Die irre Kritik von Gründerszene über den Soziologen Harald Welzer

Erste lesen, dann rezensieren, liebwerteste Gründerszene-Redaktion
Erste lesen, dann rezensieren, liebwerteste Gründerszene-Redaktion

„11 irre Thesen zur Digitalisierung – und unsere Erwiderung“, mit dieser klickgeilen Überschrift hat Gründerszene.de im vergangenen Jahr am 29. April auf einen Vorabdruck des Buches „Die smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit“ von Harald Welzer im Spiegel reagiert. Fast hätte mich die „Replik“ vom Kauf des neuen Opus abgehalten. Aber nur fast. Ich finde es problematisch, auf Grundlage eines höchst fragmentarischen Appetithäppchens substanzielle Aussagen über einen Band mit 319 Seiten zu treffen – erschienen übrigens im S. Fischer Verlag.

Gründerszene hat sich dann gerade mal mit 11 Zitaten aus dem Welzer-Text auseinandergesetzt. In der Tat gibt es da einiges zu kritisieren. Etwa die vielfach in anderen Medien veröffentlichte Losung:

„Am besten schmeißen Sie Ihr Smartphone überhaupt weg und besorgen sich – die gibt’s noch für Rentner – gute alte Handys, die nichts können.“

Entsprechend locker kann man eine Erwiderung formulieren, die ich natürlich auch so schreiben würde:

„Im Schutze seiner behaglichen Eigentumswohnung und Pensionszusagen kann sich Herr Welzer das in seinem Alter ganz sicher leisten. Die meisten anderen Menschen, gerade junge Leute, sind darauf angewiesen, sich zu vernetzen. Die Zukunft wird digital. Ein Rückzug aus der digitalen Sphäre kommt einem ökonomischen und intellektuellen Selbstmord gleich und bedeutet einen Verzicht, die persönlichen Chancen zu nutzen und seine Zukunft zu gestalten.“

Gleiches gilt für das Welzer-Zitat zur Social Web-Abstinenz:

„Ich fühle mich von Shitstorms gegen mich in sozialen Netzwerken nicht betroffen, weil ich nicht in sozialen Netzwerken bin. Mir muss ein Nazi extra einen Brief schreiben, das machen aber nur die ganz alten. Sehr einfach.“

Berechtigte Replik von Gründerszene:

„Glückwunsch. Das ist das Prinzip, nachdem sich Kinder beim Versteckspiel die Augen zu halten, weil sie denken, dass sie dann nicht entdeckt werden können. Funktioniert übrigens in den seltensten Fällen. Mag sein, dass ein 57-jähriger deutscher Professor in der Lage ist, sich einfach aus allem raus zu halten. Es gibt aber eine Menge Menschen, die auf Vernetzung und frei erhältliche Informationen wirtschaftlich angewiesen sind. Shitstorms können übrigens manchmal ziemlich erfrischend sein. Gegenthese: Gerade ein Soziologie-Professor sollte in den Netzwerken vertreten sein. Ist ziemlich interessant dort.“

Soweit, so wohlfeil. Als die Zitate-„Schnipsel“-Jagd publiziert wurde, war das „irre“ Buch von Welzer schon zwei Tage auf dem Markt. Die Bilderbuch-Redaktion von Gründerszene hätte zumindest analog oder auch digital in dem Opus blättern können, um sich nicht nur auf die Kurzversion im Spiegel zu konzentrieren, die am 23. April erschien.

Was die Vorschläge zur digitalen Abstinenz anbelangt, greift Welzer zu kurz. Man kann beispielsweise auf die propagandistisch ausgerichtete Netz-Gegenöffentlichkeit von rechten Nationalisten nicht mit digitaler Enthaltsamkeit reagieren, sondern muss sich Gedanken für die Gestaltung einer digitalen Öffentlichkeit für eine offene Gesellschaft machen, wie es in meinem Gespräch mit Stephan Porombka zum Ausdruck kam.

Aber so abstinent im Internet ist Welzer ja gar nicht, wie man an den Projekten von FuturZwei ablesen kann 🙂

Um den Welzer-Band zu würdigen, lohnt eine ausführliche Lektüre jenseits von Salamiwurst-Content. Vor allem jene Kapitel, die sich mit Originalquellen der digitalen „Vordenker“ beschäftigen. Und zu diesen Stellen würde ich gerne eine Stellungnahme von Gründerszene lesen, denn nach der Snack-Content-Bilderbuch-Klickreihe kam nichts Substanzielles mehr über die Schrift des streitlustigen Soziologen.

