer der Ersten, die hierzulande nicht nur über Disruption sprachen, sondern diese Philosophie auch lebten. Er reiste ins Silicon Valley und bekam die Empfehlung, Wetterdaten bei der Nachfrage nach Stahl zu berücksichtigen. Logik und Planung könnte man auf die Weise optimieren. Fein. Also mietete sich Rühl für eine Woche im Betahaus in Berlin-Kreuzberg ein, um neue Ideen für die Digitalisierung seiner Traditionsfirma aufzusagen. Schon mal nicht schlecht. Und was springt dabei raus. Silo-Denken:

„Ob er eine Art Amazon für den Stahlhandel schaffen wolle, wird Rühl immer wieder gefragt. Ja warum nicht, antwortet er dann und fügt stolz hinzu, dass Klöckner & Co. bei der Digitalisierung weiter sei als alle Konkurrenten (jeder Bäckermeister lob seine Brötchen, gs); und zwar so weit, dass junge Programmierer den alten Stahlhändler mittlerweile als ziemlich hip empfinden: ein gewachsenes Traditionsunternehmen, das nun, der Plattform-Strategie von Airbnb oder Uber folgend, zur zentralen Plattform im modernen Stahlhandel aufsteigen will“, führen Beise und Schäfer aus.

Am Klöckner-Wesen wird also wieder die Stahlwelt genesen. Mit Onlineshop-Weisheiten soll also ein offenes Ökosystem für die Stahlbranche entstehen? Was unterscheidet Alibaba von der Kirchturmpolitik des Klöckner-Chefs?

Viel Ego und wenig Eco

Wir könnten jetzt die führenden Köpfe der Hidden Champions von Trumpf bis Viessmann durchnudeln und würden erkennen, dass niemand auch nur in eine Richtung denkt, wie der offenherzige Google-Manager. Schaut Euch den Habitus dieser Top-Manager im Netz an und beurteilt dann, ob sie in ihrem persönlichen Verhalten auch nur ansatzweise eine digitale DNA mitbringen, um die Erkenntnis des Google-Insiders zu leben:

„Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist.“

Ist eine firmenunabhängige Plattform wie Alibaba für das industrielle Umfeld in Europa oder Deutschland in Sicht. Noch nicht einmal in Ansätzen. Die Mein-Label-Meine Marke-Mein digitaler Vorsprung-Fraktion der Industrie ist noch nicht einmal bereit, via Alibaba ins OEM-Geschäft einzusteigen.

„Original Equipment Manufacturer“ sind Unternehmen, die die Produkte des Herstellers in ihre eigenen Produkte einbauen; für den Endkunden ist nicht ohne weiteres erkennbar; welche Komponenten ein OEM in seinen Produkten verwendet. Mit deutschen Unternehmen sind solche Deals im Plattformgeschäft fast unmöglich, betont Nils Öldörp von der Agentur minted-sourcing. Made in Germany wird heilig gesprochen. Da wird man dann irgendwann in Schönheit sterben, wie im Industrie 4.0-Konsortium.

Ausführlich in meiner Netzpiloten-Kolumne nachzulesen: Deutsche Unternehmen ohne Plattformkompetenz – Über die Silo-Politik der Hidden Champions

Das #NotizAmt plädiert für eine Luhmann-Suchmaschine – Entwickler sollten nach Bielefeld fahren @paderta #sck15

Luhmann statt Google
Luhmann statt Google

Das 760 laufende Meter umfassende Tessiner Archiv des legendären Ausstellungsmachers Harald Szeemann wird von einem Chaos der Ordnungen in allen Ebenen beherrscht. Zettel an Schnüren von der Decke, Karteikästen mit Registern auf Tischen, Schubladenschränke, Regale, Kisten und Tüten, Versuche des Reihens und Stapelns, der Serien- und Haufenbildungen. „Unordnung ist eine Quelle der Hoffnung“ steht unter einem Regalbrett: „Das Wichtigste ist für mich, mit geschlossenen Augen durchzugehen, und meine Hand wählen zu lassen.“

Szeemann baut also einen Zufallsmechanismus in seine analoge Sammlung ein. Im wissenschaftlichen Kontext geht man bekanntlich anders vor. Wenn Forscher sehr sicher sind, was genau sie wissen wollen, entsteht dabei zwischen Lesen und Schreiben keine große sachliche und zeitliche Lücke.

„Man bibliografiert, welche Beiträge geleistet worden sind, und notiert sich, was ihnen entnommen werden kann“, schreibt Jürgen Kaube in seinem Beitrag „Luhmanns Zettelkasten oder Wie ist gedankliche Ordnung möglich? im Ausstellungskatalog „Serendipity – Vor Glück des Findens“, erschienen im snoeck-Verlag.

Nachdenken, Weiterlesen, Rechnen, Experimentieren, Datenausschöpfen, Fragen und Antworten formulieren. Die Lektüre und Recherche erfolgt zielgerichtet.

