Mit Industrie 4.0 in die Warteschleife: Über die teutonische Breitband-Müdigkeit #bloggercamp.tv

Digitale Agenda in der Warteschleife
Digitale Agenda in der Warteschleife

In der 11 Uhr-Sendung von Bloggercamp.tv diskutieren wir Wolfgang Dorst, BITKOM-Bereichsleiter Industrie 4.0 natürlich über….Industrie 4.0 und die digitale Agenda der Großen Koalition.

In seiner trockenen und humoresken Art hat uns Gunter Dueck im Digitalen Quartett eine schöne Steilvorlage für die heutige Runde mit dem BITKOM-Experten geliefert.

Wir basteln an Industrie 4.0, liefern aber keine Antworten für das Betriebssystem und die Infrastruktur. Unterdessen bekommen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffee-Vollautomaten von Samsung einfach mal das Google-Betriebssystem Android eingepflanzt, um die Vernetzung voranzutreiben. Die deutschen Hersteller wie Bosch oder Miele machen das auch mit eigenen Lösungen – sozusagen im Augsburger Puppenkisten-Format „Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer“.

„Dann fragen die deutschen Hersteller, wer macht die Infrastruktur, wer sagt, unter welchem Standard sich die Maschinen unterhalten. Google und Samsung haben einen einfachen Plan und nutzen das Handy-Betriebssystem“, so Dueck.

Die bauen das überall ein.

Wenn dann in Deutschland und Europa alle aufgewacht sind, „kann der FAZ-Herausgeber Schirrmacher wieder jammern, dass die Amerikaner oder Südkoreaner uns das aufdrücken.“

Die Zusammenarbeit von Audi und Google beim vernetzten Auto ist dafür ja schon ein deftiger Vorbote.

Dann auf einmal entsteht das Internet der Dinge und der Keilriemen spricht mit der Zündkerze. Kein Mensch macht sich in der teutonischen Ingenieurswelt Gedanken, wie ein Betriebssystem aussehen sollte. BMW, VW, Mercedes Porsche und Co. hätten sich zusammenschließen können, um ein vernünftiges Betriebssystem zu etablieren – „machen sie aber nicht“, kritisiert Dueck.

„Man wartet bis Google über die Unterhaltungselektronik ausliest, welche Fehler ein Auto hat – da ist in Deutschland keiner dran.“

Bin auf die Antworten von Wolfgang Dorst gespannt.

Auch die harsche Kritik des Booz & Co.-Technologie-Fachmannes Roman Friedrich an der digitalen Agenda der Großen Koalition kommt zur Sprache. Friedrich rechnet in den kommenden vier Jahren mit Wachstumsverlusten, die uns die Große Koalition einbrockt. Die Digitalisierung in Deutschland krankt nach seiner Meinung an einem Wirrwarr von Einzelmaßnahmen. Es versickere jedwede Initiative in irgendwelchen Gremien.

„Da gibt es hier einen Gipfel und dort einen Gipfel. Dann gibt es eine D21-Initiative, die sich tot gelaufen hat. Das Thema Breitband und Digitalisierung hätte es verdient, zur Chefsache erklärt zu werden“, so Friedrich.

Selbst die anfänglich eingeplanten vier bis fünf Milliarden Euro würden für den Breitbandausbau nicht ausreichen. Es sei nicht ersichtlich, wie wir den Rückstand in der Digitalisierung mit den Plänen der neuen Bundesregierung aufholen können.

„Es sind Lippenbekenntnisse und keine klaren Ziele. Der Breitbandausbau auf 50 Mbit/s ist noch nicht einmal zu tief gegriffen. Im Gegenteil. Diese Geschwindigkeit benötigen wir für einen modernen Standort. Mit einer entsprechenden politischen Unterstützung ist mehr möglich. Das sehen wir in anderen Ländern“, weiß der Booz-&-Co.-Analyst.

Die digitale Revolution bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf den Konsumenten. Viel entscheidender sei die Anbindung eines jeden Unternehmens an Breitband.

„Um die Wirtschaftskraft vor allem des Mittelstandes zu erhalten, braucht man die digitale Autobahn. Wir können sonst unsere ökonomische Dynamik nicht ausreichend entfalten. Dabei geht es um innovative Geschäftsmodelle, um die richtigen Dienste und um nachfragestimulierende Applikationen. Ohne die entsprechende technologische Grundlage wird das nicht erreichbar sein“, meint Friedrich.

