Beethoven und die Frage der ePartizipation in der Stadtplanung

Bekommt Beethoven 2020 im Jahr seines 250. Geburtstages in Bonn noch eine würdige Spielstätte oder nicht? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Und die Pläne für den Neubau eines Festspielhauses, das angeblich nur 80 Millionen Euro kosten soll, sind mehr als wacklig. Wann sind solche Schätzungen eigentlich eingehalten worden? Beispiel Elbphilharmonie: Statt den geplanten 100 Millionen Euro, die anfänglich der Öffentlichkeit als Beruhigungspille präsentiert wurden, pendelt man sich mittlerweile bei satten 350 Millionen Euro ein. Soweit entfernt liegt der ursprüngliche Preis des Hamburger Konzerthauses von der Schätzung für den Bonner Wundertempel gar nicht. Und Fehlplanungen sind bei solchen Vorhaben wohl eher die Regel.

Und selbst die Baufinanzierung in Höhe von 80 Millionen Euro ist nach wie vor ungeklärt. Der Förderkreis von Herrn Grießl (da es ja auf einem privaten Engagement des Bonner IHK-Chefs beruht, braucht man in der Berichterstattung nicht ständig seine Funktion kommunizieren, dass macht der doch als Privatmann, wie mir Michael Pieck von der IHK bestätigte) kommt auf 2,7 Millionen Euro.

„Die Deutsche Post DHL hat 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt“, wie es der General Anzeiger sibyllinisch ausdrückt.

So richtig entschieden haben sich die Postler wohl noch nicht. Dann sollen noch zwei Unternehmer bereit sein, jeweils eine Million Euro zu geben. Sie wollen anonym bleiben, sagt der Herr Grießl. Die Suche der Stadtverwaltung nach weiteren Sponsoren bei großen Unternehmen blieb bislang erfolglos. Ganz anders als bei der Investitionsruine WCCB, wo man mit dem Investor SMI Hyundai Corporation sofort auf eine Goldader stieß…..

Also steht ja die Baufinanzierung des Festspielhauses, die nicht die Kasse der Stadt belasten soll, auf einem wirklich soliden Sockel. Was beim Betrieb des Honoratiorenbaus jährlich auf die Bonner Bürgerschaft zukommt, will die Verwaltung noch nicht verraten. Ein Businessplan werde erst vorgelegt, wenn die Baufinanzierung steht, so der GA.

Klingt irgendwie nach einer neuen Köpenickiade. Nach einem Gutachten der Stadtverwaltung soll übrigens die Sanierung und der Umbau der Beethovenhalle zu einem hochwertigen Konzertsaal rund 43 Millionen Euro kosten. Ob diese Summe nun künstlich aufgebläht wurde und der Preis für das Festspielhaus nach unten gedrückt wird, kann ich nicht beurteilen. Das Gutachten für die Beethovenhalle sollten sich neutrale Experten noch einmal anschauen.

Aber unabhängig von der Notwendigkeit, die Beethovenhalle wieder im alten Glanz erscheinen zu lassen: Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass die Beethovenhalle so herunter gewirtschaftet wurde? Schließlich wurde nicht nur die Architektur des Hamburgers Siegfried Wolske international bejubelt, sondern auch das Akustik-Konzept des Göttingers Erwin Meyer. Wer garantiert eigentlich, dass das beim Festspielhaus anders läuft, wenn nicht ausreichende Finanzmittel für den Unterhalt des Gebäudes zur Verfügung stehen – wo Bonn doch finanziell aus den Vollen schöpfen kann? Zitat aus dem GA:

„Bei den Bädern (die man schließen will, gs) geht es nach GA-Informationen weniger um das Einsparen von Betriebskosten, sondern um Millionen, die für eine überfällige Sanierung dieser Bäder benötigt würden – Millionen, die die Stadt nicht hat. Folgt man den Hunderten Seiten zum Haushaltsentwurf 2013/14, so zittert das Rathaus inzwischen bereits vor einigen 100.000 Euro, die die Stadt vom Haushaltssicherungsgesetz oder gar dem Nothaushalt trennen.“

Der Stadtkämmerer ist echt zu beneiden. Irgendwie logisch, dass er für das Festspielhaus keinen Businessplan auf den Tisch legt. Könnte ja Badebegeisterte, Sportler und Rheinkultur-Fans etwas aus der Fassung bringen.

Wer muss denn eigentlich haften, wenn die privaten Spender nicht auf 80 Millionen Euro kommen? Wer muss einspringen, wenn wir uns in Bonn auf den Spuren von Hamburg bewegen und sich die Kosten verdoppeln oder verdreifachen?

Wie belastbar sind denn die Finanzzusagen von Post und anonymen Spendern wirklich?
Ist die Sanierung und Modernisierung der Beethovenhalle nicht wesentlich günstiger und weniger risikoreich? Fragen über Fragen, die mich mir als Bonner Bürger stelle. Und Antworten möchte ich nicht nur von irgendwelchen ehrgeizigen Privatleuten, die sich lautstark für einen neuen Prachtbau ins Zeug legen. Die Antworten erwarte ich von der Stadtverwaltung, die hier politisch die Verantwortung trägt.

Und ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich diese Fragen stellt. Deshalb wäre es doch höchst spannend, etwas mehr ePartizipation und liquide Demokratie zu wagen. Wie das funktionieren kann, wurde bei einer Veranstaltung vom Haus der Architektur in Köln vorgestellt. Hannes Schleeh und meine Wenigkeit sorgten für die Liveübertragung im Internet via Hangout On Air.