Etwa zu den sozialdarwinistischen Thesen, die in Magazinen wie Business Punk herunter geleiert werden – also sozusagen #JungunternehmerPornoheft Produktionen. Welzer benennt die trumpistischen Techno-Freaks, die mit demokratiefeindlichen Statements aufwarten und das mit Coolness-Habitus verkaufen. Etwa die Weisheiten des Trump-Unterstützers Peter Thiel. Er meint, Freiheit sei mit Demokratie nicht vereinbar; seit den 1920er Jahren seien immer mehr Menschen von Sozialleistungen abhängig (geworden) und Frauen gewannen neue Rechte – beides Gruppen, die bekanntermaßen schwer von libertären Positionen zu überzeugen sind – was dazu geführt hat, dass der Begriff kapitalistische Demokratie eine Art Oxymoron geworden ist. Was Thiel zelebriert, ist nach Meinung von Welzer Totalitarismus in Reinkultur und er zitiert hier wieder Thiel:

„Das Schicksal unserer Welt liegt vielleicht in den Händen eines einzelnen Menschen, der den Mechanismus der Freiheit erschafft (also die Freiheit von Herrn Thiel, gs) oder verbreitet, den wir brauchen, um die Welt zu einem sicheren Ort für den Kapitalismus zu machen.“

Das ist in der Tat totalitär und liegt auf der Linie der Machtanmaßung des neuen US-Präsidenten. Dazu zählt auch die bizarre Vorstellung, etraterritoriale Inselstaaten zu schaffen, in der Staatlichkeit, wie wir sie kannten, keine Rolle spielt. Selbstregierte Parastaaten sollen über das Seasteading Institute ins Leben gerufen werden, mitfinanziert von dem Trump-Lakaien Thiel. Von dort aus will man die Welt steuern. Vornehm ausgedrückt: „Competitive governance from the outside“.

Hedgefonds Milliardär Nicolas Berggruen schwebt gar eine Meritokratie nach chinesischer Machart vor. Zudem sollen die Stimmen von „wissenden“ Wählern höher gewichtet werden. Die minder Informierten – tja, was macht man mit diesen Leuten…? Auch in den „Parlamenten“ sitzen dann nur Wissende. Wie man die findet, skizziert der Google Außenminister Eric Schmidt im Verbund mit Jared Cohen. „Politikberater“ aus der Informatik und Kognitionspsychologie werden mit Big Data die richtigen politischen Persönlichkeiten herausfischen, mit Algorithmen die Reden und Texte auswerten, über Hirnscans die Reaktionen der Wunschpolitiker auf Stress oder Versuchungen testen und am Ende nur wissende Parlamentarier für die Meritokratie ausspucken. Liest eigentlich irgendjemand die Texte von Berggruen, Thiel, Schmidt & Cohen, die übrigens in Deutschland in sehr seriösen Verlagen erschienen sind (Herder, Campus und Rowohlt), fragt sich zurecht Harald Welzer. Wer nur Snack-Content mit bunten Bilderchen publiziert, ist dazu wohl nicht in der Lage. Welzer kredenzt noch ein paar Beispiele – etwa aus der Programmschrift von Schmidt-Cohen:

„Wir werden für unsere aktuellen und früheren virtuellen Beziehungen zur Rechenschaft gezogen werden….Das Verhalten unserer Bekannten wird positiv oder negativ auf uns zurückwirken….Da Informationen dazu tendieren, ans Licht zu kommen, sollten Sie also nichts abspeichern, das Sie nicht irgendwann in einer Anklageschrift oder auf der Titelseite einer Zeitung lesen wollen….In Zukunft wird dies nicht nur auf jedes geschriebene und gesprochene Wort zutreffen, sondern auch auf jede Internetseite, die Sie besuchen, auf jeden Freund in Ihrem Netzwerk, auf jedes Like, und auf alles, was Ihre Freunde tun, sagen und veröffentlichen“, schreiben die Silicon Valley-Google-Fuzzies.