Der berühmte Zettelkasten, den der Soziologe Niklas Luhmann schon im Alter von 25 Jahren anlegte und bis zwei Jahre vor seinem Tod 1998 geführt hat, um seine Gedanken und Lektüren zu dokumentieren, funktioniert anders. Eine Erkenntnis wollte er nicht in Stein meißeln, sondern auf verschiedene Wege weiterführen. Wie Szeemann entscheidet eher der spontane Griff in den Zettelkasten das Sucherergebnis. Bei einer Suchmaschine müssen wir irgendeinen Begriff in die Tasten kloppen und werden angetrieben von einer zielgerichteten Suche. Oder sollte man vielleicht eingeben „Ich will mich von Dir überraschen lassen, liebwerteste Google-Suchmaschine“. Beim Flanieren in der Bibliothek, beim Stöbern im Zettelkasten, beim Durchblättern eines Buches oder irgendwelcher Notizen findet man Dinge, die man eigentlich gar nicht gesucht hat. Genau das leisten Google und Co. nicht:

„Je besser die Algorithmen von unseren Suchmaschinen werden – in der Regel Google -, desto weniger stoßen wir auf neue Sachen. Wir bekommen nur das geliefert, was ganz viele andere User schon eingegeben haben“, bemerkt Damian Paderta beim stARTcamp Köln.

Zudem kommt noch die personalisierte Analyse bei Google dazu, in dem das Verhalten des Suchenden in der Historie getrackt und gespeichert wird. Auch das verringert das Serendipity-Phänomen.

Die Google-Funktion „Auf gut Glück“ befördert nur mäßig das Zufallsprinzip.

Luhmann’s Zettelkasten ist besser als der Google-Algorithmus.

Baut doch in Europa eine Suchmaschine im Geiste des Bielefelder Soziologen. Ausführlich nachzulesen im Notiz-Amt der Netzpiloten.

Zur Google-Metamorphose: Blaupause für die Next Economy #Alphabet #NEO15 @netzpiloten #NotizAmt

Presseclub leider ohne blauen Dunst wie zu Zeiten von Werner Höfer
Presseclub leider ohne blauen Dunst wie zu Zeiten von Werner Höfer

Für meine neue Kolumne „Das Notiz-Amt“ bei den Netzpiloten habe ich mir nach langer Zeit wieder einmal den ARD-Presseclub angeschaut, der sich mit der neuen Holdingstruktur von Google auseinandersetzte.

Mit Marina Weisband, Mario Sixtus, Phillip Banse und Miriam Meckel war das sonntägliche Stelldichein in der Tradition von Werner Höfer auch gut und ungewöhnlich bestückt. Drei profunde Netzkenner und eine Vertreterin der klassischen Printmedien sprachen unaufgeregt über die Konsequenzen, die sich aus der Metamorphose des Suchmaschinen-Giganten ableiten lassen.

Google orientiert sich fortan an Berkshire-Hathaway-Holding des milliardenschweren Investors Warren Buffet und beendet damit das Dasein als Gemischt-Warenladen. Mit den neuen Führungsstrukturen kann man sich jetzt auf einzelne Sparten konzentrieren. Das Brot- und-Butter-Geschäft ist mit über 90 Prozent Umsatzanteil immer noch die Werbung via Adwords und Adsense. Mit dem Überbau “Alphabet” stärkt man den Glauben an das große Wachstum in den wilden Projekten, mit denen noch kein Cent verdient wird. Das operative Geschäft bleibt bei Google unter dem neuen Chef Sundar Pichai.

Bei einer Marktkapitalisierung von rund 440 Milliarden US-Dollar einen so radikalen Schnitt zu machen, ist für Miriam Meckel ungewöhnlich – zumindest in Deutschland und Europa. Hier werde eine neue Stufe in der digitalen Ökonomie gezündet, die man sich sehr genau anschauen sollte. Google entwickelt eine Blaupause für den radikalen Weg in die vernetzte Wirtschaft und zeigt, wie das funktionieren kann. Es erleichtert das Schrotflinten-Prinzip in den Aktivitäten außerhalb des Werbegeschäfts, betont der elektrische Reporter Sixtus:

“Sie schießen ganz viele Kugeln in ganz viele Richtungen ab und hoffen, dass irgendeine Kugel treffen wird.“

Das ist wohl der einzig gehbare Weg für die digitale Transformation.