Die beiden Hauptredner Sally Below und Julian Petrin sprachen von den Möglichkeiten der kollaborativen Wende für die Planungskultur in Städten, die das Netz bietet. Das Desaster mit Stuttgart 21 sei so etwas wie der Turning Point, so Petrin. Es gebe auch in Hamburg eine aufgeheizte Stimmung mit vielen kritischen Initiativen, die es fast unmöglich machen, nach der alten Top Down-Devise zu handeln.

Crowdsourcing the City sei ein guter Hebel, um eine neue Kultur der Beteiligung zu ermöglichen.

„Die Menschen wollen mitreden und verlangen Transparenz“, erklärt Below, die das Beispiel „Dresdner Debatte“ vorstellte.

Petrin verwies auf das Projekt nexthamburg, mit dem man neue Wege in der Planungskommunkation geht. Das Social Web biete dafür die besten Voraussetzungen, weil jeder sowohl Sender als auch Empfänger sein könne. Im Gegensatz zur üblichen Gesprächskultur von Stadtverwaltungen, politischen Gremien, Verbänden, Förderkreisen und Stiftungen.

Gleiches sollte auch in Bonn praktiziert werden. Diktate von Honoratioren gibt es genug. Bislang kommen mir die Festspielhaus-Freunde wie Kleinkinder vor. Bekommt das Lieblingsspielzeug einige Kratzer, landet es in der Ecke und man malträtiert Mutti und Vati solange, bis ein neues funkelndes Spielzeug angeschafft wird. Könnte für die Bürgerinnen und Bürger in Bonn ein teurer Spaß werden. Man sollte sie einfach mal fragen, ob sie das wirklich wollen. Die Lautsprecher Grießl und Co. sind mir einfach nicht repräsentativ genug.

Aber vielleicht wollen diese „Freunde“ auch nur eine neue faustische Sonate inszenieren.

Siehe auch:
Jeder kann ein Sender werden.

Kulturpolitischer Provinzialismus.

Der Redcoon-Paletten-Fall: Lasst Euch nicht verscheißern, Transportverpackungen müssen zurückgenommen werden

Mal abgesehen von der geschmacklosen Werbung von Redcoon, die mir gestern aufgefallen ist, auch mit den Pflichtenkatalog des Umweltrechtes nimmt es der Laden nicht so genau. Das Problem mit der Rücknahme der Holzpalette habe ich gestern ja bereits geschildert.

Um es noch mal klar zu sagen. Hier geht es nicht um eine Aktion des guten Herzens, um außergewöhnlichen Service oder um Beckmesserei. Hier geht es um die Schnoddrigkeit von Anbietern und beauftragten Spediteuren im Umgang mit Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir haben uns für einen neuen Trockner entschieden, der in puncto Stromverbrauch zum Testsieger gekürt wurde und im ersten Praxistest um das Zehnfache effizienter arbeitet bei der Laufzeit und bei der Reduzierung des Wärmeverlustes (bessere Isolierung). Im Endergebnis verbessert sich die Energiebilanz enorm. Gut für die Umwelt und für unseren Geldbeutel. Perfekter Deal. Welcher Händler/Spediteur das Gerät liefert, ist völlig schnuppe.

Nun hat mir ja eine Dame im Redcoon-Call Center das Märchen von der Rücknahmepflicht von Transportverpackungen verkündet, die sich ausschließlich auf Mehrweg- und nicht auf Einwegpaletten bezieht. Blöd, dass ich mich seit über zwanzig Jahren mit dem Umwelt- und Abfallrecht beschäftigte. Weit gefehlt. Im Paragraf 4 der Verpackungsverordnung bezieht sich die Rücknahmepflicht auf „Transportverpackungen“, die vom Hersteller oder Vertreiber zurückgenommen und dann entweder wiederverwendet werden sollte oder verwertet werden muss (auch eine Mehrwegpalette gibt ja irgendwann den Geist auf und wandert dann ins Recycling). Entscheidend ist der Ort der Übergabe der Ware. Wenn hier der Verbraucher signalisiert, dass der Vertreiber (in unserem Fall ist es der beauftragte Spediteur) die Transportverpackung zurücknehmen soll, darf die Rücknahme nicht verweigert werden. Das passiert aber bei der Anlieferung von Möbeln, Fernsehern, Waschmaschinen, Trocknern, Sportgeräten oder sonstige Waren ziemlich häufig. Und es ist meistens der Spediteur, der hier schöne Märchen erzählt, um nicht mit dem Sperrgut bei seiner Rückfahrt belastet zu werden.

Und hier sind es nicht nur Billiganbieter, die so operieren, sondern auch normale Versandhändler, Hersteller von Sportgeräten und Markenfirmen, die bei der Arbeit ihrer Speditionen wohl nicht so genau hinschauen. Die letzte Meile zum Konsumenten ist aber kriegsentscheidend für die Erlebniswelt der Konsumenten. Das prägt sich ein und fällt dann eben auch auf Hersteller und Händler zurück.

Beim Paletten-Debakel von Redcoon habe ich der Call Center-Dame ja noch eine Brücke gebaut und ihr klargemacht, dass die Verweigerung der Rücknahme eine Ordnungswidrikeit sei. Das juckte die Mitarbeiterin überhaupt nicht. Ich solle dann halt das entsprechende Amt einschalten und ein Bußgeldverfahren einleiten – so nach dem Motto: Das geht mir am Arsch vorbei. Ok. Redcoon. Ich lasse mich nicht verscheißern. Gerade führte ich ein Telefonat mit der Stadt Bonn. Und ziehe da, meine Rechtsauffassung wurde bestätigt.