Auch das Märchen von der zu geringen Nachfrage nach schnellem Internet, was von Wirtschaftsforschern im Auftrag der Bundesregierung in die Welt getragen werde, ist nur ein weiterer Beleg für das mangelhafte Verständnis der politischen Akteure für die Relevanz der digitalen Infrastruktur.

„Wir haben schon jetzt Engpässe. Unsere politische Elite und auch viele klassische Wirtschaftsführer verstehen nicht, was zurzeit im Markt passiert. Die digitale Revolution ist mindestens so relevant wie die Energiewende. Jetzt vergleichen Sie mal, wie viel über die Energiewende und wie wenig über Breitbandausbau gesprochen wird. Es gibt ein eklatantes Erkenntnisdefizit.“

Die Prioritäten werden falsch gesetzt, was man an der lärmenden und lächerlichen Maut-Debatte sehr schön ablesen kann. Es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, in den Köpfen der älteren Politiker ein Umdenken zu bewirken. Es bleibt bei einem idiotischen Gezerre zwischen Bund, Ländern und Kommunen, was ja schon bei der Einführung des Digitalfunks hervorragend geklappt hat. Oder besser gesagt, der Nichteinführung. Neben Albanien sind wir übrigens das einzige Land, das zu einer solchen Mega-Leistung fähig ist. Beim Breitbandausbau und der digitalen Revolution sind die liebwertesten Gichtlinge der GroKo auf einem guten Weg, dem Vorzeigemodell des Digitalfunks zu folgen.

Mit netten Grußbotschaften auf den Merkel-IT-Gipfeln wird man wohl keine Änderung der digitalpolitischen Linie der Bundesregierung herbeiführen.

Man hört und sieht sich gleich bei einer hoffentlich spannenden Diskussion in Bloggercamp.tv. Ihr könnt während der Sendung natürlich mitmischen. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe wie immer #bloggercamp.

Update nach der Sendung:

Mein Gastbeitrag: Wenn Zündkerzen die Androiden-Sprache lernen – Google erobert die Industrie 4.0

Gunter Dueck über Innovationen:

Plattform-Champion: Wollen nicht alle wie Apple sein? #Bloggercamp.tv

Apple

„Nokia war der Vorreiter bei bunten Handys“, schreibt Sascha Ostermaier in Cashys Blog. Ja Wahnsinn. Unglaublich. Deshalb geht es diesem Flaggschiff auf dem Smartphone-Markt so unendlich gut.

„Die legendären Xpress-On-Cover, die sich damals fast über die ganze Produktpalette von Nokia zogen, wurden mit den Lumia-Smartphones wieder aufgegriffen. Mit einem Augenzwinkern bedankt sich Nokia UK nun bei Apple. ‚Imitiation is the best form of flattery‘ (‚Nachahmung it der beste Weg der Schmeichelei‘) prangt in großen Lettern über einem Bild bunter Lumias.“

Da kommen mir glatt die Tränen. Wie groß muss eigentlich die Verzweiflung beim früheren Gummistiefel-Hersteller sein, um so einen unwitzigen Werbemüll zu verbreiten? Wenn man sich den Mobilfunkmarkt etwas genauer anschaut, wird man erkennen, wer in Wirklichkeit zu den blökenden Kopisten zählt.

Bernhard Steimel hat das richtig analysiert: Apple ist nicht Nokia, denn Apple hat iTunes!

„Was vielfach ausgeblendet wird: Apple agiert schon lange nicht mehr als ein Hersteller klassischer Prägung. Apple hat sich ein Eco-System aufgebaut, in dessen Zentrum iTunes als Plattform regiert. Mit jeden Verkauf eines i-Gerätes wird das App- und Content-Geschäft weiter angefacht. Dabei profitiert Apple bislang von einer sehr hohen Wiederkaufsrate von 90 Prozent. Die Wechselrate berechnet auf die Gesamtheit alle Kunden liegt bei derzeit nur 5 Prozent. Ein Wert, von dem Kabel- und Telefongesellschaften nur träumen können.“