Wenn das von Leuten verkündet wird, so Welzer, deren Firma die größte und mächtigste Datenmaschine der Welt erschaffen, klingt das wie eine unverhohlene Drohung, die übersetzt aus der subjektlosen Technikwunderwelt der Zukunft in die irdische Gegenwart lautet:

„Wir haben Macht über dich, egal wer du bist und wer du zu sein glaubst! Also sieh dich vor!.“

Aber Schmidt-Cohen gehen noch weiter:

„Jede Anwältin, jede Lehrerin und jede Beamtin muss über ihre Vergangenheit Rechenschaft ablegen, wenn sie vorankommen möchte. Was würden Sie davon halten, wenn Ihr Zahnarzt am Wochenende lange Hasstiraden gegen Ausländer ins Internet stellt? Oder wenn der Fußballtrainer Ihres Sohnes nach seinem Studium zehn Jahre lang Touristen durch den Rotlichtbezirk von Bangkok geführt hat (hier geht wohl die Fantasie bei den Autoren durch, gs)? Unser neues Wissen über unsere Kollegen und Führungspersonen wird beispiellose Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben. Die Dokumente aus unserer Vergangenheit werden uns im Alltag und in der Arbeit verfolgen….“

Hier geht es nicht nur um totalitäres Gedankengut, hier formt man die totalitäre Herrschaft:

„Jeder wird zum potenziellen Richter und Denunzianten seines Nächsten“, schreibt Welzer.

Was sagt die Gründerszene denn zu den politischen Positionen der Silicon Valley-Ikonen? Wie beurteilt sie jetzt im Kontext des Buches die Vorschläge von Welzer zur Verteidigung der Freiheit?

Siehe auch meine Kolumnen zu diesem Thema: Google und die KP China – so groß sind die Unterschiede dann wohl doch nicht. Oder der genaue Titel: Wie brave Staatsbürger mit volkspädagogischen Algorithmen erzeugt werden.

Oder auch: Narrative Simulationen von digitaler Rebellion

Oder: Trump-Ideologie hinter der Bubblegum-Hippie-Fassade im Silicon Valley

In einem totalitären Klima des Denunziantentums passieren dann solche Sachen: Trump lässt Smartphones von Mitarbeitern nach Signal & Co. durchsuchen

Wäre ein probates Mittel gegen die Monopolsehnsüchte von Thiel & Co.: Rettet das dezentrale Netz #reclaimtheweb

Facebook, Google und die Vorzensur #KPChina

Gilt nicht nur für Mark Zuckerberg
Gilt nicht nur für Mark Zuckerberg

Mit analogen und digitalen Instrumenten werden immer intensiver Regel-Befolgungs-Automaten herangezüchtet:

„Fast überwunden geglaubte Herrschaftsformen leben wieder auf und verschärfen sich teilweise in Form von Benchmarking- und anderer Evaluationspraktiken. Im Grunde hat der Taylorismus nur eine andere Form angenommen und sich vertieft“, mahnt der Buchautor Reinhard K. Sprenger in seinem jüngsten Werk mit dem vielsagenden Titel „Das anständige Unternehmen“, erschienen im DVA-Verlag.

Mitarbeiter-Bashing mit Monitoring-Systemen

Freiräume werden immer mehr eingeengt, die letztlich in massiven Freiheitsbeschränkungen münden. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am meisten runterzieht, sei nach Auffassung von Sprenger nicht das offene Misstrauen der Vorgesetzten:

Es ist das Pseudovertrauen, das knitterfreie, korrekt-opportune Verbalvertrauen, das mit der Forderung nach Transparenz einhergeht und sich dadurch ad absurdum führt.

Man sagt seinem Gegenüber nicht mehr offen die Meinung, sondern versteckt die Giftpfeil-Attacken gegen Untergebene hinter Reporting- und Monitoring-Systemen. Denn Zahlen können ja nicht lügen – kleiner Scherz des Notiz-Amtes.

Mit Ethik-Seminaren zum betreuten Arbeiten

Mit den Tabula rasa-Steuerungsmethoden zerschlägt man das individuelle Anderssein. Jede Abweichung von einer Norm wird pathologisiert.

„Dahinter steckt eine weit verbreitete Optimierungsideologie“, so Sprenger, der von einer Pädagogisierung der Unternehmensführung spricht.