Paragraf 4 der Verpackungsverordnung:
Rücknahmepflichten für Transportverpackungen
(1) Hersteller und Vertreiber sind verpflichtet, Transportverpackungen nach Gebrauch zurückzunehmen. Im Rahmen wiederkehrender Belieferungen kann die Rücknahme auch bei einer der nächsten Anlieferungen erfolgen.
(2) Die zurückgenommenen Transportverpackungen sind einer erneuten Verwendung oder einer stofflichen Verwertung zuzuführen, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist (§ 5 Abs. 4 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes), insbesondere für einen gewonnenen Stoff ein Markt vorhanden ist oder geschaffen werden kann. Bei Transportverpackungen, die unmittelbar aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt sind, ist die energetische Verwertung der stofflichen Verwertung gleichgestellt.

Und dann gibt es da noch den Paragrafen 15:
Ordnungswidrigkeiten
Ordnungswidrig im Sinne des § 61 Abs. 1 Nr. 5 des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1. entgegen § 4 Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 Satz 1 eine Verpackung nicht oder nicht rechtzeitig zurücknimmt oder einer erneuten Verwendung oder einer stofflichen Verwertung nicht zuführt.

Wie gesagt, ich lasse mich von Anbietern nicht verscheißern. Vielleicht bringt das ja auch mehr Aufklärung für andere Privathaushalte, die Ähnliches erleben. Gar nicht diskutieren, sondern auf die Rücknahmepflicht verweisen – aus. In meinem Fall prüft jetzt die Stadt Bonn, ob sie selbst das Verfahren gegen Redcoon einleitet oder das entsprechende Amt am Firmensitz des Händlers.

Bonn braucht einen Jazzclub, liebwerteste Stadt-Gichtlinge: Mox nix-Politik

Ich habe mir auf Facebook erlaubt, meiner Verwunderung über die Schwerpunkte in der Bonner Kulturpolitik Ausdruck zu verleihen nach der gestrigen Dottendorfer Jazznacht und einigen Gesprächen mit den Jazzmusikern nach dem Konzert.

So ist es für ausgezeichnete Musiker wie Thomas Kimmerle und Oliver Pospiech schlichtweg unmöglich, in Bonn einen neuen Jazzclub aufzumachen mit Konditionen, die einen dauerhaften Betrieb gewährleisten. Der Jazzkeller von Thomas in der Burbacher Straße 2 musste schließen wegen der exorbitanten Erhöhung der Gewerbemiete.

Das Ordnungsamt glänzt dabei mit unzumutbaren und kostentreibenden Bedingungen, um in der Stadt einen Laden aufzumachen. In der Regel scheitert das an den Auflagen für Lärmschutz, wenn ein geeignetes Objekt gefunden wurde. Oder die Lage ist perfekt aber die Gewerbemiete unbezahlbar. Vom Kulturdezernenten und dem Oberbürgermeister ist für die Kleinkunstszene wohl keine Unterstützung zu erwarten, die sind ja mit der Fata Morgana-Planung des Honoratioren-Musiktempels namens „Festspielhaus“ beschäftigt.

Auch das sogenannte private und bürgerschaftliche Engagement des IHK-Präsidenten richtet sich eher auf das pseudo-elitäre Abo-Publikum aus. In der kleinen Facebook-Disputation zur Rolle der IHK wurde mir gerade als Mitglied der IHK-Bonn/Rhein-Sieg mitgeteilt, dass die Festspielhaus-Initiative das reine Privatvergnügen des IHK-Präsidenten ist. Warum wird er in den Medien dann beim Geld eintreiben immer als IHK-Präsident vorgestellt? Merkwürdig. Wie ist dann eigentlich diese Aussage zu werten? Der Bau eines Beethoven Festspielhauses in Bonn würde angeblich die regionale Wirtschaft fördern:

„Das ist das Ergebnis einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Damit unterstrich die Kammer am Freitag in Bonn ihren Einsatz für einen Neubau am Standort Rheinaue.“

Alles schön reinbuttern in dieses Prestigeprojekt und gleichzeitig den Geldhahn bei anderen Projekten wie der Rheinkultur zudrehen. Das macht Sinn. Als IHK-Zwangsmitglied würde ich gerne aus dieser Organisation austreten und mein Mitgliedsbeitrag für die Jazzszene spenden. Könnte der IHK-Präsidentl wenigstens dafür sorgen?

Die Dottendorfer Jazznacht – übrigens das Ergebnis eines bürgerschaftlichen Engagements – war jedenfalls erste Sahne?

Und was macht die Stadt? Mix nix-Politik (das Stück von Art Farmer wurde gestern auch gespielt). Hier das Original

Von der zerstörerischen Kraft der digitalen Dauerdisruption #bc


Das Netz verändert die Welt. Das dürften weder Gegner noch Befürworter des digitalen Wandels bestreiten. Doch viel weiter reichen die Gemeinsamkeiten nicht. Ob sich das Ganze zum Guten oder zum Schlechten fügt, ist nach Ansicht von Sascha Lobo und Kathrin Passig nicht so eindeutig zu beantworten, wie die Verfechter beider Ansichten es gern hätten. „Die einen bewegen sich in einem Feld zwischen fortschrittsgläubiger Naivität und selbstbewusstem Optimismus, die anderen verharren zwischen gesunder Skepsis und verbittertem Pessimismus”, schreiben die beiden Autoren in ihrem neuen Buch „Internet – Segen oder Fluch“ (Rowohlt Verlag). Einen ärgerlich großen Raum würden dabei reflexhafte Phrasen und kaum belegbare Behauptungen einnehmen, verbunden mit einem emotionalen Amalgam, das mehr die Gruppen-Zugehörigkeiten festigen als irgendjemanden überzeugen soll.