Apple hat in den vergangenen sieben Jahren den Wandel vom Hardware-Hersteller zum Plattform-Anbieter gemeistert. Die iTunes-Umsätze wachsen schneller als jedes andere Apple-Business (das iPad ausgenommen), berichtete vor kurzem der Finanzanalyst Philip Elmer-Dewitt von Fortune:

„What struck me, looking at Apple’s most recent SEC Form 10-Q, is that revenue from the iTunes Store grew faster sequentially (30 Prozent) and year over year (26 Prozent) than every other line of Apple’s business except the iPad (40 Prozent and 29 Prozent, respectively).“

Apple sei kein abverkaufsorientierter Hard- und Softwarehersteller mit von Quartal zu Quartal schwankenden Einkünften mehr, sondern ein Plattform-Konzern mit stabilen, wiederkehrenden Einnahmen, so Steimel. Und alleine das zählt. Im vergangenen Quartal habe Apple vier Milliarden Dollar über Käufe auf iTunes umgesetzt.

„Wenn man die Zahlen auf das ganze Jahr hochrechnet, dann sind diese Einkünfte aus dem iTunes-Geschäft größer als der Gesamtumsatz von Yahoo, Facebook und Netflix zusammen.“

Vodafone mit der Content-Plattform 360 und Nokia mit OVI seien hingegen mit ihren Plattform-Strategien kläglich gescheitert und versenkten etliche Millionen.

Man sollte also künftig nicht nur Statistiken über die Verbreitung von Betriebssystemen veröffentlichen, sondern auch den Erfolg der Plattformen mit Nutzerzahlen sowie Umsätzen und Gewinne darstellen. Zudem ist der Vergleich von iOS und Android ohne Hersteller-Differenzierung schwachsinnig.

Warum will eigentlich Microsoft mit dem Kauf von Nokia den gleichen Weg gehen wie Apple? Wie lange schaut sich Google die Ausbreitung des Android-Betriebssystem noch an, ohne wirklich gute Umsätze und Gewinne zu machen? Der Suchmaschinen-Riese ist ja nicht gerade als Altruist in der Technologiebranche unterwegs.

Vielleicht gibt es in naher Zukunft einen Dreikampf, um über relativ geschlossene Ökosysteme an der Wertschöpfungskette von Hardware, Software und Plattformen möglichst viel zu partizipieren. Was machen dann allerdings Samsung und Co.?

Man könnte auch sagen, die 575 Millionen aktiven iTunes-Konten stellen die Kundenbasis des Softwareunternehmens aus Cupertino dar.

„Vor drei Jahren lagen die Umsätze je Kunde noch bei 400U Dollar pro Jahr, mit der Versechsfachung der Nutzerzahlen ist dieser Wert zwar auf 300 Dollar gesunken. Wer jedoch die Wachstumslinie fortschreibt, wird verstehen, dass selbst bei sinkendem Prokopf-Umsatz iTunes für Apple noch viele Jahre eine Goldgrube bleiben wird“, prognostiziert Steimel, der heute Abend in Bloggercamp.tv, um 19:30 Uhr zu Gast sein wird und auch über Apple sprechen wird.

Da werde ich mit ihm auch über das neue Apple-Authentifizierungssystem mit Fingerabdruck sprechen. Die ersten Reaktionen in Deutschland waren ja ziemlich ätzend.

Unabhängig von der derzeitigen aufgeladenen NSA-Debatte halte ich jedes System für interessant, dass von der Passwort-Flut weggeht. Neu ist das nicht. Aber notwendig auf jeden Fall. Denn das Wuchern von PINS, TANS und Passwörter zur Identitätsprüfung ist lästig, widersinnig und absurd. Vor allem, wenn man irgendwann anfängt, seine Identitäten zu notieren, weil man sonst den Überblick verliert. Eine einfache und sichere Technologie zur Identifikation könnte also ein weiteres Pfund für Apple sein.

Wer heute Abend in der Hangout-Diskussion mitmischen möchte, ist herzlich eingeladen. Einfach bei mir melden, dann hole ich Euch in den Hangout rein.

Man hört und sieht sich.

Mehr Internet und App-Economy wagen: Apple und der lange Schatten des Steve Jobs

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Die hermetischen Strukturen der Apple-Welt garantierten nach Auffassung des Spiegel Online-Kolumnisten Sascha Lobo die zentralen Vorteile seiner Produkte: Einfachheit, Eleganz und Sicherheit.