Versuch und Irrtum für Zukunftsmärkte

Wer im technologischen Sektor in zehn Jahren noch überleben möchte, der müsse jetzt Produkte und Services für Märkte und für eine Nachfrage entwickeln, die es noch gar nicht geben kann. Wie das funktioniert, demonstrierte das Mountain-View-Unternehmen mit Google Maps, das vor zehn Jahren gestartet wurde. Erst 2007 war die Geburtsstunde des iPhone und erst danach entfaltete sich das mobile Internet. Damals galt noch das Blackberry als Krönung der Handy-Schöpfung. Als die mobile Revolution einsetzte, war Google mit einer wichtigen Anwendung sofort präsent. Das Wesen dieses Unternehmens unterscheidet sich von der Return on Investment- und Rentabilitäts-Denke in Teutonien.

“Die Gründer und Macher glauben an ihre Projekte, statt Gründe zu suchen, warum etwas nicht gehen kann“, erläutert Sixtus.

Suche, Mobilität, individualisierter öffentlicher Nahverkehr mit dem selbstfahrenden Auto, Vernetzung digitaler Infrastrukturen, Vernetzung von Städten, Robotik und industrielles Internet. Die Zukunftsthemen von Alphabet bauen auf die Daten-Intelligenz, die man sich seit der Gründung erarbeitet hat.

“Für das selbstfahrende Auto sind Karten unabdingbar. Nicht nur in 2-D, sondern auch in 3-D, wo selbst Ampeln und Bürgersteige abgescannt werden. Man braucht dafür die besten Daten-Ingenieure und die besten Daten“, so der Podcaster Philip Banse.

Deshalb rekrutiert Google die besten Genetiker, Hirnforscher, Elektrotechniker, Maschinenbau-Ingenieure (!), Chemiker und Forscher für Künstliche Intelligenz.

Die klügsten Köpfe arbeiten in Mountain View

Die klügsten Leute wollen bei Google arbeiten, konstatiert Marina Weisband. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einem guten Betriebsklima, modernen Beteiligungsmodellen, genügend Freiraum für kreative Hobby-Leidenschaften und der Anwerbung von Mitarbeitern mit Migrations-Hintergrund sowie gebrochenen Lebensläufen bietet der Netz-Champion eine Diversität, von der deutsche Unternehmen meilenweit entfernt sind, auch wenn kluge Personalmanager wie Thomas Sattelberger das schon seit Jahren fordern.

Wir verplempern unsere Zeit mit industriepolitischen Scheindebatten, die schon vor drei Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß waren. Seit 1980 sind wir selbst nach den Maßstäben der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung kein Industrieland mehr. Auch der Begriff Industrie 4.0 führt in die Irre, weil er wirtschaftliche Aktivitäten immer noch nach Branchen sortiert.

Zukunftsentscheidend ist nicht mehr die Herstellung eines Kotflügels oder einer Einspritzpumpe, sondern die Verbindung von Daten, Software, Wissen und Algorithmen. Den Rest kauft man sich ein. Ausführlich im Notiz-Amt nachzulesen. Ab jetzt jeden Donnerstag – bei Sonne, Regen, Schnee, Wind und Wetter.

Das Thema wird uns auch auf der Next Economy Open #NEO15 in Bonn beschäftigen am 9. und 10. November.

Und auch morgen im Live-Hangout ab 16 Uhr.

Mitdiskutieren via Twitter-Hashtag #NEO15 oder den Frage-Button von Google Plus nutzen.

#GrowthHacking – Warum amerikanische Rotznasen Rabatz machen und schnell wachsen wollen #NEO15 #Uber @haucap

Gute Gründe, um nach Bonn zu kommen
Gute Gründe, um nach Bonn zu kommen

Die amerikanische Startup-Szene ist auf Wachstum gedrillt und nutzt jede Methodik, um schnell zu skalieren und Einfluss zu gewinnen. Erst später wird über Rentabilität nachgedacht. Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap hat das gegenüber der Süddeutschen Zeitung herzerfrischend auf den Punkt gebracht. Für ihn veranschaulichen die Rotznasen des amerikanischen Fahrdienstes Uber ein strukturelles Problem: Wo es Monopole gibt, da gibt es auch Geld. Und wer Geld hat, der hat Einfluss:

„Ein Neuling aber hat nichts, der hat auch kein Gehör.“

Statt Monopol würde ich von Marktdominanz sprechen, die allerdings nicht in Stein gemeißelt ist. Das beleuchtete eine Diskussionsrunde des ARD-Presseclubs mit Marina Weisband, Mario Sixtus, Phillip Banse und Miriam Meckel über neue neue Holdingstruktur von Google. Fast alles, was der Suchmaschinen-Konzern am Start hat, sind Laborexperimente. Die Haupteinnahmen kommen über Adwords und die Vermakelung von Werbeflächen via Adsense.

„Mit dem Betriebssystem Android ist Google zwar Marktführer, verdienen aber mit dem Linux-Derivat nichts“, erläutert Sixtus.

Google arbeite so wie viele andere amerikanische Unternehmen. Da wird erst mal maximal herum probiert und erst später über Umsatzquellen nachgedacht.