„Regelmäßig lassen sich Diskussionspodien, Talkshowkonfrontationen und Artikelgefechte beobachten, deren Teilnehmer weniger an der Vermittlung und Erklärung interessiert sind als an der Selbstvergewisserung, und oft genug waren diese Teilnehmer die Autoren des vorliegenden Buches”, so Passig und Lobo.

Der dringend notwendige Diskurs um das Internet, seine Bedeutung für unser Leben und seine Folgen für die Welt sei ritualisiert und erstarrt. Genau zu erkennen, ob disruptive Innovationen zu einer Implosion tradierter Geschäftsmodelle führen, ist ein schwieriges Unterfangen.

„Das Neue sieht für die Nutzer eines vorhandenen Produkts immer erst mal schlechter aus“, führen Passig und Lobo weiter aus.

Dampfschiffe waren zunächst langsamer als Segelschiffe. Musik über das Format MP3 klang schlechter als auf CDs und frühe Digitalkameras konnten mit analogen nicht mithalten. Solange aber das neue Produkt in irgendeiner Hinsicht billiger, praktischer oder attraktiver sei als das alte, kann es einen nichtexistenten Markt und bisher unerreichbare Käuferschichten erschließen. Nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne: BESSER SCHLÄGT GUT – Über Gewinner und Verlierer der Digitalisierung.

Schumpeter: Wirtschaft nicht auf Aggregate reduzieren

In dem Kapitel „Disruption ist kein Kindergeburtstag“ darf natürlich der von Joseph A. Schumpeter geprägte Begriff der „schöpferischen Zerstörung“ nicht fehlen. Wer sich die Originalschriften von Schumpeter anschaut, entdeckt Zusammenhänge, die sich wohl permanent im Zusammenhang mit disruptiven Innovationen abspielen. Wichtig ist dabei nicht nur die berühmte Schrift „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ (wichtige Vorarbeiten für dieses Werk entstanden übrigens in seiner Bonner Zeit – hinzuweisen ist hier vor allem auf den wissenschaftlichen Aufsatz „The Instability of Capitalism“, in dem er schon früher angesprochene Stabilitätsprobleme des Kapitalismus systematisiert), sondern auch das weit weniger beachtete Opus „Konjunkturzyklen“.

„Der Kern dieses Buches besteht aus einer Fülle von Einzelheiten über die Blüte der Wirtschaftssysteme in Großbritannien, Deutschland und den Vereinigten Staaten“, schreibt Thomas K. McCraw in seiner Schumpeter-Biografie (in deutscher Übersetzung im Murmann-Verlag erschienen).

Es war wohl schon immer so, dass das Eindringen einer neuen Firma in eine bestehende Branche stets einen Kampf mit der alten Sphäre nach sich zieht. Die Altvorderen sind bestrebt, den Vorteil, den eine neue Firma durch eine Innovation erlangt, zu verbieten, zu diskreditieren oder auf andere Weise zu beschränken. Die Patentklagen von Apple gegen Konkurrenten oder das von den Zeitungsverlegern ersehnte Leistungsschutzrecht sind dafür ja sehr gute aktuelle Beispiele. Was immer dabei auch im Einzelfall geschehe, so Schumpeter, sei der hohe Gewinn jedes Unternehmers stets vergänglich, denn Konkurrenten würden Neuerungen kopieren und damit ein Sinken des Marktpreises bewirken. An der Verteidigungsstrategie von Apple wird sichtbar, dass der Technologiekonzern eben kein „kreativer Zerstörer“ mehr ist.

Und was für Deutschland in Fragen der Digitalisierung wichtig ist, können wir an unserer eigenen Geschichte ablesen. Erfolge habe nicht in erster Linie der Innovator, der Erfinder und schöpferische Zerstörer, sondern jener, der das Neue am besten organisiert, so Schumpeter. Die Deutschen verstanden es im 19. Jahrhundert besser als die Briten, ihre Textilindustrie zu organisieren, selbst wenn sie wenig zu deren maschineller Technologie beitrugen.

Steve Jobs war so ein schöpferischer Unternehmer, wie ihn Schumpeter beschrieben hat. Ein Innovator zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus. Innovationen entstehen eben nicht nur durch Erfindungen: So sah es jedenfalls Schumpeter in seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“, erschienen vor knapp 100 Jahren:

„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“

Innovatives Unternehmertum unterscheidet sich dabei deutlich vom Routineunternehmer, der auf überkommenen Grundlagen arbeitet und nie Neues schafft. Aus altbekannten Techniken wie W-LAN, MP3 und Bewegungssensoren schuf Apple neue Geräte mit Kultfaktor. Und auch das benutzerfreundliche Design ist keine Kreation aus Cupertino. Der Steve Jobs-Konzern folgt konsequent dem Less-and-More-Diktum des genialen Industriedesigners Dieter Ram, der in den 1960er und 1970er Jahre bahnbrechende Produkte für die Braun AG schuf. Und was noch wichtiger für die Erfolgsstory von Apple ist: Jobs erzeugte neue Märkte. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern „er nötigt seine Produkte dem Markte auf“, so Schumpeter. Das ist Steve Jobs mit Produkten und Diensten für das mobile Internet und für den Tablet-PC-Markt gelungen.

