„Spielen ist nicht sinnlos“: Patrick Breitenbach über Gamification

Das ganze Leben ist ein Spiel

Patrick Breitenbach hat unser heutiges Gespräch Sohn über Gamification und dem großen einhergehenden Mythos „Spielen ist keine Arbeit“ oder „Spielen ist unernst“ sehr schön zusammen gefasst. Patrick fordert eine stärkere Berücksichtigung von spielerischen Elementen in der Arbeits-, Kultur- und Bildungswelt. „Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es.“

Darin spiegelt sich auch seine Mission an der Karlshochschule wider, den Führungskräften von morgen die Wichtigkeit des Spiels für eine gesunde und produktive Unternehmenskultur zu vermitteln.

Das Interview geht auch auf die dystopischen und altbackenen Thesen von Frank Rieger, Frank Schirrmacher und Fefe ein, die die Gamification etwas merkwürdig interpretieren.

Weitere Statements zu diesem Themenkomplex könnte ich gut für meine The European-Kolumne gebrauchen, die nächsten Mittwoch erscheint. Bis Dienstagmittag sind weitere Hangout-Interviews möglich. Danach muss ich schreiben und das Opus bis 18 Uhr abliefern.

Und ganz neue Spiele entwickeln sich vielleicht auch mit Twitter: Der Tweet des Kuckucks.

Ticketshop für die Gamescom 2013 gestartet: Vorverkauf empfehlenswert

Gamescom 2012

Die Vorbereitungen für die Gamescom 2013, die vom 21. bis 25. August stattfindet, laufen auf Hochtouren. In diesem Jahr kann man nach Angaben des Messeveranstalters Neuheiten erwarten von Nintendo, Electronic Arts, Bethesda Softworks, Bigpoint, Deep Silver/Koch Media, Konami, NCSOFT, Riot Games, Ubisoft, Wargaming und Warner Bros haben so früh wie nie zuvor zugesagt. Ebenfalls bereits bestätigt sind AK Tronic, astragon, Bigben Interactive, bitComposer, Caseking, CD Projekt, Fishlabs, flashpoint, Gaya Entertainment, Kalypso Media, Korea Creative Content Agency, Mad Catz, Medion, NVIDIA, Razer, Roccat, UKIE und Turtle Entertainment.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Markt und der hohen gamescom-Nachfrage rechnen die Organisatoren mit einem höheren Besucheraufkommen als in den Vorjahren. Ab sofort ist der Ticket-Shop für Fach- und Privatbesucher geöffnet. Die Eintrittskarten sind auch in diesem Jahr im Vorverkauf bis zu 25 Prozent vergünstigt.

„Das im vergangenen Jahr angepasste Ticketingsystem, inklusive neuem Eingangsmanagement, hat sich bewährt. Die Aufenthaltsqualität für unsere Besucher konnte so nochmals optimiert werden. Aufgrund der mit Spannung erwarteten Neuheiten der Industrie und der aktuell sehr hohen gamescom-Nachfrage ist nicht auszuschließen, dass neben dem Samstag auch die Tagestickets für die weiteren Messetage vorzeitig vergriffen sein werden. Daher empfehlen wir unseren Besuchern den Vorverkauf verstärkt auch in diesem Jahr“, so Tim Endres, Projektmanager der Gamescom.

Eintrittskarten für alle Tage gibt es nur solange bis die maximale Besucherzahl des Tages erreicht ist. Außerdem werden Eintrittskarten für den Samstag exklusiv nur im Vorverkauf angeboten. Die Tageskarten für den Samstag waren im vergangenen Jahr bereits im Vorverkauf vergriffen. Samstag ist erfahrungsgemäß der besucherstärkste Tag. Viele Besucher reisen extra an diesem Wochenendtag nach Köln. Alle Gamescom-Besucher, die bereits im Vorverkauf eine Eintrittskarte erworben haben, erhalten damit direkt über die Halle 11 Einlass – dem exklusiven Eingang für Privatbesucher mit Vorverkaufsticket. Wie jedes Jahr ist die Eintrittskarte zugleich Fahrausweis im öffentlichen Personennahverkehr des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) und des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) in der zweiten Klasse.