„Eine völlig andere Herangehensweise als im Ingenieurs-Deutschland, wo erst einmal irgendwelche Kommissionen einberufen werden, um drei Jahre Masterpläne zu schmieden und über die Finanzierung nachzudenken. Am Ende funktioniert es dann doch nicht“, so Sixtus.

Die Suchmaschine war ein studentisches Projekt, das ein wenig Geld eingesammelt hat. Man wußte anfangs nicht, wie Geld in die Kasse kommt.

Zudem könne sich die Marktdominanz schnell ändern, betont Banse. Man sieht es an Youtube. Von Facebook bis Twitter setzt jeder auf Videodienste:

„Youtube kommt in Schwierigkeiten, weil die Werbeumsätze zurückgehen.“

Auch dem Suchmaschinen-Geschäft von Google fehlt die Stickiness. Man braucht nur einmal seine Bookmark wechseln, um andere Suchdienste zu nutzen. Bei sozialen Netzwerken kann Google hingegen nicht punkten und gerade da ist die Wechselbereitschaft nicht so ausgeprägt. Google könne sich seiner Marktführerschaft nicht sicher sein. Deshalb strebt der Mountain View-Konzern eben neue Dinge an.

Wir sollten also nicht mit mentaler Erstarrung auf die Rabatzmacher des Silicon Valley reagieren oder Abwehrschlachten überlegen, sondern stärker über die Gestaltung der Netzökonomie nachdenken. Google dient vielen nur als Projektionsfläche fürs Konservieren alter Strukturen.

„Wenn ein konservativer FAZ-Feuilletonist nicht schreiben möchte, ‚Computer sind gefährlich‘, schreibt er ‚Google ist gefährlich'“, sagt Sixtus.

Wir sollten uns von den Metaphern der Weltbeherrschung lösen und eher daran arbeiten, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren – verbunden mit dem nötigen Lärm zur Skalierung der damit verbundenen Dienste und Produkte. Was nicht mehr funktioniert, ist die Branchenlogik. Entscheidend ist die Verbindung von Daten, Software, Wissen und Algorithmen, den Rest kauft man sich einKomponenten-Unternehmertum, wie es Professor Faltin beschreibt. So schwierig ist das doch nicht.

Lasst uns über diese Fragen auf der Next Economy Open am 9. und 10. November in Bonn diskutieren. Session-Ideen gefragt.

Mehr zum Thema in meiner neuen Kolumne für die Netzpiloten: Das Notiz-Amt. Jeden Donnerstag.

Man hört, sieht und streamt sich am Samstag beim nächsten Netzökonomie-Campus. Diesmal in Hamburg am Riesenrad.

Mit Industrie 4.0 in die Warteschleife: Über die teutonische Breitband-Müdigkeit #bloggercamp.tv

Digitale Agenda in der Warteschleife
Digitale Agenda in der Warteschleife

In der 11 Uhr-Sendung von Bloggercamp.tv diskutieren wir Wolfgang Dorst, BITKOM-Bereichsleiter Industrie 4.0 natürlich über….Industrie 4.0 und die digitale Agenda der Großen Koalition.

In seiner trockenen und humoresken Art hat uns Gunter Dueck im Digitalen Quartett eine schöne Steilvorlage für die heutige Runde mit dem BITKOM-Experten geliefert.

Wir basteln an Industrie 4.0, liefern aber keine Antworten für das Betriebssystem und die Infrastruktur. Unterdessen bekommen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffee-Vollautomaten von Samsung einfach mal das Google-Betriebssystem Android eingepflanzt, um die Vernetzung voranzutreiben. Die deutschen Hersteller wie Bosch oder Miele machen das auch mit eigenen Lösungen – sozusagen im Augsburger Puppenkisten-Format „Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer“.

„Dann fragen die deutschen Hersteller, wer macht die Infrastruktur, wer sagt, unter welchem Standard sich die Maschinen unterhalten. Google und Samsung haben einen einfachen Plan und nutzen das Handy-Betriebssystem“, so Dueck.

Die bauen das überall ein.

Wenn dann in Deutschland und Europa alle aufgewacht sind, „kann der FAZ-Herausgeber Schirrmacher wieder jammern, dass die Amerikaner oder Südkoreaner uns das aufdrücken.“

Die Zusammenarbeit von Audi und Google beim vernetzten Auto ist dafür ja schon ein deftiger Vorbote.

Dann auf einmal entsteht das Internet der Dinge und der Keilriemen spricht mit der Zündkerze. Kein Mensch macht sich in der teutonischen Ingenieurswelt Gedanken, wie ein Betriebssystem aussehen sollte. BMW, VW, Mercedes Porsche und Co. hätten sich zusammenschließen können, um ein vernünftiges Betriebssystem zu etablieren – „machen sie aber nicht“, kritisiert Dueck.

„Man wartet bis Google über die Unterhaltungselektronik ausliest, welche Fehler ein Auto hat – da ist in Deutschland keiner dran.“

Bin auf die Antworten von Wolfgang Dorst gespannt.