Was sollte man in Deutschland nun tun? Es sind fast immer charismatische und ein wenig verrückte Persönlichkeiten (nicht nur Unternehmer, sondern auch Beamte wie der Generalpostmeister Heinrich von Stephan!), die Neues durchsetzen, besser organisieren, intelligenter organisieren und sich vom Routinebetrieb abgrenzen. Wer nur das anwendet, was man gelernt hat und sich an den übergekommenen Grundlagen seiner Organisation orientiert, ist ein passiver Anpasser und eben kein schöpferischer Zerstörer. Anpasser und Verwalter haben wir wohl zu viele.

Wir werden dieses Thema in der zweiten Session des nächsten Blogger Camps diskutieren: Am Mittwoch, den 24. Oktober von 19,30 bis 20,00 Uhr: Von der zerstörerischen Kraft der digitalen Dauerdisruption. Andreas Klug, Dirk Elsner, Heinrich Bruns, Hannes Schleeh und meine Wenigkeit sind dabei. Wer im Live-Hangout noch mitmachen möchte, sollte sich frühzeitig bei mir oder bei Hannes melden, damit wir das gut vorbereiten können mit Techniktest und Vorabinfos für die Moderation.

Nicht ganz unwichtig ist auch die Frage, wie eigentlich die populären Web-Dienste Geld verdienen.

Was im mobile Business abgeht, beleuchtet der Bitkom-Verband.

Einen „Beipackzettel“ für das Buch von Passig und Lobo hat Sascha Lobo in seinem Blog gepostet.

Literatur vom Rande des Universums: Neuseeland war da – in Bonn!

Neuseeland, wo sich die Kulturen der Europäer, der Maori und der pazifischen Völker begegnen, ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Motto: „Ich lebe am Rande des Universums, wie jeder andere auch“ beschreibt eine Welt ohne Zentrum, in der jeder zugleich im Mittelpunkt und am Rand steht. „Der Mensch ist ein Körnchen Sternenstaub, global vernetzt und unermüdlich kommunizierend“, schreibt Elsemarie Maletzke in der Literaturbeilage der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Zum Auftakt der Buchmesse veranstaltete das Literaturhaus Bonn im voll besetzten Forum der Bundeskunsthalle eine Lesung mit vier höchst unterschiedlichen neuseeländischen Autoren. Ein guter Querschnitt, um sich einen ersten Einblick über die Literatur dieses Landes zu verschaffen.

Den Anfang machte Eleanor Catton (Jahrgang 1985), die mit ihrem Roman „Die Anatomie des Erwachens“ (Arche Verlag) große Erfolge feierte.

Mit Lloyd Jones (Jahrgang 1955) trat einer der bekanntesten neuseeländischen Romanciers auf. Für seinen Roman „Mr. Pip“ erhielt er 2007 den Commonwealth 
Writers’ Prize. „Die Frau im blauen Mantel“, sein neuer Roman, der im August 2012 auf Deutsch erschien (Rowohlt), erzählt von den Lebenslügen und Wahrheiten der hellhäutigen und sommersprossigen Afrikanerin Ines auf ihrer abenteuerlichen Reise durch die Festung Europa nach Berlin. Moderiert wurde die erste Runde von WDR-Redakteur und Facebook-Freund David Eisermann.

In der zweiten Runde, die vom Verleger Stefan Weidle geleitet wurde, startete mit Carl Nixon wieder ein jüngerer Autor.

Sein Roman „Rocking Horse Road“ erschien im Juli 2012 auf Deutsch (Weidle Verlag): Ende 1980 wird die 17-jährige Lucy Asher tot am Strand von The Spit angespült. Sie wurde erwürgt. In der Mitte dieser Landzunge vor Christchurch verläuft die Rocking Horse Road. Eine Gruppe 15-jähriger Jungen findet die Leiche. Die Suche nach dem Mörder schweißt sie für immer zusammen. 1981 macht Neuseeland eine traumatische Erfahrung: Das südafrikanische Rugbyteam tourt im Land. Protest gegen das Apartheidsregime erhebt sich. Es kommt zu Zusammenstößen mit der Polizei. Als Rugby-Fans erleben die Jungen das Geschehen hautnah mit.

Am Schluss der gestrigen Lesung folgte mit dem Maori Witi Ihimaera (Jahrgang 1944) der Höhepunkt des Abends. Der Autor ist in Deutschland vor allem bekannt durch seinen Roman „Whale Rider: Die magische Geschichte vom Mädchen, das den Wal ritt“ (Rowohlt 2003), dessen Verfilmung sehr erfolgreich war. Das Maori-Mädchen Pai lehnt sich darin erfolgreich gegen die männlich geprägten Traditionen auf und erkämpft sich unter Einsatz ihres Lebens die Anerkennung ihres Großvaters. „Ich stehe in der Verantwortung meiner Vorfahren und habe ein stillschweigendes Abkommen mit ihnen. Es lautet, die Maori-Geschichte zu erzählen, die eine andere ist als die Pakeha-Geschichte. Die Maori-Geschichte ist diejenige der ungelösten historischen Fragen, der Konfiszierung des Landes und der daraus folgenden wirtschaftlichen Verarmung mit all den kulturellen und sozialen Konsequenzen“, zitiert Maletzke den sehr sympathischen und weisen Schriftsteller, der nicht nur eine sehr schöne sonore Stimme hat, sondern auch die Tradition des Maori-Gesanges pflegt. Man braucht sich nur meine Audioaufzeichnung anhören, um sich einen kleinen Eindruck zu verschaffen.