Dann werde ich mir wohl wieder für den Pressetag schnell Karten besorgen, um die Neuigkeiten des Landwirtschaftssimulators 2013 zu beleuchten 😉

Netz-Giganten spielen Staat – Über Berufsverbote, Zensur und Pranger

Folter, Pranger, Scheiterhaufen

Sie spielen Polizei, Geheimdienst, Sittenwächter, Zensor, Staatsanwalt, Richter und initiieren mittelalterliche Prangermethoden zur Verbannung von vermeintlichen Querulanten. Gaming-Anbieter, Netz-Giganten und Betreiber von Social Networks mutieren immer mehr zum Staat im Staate unter Missachtung rechtsstaatlicher Regeln. Sie instrumentalisieren Allgemeine Geschäftsbedingungen für Sanktionen, schließen Nutzer willkürlich aus, löschen Inhalte oder erteilen nach Belieben Ermahnungen, gegen die sich keiner so richtig wehren kann. Beim Facebook-Fotodienst Instagram kann ich das noch verkraften, weil jede x-beliebige Konkurrenz-App meine Aufnahmen im Retro- oder Popart-Stil darstellen kann. Man kann mit den Füßen abstimmen und den Anbieter mit Nichtbeachtung strafen. Entsprechend reumütig reagierte das Management von Instagram auf die „missverständlichen“ Änderungen der Geschäftsgrundlage.

Was macht aber ein professioneller Computerspieler, der von der Gaming-Community unter Duldung des Betreibers lebenslänglich von der Plattform verbannt wird, weil er als unhöfliche Nervensäge einigen Konkurrenten auf den Keks gegangen ist? Der Betroffene kann sich nicht wehren, es gibt keine Schiedsgerichte, Mediatoren oder juristisch saubere Verfahren. Am Ende wirkt der Bannspruch wie ein Berufsverbot. Es sind Schand- und Ehrenstrafen, die die Reputation vernichten. Ab dem 12. Jahrhundert eine beliebte Methode der Herrschenden, um die Fassade der „ehrbaren“ Bürger zu wahren. Wenn der Delinquent nicht geköpft, erhängt oder gevierteilt wurde, sollte er zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Die bigotte Community vertrieb den Außenseiter.

An dieser Stelle folgt jetzt sicherlich der Einwand, dass ja niemand gezwungen sei, die sittenwidrigen Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Es ist wie bei einer Hausordnung. Wer das Hausrecht besitzt, könne auch sanktionieren. Bei einem Music-Club oder einer Bar nehmen wir das leider allzu oft hin, weil es genügend Alternativen gibt. Der Türsteher mokiert sich über meine krumme Nase, Hautfarbe oder mein schlampiges Outfit und lässt mich nicht rein. Günter Wallraff hat das bei seinen Undercover-Exkursionen als Kwami Ogonno schmerzlich erfahren.

Auch hier dürfen wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Wenn Google oder Microsoft meine virtuelle Existenz wegen irgendwelcher Regelverstöße löschen, kann das meine komplette Arbeitsfähigkeit gefährden. Werden Applikationen inhaltlich zensiert, bleiben die Grundrechte auf der Strecke. Ausführlich in meiner morgigen The European-Kolumne nachzulesen.

Und dann folgt ja noch die zweite Session des Blogger Camps am 30. Januar von 19,30 bis 20,00 über die AGB-Diktatoren des Netzes.

Wer dranbleibt, hat verloren - Konfuzius über Call Center

Mit einer ganz anderen „Foltermethode“ beschäftige ich mich in einem Vorbericht zur Call Center World in Berlin 😉 Vernetzte Services für vernetzte Kunden – Wünsche antizipieren mit den Mitteln der Informatik.

Übrigens findet man die AGB-Hausmeister des Social Webs auch weniger cool, wie Facebook gerade schmerzlich erfährt – nicht nur beim Dienst Instagram.