Unterschiede werden über das Personalmanagement wegtherapiert. Übrig bleibt eine geschmeidige Formmasse, die einer Sekte sehr nahe kommt. Dazu zählt Sprenger auch Mitarbeiterbefragungen, Ethik-Seminare oder ganzheitlich-idiotische Feedback-Rituale, die zur Entmündigung des Menschen beitragen. Übrig bleibt „betreutes Arbeiten“. Es werden immer mehr Distanzen und Freiräume verschüttet, die sich mit menschlichem Anstand nicht vereinbaren lassen. Die Distanzlosigkeiten werden als solche oft gar nicht wahrgenommen und falls doch, werden sie als Fürsorge und Hilfe interpretiert.

„Aber der Preis ist hoch. Man lebt wie unter einer Glasglocke“, führt Sprenger im Welt-Interview aus.

Wenn in Gesellschaften und Organisationen der dümmliche Spruch von Facebook-Chef Mark Zuckerberg „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten“ zum Maßstab des Zusammenlebens wird, bleibt am Ende nur noch die Führungsphilosophie der Kommunistischen Partei China übrig. Man landet in der Falle einer freiheitsfeindlichen Vorzensur, die sich im Kopf abspielt. Nachzulesen in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten.

Tendenz zur Gleichförmigkeit
Tendenz zur Gleichförmigkeit

Dazu passt das von Professor Gerd Gigerenzer auf der re:publica kritisierte Big Nudging: Also eine Kombination von Big Data mit Nudging-Steuerung. Der Staat versucht, die Bürgerinnen und Bürger in die richtige Richtung zu lenken, ohne gesetzgeberische Hebel anzusetzen.

Die Regierungen in den USA und Großbritannien verfügen über Nudging-Teams, die täglich das volkspädagogische Steuerrad bewegen. Menschen seien einfach nicht in der Lage, Risiken richtig einzuschätzen, so dass sie ein wenig angestupst werden müssen.

Der chinesische Staatsrat hat Nudging mit Big Data verbunden und einen harmlos klingenden „Social Citizens Score“ eingeführt, der über die kommunalen Regierungsvertreter flächendeckend zur Anwendung kommen soll. Basis für die Korrektheitsberechnung ist der Sesame Credit Score der Ant Financial Services Group, einer Tochtergesellschaft von Alibaba. Neben der finanziellen Kreditwürdigkeit kommen Variablen zur Berechnung der sozialen und politischen „Kreditwürdigkeit“ in den Algorithmus des Plattform-Betreibers rein. Die Kommunistische Partei China macht das sehr transparent, so dass jedem Schäfchen des Landes klar ist, was die Parteiführung von „ihrem“ Volk erwartet.

Man kann in dem „moralischen“ Dokument der KP nachlesen, was zu einem schlechten Score-Wert führt. Ähnliches hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt formuliert:

„Wenn wir etwas tun, was andere nicht wissen sollten, dann sollten wir es besser nicht tun.“

Gigerenzer verortet erstaunliche Parallelen zwischen Google und der KP China. Ähnliches könnte man auch zum Zitat von Mark Zuckerberg sagen….

Was kann man tun? Mehr dadaistische Algorithmen produzieren, wie von @FrauFrohmann vorgeschlagen?

Weitere Ideen?

Der Google-Chef und die mobile Computer-Intelligenz


Google-Chef Eric Schmidt ist davon überzeugt, dass wir eine Welt mit 100 Megabit mobiler Übertragungsgeschwindigkeit erleben werden. Also wesentlich schnellere Verbindungen als heute. Jeder Mensch wird ein Smartphone in der Tasche haben. „Wenn ich eine Straße hinuntergehe, können Passanten per Livestream Informationen von der Oper, dem Kino, dem Händler und den Schulen empfangen. An der Oper könnte das Telefon dann ein Stück der Oper vorspielen. Wenn der Nutzer die Oper hasst, bekommt er eine andere Einspielung. Das allwissende System trifft also Entscheidungen in Echtzeit und versorgt die Menschen mit Informationen“, so Schmidt im Interview mit der FAZ.