„Es ist allerdings erstaunlich, dass Apple außer Stande scheint, diese Leitmotive ins moderne Internet zu übertragen, von Cloud bis zur sozialen Vernetzung. Die eigentliche Leistung des Unternehmens ist der Aufbau eines digitalen Ökosystems, bestehend aus Hardware, Betriebssystemen und Konsumplattformen.“

Die Nutz- oder Dienstprogramme des Cupertino-Konzerns würden dagegen oft zwischen Zumutung, Dysfunktionalität und Egalheit pendeln.

„Falls Apple plant, mehr Internet zu wagen, bleibt nur der Zukauf eines entsprechenden Unternehmens, potentielle Kandidaten wären Dropbox, Soundcloud und, ja, Twitter“, schreibt Lobo in seinem Jahresausblick.

Für die App-Economy ist der Apfel-Konzern schlecht gerüstet. Wenn ein Apple-Fanboy wie der App-Entwickler und Mobile Business-Experte Ralf Rottmann das Lager wechselt und von der Innovationskraft des neuen Nexus 4 von Google schwärmt, sollten in Cupertino die Warnleuchten angehen. Sein Blogpost “An iPhone lover’s confession: I switched to the Nexus 4. Completely” hat international wie eine Bombe eingeschlagen und mit über 17.000 Likes, Retweets und Google Plus-Empfehlungen die exorbitanten Sascha Lobo-Werte in den Schatten gestellt.

Sein privater Server brach schon eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung zusammen. Bei den Hackernews landete er auf dem ersten Platz und selbst die Times zitierte den App-Guru. In der Vergangenheit hat Rottmann regelmäßig andere Plattformen getestet. Dazu zählen auch die Android-Telefone. Spätestens nach vier Tagen ist er wieder wehmütig zum iPhone zurückgekehrt:

„Und dann kam das Nexus 4. Auch hier hatte ich keine hohen Erwartungen. Statt das Gerät wieder bei eBay zu verticken, bin ich hängengeblieben. Eine Rückkehr zum iPhone 5 schließe ich aus“, so Rottmann im ichsagmal-Interview.

Das Google-Gerät sei schneller, besser und mache mehr Spaß. Es habe in der Vergangenheit berechtigte Kritik am Android-Betriebssystem gegeben. Es war langsamer, hakliger und hatte ärgerliche Latenzen bei der Bedienung des Touchscreens. Die Offenheit des Google-Systems brachte Nachteile. Zahlreiche Mobilfunk- und Tablet-Hersteller modifizierten Android und schufen Dutzende von Varianten und Benutzeroberflächen. So war es nur schwer möglich, konsistente und benutzerfreundliche Apps zu programmieren.

Google auf Augenhöhe mit Apple

„Das funktionierte auf den iOS-Geräten von Apple viel, viel besser. Diese Mängel sind weg. Wer heute noch das Gegenteil behauptet, liegt falsch. Zumindest beim Nexus 4. Hier ist Google auf Augenhöhe mit Apple. Und das ist nicht alles. Hinzu kommen Innovationen, die Apple nicht vorweisen kann. Beispielsweise die Interaktion der Apps, die Anbindung der Applikationen an soziale Netzwerke, ohne einen Wechsel bei den Diensten vornehmen zu müssen. Hier wird eine Integrationstiefe erreicht, die iOS nicht ermöglicht. Apple beschränkt den Nutzer und zwingt ihn, um die Ecke zu denken“, kritisiert Rottmann.

Es liege vielleicht an der DNA von Google und der Mashup-Tradition des Suchmaschinen-Giganten. Das Zusammenführen unterschiedlicher Dienste und Kontexte zu etwas Besseren sei die Stärke von Google.

„Unter Android kann man Fotos oder Screenshots ganz einfach in die Dropbox schieben und dann an einem anderen Gerät wieder herausholen. Mit dem iPhone oder iPad geht das nicht, da der Foto-Ordner keine Verbindung zur Dropbox aufnehmen kann. Einzelne Fotos oder Screenshots muss ich deshalb immer per E-Mail schicken, damit ich sie auf meinem Mac-Rechner dann weiterverwenden kann. Auch bei der Geräte-Synchronisation hängt Apple hinterher: Bei Android laufen die Synchronisationsvorgänge praktisch unmerklich im Hintergrund, während das iPhone immer noch regelmäßig an den Mac angebunden werden will“, bestätigt bwlzweinull-Blogger Matthias Schwenk.