Auch die harsche Kritik des Booz & Co.-Technologie-Fachmannes Roman Friedrich an der digitalen Agenda der Großen Koalition kommt zur Sprache. Friedrich rechnet in den kommenden vier Jahren mit Wachstumsverlusten, die uns die Große Koalition einbrockt. Die Digitalisierung in Deutschland krankt nach seiner Meinung an einem Wirrwarr von Einzelmaßnahmen. Es versickere jedwede Initiative in irgendwelchen Gremien.

„Da gibt es hier einen Gipfel und dort einen Gipfel. Dann gibt es eine D21-Initiative, die sich tot gelaufen hat. Das Thema Breitband und Digitalisierung hätte es verdient, zur Chefsache erklärt zu werden“, so Friedrich.

Selbst die anfänglich eingeplanten vier bis fünf Milliarden Euro würden für den Breitbandausbau nicht ausreichen. Es sei nicht ersichtlich, wie wir den Rückstand in der Digitalisierung mit den Plänen der neuen Bundesregierung aufholen können.

„Es sind Lippenbekenntnisse und keine klaren Ziele. Der Breitbandausbau auf 50 Mbit/s ist noch nicht einmal zu tief gegriffen. Im Gegenteil. Diese Geschwindigkeit benötigen wir für einen modernen Standort. Mit einer entsprechenden politischen Unterstützung ist mehr möglich. Das sehen wir in anderen Ländern“, weiß der Booz-&-Co.-Analyst.

Die digitale Revolution bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf den Konsumenten. Viel entscheidender sei die Anbindung eines jeden Unternehmens an Breitband.

„Um die Wirtschaftskraft vor allem des Mittelstandes zu erhalten, braucht man die digitale Autobahn. Wir können sonst unsere ökonomische Dynamik nicht ausreichend entfalten. Dabei geht es um innovative Geschäftsmodelle, um die richtigen Dienste und um nachfragestimulierende Applikationen. Ohne die entsprechende technologische Grundlage wird das nicht erreichbar sein“, meint Friedrich.

Auch das Märchen von der zu geringen Nachfrage nach schnellem Internet, was von Wirtschaftsforschern im Auftrag der Bundesregierung in die Welt getragen werde, ist nur ein weiterer Beleg für das mangelhafte Verständnis der politischen Akteure für die Relevanz der digitalen Infrastruktur.

„Wir haben schon jetzt Engpässe. Unsere politische Elite und auch viele klassische Wirtschaftsführer verstehen nicht, was zurzeit im Markt passiert. Die digitale Revolution ist mindestens so relevant wie die Energiewende. Jetzt vergleichen Sie mal, wie viel über die Energiewende und wie wenig über Breitbandausbau gesprochen wird. Es gibt ein eklatantes Erkenntnisdefizit.“

Die Prioritäten werden falsch gesetzt, was man an der lärmenden und lächerlichen Maut-Debatte sehr schön ablesen kann. Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in den Köpfen der älteren Politiker ein Umdenken zu bewirken. Es bleibt bei einem idiotischen Gezerre zwischen Bund, Ländern und Kommunen, was ja schon bei der Einführung des Digitalfunks hervorragend geklappt hat. Oder besser gesagt, der Nichteinführung. Neben Albanien sind wir übrigens das einzige Land, das zu einer solchen Mega-Leistung fähig ist. Beim Breitbandausbau und der digitalen Revolution sind die liebwertesten Gichtlinge der GroKo auf einem guten Weg, dem Vorzeigemodell des Digitalfunks zu folgen.

Mit netten Grußbotschaften auf den Merkel-IT-Gipfeln wird man wohl keine Änderung der digitalpolitischen Linie der Bundesregierung herbeiführen.

Man hört und sieht sich gleich bei einer hoffentlich spannenden Diskussion in Bloggercamp.tv. Ihr könnt während der Sendung natürlich mitmischen. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe wie immer #bloggercamp.

Update nach der Sendung:

Mein Gastbeitrag: Wenn Zündkerzen die Androiden-Sprache lernen – Google erobert die Industrie 4.0

Gunter Dueck über Innovationen:

Heute schon gelandet? Vom Sinn und Unsinn einer Landingpage

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Landing Pages dominieren das Web, schreibt der Unternehmensberater Jens Klemann in einem Beitrag für den Smarter Service-Blog:

Jede Seite – sei es ein Unternehmensauftritt, ein Blog, eine Produktpräsentation oder eine interaktive Webanwendung – konkurriert um die Aufmerksamkeit der Internetnutzer.