Update:

Hier geht es zur The European-Kolumne.

Spitzer-Gegenteil-Tag: Pläne gegen die analoge Verblödung

Also morgen ist definitiv Spitzer-Gegenteil-Tag – zumindest bei mir und wohl bei Christoph Deeg, den ich für meine The European-Mittwochskolumne interviewt habe.

Hier nur ein kleiner Auszug des Beitrages, der wohl so ab 8 Uhr abrufbar sein dürfte.

Der Gaming-Experte Deeg ruft zu einer Anti-Spitzer-Bewegung auf. Es reiche nicht aus, dass demente Büchlein zu zerlegen und die Fakten-Melange auf Richtigkeit zu prüfen. Alte Männer wie Spitzer präsentieren keine Lösungen für den Trend zur Vernetzung, sie sind das Problem, warum wir in Deutschland immer mehr in digitaler Mediokrität versumpfen. Der Erfolg des Spitzer-Werkes zeigt doch, wo wir stehen. Wir können lange erzählen, dass wir eine moderne Technologienation sind“, kritisiert Deeg.

Die Welt bestehe nicht nur aus Suchtkranken, die Spitzer in seiner täglichen Arbeit erlebt. Was passiert aber jetzt mit den Allgemeinplätzen, die der Professor in seiner „Digitalen Demenz“ ausbreitet?

„Eltern lesen dieses Buch oder hören davon und bekommen eine tiefgreifende Panikattacke. Im schlimmsten Fall sagen sie zu ihren Kindern: ‚Das sollst du nicht mehr machen‘. Die Kinder sagen ‚wunderbar‘ und reagieren wie bei allen anderen Verboten. Sie werden sich dann eben woanders ins Internet begeben. Sie beginnen sich dann irgendwo anders im Internet zu begeben. Der nächste Schritt ist, dass die Eltern zu den Pädagogen gehen und ihnen auch sagen, dass sie nicht mehr mit digitalen Medien arbeiten sollen. Als Endergebnis entfernen wir komplett eine wichtige Lebensrealität der Jugendlichen. Als Resultat wissen Eltern und Lehrer nicht mehr, was in der digitalen Welt wirklich passiert“, sagt Deeg.

Krieg der Generationen

Spitzer beschädigt damit das Vertrauensverhältnis zwischen den Generationen.

„Es geht doch nicht darum, dass Menschen nur noch vor dem Rechner sitzen. Warum kommen Eltern und Pädagogen nicht auf die Idee, mit Jugendlichen und den Kindern das Internet und die digitalen Welten zu erschließen. Diese Möglichkeit macht Spitzer kaputt“, betont Deeg.

Der Demenz-Autor habe von der Digitalisierung so viel Ahnung wie eine Kuh vom Sonntag:

„Wir alle, die im digitalen Raum arbeiten, müssen das ernst nehmen und uns auch selber hinterfragen. Wir haben es wohl nicht geschafft, in der Bevölkerung ein Vertrauen aufzubauen gegenüber den Chancen der digitalen Technologien. Wir brauchen als Gegenkonzept zu Spitzer einen klar strukturierten Fünf-Jahresplan. Wir dürfen nicht nur dagegen argumentieren und ein paar Studien mit auf den Weg geben“, fordert der Gaming-Enthusiast.

Ansonsten verspielen wir die Möglichkeiten zur Gestaltung der digitalen Gesellschaft. Soweit der Ausblick auf morgen. Was Ärzte und Apotheker als Spitzer-Gegenmittel empfehlen, ist mir nicht bekannt. Christoph Deeg empfiehlt die Lektüre des Buches von Steven Johnson: Neue Intelligenz. Zudem schreiben Christoph und ich vielleicht selbst ein Anti-Spitzer-Buch – mal gucken. Lust hätte ich.

Lesenswert ist übrigens auch die Kolumne von Sascha Lobo: Eure Internetsucht ist unser Leben.

Update:
Hier nun die The European-Kolumne: Der digitale Kaputtmacher.