Die deutschen Übersetzungen wurden jeweils vom Schauspieler Ulrich Noethen vorgetragen. Ein echter Hörgenuss!

Kein neues Wertstoffgesetz in den nächsten Jahren – Zeit nutzen, um Bürokratiemonster zu verhindern

Deutschland ist Recyclingland – doch im Dschungel der Bürokratien und Rechtsnovellen haben selbst Experten den Überblick verloren. Gemeinsame Stelle, haushaltsnahe oder gewerbliche Anfallstelle, Schnittstelle, zentrale Stelle, Stellen für die Branchenrücknahme, Stellen für die Eigenrücknahme oder doch nur semantische Leerstellen? Darüber diskutierten wieder Abfallexperten auf der Tagung der Beratungsfirma Ascon im Kinosaal des Bonner Landesmuseums. Thema: Wertstoffkreisläufe schließen.

Seit dem Start der Gelben Tonnen und Säcke singt man das Klagelied über die umweltpolitischen Schwarzfahrer. Da gibt es Firmen, die noch nie einen Cent für die Entsorgung ihrer Verpackungen bezahlt haben und das in Zukunft wohl auch nicht tun werden.

Dass die Totalverweigerer – gerade aus dem Ausland – seit dem Start von Gelben Tonnen und Säcken am besten fahren, liegt vor allem an der fehlenden Registrierung. Diese Registrierung könnte über den Barcode erfolgen, den fast jedes Produkt und jede Verpackung trägt. Eine Kontrolle könnten bestehende staatliche Stellen übernehmen, die in anderen Anwendungsfeldern über ausreichende Erfahrungen verfügen. Beispielsweise bei der Vergabe der Steuer-ID-Nummer. Branchenkenner empfehlen mehr Geduld beim Vollzug der bestehenden Verpackungsverordnung. Selbst die kühnsten Optimisten rechnen in der laufenden Legislaturperiode des Bundestages nicht mehr mit einem neuen Wertstoffgesetz, um das bestehende Sammelsystem neu zu organisieren und auch stoffgleiche Nichtverpackungen zu erfassen.

Das bestätigte Dr. Dirk Grünhoff vom Umweltministerium in Rheinland-Pfalz. Bundesumweltminister Peter Altmaier werde wohl das Wertstoffgesetz nach dem Scheitern der Konsensgespräche in der vergangenen Woche weiter vorantreiben, aber nicht mehr mit erster Priorität. Es gebe ein Stillhalteabkommen im Bundestag wegen der Wahl im Herbst. „Ab März werden keine Gesetzesvorhaben mehr vorangetrieben, weil man der neuen Regierung nach der Wahl die Chance geben will, ihre eigenen Interessen in dieses Gesetz zu schreiben“, sagte Grünhoff auf der Ascon-Tagung in Bonn (Siehe die Audioaufzeichnung ab Sendeminute 9:17).

Wenn das in diesem Zeitraum nicht mehr auf die Tagesordnung komme, gewinnt man die nötige Zeit, um in Ruhe darüber über ein neues Wertstoffgesetz nachzudenken. Ein Bürokratiemonster mit schlechteren Regeln im Vergleich zur bestehenden Verpackungsverordnung müsse verhindert werden. Bei so sensiblen Themen sei nicht davon auszugehen, dass man es unter zwei Jahren schafft. Ascon-Geschäftsführer Sascha Schuh hält das sogar für eine optimistische Schätzung. Die neue Bundesregierung habe innenpolitisch sicherlich noch ein paar andere Felder zu beackern. Drei bis vier Jahre für ein neues Wertstoffgesetz seien realistisch.

Ein Teilnehmer aus dem Auditorium kritisierte die Motivation der Kommunen beim Vorantreiben des Wertstoffgesetzes. Es gehe der öffentlichen Hand wohl nur darum, an dem mittlerweile lukrativen Sekundärrohstoffmarkt zu partizipieren. Dieser Markt sei aber in erster Linie durch das Engagement der privaten Entsorgungswirtschaft zustande gekommen. Der Dauerstreit um Altpapier würde das belegen.

Siehe auch die Einleitung meiner heutigen The European-Kolumne: Kundendienst als Foltermethode.

Interessant auch: Pyromanen-Semantik: Müllverbrennung soll künftig das Gütesiegel “Recycling” tragen

Online-Journalismus: Zu zahlenhörig, zu platte Debatten, zu spießig und kaum Partizipation #djv_bo

Der knapp halbstündige Eröffnungsvortrag von Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de wurde von Moderator Peter Jebsen als einer der Höhepunkte auf dem gestrigen Besser Online-Kongress im Bonner Post Tower angekündigt. Und ich muss ihm zustimmen. Plöchinger selbst hat das selbst sehr pointiert in einem Tweet ausgedrückt:

In der verschrifteten Version im Blog von Plöchinger nachzulesen.