„Wichtig ist also, dass man die Besucher, die kommen, auch halten kann. Dazu muss natürlich die Gestaltung der Seite ansprechend sein, sie muss einfach zu verstehen und einfach zu bedienen sein und darüber hinaus dem Besucher einen Mehrwert bieten (und sei es, dass er durch die angebotenen Informationen schlauer wird). Das Wichtigste ist allerdings, dass die Erwartungshaltung erfüllt wird. Eine Seite kann noch so schön und innovativ sein, wenn ein Besucher dort nicht das findet, was er sucht, ist er ganz schnell wieder weg. In dem Zusammenhang fällt mir ein Fehler ein, den Marketer bei Ihren AdWords Kampagnen häufig machen: Als Zielseite für alle Anzeigen wird die Startseite eingestellt. Das kann je nach Aufbau der Startseite in Einzelfällen funktionieren, wird aber nie so gut performen, wie eine dedizierte Landing Page, die inhaltlich, visuell und vom Call-To-Action her auf die Anzeige zugeschnitten ist. So bedient man die Erwartungshaltung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit der der Besucher in die Interaktion einsteigt. Nicht zuletzt reduziert eine inhaltlich gut vorbereitete Landing Page als Ziel für AdWords Anzeigen auch den Klickpreis und damit letztendlich auch die Cost per Lead“, so Klemann.

Die Landingpage-Dominanz-These trifft allerdings nur auf Google AdWords-Kampagnen zu.

„Hier sind schnell erstellte und leicht zu optimierende Seiten durchaus hilfreich. Besonders wenn es um den Verkauf und die Lead-Generierung geht. Denn für diese Aktionen sind die Unternehmensseiten oft ungeeignet, da dort zu viele Anspruchsgruppen mit reinreden. Die Firma soll präsentiert werden, die Presse soll alles finden und die Produkte will man alle in gleicher Hierarchie präsentieren. Firmenwebsites sind oft Konsensentscheidungen, bei denen dann noch die Hippo-Entscheidung das Ergebnis zusätzlich torpedieren kann“, bemerkt Online-Marketingexperte Robin Heintze von der Kölner Agentur morefiremedia.

Bei reinen Verkaufsseiten für Google AdWords sei das anders gelagert. Hier könne man wesentlich besser fokussieren. Das reicht aber nicht aus:

„‚Da können wir ja mal schnell eine Landingpage machen‘, ist eine Aussage, die wir oft hören. Schnell machen, schnell neu machen, ohne Konzept und Plan. Und dabei wird ignoriert, dass diese Seiten für die organische Google-Suche oft nutzlos sind. Wenn ich mich nur auf Landingpages konzentriere, bin ich auch darauf angewiesen, Geld in Google AdWords zu investieren. Kurzfristig schnell, günstig und erfolgreich. Mittelfristig ist das Geldverschwendung“, erläutert Heintze.

Bei Zielgruppen, die man in sozialen Netzwerken als Fans oder Follower gewinnt und die auch bereit sind, Inhalte zu teilen oder Freunden zu empfehlen, ist ein Besuch der Landingpage eher unwahrscheinlich.

Das Internet wird nach wie vor von Informationen geprägt und Informationen sind der Hauptgrund, warum Menschen online gehen.

„Also muss ich nicht nur tolle Verkaufsseiten haben, sondern für eine nachhaltige Strategie auch relevanten Content bringen“, empfiehlt der morefiremedie-Geschäftsführer.

Und diesen Content müssen Suchmaschinen und Nutzer finden, verstehen und mögen.

Beide Maßnahmen – also die Erstellung von Landingpages für AdWords und eine Content Strategie für Suchmaschinen und Nutzer – sind nach Auffassung von Heintze entscheidend. Landingpages sind für kurzfristigen Umsatz, schnelle Tests zum Ausprobieren von Ideen, Preismodellen oder Kommunikationsmaßnahmen optimal. Aber sie sind nur ein Teil einer erfolgreichen Online-Strategie.

Mit Jens Klemann und Robin Heintze könnten wir zu diesem Thema ja mal eine Bloggercamp.tv-Diskussion machen. Wer hätte denn Interesse an so einem Expertengespräch?

Plattform-Champion: Wollen nicht alle wie Apple sein? #Bloggercamp.tv

Apple

„Nokia war der Vorreiter bei bunten Handys“, schreibt Sascha Ostermaier in Cashys Blog. Ja Wahnsinn. Unglaublich. Deshalb geht es diesem Flaggschiff auf dem Smartphone-Markt so unendlich gut.

„Die legendären Xpress-On-Cover, die sich damals fast über die ganze Produktpalette von Nokia zogen, wurden mit den Lumia-Smartphones wieder aufgegriffen. Mit einem Augenzwinkern bedankt sich Nokia UK nun bei Apple. ‚Imitiation is the best form of flattery‘ (‚Nachahmung it der beste Weg der Schmeichelei‘) prangt in großen Lettern über einem Bild bunter Lumias.“

Da kommen mir glatt die Tränen. Wie groß muss eigentlich die Verzweiflung beim früheren Gummistiefel-Hersteller sein, um so einen unwitzigen Werbemüll zu verbreiten? Wenn man sich den Mobilfunkmarkt etwas genauer anschaut, wird man erkennen, wer in Wirklichkeit zu den blökenden Kopisten zählt.