In fünf bis zehn Jahren werde das Gerät wissen, was um den Nutzer herum passiert, und es wird Vorschläge machen, was für den Nutzer besonders wichtig sein kann. „Das Gerät wird also wissen, ob der Nutzer lieber Oper hört oder lieber den Film anschaut. Die nächste Stufe werden dann die Freunde sein. Das Gerät wird mir sagen, ob einer meiner Freunde auch gerade in Berlin ist und ob es ihn kontaktieren soll“, erläutert der Google-Chef. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von der Augmented Humanity, der erweiterten Menschheit. Die Menschen sollten das, was sie tun, noch besser machen. Sie sollten produktiver werden zum Beispiel. „Computer brauchen die Hilfe des Menschen, um besser zu werden, sie brauchen Training. Auf der anderen Seite sind wir Menschen mit unserer Intelligenz überfordert, wenn es etwa um die Bereitstellung eines perfekten Gedächtnisses geht. Da stoßen wir Menschen an Grenzen. Meine Idee ist, dass wir die Computer verbessern, die den Menschen helfen, und gleichzeitig Menschen besser darin werden, die Computer zu trainieren. Das Ziel muss sein, dass die Leute weniger Zeit verschwenden und mehr Spaß im Internet haben“, sagt Schmidt.

Das kommt sehr nah an die Prognosen des Informatik-Professors Herman Maurer von der TU-Graz heran, die ich hier vor ein paar Jahren vorgestellt habe. „Lange vor dem Jahr 2100 werden alle Menschen jederzeit und an jedem Ort auf alles Wissen der Menschheit zugreifen können, ähnlich wie wir das heute bei materiellen Gütern können. Dieser Zugriff wird mit Geräten erfolgen, die stark mit den Menschen integriert sind, und wird sich auf Wissen beziehen das entweder aus Datenbanken kommt oder aus Dialogen mit Experten entsteht. Das Gehirn des Einzelmenschen wird nur noch ein vergleichsweise winziger Bestandteil eines gewaltigen Wissensvorrates sein, der durch die Vernetzung aus Milliarden von Menschenhirnen und Datenbanken entsteht“, prognostiziert Maurer.

Skeptiker, die vor einer nicht beherrschbaren Informationsüberflutung warnen, werden bald verstummen: „Am Horizont zeichnet sich bereits ab, dass die Informationslawine allmählich gebändigt und strukturiert werden wird zu sinnvollen, verlässlichen und auf die Person maßgeschneiderte Wissenseinheiten. Das wird geschehen über die stärkere Verwendung von Metadaten, von intelligenten Agenten, von vertikalen Suchmaschinen, wo Fachleute Informationen gefiltert und kombiniert haben, von Gigaportalen für die verschiedensten Anwendungsbereiche, von aktiven Dokumenten, die von sich aus antworten geben können“, so Maurer. Bei der Wissensvernetzung und dem Wissensmanagement sei es erforderlicht, Wissen jederzeit und an jedem Ort verfügbar zu machen.

Er habe schon vor vielen Jahren den allgegenwärtigen Computer vorhergesagt: nicht viel größer als eine Kreditkarte, weitaus mächtiger als die heutigen schnellsten Computer, mit hoher Übertragsgeschwindigkeit an weltweite Computernetze mit allen ihren Informationen und Diensten angehängt, in sich vereinigend die Eigenschaften eines Computers, eines Bildtelefons, eines Radio- und Fernsehgerätes, eines Video- und Fotoapparates, eines Global Positioning Systems (GPS), einsetzbar und unverzichtbar als Zahlungsmittel, notwendig als Führer in fremden Gegenden und Städten, unentbehrlich als Auskunfts- , Buchungs- und Kommunikationsgerät. Die allgegenwärtigen Computer werden stärker mit dem Menschen selbst verbunden. „Die Miniaturisierung von sehr mächtigen Computern wird so weit gehen, dass man sie in das Loch in einem Zahn wird einpflanzen können“, so der Ausblick über die Entwicklung in den nächsten knapp 100 Jahren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Szenarien sehr viel schneller kommen werden. Einiges davon ist ja schon jetzt möglich!

Siehe auch:

Googles Zukunftvision: Niemals verloren, niemals einsam, niemals gelangweilt.

Google Instant: Schneller, als ihr tippen könnt.