Oder auch als Audioversion von meiner Wenigkeit aufgezeichnet:

„Peinlich“: Mit diesem Wort hat Plöchinger in seiner Rede skizziert, dass die Journalisten in Deutschland in Summe noch viel zu wenig aus dem Medium namens Online machen. Es gehe daher um Antworten auf die Frage, wie Journalisten ihr Verständnis von Online ändern sollten, um besser zu werden, und was wir Onliner ändern können, um online besser zu machen.

Etwa bei der Einbindung von sozialen Netzwerken in die tägliche Recherchearbeit. Das findet nach meiner Meinung noch sehr verschämt oder zufällig statt.

So beschäftigte sich die Panelrunde über Social Media Newsdesk (ein Begriff, mit denen die Experten auf dem Podium wenig anfangen konnten) auffällig lange mit dem Pöbelniveau der Leserkommentare und dem zeitlichen Aufwand zur Kontrolle von Einträgen, die nicht das Licht der Netz-Öffentlichkeit erreichen dürfen wegen fragwürdiger Inhalte. Plöchinger verwies auf eine Analyse von der Zeit Online-Redaktion, die untersucht hätte, welcher User-Arten es gebe.

Darunter seien beispielsweise der „Pöbler“, der „Besserwisser“ und der „Möchtegern“. Andreas Hummelmeier von tagesschau.de ergänzte das noch mit dem „Ideologen“, der sich vielleicht noch an einem zweiten Gegen-Ideologen abarbeitet, und dem Egomanen, der sich über die Zahl der Kommentare definiert.

Man müsse User-Beiträge auch rausschmeißen, so Plöchinger. Wenn die Qualität von Debatten zu schlecht sei, schreckt das andere Nutzer ab. Ob man das nun reduziert über automatische Scheiße-Filter oder über Social Media-Redakteure händisch eingreift, ist mir eigentlich wurscht. Vielleicht ist das Pöbelniveau auch so hoch, weil sich hier wirkliche Dialoge gar nicht abspielen, sondern Leser auf die Einwegkommunikation der Massenmedien nur reagieren. Früher per Brief und heute halt in digitaler Form.

Wichtig seien halt Strategien zur Integration von Social Media, sagte der Berater Christoph Salzig. Vielleicht sogar neue Formate zur Einbindung der Netzöffentlichkeit. Etwa über Google Plus-Sessions via Hangout Broadcasting. Damit experimentiere beispielsweise das Aktuelle Sportstudio nach der Sendung unter Beteiligung von einigen Fußball-Bloggern. Salzig selber war gestern Abend auch mit der von der Partie.

Entsprechend niveauvoll lief der Dialog auch mit der ZDF-Sportredaktion ab. Das ist eben ein gelungenes Bespiel für einen aktiven Dialog mit dem Publikum – die Leserkommentare sind ausschließlich reaktiv. Von den Möglichkeiten des Dialogs via Hangout mit Livestream und Aufzeichnung via Youtube ist nicht nur Christoph Salzig begeistert.

Nach einigen Experimenten hat sich das bloggende Quartett entschlossen, am 28. September das Blogger Camp komplett virtuell über Hangout ablaufen zu lassen und auf eine Präsenzveranstaltung zu verzichten. Warum also immer auf die klassischen Formate mit Frontalunterricht setzen, wenn es im Netz viel bessere Möglichkeiten gibt, ein breiteres Publikum zu erreichen. Wie sich das auf den Programmablauf des Blogger Camps auswirken wird, schildere ich in den nächsten Tagen.

Die berühmte Quellenangabe Youtube oder Internet in der Tagesschau für Videos, die man aus dem Netz fischt, verteidigte Hummelmeier. Bei einem achtsekündigen Videoausschnitt könne man die Quelle nicht im Detail nennen. Eine Anregung aus dem Auditorium fand er aber nicht verkehrt: So könnte Tagesschau.de die verwendeten Videos in einer Trackliste veröffentlichen, wenn die Beiträge indizierbar sind. Hier die Audioaufzeichnung der Runde:

Gutes Zahlenmaterial lieferte das Panel „Neue Studien zum Online-/Crossmedia-Journalismus. Etwa die Langzeitstudie der FU-Berlin zum Online-Medienkonsum, vorgestellt von Professor Martin Emmer.

Professor Martin Welker stellte empirische Befunde zum partizipativen Journalismus vor und hätte auch gut in die Social Media-Newsdesk-Runde gepasst.

Welker subsummierte die Funktion des „Laien“ (der manchmal mehr weiß als Redakteure) bei der Recherchebeteiligung als Quelle, Ideengeber, Ideenbewertet, Faktenprüfer, Vor-Ort-Reporter, Quellensucher und Interviewer. Wer das aktiv fördert, bekommt auch weniger Pöbeleien serviert.

Entsprechend müsse sich wohl auch das Selbstverständnis der Journalisten ändern, so Dr. Wiebke Loosen vom Hans-Bredow-Institut.

Alle drei Vorträge kann man sich hier anhören:

Mein Gesamturteil über den diesjährigen Besser Online-Kongress. Wenig Höhepunkte, einige sehr langatmige Diskussionen, wenig kompakte Wissensvermittlung für die Praxis, zu lange Panel-Einheiten (würde ich von 90 auf 60 Minuten reduzieren). Oder wie es Christoph Salzig auf den Punkt brachte:

Konsequenterweise habe ich das Abschluss-Panel zugunsten der Sportschau geschwänzt: Es ging um das digitale Urheberrecht. Das kann ich als Podiums-Gelaber nicht mehr ertragen.