Bernhard Steimel hat das richtig analysiert: Apple ist nicht Nokia, denn Apple hat iTunes!

„Was vielfach ausgeblendet wird: Apple agiert schon lange nicht mehr als ein Hersteller klassischer Prägung. Apple hat sich ein Eco-System aufgebaut, in dessen Zentrum iTunes als Plattform regiert. Mit jeden Verkauf eines i-Gerätes wird das App- und Content-Geschäft weiter angefacht. Dabei profitiert Apple bislang von einer sehr hohen Wiederkaufsrate von 90 Prozent. Die Wechselrate berechnet auf die Gesamtheit alle Kunden liegt bei derzeit nur 5 Prozent. Ein Wert, von dem Kabel- und Telefongesellschaften nur träumen können.“

Apple hat in den vergangenen sieben Jahren den Wandel vom Hardware-Hersteller zum Plattform-Anbieter gemeistert. Die iTunes-Umsätze wachsen schneller als jedes andere Apple-Business (das iPad ausgenommen), berichtete vor kurzem der Finanzanalyst Philip Elmer-Dewitt von Fortune:

„What struck me, looking at Apple’s most recent SEC Form 10-Q, is that revenue from the iTunes Store grew faster sequentially (30 Prozent) and year over year (26 Prozent) than every other line of Apple’s business except the iPad (40 Prozent and 29 Prozent, respectively).“

Apple sei kein abverkaufsorientierter Hard- und Softwarehersteller mit von Quartal zu Quartal schwankenden Einkünften mehr, sondern ein Plattform-Konzern mit stabilen, wiederkehrenden Einnahmen, so Steimel. Und alleine das zählt. Im vergangenen Quartal habe Apple vier Milliarden Dollar über Käufe auf iTunes umgesetzt.

„Wenn man die Zahlen auf das ganze Jahr hochrechnet, dann sind diese Einkünfte aus dem iTunes-Geschäft größer als der Gesamtumsatz von Yahoo, Facebook und Netflix zusammen.“

Vodafone mit der Content-Plattform 360 und Nokia mit OVI seien hingegen mit ihren Plattform-Strategien kläglich gescheitert und versenkten etliche Millionen.

Man sollte also künftig nicht nur Statistiken über die Verbreitung von Betriebssystemen veröffentlichen, sondern auch den Erfolg der Plattformen mit Nutzerzahlen sowie Umsätzen und Gewinne darstellen. Zudem ist der Vergleich von iOS und Android ohne Hersteller-Differenzierung schwachsinnig.

Warum will eigentlich Microsoft mit dem Kauf von Nokia den gleichen Weg gehen wie Apple? Wie lange schaut sich Google die Ausbreitung des Android-Betriebssystem noch an, ohne wirklich gute Umsätze und Gewinne zu machen? Der Suchmaschinen-Riese ist ja nicht gerade als Altruist in der Technologiebranche unterwegs.

Vielleicht gibt es in naher Zukunft einen Dreikampf, um über relativ geschlossene Ökosysteme an der Wertschöpfungskette von Hardware, Software und Plattformen möglichst viel zu partizipieren. Was machen dann allerdings Samsung und Co.?

Man könnte auch sagen, die 575 Millionen aktiven iTunes-Konten stellen die Kundenbasis des Softwareunternehmens aus Cupertino dar.

„Vor drei Jahren lagen die Umsätze je Kunde noch bei 400U Dollar pro Jahr, mit der Versechsfachung der Nutzerzahlen ist dieser Wert zwar auf 300 Dollar gesunken. Wer jedoch die Wachstumslinie fortschreibt, wird verstehen, dass selbst bei sinkendem Prokopf-Umsatz iTunes für Apple noch viele Jahre eine Goldgrube bleiben wird“, prognostiziert Steimel, der heute Abend in Bloggercamp.tv, um 19:30 Uhr zu Gast sein wird und auch über Apple sprechen wird.

Da werde ich mit ihm auch über das neue Apple-Authentifizierungssystem mit Fingerabdruck sprechen. Die ersten Reaktionen in Deutschland waren ja ziemlich ätzend.

Unabhängig von der derzeitigen aufgeladenen NSA-Debatte halte ich jedes System für interessant, dass von der Passwort-Flut weggeht. Neu ist das nicht. Aber notwendig auf jeden Fall. Denn das Wuchern von PINS, TANS und Passwörter zur Identitätsprüfung ist lästig, widersinnig und absurd. Vor allem, wenn man irgendwann anfängt, seine Identitäten zu notieren, weil man sonst den Überblick verliert. Eine einfache und sichere Technologie zur Identifikation könnte also ein weiteres Pfund für Apple sein.