Talente prägen die Innovationskraft

Apple habe zu lange und zu viel Energie in das Design und Hardware-Äußerlichkeiten gesteckt und dabei unterschätzt, dass der eigentliche Innovations-Treiber inzwischen bei der Software liegt. Hier könne Google seine Kompetenz voll ausspielen.

„Kurioserweise hat Apple zwar sehr viel Geld auf der hohen Kante, dafür aber so gut wie keine Forschung zu Künstlicher Intelligenz. Bei Google ist das ganz anders. Dieses Thema ist den Gründern seit vielen Jahren geradezu heilig. In dem Maße, wie daraus marktrelevante Produkte entstehen oder sich ableiten lassen wie bei Google Now, hat Google einfach die Nase vorn. Dass Apple hier überhaupt mithalten kann, verdankt man dem Erwerb des Siri-Startups – intern hatte Apple dazu gar keine Abteilung“, weiß Schwenk.

Die Innovationskraft eines Unternehmens werde eben stark geprägt durch die rekrutierten Talente, erläutert IT-Personalexperte Karsten Berge von SearchConsult.

„Besonders der Kandidatenmarkt für die Entwicklung von mobilen Anwendungen ist hart umkämpft. Selbst für Apple dürfte es nicht einfach sein, Kompetenz einzukaufen. Hier steht mehr oder weniger jedes Unternehmen vor der Herausforderung, Spezialisten an Land zu ziehen“, so Berge.

Beim Chip-Design verfüge Apple noch über die besten Köpfe, meint Rottmann. Selbst klassische Hardware-Hersteller könnten das nicht vorweisen.

„Das ist ein Vorsprung, den man nicht über Nacht aufholen kann.“

Das gelte aber nur für die Fertigung und den Technologien, die dafür notwendig seien. Beim Ökosystem für die mobile Kommunikation habe Apple diesen Vorsprung verloren.

„Apple muss den Abstand zwischen den Gitterstäben stark erweitern. Am Besten soweit, dass der Nutzer sich nicht im Käfig wähnt und nur soweit, dass die gewohnte Sicherheit bei Apple noch gewährleistet ist“, fordert der Social Media-Berater und Blogger Camp-Mitorganisator Hannes Schleeh.

Ich bin auf den nächsten Blogbeitrag von Ralf Rottmann gespannt mit Vorschlägen für eine Neuausrichtung beim iOS 7.

Ausführlich ist das in meiner heutigen Kolumne „Der lange Schatten des Steve Jobs“ nachzulesen.

Siehe auch:

Von den Schwierigkeiten ein eBook bei Apple zu verkaufen.

Das nächste große Ding bei Google: Project Glass: Erste Entwickler bekommen Zugriff auf Googles Datenbrille & Mirror API.

Und dann kam das Nexus 4: Wer gewinnt die Hoheit im mobilen Web?

Steve Jobs Actionfigur

Während ihrer kompletten beruflichen Laufbahn stritten Bill Gates und Steve Jobs über zwei konkurrierende Philosophien für die digitale Welt: ob Hardware und Software eng integriert oder offen sein sollten. In seinem letzten Gespräch mit Steve Jobs machte der Microsoft-Gründer dann ein Eingeständnis: „Ich dachte immer, dass das offene horizontale Modell die Oberhand gewinnen würde, aber du hast bewiesen, dass auch das integrierte vertikale Modell großartig sein kann.“ Bei der Wiedergabe des Gesprächs machte Gates später eine Einschränkung und die könnte sich zu einer realitätsnahen Prophezeiung auswachsen:

„Der integrierte Ansatz funktionierte gut, solange Steve am Steuer war. Das heißt aber nicht, dass er auch in Zukunft noch viele Runden gewinnen wird.“