Die Mobile First-Strategie von Google: Livemitschnitt aus Barcelona

Hier der Auftritt von Google beim Mobile World Congress in Barcelona. Bin gespannt auf die Wertungen der Experten. Eric Schmidt wirkt in der Aufzeichnung wie der Hausgeist meines Arbeitszimmer…..;-)

Eure Meinung zur Google-Strategie?

„If the news is that important, it will find me.” Social Media statt Google? Expertenmeinungen gefragt!

FacebookVor ein paar Monaten schrieb ich einen Blog-Beitrag über die Vorherrschaft von Google, die doch lange anhalten sollte. Waren vor ein paar Jahrzehnten noch Hardwarehersteller wie IBM und Sun die beherrschenden Größen im Markt, wurden sie in den Neunzigern vom Softwarehersteller Microsoft überholt. Jetzt werde Google den Takt vorgeben und eine neue Ära begründen, da sind sich die Autoren von absatzwirtschaft und PC-Praxis einig: „Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker“, sagt Professor Max Mühlhäuser von der TU Darmstadt: „Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon ,eingebaut’.“

Zur Zeit hat sich der Wind etwas gedreht und man versteht immer mehr die Aussagen des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar: „Wenn Sie das Gefühl haben, es ging in den vergangenen Jahren schnell, dann legen Sie den Gurt an: Es wird noch schneller“, so Yogeshwar bei seinem überaus interessanten Vortrag auf den Voice Days in Nürnberg.

In Blogger-Kreisen wird nunmehr bezweifelt, ob Google in der Lage ist, den Trend zum Echtzeitweb mitzugehen und die Schlagkraft des Social Webs richtig zu nutzen. So schreibt Olaf Kolbrueck in seinem Blog „off the record“: Norbert Bolz irre mit seiner Annahme, dass ein Internetnutzer nur auf das stößt, war er wirklich sucht. „Ein Internetnutzer stößt in der Regel nur auf das, was er sucht.“

„Der Medienwissenschaftler ist offenbar nur selten in Netzwerken unterwegs. Sonst wüsste er, dass die Nachricht und die Botschaft den Nutzer künftig vor allem findet – durch die Vernetzung mit ähnlich Gesinnten“. „If the news is that important, it will find me.” Die Ökonomie der Aufmerksamkeit bekommt eine neue Logik, die von Jeff Jarvis als Echo-System bezeichnet wird. Google scheine zu ahnen, so der off the record-Blogger, dass die Suche allein in Zukunft nicht mehr die Kernrolle spielen wird.
„It’s because of this fundamental shift towards user-generated information that people will listen more to other people than to traditional sources. Learning how to rank that “is the great challenge of the age ”, sagt Google-Vordenker Eric Schmidt in einem sehenswerten Video. „Es ist also geradezu zwingend für Google sich dem Thema zu widmen. Wenn sich der soziale Lifestream als Königsweg zum Auffinden von Informationen etabliert, ist das Geschäftsmodell von Google auf lange Sicht gefährdet“, schreibt Kolbrueck.

Social Media werde wohl zum größten Konkurrenten für Google. Die Suche nach Nachrichten und Informationen könnte bald wie ein lästiges Stück Arbeit aus der Zeit Dampfmaschinen wirken, wenn diese Inhalte künftig ohne größere Mühe mit Unterstützung des eigenen Social Media-Ökosystems zum Nutzer finden.
Es sei deshalb auch falsch, wenn der Publizist Richard David Precht auf den Münchner Medientagen über systemrelevante Massenmedien (er dürfte Print, TV und Co meinen) philosophiert, die der Kitt der Gesellschaft seien, weil sie Öffentlichkeit herstellen. Genauso gut könnte man die Sonntagspredigt als sozialen Klebestoff der Kirche bezeichnen, wo doch vor allem das gemeinsame Abendmahl die Gemeinschaft herstellt. „Der Kitt der Gesellschaft entsteht eben künftig nicht durch Glotze und Papier, sondern durch die Vernetzung der Menschen untereinander“, so Kolbrueck.

Zeichnet sich hier am Horizont eine Machtablösung ab? Diese Frage würde ich gerne mit Eurer Hilfe recherchieren für einen NeueNachricht-Beitrag. Also bitte Tipps und Expertenmeinungen an meine E-Mail-Adresse gunnareriksohn@google.mail.com schicken oder mich anrufen unter: 0177 – 620 44 74.