Da in drei Blöcken jeweils fünf Panel auf dem Besser Online-Kongress stattfanden, kann ich natürlich nur meine subjektive Sicht wiedergeben. Einen guten Überblick der restlichen Panels findet man hier. Jeder Teilnehmer hat also wohl ein anderes Besser Online-Erlebnis.

Tipp an das Besser Online-Team: Im nächsten Jahr sollte Ihr das Ganze mit dynamischen URLs publizieren, damit man auf einzelne Beiträge verlinken kann.

Alte Eisen glühen noch – Bekenntnisse eines C 64-Veteranen

Für den Arbeitsmarkt zähle ich ja mit meinen 51 Lenzen schon längst zum alten Eisen – zumindest in der Welt der Angestellten. Vor einigen Jahren gab es ja den Trend, die über 50jährigen mehr oder weniger aus den Betrieben rauszudrängen. Das Phänomen machte bekanntlich auch vor Zeitungsredaktionen nicht halt. Folge: Es fehlen erfahrene Redakteure, die den Jüngeren mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gott-sei-Dank bin ich seit gut 13 Jahren freiberuflich tätig und muss mich nicht mehr um die merkwürdige Personalpolitik in der Wirtschaft scheren. Mit der Überalterung der Gesellschaft wird sich auch bei der Rekrutierung in Zukunft einiges ändern – auch wenn das in den Köpfen von Führungskräften noch nicht so ganz angekommen ist.

Laut forsa-Umfrage meinen 77 Prozent der Jungen, dass Ältere im Beruf Probleme mit neuen Technologien und Kommunikationsformen haben. Das bestätigen aber nur 54 Prozent der Alten. Die sogenannten Silver Surfer sind derzeit die am schnellsten wachsende Gruppe im Internet – schon das untermauert, dass Ältere durchaus technikaffin sind.

„Ob Chinesisch oder die neue Buchhaltungssoftware: Alte können sich alles zutrauen“, erklärt Margaret Heckel, Autorin des Buches „Midlife-Boomer“

Leider bleiben ältere Bewerber in den Technologie-Berufen auf der Strecke, kritisiert Maxiilian Nobis von IT-Personaldienstleister Harvey Nash: „Eine vertane Chance für die Unternehmen. Die Vorteile dagegen werden kaum gesehen.“

Die Älteren schaffen es oft nicht einmal bis zum Bewerbungsgespräch.

„Der passt nicht ins Team“ heiße es dann, berichtet Nobis. Gemeint ist: Der jeweilige Chef – selbst Mitte 30 – will keinen Mitarbeiter, der mehr Erfahrung hat, ihn womöglich nicht akzeptiert und damit nicht steuerbar ist. „Ein älterer Mitarbeiter hat größere Auswirkungen auf ein Team als eine Nachwuchskraft. Er findet schneller Gehör und ist in der Regel sehr präsent“, sagt der IT-Personalexperte. Natürlich sei es eine berechtigte Frage, wie gut sich ein Bewerber integrieren kann. „Aber das ist letztlich nicht vom Alter abhängig, sondern vom Charakter.“

Das Thema habe ich etwas ausführlicher in einer Meldung für NeueNachricht aufgegriffen:

Midlife-Boomer auf dem Arbeitsmarkt nicht abschreiben – Ältere Arbeitnehmer bieten großes Potenzial.

Und zur nächsten republica werde ich auch wieder erscheinen, trotz meines hohen Alters 🙂

Findet diesmal vom 6. bis 8. Mai statt – da hat ja meine Mutter Geburtstag. Kann ich ja mit einem Besuch kombinieren. Meine Mutti ist übrigens mit ihren 82 Jahren auch noch sehr rüstig.

Preis für Technikjournalismus und Technikfotografie: Ichsagmal wurde nominiert :-)

Sehr geehrter Herr Sohn,

wir freuen uns Ihnen mitzuteilen, dass das Portal „Ichsagmal“ für den PUNKT – Preis für Technikjournalismus und Technikfotografie in der Kategorie Multimedia nominiert worden sind.

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften verleiht seit 2005 den PUNKT, mit dem beispielhafte Texte, Bilder und erstmals auch Multimedia-Formate ausgezeichnet werden, die einen besonderen Zugang zu innovativen Technologien eröffnen.

Soweit die freudige Meldung, die mich heute in den Mittagsstunden erreichte. Ich konnte zwar noch nicht in Erfahrung bringen, warum ich nominiert werde. Aber diese Nominierung geht mir runter wie Öl.

Die Fotografie betreibe ich eigentlich so nebenbei. Habe weder eine Ausbildung genossen, noch würde ich mich als passionierten Hobbyfotografen bezeichnen. Das geschieht mit meiner Nikon D 40x eher improvisiert und nach dem Versuch-und-Irrtum-Verfahren – in der Regel ohne Blitz. Das eher chaotische Prinzip ist ja auch ein wenig der Rote Pfaden bei meinen publizistischen Projekten 🙂

Ob ich nun einen Preis gewinne oder nicht, die Nominierung ist schon ein echter Erfolg.

Um fotografisch weiter nach vorne zu kommen, würde ich natürlich auch gerne das Angebot einer Bloggertour am Dienstag, den 18. September auf der Photokina in Kölle wahrnehmen. Liegt ja vor der Tür. Und ich muss noch eine ganze Menge lernen.

Siehe auch:
Social Media für Fotografen.