Wenn ein Apple-Fanboy wie der App-Entwickler und Mobile Business-Experte Ralf Rottmann das Lager wechselt und von der Innovationskraft des neuen Nexus 4 von Google schwärmt, sollten in Cupertino die Warnleuchten angehen. Sein Blogpost “An iPhone lover’s confession: I switched to the Nexus 4. Completely” hat international wie eine Bombe eingeschlagen und mit über 17.000 Likes, Retweets und Google Plus-Empfehlungen die exorbitanten Sascha Lobo-Werte in den Schatten gestellt. Sein privater Server brach schon eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung zusammen. Bei den Hackernews landete er auf dem ersten Platz und selbst die Times zitierte den App-Guru. In der Vergangenheit hat Rottmann regelmäßig andere Plattformen getestet. Dazu zählen auch die Android-Telefone. Spätestens nach vier Tagen ist er wieder wehmütig zum iPhone zurückgekehrt:

„Und dann kam das Nexus 4. Auch hier hatte ich keine hohen Erwartungen. Statt das Gerät wieder bei eBay zu verticken, bin ich hängengeblieben. Eine Rückkehr zum iPhone 5 schließe ich aus“, so Rottmann im ichsagmal-Interview.

Beim Nexus 4 liege Google auf Augenhöhe mit Apple.

„Und das ist nicht alles. Hinzu kommen Innovationen, die Apple nicht vorweisen kann. Beispielsweise die Interaktion der Apps, die Anbindung der Applikationen an soziale Netzwerke, ohne einen Wechsel bei den Diensten vornehmen zu müssen. Hier wird eine Integrationstiefe erreicht, die iOS nicht ermöglicht. Apple beschränkt den Nutzer und zwingt ihn, um die Ecke zu denken“, kritisiert Rottmann.

Es liege vielleicht an der DNA von Google und der Mashup-Tradition des Suchmaschinen-Giganten. Das Zusammenführen unterschiedlicher Dienste und Kontexte zu etwas Besseren sei die Stärke von Google.

„Unter Android kann man Fotos oder Screenshots ganz einfach in die Dropbox schieben und dann an einem anderen Gerät wieder herausholen. Mit dem iPhone oder iPad geht das nicht, da der Foto-Ordner keine Verbindung zur Dropbox aufnehmen kann. Einzelne Fotos oder Screenshots muss ich deshalb immer per E-Mail schicken, damit ich sie auf meinem Mac-Rechner dann weiterverwenden kann. Auch bei der Geräte-Synchronisation hängt Apple hinterher: Bei Android laufen die Synchronisationsvorgänge praktisch unmerklich im Hintergrund, während das iPhone immer noch regelmäßig an den Mac angebunden werden will“, bestätigt bwlzweinull-Blogger Matthias Schwenk.

„Apple muss den Abstand zwischen den Gitterstäben stark erweitern. Am Besten soweit, dass der Nutzer sich nicht im Käfig wähnt und nur soweit, dass die gewohnte Sicherheit bei Apple noch gewährleistet ist“, fordert der Social Media-Berater und Blogger Camp-Mitorganisator Hannes Schleeh.

Soweit ein kleiner Ausblick auf meine morgige The European-Kolumne. Bin auf Eure Reaktion gespannt.

Reaktionen der Börse sind ja schon zu verzeichnen. Jedenfalls steht die Apple-Aktie unter Druck. Und das liegt vor allem an der schwachen iPhone 5-Nachfrage, wie das Wall Street Journal berichtet:

„Apple hat seine Bestellungen für Bauteile des iPhone 5 wegen einer unerwartet schwachen Nachfrage zurückgefahren. Das berichten Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Die Aufträge für Displays für das neue iPhone etwa seien für das erste Quartal auf rund die Hälfte der Menge gesunken, die das Unternehmen ursprünglich anvisiert hatte. Auch für andere Komponenten habe Apple die Auftragsmengen verringert und die Zulieferer vergangenen Monat darüber informiert, heißt es. Die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei hatte am Montag als erste darüber berichtet. Apple-Vertreter waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.“

Ralf Rottmann hofft auf einen deutlichen Kurswechsel beim iOS 7. Seine Wünsche und Anregungen wird er in seinem Blog noch niederlegen. Auch darauf bin ich gespannt.

Im Netz können Sterne schnell verglühen – das bekommt derzeitig Apple zu spüren. Wie AGB-Diktatoren von Nutzern abgestraft werden, beleuchtet sehr schön t3n. Instagram verliert 50 Prozent seiner aktiven Nutzer in einem Monat.

Schöne Steilvorlage für die zweite Session des Blogger Camps am 30. Januar von 19,30 bis 20,00 Uhr. Thema: Über die AGB-Diktatoren des Netzes.