Wer heute Abend in der Hangout-Diskussion mitmischen möchte, ist herzlich eingeladen. Einfach bei mir melden, dann hole ich Euch in den Hangout rein.

Man hört und sieht sich.

Seit gestern: Live-Videos in HD-Qualität – Google hat wohl aufgerüstet #hoa #Bloggercamp

Streaming Revolution

Hangouts unterstützten bislang keine Videos in HD-Qualität. Es machte also keinen großen Unterschied, ob man eine professionelle HD-Kamera oder eine 08/15-Webcam für das Livestreaming via Hangout on Air einsetzt. Siehe auch die Aussagen von Moritz in einer Session, die von Gehard Schröder organisiert wurde.

Bei einer Übertragungsrate von 480p musste also besonders auf die Belichtung geachtet werden, um halbwegs vernünftige Live-Videos hinzubekommen und den „Dark Vader-Effekt“ zu vermeiden.

„Still und heimlich hat Google die Auflösung für seinen Livestreaming-Dienst Hangout on Air von bisher 480p auf 720p hochgeschraubt“, schreibt mein Bloggercamp-Kollege Hannes Schleeh.

Für alle, die Live-Videos professionell einsetzen wollen, etwa im Kundenservice, für die Übertragung von Veranstaltungen oder für Webinare, ist das eine frohe Botschaft. Bei der Einblendung von kleinen Texten und detaillierten Aufnahmen kamen die Hangouts on Air an ihre Grenzen, so Schleeh. Diese Beschränkung dürfte sich in Luft auflösen. Das werden wir natürlich in den nächsten Tagen noch genauer unter die Lupe nehmen und durchtesten mit unterschiedlichen Einspielern, Grafiken, Texten und verschiedenen Video-Kameras.

Ali Mokhtari und Dan McDermott waren wohl die ersten Kenner der Szene, die die veränderte Übertragungsrate während unserer gestrigen Bloggercamp.tv-Sendungen bemerkten.

Unsere Community hat aufmerksame Beobachter 🙂 Wir selbst hatten das natürlich während der Live-Übertragungen nicht bemerkt. Weitere Test-Berichte werden folgen!

Live-Hangouts sind eher Abrufdienste und kein Rundfunk #MerkelHangout

Merkel-Hangout-Mashup

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) und die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) haben heute in Stuttgart getagt und sich mit dem für den 19. April geplanten Live-Hangout von Bundeskanzlerin Angela Merkel beschäftigt. Einen Handlungsbedarf sieht die Medienaufsicht nicht, da es sich bei diesen Formaten, die live ins Netz übertragen werden, eher um Abrufdienste handelt.

Selbst die Formulierung einer optionalen Reichweite von mindestens 500 Zuschauern, die in der Checkliste der Landesmedienanstalten festgelegt ist, reiche nicht aus, um solche Sendungen als Rundfunk einzustufen. Hier sieht man eher Änderungsbedarf bei der Checkliste.

Die Medienaufsicht wird nicht aktiv eingreifen mit Genehmigungsnotwendigkeiten, sondern die Entwicklungen im Netz beobachten. Ein formeller Beschluss wurde nicht gefasst.

Da wohl eine digitale Medienordnung noch einige Zeit auf sich warten lässt, sollten vernünftige Zwischenlösungen gefunden werden. Im Interview mit dem Bloggercamp sprach sich Dr. Jürgen Brautmeier, Vorsitzender von ZAK und DLM, für eine abgestufte Prüfung aus:

„Wir müssen das Medienrecht novellieren und vernünftige Zwischenlösungen finden. Das gilt auch für die Öffentlichkeitsarbeit von Regierungen und Parlamenten. Wir müssen von einer ex-ante-Regulierung zu einer ex-post-Regulierung kommen. Erst einmal die Dinge laufen lassen und dann nachschauen”, so Brautmeier.

Also braucht sich derzeitig keiner in der Netzszene ernsthaft Gedanken über eine Rundfunklizenz für Streaming-Dienste wie Hangout on Air zu machen. Das Ganze eher als Abrufdienste einzustufen, halte ich für eine sinnvolle Lösung – egal, ob Ausstrahlungen nun einmalig oder regelmäßig stattfinden. Und Beobachtung statt restriktiver Eingriffe scheint mir ebenfalls ein probates Mittel zu sein.

Den Rundfunkstaatsvertrag in eine digitale Medienordnung zu verwandeln, dürfte wohl einige Jahre in Anspruch nehmen. Deshalb ist die Devise von Brautmeier zu begrüßen. Die Dinge laufen lassen und dann nachschauen.

Die Streaming-Revolution kann also jetzt durchstarten 🙂

Zudem wurde auch noch eine Sendung von RTL 2 beanstandet. Trifft die Richtigen….